In der Grube Messel wurde mal wieder ein spektakulärer Fund gemacht. Oder eher: Ein spektakulärer Fund der Grube Messel wurde untersucht und brachte sehr interessante Zusammenhänge zutage. ODER: Ein wa(h)ranisch-serpentologisch-faszinierendes Ergebnis lieferte die Untersuchung eines Messelfundes.
Genug der Wortspielereien, lassen wir die Fakten sprechen.

47 Mio Jahre – so alt ist die Eidechse, die in der Grube Messel für eine evolutionstechnisch interessante Schlussfolgerung sorgte. Das Fossil der Art Cryptolacerta hassiaca steht als “Brückentier” zwischen Echten Eidechsen (Lacertidae) und Wurmschleichen (Amphisbaenia). Bisher ging man davon aus, dass die runde Kopfform der Wurmschleichen als Wegbereiter der Schlangen galt, bei denen sich dann “nur noch” die Beine zurückbildeten.

Die neuen Ergebnisse öffnen aber die Türen für weitere Möglichkeiten. So hat sich die Körperform von Schlangen und Wurmschleichen offenbar konvergent entwickelt, denn letztere und Eidechsen haben in Gattungen wie Cryptolacerta einen gemeinsamen Vorfahren.

Die Schlangen entwickelten sich nicht aus den Lacertiden, sondern haben mit den Waranen gemeinsame Abstammungslinien.
Es ist schon spannend, was die Forschung heute dank CT und anderen Hightechmethoden herausfinden kann.

Wer mehr dazu lesen möchte, kann sich hier mal schlau machen.

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Kommentare (12)

  1. #1 Biologe
    Mai 19, 2011

    Schön mal wieder was aus der ehemaligen Mülldeponie zu hören 😉
    Habe dort mal bei einer Exkursion selber Schieffer spalten dürfen und auch gleich ein kleines Fischchen gefunden, durfte es aber leider nicht behalten

  2. #2 MartinB
    Mai 19, 2011

    Wo geht denn da jetzt das CT ein?

    Dass Schlangen, Warane und Mosasaurier evolutionär zusammengehören, ist aber ja schon länger eine gängige Theorie…

  3. #3 knorke
    Mai 19, 2011

    Ulkig, hab mich grad gestern durch die Wikipedia gewühlt und bin beim Thema Warane hängen geblieben und war fasziniert von der vermuteten Verwandschaft von Schlangen Waranen und Mosasauriern. Zufälle gibts…

  4. #4 Anke Bebber
    Mai 19, 2011

    @Martin
    Ja, die Theorie ist nicht wirklich neu. Aber ein weiteres, drängendes Indiz darf doch schonmal eine Nachricht wert sein, denke ich?
    Das Fossil wurde per CT untersucht, deswegen erwähnte ich es.

  5. #5 MartinB
    Mai 19, 2011

    @Anke
    klar darf es das – die Formulierung schien mir nur zu implizieren, dass man das erst durch diesen Fund weiß…

  6. #6 Christian A.
    Mai 19, 2011

    Ich hatte ein Deja-Vu, als ich den Blogeintrag gelesen habe. Ich hab heute das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe von Nature überflogen, und hier isser, der Link auf die Originalquelle (leider nur gegen Bezahlung).

  7. #7 BreitSide
    Mai 19, 2011

    Ja, die Mülldeponie… wurde die Grube nicht erst Ende der 80er für die Wissenschaft gerettet?

    A propos Wortspiele: bei “Wurmschleichen” dachte ich an die fünfte Gangart bei der Bundeswehr. Wobei “Blindschleichen” noch eins schwieriger wäre…

  8. #8 Theres
    Mai 21, 2011

    @ Anke
    Hallo,
    ist das nicht schon mehr als ein Indiz? Dieser Fund wird als missing link bezeichnet ( http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-13446-2011-05-19.html ), außerdem gibt es auch stützende genetische Untersuchungen. Mal davon abgesehen, dass es faszinierend ist, was solche Untersuchungen verraten.

  9. #9 s.s.t.
    Mai 21, 2011

    @Theres

    Korinthenkack: Jede Art ist in ihrer jeweiligen Art und Ausbildung ein “missing link”. Das soll bitte nur eine Anmerkung sein.

    Mich persöhnlich stört einfach “missing link” in Hinblick auf ID u.ä. Egal wie viele Links eine Entwicklung aufzeigen, wird dennoch nach dem “missing link” zwischen ‘STU’ und ‘XYZ’ geplärrt.

    Ansonsten: Eine schöne Entdeckung!

  10. #10 Theres
    Mai 21, 2011

    @s.s.t.
    Right. Ich habe den Begriff auch nicht veröffentlicht, trotzdem wüßte ich gern, ob das nicht ein sehr starker Beleg ist – genetische Untersuchungen und körperliche am Fossil belegen das Gleiche. Wie nennt man das korrekt, wissenschaftlich?

  11. #11 Anke Bebber
    Mai 21, 2011

    Hallo.
    “Missing link” ist für mich ein no-go, da diese Formulierung bedeutet, Art B entwickelte sich in direkter Linie aus Art A. Und das ist schlichtweg Blödsinn. Es handelt sich bei “Weiterentwicklung” immer um Gabelungen, niemals um lineare Linien. Man kann Gruppen zu Familien oder Ordnungen vereinen, aber auch diese großen Vereinigungen stehen an Gabelungen und nicht an Linien.
    Von daher ging ich bewusst nicht auf die “missing link” Geschichte ein.

  12. #12 Theres
    Mai 21, 2011

    Guten Abend, Anke. Okay, es ist auch ein Modewort geworden, wie es scheint, oder Unwort wegen ID? Darauf wollte ich sowieso nicht hinaus, mich über Unfug zu streiten liegt mir ebenfalls fern, nur darauf, wie stark der Beleg ist, wie belastbar. Jedenfalls vielen Dank für die schnelle Antwort.