In gewisser Weise ist dies eine Replik auf Martin Bäkers Experiment zum Sexismus in der deutschen Sprache, das seinerseits wiederum einen Gedanken aufgriff, der Martin bei der Lektüre von Ali Arbias Posting zur politischen Korrektheit gekommen war (mal sehen, wer dann wiederum den Faden von meinem Beitrag aufgreift*). Ich war durch eine Pressemitteilung der Göteburg-Universität (für die es hier auch eine deutsche Version gibt) aufmerksam gemacht worden , die auf die Dissertation von Magnus Pettersson über “Geschlechtsübergreifende Personenbezeichnungen. Eine Referenz- und Relevanzanalyse an Texten” hinweist. Pettersson behandelt genau die gleiche Problemstellung wie Martins Experiment: Wenn die deutsche Sprache sowohl weibliche als auch männliche Substantivformen kennt (die Lehrerin/der Lehrer), warum wird dann manchmal eine gesplittete Anredeform (“Liebe Kolleginnen und Kollegen”) verwendet, und manchmal die männliche Form (“Proletarier aller Länder … – dieses Beispiel stammt von mir!) als generischer, scheinbar geschlechtsneutraler Überbegriff?

* Nachtrag: Jörg Rings, und zwar hier: Der Effekt geschlechtsneutraler Sprache


Obwohl die Uni-Website den Zugriff auf die Dissertation – die, trotz der schwedischen Universität und des englischen Abstracts, auf Deutsch abgefasst ist – versprochen hat, komme ich nur an jenen Abstract heran. Und der enthält leider keinen Beleg für die Feststellung, die der bereits erwähnten Pressemitteilung fett vorangestellt ist und die ich dann auch ich in meiner Überschrift aufgegriffen habe:

The German language uses gender-inclusive personal nouns to express closeness and sympathy with the people under discussion and to ensure that all readers feel included when addressed. However, masculine language forms are used to express distance and distaste, reveals a new thesis on the German language from the University of Gothenburg.
Die deutsche Sprache verwendet geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen um Nähe und Sympathie mit den betreffenden Personen auszudrücken und sicher zu stellen, dass sich alle Leser in die Anrede eingeschlossen fühlen. Die männliche Formen hingegen werden verwendet, um Distanz und Abneigung auszudrücken, enthüllt eine neue Doktorarbeit über die deutsche Sprache an der Göteborg-Universität.

Das wäre im Prinzip das exakte Gegenteil dessen was Martin in seinem Scienceblogs-Experiment gefunden hat – dort schien es ihm, dass durch die Verwendung männlicher Sammelbegriffe (“Radfahrer” war sein Beispiel) eine unterschwellige Präferenz für das Maskuline zum Ausdruck komme. Mal abgesehen davon, dass Pettersson dieses ihm als Entdecker zugeordnete Distanzbedürfnis offenbar nur bei der gezielten Verwendung männlicher Formen im feministischen Kontext gefunden hat:

“It turns out that not even feminists are always consistent. A lot of masculine forms sneak in, generally when the people under discussion are in some way stereotypically male, or when the author wants to introduce an element of distance from them.
Es zeigt sich, dass selbst Feministen* nicht immer konsequent sind. Viele männliche Formen schleichen sich ein, im Allgemeinen wenn die betroffenen Personen irgendwie typisch männlich sind, oder wenn der Autor* ein Element der Distanz zu ihnen einbringen will.

woraus dann selbst in der bereits erwähnten Uni-Presserklärung nur noch folgert, dass

In this way, masculine language forms in a feminist context become a marker for distance and distaste.
Auf diese Weise werden männliche Formen in einem feministischen Kontext ein Zeichen für Distanz und Abneigung.”

Und im feministischen Zusammenhang mag es ja tatsächlich so sein. Ich konnte mir übrigens die beiden kleinen Asteriske bei “Feministen” und “Autor” nicht verkneifen: Sind hier wirklich männliche Akteure gemeint? Wenn nicht, ist unsere Sprache ja dankenswerter Weise ganz eindeutig: Wenn’s Frauen sind, dann schreiben wir “Feministinnen” und “Autorin”. Und das ist nicht ein Ausdruck der Geschlechterpräferenz, sondern der Klarheit.

An dieser Stelle will ich nun auch meinen Sicht zu Martins Sexismus-Experiment abliefern, und zwar aus der Sicht eines Sprachpraktikers (ein Vierteljahrhundert im Journalismus rechtfertigt diese Selbstbezeichnung, denke ich). Hier noch einmal sein Setup:

Für unsere neue Doku-Soap-Parodie “Liebe auf zwei Rädern” brauchen wir noch einen Namen (Vor- und Nachname) für einen Radfahrer im Rentenalter.

Und daraus, dass dann 77 von 84 Kommentatoren einen männlichen Namen vorschlugen, schloss er auf einen “ganz normalen Sexismus der deutschen Sprache”. Dass Sprache sexistisch sein kann, und dass das Deutsche dagegen nicht gefeit ist, will ich gar nicht bestreiten. Aber dass dies mit dem obigen Experiment belegt werden kann, bestreite ich. Wie auch mehrere Kommentatoren betonten: Die geschlechtsneutrale Form ist immer im Plural. Die Radfahrer können beiderlei Geschlechts sein, aber im Singular müssen wir uns entscheiden: der Radfahrer oder die Radfahrerin. Hätte Martin geschrieben “brauchen wir noch Namen … für Radfahrer im Rentenalter” und nur oder überwiegend männliche Vorschläge erhalten, dann hätte sein Experiment einen Sinn gehabt. Aber wenn er als vermeintlicher Casting-Direktor “einen Radfahrer im Rentenalter” sucht, dann sucht er eindeutig einen Mann. Bei einer Frau hingegen muss es ganz klar heißen “eine Radfahrerin im Rentenalter” – und wenn es noch nicht entschieden ist, dann braucht er sowieso mehrere, also die bereits erwähnten Plural-Radfahrer. Und nein, ich brauche kein Lingustikstudium oder eine lange Latte von Papern, um diesen letzten Satz zu belegen – das ist unser Sprachgebrauch. Genau so, wie der Baum männlich, die Eiche aber weiblich ist. Ist halt so, und das weiß jeder. Ich würde zudem behaupten, dass die Pluralform, vor allem dank des Plural-Pronomens “die”, das dem weiblichen Singular gleich ist, immer irgendwie weiblich klingt.

Und ich bin als Journalist und Leser eigentlich ganz dankbar für die Fähigkeit der deutschen Sprache, diese Geschlechtsinformation spontan zu liefern: Wenn ich in einem amerikanischen Polizeibericht über einen tödlichen Unfall (mal als Beispiel, kann aber jeder andere Bericht auch sein) von “a driver” lese, dann weiß ich eben nicht, ob hier ein Mann oder eine Frau ums Leben kam. Und als ich den Auftrag erhielt, “professor Loren Cordain” zum Thema Steinzeit-Diät zu interviewen, nahm ich fälschlicher Weise an, dass es sich hier um eine Frau handeln müsse (die daraus resultierende Peinlichkeit muss ich keinem erklären, aber mangels eines Fotos und ansonsten nur geschlechtsneutraler Attribute war sie geradezu unauusweichlich geworden). Wenn im deutschen Polizeibericht “der Autofahrer” steht, dann war’s auch ein Mann, ansonsten steht da nämlich “die Autofahrerin” oder “eine nicht identifizierte Person am Steuer des Fahrzeugs”.

Ich finde es eine Bereicherung für die deutsche Sprache, dass sie dieses Detail so leicht codieren kann. Sicher, das macht die Anrede von Gruppen (“liebe Leserinnen und Leser”) etwas umständlicher – was Amerikaner und Engländer eher amüsant finden mögen. Im Englischen sind solche Pauschalanreden wiederum zwar viel leichter (“Dear Readers”), denn Geschlechter-Differenzierungen, wie zum Beispiel bei “actor – actress”, sind eher selten, und in vielen Fällen wirken sie holperig oder unbeholfen (she-devil für Teufelin fällt mir da spontan ein). Aber dafür weiß man oft nicht, ob man Männlein oder Weiblein meint. Mehr noch: Wenn dann mal eine feminine Form existiert, wie etwa bei den erwähnten Schauspielerinnen, dann wird sie eher als ausgrenzend empfunden. Darum bevorzugen ambitionierte Darstellerinnen auch die männliche Form: “I am an actor”, sagt beispielsweise Meryl Streep über sich. Und so wie sie es sagt, meint das auch: “Ich nehme es mit jedem Mann auf.” Aber das glaubt man ihr auch, ohne dass sie es sagt …

flattr this!

Kommentare (159)

  1. #1 michael
    5. Oktober 2010

    Auch der Singular kann geschlechtsneutral sein!

    Hier kommt es besonders gut hervor. (von http://forum.waffen-online.de/lofiversion/index.php/t403212-50.html)

    Ein Mörder ist eine Person, der einen Mord begangen hat.

    > Und als ich den Auftrag erhielt, “professor Loren Cordain” zum Thema Steinzeit-Diät zu interviewen, nahm ich fälschlicher Weise an,

    War das vor Beginn des Google Zeitalters ?

  2. #2 MartinB
    5. Oktober 2010

    “im Singular müssen wir uns entscheiden: der Radfahrer oder die Radfahrerin.”
    Genau mein Punkt. Und das macht das problem aus, wenn wir über generische Personen reden, Der Student, der Nutzer etc.

    Ich habe ja das Experiment extra gemacht, weil anderswo behauptet wurde “ein radfahrer” sei geschlechtsneutral. Insofern sehe ich nicht, dass wir anderer Meinung sind.
    Das Deutsche hat für viele Worte keinen geschlechtsneutralen Singular, und wenn der Singular generisch verwendet wird, führt das zu Problemen.

  3. #3 Ludmila
    5. Oktober 2010

    Also zunächst mal ist der Vergleich mit den Englischen interessant, aber es muss immer der gesellschaftliche und historische Ballast drumherum mitberücksichtigt werden. Den Tragen die auch drüben rum, wie Du am Beispiel Meryl Streep verdeutlichst.

    Zu dem Thema hat eine Kommentatorin folgendes verlinkt:
    http://www.linguistik-online.com/11_02/doleschal.html

    Ironischerweise aus heutiger Sicht dient seit dieser Zeit die sprachliche Angleichung als Mittel zur faktischen Angleichung. Dieses Phänomen ist bis in die siebziger Jahre des 20. Jh. zu beobachten, bis zum Einsetzen der feministischen Sprachpolitik. Bis zu dieser ideologischen Wende wurde es von Frauen generell als prestigereicher betrachtet, mit einer männlichen Personenbezeichnung angesprochen oder genannt zu werden. (…)
    Für die Frauenseite wieder bedeutete die Emanzipation von Anfang an ein Eindringen in männliche Sphären, eine erhoffte Gleichstellung mit den Männern, daher wohl auch der Konsens, die männliche Berufsbezeichnung als prestigereicher und als einen Fortschritt zu betrachten (vgl. Grabrucker 1993: 122-123). Es handelt sich um eine klassische Double-Bind-Situation: entweder Sichtbarmachung oder Prestige. Durch die Neue Frauenbewegung mit ihrer Einbringung der positiven Bewertung von Frauen und der damit verbundenen Aufwertung weiblicher Personenbezeichnungen in den achtziger Jahren des 20. Jh. konnte dieser Double Bind aufgelöst werden.

    Es geht also um den Widerstreit um persönlichen Prestige und gesamtgesellschaftliches Selbstverständnis der Frau. Was ist wichtiger? Was erscheint einem selbst wichtiger?

    Und so etwas ändert sich im Laufe der Zeit, wenn sich das Selbstverständnis der Frauen und natürlich auch der Männer ändert. Meryl Streep ist ja nun auch schon älter und scheint mir noch sehr stark im “Frauen dringen in Männerdomäne-vor”-Denken verhaftet zu sein. Ich jedenfalls finde es irgendwie schon traurig, dass eine so unglaublich fähige Frau wie Meryl Streep meint sich an Männern orientieren zu müssen. Würde ein schwarzer Schauspieler betonen, dass er genauso gut ist wie ein weißer? Wieso meint Frau Streep also anscheinend immer noch nicht für sich selbst stehen zu können? Und ich muss mir daran schon gar nicht ein Vorbild nehmen.

    Ich wünschte mir, diesbezüglich würden wir versuchen den nächsten Schritt zu gehen. Nach dem Eindringen in “Männersphären”-Denken, dass “weibliche Fachkräfte sind ganz normal”-Denken zu etablieren. Das muss kein Widerspruch, es kann ne Weiterentwicklung sein. Aber Dein Beispiel zeigt natürlich, dass geschlechtsneutrale Bezeichungen alleine mehr Emanzipation nicht bringen. Weil das Bewusstsein dahinter fehlt.

    Hier im Deutschen geht es aber darum aus diesem Bewusstsein heraus, die Sprache zu verändern. Es braucht eben beides, dass emanzipatorische Bewusstsein dahinter und die Sprache.

    Zum Thema “peinlich, peinlich den Herren mit den falschen Pronomina angesprochen zu haben”. Sonst hast Du aber keine Probleme, oder? Was ist denn daran bitte peinlich? Bei dem Namen ist’s der Mann auch vermutlich gewöhnt.

    Also wenn ich die Wahl hätte zwischen “eine Mini-Peinlichkeit zu ersparen” und “Journalisten die Recherche zu erleichtern” und “weibliche bzw. auch männliche Fachkräfte in angestammten Männer- bzw. Frauendomänen selbstverständlich machen” dann wähle ich letzteres. Scheint mir irgendwie wichtiger.

  4. #4 kommentarabo
    5. Oktober 2010

  5. #5 Jürgen Schönstein
    5. Oktober 2010

    @michael

    Ein Mörder ist eine Person, der einen Mord begangen hat

    eine Person …, der ist schon ein ganz niedliches Beispiel für Geschlechterverwirrung.

    War das vor Beginn des Google Zeitalters ?

    Moment mal! Auch auf Google findet man nicht immer alles, und was heute dort steht, muss vor sechs Jahren noch längst nicht verfügbar gewesen sein. Ich weiß schon, wie man recherchiert, aber danke für den Hinweis.

    @MartinB

    Insofern sehe ich nicht, dass wir anderer Meinung sind.

    Ich ja auch nicht. Ich fand nur, dass durch den Aufbau des Experiments implizit ausgedrückt wurde, dass der Fragesteller weiß, dass es ein Mann sein muss. Gewiss, es gibt auch einen generischen Gebrauch der männlichen Form, aber diese ist aus dem Kontext stets relativ leicht zu erkennen. Dass etwa der Konditionalsatz “Wenn ein Radfahrer bei Rot über die Kreuzung fährt, riskiert er nicht nur ein Bußgeld, sondern auch sein Leben” auch für Radfahrerinnen gilt, wird jedem schnell einleuchten. Wenn im Polizeibericht dann aber steht, dass “ein Radfahrer” unters Auto kam, dann war’s ein Mann … Wir sind doch eigentlich ganz gut darin, mit sprachlichen Ambivalenzen umzugehen, und nur Witzbolde steigen auf eine Kappe, weil ihnen jemand geraten hatte, “auf der Hut” zu sein …

    @Ludmila

    Sonst hast Du aber keine Probleme, oder?

    Doch, sogar ‘ne ganze Menge und ganz Existenzielle, wie ich vielleicht schon mal angedeutet habe. Aber jedes Missverständnis ist ein irgendwie peinlicher Moment, und jedes vermiedene Missverständnis letztlich eine Erleichterung. Und zum Thema Meryl Streep: Ich hatte sie nur, pars pro toto, stellvertretend für sehr viele Schauspielerinnen zitiert. Und in der Tat mussten diese sehr lange, viele noch heute, darauf hinweisen, dass sie ebenso die Kinokassen füllen können wie ein Mann. Bei den Gagen wurde dies nämlich gerade nicht als vergleichbar betrachtet.

    Aber wir sind uns auch hier im Prinzip einig: In einer idealen Welt sollte die Differenzierung männlich/weiblich etwa ebenso viel Gewicht haben wie blond/brünett, blaue/braune Augen, Linkshänder/Rechtshänder etc. Und dann spielt es auch keine große Rolle, ob jemand von Forschern/Forscherinnen, ForscherInnen oder schlicht von “Forschern” spricht – Sprache drückt nur aus, was wir ihr als Gesellschaft an Inhalten geben. Ein “Entsorgungspark” hat aus der alten Müllkippe ja auch kein Freizeitgebiet gemacht …

  6. #6 MartinB
    5. Oktober 2010

    @Jürgen
    “Wir sind doch eigentlich ganz gut darin, mit sprachlichen Ambivalenzen umzugehen”

    Genau da habe ich eben Zweifel, dass es wirklich immer sooo klar ist, wann ein Maskulinum generisch gemeint ist und wann nicht.
    Experimente, die ich zitiert habe (“Nennen Sie Ihren Lieblingsromanhelden”) weisen in diese Richtung – ohne Binnen-I oder ähnliches nennen hier eben die meisten Menschen einen männlichen Helden. Das belegt, dass in solchen Fällen geschlechtsneutrale Formulierungen eben doch notwendig sind.

  7. #7 Georg Hoffmann
    5. Oktober 2010

    Auf einem Planeten, wo das “Innen” ein schweres Problem ist (ich sag nur Unisextoilette), ist noch Hoffnung und kann es gar nicht so schlimm stehen.

    @Ludmila
    “”peinlich, peinlich den Herren mit den falschen Pronomina angesprochen zu haben”. Sonst hast Du aber keine Probleme, oder? Was ist denn daran bitte peinlich? Bei dem Namen ist’s der Mann auch vermutlich gewöhnt. ”
    Aber es gibt peinliche Situationen, die dein Leben aendern. Ich sag das nur nebenbei. Im Nachbarpavillon steht eine Kaffeemaschine zu der wir immer schlurfen, wenn unsere kaputt ist. Dort gratulierte ich einer entfernt bekannten Astrophysikerin, die ich lange nicht gesehen hatte und die figuerlich deutlich anders daherkam, als ich sie erinnerte, kuerzlich zur Schwangerschaft. Den Rest koennt ihr euch vorstellen.

  8. #8 radicchio
    5. Oktober 2010

    “Nennen Sie Ihren Lieblingsromanhelden”

    und dieses problem wurde ja nebenan bereits erörtert: wenn die verwendung des maskulinums mit einer konkreten person – hier dem romanhelden, dort dem radfahrer – assoziiert ist, denkt man eher an einen mann. ist der kontext allerdings neutral, wie hier:
    “Wenn ein Radfahrer bei Rot über die Kreuzung fährt, riskiert er nicht nur ein Bußgeld, sondern auch sein Leben”

    … dann denke zumindest ich nicht an einen mann. und vermutlich wird es noch 2-3 anderen ähnlich gehen.

  9. #9 MartinB
    5. Oktober 2010

    @radicchio
    Wo ist das Problem, zu begreifen, dass wirklich, wahrhaftig und tatsächlich auf die Frage
    “Nennen Sie Ihren liebsten Romanhelden” signifikant mehr Männer als Frauen genannt werden, als bei der Frage “Nennen Sie Ihre liebste Romanheldin oder Ihren liebsten Romanhelden?”?

    Es ist eben nicht immer offensichtlich, wann ein “generisches” und wann ein “echtes” Maskulinum gemeint ist.

  10. #10 Ludmila
    5. Oktober 2010

    @Jürgen:

    Sprache drückt nur aus, was wir ihr als Gesellschaft an Inhalten geben

    Eben. Und da sich die Gesellschaft laufend ändert, können und sollten wir auch die Sprache ändern, um dem Rechnung zu tragen. Sollen wir jetzt alle sagen: *seufz* Ja mei, es ist halt, wie es ist. Und in einer idealen Gesellschaft blabla*seufz*

    Ja aber dann ändert sich ja nie irgendwas. Sorry, aber das ist die Standard-Ausrede für wirklich jeden Missstand in der Gesellschaft.

    Aber das glaubt man ihr auch, ohne dass sie es sagt …

    Tut man das? Wirklich? Du hast es doch selbst in Deinem neuen Kommentat schon wieder relativiert. Wie war das noch mal mit der Gage? Tut man eben nicht und genau das ist doch das Problem. Wieviele Frauen stehen auf Kino-Plakaten an der erste Stelle in der Darsteller-Riege? Wenn’s nicht zufällig ein “Frauenfilm” ist.

    Emanzipation ist eben nicht durch als Thema und Sprache ist “nur” eine Baustelle von vielen. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

  11. #11 Jürgen Schönstein
    5. Oktober 2010

    @MartinB

    Es ist eben nicht immer offensichtlich, wann ein “generisches” und wann ein “echtes” Maskulinum gemeint ist.

    Gewiss. Aber Sprache ist auch Kontext, und der Fall, dass eine Aussage oder Frage ohne jeden Kontext dasteht (was ja in nahezu jedem Fall, selbst wenn es darin nichts Geschlechterdifferenzierendes gäbe, zu einigen Unklarheiten führen dürfte), ist sicher eine seltene und nicht als Maßstab taugliche Ausnahme. Wenn nach “dem liebsten Romanhelden” gefragt wird, dann folgt nicht selten gleich die Frage nach “der liebsten Romanheldin” … Und ja, der Oscar für “Best Actor” geht IMMER an einen Mann, da es ja für Frauen die Kategorie “Best Actress” gibt – unabhängig davon, ob diese Frauen nun für sich selbst die Bezeichnung “actor” oder “actress” bevorzugen. Meine Anmerkung zu Deinem Experiment bezog sich darauf, dass Dein Setup bereits eine Geschlechterpräferenz vorgab, da a) 1 (in Worten “ein” – hier als Numeral zu sehen, nicht als unbestimmtes Pronomen) Name gesucht wurde, und zwar von b) jemandem, der wissen musste, ob er einen Mann oder eine Frau sucht und c) dank der zwei Formen, die wir in der deutschen Sprache kennen, für diese eine Person ganz eindeutig eine geschlechterspezifische Bezeichnung wählen konnte. Ergo: Wer sich in dieser Ausgangslage für die Formulierung “ein Radfahrer” entscheidet, hat offensichtlich nach einem Mann gesucht. Alles andere ist gezielte – und die Gepflogenheiten der Sprache missachtende – Irreführung.

    Ich hab’ mir noch einmal die Namensvorschläge in den Kommentaren Deines Expertiment-Postings angeschaut, und dabei feststellen müssen, das darunter nicht ein einziger asiatisch oder afrikanisch klingender Name war. Heißt das jetzt, dass die deutsche Sprache rassistisch ist?

    Ob eine Sprache, die jegliche Spezifizität ihrer Begriffe aus Sorge um Stereotypisierungen abschafft, noch kommunikationsfähig wäre, bezweifle ich ganz massiv – und werfe hier einfach mal meine 25 Jahre als “Spracharbeiter” in den Ring. Außerdem kann sie’s vermutlich sowieso niemandem Recht machen: Das Deutsche unterscheidet leicht in männlich und weiblich, und wird dafür des Sexismus geziehen; das Englische hat sich auf generische, geschlechtsneutrale Begriffe festgelegt, die vielleicht mal einer männlichen Stammform entsprangen, aber heute so ambivalent sind, dass eine spezifische Bedeutung nur durch den Zusatz “male” oder “female” erhalten – und da klagt man (!!!) auch über Sexismus (siehe das Zitat in Ludmilas erstem Kommentar).

  12. #12 Jürgen Schönstein
    5. Oktober 2010

    @Ludmila
    Ich wähle, zur Illustration, mal ein völlig geschlechtsneutrales Beispiel aus dem Persischen (hab’ vor Jahren mal einen Sprachkurs angefangen, allerdings ist nicht allzu viel hängen geblieben). Das Wort دست (ausgesprochen: “dast” oder ugs. “dust”) bedeutet sowohl “Hand” als auch “Arm”. Nach der Theorie, dass Worte die Konzepte formen (und nicht umgekehrt, wie ich behaupten würde), dürften Iraner (ich meine “männliche Iraner”), gerade wegen des jahrtausendealten Sprachgebrauchs, heute nicht in der Lage sein zu unterscheiden, ob sie ihrer Braut nun einen Ring oder einen Armreif überstreifen sollen, und sie versuchen dann auch verzweifelt, eine Eiskremtüte in der Ellenbeuge zu halten …

    Nein, Sprache ist immer Kontext, alles andere sind Wörter. Die Wörter sind oft, sehr oft mehrdeutig, kein Zweifel. Der Kontext jedoch ist es, der Wörter zur Sprache macht, nicht umgekehrt. Und wenn uns Begriffe als sexistisch erscheinen, dann liegt es nicht an den Wörtern, sondern am gesellschaftlichen Kontext. Und der ändert sich nicht einfach dadurch, dass man die Wörter austauscht oder umfeilt. Aber in diesem Punkt können wir uns doch einig sein: Es ist der Kontext, an dem es noch hapert; Gleichberechtigung ist noch lange nicht selbstverständlich. Aber daran würden andere Wörter auch nichts ändern – siehe “Entsorgungspark”, “ich-AG” (ist immer noch ein Arbeitsloser) oder, um bei Hartz zu bleiben, die “Personal-Service-Agentur”, die immer noch nur die Arbeitslosigkeit verwaltet …

  13. #13 MartinB
    5. Oktober 2010

    @Jürgen
    “hat offensichtlich nach einem Mann gesucht. ”
    Wenn das so eindeutig und glasklar wäre, warum gab es dann immerhin 10% Antworten mit einem weiblichen Namen – soooo eindeutig war’s dann auch wieder nicht? (Aus den 10% kann man ja vermutlich schätzen, dass etwa 20% der Leser/Leserinnen es nicht eindeutig fanden.)

    Ich versuche mein Problem nochmal anders darzustellen.

    Aus dem Kontext muss man jeweils erschließen, ob “ein Radfahrer” generisch oder als männlich gemeint ist. “Eine Radfahrerin” ist dagegen eindeutig, nämlich nicht generisch. Wir haben hier also eine sprachlich Gleichsetzung zwischen “Mann” und “beliebige Person”, während “Frau” eindeutig hervorgehoben ist.
    Damit suggeriert unsere Sprache, dass der Default-Mensch ein Mann ist. Wird sehr schön in der “Doktor”-Geschichte zum Ausdruck gebracht, die jemand angeführt hat.

    Ist denn Deine Lösung, dass in nicht vollkommen eindeutigen Fällen immer beide Geschlechter genannt werden? Also beispielsweise in meinungsumfragen (“nennen Sie ihren Lieblingspolitiker” – analog zum “Romanhelden”)? Und nicht-eindeutig sind ja viele Fälle – sonst hätte ich ja Null Antworten mit weiblichen Namen bekommen.

    “Heißt das jetzt, dass die deutsche Sprache rassistisch ist?”
    Dass das ein Strohmann-Argument ist, ist wohl offensichtlich, oder haben wir jetzt neuerdings grammatische Formen für unterschiedliche Staatsangehörigkeiten? Da spiegelt sich ganz simpel die Erfahrungswelt der Kommentatoren wieder – immerhin hatten wir osteuropäisch klingende Namen dabei. Das Argument zieht aber für’s geschlecht nicht, weil es sehr viele weibliche Radfahrer gibt und weil die Formulierung eben nicht eindeutig männlich war.

  14. #14 Jörg
    5. Oktober 2010

    Aber daran würden andere Wörter auch nichts ändern – siehe “Entsorgungspark”, “ich-AG” (ist immer noch ein Arbeitsloser) oder, um bei Hartz zu bleiben, die “Personal-Service-Agentur”, die immer noch nur die Arbeitslosigkeit verwaltet …

    Ach jetzt reicht es aber endgültig mal mit der Behauptung dass Wortwahl nichts ändert. Mal abgesehen, dass das ja schon im Artikel selbst widerlegt wird.

    http://apps.isiknowledge.com/full_record.do?product=UA&search_mode=GeneralSearch&qid=1&SID=N17bOfNK8ADA3G7NdgA&page=1&doc=1&colname=WOS

    Two experiments tested a form of automatic stereotyping. Subjects saw primes related to gender (e.g., mother, father, nurse, doctor) or neutral with respect to gender (e.g., parent, student, person) followed by target pronouns (stimulus onset asynchrony = 300 ms) that were gender related (e.g., she, he) or neutral (it, me) or followed by nonpronouns (do, all; Experiment 2 only). In Experiment 1, subjects judged whether each pronoun was male or female. Automatic gender beliefs (stereotypes) were observed in faster responses to pronouns consistent than inconsistent with the gender component of the prime regardless of subjects’ awareness of the prime-target relation, and independently of subjects’ explicit beliefs about gender stereotypes and language reform. In Experiment 2, automatic stereotyping was obtained even though a gender-irrelevant judgment task (pronoun/not pronoun) was used. Together, these experiments demonstrate that gender information imparted by words can automatically influence judgment, although the strength of such effects may be moderated by judgment task and prime type.

    http://www.springerlink.com/content/u7v6738610t8583n/

    Previous studies of receivers’ responses to generic words have found that adults generally develop masculine imagery for neutral words and that men do this more than women. The present investigation of school-aged children (n=471) found that they, like adults, develop sex-specific masculine imagery in response to apparently neutral messages. Early adolescents, however, reported significantly more inclusive imagery than 6–7-year-olds. Different pronoun conditions elicited different mental imagery for the receivers of the messages with he/she eliciting more of a balance between male and female images and they eliciting more inclusive imagery.

  15. #15 Jürgen Schönstein
    5. Oktober 2010

    @Jörg @MartinB
    Ich bestreite doch nicht, dass es in unseren Köpfen Geschlechterpräferenzen gibt. Und zwar auch viele, die von der Realität längst obsolet gemacht wurden. Präsidentschaften sind nicht mehr nur Männerdomänen, die Betreuung der Kinder im Kindergarten kann auch ein Erzieher übernehmen, und den Bus, den ich am vergangenen Wochenende von New York nach Boston nahm, fuhr eine Frau. Sprache drückt doch selbst im besten Fall nur ein Rollenverständnis aus, das bereits in den Köpfen ist. Und auch das von Jörg verlinkte Paper widerspricht dem nicht. Ja, Martin, wenn Du schreibst

    Da spiegelt sich ganz simpel die Erfahrungswelt der Kommentatoren wieder (sic!)

    dann trifft das genau den Nagel auf den Kopf. Es geht in allen Fällen um die Erfahrung.

    warum gab es dann immerhin 10% Antworten mit einem weiblichen Namen

    Vielleicht, weil einige die Absicht geahnt oder durchschaut hatten? Oder weil sie es witzig fanden, Deine Erwartung zu frustrieren? Ist aber letzlich egal. Mir ging es im Kern darum, die Möglichkeiten der Sprache optimal zu nutzen – und wenn es eine neutrale Formulierung gibt (wie das in Deinem Experiment möglich gewesen wäre, habe ich ja beschrieben), dann sollte man sie auch der Klarheit wegen nutzen. Ich bestreite auch nicht, dass dann immer noch eine einseitige Geschlechterpräferenz rausgekommen wäre. Aber es wäre dann klarer, weil nicht mehr der Formulierung, sondern dem Denken (um das es ja letzlich gehen sollte, und darüber sind wir uns ja einig) zuzuschreiben.

  16. #16 JV
    5. Oktober 2010

    Das habe ich ebenfalls vertreten und aber dann schlussendlich die Bemühungen aufgegeben…

  17. #17 MartinB
    5. Oktober 2010

    @Jürgen
    Du siehst eine Einbahnstrasse:
    Denken -> Sprache
    Ich sehe eine Rückkopplungsschleife
    Denken< ->Sprache
    weil meiner Ansicht nach auch die Sprache Auswirkungen auf unser Denken hat. Die Sprache befördert diese stereotypen Denkmuster – wir denken ja oft sprachgestützt.

    Ich habe das Thema ja auch deswegen angesprochen und experimentiere damit herum, weil ich merke, dass mein eigenes Denken bei Worten wie “Physiker” tendenziell ein Bild eines Mannes generiert, und diese Muster will ich durchbrechen – klappt zumindest beim Schreiben für mich auch gut.

  18. #18 Jürgen Schönstein
    5. Oktober 2010

    @MartinB

    Du siehst eine Einbahnstrasse:
    Denken -> Sprache
    Ich sehe eine Rückkopplungsschleife
    DenkenSprache
    weil meiner Ansicht nach auch die Sprache Auswirkungen auf unser Denken hat.

    Diese Rückkopplung leugne ich ja nicht. Aber ich bin ja schon von Berufs wegen dazu angehalten, mich einerseits so klar wie möglich, andererseits auch so un-stereotypisch wie nur möglich auszudrücken. Und deswegen weiß ich: Unsere Sprache ist dafür ausgerüstet, es sind die Sprechenden, die diese vorhandenen Möglichkeiten oft nicht nutzen. Mit anderen Worten: Wenn wir merken, dass wir uns klarer ausdrücken könnten (und ja, manchmal bedarf’s dann halt entweder der “Kolleginnen und Kollegen”, oder des “Kollegiums”), dann sollten wir es auch tun. Und glaub’ mir, es geht of leichter, als man denkt …

  19. #19 MartinB
    5. Oktober 2010

    @Jürgen
    Ich (zugegeben kein Journalist) finde es manchmal eben alles andere als leicht.
    Z.B. in meinem Text über’s Zahlenlügen. Da schreibe ich “Stellt euch vor, ihr, seid Verkäufer.” Müsste ich dann da “oder Verkäuferin” schreiben? Wieviele Frauen werden sich da erstmal weniger gemeint fühlen? Wo ist die Grenze zwischen sinnvollem Einbeziehen weiblicher Formen einerseits und unlesbarer Alternativgrammatik andererseits?

    Oder dieses schöne Beispiel, aus StarTrek, das ich zufällig genau während der Diskussion drüben sah:
    Chefingenieur Geordi telefoniert (Bildtelefon) mit seiner Mutter. Diese will ihn mit ihrer Chefingenieurin verkuppeln. Sie sagt über die Chefingeneurin
    “Ich halte sie für die beste Technikerin in der Sternenflotte.” – stolzer Blick auf ihren Sohn, kurze Pause – “Gut, die zweitbeste.” (weil, na klar, Geordi der beste Techniker der Sternenflotte ist.)
    Wie ist es denn nun korrekt? Im Englischen sagt die Mutter “technician” und das ist kein Problem. Aber im Deutschen?

    Und schließlich:
    “Ich finde es eine Bereicherung für die deutsche Sprache, dass sie dieses Detail so leicht codieren kann.”
    Um Dein eigenes Beispiel aufzugreifen: Sollten wir dann nicht vielleicht auch Extra-Formen für Afrikaner oder Asiaten haben? Oder – in Deutschland vielleicht relevanter, weil häufiger – für Leute mit türkischer oder osteuropäischer Abstammung? Dann könnte man das auch gleich mit-codieren. Der Physikski zum Beispiel, damit man gleich weiß, dass der aus dem Osten kommt.
    (Siehe Hofstadter’s “purity in language”)
    Wäre das Deiner Ansicht nach wirklich wünschenswert? Wenn nein, warum nicht?

  20. #20 Jürgen Schönstein
    5. Oktober 2010

    @MartinB
    Es geht doch ganz einfach darum, dass man sich als Sprechender darüber Gedanken machen muss, welche Information relevant ist und welche nicht. Ob nun durch geschlechtsspezifische Substantiva (Mann/Frau) oder geschlechtsspezifische Variationen eines Substantivs (Arzt/Ärztin), oder durch Adjektive (weiblich/männlich) ist dabei sekundär. Wenn es relevant wäre zu erwähnen, dass der Wissenschaftler aus Russland stammt (was bei einem 75-jähigen Nationalökonomen vielleicht wirklich ein wichtiges Stück Zusatzinformation liefert), dann sollte es auch zum Ausdruck kommen. Wenn es wichtig ist, ob man eine Rolle mit einem Mann oder einer Frau besetzt (und ja, in Deinem Beispiel musste man diese Information als relevant erachten), dann muss man es klar ausdrücken. Und wenn es wichtig ist, dass es keinen Unterschied machen soll, welchen Geschlechts, welcher Nationalität, welcher Hautfarbe die Angesprochenen sind, dann muss ich mir halt die Mühe machen, es entsprechend zu formulieren. Die Sprache ist nur ein Instrument; das spielen darauf muss man lernen und üben (das sagt jemand, der seit 40 Jahren vergeblich versucht, ein passabler Gitarrist zu werden 🙁)

    Nochmal: Ich habe kein Problem mit Deinem Argument und stimme sogar ganz ausdrücklich zu, dass wenn jemand von “Physikern” spricht, damit ebenso leicht vor dem geistigen Auge des Zuhörers das Bild einer Frau auftauchen sollte wie das eines Mannes. Und ich vermute mal, dass der Verdacht des sexistischen Denkens leider noch lange gerechtfertigt sein wird. Aber dass “ein Radfahrer” in dem Zusammenhang, wie Du ihn für Dein Experiment verwendet hast, geschlechtsneutral ist, dem kann ich einfach nicht zustimmen – deine Formulierung war bewusst unklar gewählt, um den (wie Du selbst zugibst) erwarteten Effekt zu produzieren. In der Physik würdest Du ein solches Experiment wegen Forscherbias (ist das der richtige Begriff hier? Ich bin mir bei solchen “Put-downs” nie ganz sicher…) gewiss nie akzeptieren – in der Auseinandersetzung mit Sprache sollte man es dann aber auch nicht.

  21. #21 MartinB
    5. Oktober 2010

    Dass mein Experiment nicht optimal war, habe ich ja schon mehrfach zugegeben – eine Veröffentlichung im Linguistik-Journal war nicht vorgesehen. Es sollte ja auch nur eine Demonstration sein, kein Beweis. Spielt aber auch keine wirkliche rolle – es gibt solche Experimente ja zuhauf, wie ja auch Jörg oben zeigt.

    Aber nochmal meine zentrale Frage: Warum ist es so toll, dass die Sprache durch ein Suffix das Geschlecht deutlich machen kann, während wir das für andere Differenzierungen nicht brauchen? Und warum ist der dadurch deiner Ansicht nach gewonnene Vorteil so viel größer als der Nachteil, dass Mann=Default suggeriert wird?

    Und was das Spielen des Instruments angeht: Was wäre denn in meinen beiden beispielen oben (Verkäufer/Techniker) eine geeignete Formulierung gewesen?

  22. #22 Jürgen Schönstein
    6. Oktober 2010

    @MartinB
    Im StarTrek-Beispiel ist natürlich die Technikerin sowieso schon mal “die Beste”. Wenn man sagen will, dass nur ein einziger Techniker besser ist als sie (uanbhängig vom Geschlecht), dann kann man auch sagen: “Sie ist die Beste. Niemand ist besser als sie.” Und dann, der Pointe wegen, nachsetzen: “Ok, einer vielleicht.” Ob’s einem gefällt, ist immer Geschmackssache – aber sehr schwer ist es auch nicht. Bisher habe ich noch immer eine neutrale Formulierung gefunden – und glaub’ mir, danach muss ich verdammt oft suchen, allein schon deswegen, weil im Englischen eben sehr oft die Gender-Information fehlt und ich dann, vor allem in Zitaten, irgend einen Weg um diese Informationslücke herum finden muss. Und genau darum bin ich halt auch froh, wenn ich im Deutschen manchmal keine Verrenkungen machen muss. Denn da soll’s ja auch manchmal drauf ankommen (frag’ mal die Leute, die Dating-Seiten besuchen …)

  23. #23 Ludmila
    6. Oktober 2010

    @Jürgen: Immerhin musst Du folgendes anerkennen: Das Thema regt die Leute zum Nachdenken bezüglich des Themas Emanzipation an. Wie weit es gekommen ist, was noch zu tun ist usw. usf.

    Ok, Du findest die Baustelle “Sprache” verfehlt. Obschon die Studien eigentlich das so nicht hergeben.

    Aber wo sollten wir denn Deiner Meinung nach weiter ansetzen? Irgendein konstruktiver Gegenvorschlag?

  24. #24 matthias
    6. Oktober 2010

    Also irgendwie staut sich bei mir gerade ein ordentlicher Groll auf, das muss jetzt alles raus. Möge sich jeder das für sich passende herauspicken oder ignorieren.

    Erst einmal möchte ich das Experiment anders auswerten. Nehmen wir mal an, *ich* hätte nach dem Namen für einen “Radfahrer im Rentenalter” gesucht. Einem männlichen Radfahrer. Habe ja auch extra die männliche Form genommen. Und was bekomme ich? 10% nennen einen Frauennamen! Offensichtlich werden Männer diskriminiert, muss doch die männliche Form auch gleichzeitig als geschlechtsunspezifische herhalten. Hätte ich nach einer “Radfahrerin” gesucht, wären sicher 99% weibliche Namen gekommen (einen Deppen gibts immer).
    Nach dem ersten Erschrecken vor der Wahrheit, die ich nie wahrhaben wollte, denke ich nochmal nach und sehe das ganze etwas entspannter:

    Es steht also außer Zweifel, dass die deutsche Sprache gewisse Zweideutigkeiten besitzt. Erstmal haben viele Wörter mehrere Bedeutungen, aber auch unter Einbeziehung des Kontextes bleiben manchmal Mehrdeutigkeiten bestehen, wie in den letzten zwei Wochen eindeutig unter Beweis gestellt wurde: Ein halbes Dutzend vermutlich überdurchschnittlich intelligenter Personen konnte sich nicht einigen, ob der Radfahrer hier nun zwangsläufig männlich ist oder vielleicht auch nicht, ob der nach Namen suchende nun wissen musste, welches Geschlecht diese Person hat oder auch nicht. Wir Menschen können wohl viele Mehrdeutigkeiten besser als Supercomputer klären (auch ein sehr interessanter Artikel!), aber eben nicht alle.
    Meine persönliche Auswertung des Experiments ist also, dass in dem entsprechenden Kontext und dem hier vorliegendem Kulturkreis (Scienceblogleser im Jahr 2010) 80% der Teilnehmer sich für die rein männliche Bedeutung, 20% für die geschlechtsneutrale Bedeutung entschieden haben, die Aussage war also nicht eindeutig zu verstehen.

    Somit ist also erwiesen, dass zumindest die Möglichkeit besteht, dass in alltäglichen Situationen Missverständnisse auftreten und dass es Sinn macht sich darüber Gedanken zu machen, wie diese vermieden werden können. Hier sind mir zwei Punkte wichtig:
    Es können Missverständnisse zuungunsten beider Geschlechter auftreten (und es macht mich ein wenig sauer, dass eines davon häufig als alleiniges Opfer gesehen wird).
    Ob die Gefahr eines Missverständnisses vorliegt, hängt auch vom sprachlichen wie kulturellen Kontext ab, d.h. die einmal bewiesene Missverständlichkeit des Radfahrers bedeutet nicht, dass jeder Satz, der “Radfahrer” enthält, missverständlich ist. (Insofern finde ich genderneutrale Sprache schrecklich, die jedes potentiell missverständliche Wort eliminieren möchte). Auch glaube ich, dass es nicht allzu viele missverständliche Situationen gibt, zumindest weniger als Binnen-Is.

    Mein persönlicher Lösungs-Vorschlag: Anreden etc. immer explizit an beide Geschlechter oder (unter nicht zu sparsamer Verwendung der sprachlichen Möglichkeiten) an ein bestimmtes Geschlecht. Ein “Liebe Studentinnen und Studenten” finde ich keineswegs holprig, so etwas war schon immer üblich. Begrüßungen o.ä. sind immer eher überschwänglich als bescheiden (es kann z.B. durchaus vorkommen, dass man 3 Mal oder häufiger begrüßt wird: “Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrter Herr Vorsitzende …”). Abkürzungen wie ein Binnen-I empfinde ich hier eigentlich auch als unhöflich (was für alle festen Floskeln gilt, zB auch “MfG”).
    Im darauffolgenden Text kann dann getrost die (nach Genus) maskuline Form benutzt werden, deren Doppelbedeutung nun sicher aufgelöst werden kann (als nach Sexus unbestimmt).
    Da nicht alles ein Brief ist, muss man sich eben auch andere (schöne!) Lösungen einfallen lassen (eine auch sehr schöne Lösung ist das Firefox-Addon “Binnen-I-be-gone”). Die korrekte Verwendung einer Sprache ist zum Teil eben auch eine Kunst. Hier möchte ich mir aber im Falle eines Kunstfehlers nicht den Vorwurf von Sexismus anhören müssen. Auch finde ich Leute schrecklich, die sich offensichtlich gegen besseres Wissen “nicht angesprochen” fühlen. Sollte mir dennoch mal ein Kunstfehler unterlaufen, wäre mir das wesentlich weniger peinlich als wenn ich einer Frau fälschlicherweiße zur Schwangerschaft gratulierte.

    Sprache beinflusst Denken meiner Meinung nach nicht. Dass ich bei “Physiker” meist einen Mann vor Augen habe, liegt an folgendem:
    Einerseits ist “Physiker” doppeldeutig, d.h. es kann sowohl “männlicher Physiker” als auch “Physiker unbekannten Geschlechts” bedeuten. Wenn ich nun einfach nur “Physiker” höre, wieso sollte ich das als “Physiker unbekannten Geschlechts” interpretieren?
    Andererseits gebe ich zu, dass ich sogar bei “Physiker unbekannten Geschlechts” eher an einen Mann denke. Sollte sich das irgendwann ändern, ist entweder ein Wunder passiert oder mir wurde eine Gehirnwäsche verpasst – meine Erfahrung prägt schließlich mein Denken durchaus. Ich glaube aber nicht, dass die wenigen Komilitoninnen deswegen irgendeinen Nachteil haben (wieso auch? spätestens wenn sie vor mir stehen kapier ichs schon).

    So. Diverse Blogs haben mich in dieser Beziehung ordentlich zum Nachdenken gebracht, dafür mal Danke. Aber irgendwann musste das auch mal raus.

  25. #25 Jürgen Schönstein
    6. Oktober 2010

    @Ludmila

    Aber wo sollten wir denn Deiner Meinung nach weiter ansetzen? Irgendein konstruktiver Gegenvorschlag?

    Dutzende, mindestens. Meine Frau und ich ziehen ja selbst gerade einen Jungen groß und stehen daher regelmäßig vor dem Problem, dass er von irgendwoher einen Gender-Bias anschleppt – mal aus eigener Beobachtung (“Warum gibt es eigentlich nur Feuerwehrmänner?”), mal weil er’s von Freunden oder Klassenkameraden gehört hat (“Ballett ist nur was für Mädchen”). Aufklärung im frühen Alter ist eine Möglichkeit, Aufhebung geschlechterspezifischer Rollenverteilung (Papa spült Geschirr und putzt das Badezimmer, Mama sitzt am Steuer oder, wie bei uns im Moment, verdient das Geld) eine weitere. Seine eigenen Vorurteile ständig prüfen und sich bewusst machen, wieder eine andere. Zu Geburtstagspartys Mädchen und Jungs einladen, Spiele spielen, die nicht nur dem einen Geschlecht gefallen (was gar nicht so leicht ist, wenn sie erst mal ins Preteen-Alter kommen), sich die Bemerkung “das ist mal wieder typisch Mann/Frau” selbst im größter Ärger verkneifen (auch das ist, wie wir wohl alle zugeben müssen, gar nicht so einfach). Und vor allem den sich abzeichnenden Bias nie einfach durchgehen lassen, sondern aufklären und auch erklären, woher dieser Bias kommt (“war früher so”, zum Beispiel). Und das war jetzt nur auf die Kindererziehung bezogen. Schule, Studium, Beruf – es gibt viele Felder, wo wir einen Genderbias als gegeben, wenn auch ärgerlich, akzeptieren, und uns dann wundern, wenn er sich hartnäckig hält. Frauen sollten Physik, Mathematik, Geografie, was auch immer studieren, sollten Automechaniker oder Busfahrer werden, aus den gleichen Gründen wie Männer. Und auch nicht sagen, “Männer haben einfach kein Einfühlungsvermögen” … Die Liste der alltäglichen Vorurteils-Manifestierungen ist lang. Jeder fange bei sich selbst an! Würde gerne noch weiter schreiben, aber ich muss jetzt erst mal das Geschirr spülen und dann unser Kind ins Bett bringen. Meine Frau arbeitet nämlich heute Abend.

  26. #26 MartinB
    6. Oktober 2010

    @Jürgen
    Deine StarTrek-Lösung ist nett. Sie hat allerdings einen Pferdefuss: Sie funktioniert eben nicht spontan. Wenn die Mutter erstmal gesagt hat “Sie ist die beste technikerin”, dann steckt sie in der gender-Falle, der Nachsatz fiel ihr ja erst dann ein.

    Viel mehr würde mich aber nach wie vor die Antwort auf die Frage interessieren:
    “Warum ist es so toll, dass die Sprache durch ein Suffix das Geschlecht deutlich machen kann, während wir das für andere Differenzierungen nicht brauchen? Und warum ist der dadurch deiner Ansicht nach gewonnene Vorteil so viel größer als der Nachteil, dass Mann=Default suggeriert wird?”

  27. #27 Sebastian
    6. Oktober 2010

    Gerade habe ich mich so richtig schlecht gefühlt, weil ich mich einer Sprache bediene, die, nach Mehrheitsmeinung, offensichtlich sexistisch ist (nur der Vollständigkeit halber und im Sinne der Emanzipation: männlich sexistisch) und ich noch dazu männlichen Geschlechts bin. Danke, liebe FrauInnen, dass ich, wenn ich an “Mann” denke einen ungewaschenen Vollbartträger im Hinterkopf habe.

    😉

    War nicht ernst gemeint.
    Nein, beides nicht.
    Bei Martin Bäkers Artikel wollte ich ursprünglich als Namensvorschlag “Ludmilla” schreiben, aber das hätte vermutlich irgendwie den Spaß verdorben.
    Ich bin der Meinung, dass das ein Thema ist, mit dem man (und Mann natürlich auch) sich beschäftigen kann. Ich bin aber nicht der Meinung, dass man es zu ernst nehmen sollte. Ich möchte an dieser Stelle an die Piratenpartei erinnern, die nach meinem Kenntnisstand kein Binnen-I verwendet und auch auf diese unsäglich albernen Doppel-Formulierungen – Bürgerinnen und Bürger – verzichtet. Die Partei wurde teilweise schwer deswegen angegangen. Dabei ist für die Mehrheit der Mitglieder, sowie nach meiner persönlichen Erfahrung für die Mehrheit der Bevölkerung die Gleichberechtigung der Geschlechter selbstverständlich.

    Es wird wohl immer gewisse Vorurteile gegen Geschlechter geben. Warum auch nicht? Diese müssen nicht negativ sein. Wer wird einem Dichter die Freude nehmen wollen, der Sonne das Attribut weiblich, wärmend, mütterlich usw. zuzuschreiben? Liebe Feministinnen und Feminister: Das steht euch nicht zu. Unterhaltet euch, schreibt euch wie ihr wollt, aber eure Meinung kann nicht die Prämisse für das Verhalten Dritter sein. Egal welchen Geschlechts diese sind.

    Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Thema zu wichtig genommen wird.

  28. #28 MartinB
    6. Oktober 2010

    @Sebastian
    Es ist immer wieder (im negativen Sinn) erheiternd, wenn ein Mitglied einer privilegierten Gruppen denjenigen, die dieser Gruppe nicht angehören, erklärt, dass deren Probleme doch nicht so schlimm sind und sie sich nicht so anstellen sollen.

  29. #29 BreitSide
    6. Oktober 2010

    Das Wort دست (ausgesprochen: “dast” oder ugs. “dust”) bedeutet sowohl “Hand” als auch “Arm”.

    Un was sollet dann die Schwoba mache, die saget “Fuaß”, wenn sie “Bein” meinet:-)

  30. #30 BreitSide
    6. Oktober 2010

    @Martin:

    Der Physikski zum Beispiel, damit man gleich weiß, dass der aus dem Osten kommt.

    Ein Physikski ist eindeutig polnisch.
    Ein Physikiewitsch ist russisch.
    Ein Physikatschek ist tschechisch.

    Aber Du hast Recht, wer diese Sprachen nicht näher kennt, denkt automatisch “Osten”.

  31. #31 Jürgen Schönstein
    6. Oktober 2010

    @MartinB

    Warum ist es so toll, dass die Sprache durch ein Suffix das Geschlecht deutlich machen kann, während wir das für andere Differenzierungen nicht brauchen? Und warum ist der dadurch deiner Ansicht nach gewonnene Vorteil so viel größer als der Nachteil, dass Mann=Default suggeriert wird?

    Weil es die Sprache um ein Stück Information bereichert. Warum haben wir Adjektive und Adverbien? Warum überhaupt Sprache? Um Information auszutauschen. Und Geschlecht ist oft eine relevante Information – einfach schon deswegen, weil es Teil der Grammatik ist – Genus, Casus, Numerus, schon mal daran gedacht? In folgendem Absatz (der wirklich nicht weit hergeholt ist) habe ich die geschlechtsspezifischen Pronomina durch xxx ersetzt: “Das Ehepaar Meier fuhr dieses Jahr getrennt in Urlaub. xxx bevorzugte die Berge, während xxx sich einen Urlaub ohne Strand einfach nicht vorstellen konnte.” So, nun sag’ mir: Wer macht was? Oder mit welchen Pronomen soll ich fortfahren, wenn ich weiß, dass Professor (neutral!) Namenlos um 13 Uhr einen Gastvortrag hält: “Er/Sie(?) wird dabei über seine/ihre(?) Forschung mit geschlechtsneutralen Elementarteilchen berichten.” Wenn Du Lust auf ein Sprachexperiment hast (das in anderen Sprachen übrigens ebenso gut funktioniert), dann nimm irgend einen längeren Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel und ersetze jedes “er” und jedes “sie” durch “om” (oder vertausche sie auch einfach nur: aus “er” wird “sie” und umgekehrt) – und dann sag’ mir, ob der Sinn noch der gleiche oder überhaupt noch ein Sinn erkennbar ist.

    Der Sexismus steckt nicht in der Sprache, sondern in Deinem Kopf: Frag’ dich mal, warum Du annimmst, dass “Mann=Default” äquivalent zu “Mann=besser” ist? Das ist eine Bewertung, die Du in Deinem Kopf vornimmst. Als Physiker weißt Du sicher mehr als ich über Default-Zustände, zum Beispiel bei Elektronen oder anderen “anregbaren” Partikeln. Glaubst Du da auch, dass der Default-Zustand der “bessere” ist? Sicher nicht.

    P.S. Und Dein StarTrek-Argument heißt doch nur, dass man vor dem Losplappern erst mal darüber nachdenken sollte, was man sagen will. Was ist denn daran schlimm?

  32. #32 Sebastian
    6. Oktober 2010

    @MartinB
    “Es ist immer wieder …”
    Habe ich das? Ich denke nicht.

    Ich habe nichts gegen Gleichberechtigung und will auch keines der damit verbundenen Probleme kleinreden.

    ABER:
    Ich glaube nicht, dass die deutsche Sprache eines dieser Probleme ist.
    Es gibt bei diesem Thema wirklich Wichtigeres als die Frage, ob und inwieweit unser Sprachverständnis schon Geschlechterrollen festlegt. Wenn wir es schaffen, dass die Geschlechter als vollständig gleichwertig angesehen werden, dann hat sich das Sprachproblem, so es denn existiert, von selbst erledigt. Sprache lebt und unser Verständnis von und unser Umgang mit ihr wird sich anpassen. Das künstlich herbeiführen zu wollen wird nicht funktionieren. Das hat schon das Verschwinden von “frau” gezeigt.

    Sebastian

  33. #33 Georg Hoffmann
    6. Oktober 2010

    Noch ein schoenes Zitat von Wiglaf Droste zum Thema:

    gibt es böse oder doch wenigstens blöde Absichten – deren Protagonisten man daran erkennt, dass sie das Grundgute schlechthin und die Rettung mindestens der Menschheit für sich reklamieren. Emanzipation und Feminismus schienen einmal aufzuschimmern als Hoffnung für Frauen und Männer, die von wahrer, wahrhaftiger Liebe träumen und deshalb die Warenverhältnisse zwischen Mann und Frau nicht als unumstößlich ansehen. Was die Alice-Schwarzer-Fraktion davon übrig ließ, ist ein Konsum- und Arrivierungsfeminismus, der das Diktum ?Soldaten sind Mörder’ zu ?Soldaten sind MörderInnen’ erweitert und es als Fortschritt feiert, wenn der Beruf des Henkers und der des ihn segnenden Papstes in gleicher Qualität auch von Frauen ausgeübt wird. Sex/Gender-Debatten mögen einige Akademikerinnen ernähren; zu diesem einzigen Zweck wurden sie schließlich ersonnen. Sie fügen der Welt jedoch weder Wahrheit noch Schönheit zu.

  34. #34 MartinB
    6. Oktober 2010

    @Sebastian
    “Es gibt bei diesem Thema wirklich Wichtigeres als die Frage, ob und inwieweit unser Sprachverständnis schon Geschlechterrollen festlegt. ”
    Na klar. Und als Mann bist du natürlich geradezu prädestiniert, den Frauen zu erklären, welche Probleme wichtig sind und welche nicht.

    @Jürgen
    “Weil es die Sprache um ein Stück Information bereichert.”
    Also doch die Physikski einführen? Wäre ja auch ein Stück Information?

    “Frag’ dich mal, warum Du annimmst, dass “Mann=Default” äquivalent zu “Mann=besser” ist?”
    Besser ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass Frauen durch diesen Default suggeriert wird, sie seien eben nicht die “norm”, Frausein ist was “besonderes”, mannsein nicht.

    “So, nun sag’ mir: Wer macht was? ”
    Das ist jetzt schon ein bisschen ironisch: Die Problemfälle, die ich anführe, werden abgetan mit der Bemerkung “Da muss man halt ein bisschen drüber nachdenken”, aber dann konstruierst du selbst Beispiele, die man genauso mit ein bisschen nachdenken lösen kann. Man Könnte ja zum Beispiel Herr Meier und Frau Meier sagen.

    Mal davon abgesehen, dass du erst ein Beispiel anbringst, warum geschlechtsspezifische Pronomina wichtig sind, während dein zweites Beispiel mit dem professor genau das gegenteil ist: Ohne geschlechtsspezifische Pronomina könntest du da einfach weiterreden…

    Ja, man kann nicht alles einfach durch “om” ersetzen, dann müsste man etwas sorgfältiger formulieren. Aber für’s sorgfältige Formulieren warst du doch eben selbst und sagtest, das sei kein problem.

  35. #35 Georg Hoffmann
    6. Oktober 2010

    @MartinB
    Der sprachliche Ansatz ist der allerallerletzte der etwas an den Verhaeltnissen aendert. Die sind zwar schon schlimm genug, solche Aenderungen von der Sprachpolizei befluegelt schaffen es sicher sie sogar noch zu verschlechtern. Der Sexismus bleibt und ausserdem kann man keine Prosa mehr lesen, ohne dass einem schlecht wird.

  36. #36 radicchio
    6. Oktober 2010

    MartinB … ich hab langsam die faxen dicke.

    Wo ist das Problem, zu begreifen, dass wirklich, wahrhaftig und tatsächlich auf die Frage
”Nennen Sie Ihren liebsten Romanhelden” signifikant mehr Männer als Frauen genannt werden, als bei der Frage “Nennen Sie Ihre liebste Romanheldin oder Ihren liebsten Romanhelden?”?

    was hab ich denn geschrieben?
    das steht:

    “wenn die verwendung des maskulinums mit einer konkreten person – hier dem romanhelden, dort dem radfahrer – assoziiert ist, denkt man eher an einen mann.”

    und was heißt das?

    da steht, dass bei der frage nach einem konkreten menschen, hier dem romanhelden, man eher an einen mann denkt – und den logischerweise auch nennt. also werden mehr männer als frauen genannt.

    was ist bitte so schwer daran für einen wissenschaftler, diesen einfach formulierten sachverhalt zu rezipieren?

    Es ist eben nicht immer offensichtlich, wann ein “generisches” und wann ein “echtes” Maskulinum gemeint ist.

    nee, IMMER nicht. aber in den allermeisten fällen. ich habe jedenfalls noch keine frau hilflos vorm raucherabteil stehen sehen, weil sie gedacht hätte, da dürfen nur männer rein, oder vorm fußgängerüberweg, weil das kein ausgewiesener fußgängerinnenüberweg ist.

    Das Argument zieht aber für’s geschlecht nicht, weil es sehr viele weibliche Radfahrer gibt und weil die Formulierung eben nicht eindeutig männlich war.

    sorry, die formulierung war nach heutigem sprachgebrauch männlich. ebenfalls wie die frage nach dem romanhelden.

    Der Punkt ist, dass Frauen durch diesen Default suggeriert wird, sie seien eben nicht die “norm”, Frausein ist was “besonderes”, mannsein nicht.

    das wird ihnen doch viel mehr durch die explizite betonung ihres geschlechtes suggeriert. die erste bundeskanzlerin, die erste ministerpräsidentin usw. diese frauen SIND auch derzeit etwas besonderes. die sprache bildet die realität ab. sie bildet auch ab, dass frauen nicht default sind, weil es sich dabei um dem ist-zustand handelt.
    wenn frausein nichts besonderes wäre, dann würde es keiner erwähnung bedürfen, sondern in den default-wert einfließen.

    @ Jürgen Schönstein

    Der Sexismus steckt nicht in der Sprache, sondern in Deinem Kopf: Frag’ dich mal, warum Du annimmst, dass “Mann=Default” äquivalent zu “Mann=besser” ist? Das ist eine Bewertung, die Du in Deinem Kopf vornimmst. Als Physiker weißt Du sicher mehr als ich über Default-Zustände, zum Beispiel bei Elektronen oder anderen “anregbaren” Partikeln. Glaubst Du da auch, dass der Default-Zustand der “bessere” ist? Sicher nicht.

    sehr richtig.

  37. #37 MartinB
    6. Oktober 2010

    @radicchio
    Obwohl Du also der Ansicht bist, dass die generische Form bevorzugt zur Nennung von Männern führt, siehst du trotzdem nicht, dass sich Frauen durch Nicht-Nennung (in welcher Form auch immer) nicht gemeint fühlen können. Oder bist du jetzt doch ein Befürworter des binnen-I oder einer anderen geschlechtsneutralen Formulierung?

    Tut mir leid, diesen Widerspruch begreife ich nach wie vor nicht – wenn die männliche Form eben bevorzugt Männer meint, dann ist es doch verständlich und sinnvoll, Frauen explizit einzubeziehen.

    Und in meinen Augen ist es ziemlich schwach zu sagen “Aber wenn die Frauen in der Gesellschaft erstmal voll gleichberechtigt sind, dann wird die Sprache das auch widerspiegeln, bis dahin kümmern wir uns um Sprache erstmal nicht.”

  38. #38 radicchio
    6. Oktober 2010

    Obwohl Du also der Ansicht bist, dass die generische Form bevorzugt zur Nennung von Männern führt, siehst du trotzdem nicht, dass sich Frauen durch Nicht-Nennung (in welcher Form auch immer) nicht gemeint fühlen können.

    doch das sehe ich. allerdings kontextabhängig: wenn eine firma ein stelle ausschreibt mit “suchen einen gärtner” (so wie du: suche einen radfahrer), dann ist es klar, dass frauen sich nicht angesprochen fühlen.
    spricht man allerdings von vorfahrtsregeln für radfahrer, dann – da bin ich ganz sicher – wissen radfahrende frauen, dass diese regeln auch für sie gelten. ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass eine frau auf dem rad zum verkehrspolizisten sagt: “hier dürfen nur radfahrer nicht bei rot fahren. für mich gelt das nicht, ich bin nämlich eine radfahrerin!”

    Oder bist du jetzt doch ein Befürworter des binnen-I oder einer anderen geschlechtsneutralen Formulierung?

    wo es expilizit erforderlich ist, frauen extra zu nennen, finde ich es sinnvoll, s.o.
    ich halte es allerdings nicht für eine antisexistische heldentat.

    Und in meinen Augen ist es ziemlich schwach zu sagen “Aber wenn die Frauen in der Gesellschaft erstmal voll gleichberechtigt sind, dann wird die Sprache das auch widerspiegeln, bis dahin kümmern wir uns um Sprache erstmal nicht.”

    wieder ein strohmann: wenn ich das so gesagt hätte, hättest du recht. ich habe es aber nicht so gesagt.

    sondern: … ach, lies selbst. ist ja schon 100 mal geschrieben.

    bester beweis, dass die sprache das denken (wenn überhaupt) nur marginal beeinflusst, ist doch l. carones selbstbezeichnung “wissenschaftler”.

  39. #39 MartinB
    6. Oktober 2010

    “allerdings kontextabhängig:”
    Ja, und dass der Kontext nicht so eindeutig ist, wie ihr das alle gern hättet, haben die Beispiele ja nun belegt.

    Ich glaube, wir können das hier beenden – wir drehen uns eh im Kreis…

  40. #40 Jürgen Schönstein
    6. Oktober 2010

    @MartinB

    Besser ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass Frauen durch diesen Default suggeriert wird, sie seien eben nicht die “norm”, Frausein ist was “besonderes”, mannsein nicht.

    Und wie geht das aus Deinem Experiment hervor? Selbst die Gleichsetzung von “Default” und “Norm” ist nicht haltbar. Per “Default” ist Dein Auto mit abgeschaltetem Motor im Stillstand, aber seit wann ist ein immobiles Auto die Norm? (Langsam werd’ ich dieser Diskussion, die sich eher zu einem Sprachkurs entwickelt, müde …) Die Besonderheit einer Frau im Bundeskanzleramt liegt nicht darin, dass es nur ein männliches Wort für ihre Amtsbezeichnung gibt (“Bundeskanzlerin” geht ja ganz leicht), sondern dass es vor Angela Merkel keine Frau in diesem Amt gab. Oder wollen wir jetzt behaupten, dass ein neutrales Wort (“Bundeskanzlum”, jemand?) schon vor Jahrzehnten die Wahl einer Frau begünstigt hätte?

    Die Problemfälle, die ich anführe, werden abgetan mit der Bemerkung “Da muss man halt ein bisschen drüber nachdenken”, aber dann konstruierst du selbst Beispiele, die man genauso mit ein bisschen nachdenken lösen kann. Man Könnte ja zum Beispiel Herr Meier und Frau Meier sagen.

    Mal davon abgesehen, dass “Herr Meier” und “er” bzw. “Frau Meier” und “sie” absolut äquivalent sind (abgesehen vielleicht vom Stilistischen) – wo läge hier das Problem? Dass es Männer und Frauen gibt, ist eine Tatsache, und nicht die schlechteste, übrigens – diese Geschlechterdifferenzierung ist biologisch festzumachen und könnte, wenn Du willst, auch durch XX und XY ausgedrückt werden. Die Frage ist doch, ob in jedem, Fall “Differenzierung” = “Wertung” ist, und da ist (im Gegensatz zu Deiner Sichtweise, scheint mir) die Antwort ebenso trivial wie eindeutig: Nein. Die Vorderräder meines Autos sind nicht besser als die Hinterräder, zum Beispiel.

    Ich muss zugeben, dass ich langsam nicht mehr folgen kann, wofür oder wogegen Du hier eigentlich bist. Sollten wir alle geschlechtsspezifischen Worte (das schlösse dann auch “Mann” und “Frau” oder “männlich/weiblich” ein) aus der Sprache verbannen? Sicher nicht. Sollten wir alle Pronomen (“er/sie”) abschaffen? Auch nicht. Wenn ich aber den Satz “Die Eiche …” mit dem Pronomen “sie” fortführen darf, warum dann nicht auch einen Satz, der mit “die Frau” beginnt? Oder ein neuen Genus einführen – wie wär’s mit “das Radfahrel”, “das Physikel” etc.? Würdest Du dann plötzlich mehr Frauen vor Deinem geistigen Auge sehen? Aber das wäre ja dann auch sexistisch, denn einige davon sind Männer … hmmm, schwer.

    Nein, wenn’s an Physikerinnen und Astronominnen und Automechanikerinnen mangelt, dann gib nicht der Sprache die Schuld. Und die Sprache wird den Zustand auch nicht verändern – frag’ mal Physikerinnen, die Du kennst, ob sie sich durch Worte oder durch gesellschaftlche Strukturen ausgegrenzt fühlen …

  41. #41 Jörg
    6. Oktober 2010

    Und die Sprache wird den Zustand auch nicht verändern – frag’ mal Physikerinnen, die Du kennst, ob sie sich durch Worte oder durch gesellschaftlche Strukturen ausgegrenzt fühlen …

    Und alle im Chor: Anekdoten sind keine Daten.

  42. #42 Jürgen Schönstein
    6. Oktober 2010

    @Jörg

    Und alle im Chor: Anekdoten sind keine Daten.

    Zwischenrufe auch nicht, und trotzdem darfst Du den hier machen. Man nennt das “Diskussionskultur” …

  43. #43 Georg Hoffmann
    6. Oktober 2010

    @Juergen
    Soviel Marxismus muss einfach noch drin sein. Ich sag nicht, dass Ideologie nicht einen wichtigen EInfluss auf die materiellen Verhaeltnisse hat (soviel Norbert Elias muss sein). Diese sprachlichen Verbrechen a la BahnschaffnerInnen oder HolocaustleugnerInnen aber haben keinen, ausser starke Kopfschmerzen.

  44. #44 S.S.T.
    6. Oktober 2010

    Die ganze Diskussion hier ud bei @MartinB erinnert mich an den häufig gebrauchten Ausspruch des Chemielehrers meines Onkels:

    Wir wollen nicht sagen, es stinkt, wir wollen sagen, es riecht übel.

  45. #45 MartinB
    6. Oktober 2010

    “Selbst die Gleichsetzung von “Default” und “Norm” ist nicht haltbar.”
    Das Autobeispiel belegt das in keiner Weise, weil es sich da um veränderliche Zustände handelt, nicht um unveränderliche Eigenschaften.

    Dass geschlechtsspezifische Worte oder Pronomen abgeschafft gehören, war ja deine Idee, ich habe das nie behauptet. Ich finde es nur amüsant, dass deine beiden vorgebrachten Beispiele sich genau widersprechen – im zweiten wäre ein geschlechtsneutrales Pronomen ja eine perfekte Lösung gewesen.

    “Ich muss zugeben, dass ich langsam nicht mehr folgen kann, wofür oder wogegen Du hier eigentlich bist.”
    In solchen Fällen soll es ja helfen, den Standpunkt des anderen nachzulesen, statt sich auf Unterstellungen oder Strohmänner (Abschaffung der Worte Mann/FRau???) zu verlassen.
    Im Original-Text stand ja schon
    “Und nun? Was soll jetzt daraus folgen? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.” usw.

    Ein gutes Argument, warum die möglicherweise vorhandene leichtere Differenzierung beim Sprechen stärker zählen soll als die von vielen Frauen wahrgenommene Diskriminierung habe ich nach wie vor nicht gehört.

    Aber auch ich werde dieser Diskussion müde. Insbesondere, da die vorgebrachten Argumente alle wirklich nicht neu sind, siehe diesen Abstract hier:

    The arguments are classified as follows: (1) the ‘cross-cultural’ arguments; (2) the ‘language is a trivial concern’ arguments; (3) the ‘freedom of speech,/unjustified coercion’ arguments; (4) the ‘sexist language is not sexist’ arguments; (5) the ‘word-etymology’ arguments; (6) the ‘appeal to authority’ arguments; (7) the `change is too difficult, inconvenient, impractical or whatever’ arguments; and (8) the ‘it would destroy historical authenticity and literary works’

    Wir hatten schon (1), (2), (4), (7) und (8) (das ist ja wie Bullshit-Bingo), und wenn Ihr noch weitermacht, kommen die anderen garantiert auch noch.

  46. #46 Georg Hoffmann
    6. Oktober 2010

    @MartinB
    “(das ist ja wie Bullshit-Bingo)”
    possible. Aber es waer schon angebracht, wenn du nur ein einziges relevantes gesellschaftliches Beispiel bringen koenntes, in dem zuerst per Vereinbarung oder gar Gesetz etwas sprachlich geloest wurde und DANN das Problem tatsaechlich verschwand. Vielleicht hilft der Winkel ja.
    Uebrigens Masern gehen nicht weg, wenn mann die Flecken anstreicht. Habe ich kuerzlich in der Familie verifizieren koennen.

  47. #47 BreitSide
    6. Oktober 2010

    Interessant. Wie glaubich MartinB mal sagte:

    – das ist ja überhaupt gar nicht wichtig mit den innerlichen Geschlechtszuweisungen,
    – aber es ist ganz, ganz arg falsch,
    – und deshalb opfere ich auch jede Menge Zeit und schreibe ich ganz, ganz viel,
    – aber wichtig ist es überhaupt nicht.

    Ja was denn nun?

  48. #48 MartinB
    6. Oktober 2010

    @Georg
    Hätte ich behauptet, dass das Problem durch eine Änderung der Sprache verschwinden würde, so müsste ich das belegen. Habe ich nicht, deshalb muss ich nicht. (Wieder ein Strohmann, der auf irgendnem Acker fehlt…)

    Was ich behauptet habe (Sprache beeinflusst Denken in Hinblick auf Stereotypisierung) habe ich belegt. Dass viele Frauen sich dadurch gestört fühlen, ist auch belegt.

    Im übrigen könntest Du Dein Argument genausogut anführen, wenn jemand das Wort “Nigger” abschaffen wollte – die Sprache ändern hilft doch nichts, Farbige werden ja trotzdem ausgegrenzt. (Und ja, es ist kein perfektes beispiel, weil weibliche Formen nicht per se negativ assoziiert sind, aber es zeigt, dass das Argument “Sprache ändern ist überflüssig, weil es eh nichts bringt” so nicht haltbar ist.)

  49. #49 Georg Hoffmann
    6. Oktober 2010

    @MartinB
    Also du hast nicht behauptet und nicht den EIndruck erweckt, dass dem gesellschaftlichen Problem “Sexismus” sprachlich abgeholfen werden koennte. Und schon ist alles klar fuer mich. Das ging doch schnell.

    PS Der Vergleich mit “Nigger” ist schon sehr Banane. Aber egal. Was wurde zuerst geaendert? Die Rechte, materiellen Verhaeltnisse und gesellschaftlicher Status von Schwarzen oder das Wort Nigger. Du verwechselt permanent den Lackmus mit der Saeure.

  50. #50 MartinB
    6. Oktober 2010

    @Georg
    Abgeholfen im Sinne von abgestellt, nein, das habe ich nie behauptet, das wär ja auch Quark.
    Abgeholfen im Sinne von “es würde dazu beitragen”, ja, das behaupte ich.