Der erste nach längerer – arbeitsbedingter – Pause hier im “Frischen Wind” erscheinende Blogpost, hat leider einen mehr als betrüblichen Anlass: Hans Rosling, Statistiker, Demograf, Mediziner Gesundheitswissenschaftler, Krankheitsbekämpfer und Welterklärer extraordinaire, ist heute in seiner schwedischen Heimat nach längerer Krankheit verstorben. Da Florian Aigner bereits einen bewegenden Nachruf verfasst hat, dem ich inhaltlich wenig hinzufügen könnte, möchte ich die Chance nutzen und darüber schreiben, warum Hans Rosling mir – obwohl ich nie einen seiner Vorträge in natura erleben durfte – über die Jahre ans Herz gewachsen ist.

Für mich – und viele andere ScienceBlogger auch – ist Carl Sagan auch über 20 Jahre nach seinem Tod noch immer das Maß aller Dinge in Sachen Wissenschaftskommunikation. Besser, sympathischer, einladender und interessanter kann man nicht vermitteln, Brücken bauen und junge Menschen für die Wissenschaft begeistern. Hans Rosling war einer der wenigen Menschen, über die man objektiv feststellen kann, dass sie in Sagans Liga gespielt haben – eine Liga, die insgesamt kaum genügend Spieler umfasst, um auch nur zwei Fußballmanschaften bilden zu können. Sagan und Rosling verband, dass sie komplexe Zusammenhänge und komplizierte Ideen auf einfache Art und Weise vermitteln konnten, ohne sie dabei zu sehr zu vereinfachen – eine Kunst, die leider nur wenige gute Forscherinnen und Forscher beherrschen. Rosling betrachtete sich selbst als “Edutainer” – und in der Tat war er ein Redner, der Wissensvermittlung unterhaltsam gestalten konnte, anstatt – wie viele andere, die sich dem Edutainment verschrieben haben – primär zu unterhalten und nur “nebenbei” noch ein wenig Wissen zu vermitteln.

Je länger ich heute über Rosling nachdachte, umso klarer wurde mir, dass ihn mit Sagan letztlich viel mehr verband als nur die Fähigkeit, Wissen spielerisch und unterhaltsam zu vermitteln. So zeichneten sich beide neben ihren wissenschaftlichen Leistungen insbesondere durch ihr gesellschaftliches Engagement aus. Während Sagans wichtigster gesellschaftlicher Beitrag vermutlich in seinem jahrelangen Aufklärungskampf gegen den Einsatz, den Test und die Weiterverbreitung atomarer Waffen bestand, stellte Rosling seine Expertise immer wieder persönlich in Krisenzonen und an Krankheitsherden (zuletzt im Jahr 2014 während der westafrikanischen Ebola-Epidemie) zur Verfügung.

Die größte Gemeinsamkeit zwischen beiden Männern – und letztlich auch der Wesenszug, der beide nicht nur zu guten Kommunikatoren, sondern auch zu so großen Sympathieträgern machte – dürfte jedoch ihr unerschütterlicher (und in Roslings Fall bisweilen auch scharf kritisierter) Optimismus gewesen sein. Ein Optimismus, der geradezu aus jeder Folge von Sagans “Cosmos” strahlt: Ja, die Menschheit ist fähig zu großer Unvernunft und Grausamkeit – aber eben auch zu großen geistigen und gesellschaftlichen Leistungen. Ja, der Weg zu den Sternen wird unvorstellbar lang und beschwerlich – aber er ist zu überwinden. Ähnlich ist es mit Vorträgen von Hans Rosling. Obwohl die meisten seiner Beiträge durchweg unerfreuliche Themen – vom demografischen Wandel über Flüchtlingsbewegungen bis hin zu Pandemien und globaler Armut – behandeln, ist der Ausblick fast immer positiv: Krisen können bewältigt, Krankheiten eingedämmt, Fluchtursachen beseitigt und Armut bezwungen werden – wenn, ja wenn Menschen sich dazu entschließen, der Realität nicht mehr mit Ignoranz zu begegnen, sondern sich stattdessen den Herausforderungen ihrer Zeit zu stellen.

Ich bin fest überzeugt davon, dass Hans Rosling uns – ebenso wie Carl Sagan – in einer Zeit, die mehr und mehr von “alternativen Fakten” und Desinformation geprägt wird, auch in den kommenden Jahren noch sehr viel zu sagen haben wird – über hunderte von Stunden an Vorträgen, Vorlesungen, Podcasts und TED-Talks, zu finden auf YouTube und zahlreichen anderen Videoplattformen. Und eigentlich müsste man einen solchen Artikel ja nun auch mit einem dieser vielen Beiträge, einem der großen Highlights, beschließen – da es mir aber heute noch viel schwerer als an jedem anderen Tag fallen würde, ein persönliches “Best of” auszuwählen, binde ich an dieser Stelle lieber eine kleine Dokumentation aus dem Videokanal seiner Stiftung – der Gapminder Foundation – ein, die uns in (untertiteltem) Schwedisch nicht nur Roslings Arbeit, sondern auch den Menschen Hans Rosling ein wenig näherbringt.

Kommentare (2)

  1. #1 Helmut Elsigan
    8. Februar 2017

    Ich muss grad heulen. Der Mann war so großartig. Fantastische Doku!

  2. #2 hubert taber
    6. März 2017

    der erwähnte carl sagan erklärte in wahrheit nichts.
    er sprach wirr wie alle astrophysiker.
    siehe unter:
    https://diepresse.com/home/science/5151307/Woher-kommt-der-gute-Mond#kommentare

    mfg.