Das vergangene Jahrzehnt, so schreibt die New York Times heute in einem großen Bericht auf ihrer Titelseite, sei ein “goldenes Fenster” für die Behandlung von Aids in der Dritten Welt gewesen: Behandlungen mit Medikamenten, die pro Monat tausend Dollar gekostet hatten, waren für weniger als hundert Dollar im Jahr zu bekommen, neue Aidskliniken wurden eröffnet und bestehende ausgebaut, vor allem Dank der Spendengelder aus den reichen Industrieländern. Doch diese Spenden fließen als Folge der Rezession spärlicher, und die verbleibenden Mittel müssen mit dem Kampf gegen andere, ebenso bedrohliche Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose geteilt werden: “Even as the number of people infected by AIDS grows by a million a year, money for treatment has stopped growing” – eine Million Neuinfektionen jedes Jahr, und keine zusätzlichen Mittel zur Behandlung führen dazu, dass Kliniken in Uganda neue Patienten auf Wartelisten setzen müssen – sie haben erst dann eine Chance, wenn jemand aus dem Behandlungsprogramm stirbt.

Ugandas Kliniken haben Kapazitäten, um 200.000 Aidskranke zu behandeln, von 500.000 Aidskranken insgesamt im Land – und 110.000 neu Infizierten pro Jahr. “Man kann den Boden nicht aufwischen, wenn der Wasserhahn noch darauf ausläuft”, erklärt Dr . David Kihimuro Apuuli, Generaldirektor der Uganda Aids Commission. Die Aussichten sind weltweit trübe: 27 Milliarden Dollar wären laut Michel Sidibé, Direktor von Unaids, nötig – zur Verfügung gestellt werden nur zehn Milliarden.

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Kommentare (15)

  1. #1 KommentarAbo
    10. Mai 2010

  2. #2 BK
    11. Mai 2010

    Die Front gegen Aids bricht nicht auseinander, sondern sie ist niemals zustande gekommen. Es reicht einfach nicht aus, sich um die Behandlung der Kranken zu kümmern oder – wie unlängst Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel – Kondome zu verteilen. Wichtig wäre es, sich genauer anzusehen, wie man sich mit der Krankheit ansteckt und wie man ihre Verbreitung verhindert. Und da muss man – vor allem in Afrika – das Sexualverhalten ändern. A-B-C lautet meines Wissens die recht erfolgreiche Strategie in Uganda: Abstinence – Be Faithful – Condoms, und zwar in dieser Reihenfolge.

  3. #3 Dagda
    11. Mai 2010

    @ BK
    Warum in dieser Reihenfolge? Letztlich schützenn nur Kondome zuverlässig gegen die HIV Infektion.

  4. #4 BK
    11. Mai 2010

    Letztlich schützenn nur Kondome zuverlässig gegen die HIV Infektion.

    Nein, das ist nicht ganz richtig. Letztlich schützt vor allem Enthaltsamkeit vor einer Infektion. Weitere gute Methoden: Monogam leben (auch in serieller Monogamie), keine Drogen nehmen, sich nicht prostituieren.

    Die Reihenfolge stammt übrigens nicht von mir, sondern das war (ist?) eine Regierungsstrategie in Uganda.

  5. #5 Dagda
    11. Mai 2010

    Hm ok,
    klar aber sind das realistische Möglichkeiten? Eher nicht und dann bleibt das Kondom…

  6. #6 Dr. Glukose
    11. Mai 2010

    Naja, Aufklärung is in diesem Falle das A und O. Monogam leben, Enthaltsamkeit, etc. das klingt ja schon nach kirchlicher Propaganda. Wer schliesslich aufgeklärt ist, weiss, was er zu tun hat und was nicht. Das hat also eher was mit Bildung zu tun.

  7. #7 RL
    11. Mai 2010

    Is eben der Herr Kirsch. Nachdem er auf seinem Blog eine Lanze für Prügel-Mixa gebrochen hat, versucht er jetzt der Menscheit die Freuden der Keuschheit näher zu bringen. In dem Sinne: Entspannen, zurücklehnen, nicht so ganz ernst nehmen

  8. #8 BK
    12. Mai 2010

    @ RL

    Super Beitrag! So sachbezogen und überhaupt nicht ad personam!

  9. #9 rolak
    12. Mai 2010

    Glückwunsch, BK, der erste post von Dir, dem ich zustimmen kann.

  10. #10 RL
    12. Mai 2010

    @ Herr Kirsch:
    Wer Enthaltsamkeit als Mittel für sinnvolle HIV Prävention propagiert, verdient eigentlich nicht mehr als ein ad hominem.

    Ich erlaube mir mal aus ihrem Blog zu zitieren
    “[…] das von der katholischen Kirche bevorzugte Modell ist das sicherste Bollwerk gegen das Virus. Wer die Worte des Papstes befolgt, wird aller Wahrscheinlichkeit nicht an Aids erkranken. Dass die viele Menschen sich nicht der Lehre der katholischen Kirche beugen möchten, ist dem Papst bekannt. Letztlich muss sich jeder selbst entscheiden, wie er leben möchte.”
    Weltfremde Menschen wie Sie sind Teil des AIDS-Problems

  11. #11 Karl Mistelberger
    14. Mai 2010

    “Science has produced no magic bullet — no cure, no vaccine, no widely accepted female condom. Every proposal for controlling the epidemic with current tools — like circumcising every man in the third world, giving a daily prophylactic pill to everyone contemplating sex or testing billions of people and treating all the estimated 33 million who would test positive — is wildly impractical.”

    Angesichts dieser Fakten finde ich es weltfremd, sich so zu verhalten als wäre Geschlechtsverkehr eine sichere Praxis. Wie auf den Zigarettenschachteln muß es heißen: Geschlechtsverkehr kann tödlich sein.

    Wer das lernt kann sich sehr einfach schützen. Anders ist es bei der Grippe und anderen Infektionskrankheiten. Zu Hause bleiben ist da keine Lösung. Es ist nur billig und recht, dass die Mittel vordringlich dort eingesetzt werden, wo sie auch eine Wirkung zeigen.

  12. #12 Physiker
    14. Mai 2010

    Zur Einschätzung des Risikos, folgende Tabelle:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Humanes_Immundefizienz-Virus#.C3.9Cbertragung

    Selbst wer die Saver-Sex-Regeln einhält, riskiert in 0,01% eine Anstekung bei einem Sexualkontakt mit einem Infizierten (Oralverkehr). Anders ausgerückt, das Risiko beträgt 1:10000 (um genau zu sein müsste man noch die Prävalenz berücksichtigen die von Land zu Land sehr unterschiedlich ist). Zum Vergleich: Das Risiko bei einem Flugzeugabsturz zu sterben liegt bei ca. 1:3000000.
    Bei durchschnittlich 100 Sexualkontakten im Jahr pro Person (Deutschland), erscheint mir das Ansteckungsrisiko sehr hoch gegenüber anderen Risiken, die wir bewusst im täglichen Leben eingehen.

    Monogame Beziehungen vermindern das Ansteckungsrisiko nicht a priori, denn der größte Teil der Ansteckungen geschieht in festen Beziehungen (siehe Wiki-Link oben).

  13. #13 Karl Mistelberger
    18. Mai 2010

    Physiker· 14.05.10 · 13:40 Uhr Selbst wer die Saver-Sex-Regeln einhält, riskiert in 0,01% eine Anstekung bei einem Sexualkontakt mit einem Infizierten (Oralverkehr). … Bei durchschnittlich 100 Sexualkontakten im Jahr pro Person (Deutschland), erscheint mir das Ansteckungsrisiko sehr hoch gegenüber anderen Risiken, die wir bewusst im täglichen Leben eingehen.

    In der selben Tabelle der Wikipedia wird das Risiko bei einer Bluttransfusion mit 90% angegeben. Allerdings steht in der Wikipedia auch:

    “Mittlerweile wird das Risiko für eine HIV-Übertragung durch eine Bluttransfusion im Allgemeinen in Deutschland auf unter ein auf drei Millionen Transfusionen geschätzt.”

    Wer also nicht ganz blauäugig und weltfremd ist kann also sein persönliches Risiko erheblich reduzieren, wenn auch vielleicht nicht ganz so effektiv wie im Falle der Bluttransfusion.

  14. #14 Physiker
    18. Mai 2010

    @ Karl Mistelberger:
    In der Tabelle wird davon ausgegangen, dass der Partner bzw. die Blutkonserve HIV positiv ist – ich dachte, das versteht sich von selbst, denn die HIV Prävalenz ist von Region zu Region und betrachteter Risikogruppe stark unterschiedlich:
    http://en.wikipedia.org/wiki/File:HIV_Epidem.png
    Deshalb verstehe ich nicht, worauf Sie hinaus wollen.

    Wie Sie das von mir angegebene “Restrisiko” erheblich reduzieren wollen, ist mir schleierhaft (mal angenommen, Sie wollen keine Enthaltsamkeit predigen) und dürfte so ziemlich jeden interessieren, dem seine Gesundheit nicht völlig egal ist.

  15. #15 S.S.T.
    18. Mai 2010

    Sicherlich noch rel. hypothetisch, aber vielleicht doch eine wichtige Erkenntnis:

    Neue Erkenntnisse über Aids-Ausbreitung
    Die Ausrottung des Pockenvirus und damit die Einstellung der weltweiten Pockenimpfungen könnte zu der explosionsartigen Ausbreitung von HIV geführt haben. Diese Schlussfolgerung ziehen US-Forscher aus einer Untersuchung eines Eiweißmoleküls auf der Oberfläche weißer Blutkörperchen, das sowohl von Pocken- als auch von HI-Viren benötigt wird, um eine Zelle zu entern.

    Der Deutschlandfunk brachte vorhin einen kurzen Beitrag dazu. Zahlreiche Blätter berichten darüber, das Zitat oben ist aus http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/2658994_Neue-Erkenntnisse-ueber-Aids-Ausbreitung.html