Wo ist der wilde Affe, der mich eben gebissen hat? Hab’ ich denn aus vergangenen Kommentarschlachten nichts dazu gelernt? Um ehrlich zu sein: nö. Und wenn in der aktuellen Ausgabe von Rheumatology ein Artikel erscheint, der den sehr ausführlichen Titel trägt Homeopathy has clinical benefits in rheumatoid arthritis patients that are attributable to the consultation process but not the homeopathic remedy: a randomized controlled clinical trial , dann muss ich dazu einfach ein paar Worte verlieren. Obwohl der Titel des Beitrags eigentlich schon alles sagt: Homöopathie wirkt zwar nicht, aber durch die Tatsache, dass den Patienten – die sowieso schon eine konventionelle Arthritis-Therapie erhalten – jemand (in diesem Fall der Homöopath) zuhört, verbessert sich deren Zustand. Trotzdem würde ich alle Hüte, die ich besitze, darauf verwetten (kein großer Einsatz, zugegeben – es sind nur zwei Baseballkappen), dass just dieses Paper schnell zum Kanon der Homöopathie-Rechtfertiger zählen wird – es ist peer-reviewed, doppelt verblindet, in einem angesehenen Fachjournal, kurz: alles, was bisherigen H-Papern immer fehlte.

Obwohl man sich schon sehr anstrenegen muss, den Beitrag in diesem Sinn auszuschlachten. Denn begleitend zu diesem Artikel, für den Sarah Brien von der Complementary & Integrated Medicine Research Unit der University of Southampton verantwortlich zeichnet, ist in Rheumatology auch ein Artikel von Edzard Ernst erschienen, der noch einmal klar betont, dass die Erkenntnisse der Southampton-Studie nicht – wie man aus dem Paper selbst heraus lesen könnte – irgend etwas Spezifisches zur “Behandlung” mit homöopathischen Mitteln und Methoden gefunden hat, sondern letztlich nur den Nutzen eines einfühlsamen Umgangs mit Patienten betont:

I therefore suggest that we avoid unnecessary complications and take the results of Brien et al. at face value. Homeopathic remedies are ineffective and empathetic therapeutic encounters are helpful. So, we should discard the ineffective and adopt the helpful.

Die Hervorhebung ist von mir, aber mehr muss man dieser Aussage eigentlich gar nicht hinzu fügen – klarer geht’s nicht mehr.

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Kommentare (317)

  1. #1 René
    27. November 2010

    Ist doch egal, wieviele Moleküle von der jeweiligen homöopathischen “Wirksubstanz” noch vorhanden sind – das Wasser erinnert sich doch… und das sollte reichen!

  2. #2 segeln141
    27. November 2010

    @Rene

    daher nehme ich das Universalmittel der HP: Wasser,echtes “Kranenburger”

  3. #3 BreitSide
    27. November 2010

    Guter Mann, der Wichmann, hat mir sehr geholfen 😉 Im Ernst, nichts könnte besser die Absurdität der HoPa entlarven.

    Wir müssen den geistigen Sprung wagen und die Wirkungen mit dem Hauptprinzip der Magie erklären: Intention ist (fast) alles! Ein Mittel wird zu dem, was der oder die Herstellende will und sich vorstellt.

    Das ist wahrhaft göttlich. Danke. Amen.

  4. #4 segeln141
    28. November 2010

    @BreitSide

    ist Dein HP-Hochamt bald zu Ende,oder mußt Du Zugaben geben?

  5. #5 noch'n Flo
    28. November 2010

    @ segeln141:

    Die “Zugabe” gibt er dann demnächst in einem Anthroposophische-Medizin-Blog…

  6. #6 Ireneusz Cwirko
    28. November 2010

    Ich muss die Diagnose vom “michael” präzisieren: ihr leidet an einer chronischen Kommentardiarrhoe

  7. #7 S.S.T.
    28. November 2010

    @IC

    Da Sie ja offenkundig hier der einzige Wissenschaftler in der Herde der Unwissenschaftler sind, das weiße Schaf in einer Herde von schwarzen Mammalia, seien Sie doch bitte so gut und erklären ‘den phösen Schwatten’ doch mal höchst wissenschaftlich die HP. Warum wirkt HP, auf welchen grundlegenden Naturgesetzen beruht HP, wie wird die Wirksamkeit nachgewiesen, welche Messungen sprechen für welche Mechanismen?

    Als Primus inter Inferiories sollte das für Sie doch ein Kinderspiel sein.

  8. #8 noch'n Flo
    28. November 2010

    @ S.S.T.:

    Ermutige den irren Neusz doch nicht noch. Sonst kommt garantiert wieder das seltsame Geschwurbel über Wellen, die auf einer Insel Proteine falten, was zu einer Verzwergung führt.
    Gib es zu, IC, genau das wolltest Du doch gerade schreiben?!?

  9. #9 S.S.T.
    28. November 2010

    @noch’n Flo

    Nein, eigentlich wollte ich den @irren C nicht ermutigen.

    Nun gibt es schon mal Angebote, die man nicht ablehnen kann, und davon liefert @IC eben eine kritische Masse zuviel. In solchen Fällen “geht es (mir) wie die Katze mit der Maus”.

    Oder wie es schon andere Kommentatoren im übertragenden Sinn schrieben, Krallen schärfen macht Spaß.

  10. #10 noch'n Flo
    28. November 2010

    @ S.S.T.:

    O.K., aber ich wollte nur mal drauf hinweisen, wie IC die Schulmedizin wirklich sieht:

    http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2010/11/uskliniken-bekommen-gefahren-nicht-in-den-griff.php#comment162474

    Willst Du Dich wirklich auf eine Kommentarschlacht mit ihm einlassen?

  11. #11 Ireneusz Cwirko
    28. November 2010

    @S.S.T.
    “Als Primus inter Inferiories”

    dein Versuch mich zu beleidigen in dem du mich als ersten unter minderwertigen nennst zeigt nur deine Verachtung von uns normalen Menschen. Aber das gebe ich dir zurück.

  12. #12 BreitSide
    28. November 2010

    noch’n Flo·
    28.11.10 · 18:42 Uhr

    @ segeln141:

    Die “Zugabe” gibt er dann demnächst in einem Anthroposophische-Medizin-Blog…

    Also sei es. Gelobet sei der Hahnenmann,
    denn fein, er macht reich
    mit Potenz
    der Ewigkeits-
    Dramen.

    Nenee, auf anthroBlogs hab ich nicht so den Bock. Hier gefällts mir besser. Obwohl die Anthros mit den ihnen anvertrauten Menschen sehr liebevoll umgehen. Nur die Ideologie dahinter ist mir gar zu verschroben.

  13. #13 BreitSide
    28. November 2010

    Irre C.Z.Wirrkopf: “…uns normalen…”? Das ist ja ein ziemlich schwerer Fall von Realitätsverleugnung. Naja, besser so jemand sitzt vor dem PC als dass er sich auf der Straße rumtreibt. Könnte ja Schaden anrichten.

  14. #14 Daniel
    29. November 2010

    @Partnervermittlung Dresden

    Ich habe mich mal mit kochenden Wasser verbrüht und sofort Cantharis genommen

    Kann sicher nicht an der Homöopathie gelegen haben. Arnika wäre besser gewesen. 😉 Arnika hilft eigentlich immer, wenn man nicht Chamumilla braucht.

    Beim nächsten mal wohl besser SOFORT Hand unter kaltes Wasser geben. Wirkt genau so wie sie es beschrieben haben. Außer das mit dem Vergessen. Naja hat ja scheinbar auch bei ihnen nicht funktioniert.

  15. #15 segeln141
    29. November 2010

    @daniel und @PV-Dresden

    PV-Dresden hat keine Ahnung von Homöopathie,denn lassen wir Hahnemann sprechen:

    Aus der Einleitung zu Organon, 6.Auflage:
    „Denn sogar die Hausmittel-Praxis der mit gesundem Beobachtungssinnbegabten, unärztlichen Classe von Menschen hatte diese Heilart vielfältig als die sicherste, gründlichste und untrüglichste in der Erfahrung befunden.
    Auf frisch erfrorne Glieder legt man gefrorenes Sauerkraut oder reibt sie mit Schnee…
    Eine mit kochender Brühe begossene Hand hält der erfahrne Koch dem Feuer in einiger Entfernung nahe und achtet den dadurch anfänglich vermehrten Schmerz nicht, da er aus Erfahrung weiß, daß er hiemit in kurzer Zeit, oft in wenigen Minuten, die verbrannte Stelle zur gesunden, schmerzlosen Haut wiederherstellen kann.
    Andere verständige Nichtärzte, zum Beispiel die Lackirer, legen auf die verbrannte Stelle ein ähnliches, Brennen erregendes Mittel, starken, wohl erwärmten Weingeist und stellen sich binnen wenigen Stunden damit wieder her, während die kühlenden Salben, wie sie wissen, dieß in ebenso vielen Monaten nicht zulassen, kaltes Wasser aber Uebel ärger macht.”

    so machen Homöopathen das!!

    Die tumben Schulmediziner haben eben keine Ahnung!;-)
    😉

  16. #16 Hella
    28. August 2013

    Der Artikel ist kein Ruhmesblatt für die Medizin – auch nicht für die Schulmedizin. Selten so dämliche Propaganda gelesen.

    H.

  17. #17 rolak
    29. August 2013

    Selten so dämliche Propaganda gelesen

    Ehrlich nicht, Hella? Der Spitzenreiter auf dem Gebiet ist seit Jahren unangefochten, guckst Du.