Wo ist der wilde Affe, der mich eben gebissen hat? Hab’ ich denn aus vergangenen Kommentarschlachten nichts dazu gelernt? Um ehrlich zu sein: nö. Und wenn in der aktuellen Ausgabe von Rheumatology ein Artikel erscheint, der den sehr ausführlichen Titel trägt Homeopathy has clinical benefits in rheumatoid arthritis patients that are attributable to the consultation process but not the homeopathic remedy: a randomized controlled clinical trial , dann muss ich dazu einfach ein paar Worte verlieren. Obwohl der Titel des Beitrags eigentlich schon alles sagt: Homöopathie wirkt zwar nicht, aber durch die Tatsache, dass den Patienten – die sowieso schon eine konventionelle Arthritis-Therapie erhalten – jemand (in diesem Fall der Homöopath) zuhört, verbessert sich deren Zustand. Trotzdem würde ich alle Hüte, die ich besitze, darauf verwetten (kein großer Einsatz, zugegeben – es sind nur zwei Baseballkappen), dass just dieses Paper schnell zum Kanon der Homöopathie-Rechtfertiger zählen wird – es ist peer-reviewed, doppelt verblindet, in einem angesehenen Fachjournal, kurz: alles, was bisherigen H-Papern immer fehlte.

Obwohl man sich schon sehr anstrenegen muss, den Beitrag in diesem Sinn auszuschlachten. Denn begleitend zu diesem Artikel, für den Sarah Brien von der Complementary & Integrated Medicine Research Unit der University of Southampton verantwortlich zeichnet, ist in Rheumatology auch ein Artikel von Edzard Ernst erschienen, der noch einmal klar betont, dass die Erkenntnisse der Southampton-Studie nicht – wie man aus dem Paper selbst heraus lesen könnte – irgend etwas Spezifisches zur “Behandlung” mit homöopathischen Mitteln und Methoden gefunden hat, sondern letztlich nur den Nutzen eines einfühlsamen Umgangs mit Patienten betont:

I therefore suggest that we avoid unnecessary complications and take the results of Brien et al. at face value. Homeopathic remedies are ineffective and empathetic therapeutic encounters are helpful. So, we should discard the ineffective and adopt the helpful.

Die Hervorhebung ist von mir, aber mehr muss man dieser Aussage eigentlich gar nicht hinzu fügen – klarer geht’s nicht mehr.

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Kommentare

  1. #1 Jörg Friedrich
    15. November 2010

    Ihnen wird man es nachsehen, aber wenn ein wissenschaft-kritisierender Philosoph diesen Artikel geschrieben hätte, dann hätte er sich erst mal den Unterschied zwischen Wirkung und Wirksamkeit erklären lassen müssen. Schreiben Sie lieber “…aber sie ist nicht wirksam”

    Im Ernst: Die Frage ist, ob Sie Homöopathie als “Mittel, das in Fläschchen abgegeben wird” oder als Heilverfahren ansehen. Wenn Sie letzteres tun, werden Sie sich entscheiden müssen, ob Sie der Studie glauben oder Ihre Überschrift aufrecht erhalten. Die zitierte Studie argumentiert ja dafür, dass das gesamtverfahren durchaus wirksam ist.

  2. #2 BreitSide
    15. November 2010

    Die zitierte Studie argumentiert ja dafür, dass das gesamtverfahren durchaus wirksam ist.

    Richtig. Und das nennt man dann Placebo.

  3. #3 Jürgen Schönstein
    15. November 2010

    @Jörg Friedrich

    wenn ein wissenschaft-kritisierender Philosoph diesen Artikel geschrieben hätte

    Dann wäre sicher etwas anderes dabei herausgekommen …

    dann hätte er sich erst mal den Unterschied zwischen Wirkung und Wirksamkeit erklären lassen müssen

    Nun, hier habe ich mich darauf verlassen, was ich bisher über den Unterschied zwischen “Wirkung” (= pharmakologische Eigenschaft einer Substanz) und “Wirksamkeit” wusste. Und genau den Unterschied wollte ich in meiner Überschrift ausdrücken: Man kann durch homöopatische “Behandlung” zwar etwas bewirken, aber das liegt nicht an der Wirkung der Homöopathie.

    Und genau darin liegt der Irrtum, wenn Sie schreiben: “Die zitierte Studie argumentiert ja dafür, dass das gesamtverfahren durchaus wirksam ist.” Denn der Haken ist das Wörtchen “Gesamt-” – die von den Verfechtern der Hahnemann’schein Heilpraktiken beschworenen “Wirkweisen” der ins Übernichts verdünnten Substanzen sind doch der Kernansatz der Homöopathie; und deren “Wirkung” ist in der Studie ausdrücklich ausgeschlossen.

    Ich bin bestimmt kein Gegner von Placebos, und ich gestehe, dass sich in meinem Haushalt gleich mehrere Röllchen mit Zuckerkügelchen der Marke Boiron® finden – eben weil sie perfekte Placebos sind (enthalten weniger Zucker als ein TicTac®) und daher manchmal “helfen”. Aber das heißt eben nicht, dass “Homöopathie” wirksam ist. Zuwendung ist wirksam. Und die steckt nicht in den Zuckerkügelchen und ist auch nicht durch Verdünnung potenzierbar.

  4. #4 Henning
    16. November 2010

    @Jörg Friedrich
    Haben Sie auch bemerkt, dass im Beitrag von Hr. Schönstein der Hinweis steht, dass es um Patienten geht, die “sowieso schon eine konventionelle Arthritis-Therapie erhalten”?

    So etwas wird ja dann von den H. Befürwortern immer gerne ignoriert.
    Es geht hier tatsächlich um die Zuwendung zum Patienten, die m. E. im Rahmen der EBM noch viel mehr Wirkpotezial hat, da niemand belogen werden muss.

  5. #5 Andrea N.D.
    16. November 2010

    @Jürgen:
    “Man kann durch homöopatische “Behandlung” zwar etwas bewirken, aber das liegt nicht an der Wirkung der Homöopathie.”
    noch klarer: Das liegt nicht an der Wirkung der homöopathischen “Substanz”.

    Die gemeinsame Menge, in der sich homoöpathische Substanz und Medikament befinden, liegt in der Tatsache, dass sie eingenommen werden und auf diese Weise “wirken” soll. Nachranging gibt es dann noch Beurteilungskriterien, wie individuelle Einstellung, ev. Berührung oder Zeit/Zuwendung. Wesentlich beim Vergleich ist “Schlucken”. Und da hat die Homöopathie nun einmal nichts zu bieten. Deshalb halte ich genau diese von Dir herausgestellte Unterscheidung für sehr wichtig. Schließlich könnte mensch doch endlich daraus lernen und auch die Ärzteschaft dazu bewegen, mehr zuzuhören. Das hätte einen sicherlich größeren Effekt als mit viel Gedönse wirkungslose Kügelchen herzustellen und diese dann noch die Krankenkassen zahlen zu lassen. Entsprechend müsste dann auch die ärztliche “Zuwendung” höher bezahlt werden.

    Aus der Praxis habe ich gelernt: Der Glaube des Menschen ist ihr Himmelreich. Manchmal muss etwas erst bis zum Ende durchgefochten werden (H. muss sich als vollwertige Alternative durchsetzen), bis dann mit Kater die Scherben wieder eingesammelt werden können und auch der letzte Gläubige einsieht, dass er sich auf einem Irrweg befand. Dazu noch eine zwischenzeitlich störische Ärzteschaft, die Zuwendung nicht bezahlt bekommt, aber an den H.-Mittelchen munter verdient (sind ja auch nur Menschen). Insofern bin ich skeptisch, dass hier mit Aufklärung etwas “bewirkt” werden kann. Wenn das Gesundheitssystem unbezahlbar geworden ist, dann werden sich viele darauf besinnen müssen, dass das individuelle Gepamper auch zu dessen Ruinierung beigetragen haben wird und ich wage jetzt einmal die Behauptung, dass die meisten “Krankheiten”, die heute mit Kügelchen therapiert werden, dann verschwunden sein werden.

  6. #6 miesepeter3
    16. November 2010

    Homöopathie hilft – aber sie wirkt nicht…..

    Sehr hübsche Haarspalterei. Glaubt tatsächlich irgendjemand, dass dieser feine Unterschied auch nur einen einzigen verzweifelten Kranken interessiert?

  7. #7 pogobi
    16. November 2010

    @miesepeter:

    Wenn man das ganze auch ohne Homöopathie machen könnte, sondern wie gefordert diese menschliche Komponente übernimmt: ja.

    Davon abgesehen: Wer krank ist und sonst keine Behandlung bekommt, der hat von dieser Zuwendung nicht sehr viel, in der Studie ging es ja um eine Ergänzung.
    Ein “verzweifelter Kranker” sollte bitte bitte nicht nur Homöopathie machen! Darum ging es in diesem Artikel ja!

  8. #8 wolfgang
    16. November 2010

    Warum schafft man eigentlich nicht Strukturen, in denen wie hier ein geschulter Therapeut der rheumatischen Arthritis seine evidence based medicine anbietet und dann auch noch ein langes therapeutisches Gespräch anbietet ?

    So hat man eine EBM Therapie statt des Homöopathen könnte man einer Gruppe ja auch Schamanen anbieten, die ums Feuer herumtanzen und beschwörend rheumatisch verformte Hühnerknochen ins Feuer werfen.

  9. #9 miesepeter3
    16. November 2010

    @pogobi

    ein “verzweifelter Kranker” hat laut Statistik erfolglose sieben Jahre Normalmedizin bei fünf verschiedenen Ärzten hinter sich, bevor er sich an die Alternativmedizin wendet. Ergeht da auch nicht hin, weil er weiß, dass ihm dort geholfen wird, sondern weil er nicht weiß, wo er sonst noch Hilfe suchen sollte. Von den Nutzern, die mal eben drei Globuli wegen Erkältung einwerfen, wollen wir mal nicht reden.
    Diese Kranken würden nicht der Ärzteschaft den Rücken kehren, wenn diese in der Lage wären, ihnen irgendwie zu helfen. Ob das dann Placeboeffekt oder Selbstheilungskraft genannt wird, ist den Kranken egal. Tja, und wenn es den “normalen” Ärzten nicht gelingt, den Placeboeffekt auszulösen, fehlt irgendwas in ihrer Ausbildung und sie können da schon mal gegen Geistheiler, Homöopaten und Esoschwurbler ins Hintertreffen geraten.
    Hier haben wir nun mal eine der wenigen Studien, die ehrlich sagen, wir haben irgendeinen Effekt festgestellt, konnten aber nicht herausbekommen, woher der kommt und nennen das mal “Einfühlungsvermögen”.
    Immerhin ein Anfang.

  10. #10 pogobi
    16. November 2010

    Ngh. Soll ich die Kommentarschlacht eröffnen?

    “Hier haben wir nun mal eine der wenigen Studien, die ehrlich sagen, wir haben irgendeinen Effekt festgestellt, konnten aber nicht herausbekommen, woher der kommt und nennen das mal “Einfühlungsvermögen”.”

    Wirklich? Eigentlich haben sie festgestellt, dass ein zuhöhrender Arzt bei zeitgleicher schulmedizinischer Behandlung noch für eine Verbesserung sorgt. Mehr nicht. Alles andere wäre eine grobe Missinterpretierung, vor der Jürgen Schönstein gerade gewarnt hat.

    “Homeopathic remedies are ineffective and empathetic therapeutic encounters are helpful. So, we should discard the ineffective and adopt the helpful.”

    “Tja, und wenn es den “normalen” Ärzten nicht gelingt, den Placeboeffekt auszulösen, fehlt irgendwas in ihrer Ausbildung und sie können da schon mal gegen Geistheiler, Homöopaten und Esoschwurbler ins Hintertreffen geraten.”

    So, woher kommt der fehlende Placeboeffekt bei Ärzten?
    - Überforderung der Ärzte – zuviele Patienten: bei meinem Neurologen muss man 4 Wochen für einen Termin warten – wie soll der sich dann noch eine Stunde Zeit nehmen? Ist das die Schuld der Ärzte?
    - Fehlende Ausbildung der Ärzte bezüglich persönlicher Betreuung
    - Misstrauen der Patienten vor “Quacksalbern”, die einem das Geld aus der Tasche ziehen, was in den Medien und von Esos gerne breitgetreten wird – wer nicht zum Arzt gehen will, bekommt auch keinen Placeboeffekt, eher einen Noceboeffekt. Ironischerweise sind ja die Heilpraktiker die echten Quacksalber :/
    - Misstrauen vor der Pharmaindustrie, der “chemischen Keule” (Ich sage nur “Chemotherapie bringt dich um”), Homöopathie ist “natürlich”….alles geschürte Ängste, von denen es sich gut leben lässt.

    Das alles habe ich leider bereits selbst erlebt. Dabei spielt die Bildung auch keine Rolle, Akademiker sind teilweise (solange sie nicht naturwissenschaftlich sind) fast schwerer betroffen.

    Bevor es aber ausartet, bin ich sicherheitshalber wieder weg. Musste nurmal gesagt werden.

  11. #11 miesepeter3
    16. November 2010

    @pogobi

    “Ngh. Soll ich die Kommentarschlacht eröffnen?”

    Uiiiih, ich liiiiebe Kommentarschlachten, aber ich glaube, in diesem Falle können wir das wohl ein wenig abkürzen. Im Prinzip hast Du ja recht. Aber in den Einzelheiten……. Mannomann, sowas von daneben.
    Das ewig gleiche Geheule über die ach so überbelasteten Ärzte, die ja schon wollten, aber aus Zeitmangel leider nicht den Placeboeffekt optimieren können. Mir kommen immer wieder die Tränen, so überzeugend wird das jedesmal vorgetragen. Was ist mit den Privatpatienten? Da nimmt man sich Zeit genug, wird ja auch `n bißchen besser bezahlt. Aber von vorsätzliche Auslösung des Placeboeffektes…… keine Spur. Ist wohl doch eher ein Ausbildungsmangel. Oder falscher Stolz? So nach dem Motto, ich bin hier doch nicht der Pausenclown? Vornehmer ausgedrückt : Berührungsängste??
    Soll jeder halten, wie er will und kann. Sich aber dann laut beschweren über die, die sich das trauen (und auch können), ist in meinen Augen Heuchelei pur.

  12. #12 armin
    16. November 2010

    Habe ich in der Nähe von Schopfheim fotografiert:

    http://yfrog.com/48weizenj

  13. #13 Ireneusz Cwirko
    16. November 2010

    „Man kann durch homöopatische “Behandlung” zwar etwas bewirken, aber das liegt nicht an der Wirkung der Homöopathie.“

    Es gabs schon hier ein Beitrag über ein sehr spanendes Thema

    http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2010/02/besser-essen-in-hohen-breiten.php

    der meiner Meinung nach ein Schlüssel zu dem Verständnis der homöopathischen Behandlungsmethoden darstellt.
    Ich bin zwar selbst skeptisch aber ich will nicht das Thema nur aus Ideologischen Gründen ablehnen.

    Mit dem Link ist ein zweites Phänomen verbunden und zwar die so genannte Inselverzwergung.
    Was kann die Ursache sein die solche Veränderungen bei der Organismen hervorbringen.
    Ich möchte euch vorschlagen sich ein Paar Gedanken über diese Phänomene zu machen.
    Was für die Insel charakteristisch ist, ist die Tatsache das die Wellen immer auf sie zulaufen. Je stärker die Wellengang desto stärker auch die Inselverzwergung.
    Die Insel scheinen also die Orte zu sein wo eine veränderte Eigenschaft der Natur eine deutlich stärkere Faltung der Proteine verursacht.
    Eine falsche Faltung der Proteine ist aber eine der Ursachen für viele Krankheiten.
    Eine Bewegung der Wasserteilchen durch die Wellen und die Art der Zubereitung der homöopathischen Präparaten ist aber fast identisch.
    Das bedeutet aber das die Wirkung wenig mit der Verdünnung zu tun hat sondern vielleicht nur mit der Art der Bewegung bei Zubereitung.

    Auf jeden Fall würde ich allen raten sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen,
    besonders dass die Behauptungen von Unwissenschaftler genauso esoterisch sind.

  14. #14 noch'n Flo
    16. November 2010

    @ miesepeter3:

    Viele seriöse Ärzte lehnen die bewusste Nutzung des Placebo-Effektes ab, weil es Betrug am Patienten ist.
    Und bitte keine Urteile über die Arbeitsbelastung der Ärzte, solange Du nicht selber einer bist und mindestens 5 Jahre Klinik hinter Dir hast.

    @ Ireneusz Cwirko:

    Ich kann Dir irgendwie nicht so ganz folgen – meinst Du mit Inselverzwergung Dein Gehirn?

  15. #15 noch'n Flo
    16. November 2010

    @ miesepeter3:

    ein “verzweifelter Kranker” hat laut Statistik erfolglose sieben Jahre Normalmedizin bei fünf verschiedenen Ärzten hinter sich, bevor er sich an die Alternativmedizin wendet. Ergeht da auch nicht hin, weil er weiß, dass ihm dort geholfen wird, sondern weil er nicht weiß, wo er sonst noch Hilfe suchen sollte. Von den Nutzern, die mal eben drei Globuli wegen Erkältung einwerfen, wollen wir mal nicht reden.
    Diese Kranken würden nicht der Ärzteschaft den Rücken kehren, wenn diese in der Lage wären, ihnen irgendwie zu helfen.

    Dann erklär doch erst einmal, welche Arten von Krankheiten diese “verzweifelten Kranken” eigentlich haben. Oft sind es ganz normale und weit verbreitete chronische Krankheiten, bei denen man zwar die Symptome recht gut lindern, die man jedoch nicht heilen kann (e.g. COPD, rheumatoide Arthritis, Hepatitis C etc.).
    Das sagen die Ärzte den Patienten auch meistens. Aber der Patient will das nicht wahrhaben – und zweifelt dann die Diagnose an. Er geht von Arzt zu Arzt, in der Hoffnung, dass eine andere Ursache für seine Beschwerden gefunden wird, damit er sich nicht der Tatsache stellen muss, chronisch krank zu sein und nie wieder ganz gesund zu werden (das nennt man “Verdrängung”). Manchmal schimpft er auch auf die Ärzte, die nicht das finden, was sie sollen, oder einfach unfähig sind, weil alle die falsche Diagnose stellen.
    Schliesslich gerät er an einen alternativmedizinischen Scharlatan, der ihn in seiner sowieso schon feststehenden Meinung, dass alle Schulmediziner Stümper seien, bestätigt, und ihm mitteilt, seine ganzen Beschwerden seien nur ein Ungleichgewicht der Säfte (oder so etwas ähnliches), er müsse nur täglich 20 Glaubuli nehmen und bei Vollmond 5x nackt um eine Birke herumtanzen und dabei “Oh la Paloma” rülpsen.
    Der Patient freut sich, denn es war ihm zuletzt schon arg schlecht gegangen – aber nicht wegen seiner Krankheit, sondern wegen dem Ärger über die Ärzte und dem Stress, den ihm das Doktor-Hopping bereitet hat. Er tut, was ihm der Wunderheiler geraten hat, und: oh Wunder – die Beschwerden werden besser. Weil er psychisch besser drauf ist (über psychosomatische Einflussgrössen beim körperlichen Wohlbefinden brauchen wir hier wohl nicht zu diskutieren), und weil die Krankheit sowieso gerade eine Pause macht.
    2 Wochen später stirbt er an akutem Multiorganversagen, weil er alle schulmedizinischen Medikamente schlagartig abgesetzt hatte.
    Aber immerhin – wie in Mel Brooks’ Dracula-Film: Tot, aber glücklich.

  16. #16 MoritzT
    16. November 2010

    @ miesepeter3: wo ist denn eigentlich diese Doktorhopping-Statistik her? Wurde die mal publiziert?

  17. #17 miesepeter3
    16. November 2010

    @noch`n Flo

    Ich fang mal mit dem Schluß an:

    “Aber immerhin – wie in Mel Brooks’ Dracula-Film: Tot, aber glücklich.”

    Das ist die typische, immer wiederkehrende “Drohung” nach dem Motto, wenn Du uns verläßt, stirbst Du!! Das wird sogar wider besseren Wissens behauptet. Dieses Verhalten wird mit Vorliebe den Esos vorgeworfen, aber auch gerne selbst benutzt.
    Tja, wer sind die Kranken? Meist chronisch Kranke, z.B. Gürtelrose, offene Beine, unspezifische Schmerzen im ganzen Körper, mal im Rücken, mal im Kopf und im Magen-Darmtrakt, also alles, was auch in der normalen Arztpraxis so anfällt.
    Vielfach wird der Kranke als Spinner bezeichnet, weil man keine Ursachen finden kann. Die Kranken leiden also zweierlei, unter den Symptomen und Schmerzen der Krankheit und der Mißachtung der Mediziner. Und wenn sie dann bei irgendeinem Alternativen waren und Besserung erfahren haben, von Heilung wollen wir mal gar nicht reden, dann hat seine Krankheit, die seit Jahren durchgearbeitet hat, mal eben “Pause gemacht”. Für wie blöde haltet Ihr eigentlich eure Mitmenschen? Die merken schon ob etwas nicht, teilweise oder lang anhaltend hilft. Und machmal hat eben nicht die Medizin geholfen, sondern irgendetwas anderes. Das mag hier vielen nicht passen, passiert aber andauernd. Und der Patient ist nicht sauer, weil der Arzt die Kranheit nicht besiegen kann, sondern weil er sie bei ihm nicht besiegen kann. Anderen wurde mit gleichem Leiden durchaus geholfen.. Wir brauchen uns nicht über die positive Wirkung von psychosomatischen Einflüssen unterhalten, aber auch nicht über die vielen Scharlatane, die es ausserhalb des Medizinbetriebes auch gibt. Das kann nicht Beurteilungsmaßstab für Nichtwirkung von alternativer Behandlung sein. Keiner wird der Medizin Wirkung absprechen, nur weil vielleicht so ein durchgeknallter Typ mit Doktortitel Azurblau als neustes Wundermittel bei Krebs anpreist.

  18. #18 Andrea N.D.
    16. November 2010

    Die Diskussion wäre relativ unnötig (sollen doch die Gläubigen ihre Gutgläubigkeit bezahlen), wenn nicht diese Missionierten immer wieder meinten, sie müssten andere überzeugen – u.a. die Krankenkassen. Bei dem Missionierungseifer mancher Leute bin ich auch nach wie vor überzeugt davon, dass uns die große Welle noch bevorsteht (die Ärzte richten sich dann einfach nach der Nachfrage; und ein bisschen quatschen und Kügelchen zusammenstellen ist auch nicht so anstrengend wie Nachtdienst schieben). Dann besitzen wir wenigstens valide Zahlen und können H., möglichst zusammen mit der Antroposophie (hoffentlich habe ich das jetzt richtig geschrieben) endgültig begraben. Vielleicht müssen nur auch einfach mehr Personen sich wirklich für H. entscheiden (und nicht nur, wenn es ein bisschen zwickt und zwackt), damit die drastischen Fälle steigen. Das überzeugt dann von ganz alleine.

    Warum hat eigentlich noch niemand den Gegenteileffekt untersucht? Vielleicht könnte man dafür auch Zuckerkügelchen entwickeln? Beispielsweise, heute bin ich gestolpert. Als ich das letzte Mal stolperte, bekam ich Schnupfen. Morgen werde ich Schnupfen haben. Gäbe es jetzt Kügelchen gegen das Stolpern, würde ich den Schnupfen auch gleich miterledigen.

  19. #19 wolfgang
    16. November 2010

    miesepeter schreibt

    ein “verzweifelter Kranker” hat laut Statistik erfolglose sieben Jahre Normalmedizin bei fünf verschiedenen Ärzten hinter sich, bevor er sich an die Alternativmedizin wendet.

    Tja, wer sind die Kranken? Meist chronisch Kranke, z.B. Gürtelrose,

    Sieben Jahre lang Gürtelrose? Sag mal gehts noch?

    offene Beine,

    Sieben Jahre offene Beine?

    unspezifische Schmerzen im ganzen Körper, mal im Rücken, mal im Kopf und im Magen-Darmtrakt, also alles, was auch in der normalen Arztpraxis so anfällt.

    Ja aber doch nicht sieben Jahre lang Kopfschmerzen?

    Vielfach wird der Kranke als Spinner bezeichnet, weil man keine Ursachen finden kann.

    also wer behauptet er hätte 7 Jahre lang ne Gürtelrose und man würde die Ursache nicht finden ist wirklich ein Spinner. Oder alternativ der Poster hat keine Ahnung

  20. #20 noch'n Flo
    16. November 2010

    @ miesepeter3:

    Also erst einmal: in meinem Schlusssatz war keierlei Drohung implementiert, wie kommst Du nur darauf? Und ich kenne auch keinen Arzt, der seinen Patienten jemals in der von Dir genannten Weise gedroht hätte. Aber: als Schulmediziner weiss man oft um die Notwendigkeit einer adäquaten Therapie und kennt die Gefahren einer pseudomedizinischen Behandlung, also wird eine kritische Warnung ja wohl erlaubt sein. Letztlich muss aber der Patient selbst entscheiden – und auch die Verantwortung für seine Entscheidung übernehmen.

    Bei Gürtelrose und offenen Beinen gibt es gute und wirksame schulmedizinische Behandlungen, wobei es bei letzterem vor allem darauf ankommt: was ist die Ursache für die offenen Beine. Liegt z.B. ein schwerer Diabetes zugrunde, so ist dieser sicherlich nicht heilbar und bei manchen Patienten auch nicht wirklich gut einstellbar, so dass es immer wieder zu Problemen kommen wird. Was aber auch manchmal daran liegt, dass die Patienten die Anweisungen des Arztes nicht einhalten (Diät, regelmässige Medikamenteneinnahme etc.)!

    Was die Schmerzen angeht: schon einmal etwas vom “chronischen Schmerzsyndrom” gehört? Das ist eine Erkrankung, bei der der Patient ständig bzw. oft Schmerzen hat, für die in den Untersuchungen (Röntgen, CT, Labor, Ultraschall etc.) keine eindeutige bzw. hinreichende Ursache gefunden werden kann. Diese Krankheiten fallen in den Bereich der Psychosomatik – weil meistens psychische Ursachen zugrunde liegen (z.B. Depressionen, Angst- oder Stresserkrankungen oder psychische Traumata). Die Zeiten, in denen diese Patienten als “Spinner” abgetan wurden, sind aber lange vorbei, weil man mittlerweile (dank ausführlicher Forschung in den letzten 30 Jahren) sehr genau um die Entstehungsmechanismen weiss.

    Oftmals gab es irgendwann einmal tatsächlich eine körperliche Ursache für die Schmerzen, aber weil der Patient sich nicht frühzeitig in Behandlung begeben hat bzw. die ärztlichen Anweisungen nicht einhielt, hat das Gehirn den Schmerz quasi “gelernt”. Das heisst, obwohl die Ursache für den Schmerz mittlerweile abgeheilt ist, meldet die für die entsprechende Körperregion zuständige Stelle im Gehirn immer noch permanent “Schmerz!”.

    In der Praxis läuft das dann meistens so ab: ein Patient geht zu seinem Hausarzt, weil er schon seit Monaten Schmerzen im rechten Bein hat. Der Hausarzt untersucht den Patienten gründlich und kann erst einmal nichts Auffälliges oder Richtungsweisendes finden. Also schickt er den Patienten zum Orthopäden, der untersucht noch etwas mehr, macht Röntgenbilder und stellt fest, dass er auch nichts finden kann. Der Hausarzt schickt den Patienten daraufhin zum Neurologen, der nach seinen Untersuchungen zur Sicherheit noch ein MRT der Lendenwirbelsäule machen lässt (könnte ja ein bisher unerkannter Bandscheibenvorfall sein), aber auch er findet nichts. Auch ein hinzugezogener Rheumatologe kann nichts Besonderes feststellen.
    Wieder beim Hausarzt, erklärt dieser dem Patienten, dass es sich wahrscheinlich um eines chronisches Schmerzsyndrom handelt, und will ihn zum Psychosomatiker oder Psychiater schicken. In diesem Augenblick sagt der Patient “Ich bin doch nicht verrückt, ich habe Schmerzen im Bein” und bricht die weitere Behandlung ab.
    So kurz vorm Ziel. Dem Patienten hätte wirklich geholfen werden können, durch Verhaltenstherapie und Antidepressiva (die bei chron. Schmerzen richtig gut wirksam sind).

    Ich habe jahrelang in einer psychosomatischen Reha-Klinik mit chronischen Schmerzpatienten gearbeitet. Viele von diesen kamen zu uns nach dem Grundsatz “Reha vor Rente”, d.h. sie hatten wegen ihrer Schmerzen einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsberentung gestellt, und der Rentenversicherer hatte ihnen aufgetragen, erst einmal eine spezialisierte Reha zu machen. Die Patienten waren dann auch oft entrüstet, in eine “Psychoklinik” zu müssen, und es dauerte oft lange, sie davon zu überzeugen, dass es einen Versuch wert sein könnte, sich auf unser Therapiekonzept einzulassen. Manche haben dies getan, andere haben sich weiter verweigert – sie wollten die Reha nur hinter sich bringen, um endlich ihre Rente zu bekommen. Dass bei solchen Patienten die Schuld nun wirklich nicht bei der Schulmedizin zu suchen ist, dürfte wohl unstrittig sein.

    Interessant waren die Behandlungserfolge.
    Bei den Patienten, die ohne laufendes oder bevorstehendes Rentenverfahren zu uns kamen, gaben in Nachbefragungen 1 Jahr nach dem Reha-Aufenthalt rund 30% an, ganz schmerzfrei zu sein, bei etwa 60% waren die Schmerzen immer noch besser als vor der Reha und lediglich 10% hatten keine Besserung oder gar eine Verschlechterung erlebt.
    Bei den Patienten, die nach dem Grundsatz “Reha vor Rente” bei uns gewesen waren, gaben in der Nachbefragung weniger als 5% an, ganz schmerzfrei zu sein, bei etwa 15% waren die Schmerzen immerhin gebessert, bei etwa 50% waren sie gleich geblieben und bei 30% waren die Schmerzen schlimmer geworden.
    Hierbei ist besonders interessant, dass bei denjenigen Patienten, denen inzwischen die EU-Rente gewährt wurde, der Anteil derer, deren Schmerzen zugenommen hatten, überproportional hoch war (fast 50%), während diejenigen, bei denen der Rentenantrag abgelehnt wurde, und die durch Wiedereingliederungsmassnahmen ins Berufsleben zurückgekehrt waren, fast komplett die Gruppe derer stellten, bei denen sich die Schmerzen gebessert hatten.

    Also: bevor Du wieder einmal auf die “inkompetenten Schulmediziner” schimpfst, die auch nach Jahren oft nichts finden, frag Dich doch einmal, ob es nicht vielleicht auch an den Patienten liegen könnte. Der Arzt ist immer nur so gut, wie der Patient bzw. dessen Bereitschaft zur Zusammenarbeit (man nennt das: Compliance).

    In diesem Sinne ist auch Deine Frage

    Für wie blöde haltet Ihr eigentlich eure Mitmenschen?

    beantwortet.

    Übrigens: der Deutsche geht ja auch sehr gerne zum Arzt – im Schnitt 18,1 Mal im Jahr. Damit sind die Deutschen “Weltmeister” im Arztbesuch. Viele sind oft ganz schön sauer, dass der Doktor sie wegen ihres Schnupfens nicht gleich einen Monat krank schreibt – dann gehen sie halt zu einem anderen Arzt und verursachen damit enorme Kosten im Gesundheitswesen. Und sie sind damit mitschuldig daran, dass die Ärzte in Deutschland heutzutage so wenig Zeit für den einzelnen Patienten haben. Leider haben die Kassenärztlichen Vereinigungen beschlossen, dass 5 Minuten Gespräch mit dem Patienten ausreichend sind, mehr wird nicht bezahlt. Aber bitte: wenn Du mir die vollen 2-3 Stunden aus eigener Tasche bezahlst, die Du sonst zum Homöopathen gehst (wo Du ja auch selber zahlen musst), kann ich Dir auch gerne so lange zuhören.

    Ganz anders in der Schweiz (wo ich seit 2.5 Jahren lebe): da werden bis zu 35 Minuten Gespräch von der Kasse vergütet. Wo in Deutschland die Ärzte 40 bis 60 Petienten pro Tag sehen, sind es in der Schweiz gerade einmal 25 bis 30. Aber der Schweizer geht auch nur 3.6 Mal im Jahr zum Arzt – damit sind die Schweizer das positive Schlusslicht in ganz Europa. Und der Krankenstand in der Schweiz ist nur halb so hoch, wie in Deutschland, die Chronifizierungsrate von Erkrankungen 40% niedriger und das Gesundheitswesen ist gesund, stabil und die Krankenkassenbeiträge niedriger als in Deutschland – obgleich man in der Schweiz (netto) fast das Doppelte verdient.
    Aber der Schweizer hat auch mehr Gemeinsinn – er will nicht auf Kosten der Gemeinschaft leben, seinen Teil beitragen und tut gerne alles, was der Arzt ihm sagt, um gesund zu werden.

  21. #21 noch'n Flo
    16. November 2010

    @ Andrea N.D.:

    Warum hat eigentlich noch niemand den Gegenteileffekt untersucht? Vielleicht könnte man dafür auch Zuckerkügelchen entwickeln? Beispielsweise, heute bin ich gestolpert. Als ich das letzte Mal stolperte, bekam ich Schnupfen. Morgen werde ich Schnupfen haben. Gäbe es jetzt Kügelchen gegen das Stolpern, würde ich den Schnupfen auch gleich miterledigen.

    Super! Bei der Studie bin ich sofort dabei! ;)

  22. #22 roel
    16. November 2010

    “Homöopathie wirkt zwar nicht, aber durch die Tatsache, dass den Patienten … jemand … zuhört, verbessert sich deren Zustand.” Hiermit ist alles gesagt. Und doch für einige nicht genug. Plötzlich wird daraus: “das nennt man dann Placebo”. Das zu einem “viele seriöse Ärzte lehnen die bewusste Nutzung des Placebo-Effektes ab” führt und schließlich in einem “Vielleicht müssen nur auch einfach mehr Personen sich wirklich für H. entscheiden (und nicht nur, wenn es ein bisschen zwickt und zwackt), damit die drastischen Fälle steigen” gipfelt.

    Die Meinungen, dass die Ärzte sich etwas mehr um ihre Patienten kümmern sollten und etwas mehr zuhören sollten, werden gerne ignoriert. Wo bliebe die Homöopathie, wenn die Ärzte zuhören würden?

  23. #23 Roland
    16. November 2010

    Ich glaube auch nicht das etwas, das man nicht nachweisen kann, irgendwie wirkt.
    Meine (zum Glück) Ex-Freundin hatte ein weisses Pferd, das seit mehr als 13 Jahren an Mauke litt. Megapickel an den Füssen.
    Kein Arzt konnte helfen. Ich habe gesehen wie dem Pferd das Blut die Beine runter lief.
    Irgendwoher bekam sie den Tip es mal mit Globulis zu probieren. Weiss nicht mehr was da drinn sein sollte. Ich weiss auch nicht ob das Pferd dieses Gespräch mitgehört hat ;-)

    Innerhalb von ca. 4 Wochen fielen die ganzen Krusten an den Beinen des Pferdes ab und sahen etwas später wieder normal aus. Ist auch nicht mehr wieder gekommen.

    Seltsam? Aber so ist es geschehen.

  24. #24 Lalipuna
    16. November 2010

    @noch’n flo
    willkommen im club der uuusländer ;)
    vielleicht sollte man aber – ehrlichkeitshalber – deinen sicherlich soweit richtigen ausführungen über das schweizer medizinsystem anfügen, dass die schweizer selber über steigende gesundheitskosten und steigende krankenkassenbeiträge stöhnen. und dazu überlegen, wie sie ärtzehopping noch weiter einschränken können (hausarzt-system, einschränkung der freien arztwahl, hmo praxen u.s.w.).

  25. #25 noch'n Flo
    16. November 2010

    @ roel:

    Die Meinungen, dass die Ärzte sich etwas mehr um ihre Patienten kümmern sollten und etwas mehr zuhören sollten, werden gerne ignoriert. Wo bliebe die Homöopathie, wenn die Ärzte zuhören würden?

    Dann sorge dafür, dass der Arzt für das Gespräch angemessen bezahlt wird bzw. dass sich mehr Ärzte niederlassen können (mehr Ärzte pro Patient = mehr Zeit für den einzelnen Patienten), dann ist das alles gar kein Problem.

    @ Roland:

    Wieder mal so ein Einzelfall. Zum x-tausendsten Mal: Anekdoten sind keine Basis für eine wissenschaftliche Diskussion.
    Mach die Behandlung mit 1000 Pferden. Wenn mind. 750 damit gesund werden und dieses Ergebnis jederzeit reproduzierbar ist, dann reden wir weiter.
    Übrigens: auch Tiere reagieren auf freundliche Zuwendung.

  26. #26 Andrea N.D.
    16. November 2010

    @roel:
    “Die Meinungen, dass die Ärzte sich etwas mehr um ihre Patienten kümmern sollten und etwas mehr zuhören sollten, werden gerne ignoriert. ”

    “Schließlich könnte mensch doch endlich daraus lernen und auch die Ärzteschaft dazu bewegen, mehr zuzuhören. Das hätte einen sicherlich größeren Effekt als mit viel Gedönse wirkungslose Kügelchen herzustellen und diese dann noch die Krankenkassen zahlen zu lassen. Entsprechend müsste dann auch die ärztliche “Zuwendung” höher bezahlt werden.”

    noch’n Floh hat’s ähnlich ausgedrückt. Ich weiß zwar nicht wer diejenigen hinter “werden gerne ignoriert” sind, aber im Kommentarbereich tummeln sie sich nicht. Wenn die H.-Anhänger ihre Energie in eine anständige Bezahlung der Anamnese einbringen würden anstatt sie in ihren Glauben zu verpulvern, wäre H. kein Thema mehr.

    @noch’n Floh:
    Frustierend für unser Gesundheitssystem. Jetzt wandern die Ärzte und Ärztinnen nicht mehr nur wegen schlechterer Bedingungen ab, sondern auch noch wegen der Patienten :-).

    @Roland:
    Der Klassiker. Letztens habe ich mir den Finger umgebogen UND eine Gastroenteritis bekommen. Was passiert nun wohl, wenn ich mir das nächste Mal den Finger umbiege?

  27. #27 noch'n Flo
    16. November 2010

    @ Lalipuna:

    Danke für die Ergänzung.

    Ich möchte dann aber auch noch hinzufügen, dass die Schweizer bei jedem Arztbesuch 10% selber zahlen müssen, ebenso von allen Medikamenten. Und jeder Versicherte hat pro Jahr einen gewissen Selbstbehalt, den er selber festlegt (zwischen 300 und 2.500 Franken): je höher der Selbstbehalt, desto niedriger Deine Versicherungsprämie. Wie in Deutschland bei der KfZ-Versicherung.

    Die Folge: die Schweizer gehen nicht nur seltener zum Arzt, sie sind auch insgesamt gesünder und tun wesentlich mehr zur Vorbeugung, als die Deutschen.

  28. #28 Roland
    16. November 2010

    @Flo
    Übrigens: auch Tiere reagieren auf freundliche Zuwendung.

    Das Pferdchen war seit der Geburt im liebevollsten Besitz seines Frauchens.
    Ich möchte auch gar nicht die Homöopathie verteidigen.
    Mich hat das einfach nur verwundert.

    Studie mit 1000 Pferden. Pffff

  29. #29 noch'n Flo
    16. November 2010

    @ Roland:

    Studie mit 1000 Pferden. Pffff

    Aber genau so funktioniert nun einmal evidenzbasierte Medizin. Alles andere ist Spekulation, Glaube und wirres Ausprobieren.

  30. #30 noch'n Flo
    16. November 2010

    Ach, ich vergass: wir brauchen natürlich noch weitere 1000 Pferde als Kontrollgruppe.

  31. #31 Roland
    16. November 2010

    @andrea
    Wenn Sie sich das nächstemal den Finger umbiegen setzt der Polsprung ein.

    Ich hab ja nicht gedacht das so eine kleine “Anekdote” irgendwelche Reaktionen auslösen könnte. Ich habe auch kein Interesse das an 1000 Pferden zu testen.

  32. #32 noch'n Flo
    16. November 2010

    @ Roland:

    Ich hab ja nicht gedacht das so eine kleine “Anekdote” irgendwelche Reaktionen auslösen könnte. Ich habe auch kein Interesse das an 1000 Pferden zu testen.

    Du hast es hier in die Diskussion eingebracht, also musstest Du mit einer Reaktion rechnen.
    Leider gibt es im Internet viele Leute, die schreiben “ich wollte nur mal sagen… mir ist da etwas passiert… ein Freund von mir hatte auch einmal…”, und andere nehmen dies als Nachweis für die Korrektheit irgendwelcher abgedrehten Theorien.
    Deshalb sind wir hier so vorsichtig mit Einzelfallberichten (im Wissenschaftsjargon auch “Anekdoten” genannt).

  33. #33 roel
    16. November 2010

    @Andrea N.D. Ich habe Ihre Kommentare schon gelesen. Sie haben recht mit “Schließlich könnte mensch doch endlich daraus lernen und auch die Ärzteschaft dazu bewegen, mehr zuzuhören…”. Ganz ausser Frage. Und genau da ist der mögliche Ansatzpunkt und nicht in der Bekämpfung der Alternative (Homöopathie). Die Alternative in den Augen der Patienten überflüssig machen. Die erste Anlaufstelle jedes Patienten (bei Kindern: deren Eltern) ist doch der Arzt. Erst wenn dort etwas falsch läuft, wird der Homöopath gewählt. Wie so oft in unserer Gesellschaft, wird selbst hier versucht das Symptom (Homoöpathie) zu bekämpfen anstatt die Ursache.

  34. #34 BreitSide
    16. November 2010

    Andrea N.D.· 16.11.10 · 08:22 Uhr

    Sehr schön zusammengefasst. Dass irgendein MieseCzwirk wieder mit dem üblichen Geschwurbel kommt, war ja wohl vorauszusehen. Bestes Trollfutter halt.

  35. #35 miesepeter3
    16. November 2010

    @noch`n flo

    Habe nicht behauptet, dass Ärzte grundsätzlich inkompetent sind oder die Medizin bei manchen Krankheiten nicht ausreicht. Ich habe behauptet, dass Arzt/Medizin bei manchen Menschen nichts fruchtet. Es ist billig, dann zu unterstellen, die haben selbst Schuld, hätten sie besser auf den Arzt gehört oder länger durchgehalten……
    Immer wieder merkwürdig, dass in solchen Fällen oft nur das Zuhören (nach Deiner Definition) wärend ca. drei Wochen hilft.
    Und ich habe keine Lust, noch mal durchzukauen, dass die wissenschaftliche Medizin höchstens für ein viertel all ihrer Behandlungsmöglichkeiten wissenschaftlich einwandfreie Nachweise stellen kann. Der Rest funktioniert nach dem Motto, man sieht ja, dass es wirkt. Komisch, dass das nur in eine Richtung funktioniert.
    Das mit den 2x 1000 Pferden führt Ihr doch selbst nicht durch. Allerdings ist es bequem, solche Nachweise zu vertlangen, wohl wissend, dass das Geld dafür nicht da ist. Man muß sich dann nicht mit diesem Phänomen nicht auseinandersetzen und alle anderen Meinungen als Trollgedröhn abtun.

  36. #36 BreitSide
    16. November 2010

    roel: es gibt beide Effekte:

    a) der Patient geht erst gar nicht zum “bösen Schulmediziner”, sondern gleich zum Homöo-Paten,
    b) der Patient macht Ärztehopping, ist enttäuscht von den ehrlichen echten Ärzten und rettet sich zum lieben Homöo-Paten.

    Und noch eine Variante gibt es, die schlimmste: der echte Arzt mutiert zum Homöo-Paten. Tun bei uns 100 % der 2 ortsansässigen Ärzte. Und 100 % der 2 ortsansässigen Apotheken. Beachte dazu aber bitte Dr. Berndts Ausführungen.

    Aber gleich welcher Mechanismus: HP ist und bleibt wirkungslos. Da kannst Du genausogut Sorgenpüppchen nehmen. Oder Heilsteine.

  37. #37 Guido
    16. November 2010

    Schönstein hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Homöopathie hilft, wirkt aber nicht.
    Genau umgekehrt wie die wissenschaftliche Medizin. Die hilft nicht, wirkt aber und zwar todsicher.

  38. #38 BreitSide
    16. November 2010

    Irenäus, das, was Du zu der Inselverzwergung abgelaicht hast, ist ja nun Eso pur. So ein Schwachsinn von “Wellen” – ja, immer sind es die Wellen kann nur jemandem einfallen, der nicht die geringste Ahnung von Physik hat.

    Wie wärs mit der anerkannten Ansicht, dass wenig Futter halt die Kleineren “bevorzugt”? Kleinere Tiere brauchen halt weniger Futter, so einfach ist das.

    Aber warum nach der Wahrheit suchen, wenn es doch so schöne verschwurbelte Märchen gibt…

  39. #39 Guido
    16. November 2010

    @ miesepeter 3

    Das ist seit langem das Niveau der Science Blogs.
    Jeder der eine abweichende Ansicht hat und bestimmt vertritt, wird irgendeinmal Troll genannt, wenn er gegen die “Rationalität” verstossen hat obwohl die Mehrzahl der Leute hier gar nicht wissen was das genau sein soll. Wenn das die Vetreter der Wissenschaft sein sollen, dann Gute Nacht.

  40. #40 noch'n Flo
    16. November 2010

    @ Guido:

    Genauso gehen die alternativmedizinischen Foren mit denjenigen um, die sich dort kritisch äussern und die Schulmedizin propagieren.

    Nur dass wir hier Belege für die Schulmedizin erbringen können, während die Alternativmedizintrolle hier immer irgendwelche Anekdoten vom Stapel lassen, längst widerlegte Studien und Arbeiten zitieren und auf die böse Ärzte- und Pharmalobby schimpfen.

    Bringt mir einen echten wissenschaftlichen Beweis, dann können wir weiter diskutieren. Alles andere ist halt nur Rumgetrolle.

  41. #41 Ireneusz Cwirko
    16. November 2010

    @BlödSide „Irenäus, das, was Du zu der Inselverzwergung abgelaicht hast, ist ja nun Eso pur. So ein Schwachsinn von “Wellen” – ja, immer sind es die Wellen kann nur jemandem einfallen, der nicht die geringste Ahnung von Physik hat.
    Wie wärs mit der anerkannten Ansicht, dass wenig Futter halt die Kleineren “bevorzugt”? Kleinere Tiere brauchen halt weniger Futter, so einfach ist das.“

    Mensch .was für ein Schwachsinn du hier erzählst. O.K. bei der unter der Unwissenschaftler typischen Anenzephalie ist es natürlich Gang und Gebe dass man zwei Beobachtungen miteinander nicht verbinden kann.
    Du wagst dich aber über die Sachen zu palavern von denen du nichts verstehst. Falls du es trotzdem schaffst diese Sätze zu kapieren dann solltest du gefälligst zu Kenntnis nehmen dass diese „anerkannte Ansicht“ ein völlige Blödsinn ist. Egal ob an Land oder auf einer Insel ist die Anzahl der Individuen nicht durch Futter sondern durch das Territorium begrenzt. Solche Individuen die es nicht schaffen eigenes Territorium zu erobern fallen den Fressfeinden zu Opfern oder vermehren sich nicht.

  42. #42 BreitSide
    16. November 2010

    Irrenäus, der war klasse!

    Schwuppdich, und der Troll ist am Stampfen. Musst Du jetzt nicht noch an Deinem Bärtchen zupfen?

  43. #43 noch'n Flo
    16. November 2010

    @ BreitSide:

    Also bis zum Begriff “Inselverzwergung” kann man ja an Ireneusz’ erstem Kommentar auch gar nichts aussetzen, das Phänomen gibt es ja wirklich:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Inselverzwergung

    Aber in der makroskopischen Biologie! Was IC dann versucht, ist eine irrsinnige Anwendung auf mikroskopischer und mikrokosmischer Ebene:

    Die Insel scheinen also die Orte zu sein wo eine veränderte Eigenschaft der Natur eine deutlich stärkere Faltung der Proteine verursacht.

    Wer faltet hier Proteine? Und warum? Vor allem: warum auf einer Insel?

    Eine falsche Faltung der Proteine ist aber eine der Ursachen für viele Krankheiten.

    Nenn mir bitte nur eine!

    Eine Bewegung der Wasserteilchen durch die Wellen und die Art der Zubereitung der homöopathischen Präparaten ist aber fast identisch.

    Hey: deshalb finde ich die Homöopathie zum Kotzen: sie macht mich seekrank.

    Das bedeutet aber das die Wirkung wenig mit der Verdünnung zu tun hat sondern vielleicht nur mit der Art der Bewegung bei Zubereitung.

    Ich habs: wir bieten den HP-Jüngern Kurse im Selberschütteln an. Dafür brauchen wir nur ein billiges Aerobic-Video und ein paar Liter Zuckerwasser. Und die Bewegung ist ja sogar noch gesund. Dann brauchen die am Ende die Glaubuli gar nicht mehr. Ich habe auch schon einen Namen für diesen neuen Trend: Homörobics. Lasse ich mir gleich morgen früh patentieren. BreitSide, mein Freund – wir werden Millionen machen!

  44. #44 segeln141
    16. November 2010

    placeboeffekt:

    „Placeboeffekte sind alle positiven psychischen und körperlichen Reaktionen, die nicht auf die spezifische Wirksamkeit einer Behandlung zurückzuführen sind, sondern auf den psychosozialen Kontext (das „Setting“, die „Modalitäten“, das „Drumherum“) einer Behandlung“

    zu Tieren und Kleinkindern und anderen Argumenten,wie
    “wer heit hat recht”,

    “mir hat es geholfen”:

    http://www.patientenfragen.net/alternativmedizin-kritisch-betrachtet/argumente-homoeopathie-hp-deren-betrachtung-t25859.html

    Ich wundere mich,dass um den Placeboeffekt so ein Theater gemacht wird;

    er ist bekannt bei ALLEN Therapien und man kann ihn gut gegen eine Wirksamkeit eines Medikaments rausrechnen in Studien.

  45. #45 noch'n Flo
    16. November 2010

    Danke für den Hinweis auf den Link, segeln141, ich wollte schon selber drauf verweisen, aber habe mir dann überlegt, Dir den Vortritt zu lassen. Ehre, wem Ehre gebührt.

  46. #46 Ireneusz Cwirko
    16. November 2010

    @noch’n Flo “Wer faltet hier Proteine? Und warum? Vor allem: warum auf einer Insel?”

    Von Proteinfaltung noch nie gehört? Kein Problem. es gibt hier Blogger die sogar über Wissenschaft schreiben und nicht nur über esoterischen Schwachsinn.
    http://www.scienceblogs.de/weitergen/2010/08/proteine-am-rande-der-faltbarkeit.php

  47. #47 noch'n Flo
    16. November 2010

    @ IC:

    Das Kozept der “Ironie” ist Dir also fremd…

    Nichtsdestotrotz: warum sollten auf der Insel Proteine stärker gefaltet sein? Und auf welcher Insel überhaupt?? Und was, zum Teufel, hat eine Insel, wo irgendjemand/-etwas Proteine faltet, jetzt mit Homöopathie zu tun???

    Ich kann Deinem Gedankengang immer noch nicht im geringsten folgen.

  48. #48 segeln141
    16. November 2010

    @noch`n Floh
    Danke.

    Es ist noch keinem aufgefallen,dass zumindest die klassische Homöopathie eine andere Therapie neben der “wahren,göttlichen Homöopathie” nicht nur ablehnt,sondern Hahnemann diese sogar als durchaus unerlaubt ansieht(incl.Thermalbäder).

    Organon
    § 273 In keinem Falle von Heilung ist es nöthig und deßhalb allein schon unzulässig, mehr als eine einzige, einfache Arzneisubstanz auf einmal beim Kranken anzuwenden. Es ist nicht einzusehen, wie es nur dem mindesten Zweifel unterworfen sein könne, ob es naturgemäßer und vernünftiger sei, nur einen einzelnen, einfachen 2)wohl gekannten Arzneistoff auf einmal in einer Krankheit zu verordnen, oder ein Gemisch von mehreren, verschiednen. In der einzig wahren und einfachen, der einzig naturgemäßen Heilkunst, in der Homöopathie, ist es durchaus unerlaubt, dem Kranken zwei verschiedne Arzneisubstanzen auf einmal einzugeben
    Und

    § 52
    Es giebt nur zwei Haupt-Curarten: diejenige welche all ihr Thun nur auf genaue Beobachtung der Natur, auf sorgfältige Versuche und reine Erfahrung gründet, die (vor mir nie geflissentlich angewendete) homöopathische und eine zweite, welche dieses nicht thut, die (heteropathische, oder) allöopathische. Jede steht der andern gerade entgegen und nur wer beide nicht kennt, kann sich dem Wahne hingeben, daß sie sich je einander nähern könnten oder wohl gar sich vereinigen ließen, kann sich gar so lächerlich machen, nach Gefallen der Kranken, bald homöopathisch, bald allöopathisch in seinen Curen zu verfahren; dieß ist verbrecherischer Verrath an der göttlichen Homöopathie zu nennen
    und
    §285
    Ein wahrer, homöopathischer Heilkünstler also, der nie ohne richtige Grundsätze handelt, nie das ihm anvertraute Leben seiner Kranken gewissenlos auf’s Spiel setzt, auf ein Glücksspiel, dessen Treffer sich wie 1 zu 500 oder 1000 der Nieten verhält, (Nieten, welche in Verschlimmerungen oder Tod bestehen) wird nie irgend einen seiner Kranken einer solchen Gefahr aussetzen und ihn auf gut Glück zur Cur in ein mineralisches Bad schicken, wie so häufig vom Allöopathen geschieht, um den, von ihm oder Andern verderbten Kranken auf eine gute Art endlich los zu werden.

    Hahnemann gestattete keine Therapie neben seinen Globulianwendungen.
    Egal ob vom selben oder hundert verschiedenen Therapeuten.

  49. #49 BreitSide
    16. November 2010

    Also bis zum Begriff “Inselverzwergung” kann man ja an Ireneusz’ erstem Kommentar auch gar nichts aussetzen, das Phänomen gibt es ja wirklich:

    Klar, war mir schon bekannt. ZB wurde es ja bei den Pocketmenschen von Flores ins Feld geworfen.

    Aber das mit den Millionen, das machen wir! Nur der Name Homörobics will mir nicht so recht reinlaufen. Scheint den möglichen Kundenkreis zu sehr einzuschränken: gleichgeschlechtlich Liebende und Marika Rökk (Hormocenta) machen sicher nicht genug Umsatz.

    Homöorobotics wäre noch was: teure menschliche Schüttler durch Roboter ersetzen, das macht sicher Kasse.

    Wobei, ob ein reiner schüttler lieber mit Tennis Geld verdient als mit “Liebe an und für sich”?

    Da fällt mir auf: hat der Ire Näus die Protein- nicht mit Zitronenfaltern verwechselt? Fragen über Fragen…

  50. #50 noch'n Flo
    16. November 2010

    Und wer faltet die ganzen Zitronen wieder auseinander?

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