Nehmen wir – nur mal als Gedankenexperiment,bitte! – nehmen wir mal an, die Prognose einer durch menschliches Handeln verursachten weltweiten Erwärmung sei ein Irrtum. Nehmen wir mal an, unser Kohlendioxidausstoß im Allgmeinen und unser Verbrauch an fossilen Brennstoffen im Besonderen hätten keinerlei Auswirkung darauf, ob sich unsere Erdatmosphäre aufheizt. Das in etwa ist doch die Position der Anti-Klimaalarmisten (wie ich sie mal nennen will). Okay, was also, wenn sie recht hätten? Sollten wir dann einfach weiter machen wie bisher?

Hier lohnt sich ein Blick nach Kansas, dem vermutlich konservativsten aller US-Staaten (seit 1932 wurde hier kein Demokrat mehr in den Senat gewählt), den Thomas Frank in seinem Buch “Was ist mit Kansas los?” (im Original: What’s the Matter With Kansas?) so erschreckend eindringlich beschrieben hat. Selbst hier, wo Al Gore ein Schimpfwort ist, wo die Leute glauben, dass nicht der Mensch, sondern die göttliche Hand das Geschehen auf unserem Planeten lenkt (schon zwei Mal hat die staatliche Bildungskommission hier das “intelligente Design” in die Lehrpläne gedrückt; bisher haben Gerichte mit dem Hinweis auf die Trennung von Staat und Kirche diese Lehrplan-Ergänzung jeweils rechtzeitig kassieren können), selbst hier sind die Leute in der Lage, sich energiesparend und umweltbewusst zu verhalten, wie die New York Times am heutigen Dienstag in einer großen Seite-1-Story schreibt.

Ausgerechent hier also war es möglich, dass Schulkinder an Halloween auf die Jagd nach “Elektro-Vampiren” geschickt wurden (gemeint waren Haushaltsgeräte, die selbst im abgeschalteten Zustand noch Strom verbrauchen). Ausgerechnet hier werden Geothermal- und Windkraftanlagen geplant. Ausgerechnet hier konnte ein Programm namens Climate and Energy Project in den sechs Gemeinden, die an einem Feldversuch teilnahmen, den Energiekonsum um fünf Prozent reduzieren. Und das, obwohl das Thema Klimawandel dabei gar nicht wirklich zur Sprache kam:

Elliot Lahn, a community development planner for Merriam, a city that reduced its energy use by 5 percent, said that when public meetings were held on the six-town competition to save energy, some residents offered their view that global warming was a hoax. But they were very eager to hear about saving money, Mr. Lahn said. “That’s what really motivated them.”

Denn allein schon aus finanziellen Gründen ist es sinnvoll, sich über den Energieverbrauch Gedanken zu machen: Deutsche Haushalte geben im Schnitt 7,5 Prozent ihres verfügbaren Einkommes für Energie (vor allem Heizen und Benzin fürs Auto) aus; im Jahr 2008 addierte sich dies auf 106 Milliarden Euro. Wenn wir dem Vorbild Kansas nacheifern würden, dann könnte das alleine schon helfen, mehr als fünf Milliarden Euro pro Jahr zu sparen. Aber die Rechnung kann man ja noch fortsetzen: Weniger Brennstoffe bedeutet auch, weniger Abgase. Und auch wenn über die Klimadebatte der reine Umweltschutz ins Hintertreffen geraten ist, bleibt er doch ein reales Problem. Was aus den Schloten und Auspuffrohren gepustet wird, ist nun mal alles andere als frische Landluft.

Okay, ich kenne Leute, die sich die Luft in Tiefgaragen am liebsten auf Flaschen ziehen würden und bei Straßenbelagsarbeiten besonders tief einatmen. Aber selbst die sollten sich, swenn sie diesem Laster auch in ferner Zukunft noch frönen wollen, mal Gedanken machen, ob wir unseren Kraftstoffverbrauch ungehemmt fortsetzen können. Sicher, der Club of Rome hat seine Grenzen des Wachstums weiter nach hinten verschieben müssen – aber darauf, dass dem Wachstum, auch dem Wachstum des Energiekonsums, Grenzen gesetzt sind, kommt man eigentlich auch von selbst …

Was bei den konservativen Kansans am besten zog, war jedoch der Appell an ihren Patriotismus: Da Öl zu einem Großteil aus politisch wackeligen Regionen der Welt bezogen werden muss (und die Einnahmen daraus in jenen Regionen nicht immer zu Zwecken verwendet werden, die uns in unserer westlichen Welt gut schlafen lassen sollten), ist allein schon aus Gründen des Heimatschutzes ein sparsamer Umgang mit solche Ressourcen indiziert. Tja, und deswegen lassen sich erzkonservative Farmer überzeugen, Land für Windturbinen zu verpachten, und manchmal sogar beim Kerzenschein statt bei elektrischer Festbeleuchtung zu speisen.

Wenn Kansas das kann, dann sollten wir’s eigentlich auch können. Wenn schon nicht der Umwelt, dann unserem eigenen Geldbeutel zu liebe. Und um den scheinen sich die “Klimaskeptiker” ja immer ganz besonders zu sorgen.

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Kommentare (24)

  1. #1 Wb
    19. Oktober 2010

    Ihnen ist schon klar, dass der allgemeine Energieverbrauch – vielleicht werfen Sie auch mal einen Blick auf die Prognosen, die eine zwingend erscheinende weltweite Verdreifachung bis 2060 ankündigen – kein Problem ist, wenn zeitgleich dazu die Umweltbedingungen erhalten bzw. den menschlichen Ansprüchen entsprechend optimiert werden?

    Am weltweiten Energieverbrauch zu nagen, der ohnehin massiv ansteigen wird, ist eine Sisyphus-Arbeit, die zwar dem einen oder anderen medialen oder politischen Meinungsträger das übliche Input verschaffen wird, aber eben nicht in die Sache geht.

    Die Sache ist: Das Leben wird einen Weg finden. Zukünftige Probleme werden auf eine Art und Weise bearbeitet werden, die Ihren (vs Webbaers) Vorstellungen zurzeit nicht entsprechen können.

    Und das gilt ganz abseits der heutigen Klimaprognostik mit dem anthropogenen zusätzlich verursachten CO2-Ausstoß von -je nach Schätzungen: 1-4% p.a.-, wie der Dicke schon sagte: Man weiß nicht, was in 10 Jahren ist.

    Wenn sich da welche im “konservativen Kansans” einen bereiten, OK, zeitgleich wird Obama oder ein anderer die Erdölreserven bis zum Jahr 2200 oder noch weiter aufbohren lassen und nutzen.
    Vielleicht wird es einmal eine große Lösung geben. Diese wird aber weder bei Ihnen in der Redaktion noch auf des Webbaeren Schreibtisch entwickelt werden.
    Täuschen Sie hier bitte keine falschen Wirtschaftlichkeitsüberlegungen vor.

    HTH
    Wb

  2. #2 kommentarabo
    19. Oktober 2010

  3. #3 Wb
    19. Oktober 2010

    Sicher, der Club of Rome hat seine Grenzen des Wachstums weiter nach hinten verschieben müssen – aber darauf, dass dem Wachstum, auch dem Wachstum des Energiekonsums, Grenzen gesetzt sind, kommt man eigentlich auch von selbst …

    Der CoR ist ja darauf “von selbst” gekommen, schauen Sie sich das Desaster an.
    Es gibt zurzeit keinen Grund dementsprechende Überlegungen anzustellen, nur die Arroganz des Jetzigen erlaubt eine dementsprechende Einschätzung.
    Angeblich hat Bill Gates mal 512k RAM als ausreichend prognostiziert, später wurde es dann relativiert, aber es sind genau diese technophoben Überlegungen, die es nicht bringen können.

    Überhaupt eine Frechheit den CoR mit seinem Grenzen des Wachtstums auszupacken…
    😉

    MFG
    Wb (der sich bekanntlich nicht aufregen soll)

  4. #4 Ireneusz Cwirko
    19. Oktober 2010

    @ Jürgen Schönstein “Deutsche Haushalte geben im Schnitt 7,5 Prozent ihres verfügbaren Einkommes für Energie (vor allem Heizen und Benzin fürs Auto) aus; im Jahr 2008 addierte sich dies auf 106 Milliarden Euro.”

    Dank Ihrer Bemühungen und Ihren Gleichen und der ganzen Klimaabzoke belaufen sie sich Heuer auf 200 Milliarden Euro davon kassiert Fiskus die eine Hälfte und die Ölkonzerne die andere. Wieviel haben die Unwissenschaftler bekommen? Was nur diese lächerliche Summe !!!!. Ihr lässt euch wirklich über Tisch ziehen.
    Wie wird es mit prozentuellem Anteil?

  5. #5 Jürgen Schönstein
    19. Oktober 2010

    @ Wb (der sich bekanntlich nicht aufregen soll)
    Meinetwegen können Sie sich aufregen, so viel Sie wollen. Aber auch das ist eine Form der Energieverschwendung.

    @Ireneusz Cwirko
    Wie fühlt man sich eigentlich da draußen, weit jenseits von Kansas?

  6. #6 Wb
    19. Oktober 2010

    Energie wird natürlich ganz primär opportun escheinenden Beobachtungen folgend bei den von Schönstein und anderen weichgekochten Bürgern teuer. Das muss angemerkt werden – in anderen (auch europäischen) Ländern ist die Energie weiterhin vergleichsweise billig zu haben. Ob in ölfördernden arabischen Staaten das Benzin weiterhin 1-2 Cent pro Liter kostet, kann der Webbaer jetzt auf die Schnelle nicht bestätigen, aber natürlich hat es seinen Grund, wenn bspw. Schröder und Fischer, Clement und Müller dort landen, wo geschöpft wird.

    Es könnte durchaus die Interessen des deutschen Staates direkt berührende Ursachen haben, wenn die o.g. Kräfte bei den Produzenten landen.

    MFG
    Wb

  7. #7 Jürgen Schönstein
    19. Oktober 2010

    Soso, der Klimaschutz ist’s also, der die Energiekosten in die Höhe treibt. Die Gier nach Rekordprofiten bei den Erzeugern ist da gewiss nur eine zu vernachlässigende Größe. Muss ganz schön spannend sein, in so einer Welt zu leben …

  8. #8 Pan Narrans
    19. Oktober 2010

    Bei Astrodictum wird ja gerade über die Frage diskutiert, ob wir alle von einem anderen Planeten stammen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich von diesem Planeten bin. Wenn ich aber hier die Kommentare lese, scheint das nicht auf alle zuzutreffen….

  9. #9 Wb
    20. Oktober 2010

    @JS
    Es ist natürlich ein Zusammenwirken der Kräfte, die die Energiepreise in die Höhe schießen lassen.

    Man muss wirklich nicht allzu schlau sein um zu erkennen, dass sauteuere Energiesparmaßnahmen in D [1] bei einer absehbaren Verdreifachung des weltweiten Energieverbrauchs bis 2060 wirkungslos sein müssen.

    Es geht hier hintergründig ganz klar ums Geschäft und den Glauben an das Energiesparen. Der Deutsche ist halt dementsprechend weichgekocht von Leuten wie Ihnen: Müllsortieren (auch wenn die Effizienz der Entsorgungsanlagen sich verdoppelt bis verdreifacht hat), Dosenpfand (man bringt jemandem etwas – zum Wegwerfen, eine postreligiöse Übung) und “Energiesparen”

    Wäre das nicht mal ein Thema für Sie?

    MFG
    Wb

    [1] Schauen Sie mal auf die historische Entwicklung des Energieverbrauchs in D. Sinken tut der ja auch nicht signifikant – trotz all der Maßnahmen.

  10. #10 jitpleecheep
    20. Oktober 2010

    @Jürgen Schönstein:
    “Sicher, der Club of Rome hat seine Grenzen des Wachstums weiter nach hinten verschieben müssen […]”

    Hat er das?

    http://www.csiro.au/files/files/plje.pdf
    Seite 14: “Several of the original LtG authors published two revisions. […] They determined that the three overriding conclusions from the original work were still valid, and needed to be strenghtened.”

    http://www.greatchange.org/ov-simmons,club_of_rome_revisted.pdf
    Seite 72: “In hindsight, The Club of Rome turned out to be right. We simply wasted 30 important years by ignoring this work.”

  11. #11 Steffen Hentrich
    20. Oktober 2010

    @jitpleecheep:

    Matthew Simmons ist gerade wieder drauf und dran seine auf den LtG-Thesen basierende Wette über die Entwicklung der Ölpreise gegen John Tierney zu verlieren, weil er die Anreizeffekte der Knappheit von Rohstoffen nicht begreifen wollte. Leider wird er seine Schlappe im nächsten Jahr nicht mehr erleben können, da er im August dieses Jahres bedauerlicherweise verstorben ist.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Simmons%E2%80%93Tierney_bet

  12. #12 Hanno
    20. Oktober 2010

    @Steffen Hentrich:
    Matthew Simmons hat die Wirtschaftskrise 2005 nicht vorhersagen können – so wie fast alle Ökonomen. Das ihm anzukreiden ist ein bißchen billig. Vor der Wirtschaftskrise lag der Ölpreis bei 145 $, es ist mehr als plausibel anzunehmen, dass er auf 200 $ gestiegen wäre.

    Die Welt hat mit Matthew Simmons einen wichtigen Mahner verloren, auch wenn er teileweise krude Thesen vertreten hat.

  13. #13 Wb
    20. Oktober 2010

    Das Zusammenbrechen der amerikanischen Hypothekenpolitik, also -grob formuliert- “Geld hammse nicht, Eigenkapital, who cares, hier ist ihr Geld, wir hamja die Immobilie als Sicherheit”, die auf einer Erweiterung des von Carter angestoßenen sogenannten Community Reinvestment Acts basierte, den Bill Clinton dann im oben skizzierten Sinne fett gemacht hat, Herr Schönstein, der vor Ort ist, wirds bestätigen können, wurde bereits einige Zeit vor dem dann tatsächlich stattfindenden Zusammenbruch bzw. Platzen der Blase prognostiziert.

    Was auch nicht so schwer war, angeblich hat George W. Bush versucht die o.g. sozialstaatliche Maßnahme zu stoppen, aber das System lief eben und die Widerstände waren groß. Kaputt ging das Schneeballsystem mit den staatlich gesponserten Hypothekenkrediten dann als die Hypothekenpreise aufhörten zu steigen und fielen.

    Dann wurden viele Kredite notleidend und da das Gegensteuern vieler Banken (Freddie Mac & Fannie Mae – hübsche Namen btw) in der Expansion bestand, auch viele ausländische Banken involviert wurden, das Geschäft schien ja zu laufen, selbst in D war es möglich bei amer. Banken ohne Eigenkapital mit dem Hausbau/kauf loszulegen, hatte man irgendwann den Salat.

    Lustig hier u.a., dass staatliche Banken in D voll erwischt worden sind, die Deutsche Bank dagegen gar nicht. Zudem konnten sich viele nicht vorstellen, dass diese Blase noch so viel mehr platzen lassen konnte als das amer. Geschäft. Hier mangelte es einigen an Phantasie. Kritiker gab es aber immer in den Staaten, Herr Schönstein kann das vermutlich bestätigen.

    MFG
    Wb

  14. #14 Sven Türpe
    20. Oktober 2010

    Wenn schon dekadente Rituale mit religiösem Hintergrund, dann aber richtig! Energie spart sowieso jeder im wirtschaftlich vernünftigen Rahmen, damit ist kein Distinktionsgewinn verbunden. Ich spare deshalb lieber Wasser.

  15. #15 jitpleecheep
    20. Oktober 2010

    @Steffen Hentrich: Was hat die Tatsache, dass jemand die Zukunft falsch voraussagt, mit seinen retrospektiven Aussagen über einen (damals) 30 Jahre alten Report zu tun?

  16. #16 Maulwurf
    20. Oktober 2010

    Wenn man Energie sparen möchte um die Umwelt zu schonen kann man nichts dümmeres machen als bei Kerzenschein zu speisen.
    1) schlechte Lichtausbeute
    2) viele Schadstoffe während der Verbrennung
    3) viele Schadstoffe für die Herstellung Transport etc.
    Wenn alle Ideen dort so gut sind ….
    Trotzdem finde ich es gut das versucht wird Energie zu sparen (Öl ist zu wertvoll um es einfach zu verbrennen). Wenn ich aber hier in Neuengland den Stromverbrauch diesen Sommer aufrund der hohen Temperaturen so anschaue dann weis ich nicht ob im nahezu unbesiedelten Kansas die paar Windkraftanlagen soviel bringen werden. Bedenke ich dann weiterhin das z.B. am MIT die Klimaanlagen nicht pro Raum sondern nur pro Gebäude geregelt werden können, mein Labor auf der Nordseite liegt und ich diesen Sommer häufig gerne einen Puli anzog, dann…..
    Auch muss die Frage erlaubt sein, ob durch regenerative Energieerzeugung wirklich weniger fossile Energie verbraucht wird. Denn nur weil z.B. Strom mittels Windkraftanlagen erzeugt wird heist das noch lange nicht, das weniger Öl verbrannt wird. Zudem muss beachtete werden wieviel Energie man importiert. Virtuelles Wasser gibt es ja, doch gibt es auch die virtuelle Energie (z.B. von Alu)?
    Besonders Interssantn fand ich ein Kommentar auf den Greenpeace-Blog der folgenden Artikel zitierte
    Badische Neueste Nachrichten 08.10.2010
    Energieziele verfehlt
    Die selbst ernannte Umwelthauptstadt Freiburg, die sich weltweit an “Green City” vermarktet, ist gar nicht so grün, wie sie selbst gern sein möchte. Beim Stromverbrauch und dem Ausbau der erneuerbaren Energien blieb sie hinter den gesteckten Zielen zurück….
    Basis war ein Konzept des renomierten Freiburger Öko-Instituts. Freiburg wollte zehn Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnen und den Stromverbrauch ebenfalls um zehn Prozent (Anm.: Von 1992-2010) senken. Statt zehn werden es nur 3,7 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt; und der Verbrauch ist nicht gesunken, sondern um drei Prozent gestiegen.

    Alle Fragen die diese Fragestellung betreffen wurden mW noch nie beantwortet

    Auch möchte ich nicht Falschverstanden werden. Ich bin pro “vernünftige” regenerative Energieerzeugung, doch habe ich häufig den Eindruck das so Dinge wie Mülltrennung, Solarstrom, Pfanddosen, Bio-Nahrung eine moderen Art des Ablasshandels ist. Denn eine richtige Untersuchung bzgl. Nutzen blieb für all die Dinge bisher aus. Grün denkt nur ….. und dies halte ich für gefährlich.

  17. #17 Sven Türpe
    21. Oktober 2010

    Ich bin pro “vernünftige” regenerative Energieerzeugung, doch habe ich häufig den Eindruck das so Dinge wie Mülltrennung, Solarstrom, Pfanddosen, Bio-Nahrung eine moderen Art des Ablasshandels ist.

    Vor allem sind es plakative “Lösungen”, die auf plausibel wirkenden, aber falschen Wenn-dann-Modellen beruhen: “Wenn ich kein Essen wegwerfe, müssen die Kinder in der Dritten Welt weniger hungern.” Plausibel ist das, weil es in vielen Kontexten des Alltags tatsächlich so funktionieren könnte. Im Weltmaßstab tut es das aber nicht, denn das zugrundeliegende Problem ist auch gar nicht die Verteilung einer knappen Ressource.

    Die Plausibilität macht ein gutes Gefühl, während die reale Wirkung entweder nicht eintritt oder sogar negativ ist. Wer etwa auf Vermögensunterschiede mit der alten Robin-Hood-Nummer reagiert und die Vermögenden ausplündert, um die weniger Vermögenden zu beschenken, der kann damit eine ganze Volkswirtschaft ruinieren. Ein Dosenpfand wird sicher keine so extremen Folgen haben, aber ein Keim des Unheils steckt auch darin. Nicht nur ist es heute billiger, Mehrwegflaschen wegzuwerfen. Es gibt inzwischen auch sparsame ältere Damen, die das ganz aus Versehen tun, weil sie im Wirrwarr der Pfandsymbole und Rücknahmeautomaten den Überblick verloren haben und der Fantaflasche ihren Wert nicht mehr ansehen.

  18. #18 Wb
    21. Oktober 2010

    Auch möchte ich nicht Falschverstanden werden. Ich bin pro “vernünftige” regenerative Energieerzeugung, doch habe ich häufig den Eindruck das so Dinge wie Mülltrennung, Solarstrom, Pfanddosen, Bio-Nahrung eine moderen Art des Ablasshandels ist. Denn eine richtige Untersuchung bzgl. Nutzen blieb für all die Dinge bisher aus. Grün denkt nur ….. und dies halte ich für gefährlich.

    Sprechen wirs mal deutlich aus: Energie zu sparen um Energie zu sparen ist höchst dumm!

    Es kann, wenn irgendwie gespart werden soll, nur um die Umwelt gehen oder um das Sparen aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, also immer um das Gemeinwohl.

    Eine zukunftssichere und sozusagen endgültige terrestrische Lösung kann (und wird vermutlich auch) ganz ohne Energiespargedanken auskommen. Energie ist genug da, vielleicht sollte man das mal den Leuten so mitteilen. Wer Energie sparen will, um Energie zu sparen und so einen Ablasshandel bedient, der nur den Handelnden nutzt, ist ein Esoteriker oder ist in deren Hände gefallen.

    MFG
    Wb

  19. #19 SingSing
    21. Oktober 2010

    Katastrophe. Das Schlechteste, was ich seit langem auf Scienceblogs gelesen habe. Für das “Wissenschaftsfeuilleton” lassen sich wenigstens noch mildernde Umstände annehmen.

    Herr Schönstein, was soll das?

    Nehmen wir – nur mal als Gedankenexperiment,bitte! – nehmen wir mal an, die Prognose einer durch menschliches Handeln verursachten weltweiten Erwärmung sei ein Irrtum. Nehmen wir mal an, unser Kohlendioxidausstoß im Allgmeinen und unser Verbrauch an fossilen Brennstoffen im Besonderen hätten keinerlei Auswirkung darauf, ob sich unsere Erdatmosphäre aufheizt. Das in etwa ist doch die Position der Anti-Klimaalarmisten

    Fängt schon schlimm an mit dem augenzwinkernden, rippenstoßenden “Wir sind hier unter uns”-Eingangssatz. Es folgt die bewusste Falschdarstellung der Position von Klima-Realisten wie Richard Lindzen. Haben Sie überhaupt keinen Funken Anstand im Leib, Schönstein?

    Dann — durchweg in Kindergartensprache (oder STERN-Magazinstil, ist ja gleich) geschrieben — die lange Leier von Erfolgsmeldungen, wie sich das gute Gewissen durch irgendwelche Alibi-Maßnahmen steigern lässt. Die paar Prozent Einsparung durch Energiesparlampen etc. (wogegen nichts einzuwenden ist) werden ohnehin gleich wieder kompensiert dadurch, dass das freigewordene Geld für etwas anderes ausgegeben wird, was in der Regel wohl nicht zum Null-Joule-Tarif zu haben sein wird, wie Wirtschaftswissenschaftler längst nachgewiesen haben.

    Diese Kinkerlitzchen verblassen neben den Billionen Euro, die zur Umsetzung der Nullemission-Vorgabe der Bundesregierung bis zum Jahr 2050 verbraten werden sollen. Nein, Herr Schönstein, das sind keine amerikanischen “billions”, sondern Tausende Milliarden. Quelle.

    Wie soll das funktionieren? Wer soll das bezahlen? Wie soll sich das rechnen? Hier, auf diesem Größenmaßstab, spielt sich das Drama ab, das durch die Hysterie über eine angebliche katastrophale menschengemachte Erderwärmung losgetreten wurde — zu deren Vorkämpfern offensichtlich auch Herr Schönstein zählt.

  20. #20 Wb
    21. Oktober 2010

    Was im Artikel auch übel aufstieß war die im Artikel durchgehende Verknüpfung des Energiesparens mit der angestrebten Reduzierung des CO2-Ausstoßes.
    Das eine hat mit dem anderen nur indirekt zu tun.

    Aber wer daran glaubt, dass D in 90 Jahren eine Wüste ist, siehe den Folgeblogartikel Herr Schönsteins, eine Schlussfolgerung, die dezent formuliert auf einem Missverstehen der Studie [1] beruhen muss, der kriegts auch bei dem Thema “Energiesparen” nicht gebacken, loge.

    MFG
    Wb

    [1] diese leider leider im Web nicht verfügbar

  21. #21 SingSing
    21. Oktober 2010

    Und noch was. Edward Teller kann sich nicht mehr dagegen wehren, postum christlich eingemeindet zu werden. Eine Frechheit ist es dennoch.

  22. #22 Karl Mistelberger
    21. Oktober 2010

    Der SPIEGEL ist ja berühmt für seinen Montagsmorgenkäse. Manchmal gibt es eine Ausnahme und einer der Schreiber kommt auch einmal zur Sache: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,718467,00.html

    Der durchschnittliche Deutsche (vom Säugling bis zum Greis) braucht 6000 Watt Energie, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr. Der US-Amerikaner macht es nicht unter 10000 Watt, die Leute aus Kansas machen da keine Ausnahme.

    Die Chinesen und Inder auf der anderen Seite des Erdballs wollen im Grunde genommen auch nur Amerikaner werden. Da habe ich meine Zweifel, ob ihr Sohn bei anhaltendem Trend tatsächlich 90 Jahre alt werden wird. Mit der besseren medizinischen Versorgung, bei bester Gesundheit dürfte es wahrscheinlich nicht so gut aussehen.

  23. #23 frisöse
    21. Oktober 2010

    @Hanno

    “Vor der Wirtschaftskrise lag der Ölpreis bei 145 $, es ist mehr als plausibel anzunehmen, dass er auf 200 $ gestiegen wäre.”

    Der Barrelpreis stieg zwischen Mitte 2007 und Sommer 2008 von rund 60$ auf 147$,
    während das weltweit Angebot an Öl stieg und die Nachfrage sank. Grund waren
    Spekulationen, ein Barrel wurde in dieser Zeit vor der endgültigen Lieferung im Schnitt 27 mal gehandelt.

  24. #24 Ireneusz Cwirko
    22. Oktober 2010

    @Jürgen Schönstein: “Wie fühlt man sich eigentlich da draußen, weit jenseits von Kansas?”

    Und wie mitten in Texas?