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Eigentlich spreche ich nicht gerne über gentechnisch veränderte Lebensmittel. Nicht weil ich das Thema für unwichtig halte, das Gegenteil ist der Fall. Aber es ist wahnsinnig mühsam, ein komplexes Thema umfassend zu beleuchten, wenn die meisten Menschen bereits eine so starke Meinung dazu haben. Das bekam ich auch letztes Jahr zu spüren, als ein Gentechnik-Interview von mir nicht ausgestrahlt wurde, weil ich mich nicht negativ genug geäußert hatte.

Die Leute von „Skeptics in the Pub“ waren da weniger streng und haben einen Vortrag von mir online gestellt, den ich vergangenen Oktober in Wien gehalten habe. Dabei spreche ich über die Grenze zwischen Biolebensmitteln und Gentechnik, den Einfluss von GMOs auf die Gesundheit, das Einkommen und die Suizidrate von Bauern, Terminator-Samen, Resistenzbildung und all die anderen Dinge, die man vom Hörensagen kennt, von denen man aber eigentlich nicht weiß, was davon stimmt.

Mit Live-Verkostung von Monsanto-Soja!

Wer sich für das Thema interessiert und mir vielleicht selbst ein paar Fragen stellen möchte, hat am 12. Apr. ab 19:30 im Planetarium Wien die Möglichkeit dazu. Dort werde ich mit Eva Lachkovics, der Gentechnik Sprecherin der Grünen, über die Vor-und Nachteile der Zuchtmethode sprechen. Wir halten beide jeweils einen 20 Minütigen Vortrag, danach gibt eine Stunde lang ein Frage-Antwort Spielchen mit dem Publikum, moderiert von Josef Broukal.

Wer sich lieber vor dem Bildschirm informiert, dem empfehle ich die Transparenz Gentechnik Seite.

Kommentare (21)

  1. #1 Markus
    20. März 2016

    Unsere Gartenerdbeeren (die im Mai alle Erdbeeren auf einmal abliefern) stammen nicht von den Walderdbeeren ab. Gibt dann aber auch Rückkreuzungen, die Monatserdbeeren (die übers Jahr nach und nach ihr Früchte liefern).
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gartenerdbeere
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fragaria_%C3%97_vescana

    Das mit dem Golden Delicious war mir neu, die Mutante nennt sich Lysgolden. Eine nur sehr schwach berostete Variante, so wie die Äpfel im Supermarkt 😉
    http://www.nationalfruitcollection.org.uk/full2.php?varid=3682&&fruit=apple

  2. #3 Hobbes
    20. März 2016

    Sehr guter Vortrag.
    Werde ich weiter empfehlen. Insbesondere der Teil zu Seralini werde ich wohl noch gerne mal wieder raus kramen.

    Ich finde es zudem auch immer lustig Leute mal sprechen zu hören von denen man bisher nur Bild und Text hatte. Liegt wahrscheinlich daran das ich ein Nordlicht bin und somit nie an den Wiener Akzent gedacht habe als ich die Texte gelesen hab.

    Ein weiteres Thema was ich in dem Zusammenhang mit der Gentechnik gerne erwähne ist die Geschichte des Humaninsulins in Deutschland. Absurd das Gerade die Böse Gentechnik (von einem Grünen damals verboten) Millionen von Schweineleben rettet.

  3. #4 Hobbes
    20. März 2016

    Ach und ich habe auch direkt ne Frage zu den “Licht nur in spezifischen Wellenlängen auf Pflanzen treffen lassen”.
    Wie hoch ist denn der energetische Anteil des Absorbierbaren Spektrums im Vergleich zum natürlichen Licht?
    Wäre da über Solarbetrieb schon mehr Lebensmittel pro Oberflächenmeter raus zu holen?

    • #5 Martin Moder
      20. März 2016

      Die Frage habe ich mir auch gestellt. Kenne die Antwort leider nicht und bin gerade unterwegs.

  4. #6 MisterX
    20. März 2016

    Was man vor allem wissen sollte über Gentechnik ist das der Verzehr von veränderten Genen alleine schon fast per Definition ungefährlich ist. Allerdings produzieren diese veränderten Gene auch Pestizide oder ähnlich Giftstoffe, d.h. ich kann keine Äpfel mehr abwaschen um sie von den giften zu befreien, weil sie im Apfel drin sind. Was man noch wissen sollte ist das Gentechnik keine exakte Wissenschaft ist, wir wissen nicht wirklich wie Pflanzen funktionieren. Wenn man sich die Methoden von z.B. Monsanto anschaut wird klar welche Interessen diese haben, nämlich Marktdominanz durch Patentierung von veränderten Lebensmitteln. Die Arbeiten die von Monsanto veröffentich werden sind schon seit jahren in der Kritik. Monsanto benutzt sehr oft wissenschaftlich überholte Methoden. Wenn diese als überholt kritisiert werden kommt nur als Argument zurück das diese überholten Methoden ja viel besser seien als die neueren.
    Wer mehr darüber wissen will kann die Veröffentlichungen vom Bioscience Resource Project lesen.

    http://inthesetimes.com/rural-america/entry/18359/cooking-the-books-and-eating-the-research-a-scientist-explains-the-dangers

    https://en.wikipedia.org/wiki/Bioscience_Resource_Project

  5. #7 MisterX
    20. März 2016

    Zusätzlich muss noch gesagt werden das es bisher bei der Anpflanzung nicht zu einer Redizierung von Pestiziden gekommen ist, sondern eher zu einer Erhöhung.

    • #8 Martin Moder
      20. März 2016

      Da muss man zwischen Insektiziden und Herbiziden unterscheiden. Der Einsatz von Insektiziden wurde durch den Anbau von GMOs weltweit massiv reduziert.

  6. #10 Ernie
    20. März 2016

    @ MisterX

    Allerdings produzieren diese veränderten Gene auch Pestizide oder ähnlich Giftstoffe, d.h. ich kann keine Äpfel mehr abwaschen um sie von den giften zu befreien, weil sie im Apfel drin sind.

    Das tun alle Pflanzen und haben das auch schon immer getan. Auch das Pflanzenleben ist nicht einfach, wenn man in der Evolution bestehen will.

  7. #11 Hobbes
    20. März 2016

    Ja gerade die Geschichte der Kartoffel ist da sehr interessant. Die Solaninwerte der alten Sorten würden heute nicht mehr in den Laden kommen dürfen. Auch Zuchinis und Paprika waren früher gut giftig. (Letztes Jahr ist in Deutschland noch jemand an einer Zucchini gestorben.). Im Video wurden ja schon Kiwis erwähnt. Auch wenn ich von denen keine Ahnung habe.

  8. #12 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/03/20/mit-schlechtem-geschmack-i-d-sonntag/
    21. März 2016

    Danke, sehr informativ.

    Bei solchen Veranstaltungen sollte man aber entweder ein Saalmikrofon haben, oder der Redner (Du) müsste die Frage nochmal wiederholen und ins Mikro sprechen.

    Hier sind die Fragen teilweise deutlich, aber einfach zu leise – womöglich könnte man es durch Nachbearbeitung lauter regeln, das beim Zusehen zu machen ist zwar möglich, aber unpraktisch, wenn dann danach der Ton wieder zu laut ist, wenn man die richtige Stelle zum zurückregeln nicht erwischt.

  9. #13 InSekt(en)
    21. März 2016

    Der Fall Seralini sagt eigentlich alles…
    Und ja, andere Studien gibt es, aber kaum eine dauerte länger als 90 Tage und da sich Seralini direkt an die Bevölkerung gewandt hat, kann man sich schon vorstellen, welche Lobby’s hinter den “Prüfern” stehen…

    http://www.taz.de/!5083216/

    https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A9ralini-Aff%C3%A4re#Kritik_an_der_.C3.96ffentlichkeitsarbeit

    http://www.gmoseralini.org/ten-things-you-need-to-know-about-the-seralini-study/

    Nein, nein und nochmals NEIN!

    …Und danke für diesen Beitrag…

    P.S.: Wie krank ist es eigentlich Saatgut patentieren zu wollen/können!?!?! Dagegen ist das kommende Massensterben in der Ägäis ein Witz…

  10. #14 Dennis
    23. März 2016

    habe eine Bitte an Dich bzw. an jemanden der sich ebenfalls mit dem Thema gut/sehr gut auskennt: und zwar wüsste ich gerne, was von dem ‘Urzeit-Code’ bzw. elektrostatischen Feldern von Ciba ( die auf Fischeier) gerichtet waren, zu halten ist. Das klingt für mich sehr suspekt und nach dem üblichen – Die Wissenschaft will das verschleiern – Geschwurbel. Bräuchte nur kurz eine Einordnung! Vielen Dank. Tolles Blog.

  11. #15 Hobbes
    23. März 2016

    @Dennis:
    Das ist eine der üblichen Abzocken. Geht in Richtung Granda-Wasser. Elektronischen oder magnetischen Feldern werden “magische” Fähigkeiten zugesprochen.
    https://www.psiram.com/ge/index.php/Urzeit-Code

  12. #16 rolak
    23. März 2016

    eine der üblichen Abzocken

    Und zwar eine, die sich ulkigerweise zu Hause mit KleinstAufwand überprüfen ließe, Hobbes – macht aber keiner der Verfechter dieses Blödsinns.

  13. #17 Markus
    25. März 2016

    > “Bin immer sehr fasziniert davon, wie sehr sich unser Obst von seiner früheren Form unterscheidet”
    Ja immer wieder faszinierend, was Jahrtausende an Züchtung doch bewirken. Und manchmal sind die Bemühungen trotzdem vergebens, wie eben das Beispiel Erdbeere. Die heimischen Walderdbeeren ließen sich einfach nicht größer züchten. Geschmacklich finde ich sie trotzdem überragend. Die Monatserdbeeren sind in beidem nur ein Kompromiss.
    Es gibt viele Beispiele wo es mit konventioneller Züchtung nicht möglich war, bereits vorhandene Merkmale zu kombinieren z.B.:
    Gelbe Pfirsiche resistent gegen Kräuselkrankheit.
    Kürbisse mit leckerem Fruchtfleisch und schalenlosen Kernen.
    Mehrjähriges Getreide mit hohem Ertrag (neues Projekt Kernza).
    Gute Kartoffeln mit mehreren Resistenzgenen gegen Krautfäule.
    Für den letzten Punkt gab es bereits eine Kartoffelsorte mit Namen Fortuna, das war die letzte Sorte für die BASF die Zulassung beantragt hat, bevor sie sich aus Europa zurückzogen.
    Dann spritzen wir aus Gründen des “Umweltschutzes” eben weiterhin Fungizide.

    Toller Vortrag, gibt es im deutschsprachigem Raum viel zu wenige.

  14. #18 Chemiker
    25. März 2016

    Ich habe mir jetzt das Video mal angesehen. Über­zeugt hat es mich nicht — es geht ja nur auf voll­kom­men däm­liche Stand­punkte ein, der ganze Themen­komplex rund um Monsanto, Patente und Ab­hängig­keit wird aus­gespart, eben­so die Fragen nach Viel­falt und regio­na­len Sorten.

    Klar, das Problem haben wir seit dem Hybrid­saatgut. Aber Gen­technik macht das schlimmer, weil sie sehr effizient ist und ein noch größeres Potential hat, traditionelle Sorten zu verdrängen. Selbst das wäre nicht schlimm, denn das Bessere ist nun einmal der Feind des Guten, und alle „alten Sorten“ haben irgend­wann einmal noch ältere verdrängt.

    Schlimm ist das entstehende Mono­pol, das alle am Tropf der Patent­inhaber hängen läßt.

    Bei Software lege ich Wert auf Open Source, weil das die Macht­balance zwischen Produzenten und Anwendern aus­gleicht. Golden Rice ist nicht wirklich offen, aber immer­hin ein Schritt in die richtige Rich­tung, und deshalb finde ich es fetzen­­deppert, daß Green­peace hier die Propa­ganda- und Panik­trommel rührt.

    Am meisten stinkt es mir dabei, daß die Gene ja nicht haus­gemacht sind (also, from scratch ge­schrieben) sondern aus bereits be­stehen­den Orga­nis­men geklaut werden. Die sind oft selbst bereits Pro­­dukte kon­ventio­nel­ler Zucht, dienen den Multis aber als eine Art Gratis-Stein­bruch, wo man sich nimmt, was man brauchen kann. Die, die den Stein­bruch angelegt haben, gehen dabei leer aus.

    In Phase Zwei wird dann der Stein­bruch zer­stört, damit niemand sonst etwas damit an­fangen kann. Ohne Sorten­vielfalt haben aber die Züchter der Zukunft kein Roh­material mehr.

    Deshalb bin ich dagegen — weil es effizient, zer­störe­risch und aus­beute­risch ist, weil die falschen Leute dabei das Sagen haben, und weil es in eine züchteri­sche Sack­gasse führen kann, in der dann (ähnlich wie bei einer möglichen zukünftigen Anti­biotika­resistenz) gar nix mehr geht.

  15. #19 Doktorand
    28. März 2016

    @ Chemiker
    Die Monsanto-Standpunkte sind die eigentlich ziemlich dämlichen Standpunkte.
    Tut mir leid wenn ich da so harsche Worte wählen muss, aber es ist einfach unglaublich uninformiert.
    1. Saatenschutz hat keinen Zusammenhang mit transgenen oder nicht transgenen Sorten zu tun. Die Pflanzenzüchter, und davon gibt es relativ viele, melden auf alle Ihre Sorten entweder Patente an oder sie obliegen in Deutschland dem Sortenschutzgesetz. Übrigens gibt es nur in Deutschland ein Schutzgesetz, welches die ganze Sorte schützt. Überall im Rest der Welt wird das Patent auf die Technologie angemeldet.
    2. Patente für sind nur über einen begrenzten Zeitraum ~ 20 Jahre. Danach müssten die Hersteller bezahlen um das Patent aufrecht zu erhalten. Seit 2015 sind die Patente der ersten GMO-Crops von Monsanto ausgelaufen. Verschiedene Universitäten in den Vereinigten Staaten sind derzeit dabei, die genetische Veränderung auf moderne Sorten anzuwenden und frei zu vertreiben.
    3. Abhängigkeit – In welcher Form ist dieser Vorwurf gemeint?
    Bauern die Abhängig von Sortenzüchtern sind, ist immer der Fall wenn man keine Saatfeste Sorten anbaut. Da ist es egal wer der Hersteller ist.
    Abhängigkeit im Bezug auf GMO-Crops? Ist ebenfalls nur ein herbeidiskutiertes Problem, es gibt in mehreren Ländern u.a. Burkhina Faso NGO’s die eine Art Verteilzentrum für Saat ist und das Saatgut an die Bauern weiter geben. Das ist mit Monsanto so auch in Ordnung.

    4. Vielfalt und Regionale Sorten, ich verstehe das Problem nicht. Agrarwirtschaft hat noch nie in irgendeiner Form den Hintergedanke gehabt eine Sortenvielfalt zu etablieren. Und regionale Sorten würden sich nicht aus dem Markt verdrängen, wenn der Kunde Wert auf diese Sorte legt und den entsprechenden Preis bezahlt. In erster Linie ist Landwirtschaft ein hartes Geschäft in dem es immer darum geht Profit zu erwirtschaften – man muss ja seinen Hof unterhalten.

    Monopol existiert nicht, da Patente ablaufen und neue Unternehmen in den Markt eindringen können UND es gibt keine Patente auf die Sorten im rest der Welt sondern auf die Technoloige und nur in einem beschränkten Zeitraum. Desweiteren können immer neue Start-Up Unternehmen in den Markt drängen. Und ein Bauer kann immer auf ein Alternativprodukt zurück greifen.

    Der Steinbruch-Metapher kann ich nicht folgen.

  16. #20 hampel
    7. April 2016

    Heute ab 18:30 bzw 20:15 gibt es einen großen Block zur grünen Gentechnik bzw CRISPR auf 3Sat mit anschließender Diskussion bei “Scobel”.
    Sicherlich interessant…besonders wie differenziert die Öffentlich-rechtlichen das Thema darstellen.
    (Zum späteren schauen gibt es auch noch die online Mediathek von 3SAT)

  17. #21 roel
    ******
    18. April 2016

    @Martin Moder
    http://blog.gwup.net/2016/04/18/gentechnik-fluch-oder-segen-bei-der-skepkon-in-hamburg-und-als-diskussion-video-in-wien/

    “Gentechnik – Fluch oder Segen? bei der SkepKon in Hamburg und als Diskussion (Video) in Wien”

    Wenn es dort Aufzeichnungen gibt (es scheint ja so zu sein), würde ich mich über eine Verlinkung hier im Blog freuen.