Wie gelangen wissenschaftliche Publikationen auf die vorderen Plätze bei akademischen Suchmaschinen – und wie können Autoren dieses Ranking aktiv beeinflussen? Solche Fragen sind Gegenstand der “Academic Search Engine Optimization”, die in einem aktuellen Paper vorgestellt wird.

Was ist Academic Search Engine Optimization?

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Als Wissenschaftler hat man verständlicherweise ein gesundes Eigeninteresse daran, dass die eigenen Publikationen von möglichst vielen Kollegen gelesen werden – denn je sichtbarer die eigene Arbeit ist, umso größer ist die Chance auf Referenzen, interessante Kontakte und nicht zuletzt auch akademisches Prestige. Von zunehmender Bedeutung für die wissenschaftliche Recherche sind dabei spezielle Suchmaschinen wie Google Scholar, PubMed, SciPlore oder Cite Seer – die Frage, wie man dort für die “eigenen” Fachbegriffe am besten gefunden wird, liegt daher recht nahe. Und tatsächlich kann man einiges tun, um die Indizierung und Plazierung eigener Artikel auf Google Scholar – ähnlich wie das Ranking von Webseiten in den Indizes der großen Suchmaschinen – aktiv zu beeinflussen.

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Mit den Mechanismen, welche die Sichtbarkeit akademischer Artikel im Internet bestimmen, befasst sich – analog zur Search Engine Optimization (SEO) – die Academic Search Engine Optimization (ASEO), die Jöran Beel und Bela Gipp von der Otto von Guerike-Universität in Magdeburg gemeinsam mit Erik Wilde von der UC Berkeley in einem im Januar im Journal of Academic Publishing erschienenen Paper wie folgt definieren:

“Academic Search Engine Optimization (ASEO) is the creation, publication and modification of scholarly literature in a way that makes it easier for academic search engines to both crawl it and index it”.

Dies klingt zunächst so, als ginge es bei ASEO primär darum, eigene Artikel überhaupt für Google Scholar & Co. auffindbar zu machen. Tatsächlich steckt jedoch mehr dahinter, schlagen die Autoren doch eine ganze Reihe formaler und inhaltlicher Mechanismen zur Artikeloptimierung vor, von denen mir einige äußerst sinnvoll, andere dagegen mit wesentlichen akademischen Prinzipien unvereinbar zu sein scheinen.

Welche Faktoren entscheiden über die Plazierung bei Google Scholar?

Grundsätzlich ist festzustellen, dass akademische Suchmaschinen nach anderen Regeln arbeiten, als man es von Google oder Yahoo kennt. So ist einer der zentralen Ranking-Faktoren bei Google Scholar die Anzahl der Artikel, welche auf die jeweilige Publikation als Quelle verweisen (vergleichbar vielleicht mit der Anzahl externer Links auf eine Webseite) – und auch der “gute Name” des publizierenden Journals oder Verlags kann in die Rankings einfließen. Andere Faktoren sind wiederum aus der “normalen” Suchmaschinenoptimierung bestens bekannt, so beispielsweise die sogenannte Keyword Density – die Frage, wie häufig und wie prominent (d.h. ob in Titel, Zwischenüberschriften, Abstract etc.) ein bestimmtes Schlüsselwort auftaucht. Und hier wird es knifflig, berührt dieser Punkt doch die Frage, inwiefern sich akademische Texte nach SEO-Kriterien “optimieren” lassen.

Ein Beispiel erklärt dies vielleicht am besten: Zum Stichwort “Augmented Learning” finden sich bei Google Scholar derzeit 496 Treffer, darunter auch ein Paper von meinen Kollegen und mir aus dem Tagungsband zur Photonics West 2007, welches jedoch nicht unter den ersten 30 Treffern (d.h. den ersten drei Suchergebnisseiten) landet und damit für jeden, der das Thema via Google Scholar recherchiert, so gut wie unsichtbar ist – es sei denn, sie oder er klickt sich durch sämtliche Suchergebnisse oder kennt zufällig einen der Autorennamen.

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Eine Möglichkeit, die Position des Artikels zu verbessern, liegt in der Optimierung der Keyword Density. Im Titel (“Applying the Principles of Augmented Learning to Photonics Laboratory Work”) taucht der Begriff “Augmented Learning” zwar auf, nimmt aber nur 20% des Gesamttextes ein und steht nicht an erster Stelle – beides Faktoren, die das Ranking negativ beeinflussen können. Im Abstract taucht der Begriff sogar nur ein einziges Mal auf – auch hier ließe sich die inhaltliche Relevanz des Artikels für den Suchbegriff aus Sicht der Suchmaschinen also noch steigern.

Die “slippery slope” ist leicht erkennbar. Hätten wir unseren Artikel beispielsweise mit “Augmented Learning in Photonics” überschrieben und das Abstract anders formuliert, wäre er möglicherweise besser auffindbar – da man Titel und Formulierungen in der Regel aber nicht beliebig wählt, würde eine solche Vorgehensweise im Klartext bedeuten, zugunsten der späteren Sichtbarkeit des Artikels auf Titel und Formulierungen zu verzichten, die man ansonsten bevorzugen würde. Dass derartige Strategien, würden sie von vielen Autoren aufgegriffen, die sprachliche und inhaltliche Qualität der veröffentlichten Artikel mittelfristig nach unten drücken würden, scheint mir nicht unrealistisch zu sein.

Aber auch rein “akademische” Kriterien wie die Anzahl an Referenzen in anderen Papern bergen diesbezügliche Gefahren, da Google Scholar (noch) nicht zwischen Eigen- und Drittreferenzen unterscheidet. Und so empfehlen die Autoren Beel, Gipp und Wilde dann konsequenterweise auch, jeden eigenen Artikel mit thematischem Bezug grundsätzlich zu referenzieren, während sie von der – im Prinzip ja ebenso naheliegenden – Bildung von “citation circles” aus ethischen Gründen abraten.

Welche Rolle spielt Open Access?

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Rolle von Open Access, über die auf den ScienceBlogs ja schon mehrfach leidenschaftlich diskutiert wurde. Da frei zugängliche Arbeiten (unabhängig von der Art ihrer Veröffentlichung) erwiesenermaßen häufiger zitiert werden liegt es nahe, dass sie auch bei akademischen Suchmaschinen langfristig besser abschneiden, da jede Referenz sich nicht nur positiv auf das Ranking auswirkt, sondern vor allem erst einmal die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht, überhaupt indiziert zu werden.

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Zitierhäufigkeit von Open Access- und Non Open Access-Artikeln, unterschieden nach “self-selective” und “mandatory” Open Access (mehr zu dieser Studie gibts im Mathlog)

The good, the bad and the ugly

Obwohl ich es grundsätzlich für legitim und auch wichtig halte, die Mechanismen, nach denen akademische Suchmaschinen arbeiten, einer näheren Betrachtung zu unterziehen und auch darüber nachzudenken, wie man eigene Arbeiten besser auffindbar macht, sind mir doch einige Vorschläge der Autoren sauer aufgestoßen, wenngleich auch zahlreiche gute Anregungen dabei waren. Ich habe daher nachfolgend einmal versucht, in aus meiner Sicht “legitime” und “illegitime” ASEO-Ideen zu trennen.

Gute Ideen

  • Die Keyword-Angaben in einem Paper nicht mit dutzenden Begriffen füllen, sondern sich auf die Begriffe beschränken, welche die größte Relevanz für den Inhalt aufweisen.
  • Wenn möglich Vektor-Grafiken vewenden, um Abbildungen für Suchmaschinen leichter erfassbar zu machen.
  • Eigene Paper auf Plattformen wie SciPlore oder Academia hochladen (soweit rechtlich möglich), damit sie von akademischen Suchmaschinen indiziert werden können.
  • Auf eine konsistente Schreibweise der Autorennamen achten (“Jörg” und “Joerg”) um es den Suchmaschinen zu erleichtern, Artikel einzelnen Autoren zuzuordnen.

Diskussionswürdige Ideen

  • Neben den eigentlichen Fachbegriffen auch “gängige” Synonyme im Artikel erwähnen, um den Text auch für Laien leichter auffindbar zu machen.

Schlechte Ideen

  • Vor der Festlegung eines Titels bzw. der Erstellung des Abstracts mit Hilfe von Tools wie Google Trends und Google Insights nach besonders “gefragten” Begriffen suchen.
  • Titel, Zwischenüberschriften und Abstract darauf ausrichten, einen bestimmten Begriff bei Google Scholar & Co. möglichst gut zu “besetzten”.
  • Jedes eigene Paper zum gleichen Thema auf jeden Fall in die Quellen aufnehmen, um die Referenzwerte der eigenen Arbeiten zu stärken, selbst wenn die zusätzlichen Referenzen inhaltlich nicht zum Artikel beitragen.
  • Ältere Artikel in neuer, “optimierter” Fassung auf der eigenen Webseite veröffentlichen, da beispielsweise Google Scholar Artikel mit gleichem Titel gemeinsam indiziert und ältere Artikel auf diese Weise für Suchbegriffe gefunden werden können, die darin eigentlich gar nicht auftauchen. Immerhin lassen die Autoren hier schon selbst durchblicken, dass sie die Vorgehensweise für fragwürdig halten…

Warum mir die letztgenannten Ideen nicht gefallen, liegt hoffentlich auf der Hand. Beim Schreiben eines Papers oder Artikels sollte die Frage, wie gut dieser später via Google Scholar auffindbar ist, keine für Inhalt oder Formulierungen bedeutende Rolle spielen. Bei der Vorstellung, dass Titel, Zwischenüberschriften, Abstract und sogar der eigentliche Text akademischer Arbeiten zukünftig nicht mehr durch inhaltliche Überlegungen, sondern durch SEO-Kriterien bestimmt werden, stellen sich mir ein wenig die Nackenhaare auf, auch wenn ich etliche andere Vorschläge der Autoren für durchaus überlegenswert halte. Insbesondere scheint es mir wichtig, zwischen der aus meiner Sicht völlig legitimen Frage, wie ich Inhalte für akademische Suchmaschinen leichter indizierbar machen kann, und der weitaus weniger legitimen Frage zu unterscheiden, wie ein Paper umformuliert oder umstrukturiert werden könnte, um einen besseren Platz in den Suchergebnissen zu “erobern”.

Hinzu kommt eine Gefahr, die im Paper leider lediglich ganz am Rande erwähnt wird. Bereits einige wenige Autoren, die auf exzessive ASEO-Methoden setzen, könnten die Qualität der Suchergebnisse von akademischen Suchmaschinen ernsthaft beeinflussen, worauf diese wiederum mit Veränderungen in den Suchalgorithmen reagieren müssten.

So konnten noch vor einigen Jahren Webmaster, die auf “hidden keyword spamming” (die zigfache, “unsichtbare” Wiederholung von Suchbegriffen, z.B. in weißer Schrift auf weißem Hintergrund) setzen, die Suchergebnisse der “großen” Suchmaschinen massiv beeinflussen – inzwischen ist diese Technik jedoch verbrannt und entsprechende Webseiten werden von den Suchalgorithmen abgewertet. Gleiches wäre zumindest für einige Techniken (insbesondere die im betrachteten Paper vorgeschlagene Optimierung von Artikeln über verschiedene “Fassungen”) denkbar. Wer derartige Vorgehensweisen empfiehlt, sollte den Autoren dabei nicht verschweigen, dass ihre Artikel irgendwann vielleicht gänzlich im Orkus verschwinden, sollte die Technik je als “Spamming” eingestuft werden…

Alles in allem sehe ich bei ASEO mehr Schatten als Licht. Während ich es grundsätzlich begrüßen würde, wenn sich mehr Wissenschaftler Gedanken über die bessere Auffindbarkeit ihrer Arbeiten (z.B. via Open Access Publishing oder über suchmaschinengerechte Grafiken) machen würden, sehe ich auf der anderen Seite die Gefahr, dass die “SEO-Schraube” zu weit gedreht wird. Jede Form des Wettstreits um gute Scholar-Rankings würde – ähnlich wie dies im “regulären” SEO-Bereich schon lange der Fall ist – unerwünschte Techniken wie Keyword Spamming oder die irreführende Vergabe von Titeln begünstigen, wenn auch – aufgrund des “Spamfilters” Peer Review – sicher nicht in einem ähnlichen Ausmaß. Gerade in Preprint Repositories ließe sich aber auch losgelöst vom Peer Review “optimieren” – zumindest die könnten also Schiffbruch erleiden, sollten bestimmte ASEO-Techniken in der akademischen Gemeinschaft eine substanzielle Zahl von Anhängern finden…

Zum Weiterlesen – andere Meinungen zum Thema:

“Was Wissenschaftler von Webmastern lernen können” im scholarz.net-Blog

Paper die nicht in Google Scholar, CiteSeer, etc. gelistet sind, existieren für manche (viele?) Wissenschaftler gar nicht. Dementsprechend sollten sich Wissenschaftler ebenfalls die Fragen stellen: Wird mein Paper eigentlich von Google Scholar gefunden? Und indiziert? Und wenn jemand bei Google Scholar nach dem Stichwort XYZ sucht, steht mein Paper dann ganz oben in der Ergebnisliste? Und wenn nicht, wie kann ich das ändern?

“ASEO: An inevitable evil?” im Blog “Webometric thoughts”

Academic SEO should in no way effect how you write an academic paper, or the subjects we choose to write about. [Scientists] need to think seriously about doing worthwhile research and writing quality publications. If your focus is on SEO then you are in the wrong field.


Jöran Beel, Bela Gipp, & Erik Wilde (2010). Academic Search Engine Optimization (ASEO): Optimizing Scholarly Literature for Google Scholar and Co. Journal of Scholarly Publishing, 41 (2), 176-190 : 10.3138/jsp.41.2.176.

http://www.sciplore.org/publications/2010-ASEO–preprint.pdf

Kommentare (11)

  1. #1 Sven Türpe
    30. März 2010

    Abgesehen von ein paar naheliegenden Maßnahmen, die Suchmaschinen das Finden und Erschließen der Inhalte erleichtern, ist SEO Aberglaube. Das dürfte für wissenschaftliche Publikationen noch viel mehr gelten als für andere Inhalte im Netz. Was für ein spamgestütztes Geschäftsmodell vielleicht noch sinnvoll ist, scheitert in der Wissenschaft hoffentlich daran, dass Inhalte zumindest tendenziell auch mal gelesen werden, bevor man sie zitiert. Wer sich mit Google ein paar Referenzen zu einem Thema zusammensucht, ohne deren Inhalt und Bedeutung unabhängig vom Google-Ranking einschätzen zu können, der schreibt nur mit äußerst geringer Wahrscheinlichkeit gerade an einem guten Paper.

    SEO geht meistens von einer blödsinnigen Voraussetzung aus: dass es gut sei, bei möglichst vielen, möglichst allgemeinen Suchbegriffen unter den ersten Treffern zu landen. Das ist tatsächlich aber eine sehr einseitige Optimierung, die unter Umständen am Nutzer vorbeigeht. Im Information Retrieval betrachtet man immer zwei Qualitätskriterien, die unweigerlich im WIderspruch zueinander stehen, Precision und Recall. Eigentlich möchte man als Nutzer beides, also exakt die richtige Treffermenge zum jeweiligen Informationsbedarf. Die bekommt man aber nirgends, weshalb man sich durch Variationen herantastet. Ein sinnvolles Ziel für Optimierungen wäre deshalb, einen Inhalt vorwiegend und zuverlässig in jenen Suchprozessen auffallen zu lassen, in denen er relevant ist. Das Ranking in den Ergebnissen einer ungenauen — also auf Recall optimierten — Suche ist dafür wenig bedeutsam.

  2. #2 Christian Reinboth
    30. März 2010

    @Sven Trüpe:

    SEO geht meistens von einer blödsinnigen Voraussetzung aus: dass es gut sei, bei möglichst vielen, möglichst allgemeinen Suchbegriffen unter den ersten Treffern zu landen.

    Das mag für einige vermeintliche “SEO-Experten” gelten, gilt aber m.E.n. nicht für das Thema SEO an sich. Während es in der Tat ziemlich hirnrissig ist, für ein Schlagwort wie z.B. “Fußball” oder “Autohändler” auf dem ersten Platz stehen zu wollen, macht die Optimierung von Webseiten auf Sonderbegriffe und -begriffskombinationen wie z.B. “Polymerfaser-Koppler” und insbesondere lokale Suchen wie “Ferienwohnung Gernrode” meiner Erfahrung nach durchaus (ökonomischen) Sinn.

    Was für ein spamgestütztes Geschäftsmodell vielleicht noch sinnvoll ist, scheitert in der Wissenschaft hoffentlich daran, dass Inhalte zumindest tendenziell auch mal gelesen werden, bevor man sie zitiert.

    Die Hoffnung besteht schon allein aufgrund des Peer Review. Wobei es durchaus von Interesse sein könnte, mit einem allgemeinen Paper von vielleicht mittlerer Qualität zu einem bestimmten Schlagwort in den SERPs von Google Scholar – nicht Google – weit vorne zu landen und über diese Schiene zu ein paar Zitaten zu gelangen. Nicht unterschätzen sollte man auch den möglichen Wunsch des einen oder anderen Autoren, für “sein” Thema möglichst präsent zu sein.

    Kurz gesagt: Ich halte es für absolut sinnvoll, wenn man sich darüber Gedanken macht, wie man akademischen Suchmaschinen das Finden und Indizieren der eigenen Artikel erleichtern könnte. Über darüber hinausgehendes SEO im akademischen Bereich würde ich mich dagegen nicht so sehr freuen. Und dass es nicht in jedem Fall sinnvoll ist, heißt leider nicht, dass es niemand macht…

  3. #3 René Maresch
    31. März 2010

    Guter Artikel. Gefällt mir. Interessant finde ich die Einlassungen zu den moralischen Grenzen von SEO, die prinzipiell meine Unterstützung finden. Die Frage ist nur, ob sich im weltweiten Spiel der Beteiligten und Rezipienten, nicht zuletzt der Suchmaschinen selber, alle an diese selbst auferlegten Grenzen halten. Hier ist es wie mit dem Doping bei sportlichen Wettbewerben: Was moralisch richtig ist, kann am Ende zum Verlust der Medaille führen. Wo trennt man also zukünftig zwischen traditioneller, “sauberer” Wissenschafts-PR und PR im Multimedien-Zeitalter inkl. “Web 2.0”?
    Zudem kommt mir in dem Beitrag auch der Anteil des Web-Marketings als interdependenter Teilaspekt der Suchmaschinenoptimierung und umgekehrt zu kurz. Wissenschaftler sind heute noch viel mehr als früher in der Lage, nicht zuletzt durch die gegebenen technologischen Möglichkeiten, sich der breiten Publizierung ihrer Arbeiten selber anzunehmen. Da zählt nicht nur der, wie oben fokussierte, eher “technische” Part einer SEO (Keywords, Wording, Programmierung etc.), der sicherlich in den aufgezählten “Wissenschaftlichen Suchmaschinen” von herausgehobener Bedeutung ist, sondern sicher auch die Einbindung etwa von Social Networks in die eigenen Kommunikationsbemühungen; sprich die Vernetzung rsp. Verlinkung der Autoren mit ihrem Zielpublikum.

  4. #4 Christian Reinboth
    31. März 2010

    @René Maresch: Vielen Dank für die Blumen.

    Die Frage ist nur, ob sich im weltweiten Spiel der Beteiligten und Rezipienten, nicht zuletzt der Suchmaschinen selber, alle an diese selbst auferlegten Grenzen halten. Hier ist es wie mit dem Doping bei sportlichen Wettbewerben: Was moralisch richtig ist, kann am Ende zum Verlust der Medaille führen.

    Davon ist meines Erachtens nach nicht auszugehen – der Umfang, in dem zukünftig die eine oder andere SEO-Maßnahme im akademischen Bereich angewandt wird, dürfte allerdings stark von der generellen Akzeptanz derartiger Maßnahmen in der akademischen Community abhängen. Von daher finde ich es richtig und wichtig, dass die drei Autoren die Diskussion angestoßen haben – auch wenn ich nicht mit jeder der vorgeschlagenen Methoden in vollem Umfang einverstanden bin.

    Da zählt nicht nur der, wie oben fokussierte, eher “technische” Part einer SEO (Keywords, Wording, Programmierung etc.), der sicherlich in den aufgezählten “Wissenschaftlichen Suchmaschinen” von herausgehobener Bedeutung ist, sondern sicher auch die Einbindung etwa von Social Networks in die eigenen Kommunikationsbemühungen; sprich die Vernetzung rsp. Verlinkung der Autoren mit ihrem Zielpublikum.

    Der wesentliche Unterschied, den ich zwischen ASEO und – in Ermangelung eines besseren Begriffs – “akademischen Web 2.0-Marketing” sehe, besteht darin, dass zumindest einige ASEO-Methoden sich auf die Auswahl von Inhalt und insbesondere Formulierungen für Paper und Artikel auswirken würden (“Wie erhöhe ich die Suchwortdichte im Abstract?”), während Web 2.0-Marketing ja im Grunde nur bedeutet, die gleichen Inhalte anders zu verpacken, wobei die eigentlichen Publikationen unangetastet blieben. Will sagen: Nur weil ein Autor eine Studie in einem Blogpost beschreibt oder auf Facebook oder Twitter verlinkt, formuliert oder benennt er diese nicht anders, d.h. das Web 2.0-Marketing beeinflusst nicht den Inhalt der eigentlichen Arbeit. Bei ASEO-Methoden könnte dies – zumindest teilweise – anders aussehen, was mir ein wenig Kopfzerbrechen bereitet…

  5. #5 Sven Türpe
    1. April 2010

    “Wie erhöhe ich die Suchwortdichte im Abstract?”

    Stellt man sich diese Frage nicht ohnehin beim Schreiben? Der Abstract soll ja beim seinem Leser nichts anderes erreichen als bei einer Suchmaschine: Interesse wecken. Zudem muss er das unabhängig von der Suchmaschinenoptimierung auch immer noch auf jeden Fall beim Leser erreichen. Wer Literatur zu einem Thema sucht (und das muss nicht das Thema sein, das der Autor eines Papers für das Thema hält), wird ja nicht einfach alles lesen, was Google oder andere Maschinen so ausspucken, sondern das Zwischenergebnis seinerseits filtern. Egal wie suchmaschinenoptimiert ein Abstract ist, er muss dann auch noch durch diesen Filter durch. Das gilt analog auch für andere Teile, zu Beispiel Überschriften. Den Spielraum für die wirklich bösartigen Optimierungen — Suchmaschinen-Spam mit allen Finessen — dürfte das stark einschränken. Was auch immer man zusammenbaut, es muss auch noch als Paper funktionieren, sei es bei den Reviewern oder bei den Lesern.

    Jetzt setze ich mal meinen schwarzen Hut auf: Wenn ich mit unlauteren Mitteln meine Veröffentlichungen pushen wollte, würde ich nicht beim Inhalt anfangen (obwohl der es in diesem Fall wohl am dringendsten nötig hätte). Sondern ich würde mich zum Beispiel mit dem letzten Punkt befassen, der oben unter schlechte Ideen genannt ist. Solche Optimierungen wären unabhängig vom ursprünglichen Inhalt einer Veröffentlichung, sie würden sich vor allem auf den Suchmechanismus selbst richten.

  6. #6 Christian Reinboth
    1. April 2010

    @Sven Trüpe:

    Stellt man sich diese Frage nicht ohnehin beim Schreiben? Der Abstract soll ja beim seinem Leser nichts anderes erreichen als bei einer Suchmaschine: Interesse wecken.

    Hier gehen die Anforderungen der Leser und der Suchmaschinen ja aber auseinander. Für das Abstract aus meinem Beispiel war es vollkommen ausreichend, dass der Begriff “Augmented Learning” dort nur einmal in zehn Sätzen auftaucht (zumindest für das Verständnis), aus Sicht einer Suchmaschine dürfte das ja aber bedeuten, dass der Begriff im Text nur eine untergeordnete Rolle spielt. So gesehen bestünde schon ein Anreiz zum “keyword stuffing” – würde man den Begriff dreimal mehr erwähnen, wäre der Text nicht unbedingt unverständlich oder unleserlich und würde allein deshalb vermutlich auch kaum von einem Reviewer abgelehnt werden. Letztendlich würde eine solche Vorgehensweise aber trotzdem bedeuten, zumindest den Stil des Textes den Ansprüchen der Suchmaschine (und eben nicht nur denen der Leser bzw. Reviewer) anzupassen. Und da ist meines Erachtens nach schon sowas wie eine “slippery slope” erkennbar – wenn man erst einmal damit anfängt…

    Den Spielraum für die wirklich bösartigen Optimierungen — Suchmaschinen-Spam mit allen Finessen — dürfte das stark einschränken.

    Das sehe ich genauso, nur leider greift das Prinzip nicht bei Preprint Repositories und Paper-Sammlungen wie dem arXiv, wo man vermutlich auch mit “bösartigen” Formen der Optimierung – zumindest temporär – erfolgreich sein könnte. Die grundsätzliche Gefahr sehe ich allerdings weniger in wirklich bösartiger Optimierung, die letztendlich bei Reviewern und Lesern immer scheitern wird, sondern in der Option, ein allgemeines Paper auf verträgliche Art und Weise zu optimieren, um damit auf einer vorderen Position auf Zitationen hoffen zu können. Wären Erfolge mit einer solchen Strategie zu beobachten, würde das ja theoretisch einen Wettbewerb zu der Frage begünstigen, wie sehr ich ein Paper “tweaken” kann, um nicht durch das Review-Raster zu fallen und trotzdem in den SERPS weit vorne zu landen – eine Form des Wettbewerbs, die ich im akademischen Bereich für nicht wünschenswert halte.

    Sondern ich würde mich zum Beispiel mit dem letzten Punkt befassen, der oben unter schlechte Ideen genannt ist. Solche Optimierungen wären unabhängig vom ursprünglichen Inhalt einer Veröffentlichung, sie würden sich vor allem auf den Suchmechanismus selbst richten.

    Halte ich auch für eine der erfolgsversprechensten Strategien und trotzdem für eine schlechte Idee (die Ideen sind ja nicht deshalb schlecht, weil sie nicht funktionieren…). Im Klartext bedeutet eine solche Vorgehensweise doch, andere Versionen eines Textes als die tatsächlich publizierte im Netz zu verteilen (eigene Webseite, Instituts-Webseite, academia.com etc.pp.) und darauf zu hoffen, dass Google Scholar diese aufgrund der Gleichheit von Titel und Autor zusammenführt und für Begriffe indiziert, die im publizierten Text überhaupt nicht auftauchen bzw. nicht so häufig auftauchen (wäre ja auch eine Variante). Es gäbe dann also eine tatsächlich publizierte Fassung sowie auf SEO ausgelegte Fassungen um erstere in den SERPS zu pushen. Hier sehe ich die große Gefahr, dass dieses Vorgehen – so es denn häufig zur Anwendung kommen würde – früher oder später von den Suchmaschinen erkannt und als Spamming gewertet wird. Auch die drei Autoren des besprochenen Papers lassen ja durchblicken, dass sie die Strategie für fragwürdig halten.

    Insofern: Könnte man sicher machen, wäre aber vermutlich das, was man – bleibt man der SEO-Begrifflichkeit treu – tatsächlich als “black hat ASEO” einstufen müsste.

  7. #7 SciPlore
    13. Juni 2010

    If you are interested in Academic Search Engine Optimization you might also be interested in our latest paper on the robustness of Google Scholar against spam. In this paper we show, among others, that it is very easy to spam google scholar with fake papers and manipulate citations counts (and hence article rankings): http://sciplore.org/blog/2010/06/12/new-paper-on-the-robustness-of-google-scholar-against-spam/

  8. #8 Hans
    9. Dezember 2010

    Den Ansatz als Wissenschaftler bei einer hochkomplexen Arbeit “für Google zu schreiben” halte ich für bedenklich. Google sucht sich die Dokumente nach vielerlei Kriterien aus und als SEO sollte man schon wissen welche das sind. Wer für wissenschaftler oder Akademiker als SEO tätig ist, kann sich in kooperativen Fragen ganz anderer Möglichkeiten bedienen als wenn man für die Wirtschaft arbeitet. Und dafür muss man keine wissenschaftliche Arbeit verfremden.

  9. #9 PeterB
    3. Oktober 2011

    In 2011 Google sagt sogar, dass professionelle Webseiten Videos und Bilder enthalten.Ihnen wird also im Grunde empfohlen, Videos zu erstellen. Und Google gibt selten so klare Tipps ab.

  10. #10 SEO Dienstleistungen
    3. Dezember 2011

    Also ich finde es ist durchaus sinnvoll.

  11. #11 Gretus
    13. Juni 2012

    Hallo,

    schon erstaunlich, wie sich Google innerhalb der vergangenen zwei Jahre entwickelt hat. Mittlerweile nutzt Google zur Identifizierung hochwertiger Inhalte auch die Reputation des Autors (Author Rank).

    Eine Optimierung wissenschaftlicher Inhalte findet im Prinzip nun von alleine statt: Je öfter ein Autor durch gute Inhalte auf sich aufmerksam macht (Social Signals), desto besser werden seine Artikel gefunden. Eigentlich ganz clever gelöst…

    Grüße

    Gretus