Alterpionier

Das Verfassen selbst aufwändiger Blogartikel für Sciencestarter lohnt sich übrigens auch aus anderen Gründen – der Blogpost meines Hochschul-Kollegen Thomas Schatz zur Definition des Begriffs „Alterspionier“ findet sich bei einer Google-Suche trotz deutlich mehr als 100 Treffern bereits seit Wochen auf dem ersten Platz…

3) Finanzierungsziel und Incentives – Feintuning ist sinnvoll: Auch wenn man als Forscher natürlich immer Ideen hat, wie man auch noch mehr Geld verausgaben könnte, ist es für den Crowdfunding-Erfolg durchaus sinnvoll, sich auf die Summe zu beschränken, die minimal für die Projektrealisierung benötigt wird. Dies liegt insbesondere am „Alles oder nichts-Prinzip” beim Crowdfunding, welches bei einer vom Projektstarter festgelegten Minimalsumme von z.B. 10.000 Euro und einer tatsächlichen Unterstützersumme von 6.000 Euro dazu führt, dass kein Cent ausgezahlt wird – und das, obwohl das Projekt vielleicht schon mit 5.000 Euro hätte realisiert werden können. Bescheidenheit ist hier also durchaus sinnvoll – so haben wir es bei „Silver Clips“ gehalten und so werden wir auch bei „Dem Himmel so nah” verfahren, indem wir der festgelegten Minimalsumme von 3.500 Euro einen Eigenanteil von 1.500 Euro aus Vereinsmitteln gegenüberstellen, anstatt die Gesamtsumme zu beantragen. Da im Falle eines Projekterfolgs die Wahrscheinlichkeit zudem groß ist, dass ohnehin mehr als die Minimalsumme eingenommen wird (bei „Silver Clips“ etwa kamen exakt 1.000 Euro mehr zusammen), vergibt man sich mit einer realistischen Beschränkung nichts.

Sinnvoll scheint mir außerdem ein gewisses Feintuning bei der Abstufung der Incentives zu sein. Wenn man beispielsweise ein Incentive für 5 Euro, das nächste aber erst für 40 Euro anbietet, wird derjenige, der eventuell 20 Euro zu zahlen bereit gewesen wäre, am Ende vielleicht doch nur 5 Euro überweisen. Bei „Silver Clips“ ist uns diese Abstufung – wie ich persönlich finde – besser als bei „Dem Himmel so nah“ gelungen, wobei gerade dieses Projekt eventuelle Schwächen hoffentlich durch die große thematische Attraktivität mehr als ausgleichen wird.

4) Die Hochschule überzeugen – in unserem Fall erfreulich einfach: In vielen Fällen sind die „crowdfundenden“ Forscherinnen und Forscher ja an Universitäten oder Fachhochschulen beschäftigt und möchten das eingenommene Geld auch gerne in Form von Drittmitteln verausgaben, woraus sich in der Praxis einige durchaus knifflige Fragen ergeben: Werden Crowdfunding-Mittel als Spenden verbucht und können sie als solche auch quittiert werden? Ist im Falle einer hochschulweiten Vollkostenrechnung ein Overhead-Anteil abzuführen? Handelt es sich beim Bloggen auf Sciencestarter um eine öffentlichkeitsrelevante Tätigkeit, die ggf. mit dem Rektorat oder dem Referat für Öffentlichkeitsarbeit abgestimmt werden muss? Usw. usf.

Solche Fragen können – zumindest meiner Einschätzung nach – durchaus eine große Hürde für potentielle Projektstarter darstellen. Dass dies bei „Silver Clips“ nicht der Fall war, hat – und hier muss ich meine Alma Mater einmal ausdrücklich loben – viel mit der Arbeitsatmosphäre an der Hochschule Harz sowie mit einzelnen Unterstützern wie Prorektor Prof. Dr. Georg Westermann, Knowledge Broker Thomas Lohr und den beiden Pressereferenten Andreas Schneider und Janet Anders zu tun, denen an dieser Stelle noch einmal herzlich für ihre Hilfe gedankt sei.

Übrigens: Auch wenn Sciencestarter-Manager Thorsten Witt im unten verlinkten Vortrag ausführt, dass eine komplexe wissenschaftliche Projektbeschreibung sowie ein professionell erstelltes Projektvideo letztlich nicht ausschlaggebend für den Projekterfolg sind, kann ich Projektstartern, die sich „offiziell“ als Hochschulmitarbeiter ins Abenteuer Crowdfunding stürzen wollen, zu beidem nur dringend raten. Für den späteren Crowdfunding-Erfolg mögen weder die Professionalität des Vorstellungsvideos noch ein über die Projektbeschreibung hinausgehendes Konzept wichtig sein – hochschulintern hat uns beides aber durchaus geholfen, den einen oder anderen Skeptiker davon zu überzeugen, dass es sich bei „Silver Clips“ um ein ernsthaftes sozialwissenschaftliches Projekt – und eben nicht irgendeine „Internet-Spielerei“ – handelt. In diesem Sinne sei an dieser Stelle auch noch einmal Stephan Dittmann ganz herzlich für den professionellen Videodreh gedankt.

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Kommentare (5)

  1. #1 CM
    27. Februar 2014

    Sehr interessante Aspekte! Vielen Dank für die Zusammenfassung.

    Insbesondere beim “langweiligen” Punkt 4 möchte ich nachfragen: Wie kann denn eine formal korrekte Lösung für die angesprochenen Fragen aussehen? Der Text klingt so ein wenig nach “es wurden dankenwerterweise die Bürokraten außen vorgelassen” ;-).

    Und: Wenn ein professionelles Video quasi Pflicht ist – wie sieht dann eine Gesamtkostenrechnung aus? Schließlich ist nicht jede Gruppe in der Lage das in Null-komme-Nichts selber zu machen, d. h. entweder wird Expertise eingekauft oder mühevoll angeeignet – dies kostet Geld. Oder gibt es eine einfachere Lösung, die mir nicht vor Augen ist?

    Danke,
    Christian

  2. #2 Christian Reinboth
    27. Februar 2014

    @CM: Vielen Dank für die Fragen, die ich nachfolgend so gut wie möglich zu beantworten versuchen werde.

    Eine formal korrekte Lösung kann meinem Erachten nach nur in der frühzeitigen Einbeziehung entsprechender Entscheidungsträger innerhalb der Hochschule bestehen. Im Fall von “Silver Clips” war dies der Prorektor für Forschung und Internationales, der die Idee, auch mal eine eher unkonventionelle Methode der Forschungsfinanzierung auszuprobieren, von Anfang an unterstützt hat. Ich vermute, dass man zum entspannten Arbeiten genau das braucht: Die Unterstützung des Professors bzw. der Professorin, der oder die das Projekt nach erfolgreicher Finanzierung betreuen soll sowie die Unterstützung der Leitungsebene. Wie man sowas organisieren kann, wird sicher von Hochschule zu Hochschule ganz verschieden sein. In unserem Fall hat es bestimmt auch geholfen, dass wir Thorsten Witt von Sciencestarter vorab einmal als Referenten nach Wernigerode eingeladen hatten, damit er das Crowdfunding-Prinzip den daran interessierten Professoren und Hochschulmitarbeitern vorstellen konnte.

    Zum professionellen Video: Für den späteren Erfolg der Finanzierung ist dieses sicher keine Pflicht – einige der erfolgreichsten Sciencestarter-Projekte haben erkennbar auf eine übermäßige Professionalisierung der Präsentation verzichtet, was ebenso erkennbar nicht geschadet hat. Hochschulintern war die Qualität des “Silver Clips”-Videos allerdings ein positiver Faktor, da es dazu beigetragen hat, auch skeptische Professoren davon zu überzeugen, dass hier tatsächlich ein “ernsthaftes” Projekt angestrebt wird.

    Was die Finanzierung angeht: Wenn man – wie wir – einen Medienstudiengang und damit entsprechende Profis direkt im Haus hat, kann man sowas beispielsweise über HiWi-Verträge finanzieren oder versuchen, ein studentisches Projekt daraus zu stricken. Wenn man sich dagegen externe Profis ranholt, zerstört man vermutlich das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Crowdfundings.

  3. #3 Marianne Wilmsmeier
    Rombach
    27. Februar 2014

    Hallo Herr Reinboth,
    ganz herzlichen Dank für den interessanten und ausführlichen Artikel über Ihre Erfahrungen. Ich würde Sie gerne, sofern Sie nicht anderweitig schon angesprochen bzw. aktiv geworden sind, einladen, sich dem German Crowdfunding Network (http://www.germancrowdfunding.net) anzuschließen, das erst seit kurzem besteht und den Gedanken des Crowdfunding flächendeckend in die Gesellschaft tragen möchte. Das Thema Crowdfunding im Wissenschaftsbereich ist mehr als spannend und bedarf auch einer besonderen Aufmerksamkeit. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich uns anschließen . Liebe Grüße, Marianne Wilmsmeier

  4. #4 CM
    27. Februar 2014

    Danke abermals für die Einschätzung / Erklärungen!

  5. […] vergangenen Jahr hatte ich hier auf den ScienceBlogs mehrfach um Unterstützung für zwei von mir mitbetreute Crowdfunding-Projekte bei Sciencestarter geworben, die […]