Getreu dem Motto “Strom kommt aus der Steckdose” kämpfen etliche Bürgerinitiativen zwar für regenerative Energien aber gegen Windkraftanlagen im eigenen Sichtumfeld. Ein kleines Update von der “Windverhinderer-Front”.

Alle diese Bürgerinitiativen haben eins gemeinsam: Sie sind per se “natürlich” nicht gegen Windkraftanlagen und saubere Energie, möchten aber in ihrem Lebensumfeld keine solchen Anlagen sehen – die sollen einfach “woanders” gebaut werden, wobei man sich in der Regel darüber ausschweigt, wo dies denn sein könnte. Eine sehr gelungene Zusammenfassung dieser Argumentation liefert der Sprecher der bayerischen “Gegenwind”-Initiative:

Sauber, sicher, regenerativ: Die Windkraft hat hierzulande viele Anhänger. In einer repräsentativen Umfrage des [BMU] etwa sprachen sich 62 Prozent der Befragten für einen Ausbau aus. Genau dies will die Initiative «Gegenwind» in Bayern verhindern.

Der Sprecher des «Gegenwind»-Landesverbandes, Gerhard Zimmet aus Weiden, beeilt sich zu betonen, dass man nicht prinzipiell gegen Windkraft sei. Die sei an und für sich keine schlechte Sache, wenn sie «im Einklang mit Mensch und Natur steht». Wenig später erzählt er, dass er quasi selbst betroffen sei. «Ich werde einmal das Vergnügen haben, drei oder vier solcher Anlagen vor meinem Fenster zu haben», sagt der 48 Jahre alte Beamte. «Es kann nicht sein, dass unsere Landschaft mit Windrädern von einer Höhe bis zu 190 Metern verschandelt wird»

Das einfache Gleichungssystem “Windkraft = gut UND Windkraft hier vor Ort (bzw. “vor meinem Fenster”) = eine Schande” findet sich auch bei Windkraftgegnern aus Baar:

Die Interessengemeinschaft sei nicht generell gegen Windkraftanlagen, aber gegen einen Windpark an diesem Ort. Baar habe mit seinen großen Solarparks seine „Hausaufgaben” für regenerative Energieerzeugung mehr als gemacht. […] Anita Reichart: „Die Idylle in Baar wäre vorbei. Das sind Einbußen, die man mit Geld nicht aufwiegen kann.”

Auch in Hessen möchte man die Windkraft fördern – aber längst nicht überall:

Auf dem Otzberg sollen keine stehen. Nicht bei Michelstadt im Odenwald und schon gar nicht im Hochtaunus. Eigentlich auf keiner Anhöhe. Aber auch in Biblis, neben dem einzigen hessischen Atomkraftwerk mit seinen weithin sichtbaren Kühltürmen, dürfen sich nach dem Willen […] von CDU und FDP keine Windräder drehen. Der Einfachheit halber haben sie denn auch gleich beschlossen, alle Natur- und Geoparks in Südhessen als Standorte für die Windenergie auszuschließen – mit einem verblüffenden Ergebnis: Nur im engeren Ballungsraum nordöstlich von Frankfurt, in Richtung Wetterau und Main-Kinzig-Kreis sollen die von Gegnern als „Windkraftmonster” gescholtenen Anlagen errichtet werden können.

Windkraft – ja bitte, aber nicht bei uns – diese Art der Argumentation hat den SPD-MdB Michael Roth offenbar schon in solche Verzweiflung getrieben, dass er potenzielle Wähler ziemlich sarkastisch abkanzelt – für einen Politiker ein durchaus untypisches Verhalten:

Der Bundestagsabgeordnete Michael Roth machte im Gespräch mit der Werra-Rundschau deutlich, dass er Windkraft vehement befürworte: “Wenn wir erneuerbare Energiequellen für die Klima killenden Atomkraftwerke wollen, dann müssen sich auch Standorte finden.

Er sieht die sachliche Kommunikation mit den Leuten vor Ort als ganz wichtig an: “Aber vielleicht gibt es ja irgendwann einmal die Bürgerinitiative, die sich ,Strom aus der Steckdose’ nennt? Das wäre dann aber arg einfach”, schmunzelte der neue Generalsekretär der [hessischen] SPD.

Das musste allerdings mal gesagt werden. Quasi als Kontrapunkt zu den Ausführungen Roths, schließe ich das Update mit einem mehr als nur dramatischen Appell des FDP-Landtagsabgeordneten Jochen Paulus, der – offenbar in Unkenntnis der typischen Laufzeiten von Windkraftanlagen – schon heute das Wohl seiner Enkel im Auge hat:

Paulus’ Appell an alle Betreiber solcher Anlagen: “Bitte auch an unsere Kinder und Kindeskinder denken, die später einmal gerne in unserer Region leben und arbeiten wollen.”

Was soll man dazu noch sagen? Bitte keine Windkraft – unserer Kinder wegen…


Weitere Blogposts zum Thema:

Kommentare (32)

  1. #1 Samin
    16. März 2009

    Offenbar hat es noch einen Grund dass die Leute keine Windkraftanlagen vor dem eigenen Fenster wollen: http://xkcd.com/556/ 😉

  2. #2 Gluecypher
    16. März 2009

    Tja, das ist ja immer das Problem von solchen Initiativen: Wir wollen keine woll’n wa’ nich’! Und dann wenn man nach Alternativen fragt: Keine Ahnung, aber wir wollen es nicht. Und diese ganze “Wir sind ja gar nicht gegen WIndkraft” Masche. Erinnert mich so ein bisschen an die Anti-Vakzin Damen und Herren. “Wir sind ja nicht gegen Impfungen, aber ……*Anti-Impf Aussage nach Gusto hier einfügen*” oder Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe. “Wir haben ja nichts gegen Schwule aber……*schwulenfeindliche Aussage nach Gusto hier einfügen* Die Liste ließe sich zimelich lange fortsetzen. Muss irgendwas mit deren Selbstwahrnehmung zu tun haben.

    @Samin
    ^_^

  3. #3 Wolfgang Flamme
    16. März 2009

    Andererseits hält sich auch die Zahl der Windenergiebefürworter, die mit Windstrom versorgt werden wollen in äußerst überschaubaren Grenzen.

  4. #4 Wolfgang Flamme
    16. März 2009
  5. #5 Erhard
    16. März 2009

    Hallo Christian nicht nur Wind auch die Solarenergie hat Ihre Späßchen:

    http://ralos.de/blog/2009/03/photovoltaik-verursacht-keinen-abfall-jetzt-auch-amtlich.html

    Unkenntnis, Ängste vor Veränderung und Bequemlichkeit wir brauchen eine Generation (biologische Lösung) bis erneuerbare Energien anerkannt sind.

    Mit sonnigen Grüßen

  6. #6 Jörg
    16. März 2009

    … hier zB im Enercon-Land:

    http://i171.photobucket.com/albums/u304/wflamme/NaturwattEmden.png

    Was zeigen die Bilder? Und was bedeutet das in Bezug auf Ihre Aussage? Bilder ohne Erklärung der Zusammenhänge sind wertlos für eine Diskussion.

  7. #7 Wolfgang Flamme
    16. März 2009

    Hmmm… hat außer Jörg hier noch irgendwer Probleme damit, zu erfassen, was diese Bilder darstellen und was sie aussagen?

  8. #8 Jürgen Schönstein
    16. März 2009

    @Wolfgang Flamme
    “hat außer Jörg hier noch irgendwer Probleme damit, zu erfassen, was diese Bilder darstellen und was sie aussagen?”
    Ich verstehe die beiden Grafiken auch nicht. Können Sie wenigstens ein paar erklärende Worte dazu spendieren?

  9. #9 Anhaltiner
    16. März 2009

    @Wolfgang 2 Stromtarife einer 100% Wasserenergie der andere 50:50 Wasser und Wind:
    Was will der Dichter uns damit sagen? Ich kenne auch strommixe mit Atomstrom – ist dass dann gut? Oder schlecht? Oder beides?

    Oder ist das nur Schleichwerbung?

  10. #10 Wolfgang Flamme
    16. März 2009

    Danke erstmal, Jürgen. Noch jemand, der ohne Erläuterungen nichts mit dem Sceenshot anfangen kann?

  11. #11 Christian Reinboth
    16. März 2009

    @Jürgen: Ich nehme an, der Graph soll uns klarmachen, dass der tatsächliche Anteil von Windenergie am erneuerbaren Energiemix (noch) sehr gering ist, wobei mir unklar ist, warum ausgerechnet NaturWatt Emden für diese Feststellung herhalten muss… So oder so eigentlich nur ein Grund mehr, den Bau von weiteren Windrädern nicht zu behindern.

  12. #12 Jürgen Schönstein
    16. März 2009

    @Christian
    Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich habe genug Vorstellungskraft, mir eine ganze Reihe möglicher Aussageabsichten dieser Grafiken auszumalen. Der Haken ist, dass sie mit einer bestimmten Aussage im Sinn erstellt wurden (und sicher auch in einem bestimmten Zusammenhang verstanden werden solllten). Beides würde ich aber lieber wissen als vermuten …

  13. #13 Christian Reinboth
    16. März 2009

    @Jürgen: ditto. Da sind wir uns wohl einig.

  14. #14 Wolfgang Flamme
    16. März 2009

    Quelle des Screenshots ist …
    http://www.naturwatt.de/cps/rde/xchg/naturwatt/hs.xsl/unser_strom_strombilanz_DEU_HTML.htm

    (S.a. die Selbstdarstellung des Unternehmens auf der verlinkten Seite).

    Dargestellt sind die Stromkennzeichnungen …
    http://de.wikipedia.org/wiki/Stromkennzeichnung
    … gem. §42 EnWG zweier Ökostromprodukte von NaturWatt, darunter die Zusammensetzung der Stromlieferung des heutigen Tages.

    Am heutigen Tage (16.03.2009) beziehen alle NaturWatt-Ökostromkunden in der windreichen und dicht mit WEA bestückten, aber hydroenergiearmen Region also fast ausschließlich Wasserkraft aus der Schweiz und Norwegen:
    http://www.naturwatt.de/cps/rde/xchg/naturwatt/hs.xsl/unser_strom_stromherkunft_DEU_HTML.htm
    Wobei es sich -wenigstens teilweise- um Wasserkraft handelt, die durch vermehrten Import von Kohle- oder KKW-Strom freigesetzt wurde.

    Ich finde, Jürgen und Anhaltiner schulde ich wahrscheinlich diese Erklärung über einfache fachliche Hintergründe (hiermit geschehen).

    Wieso aber ausgerechnet der Jörg, der auf scienceblogs.de ja häufiger sein Fachwissen über erneuerbare Energien veröffentlicht, sich ganz schnell gemeldet und versichert hat, er könne mit sowas gar nichts anfangen und sie sogar als ‘ohne Erklärung der Zusammenhänge wertlos’ bezeichnet…?

  15. #15 Wolfgang Flamme
    17. März 2009

    (Nochmal ohne http-Links):

    Quelle des Screenshots ist …
    http://www.naturwatt.de/cps/rde/xchg/naturwatt/hs.xsl/unser_strom_strombilanz_DEU_HTML.htm

    (S.a. die Selbstdarstellung des Unternehmens auf der verlinkten Seite).

    Dargestellt sind die Stromkennzeichnungen …
    de.wikipedia.org/wiki/Stromkennzeichnung
    … gem. §42 EnWG zweier Ökostromprodukte von NaturWatt, darunter die Zusammensetzung der Stromlieferung des heutigen Tages.

    Am heutigen Tage (16.03.2009) beziehen alle NaturWatt-Ökostromkunden in der windreichen und dicht mit WEA bestückten, aber hydroenergiearmen Region also fast ausschließlich Wasserkraft aus der Schweiz und Norwegen:
    http://www.naturwatt.de/cps/rde/xchg/naturwatt/hs.xsl/unser_strom_stromherkunft_DEU_HTML.htm
    Wobei es sich -wenigstens teilweise- um Wasserkraft handelt, die durch vermehrten Import von Kohle- oder KKW-Strom freigesetzt wurde.

    Ich finde, Jürgen und Anhaltiner schulde ich wahrscheinlich diese Erklärung über elementare Hintergründe (hiermit geschehen).

    Wieso aber ausgerechnet der Jörg, der ja häufiger auf scienceblogs.de zu erneuerbaren Energien bloggt, sich ganz schnell gemeldet und versichert hat, er könne mit sowas gar nichts anfangen und sie sogar als ‘ohne Erklärung der Zusammenhänge wertlos’ bezeichnet, …?

  16. #16 Wolfgang Flamme
    18. März 2009

    Sry für das Doppelposting, ich dachte, es wäre wg. der vielen Links vom Filter ausgesiebt worden.

    Ärgerlich

    Aus der Mühle schaut der Müller,
    der so gerne mahlen will.
    Stiller wird der Wind und stiller,
    und die Mühle stehet still.

    “So geht’s immer, wie ich finde!”
    rief der Müller voller Zorn,
    “Hat man Korn, so fehlt’s am Winde,
    hat man Wind, so fehlt das Korn.”

    Wilhelm Busch

  17. #17 Jörg
    18. März 2009

    Wieso aber ausgerechnet der Jörg, der auf scienceblogs.de ja häufiger sein Fachwissen über erneuerbare Energien veröffentlicht, sich ganz schnell gemeldet und versichert hat, er könne mit sowas gar nichts anfangen und sie sogar als ‘ohne Erklärung der Zusammenhänge wertlos’ bezeichnet…?

    Warum nehmen immer alle jeder könne sich seine Schlüsse selbst ziehen statt mal aufzuschreiben was sie meinen? Ich bin nicht zu doof eine Grafik zu lesen, aber wenn man in einer Diskussion beiträgt schreibt man auf was man meint statt fleischige Brocken an Links und Grafiken hinzuwerfen. Wenn man aber schreibt was man meint kann man hinterher nicht behaupten, dass man etwas ja gar nicht habe sagen wollen.

    Schön, jetzt haben Sie also gezeigt dass für einen Anbieter der Mix hauptsächlich Wasser beinhaltet.

    Und wie folgern Sie jetzt daraus, dass deutsche Kunden keinen Windstrom möchten?

  18. #18 Jürgen Schönstein
    18. März 2009

    @Wolfgang Flamme
    Vielen Dank für die “Nachhilfestunde” … Nun weiß ich also, dass Windkraft und Photovoltaik im Energiemix bisher keine große Rolle spielen. Aha. Bleibt die Frage warum; von einer “windreichen und dicht mit WEA bestückten, aber hydroenergiearmen Region” kann in dem von Ihnen angeführten Beispiel aber keine Rede sein, wenn ich mir mal die Stromherkunfts-Karte anschaue, denn da sind gerade mal drei WEA-Standorte vermerkt. Und genau darum geht es ja in diesem Posting.

  19. #19 Wolfgang Flamme
    18. März 2009

    @Jörg

    “Warum nehmen immer alle (an) jeder (…)”

    Castest Du gerade für “Deutschland sucht den Super-Amokläufer”?

    Und drehe mir nicht die Worte im Mund um; ich sagte, daß “sich auch die Zahl der Windenergiebefürworter, die mit Windstrom versorgt werden wollen in äußerst überschaubaren Grenzen” hält.

    Wenn Du also ein paar Windenthusiasten kennst, die tatsächlich so versorgt werden wollen …
    http://reisi.iset.uni-kassel.de/bilder/time_series_2005_de.gif
    … das läßt sich bestimmt irgendwie einrichten.

    @Jürgen (+Jörg)

    “(…) von einer ‘windreichen und dicht mit WEA bestückten, aber hydroenergiearmen Region’ kann in dem von Ihnen angeführten Beispiel aber keine Rede sein, wenn ich mir mal die Stromherkunfts-Karte anschaue, denn da sind gerade mal drei WEA-Standorte vermerkt.”

    Nana, ein paar mehr gibt’s in der Region schon – siehe Bilder hier:
    http://www.dwarsloper.de/?p=101
    http://www.flickr.com/photos/16432636@N00/106067931/

    Den Windenergieboom haben wir doch erst, seit alle gleichermaßen gezwungen wurden, die Windstromproduktion abzunehmen und erhöhte Preise zu entrichten – auch und vor allem die, die ihn nicht wollten.
    Für die Betreiber bestand nie ein Zwang, sich Ihren Windstrom (oder sonstwas) nach EEG vergüten zu lassen. Schon lange vor EEG-Zeiten hätten die Stadtwerke im windigen Norden ihren angeblich so windstromhungrigen Kunden Windstrom aus eigener Erzeugung anbieten können – wenn es solche Kunden gegeben hätte … und wenn die Stadtwerke solche unzuverlässigen Stromerzeuger in ihrem Netz hätten dulden wollen. Also hat die Politik kurzerhand die notwendige Nachfrage befohlen und bundesweiten Kaufzwang eingeführt. Daraufhin folgte dann noch der bundesweite Aufstellzwang (Privilegierung im Außenbereich).

    Wer da behauptet, die Nachfrage nach Windstrom sei so groß, der muß erstmal die Einführung des Kaufzwangs erklären. Er muß auch erklären, wieso ich Mitte 2008 bei verivox.de kein einziges Ökostromprodukt finden konnte, das mehr Wind- als Wasserkraft enthielt – obwohl die Windstromproduktion die Wasserkraft ja schon lange überflügelt hat. Nicht daß das jetzt unbedingt anders wäre, ich hab nur nicht die Zeit, das alles nochmals durchzuackern und dutzende von Mails zu schreiben, was “100% Regenerativ” denn nun genau bedeutet.

    Die Kritiker der Hybris sollten sich die Geschichte einfach mal in Erinnerung rufen, dann ist der Widerspruch nämlich keiner mehr: Die meisten Menschen bekamen den Windstrom und seine Mehrkosten gegen ihren Willen aufs Auge gedrückt. Sie haben die Argumente notgedrungen akzeptiert und versucht, sich mit ‘naja, ist ja für einen guten Zweck” und “kostet ja nur ein Eis am Stil pro Monat” zu trösten. Jetzt, wo Ihnen zusätzlich auch noch die zugehörigen Windräder aufs Auge gedrückt werden sollen, langt’s ihnen einfach mit den Zugeständnissen.
    Daß gleich die ganze Hand genommen wird – mit der Begründung, man habe ja schon den kleinen Finger unbedingt reichen wollen – das empfinden viele als unanständig, da werden sie dann bockig und skrupellos.

    Tja, und das führt dann zu allerlei Skurrilitäten. Ich wohne am Laubenheimer Hang mit (ein bischen) Blick aufs Rheintal, hinter mir auf der Laubenheimer Höhe will RIO Energie (Stadtwerke + juwi) zwei 150m-Anlagen aufstellen. Da sind sich alle politischen Ortsverbände (CDU, SPD, FDP, ÖDP) einig, daß man nie genug erneuerbare Energien haben kann, aber daß diese unersetzliche Laubenheimer Rheintal-Shilouette (mit seiner dekorativen Hochspannungsquerung) unbedingt geschützt werden müsse. Einzige Ausnahme: Die Grünen, die das verlogen finden. Aber die haben auch keinen Ortsverein hier.

    Und ich? Kurioserweise empöre ausgerechnet ich, der Windkraftkritiker, mich nicht und werde mich auch nicht gegen das Vorhaben wehren. Ich habe da auch keine Aktien oder Interessen in dem Geschäft. Es ist nur einfach so, daß ich mir selbst nie was vorgemacht habe, was diesen Quatsch betrifft, kein Selbstbetrug ‘für einen guten Zweck’ und ‘nur ein Eis am Stil’ bei mir. Ich wußte, daß es so kommen mußte und deshalb fühle ich mich auch nicht betrogen, übertölpelt oder ausgenutzt. Dieser Shilouettenquatsch ist was für Leute, die bei der Wahl ihr Kreuzchen machen und hoffen, daß das nicht wirklich gilt, falls es ihnen mal nicht in den Kram paßt. Grün fordern, gelb verhandeln, rot kassieren und schwarz abrechnen, das wird mir als Lebenseinstellung einfach zu bunt.

  20. #20 Christian Reinboth
    19. März 2009

    @Wolfgang Flamme:

    Castest Du gerade für “Deutschland sucht den Super-Amokläufer”?

    Muss das denn wirklich sein?

    Nana, ein paar mehr gibt’s in der Region schon…

    Drei Standorte bedeutet ja auch nicht “drei Windkraftanlagen”…

    Den Windenergieboom haben wir doch erst, seit alle gleichermaßen
    gezwungen wurden, die Windstromproduktion abzunehmen und erhöhte
    Preise zu entrichten – auch und vor allem die, die ihn nicht wollten.

    Genau wie die Ökosteuer oder das Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen. Alles Maßnahmen, die auch von denjenigen mitgetragen werden müssen, die bei ihrer Einführung urpsrünglich dagegen waren, die aber dennoch richtig und wichtig sind.

    Also hat die Politik kurzerhand die notwendige Nachfrage
    befohlen und bundesweiten Kaufzwang eingeführt. Daraufhin folgte dann
    noch der bundesweite Aufstellzwang (Privilegierung im Außenbereich).

    Die deutsche Politik fördert demnach eine umweltfreundliche, zukunftsweisende Technologie – was für ein Skandal. Ich bezweifle allerdings, dass die Unterstützung der Windkraft auch nur näherungsweise im gleichen Bereich liegt, wie die vielen Stützen für die Atomkraft, siehe Frontal-Bericht vom 16.09.08:

    Die meisten Menschen bekamen den Windstrom und seine Mehrkosten gegen ihren Willen aufs Auge gedrückt. Sie haben die Argumente notgedrungen
    akzeptiert und versucht, sich mit ‘naja, ist ja für einen guten Zweck” und “kostet ja nur ein Eis am Stil pro Monat” zu trösten. Jetzt, wo Ihnen zusätzlich auch noch die zugehörigen Windräder aufs Auge gedrückt werden sollen, langt’s ihnen einfach mit den Zugeständnissen.

    Und genau das wiederum ist vollkommen unlogisch – denn Windkraft ist ohne “zugehörige” Windräder nun mal nicht vorstellbar – und irgendwo müssen die wiederum aufgebaut werden. Das ist exakt der Punkt, der mich an den meisten Windkraft-Gegnern so stört – sie sind entweder nicht gegen Windkraft an sich (oder aber sind es, sprechen das aber nicht offen aus), akzeptieren aber keine Anlagen in ihrer unmittelbaren Nähe. Stets heißt es: “Woanders, aber bitte nicht bei mir.”

  21. #21 Jörg
    19. März 2009

    Castest Du gerade für “Deutschland sucht den Super-Amokläufer”?

    Und drehe mir nicht die Worte im Mund um; ich sagte, daß “sich auch die Zahl der Windenergiebefürworter, die mit Windstrom versorgt werden wollen in äußerst überschaubaren Grenzen” hält.

    Seltsam, obwohl Sie zu medizinischen Themen etc gute Kommentare verfassen, ist Ihr Niveau hier furchtbar unterirdisch. Wie kommt das?
    Und es ist grad egal was Sie eigentlich sagen wollten, und auch ihre wortreichen Ausführungen und Anekdoten haben nichts, aber auch gar nichts mit der Frage zu tun, wie aus einer Grafik des Energiemixes eines Anbieters der Wille der Abnehmer folgt? Ich kanns auch gleich beantworten: Überhaupt nicht.

  22. #22 Wolfgang Flamme
    19. März 2009

    @Christian

    “Muss das denn wirklich sein?”

    Schon. Wäre Dir sonst aufgefallen, daß Jörg seine Bitte, ich möge meine Aussagen doch bitte spezifisch und konkret statt in ‘fleischigen Brocken’ niederlegen, selbst ausnahmslos in unspezifischen ‘fleischigen Brocken’ (immer, alle, jeder, sie, man…) formuliert? Ein doller Witz ist das, ich ‘unterstreiche’ nur die besonders komischen Stellen.

    “Drei Standorte bedeutet ja auch nicht “drei Windkraftanlagen”…”

    Meine Aussagen dazu waren unmißverständlich: Es handele sich um eine “‘windreiche und dicht mit WEA bestückte, aber hydroenergiearme Region’. Trotzdem bieten die Ökostromanbieter ihren Kunden dort (wie überall) mehr Hydroenergie als Windenergie an.

    Und ich weiß das, weil es aus der E.ON-Stammdatenbank für das PLZ-Gebiet 26*** so hervorgeht. Und weil ich die Ökotarife bei verivox.de bzgl. ihrer Zusammensetzung gecheckt habe. Wer mir da widerspricht, der soll jetzt erstmal sagen, woher er seine Weisheiten hat.

    Und mit Deinen restlichen Äußerungen hast Du einfach bloß recht. Oder besser: Du hättest recht, wenn die Entscheidung unter mündigen, umfassend informierten Bürgern getroffen worden wäre, die eine demokratische Kultur pflegen. Das war offensichtlich nicht so, es war vielmehr ein infantiler Wünsch-Dir-was-Kindergarten, in dem man sich jede Menge umweltfreundlichen, billigen Strom dezentral erzeugen kann, ohne jede Menge dezentraler Windräder und ohne Stromleitungen dazwischen. Und niemand hat dem widersprochen, sondern diese Träumereien wurden gezielt genährt.
    Jetzt werden die Leute unsanft von Realitäten aus ihren Träumen geweckt und sind entsprechend grantig. Sie wollen das alles immer noch, was ihnen damals versprochen wurde und fühlen sich betrogen.

  23. #23 Wolfgang Flamme
    19. März 2009

    @Jörg,

    melden Sie sich doch einfach bei mir, sobald Sie es geschafft haben, Ihren heimischen und arbeitsplatzbedingten Stromverbrauch der Windstromproduktion anzugleichen. Dann bescheinige ich Ihnen freudig meinen Irrtum und daß es zumindest einen Menschen in Deutschland gibt, der wirklich von Windstrom versorgt werden will.

  24. #24 Christian Reinboth
    20. März 2009

    @Wolfgang Flamme:

    Das war offensichtlich nicht so, es war vielmehr ein infantiler Wünsch-Dir-was-Kindergarten, in dem man sich jede Menge umweltfreundlichen, billigen Strom dezentral erzeugen kann, ohne jede Menge dezentraler Windräder und ohne Stromleitungen dazwischen.

    Ich wüsste nicht, wer jemals behauptet hätte, eine großflächige Versorgung mit Energie aus Windkraft sei (zumindest vor Lösung des Speicherproblems) vollständig dezentral möglich. “Jede Menge dezentraler Windräder” und “Stromleitungen dazwischen” lassen sich da kaum vermeiden. Umweltfreundlicher und sicherer als manche andere Alternative ist das auf jeden Fall, und dass nicht jeder darüber glücklich ist, verwundert mich nicht wirklich. Den Zustand, bei dem jeder mit allem einverstanden ist, was im Land passiert, wird sicher keine Demokratie je erreichen.

    Melden Sie sich doch einfach bei mir, sobald Sie es geschafft haben, Ihren heimischen und arbeitsplatzbedingten Stromverbrauch der Windstromproduktion anzugleichen. Dann bescheinige ich Ihnen freudig meinen Irrtum und daß es zumindest einen Menschen in Deutschland gibt, der wirklich von Windstrom versorgt werden will.

    Warum wollen Sie zwischen “versorgt werden will” und “versorgt werden kann” nicht unterscheiden? Ich kann Ihnen versichern, dass es jede Menge Menschen gibt, die sich mehr Windenergie im Strommix wünschen – die Tatsache, dass dies vielfach noch nicht möglich ist, tut dem doch keinen Abbruch.

    Hier in Sachsen-Anhalt werden übrigens 32% der Nettostromerzeugung aus regenerativen Quellen gewonnen, davon 71% aus Windenergie. Diese hat damit einen Anteil von 22,7% an der landesweiten Nettostromerzeugung. Das ist von einer Vollversorgung (die ja ohnehin niemand will, da ja der Energiemix im Vordergrund steht) noch weit entfernt, aber schon mal gar nicht so schlecht:

    http://www.sachsen-anhalt.de/LPSA/index.php?id=2070

  25. #25 Erhard
    21. März 2009

    @Wolfgang Flamme
    Ich wohne in der Nähe von Biblis wie soll ich mich jetzt verhalten? Meinen Strombedarf auf null zurückfahren nur weil die zwei dummen Dinger (mehr als 2.000 MW) momentan (gewollt) nicht funktionieren?

    Der Mix aus allen erneuerbaren Energien plus die Zwischenspeicherung wir die Lösung sein. Ein bißchen Effizienz und Einsparung können unserer Gesellschaft auch nicht schaden.

  26. #26 Wolfgang Flamme
    22. März 2009

    @Christian

    Ich weiß auch nicht, ob jemand genau das gesagt hat, aber ich weiß, daß der Abbau von Hochspannungsleitungen zum Glaubenssystem des linken politischen Spektrums gehört.

    Die Logik der Argumentation ist, daß die Arbeiterklasse bekanntermaßen vom (über-)mächtigen Großkapital ausgebeutet wird, Kernkraftwerke und andere Großkraftwerke sind Teil dieses militärisch-industriellen Komplexes und Hochspannungsleitungen sind die notwendige Folge dieser Macht- und Ausbeutungsstrukturen. Sind die Produktionsmittel zur Energieerzeugung erst einmal dezentral in Bürgerhand, dann ist die Macht der Ausbeuter gebrochen und Großkraftwerke und Hochspannungsleitungen werden weitgehend überflüssig.

    Und an diese Logik wird nach wie vor fleißig angeknüpft. Das von der Hessen-SPD vorgestellte Konzept versprach z.B. ‘erhebliche Landschaftsgewinne in Form der durch die Abschaltung von Biblis A und B überflüssig gewordenen Hochspannungsmasten und -leitungen.’ Vom Netzausbau dagegen kein Wort.

    “Warum wollen Sie zwischen “versorgt werden will” und “versorgt werden kann” nicht unterscheiden?”

    Weil wir hier unter Erwachsenen sind, wo kindliche Wunschfee-Optionen hoffentlich nicht ernsthaft zur Diskussion stehen.

    “Diese hat damit einen Anteil von 22,7% an der landesweiten Nettostromerzeugung.”

    Und deshalb braucht Sachsen-Anhalt die Thüringer Strombrücke, weil es durch den Windenergie-Zubau zunehmend unabhängiger wird?

    So sieht’s in Wahrheit aus: Sachsen Anhalt kann noch nichtmal seine bescheidenen 23% Windenergieanteil selbst nutzen.

    “Intraday Handel gestoppt – Netzengpass

    Aufgrund des eingetretenen hohen Windaufkommens in der Regelzone Vattenfall Europe Transmission werden auf allen leistungsabführenden Verbundleitungen hohe Leistungsflüsse beobachtet. Zur Wahrung der Netz- und Systemsicherheit ist es erforderlich, den Intraday-Handel aus der Regelzone Vattenfall Europe Transmission in die Regelzonen der anderen deutschen Übertragungsnetzbetreiber beginnend ab 22.03.2009 00:01 Uhr bis voraussichtlich Montag 23.03.2009 23:59 Uhr auszusetzen. Der Übertragungsnetzbetreiber Vattenfall Europe Transmission handelt mit dieser Maßnahme in Wahrnehmung der Systemverantwortung nach § 13(1) EnWG.”
    http://www.vattenfall.de/www/trm_de/trm_de/index.jsp

  27. #27 Wolfgang Flamme
    22. März 2009

    @Erhard

    Naja, meine Lösung wäre: Nicht abschalten, bevor nicht konkret geklärt ist, wie genau für Ersatz gesorgt werden wird. Wischiwaschi ersetzt noch kein Kernkraftwerk.

  28. #28 Erhard
    23. März 2009

    @Wolfgang
    Der Atomkonsens wurde am 14.6.2000 unterschrieben.
    In 1999 wurden 30.511 GWh Strom durch erneuerbare Energien erzeugt.
    Letztes Jahr 2008 haben wir bereits 93.000 GWh Strom durch erneuerbare Energien produziert.
    Das sind 63.000 GWh mehr als zum Zeitpunkt des Atomausstiegs.

    Die beiden inzwischen abgeschalteten Atomkraftwerke Stade und Obrigheim haben (gutgemeint) 13.000 GWh im Jahr produziert.

    Damit bleiben immer noch 50.000 GWh in 2008 produziert für die wir Atomkraftwerke abschalten könnten. Was da noch konkret geklärt werden soll ist für mich Schleierhaft.

    Wieviel Strom müssen die erneuerbaren Energien denn produzieren damit die alten Schachteln endlich abgeschaltet werden? Das ist keine Wischiwaschi Forderung sondern ernstgemeint.

  29. #29 Wolfgang Flamme
    23. März 2009

    @Erhard

    Also erstmal sind das nicht unbedingt ‘alte Schachteln’. Aus einer Rede von Jürgen Trittin:

    “Es schlug die Stunde, des sicherheitsorientierten Vollzugs des Atomgesetzes. Meine Kabinettskollegin Monika Griefahn bot allen wissenschaftlichen und juristischen Sachverstand auf, die Mängel des AKW Stade aufzudecken und damit seine Stillegung zu begründen. Im Mittelpunkt der Anstrengungen stand der versprödete Reaktordruckbehälter.

    Rot-Grün war mit dieser Strategie zunächst erfolgreich. Im zweiten Jahr von Rot-Grün in Niedersachsen stand Stade zum ersten Mal überwiegend still. Es lieferte nur 43,6 % des Jahres Strom. Doch kaum regierte die SPD in Niedersachsen allein – wir Grünen hatten es geschafft, die FDP unter die 5 % Hürde zu drücken und saßen mit 7,5 % in der Opposition, während wir mit 5,5 % in der Regierung gesessen hatten – war Schluss mit diesen Stillständen. Im ersten Jahr von Schröder-pur stieg die Zeitverfügbarkeit des Reaktors auf den Rekordwert von 100 %.

    Aber es lag nicht an der SPD. Mein Staatssekretär Rainer Baake könnte Ihnen die gleiche Erfahrung aus dem weiter rot-grün regierten Hessen über das AKW Biblis erzählen. Der Kern war: Der sicherheitsorientierte Vollzug taugte nicht als Mittel zur Stillegung. Auf jeden Stillstand folgte das Wiederanfahren. Stade wurde zum bestnachgerüsteten Atomkraftwerk Deutschlands.

    Die Erfahrung in Stade war der Grund für den notwendigen Strategiewechsel für den Ausstieg aus der Atomenergie. Wenn es über die Sicherheit nicht gelang, die Betriebserlaubnisse in Frage zu stellen, dann mussten die unbefristeten Betriebserlaubnisse selbst in Frage gestellt werden. Sie mussten befristet werden.

    Das ist Kern und Grundlage des heute weltweit schnellsten Ausstiegs aus der Atomenergie.”
    http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/4939/20040/

    Ausgerechnet Stade, lt. Trittin das “bestnachgerüstete Atomkraftwerk Deutschlands” wurde abgeschaltet … und zwar infolge eines Verwaltungsaktes, der extra dafür implementiert wurde, um auch Kraftwerke mit hohem Sicherheitsstandard abschalten zu können. Das Ganze hat also nichts mit Sicherheitsbedenken zu tun sondern nur mit Ideologie.

    Zum Zweiten:
    Ich wiederhole mich: Es geht nicht allein um die Bereitstellung einer bestimmten Energiemenge, es geht um deren _bedarfsgerechte_ Bereitstellung.

    Wenn Sie sich ein Taxi zum 20km entfernt gelegenen Flughafen bestellen und der Fahrer wirft Sie dann irgendwo ganz anders raus mit der Begründung, er habe Sie ja wie vereinbart 20km weit gefahren, dann ist das ja auch nicht das, was für Sie funktioniert, oder?

  30. #30 Oliver
    25. März 2009

    Witzig, dass man im ach so atomfreudigen Frankreich derartige Probleme nicht so drastisch zu haben schein. Selbst in Tourismusregionen schießen, wo genügend Wind ist, Windkraftanlagen wie Pilze aus dem Boden.

  31. #31 Christian Reinboth
    6. April 2009

    @Wolfgang Flamme:

    Ich weiß auch nicht, ob jemand genau das gesagt hat, aber ich weiß, daß der Abbau von Hochspannungsleitungen zum Glaubenssystem des linken politischen Spektrums gehört.

    Also das halte ich für verkehrt. Ich selbst gehöre zwar eher zum konservativen Spektrum und bin daher für Linken-Kritik grundsätzlich gerne zu haben, aber mir ist noch nie zu Ohren gekommen, dass es Teil des linken “Glaubenssystems” wäre, alle Hochspannungsleitungen zu beseitigen. Gibt es dafür eine Quelle? Welcher bekannte linke Politiker fordert denn sowas?

    Die Logik der Argumentation ist, daß die Arbeiterklasse bekanntermaßen vom (über-)mächtigen Großkapital ausgebeutet wird, Kernkraftwerke und andere Großkraftwerke sind Teil dieses militärisch-industriellen Komplexes und Hochspannungsleitungen sind die notwendige Folge dieser Macht- und Ausbeutungsstrukturen. Sind die Produktionsmittel zur Energieerzeugung erst einmal dezentral in Bürgerhand, dann ist die Macht der Ausbeuter gebrochen und Großkraftwerke und Hochspannungsleitungen werden weitgehend überflüssig.

    Also in Begriffen wie “Arbeiterklasse” und “Großkapital” denken ja zum Glück meist nur die ganz Linken, und selbst bei denen wäre es mir neu, dass sie die Dezentralisierung der Energiewirtschaft aus anderen Gründen außer den ökologischen anstreben würden. Die Idee vom dezentralen Wirtschaften gehört für mich eher in die Zeit der 68er-Kommunen, die ja nun aber wirklich vorbei ist…

    Und an diese Logik wird nach wie vor fleißig angeknüpft. Das von der Hessen-SPD vorgestellte Konzept versprach z.B. ‘erhebliche Landschaftsgewinne in Form der durch die Abschaltung von Biblis A und B überflüssig gewordenen Hochspannungsmasten und -leitungen.’ Vom Netzausbau dagegen kein Wort.

    Das Energiekonzept der Hessen-SPD hat viele Lücken. Zu schnell, zu viel und zu unausgegoren. Ich würde aber von einzelnen Sätzen ausgerechnet aus diesem Konzept keine generellen Schlussfolgerungen ableiten wollen.

    Weil wir hier unter Erwachsenen sind, wo kindliche Wunschfee-Optionen hoffentlich nicht ernsthaft zur Diskussion stehen.

    Die Frage, wie viele Menschen einen Windkraftausbau politisch unterstützen und theoretisch auch in der eigenen Versorgung regenerative Energiequellen anderen Energiequellen vorziehen würden, halte ich nicht für akademisch und schon gar nicht für kindisch…

    Und deshalb braucht Sachsen-Anhalt die Thüringer Strombrücke, weil es durch den Windenergie-Zubau zunehmend unabhängiger wird?

    Mit 23% kann man ja auch kein Land versorgen, das ändert aber nichts an dem zunehmenden Anteil. Das Problem von Bedarf und Bereitstellung ist doch bekannt. Die Lösung hierfür kann nicht im unendlichen Ausbau der Anlagenkapazität liegen, sondern natürlich in der Weiterentwicklung der Speichermöglichkeiten ebenso wie in der erheblichen Reduktion des Bedarfs durch Steigerung der Energieeffizienz. Beides ändert aber nichts an der Tatsache, dass neue Windräder immer noch gebraucht werden – und folglich auch irgendwo gebaut werden müssen.

  32. #32 Wolfgang Flamme
    9. April 2009

    @Christian

    CR: “Ich würde aber von einzelnen Sätzen ausgerechnet aus diesem Konzept keine generellen Schlussfolgerungen ableiten wollen.”

    Aha. Und wie wäre es mit einzelnen Sätzen aus einer anderen Quelle, würdest Du da wollen oder lieber auch nicht? ZB hier:

    Es ist nachvollziehbar, warum sich die Energiewirtschaft in einer breiten Ablehnungshaltung befindet. Ihre Investitionen in die herkömmlichen Energieträger und in die darauf zugeschnittenen Versorgungsstrukturen stehen bei einem grundlegenden energiepolitischen Prioritätenwechsel in einem Ausmaß zur Disposition wie es bei keinem Wirtschaftszweig bisher auch nur annähernd der Fall war.
    (Hermann Scheer)

    Was bedeutet es denn Deiner Meinung nach, wenn herkömmliche Energieträger und darauf zugeschnittene Versorgungsstrukturen ‘zur Disposition’ stehen’?

    CR: “… aber mir ist noch nie zu Ohren gekommen, dass es Teil des linken “Glaubenssystems” wäre, alle Hochspannungsleitungen zu beseitigen.”

    Seufz …ich hatte doch ausdrücklich ausgeführt, Großkraftwerke und Hochspannungsleitungen würden nach diesen Vorstellungen weitgehend überflüssig.

    Es ist eben eine historische Tatsache, daß in den frühen 80ern bei der Anti-AKW-Bewegung das Umsägen von Strommasten so geläufig wurde (zB die taz druckte damals eine Sabotageanleitung ab), daß dieser Tatbestand 1986 schließlich zur Abschreckung in die Paragraphen zur Terrorbekämpfung aufgenommen wurde.
    Noch heute versteht das ‘Argumenteverzeichnis’ atomfrage.de unter ‘Schnellabschaltung’ das sofortige Herunterfahren eines Atommeilers im Falle von Betriebsstörungen und nennt explizit “Mögliche Ursachen: Umgefallene Überlandleitungsmasten durch revolutionäre Heimwerker (…)”

    Also in Begriffen wie “Arbeiterklasse” und “Großkapital” denken ja zum Glück meist nur die ganz Linken, und selbst bei denen wäre es mir neu, dass sie die Dezentralisierung der Energiewirtschaft aus anderen Gründen außer den ökologischen anstreben würden. Die Idee vom dezentralen Wirtschaften gehört für mich eher in die Zeit der 68er-Kommunen, die ja nun aber wirklich vorbei ist…

    Hier hast Du erstmal etwas Lesefutter dazu, zum Aufwärmen. Verfasst von Herrn Gregor Czisch:
    http://www.memo.uni-bremen.de/docs/m1807.pdf

    Die Frage, wie viele Menschen einen Windkraftausbau politisch unterstützen und theoretisch auch in der eigenen Versorgung regenerative Energiequellen anderen Energiequellen vorziehen würden, halte ich nicht für akademisch und schon gar nicht für kindisch…

    Die Frage, was Menschen theoretisch vorziehen würden, ist eben genau das: theoretisch. Wie sie sich trotzdem in der Praxis verhalten, darüber beschwerst Du Dich hier ja gerade bitter. Doch eigentlich – dachte ich – wären wir in dieser Diskussion schon weiter. Nämlich bei der Frage, ob die Menschen ihren Wunsch nach möglichst regenerativer Versorgung denn erfüllt bekämen, wenn sie sich in der Praxis nicht so ablehnend verhielten?

    Mit 23% kann man ja auch kein Land versorgen, das ändert aber nichts an dem zunehmenden Anteil.
    Das Problem von Bedarf und Bereitstellung ist doch bekannt. Die Lösung hierfür kann nicht im unendlichen Ausbau der Anlagenkapazität liegen, sondern natürlich in der Weiterentwicklung der Speichermöglichkeiten ebenso wie in der erheblichen Reduktion des Bedarfs durch Steigerung der Energieeffizienz. Beides ändert aber nichts an der Tatsache, dass neue Windräder immer noch gebraucht werden – und folglich auch irgendwo gebaut werden müssen.

    Einfach nur mehr Windenergie löst das Problem also nicht. Trotzdem brauchen wir erstmal mehr Windenergie, weil wir die Probleme, das wir schon mit weniger Windenergie haben, eben nicht lösen können. Öko-Logik.

    Letztendlich mitteln sich die Schwankungen im Wind auch über ganz Europa großwetterlagen- und saisonal bedingt eben nicht aus. Deshalb schlägt der Czisch in seinen Arbeiten ja auch vor, von Nordsibieren bis zur Westsahara alles zu verkabeln und das Ganze dann noch massiv mit Gasverstromung abzusichern. Ein deutlich kleinerer Wurf ist anscheinend nicht möglich – und das bedeutet, daß massiver Windenergiezubau zusammen mit einer mitteleuropäische Netzverstärkung im Grunde eine Art Nullsummenspiel ist.