Zwölf Regeln für erfolgreiche Förderanträge

Was unterscheidet einen guten von einem weniger guten, einen erfolgreichen von einem weniger erfolgreichen Förderantrag? Wie bekomme ich heraus, welches Förderprogramm bestmöglich zu meinem Projekt passt – und wie viel Sinn macht es, eine Projektidee zu modifizieren, damit sie den Anforderungen eines bestimmten Programms entspricht?

Auf Bitten eines Kollegen habe ich neulich mal versucht, zehn wichtige Regeln für gute Förderanträge zusammenzustellen – geworden sind es am Ende zwölf, von denen die eine oder andere vielleicht auch für manche ScienceBlogs-Leser von Interesse sein könnte (außerdem interessiert mich natürlich, wer noch bessere Tipps für gute Anträge auf Lager hat). Bevor ich mit der ersten „Regel” loslege, sei allerdings darauf hingewiesen, dass es mir nachfolgend primär um wirtschaftsnahe Förderprogramme geht, wie sie für meine Arbeit am An-Institut bzw. an der Fachhochschule von besonderer Relevanz sind, also etwa ZIM-KOOP, ZIM-NEMO, ProfilNT, FHProfUND, usw. usf. DFG-Anträge sind ein ganz eigener Bereich mit sehr speziellen Anforderungen, in dem ich bis dato kaum Erfahrungen sammeln konnte – hier überlasse ich das Feld gerne anderen.

(1) Auch auf die Form kommt es an

Ich staune immer wieder, wenn ich sehe, in welch liebloser Form Förderanträge manchmal eingereicht werden. Schlecht strukturiert, schlecht lesbar, unübersichtliche Quellenangaben, Verzicht auf Textabsätze und Wahl der kleinsten möglichen Schriftart, um so viel Text wie möglich im Antrag unterzubringen, deutlich erkennbare Stilbrüche, keine Bilder, usw. usf. Solche Anträge zu lesen ist wahrlich kein Vergnügen – und dort, wo der Ärger über die schlechte Form den inhaltlichen Gehalt des Antrags überschattet, hat man eigentlich schon verloren. Man sollte daher bei der Abfassung der Finalversion unbedingt auf eine anständige Form achten, etwa auf einen einheitlichen Zitationsstil, die Auflockerung des Textes durch Absätze, auf Zwischenüberschriften und Bilder sowie auf Kopf- und Fußzeilen. Und niemals vergessen: „Das Auge liest mit” – am besten ist es also, man sieht sich den eigenen Antrag vor der Abgabe nochmal vor dem Hintergrund der Frage an, ob man das, was man da einreichen will, auch selbst gerne in die Hand nehmen würde. Und falls nicht…

(2) Immer mit dem Projektträger reden

In fast allen Programmen besteht die Möglichkeit, sich telefonisch mit dem Projektträger – also nicht dem Fördermittelgeber selbst (wie z.B. dem BMWi), sondern der den Antrag prüfenden und empfehlenden Instanz (wie z.B. dem VDI/VDE) – in Verbindung zu setzen, in vielen Fällen ist sogar eine Präsentation des eigenen Vorhabens beim zuständigen Bearbeiter möglich. Diese Chance sollte man aus mehreren Gründen auf jeden Fall – und zwar möglichst frühzeitig – ergreifen. Denn erstens zeugt der persönliche Einsatz vor Ort von Motivation, zweitens lässt sich die Begeisterung, die man für das eigene Projekt hegt, in Persona deutlich besser vermitteln als nur auf dem Papier – und drittens – und das dürfte wohl mit Abstand der wichtigste Grund sein – versteht man die Besonderheiten eines Programms sowie die Förderintentionen des Mittelgebers im persönlichen Gespräch sehr viel genauer, als nur durch die Lektüre der entsprechenden Bekanntmachung. Die besten Hinweise habe ich jedenfalls stets vor Ort erhalten – darum meldet euch bei Interesse an einem Programm möglichst frühzeitig beim Projektträger und bittet um einen Beratungstermin.

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Drei der wichtigsten deutschen Projektträger: AIF, VDI/VDE und das FZ Jülich

(3) Nach zuvor bereits finanzierten Projekten suchen

Manchmal ist man sich auch nach mehrmaligem, gründlichen Lesen der Bekanntmachung nicht wirklich sicher, ob das gefundene Programm zur eigenen Projektidee passt. In diesem Fall hilft neben dem vorgeschlagenen Gespräch beim Projektträger auch eine im Vorfeld hierzu durchgeführte Recherche bereits zuvor geförderter Projekte. Man vergisst leicht, dass es bei längerfristig existierenden Programmen oft schon mehrere Dutzend Projekte gibt, die aktuell gefördert werden oder in der Vergangenheit gefördert wurden. In der Regel lassen sich solche Projekte im Netz recherchieren, fast immer findet sich zumindest ein kurzes Profil auf der Webseite des Mittelgebers, selbst wenn die Projektwebseiten selbst nicht mehr existieren sollten. Die Auseinandersetzung mit Inhalten und Zielen bereits zuvor geförderter Projekte kann einem einen guten Eindruck davon verschaffen, was mit dem Programm eigentlich bezweckt wird (also beispielsweise eher die vorwettbewerbliche Entwicklung oder aber die Entwicklung marktfähiger Produkte). Passt das eigene Vorhaben nicht zum Programm, so ist man in der Regel schlecht damit beraten, es nun anzupassen und damit zu verunstalten, um den Zielen des Förderprogramms gerecht zu werden – besser dürfte in so einem Fall die Suche nach einem geeigneteren Programm sein.

(4) Risiken nicht ignorieren

In vielen an Unternehmen gerichteten Bekanntmachungen findet sich die Vorgabe, dass im Förderantrag sowohl das technische wie auch das wirtschaftliche Risiko dargestellt und bewertet werden sollen, beispielsweise auf Basis einer SWOT-Analyse oder auch als einfache textuelle Beschreibung technischer und / oder wirtschaftlicher Risiken. Der größte Fehler, den man an dieser Stelle begehen kann, ist das Kleinreden oder Verschweigen real existierender Risiken aus Angst, dass ein Antrag bei größeren Unwägbarkeiten nicht mehr förderfähig sein könnte. Wer so vorgeht, verkennt die eigentliche Förderintention der meisten Mittelgeber, denn natürlich ist eine Förderung von F&E-Projekten mit öffentlichen Mitteln überhaupt nur dann erforderlich, wenn größere technische oder wirtschaftliche Risiken bestehen – wäre dies nicht der Fall, gäbe es ja kaum einen Grund dafür, das Vorhaben nicht über eigene Mittel oder Kredite zu realisieren. Rein förderlogisch betrachtet, muss ein gefördertes Projekt mindestens mit einem so hohen Risiko für die Antragsteller verbunden sein, dass es ohne die Förderung nicht hätte umgesetzt werden können – denn wäre das Projekt ein echter „Selbstläufer”, bräuchte es keine derartige Unterstützung.

Die Situation ist so betrachtet ein wenig mit der gefürchteten Frage nach den eigenen Schwächen im Bewerbungsgespräch vergleichbar – eine sinnvolle und ehrliche Antwort bringt einen hier sehr viel weiter als so zu tun, als habe man gar keine Schwächen oder als sei der größte persönliche Fehler der, dass man sich „zu sehr in die Arbeit hineinsteigert”. Sowohl Personaler als auch die Sachbearbeiter von Projektträgern haben ein feines Gespür dafür, wenn Probleme an dieser Stelle nicht offen benannt werden.

Als kleine Anekdote am Rande sei erwähnt, dass ich sogar mal das Äquivalent eines „mein größtes Problem ist, dass ich ein Workaholic bin”-Förderantrags zu Gesicht bekommen habe – dort war als „größtes wirtschaftliches Risiko” aufgeführt, dass man es nicht ausschließen könnte, dass das zu entwickelnde Produkt derartig gut beim Kunden ankäme, dass man eventuell die Nachfrage nicht mehr befriedigen könnte. Überflüssig zu sagen, dass dieser Antrag nicht durchkam.

(5) Keine Buzzword-Sammlung erstellen

Auch wenn in der Bekanntmachung häufig verwendete Zielvorgaben (wie beispielsweise die Nachhaltigkeit) im Antrag natürlich aufgegriffen werden müssen, sollte der Text auf keinen Fall eine reine Buzzword-Sammlung sein, die sich am Ende nur noch als Vorlage für eine Partie „fördertechnisches Bullshit-Bingo” eignet…

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Buzzwords, die in keinem Antrag fehlen dürfen – oder vielleicht doch?

(6) Passendes Förderprogramm finden

Es ist das typische Problem der Fördermittelbeschaffung: Eine an und für sich gute Projektidee wird hin- und hergebogen um sie in Ermangelung eines passenden an die Anforderungen eines im Grunde ungeeigneten Förderprogramms anzupassen – ein Fehler, den man – wenn es irgendwie möglich ist – unbedingt vermeiden sollte, führt ein derartiges Verbiegen doch meist zu Anträgen, die am Ende alles andere als „aus einem Guss” sind. Wer also vor einer wirklich tollen Projektidee sitzt und sich mit der undankbaren Aufgabe herumquält, diese ins Korsett eines unpassenden Förderprogramms zwängen zu müssen, der sollte sich auf jeden Fall die Zeit nehmen, sich noch einmal nach einem besser geeigneten Programm umzuschauen. Ein guter Ausgangspunkt für eine derartige Recherche ist die Förderdatenbank des BMWi, in der hunderte von auf Bundes-, Landes- und Europaebene veröffentlichter Förderbekanntmachungen nach spezifischen Parametern wie etwa Art der Förderung, Fördergebiet oder Förderempfänger sortiert dargestellt werden können.

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Ein idealer Ausgangspunkt für Förderrecherchen: die Förderdatenbank des BMWi

(7) Nicht überhasten (außer aus wichtigem Grund)

Klar – es gibt Fälle, in denen Ausschreibungen so kurzfristig reinkommen, dass man keine andere Wahl hat, als innerhalb von zwei oder drei Wochen schnell noch einen Förderantrag „zusammenzuzimmern”. Wenn möglich, sollte dies jedoch die Ausnahme und nicht die Regel sein, schließlich lassen sich mit mehr Zeit und Ruhe sehr viel bessere Anträge schreiben (etwa im Hinblick auf Beratungstermine beim Projektträger oder die Erarbeitung guter Grafiken und einer guten äußeren Form). Ist ein Förderprogramm langfristig ausgelegt und bietet daher nicht nur einen, sondern mehrere mögliche Abgabetermine (z.B. jeweils zum 01.03, zum 01.07 und zum 01.11. eines Jahres), sollte man sich – sofern dies möglich ist – lieber auf den übernächsten als den nächsten Termin fokussieren, um die Zeit für einen besser durchdachten und gründlicher erarbeiteten Antrag zu haben. Ein vermeidbarer „Schnellschuss” kann einem hier gute Chancen verbauen, schließlich kann man im Fall der Ablehung nicht vier Monate später wieder mit der gleichen Idee vor der Tür stehen (bzw. man kann das natürlich schon, inwiefern allerdings ein wiederholtes Einreichen der gleichen Projektideen in kurzen Abständen beim gleichen Projektträger die Chancen auf ein positives Review erhöht, sei mal dahingestellt…).

(8) Einen Autoren für die Finalversion bestimmen

Gerade Förderanträge für komplexe Projekte werden ja häufig im Team geschrieben – und hier ergibt sich bei der späteren Zusammenfügung der Texte ein spezifisches Problem, hat doch jeder Schreiber einen eigenen Schreibstil und eine eigene Wortwahl, weshalb es bei einem einfachen „Aneinanderlegen” von Abschnitten zu hässlichen Stilbrüchen kommt, die sich extrem negativ auf die Lesbarkeit des Textes auswirken. Manchmal kommt es dabei zu Fehlern, die den Leser vermuten lassen, dass vor der Einreichung des Antrags niemand den Text in seiner Gesamtheit gelesen hat – was natürlich einen verheerenden Eindruck macht. Besonders auffällig ist etwa die wiederholte Erklärung von Abkürzungen und Fachbegriffen in verschiedenen Abschnitten des gleichen Textes. Auch die Aufrechterhaltung eines „roten Fadens” über mehrere Autoren ist extrem schwierig. Für antragstellende Teams sehr zu empfehlen ist daher die Benennung eines „Hauptschreibers”, der die Zuarbeiten sämtlicher Teammitglieder in Empfang nimmt und den Antragstext auf dieser Basis selbst verfasst. Ein solches Vorgehen ist natürlich mit Mehrarbeit verbunden, lohnt sich aber ungemein, da nur auf diese Weise ein wirklich flüssig lesbarer und in sich geschlossener Text entsteht.

(9) Gute Grafiken erstellen

Nicht ohne Grund heißt es ja, dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte – das gilt natürlich in besonderem Maße auch für Förderanträge. So verdeutlicht eine technische Zeichnung das zu entwickelnde System viel differenzierter als eine Beschreibung, ein Gantt-Diagramm vermittelt die Arbeitsabläufe besser als die einfache Auflistung von Arbeitspaketen, eine hierarchische Gliederung zeigt die Organisation des Projektteams besser als selbst gewählte Mitarbeiter-Titel und eine grafische Darstellung der für später angedachten Produktions- und Vertriebskette kann ein deutlich klareres Bild der Umsetzung einer Projektidee am Markt vermitteln, als eine reine Beschreibung der geplanten Marktaktivitäten.

Gute Grafiken zu erstellen macht natürlich eine ganze Menge Arbeit – und gerade in Fällen, in denen man die Grafiken ausschließlich für den Förderantrag erstellt, stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit. Meine Erfahrung – auch im Hinblick auf das Feedback, das wir aus zahlreichen Antragskomissionen erhalten haben – ist, dass es sich dennoch lohnt, diese Zeit zu investieren. Und das nicht nur, weil man mit guten Grafiken die Verständlichkeit des Antrags und damit die Chancen auf eine Bewilligung erhöht, sondern auch, weil man – so geht es zumindest mir – die Sachverhalte in Vorbereitung einer brauchbaren grafischen Darstellung selbst noch einmal gründlich durchdenken und strukturieren muss, was einem wiederum bei der Formulierung verständlicher Texte hilt – denn die sind ja auch bei noch so hübschen Bildern weiterhin erforderlich…

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Für einen Antrag des TECLA-NEMO-Netzwerks haben wir mal extra diesen 3D-Nachbau unserer Musterwohnung erstellt – das war vielleicht ein (lohenswerter) Aufwand…

(10) Fachtermini immer erklären

Natürlich muss man nicht jede Abkürzung und jeden technischen Begriff erklären, den man in einem Antrag verwendet – wer etwa erläutert, wofür die Abkürzung „PC” steht oder das man mit einem Scanner Texte erfassen kann, riskiert vermutlich sogar, den Gutachter zu verärgern. Was man dagegen auf jeden Fall erklären sollte, sind Begrifflichkeiten, hinsichtlich derer man vermuten muss, dass Fachfremde sie nicht kennen. So müsste ich in einem Förderantrag für ein Projekt aus dem Bereich der optischen Datenübertragung sicherlich nicht erläutern, was die Begriffe Transparenz und Breitband bedeuten, wohl aber was eine polymeroptische Faser von einer Glasfaser unterscheidet oder was hinter dem Multiplex-Prinzip steckt. Wird eine solche Erklärung an der falschen Stelle vergessen, läuft man Gefahr, dass der Antrag schwer verständlich wird, überfrachtet man den Antrag dagegen mit Trivialerklärungen, verringert sich die Lesbarkeit. Wie auch bei anderen Punkten wie zum Beispiel der Darstellung von Risiken oder der Unterbringung eigener Publikationen ist also auch hier die Ausgewogenheit das Ziel.

Was man übrigens auf jeden Fall vermeiden sollte, ist die Übernahme von allgemeinen Erklärungen für Fachbegriffe aus der Wikipedia. Erstens kann der Gutachter da auch selbst nachschlagen (und dürfte sich ziemlich verschaukelt kommen, wenn er dies tut und dort dann über den gleichen Text stolpert) und zweitens darf man nicht vergessen, dass man in der Rolle des Antragstellers als Experte für das jeweilige Thema auftritt – und von einem Experten wird schon ein wenig mehr erwartet, als dass er aus der Wikipedia abschreibt…

(11) Marktpotential nicht übertreiben

Das ist so ein Punkt, über den ich mich wirklich lange auslassen könnte: Für Anträge in wirtschaftsnahen Förderprogrammen wird bekanntlich häufig eine Einschätzung des späteren Marktpotentials erwartet – auch dann, wenn der Antragsteller eine Hochschule ist. Gerade bei Programmen, für die das Marktpotential erkennbar wichtig ist, wird hier oft hemmungslos übertrieben und das zu entwickelnde Verfahren oder technische Bauteil mutiert am Ende zur „eierlegenden Wollmilchsau”, die bei einer Überführung in den Markt auf enorme Zuwächse an Umsätzen und Arbeitsplätzen hoffen lässt. Hierzu ist klar zu sagen: Wer hier Mist schreibt, darf sich nicht wundern, wenn sein Antrag genau deshalb abgelehnt wird. Gerade im Fall von wirtschaftsnahen Förderprogrammen sind die Gutachter meist deutlich besser in der Bewertung von Marktpotentialen versiert, als die Antragsteller selbst – und merken daher schnell, wenn ihnen hier das Blaue vom Himmel versprochen wird.

Eine ehrliche Einschätzung bringt einen hier deutlich weiter – zumindest habe ich noch nie erlebt, dass Anträge abgelehnt werden, weil man im Hinblick auf die wirtschaftlichen Potentiale nicht laut genug getrommelt hat, während mir das Gegenteil von Kollegen schon des öfteren berichtet wurde. Als Beispiel sei einmal auf eines unserer aktuellen Projekte verwiesen, in dem es um die Entwicklung autark versorgter und lichtverschmutzungsarm beleuchteter Bushaltestellen geht, die primär in Naturarealen zum Einsatz kommen sollen, in denen keine kabelgebundene Stromversorgung möglich ist. Hierbei handelt es sich ganz eindeutig um ein Nischenprodukt, das sich etwa in Küstenregionen oder Nationalparks einsetzen lassen könnte, in denen sowohl die umweltfreundliche Beleuchtung als auch die autarke Energieversorgung einen echten Nutzen bringen. Würden wir hier behaupten, dass man zigtausende Systeme dieser Art im Jahr verkaufen kann – wer würde uns das glauben? Wer sich bei der Antragslektüre jedoch in einem Punkt getäuscht vorkommt, wird jedoch auch den restlichen Inhalten weniger Glauben schenken können…

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Für das AUBELE-Projekt angefertigte DIALux-Simulation einer Haltestellenbeleuchtung

…und die wichtigste Regel zum Schluss:

(12) Niemals vergessen: Es geht um Überzeugungsarbeit!

Ein Förderantrag ist weder eine wissenschaftliche Publikation noch eine umfassende Darstellung des Stands von Wissenschaft und Technik. Er ist auch keine Marketing-Broschüre und erst recht kein Bettelbrief. Das Hauptziel bei der Antragstellung sollte es stattdessen sein, jeden potentiellen Leser vom eigenen Projekt zu überzeugen. Um das zu erreichen, muss ein guter Förderantrag meinem Erachten nach wie ein Roman aufgebaut sein und auch „romanähnliche Qualitäten” besitzen: Er braucht einen Spannungsbogen (das ist das Problem – wie können wir es lösen?), überzeugende Protagonisten und vor allem einen roten Faden, der sich von der ersten bis zur letzten Seite des Antragspapiers zieht. Denn im Grunde erzählt man mit einem Förderantrag immer auch eine Geschichte: Die eines Problems, dass es zu lösen gilt; sowie die des Ansatzes, der für diese Lösung angestrebt wird. Hat man eine gute Geschichte und hält sich zudem an den formalen Rahmen (sowie natürlich diese zwölf Regeln…), dann bekommt man am Ende auch einen guten Antrag.

Für bloggende Wissenschaftler – von denen es ja erfreulicherweise immer mehr gibt – könnte man dieses Kriterium auch so formulieren: Wenn eine Projektidee so gut ist, dass ich nicht nur sehr gerne darüber bloggen würde, sondern mir auch sicher sein kann, dass ich jeden Leser – ob Laie oder nicht – mitnehmen und von der Sinnhaftigkeit einer Realisierung überzeugen kann, dann habe ich eine gute „Geschichte” und damit auch ein gutes Grundkonstrukt für einen Förderantrag.

Ach ja: Und Finger weg von Plagiaten. Förderanträge mögen keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen sein, dennoch sollte man sie gefälligst selbst verfassen. Was dagegen erlaubt ist, sind hemmungslose Eigenplagiate unter Angabe der Erstveröffentlichung, da man auf diesem Weg dezent auf eigene Publikationen zum Thema hinweisen kann…

Weitere gute Regeln und Hinweise dürfen gerne in den Kommentaren ergänzt werden!

Kommentare

  1. #1 Markus A. Dahlem
    23. November 2011

    Darauf achten, dass Zusagen von Seiten der nutznießenden Universität oder Forschungseinrichtung vorab schriftlich fixiert sind, damit man selbst das eingeworbene Projekt — Daumen gedrückt — später auch in Ruhe durchführen kann. Sonst passiert sowas.

  2. #2 JK
    24. November 2011

    Projektziele, Projektdauer (und Meilensteine), Ressourceneinsatz und Finanzierungsbedarf sollten zueinander passen. Und im Antrag den Endbericht und den Präsentationsworkshop mit dem Projektträger nicht vergessen – manchmal meint man, das seien für einige Projektträger ohnehin die eigentliche Ziele eines Projekts ;-)

  3. #3 Florian W.
    24. November 2011

    In der Krabbelkiste bin ich über “Hans Graßmann: (Keine) Ahnung von der Materie” gestoßen. Dort kritisiert der Autor das Förderantragssystem ziemlich stark. Wie kann Spitzenforschung betrieben werden, wenn zwischen Idee und Loslegen 1 Jahr Zeit vergeht?
    Ist Herr Graßmann nur ein Dummschwätzer oder sagt er die Wahrheit und hat man sich hier an das System angepasst, weil es sich selbst stabilisiert und damit reformunfähig ist?

  4. #4 Christian Reinboth
    25. November 2011

    @Florian W: Die angesprochenen zeitlichen Verschiebungen sind in der Tat ein großes Problem, das in dieser Form allerdings nur bei DFG-Anträgen auftritt – die Prüfung von Anträgen für anwendungsorientierte Programme ist in der Regel innerhalb weniger Monate abgeschlossen, so dass zwischen der Einreichung und dem Projektbeginn keine derartig langen Zeiträume liegen. Wer an DFG-Mitteln hängt, hat dieses Problem dagegen wirklich – und versucht es in der Regel dadurch zu umgehen, dass der Antrag für das nächste Projekt schon mindestens ein halbes Jahr vor dem Auslaufen des aktuellen Projekts gestellt wird, was wiederum Zeit und Ressourcen bindet, die eigentlich noch ins aktuelle Projekt hätten investiert werden sollen. Alles nicht optimal – auf der anderen Seite aber auch schwer anders zu organisieren. Zum genauen Procedere bei DFG-Anträgen hatte übrigens SB-Kollege Martin hier schon mal ausführlich gebloggt.

  5. #5 Ted
    4. Juni 2013

    Der Artikel ist zwar schon etwas älter – aber für mich gerade passend:

    Ich schreibe gerade meinen ersten eigenen Förderantrag (bmbf projekt) – Partner wären eine Uni und ein kleinstunternehmen, Thema etwas recht neues – oder anders: die Idee hatte (soweit wir wissen) bisher niemand. An der Idee hängt momentan ein größerer Teil der Zukunft des kleinen Unternehmens.

    Nach ein paar Gesprächen mit Leuten an der Uni wurde mir mehrfach empfohlen im Antrag nicht zu genau zu erwähnen, worum es geht – sondern nur Richtung und grobe Erklärung des Verfahrens.

    Grund: Die Antragsprüfer sind meist beauttragte Unternehmen – und es ist wohl schon öfters vorgekommen, daß ein Antrag abgelehnt worden ist – und dann nach einiger Zeit unter andrem Namen und beteiligten Personen wieder aufgetaucht ist.

    Habt ihr in der Richtung schon was gehört bzw. ein paar Tipps worauf man achten sollte?

  6. #6 Christian Reinboth
    20. Juni 2013

    @Ted: Vielen Dank für den Kommentar. Üblicherweise sind Förderanträge streng vertraulich – und da deren Eingang und Weitergabe an die Gutachter durch den potentiellen Mittelgeber dokumentiert wird, wäre es ja ohnehin sehr leicht nachzuweisen, ob bereits eingereichte Ideen missbräuchlich von einem Gutachter übernommen wurde. Ich jedenfalls habe so etwas noch nicht erlebt und glaube nicht, dass es regelmäßig vorkommt.

  7. #7 Peter Renzner
    31. Januar 2014

    Da sich hier einige mit Förderanträgen auszukennen scheinen hier mal ein paar Fragen:

    Ich habe vor kurzer Zeit mit einem Kollegen ein kleines KMU/Startup gegründet (sprich 2 Personen).
    Jetzt hat uns ein befreundetes Unternehmen gefragt, ob wir bei einem Eu-Projekt mitmachen wollen.
    Da wir uns momentan eher schlecht als recht über Wasser halten (aber wir halten uns) und eh darauf hinarbeiten in unsrem Bundesland einen Förderantrag (allerdings zu einem andren Thema) zu stellen (Idee und Machbarkeit ist vorhanden – und dadurch ein Großteil der Geräte für beide Vorhaben auch) zu stellen, haben wir zugestimmt.

    Dann kam recht schnell die Ernüchterung, ob wir uns nicht zuviel aufgebürdet haben: in der Theorie können wir die Aufgaben durchführen – was uns aber essentiel fehlt ist eines: Wissen. Und damit ist Wissen gemeint, sich beim Antrag nicht zu verkalkulieren – zum einen sind wir unsicher beim zeitlichen Aufwand – da neue Analytikmethoden entwickelt werden müssen – bei denen die Gerätebedienung etc. kein Problem darstellt – allerdings keine Erfahrung darin herrscht zu schätzen, wie lange man effektiv daran sitzt, gibt es da schon ein mulmiges Gefühl: was wenn man länger braucht.
    Zum zweiten der finanzielle Aufwand: Verbrauchsmaterialien gehen einigermassen vom Abschätzen – aber da letztendlich ein Produkt herauskommen soll, das im Pilotmasstab gefertigt werden kann, ist eine Pilotanlage zu konzipieren – die noch nicht vorhanden ist. Und da ist der große Bammel: was ist wenn die Kosten aus dem Ruder laufen – und man mangels Erfahrung viel zu geringes Budget angesetzt hat.
    Wobei ein Problem auch Zusatzkosten für Geräte darstellen könnte: den für deren Anschaffung konnte ich bisher keinen Kniff finden. Theoretisch sollte alles berücksichtigt sein – aber ob in der Praxis nicht ein weiteres Gerät nötig wird ist eine andre Sache.
    Das ganze dann noch gewürzt mit einer 100+ Seiten Strafvereinbarung der Eu. Prost Mahlzeit.

    Da fragt man sich langsam, wie andre Startup Unternehmen sowas handhaben.
    Zumindest auf dem Papier kommt dann ein hochgepriesenes Eu-Förderprogramm für kleine Unternehmen mit wenig Erfahrung einem Tanz auf Messers Schneide gleich.

    Wohl dem der an einem Institut sitzt – den was da erstattet wird – da kann man aus KMU Sicht nur neidisch schauen.

    Kurzum habt ihr ein paar Tipps Bereich Kostenplanung und Zeitplanung bei Förderanträgen?
    Oder Erfahrungen in dem Bereich?
    Wie wird es an den Unis gemacht – Phd und Master etc. Arbeiten müßten ja auch irgendwie zeitlich und finanziell geplant werden.

    Wäre schön, wenn bei so einem Erstantrag der Optimismus das mulmige Gefühl verdrängt.