Paradies ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen – was im Paper Examining Walkability and Social Capital as Indicators of Quality of Life at the Municipal and Neighborhood Scales (erschienen im Journal Applied Research in Quality of Life) beschrieben wird, sind Wohngegenden, wo die täglichen Annehmlichkeiten wie Spielplätze, Lebensmittelläden, Postämter, Restaurants bequem zu Fuß erreicht werden können. Und in solchen Wohngegenden sind die Leute nicht nur gesünder (weil sie mehr Bewegung haben) und weniger einsam (weil sie Menschen auf der Straße treffen können), sondern sie verfügen auch über mehr soziales Kapital , womit der französische Soziologe Pierre Bourdieu in seinem Aufsatz über

Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital

1983 die “Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen” bezeichnete,

“die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind; oder, anders ausgedrückt, es handelt sich dabei um Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen.”


Und dieses soziale Kapital setzt sich aus solchen Elementen wie mehr Vertrauen unter den Nachbarn (man kennt sich) oder auch mehr soziales und lokalpolitisches Engagement – was nicht selten auch wiederum zu besseren Lebensbedingungen (z.B. mehr Geld für Kindergärten oder Grünanlagen) führen kann. Bessere Vernetzung bedeutet, wie die federführende Autorin Shannon Rogers – Doktorandin an der University of New Hampshire – erklärt, oft auch bessere Gesundheit und vor allem auch bessere wirtschaftliche Chancen im Leben.

Schnell einen methodischen Einschub: Das Paper beruht auf insgesamt 700 Befragungen in 20 Wohnvierteln in Portsmouth und Manchester (beide in New Hampshire). Die Teilnehmer wurden gefragt, wie viele von insgesamt 13 vorgegebenen Zielen (siehe oben) in ihren Wohngegenden zu Fuß zu erreichen seien; ab sieben Zielen in Fußweite wurde das Viertel dann als fußgängerfreundlich (“walkable”) eingestuft. das soziale Kapital wiederum wurde anhand einer Skala ermittelt, die der Harvard-Politologieprofessor Robert Putam für sein Saguaro-Seminar entwickelt hatte.

Mehr als einen Zusammenhang zwischen Fußgängerfreundlichkeit und sozialem Kapital darf man in das Paper natürlich nicht hineinlesen, denn es ist durchaus plausibel, dass fußgängerfreundliche Wohnviertel entsprechend präsdisponierte Gruppen anziehen – “Ökos” zum Beispiel, die gerne aufs Auto verzichten und sich politisch engagieren wollen. Oder Menschen, die bewusst den Kontakt zu Nachbarn suchen und daher Viertel wählen, in denen sie mehr Menschen auf Straßen, in Parks, bei Veranstaltungen etc. antreffen können. Aber allein schon die Tatsache, dass räumliche und gesellschaftliche Aspekte in dieser Form korrelieren, ist halt für einen Geographen wie mich ganz spannend. Und sie zeigt, dass fußgängerfreundliche Städte zumindest nichts Schlechtes sind – was in den USA leider nicht jede Kommune so unterschreiben würde …

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Kommentare (88)

  1. #1 TeeKay
    15. Dezember 2010

    Das unterschreibt auch in Deutschland nur eine kleine Minderheit von Kommunen. Selbst diejenigen, die angeblich fussgänger- und radfahrerfreundlich sind oder sein wollen, zeigen sich in der Realität doch sehr autozentriert. Fussgängerfreundlichkeit hört nicht da auf, wo es anfängt, bei Entscheidungen weh zu tun und sich auch Feinde zu schaffen, sondern fängt genau da an – z.B. bei der Umwandlung bislang für den KfZ-Verkehr wichtiger Straßen in Fussgängerzonen, der Umwandlung von Parkplätzen in breitere Gehwege oder Grünstreifen, der Einrichtung von Tempo 30 Zonen, dem Verzicht auf das eine oder andere Straßenbauprojekt oder der vermehrten Investition in den Fussverkehr. Obwohl mit dem KfZ nur ein relativ kleiner Teil der Wege zurückgelegt wird, vereint er doch den Großteil der Investitionen auf sich.

  2. #2 Sven Türpe
    15. Dezember 2010

    Mehr als einen Zusammenhang zwischen Fußgängerfreundlichkeit und sozialem Kapital darf man in das Paper natürlich nicht hineinlesen, denn es ist durchaus plausibel, dass fußgängerfreundliche Wohnviertel entsprechend präsdisponierte Gruppen anziehen – “Ökos” zum Beispiel, die gerne aufs Auto verzichten und sich politisch engagieren wollen.

    Ist das plausibel? Ich verstehe den Begriff der Fußgängerfreundlichkeit — ohne Blick ins Paper, nach den Informationen hier — als eine Funktion der Siedlungsdichte und der Infrastruktur, als ein Maß für Urbanität. Demnach wäre im Prinzip jedes Stadtvierel fußgängerfreundlich, das

    • seiner Bevölkerung neben Wohnraum genügend Infrastruktur zur Verfügung stellt und
    • genügend dicht besiedelt ist, um diese Infrastruktur in die Nähe der meisten Bewohner zu rücken.

    Ein Villenviertel etwa würde keine dieser Bedingungen erfüllen, es ist weder dicht besiedelt noch verfügt es über viel öffentliche Infrastruktur. Einem Gewerbegebiet fehlten die Bewohner. Eine osteurpäische Plattenbausiedlung im Originalzustand wäre dicht genug besiedelt, hätte aber vielleicht nicht genügend Inrastruktur. Die endlosen Weiten der Vororte von L.A. wären unabhängig von der Infrastruktur nicht genügend verdichtet, um viele Ziele zu Fuß erreichbar zu machen.

    Hingegen gäbe es in jeder deutschen Stadt Viertel, die ohne besondere Maßnahmen das Merkmal fußgängerfreundlich tragen, einfach weil es sich um gewachsene, vielfältige Strukturen handelt, um gesunde Stadtviertel eben. Die Ökos sind IMHO nur hineingewunschdacht und über ihr soziales Kapital breiten wir besser den Mantel des Schweigens.

  3. #3 Jürgen Schönstein
    15. Dezember 2010

    @Sven Türpe

    Ist das plausibel?

    Offenbar ja. Niemand hat behauptet, dass nur Viertel durch besondere Maßnahmen fußgängerfreundlich werden können. Aber die plausible Annahme war, dass der Zusammenhang von Fußgängerfreundlichkeit und politischem Kapital dadurch entsteht, dass diese Infrastruktur ein bestimmtes Publikum anzieht, und nicht unbedingt dadurch, dass eine existierende Bevölkerung – z.B. durch nachträgliche Schaffung solcher Infrastrukturangebote in ihrem Verhalten verändert werden kann. Beides ist theoretisch denkbar, aber dazu kann das Paper eben zugegebener Maßen keine Angaben machen. Und dafür, dass Ökos bei Ihnen einen Beißreflex auslösen, kann ich nun mal nichts – die von mir gewählte Formulierung enthält die Worte “zum Beispiel”, und die stellt es Ihnen frei, sich auch andere Beispiele wählen (oder auch nicht, wenn Ihre Vorstellungskraft dafür nicht ausreicht).

  4. #4 Sven Türpe
    15. Dezember 2010

    Aber die plausible Annahme war, dass der Zusammenhang von Fußgängerfreundlichkeit und politischem Kapital dadurch entsteht, dass diese Infrastruktur ein bestimmtes Publikum anzieht, und nicht unbedingt dadurch, dass eine existierende Bevölkerung – z.B. durch nachträgliche Schaffung solcher Infrastrukturangebote in ihrem Verhalten verändert werden kann.

    Eine Mutmaßung wird nicht dadurch plausibel, dass man sie mit einer noch absurderen vergleicht. Aber von vorne. Dass aus dem sozialen Kapital hier politisches wird, deute ich mal als Freudsche Fehlleistung. Tatsächlich ist vermutlich im Paper nirgends von Ökos die Rede. Man hat schlicht untersucht, wie sich urbanes Leben auf soziale Beziehungen auswirkt und dabei, oh Wunder, festgestellt, dass funktionierende Stadtviertel mit höherem sozialem Kapital einhergehen als dysfunktionale. Dass prädisponierte Gruppen, Ökos, politisches Engagement oder der Verzicht auf ein eigenes Auto irgend etwas mit dem Gegenstand der Untersuchung zu tun hätten, halte ich für eine von Wunschdenken geprägte Spekulation. Die eben nicht einmal plausibel ist, wenn man auf Vorurteile gegenüber Ökos verzichtet.

  5. #5 Jürgen Schönstein
    15. Dezember 2010

    @Sven Türpe
    Auch hier meine Frage: In welcher Sprache sollen Ihre Kommentare einen Sinn ergeben?

    Aber daneben interessiert mich ganz konkret Ihre Verwendung des Begriffes “dysfunktional”: Woraus schließen Sie, dass niedrig verdichtete Wohnviertel automatisch “dysfunktional” sein muss? Oder was ist an hoch verdichteten Wohnvierteln “funktionaler”? Nach welchen Kriterien definieren Sie sich hier “funktional” zurecht? Oder wollen Sie damit etwa sagen, dass “soziales Kapital” eine notwendige Bedingung für das Funktionieren von Wohnen ist? Da müssen Sie aber schön aufpassen, dass Ihnen dies nicht Ihre schöne Objektivistenideologie kaputt macht.

    Und ja, der Begriff “politisches Kapital” war ein, wie man so sagt, Freud’scher Fehler – weil er eben im Englischen geläufiger ist als “soziales Kapital”. So what?

  6. #6 Sven Türpe
    15. Dezember 2010

    Woraus schließen Sie, dass niedrig verdichtete Wohnviertel automatisch “dysfunktional” sein muss?

    Aus der oben wiedergegebenen Beobachtung, dass Menschen woanders gesünder und weniger einsam sind sowie über ein größeres soziales Kapital verfügen.

    Oder wollen Sie damit etwa sagen, dass “soziales Kapital” eine notwendige Bedingung für das Funktionieren von Wohnen ist?

    Nein.

    Da müssen Sie aber schön aufpassen, dass Ihnen dies nicht Ihre schöne Objektivistenideologie kaputt macht.

    Wieso?

  7. #7 BreitSide
    15. Dezember 2010

    Meine Güte, muss Svenni auch diesen Fred trollverseuchen? Naja, so ist er von der Straße weg…

    Zum Thema: sehr interessante Untersuchung. Plausibel natürlich ohne Ende. Wie jeder im täglichen Umgang selbst feststellen kann. Bei der Begegnung mit dem Auto reicht es ja nur zu einem kurzen Winken und Nicken. Auch wenn nur einer im Auto sitzt.

    Im ländlichen Raum soll es ja vorkommen, dass 2 Autos einfach auf der Straße nebeneinander stehen, Seitenfenster runter, und einen munteren Schnack halten. Das ist natürlich höchst schädlich für den Durchsatz der Straße, für den Profit, für unseren Wohlstand. Aber richtig nett.

    Die Sache erinnert sehr an http://www.zeit.de/auto/2010-06/shared-space?page=all “Shared Space”.

  8. #8 Logiker
    15. Dezember 2010

    naja, ST ist doch nur ein Astroturfer. Bezahlt von der Deutschen Bahn, der Deutschen Bank im Auftrag von der wohlstandssteigerneden Rüstungsfirma Mannesmann mit freundlicher Unterstüzung der FDD und INSM……. Noch Fragen, Kienzle?

  9. #9 Sven Türpe
    15. Dezember 2010

    Nein, mit Shared Space hat der zugrundeliegende Begriff der Walkability genau gar nichts zu tun, das ist frei phantasiert. Tipp: die Definition steht oben.

  10. #10 beka
    22. Dezember 2010

    Besteht noch die Möglichkeit, meinen Beitrag über den High Line Park von Sonntag mittag mit vier rechtsgültigen Links wieder zu beleben? Vielen Dank.

  11. #11 Jürgen Schönstein
    22. Dezember 2010

    @beka
    Hab’ hier alles – einschließlich des Spamordners – abgesucht und finde nix. Sorry!

  12. #12 Jürgen Schönstein
    22. Dezember 2010

    @Sven Türpe

    Woraus schließen Sie, dass niedrig verdichtete Wohnviertel automatisch “dysfunktional” sein muss?

    Aus der oben wiedergegebenen Beobachtung, dass Menschen woanders gesünder und weniger einsam sind sowie über ein größeres soziales Kapital verfügen.

    Das heißt immer noch nicht, dass niedrig verdichtete Wohngebete nicht funktionieren. Manche lieben vielleicht die Einsamkeit, andere (die dürften Ihnen doch vertraut sein) halten “soziales Kapital” eher für Teufelswerk, und was heißt schon “gesünder”? Ist ein Kettenraucher im Hochhaus Ihrer Ansicht nach gesünder als ein Nichtraucher in der Waldrandsiedlung? Sind das nicht die Fragen, die sonst ein Sven Türpe stellen würde?

  13. #13 Sven Türpe
    23. Dezember 2010

    (…)
    Sind das nicht die Fragen, die sonst ein Sven Türpe stellen würde?

    Vielleicht, sofern sie dazu dienen, Annahmen und Begriffe zu klären. Im vorliegenden Fall ginge es wohl um die Definition von dysfunktional im Kontext der Urbanisierung. Der Glückliche Einsiedler entzieht sich schon dem Kontext. Soziales Kapital und Gesundheit sind in diesem Zusammenhang einfach Messgrößen, die der Ausgangstext oben einführt; wie jemand Messgrößen für Teufelswerk halten könnte, erschließt sich mir nicht.

    Die Raucherfrage lasse ich einmal so stehen und bitte um Hypothesen nebst Begründung.

  14. #14 Jürgen Schönstein
    23. Dezember 2010

    @Sven Türppe
    Jetzt aber keine Ausflüchte! Wie definieren Sie “dysfunktional”? Niedrig verdichtete Wohngebiete sind ja nicht automatisch Einsiedeleien (Sie brauchen einen besseren Ironiesensor, vermute ich), sondern Gebiete mit Ein- und Zweifamilienhäusern nebst Garten. Oder Villenviertel – hier leben bevorzugt die von Ihnen idolisierten ökonomisch Erfolgreichen. Sind die also auch “dysfunktional”? Und nicht jedes hochverdichtete Viertel hat noch Raum für Spielplätze, wie man in vielen Nachbarschaften Manhattans sehen kann – was sie aber auch nicht sofort “dysfunktional” macht. Von “funktional” beziehungsweise “dysfunktional” war im Obigen nicht die Rede, sondern von “fußgängerfreundlich” und “”sozialem Kapital”. Mit anderen Worten: Sie haben diesen Begriff – weil Sie ja wie immer als einziger den Durchblick haben? – in die Diskussion eingeführt, also wüsste ich schon gerne, was Sie damit meinen. Denn mit dem, was ich noch aus 12 Semestern Wirtschafts-, Sozial- und Stadtgeografie weiß, hat Ihre Verwendung des Begriffs nichts zu tun.

  15. #15 Sven Türpe
    23. Dezember 2010

    Der Begriff der Fußgängerfreundlichkeit wird oben von den Entfernungen zwischen Daseinsgrundfunktionen abgeleitet. Der Gedankenschritt vom Fehlen grundlegender Funktionen in der Nähe zur Dysfunktionalität ist klein, zumutbar und ohne übermäßige geistige Anstrengung zu bewältigen. Wenn ich mir eine Stadt — Kulturraumverdichtung! — anschaue und feststellen muss, dass der nächste Supermarkt so weit weg und nur mit Hilfsmitteln zu erreichen ist wie auf dem Lande, dann ist diese Stadt gemessen an ihren Funktionen und Möglichkeiten kaputt oder jedenfalls nicht ideal gestaltet.

    Oder Villenviertel – hier leben bevorzugt die von Ihnen idolisierten ökonomisch Erfolgreichen. Sind die also auch “dysfunktional”?

    Selbstverständlich.

    Und nicht jedes hochverdichtete Viertel hat noch Raum für Spielplätze, wie man in vielen Nachbarschaften Manhattans sehen kann – was sie aber auch nicht sofort “dysfunktional” macht.

    Es macht sie auch nicht sofort fußgängerunfreundlich, weshalb mir nicht klar ist, wie dieser Punkt die Diskussion voranbringen könnte.

    Von “funktional” beziehungsweise “dysfunktional” war im Obigen nicht die Rede, sondern von “fußgängerfreundlich” und “”sozialem Kapital”.

    Und von Ökofolklore im öffentlichen Raum und davon angezogenen Randgruppen, wenn auch nur spekulativ. Nur darum geht es, den nüchtern-funktionalen Begriff der Fußgängerfreundlichkeit so nüchtern bleiben zu lassen, wie er gemeint ist, und keine aberwitzigen interpretationen zuzulassen. Ich bleibe dabei: das zitierte Paper hat nichts damit zu tun, wer wo wohnt und welche Nachbarn er da hat, sondern es geht schlicht um die Funktionen einer Stadt und ihre räumliche Nähe zuenander. So etwas zu untersuchen, ist sicher interessant, aber besonders überraschend erscheint das Ergebnis nicht. Dass in Schlafstädten nichts los ist und ihre Bewohner abends vor dem Fernseher landen, während sich im Szeneviertel am Ende der Nacht einige neue Pärchen aus vormals Unbekannten gefunden haben werden, wussten wir schon vorher. Jetzt ist es wissenschaftlich nachgewiesen. So what?

  16. #16 Jürgen Schönstein
    23. Dezember 2010

    @Sven Türpe

    Der Gedankenschritt vom Fehlen grundlegender Funktionen in der Nähe zur Dysfunktionalität ist klein, zumutbar und ohne übermäßige geistige Anstrengung zu bewältigen.

    Das dürfte bisher Ihr ahnungslungslosestes Geschwafel gewesen sein. Nur mal schnell auf Wikipedia gucken reicht wirklich nicht, das sollten Sie inzwischen wissen. Die Funktionen “fehlen” nicht, sondern werden nur unterschiedlich im Raum verteilt. Aber hey, das ist kein Schnupperkurs “Geografie für Anfänger” – wenn Sie mitreden wollen, sollten Sie erst mal das einfachste Vokabular kapieren. Aber was rede ich – das hat Sie ja auch bisher nicht vom Dazwischenplappern abgehalten …

  17. #17 Sven Türpe
    24. Dezember 2010

    Rein technisch gesehen hat die Einsiedlerhütte also alles, was man sich von einer Stadt so wünscht, es ist nur etwas weiter weg? Genau über die unterschiedliche räumliche Verteilung reden wir die ganze Zeit. Die einzige echte Differenz besteht darin, dass ich den Begriff der Stadt mit Annahmen über eben diese räumliche Verteilung verbinde, während andere anscheinend bereit sind, jedes beliebige willkürlich gewählte Gebiet als Stadt zu bezeichnen, wenn nur Menschen darin wohnen. Aus meinen Annahmen über die räumliche Verteilung folgt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die Fußgängerfreundlichkeit, wie sie oben definiert wird. Aus der Beliebigkeit hingegen natürlich nicht.

  18. #18 Jürgen Schönstein
    24. Dezember 2010

    @Sven Türpe

    Die einzige echte Differenz besteht darin, dass ich den Begriff der Stadt mit Annahmen über eben diese räumliche Verteilung verbinde, während andere anscheinend bereit sind, jedes beliebige willkürlich gewählte Gebiet als Stadt zu bezeichnen, wenn nur Menschen darin wohnen.

    Allein schon dieser Fasel-Satz belegt, dass Sie immer noch nicht die geringste Ahnung haben, wovon Sie reden. Wie sie für sich hier “Stadt” definieren, nur um hinterher Recht haben zu können, ist ein geistiges Armutzseugnis für jemanden, der gerne damit prahlt, dass er ein “Realist” sei. Ihrer Meinung nach sind München, Berlin, New York, Los Angeles also keine “Städte”? Kaufen Sie sich doch erst mal ‘ne Fahrkarte, dann reden wir weiter.

  19. #19 Sven Türpe
    24. Dezember 2010

    In der Sache kommt offenbar nichts mehr, nur noch Flames und Genörgel.

    Frohes Fest!

  20. #20 Dr. Weihnachtswebbaer
    24. Dezember 2010

    Der Artikel liest sich auch für Dr. Wwb so, also ob stark urbanisierte Bürger deshalb ein höheres “soziales Kapital” besitzen, weil sie stark urbanisiert sind.
    Stichwort: Zirkularität

    Zudem dürfte auf Basis der hier verlinkten Inhalteeinheit bei http://www.marxists.org die nähere Erörterung schwierig werden – jedenfalls wenn Liberale involviert sind. Sind Sie eigentlich Marxist, lieber Herr Schönstein?

    Weihnachtsgrüße!
    Dr. Wwb

  21. #21 Jürgen Schönstein
    24. Dezember 2010

    @Sven Türpe
    Nochmal: Informieren Sie sich erst mal, was man unter “Funktionen” versteht, warum Stadtviertel, die niedrig verdichtet sind, nicht automatisch “dysfunktional” sind, und überhaupt, was man unter einer “Stadt” versteht. Sätze die mit “Aus meinen Annahmen …” beginnen, entlarven sich schon selbst. Und ja, auch in einer Einsiedelei werden prinzipiell alle Daseinfunktionen ermöglicht – nur halt nicht in Fußweite. Was Sie “Flames” nennen, sind nur genervte Hinweise darauf, dass Sie noch nicht mal die Grundbegriffe verstanden haben, aber trotzdem unbeirrt mitplappern wollen.

    @WB
    Auch hier gilt, dass man erst mal verstehen muss, wovon man redet. Entflechtung von Funktionen (Stichworte: Wohngebiet, Erholungsgebiet, Einkaufszentrum etc.) ist durchaus auch in urbanen Siedlungsräumen möglich; Urbanität und “Walkability” sind nicht identisch.

    Zudem dürfte auf Basis der hier verlinkten Inhalteeinheit bei http://www.marxists.org die nähere Erörterung schwierig werden – jedenfalls wenn Liberale involviert sind.

    Auch hier die Frage: In welcher Sprache soll dies einen Sinn ergeben? In dem Deutsch, das ich seit einem halben Jahrhundert spreche und seit einem Vierteljahrhundert als Arbeitsmittel nutze, hat es jedenfalls absolut keinen. Und das meine ich rein syntaktisch und semantisch. Keines der verwendeten Satzelemente – Inhalteeinheit, Erörterung, Liberale etc. – steht in irgend einem begreiflichen Kontext zu den anderen. Sind Sie ein Kommentarbot, der willkürlich Begriffe in Sätze zusammenbaut?

  22. #22 Dr. Weihnachtswebbaer
    24. Dezember 2010

    Nun, lieber Herr Schönstein, das von Ihnen im Blog-Artikel Verlinkte hat Dr. Wwb als inhaltliche (content) Einheit (unit) beim Inhalteverbund http://www.marxists.com für bedingt erörterungsfähig gehalten, wenn Liberale an der Debatte beteiligt sind, weil Liberale und Marxisten mit anderen Konzepten arbeiten, quasi eine andere Sprache sprechen.

    Das mit dem Andere-Sprache-Sprechen wurde jetzt extra hinzugefügt!

    Aber Sie dürfen (und sollten jetzt langsam) auch die Frage beantworten, ob Sie Marxist sind.
    Lassen Sie’s raus, dann wird bestimmt vieles einfacher.

    Weihnachtsgrüße!
    Dr. Wwb

  23. #23 Sven Türpe
    25. Dezember 2010

    Nochmal: Informieren Sie sich erst mal, was man unter “Funktionen” versteht, warum Stadtviertel, die niedrig verdichtet sind, nicht automatisch “dysfunktional” sind, und überhaupt, was man unter einer “Stadt” versteht.

    Rhetorik üben wir noch ein wenig, ja? Praxistipp: die behaupteten Defizite des Gegners nicht wie ein keifendes Weib in die Welt schreien, sondern geschickt suggerieren. Wenn Du den Eindruck erwecken willst, ich hätte weniger Ahnugn als Du, warum erklärst Du mir nicht einfach ein paar Grundbegriffe in epischer Breite, sondern tust statt dessen konsequent beleidigt? Das ist nicht sehr überzeugend.

    In der Sache verweise ich auf dieses Paper, dessen Autoren den Zusammenhang zwischen der mittleren Entfernung funktionaler Elemente zur Wohnung und dem sozialen Kapital der Stadtbewohner untersucht haben. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass es gut für die Bewohner eines Viertels ist, wenn sie wichtige Funktionen in Laufentfernung vorfinden. Der Zusammenhang mit der Verdichtung ergibt sich daraus, dass jedes einzelne Funktionselement — Schwimmbad, Supermarkt usw. — für den rentablen Betrieb eine Mindestpopulation im Einzugsbereich benötigt. In niedrig verdichteten Gegenden gibt es schlicht keine rentable Möglichkeit, den Bewohnern wichtige Funktionen in Laufentfernung zur Verfügung zu stellen. Das macht diese Gegenden gemessen an einer funktionierenden Stadt dysfunktional.

    Sätze die mit “Aus meinen Annahmen …” beginnen, entlarven sich schon selbst.

    Als was? In der Wissenschaft ist es üblich, Annahmen und Voraussetzungen explizit zu nennen. Das ermöglicht und erleichtert die sachliche Diskussion.

    Und ja, auch in einer Einsiedelei werden prinzipiell alle Daseinfunktionen ermöglicht – nur halt nicht in Fußweite.

    Ist eine Hütte im Wald eine Stadt oder nicht?

  24. #24 Dr. Weihnachtswebbaer
    25. Dezember 2010

    die behaupteten Defizite des Gegners nicht wie ein keifendes Weib in die Welt schreien, sondern geschickt suggerieren

    Exakt! – Immer wieder die Defizite hintergründlich mitschwingen lassen, nie direkt darauf abheben; gerade auch immer einen wohlwollenden Tonfall pflegen, dabei nicht jovial erscheinen und keinesfalls nervös keifen.
    Es sei denn in einer Handlung, die lange vorbereitet ist, den Meinungsgegner endgültig bloßstellt und abschließenden Charakter hat.
    Fortlaufende Nervösität wirkt beim Beobachter wie Schwäche.

    Das aber nur nebenbei, höhö, Dr. Wwb rät gar nicht so zu denken. :)

    Schöne Weihnachtstage noch!
    Dr. Wwb

  25. #25 Jürgen Schönstein
    25. Dezember 2010

    @Sven Türpe

    warum erklärst Du mir nicht einfach ein paar Grundbegriffe in epischer Breite, sondern tust statt dessen konsequent beleidigt? Das ist nicht sehr überzeugend.

    Weil wir erstens nicht per “Du” sind, und zweitens haben Sie diese Begriffe – von denen Sie außer eine, schnellen Wikipedia-Check nicht wirklich viel Ahnung haben – in die Diskussion eingeführt, ohne Sie zu kapieren. Es gibt auch Städte, in denen man nicht alles erlaufen kann – stellen Sie sich das mal vor! Aber da ich aus Erfahrung weiß, wie wenig lernbereit Sie sind, spare ich mir die Mühe, Ihnen hier Nachhilfestunden zu erteilen, sondern weise eben nur auf Ihr Wissens-Defizit und dessen Kosequenzen für Ihre Kommentare hin. Und zum wiederholten Mal: “Dysfunktional” passt selbst bei niedrig verdichteten Wohngegenden nicht. Ist Grünwald wirklich dysfunktional? Aber wie gesagt, die Mühe, all das zu erklären, lohnt sich nicht. Das Beispiel mit der Hütte im Wald sollte nur zeigen, dass die Funktionen in praktisch jeder Siedlungsform ausgeübt werden können – es ist heute oft nur eine Frage der Präferenz, ob man auf dem Land oder in Städten lebt, und wenn in letzteren, ob man die verdichteten Innenstadtzonen lieber mag oder die offeneren Randviertel, ob man lieber im Hochhaus oder lieber im Reihenhaus lebt. Keine dieser Wohnformen ist per se “dysfunktional”. Und nur weil auch mal ein Wissenschaftler Annnahmen machen kann, heißt das noch lange nicht, dass jeder Gedanke, der durch Ihren Kopf keucht, eine wissenschaftlich fundierte Annahme ist. Denn die Sachlichkeit ist nun mal eine Bedingung, die bei einem Ideologen in Reinkultur, wie Sie es sind (oder besser: wie Sie hier vorgeben zu sein, ich kenne Sie ja nicht persönlich, kann mich also auf die hier präsentierte Persona beziehen) so gut wie nie gegeben ist. Dazu wäre ein Sachverständnis die notwendige Bedingung.

    @WB
    Nein, ich bin kein Marxist – wenn Sie nicht so voreingenommen wären, hätten Sie erkannt, dass in dem Link lediglich eine HTML-Version des Aufsatzes von Pierre Bourdieu zu finden ist, in dem der Begriff “soziales Kapial” – der ja wesentlich fürs Verständnis des Papers ist, um das es hier geht – eingeführt wurde. Der Originalartikel war überigens gleich anschließend verlinkt – aber als pdf-Download, den nicht jeder öffnen kann oder will.

    Aber abgesehen davon, dass ich diese Frage nun beantwortet habe: Warum glauben Sie, dass ich Ihnen Rechenschaft über meine politische Neigung ablegen muss? Sind Sie die Gedankenpolizei?

  26. #26 Dr. Weihnachtswebbaer
    25. Dezember 2010

    @Inhaltemeister
    Nun haben Sie sich mal nicht so. Dr. Wwb hielt das für möglich und hat deshalb gerne nachgefragt. – Sie selbst legen ja darauf Wert, dass nicht auf extreme Inhaltsangebote verwiesen wird; der Wwb würde sich hier nicht einmal trauen auf die rechtskonservative “Junge Freiheit” zu verweisen – wozu es natürlich auch keinen Anlass oder Grund gab.

    Im Blogwesen ist es durchaus so, dass die Person hinter dem Inhaltsangebot den einen oder anderen interessiert. Daran scheint nichts Verwerfliches, oder?

    Zudem wurde versucht ein wenig die Schärfe aus dem Diskurs zu nehmen. Wenn die Positionen klarer sind, dann kann man sich Nachfragen ersparen. Herr Türpe ist bspw. vglw. transparent und Dr. Wwb wäre fast in der Lage viele Statements zu antizipieren. – Was dann auch an Gegenrede spart. Warum sollen bekannte Positionen neu beleuchtet werden?

    Zudem ist er doch OK, schätzen Sie ihn als Beiträger. Der tut Ihnen nicht weh. – Soll Dr. Wwb stattdessen mal so richtig bohren? (Nein, tut er ja nicht. :)

    BTW: Wie schmeckt der Weihnachtsbraten so?, in den Staaten schmeckt vieles besser, gell,
    Weihnachtsgrüße!
    Dr. Wwb

  27. #27 Sven Türpe
    25. Dezember 2010

    Es gibt auch Städte, in denen man nicht alles erlaufen kann – stellen Sie sich das mal vor!

    Das brauche ich mir nicht vorzustellen, das ist Voraussetzung der oben zitierten Untersuchung. Wie wir aufgrund eben dieser Untersuchung jedoch wissen, sind solche Städte nicht gut für das soziale Kapital ihrer Bewohner. Sie funktionieren also nicht besonders gut, sofern man den Menschen zum Maßstab erheben möchte und keinen technokratischen Stadtbegriff.

  28. #28 Sven Türpe
    25. Dezember 2010

    Übrigens würde mich brennend interessieren, was an meiner Ideologie denn bitte falsch sei.

  29. #29 Dr. Weihnachtswebbaer
    26. Dezember 2010

    Falsch ist es bspw. diese Frage hier und in ähnlicher Form so oft zu stellen.

    BTW, hierzu –

    es ist durchaus plausibel, dass fußgängerfreundliche Wohnviertel entsprechend präsdisponierte Gruppen anziehen – “Ökos” zum Beispiel, die gerne aufs Auto verzichten und sich politisch engagieren wollen.

    – hat noch keiner etwas angemerkt. Zumindest partiell sind hier die großen x-stöckigen Wohnhäuser gemeint, und wer wohnt typischerweise in den Staaten dort – und wer wohnt typischerweise in den Staaten außerhalb der Städte und in Villen und mit Security?

    Weihnachtsgrüße!
    Dr. Wwb

  30. #30 michael
    26. Dezember 2010

    > Zumindest partiell sind hier die großen x-stöckigen Wohnhäuser gemeint,

    Hat das der Neujahrsbär so beschlossen?

    > und wer wohnt typischerweise in den Staaten dort – und wer wohnt typischerweise in den Staaten außerhalb der Städte und in Villen und mit Security?

    Ich probiers mal: In den Villen wohnen die Ökos aber die hart schaffenden Manager leben in den Hochhäusern, denn wer 24 Stunden am Tag schafft, hat keine Zeit für Kultur und sonen Quak, der nur Geld kostet.

  31. #31 Dr. Weihnachtswebbaer
    26. Dezember 2010

    Also wenn die x-stöckigen Wohnblöcke (mit ihren Bewohnern, typischerweise keine kohlehaltigen Manager btw) ausgeschlossen waren bei der Studie, also die teuren innenstädtischen Wohnviertel mit ihren Villen und ihrer Security gemeint ware, dann mag das schon alles stimmen, was der geschätzte Inhaltemeister notierte…

    Schöne Weihnachtstage noch!
    Dr. Wwb

  32. #32 Sven Türpe
    26. Dezember 2010

    Ich probiers mal: In den Villen wohnen die Ökos aber die hart schaffenden Manager leben in den Hochhäusern, denn wer 24 Stunden am Tag schafft, hat keine Zeit für Kultur und sonen Quak, der nur Geld kostet.

    So in etwa. “Gentrifizierung,” sagt der Villenbesetzer atemlos dazu und prangert den Vorgang an, weil ihm der Manager im innerstädtischen Mehrfamilienhaus ein Dorn im Auge ist. Man sähe die Erfolgreichen in diesen Kreisen gerne am Rande ghettoisiert, mit denen möchte man ja nichts zu tun haben.

  33. #33 Hel
    26. Dezember 2010

    @Sven

    Herrje, Sven, wann und wo gabs denn die letzten Hausbesetzungen?

    Die Kritik an der Gentrifizierung geht üblicherweise von privaten und gewerblichen Mietern in urbanen Vierteln aus. Es geht dabei auch nicht um plumpen Sozialneid, wie du hier suggerierst. Dank der vielen netten zugezogenen Erfolgreichen mussten im Prenzlauer Berg schon etliche Kneipen dichtmachen. Einstmals vom dortigen Szeneleben angezogen, ist es den “Erfolgreichen” in diesem innerstädtischen Viertel inzwischen einfach viel zu laut geworden, was sie durch empörte Beschwerden bei Polizei und Ordnungsamt gründlich klargestellt haben.

    Aber davon kriegt man in Darmstadt vermutlich nichts mit.

  34. #34 michael
    26. Dezember 2010

    >Aber davon kriegt man in Darmstadt vermutlich nichts mit.

    Und selbst wenn der Herr mal was mitkriegen würde: da er nicht davon betroffen ist, ist es ihm natürlich egal.

  35. #35 Sven Türpe
    27. Dezember 2010

    Dank der vielen netten zugezogenen Erfolgreichen mussten im Prenzlauer Berg schon etliche Kneipen dichtmachen.

    Sicher, dass das der Grund ist? Ich würde eher auf Marktsättigung tippen. Und von einem Kneipenmangel kann ja wohl keine Rede sein.

  36. #36 Sven Türpe
    27. Dezember 2010

    Und selbst wenn der Herr mal was mitkriegen würde: da er nicht davon betroffen ist, ist es ihm natürlich egal.

    Egal? Keineswegs. Ich begrüße die Aufwertung von Stadtvierteln und empfehle, sie auch so zu nennen. Gentrifizierung steht für nichts weiter als den guten alten Marihuana-Trick: etwas Harmloses so zu nennen, dass es geheimnisvoll-gefährlich klingt.

  37. #37 michael
    27. Dezember 2010

    > Aufwertung von Stadtvierteln ….

    Was wird denn da aufgewertet, ausser den Preisen für Wohnraum?

    Und wofür Gentrtifizierung steht, kanns Du bei Wikipedia nachlesen.

  38. #38 Sven Türpe
    27. Dezember 2010

    Und wofür Gentrtifizierung steht, kanns Du bei Wikipedia nachlesen.

    Für das Verschwinden von Ärmlichkeit zum Beispiel, für das offene Auftreten von Homosexuellen und andere soziale Fortschritte. Schon erstaunlich, womit manche Leute ein Problem haben, nicht wahr? Die Vorstellung, dass Ghettos und Mietskasernen und so etwas erhaltenswert sein könnten, ist wirklich grotesk.

  39. #39 Hel
    27. Dezember 2010

    @Sven Türpe

    Gentrifizierung steht für nichts weiter als den guten alten Marihuana-Trick: etwas Harmloses so zu nennen, dass es geheimnisvoll-gefährlich klingt.

    Lass mal bitte das unschuldige Gras aus dem Spiel, das hat es nicht verdient, in einem Atemzug mit Gentrifizierung genannt zu werden. Ja, ich bin ganz sicher, was die Gründe für die Kneipenschließung im Prenzlberg angeht, weil ich es von mehreren betroffenen Gastronomen selber weiß. Sättigung? Nee, Beschwerden- und Auflagendruck…

    Übrigens waren Viertel wie Prenzlberg oder Friedrichshain sowie die Schanze in Hamburg sicherlich niemals “Ghettos”. Und wie definierst du Mietskasernen? Findest du es verkehrt, dass man in innerstädtischen Vierteln in mehrstöckigen Häusern zur Miete wohnen kann (bzw wohnen konnte)? Müssen Gutverdienende mit Bedürfnis nach Ruhe sich unbedingt solange in innerstädtischen Vierteln niederlassen wollen, bis die lokalen Mietpreise Normalverdienende ausschließen und der letzte Club, die letzte (Raucher-)Kneipe dichtgemacht haben? Prenzlberg ist verspießert und langweilig geworden, ein Ghetto der “Erfolgreichen”. Da braucht man nicht mehr hinzugehen oder hinzufahren, wenn man nicht gerade auf der Suche nach Bio-Babykleidung, homöopathischer Psychotherapie oder einer Gated Community ist.
    Ist das Fortschritt?

  40. #40 Jürgen Schönstein
    27. Dezember 2010

    @Sven Türpe
    Hatten Sie über die Weihnachtsfeiertage wirklich nichts besseres zu tun, als Dutzendfach hier Kommentare zu etwas abzusetzen, von dem Sie wirklich nichts verstehen? Ihr missionarischer Eifer (und “missionarisch” ist hier im gleichen ideologisch verblendeten Sinn gemeint wie bei religiös motivierten Missionaren) ist ja fast schon pathologisch … aber zur Sache: Erstens habe Sie das Konzept der Daseinsgrundfunktionen nicht verstanden, denn sonst würden Sie den Begriff “dysfunktional” gar nicht verwenden. Zweitens geht es in meinem obigen Post (erinnern Sie sich? Ich hatte da mal was geschrieben, und um das geht es hier – nicht um das, was Sie meinen) nicht um Verdichtung oder Entflechtung, sondern um “Walkability” – die oben auch definiert ist. Und die ist eben NICHT gleich verdichtetem Wohnen, und verdichtetes Wohnen ist nicht gleich “Hochhaussiedlung”, und weniger verdichtetes Wohnen kann ebenso “walkable” sein, und und und … Sie schreiben so komplett an allem vorbei, was in meinem Post steht, dass es eben gar nicht sinnvoll ist, jeden einzelnen Fehler zu korrigieren – der einzige Rat ist: Machen Sie sich erst mal schlau, worum es geht, und dann haben Sie vielleicht – vielleicht – auch etwas zum Inhalt beizutragen. Und nur noch mal speziell zum Stichwort “soziales Kapital”: Nur weil “walkable” – was ich mit “fußgängerfreundlich” übersetzt habe, aber nicht einfach in dem Sinn, dass es Gehwege gibt, sondern dass eine vorgegebene Anzahl relevanter Ziele in Fußweite zu erreichen sind – Nachbarschaften laut diesem Paper mehr soziales Kapital haben, heißt das doch nach allen Regeln der einfachsten Aussagenlogik NICHT, dass es in weniger erlaufbaren Vierteln KEIN soziales Kapital gibt – das Gegenteil von mehr ist weniger. Dass es eher (aber)witzig ist, dass ausgerechnet Sie diesem sozialen Kapital so hohen Stellenwert beimessen, ist allerdings entweder ironisch oder (was ich vermute) einfach unglaubwürdig:

    Ich sehe auch nicht, was grundsätzlich gegen den radikalen Ansatz spräche, jedem sein Glück — oder Pech — selbst zu überlassen und lediglich minimale Voraussetzungen in der Zwangsgemeinschaft zu schaffen.
    Sven Türpe

  41. #41 Sven Türpe
    27. Dezember 2010

    Ihr missionarischer Eifer …

    Ich bevorzuge die Bezeichnung Ungehorsam.

    … und weniger verdichtetes Wohnen kann ebenso “walkable” sein …

    Aber nur für reiche Leute. Jede einzelne Zielinstanz ist bei niedriger Verdichtung nämlich für weniger Bewohner zu Fuß zu erreichen als bei hoher Verdichtung. Man benötigt also mehr Instanzen jeder Zielart — Schwimmbäder, Sportplätze, Kindergärten, Geschäfte, Spieplätze usw. –, um diese Ziele in einem niedrig verdichteten Gebiet für einen nennenswerten Teil der Bevölkerung in Laufentfernung zur Verfügung zu stellen. Das kostet ordentlich Geld.

    Übrigens messe ich sozialem Kapital gar keinen Stellenwert bei. Mit zwei Kreditkarten komme ich im Ernstfall weiter als mit zwei Freunden.

  42. #42 Sven Türpe
    27. Dezember 2010

    Übrigens waren Viertel wie Prenzlberg oder Friedrichshain sowie die Schanze in Hamburg sicherlich niemals “Ghettos”.

    Wir können ja mal versuchsweise davon ausgehen, dass es sich um attraktive Wohngegenden handelt. Dann stellt sich die Frage, wem man diese Wohngegenden mit welcher Begründung vorenthalten möchte. Und was eigentlich falsch daran ist, dass sich die Anziehungskraft in einer lebendigen Stadt immer mal wieder verschiebt.

  43. #43 Jürgen Schönstein
    27. Dezember 2010

    @Sven Türpe

    Ich bevorzuge die Bezeichnung Ungehorsam.

    Ungehorsam? Was hat Ihre ideologische Fibrose mit Un- oder Gehorsam zu tun?

    … und weniger verdichtetes Wohnen kann ebenso “walkable” sein …

    Aber nur für reiche Leute. Jede einzelne Zielinstanz ist bei niedriger Verdichtung nämlich für weniger Bewohner zu Fuß zu erreichen als bei hoher Verdichtung. Man benötigt also mehr Instanzen jeder Zielart — Schwimmbäder, Sportplätze, Kindergärten, Geschäfte, Spieplätze usw. –, um diese Ziele in einem niedrig verdichteten Gebiet für einen nennenswerten Teil der Bevölkerung in Laufentfernung zur Verfügung zu stellen. Das kostet ordentlich Geld.

    Klassischer Strohmann. Niemand außer Ihnen hat behauptet, dass “Walkability” nur in einer Siedlungsform möglich ist. Und dass sich reichere Viertel mehr leisten können, ist a) ein alter Hut und b) doch genau in Ihrem Sinn. Aber seltsamer Weise nennen Sie das nun “dysfunktional”. Vielleicht funktioniert nur bei Ihrer Logik etwas nicht …

  44. #44 Sven Türpe
    28. Dezember 2010

    Niemand außer Ihnen hat behauptet, dass “Walkability” nur in einer Siedlungsform möglich ist.

    Wo könnte ich mir denn walkierbare Villenviertel, Reihenhauseinöden oder Einsiedeleien anschauen? Von Fakten lasse ich mich als Objektivist ja gerne beeindrucken.

    Vielleicht funktioniert nur bei Ihrer Logik etwas nicht …

    … oder meinem Gegenüber muss noch mal jemand den Unterschied zwischen deskriptiven und präskriptiven Betrachtungen erläutern. Hint: was in meinem oder sonst jemandes Sinne ist, kann in einer ehrlichen deskriptiven Betrachtung keine Rolle spielen.

  45. #45 michael
    28. Dezember 2010

    Übrigens messe ich sozialem Kapital gar keinen Stellenwert bei. Mit zwei Kreditkarten komme ich im Ernstfall weiter als mit zwei Freunden.

    KLassische Lachnummer, Herr Sven. Fall mal in einen Kanal, und wenn dich zwei Leute rausziehen wollen, sagst Du : Ne Jungs, braucht ihr nicht. Ich hab ja zwei Kreditkarten.

    Dürfen wir dabei zusehen ?

  46. #46 Dr. Webbaer
    28. Dezember 2010

    Fall mal in einen Kanal, und wenn dich zwei Leute rausziehen wollen, sagst Du : Ne Jungs, braucht ihr nicht. Ich hab ja zwei Kreditkarten.

    Old Wb mal gesehen haben vor ein paar Jahren, wie eine junge schlanke Dame auf ein Abflussgitter trat und in einem Loch mit einem Durchmesser von ca. 1m bis zum Oberkörper verschwand und gänzlich abzugehen drohte. Zwei Begleiter haben geholfen.
    BTW, kürzlich ist ja irgendwo einer kopfüber in einen Gulli gestolpert – und gestorben…

    MFG
    Wb

  47. #47 Jürgen Schönstein
    28. Dezember 2010

    @Sven TürpeHint: was in meinem oder sonst jemandes Sinne ist, kann in einer ehrlichen deskriptiven Betrachtung keine Rolle spielen.Sag ich doch die ganze Zeit – nur Sie glauben es nicht, wenn man’s Ihnen sagt:

    Sätze die mit “Aus meinen Annahmen …” beginnen, entlarven sich schon selbst.

    Als was? In der Wissenschaft ist es üblich, Annahmen und Voraussetzungen explizit zu nennen. Das ermöglicht und erleichtert die sachliche Diskussion.

    Und noch einmal: Es war Ihre Behauptung, dass “Stadt” und “Fußgängerfreundlichkeit”, so sie denn funktionieren, synonym sein müssten, nicht meine – dann finden Sie als Objektivist die Beweise dafür. Und wie gesagt: Beweise, keine Andekdoten oder wieder eine von “ihren Annahmen”.

  48. #48 Sven Türpe
    28. Dezember 2010

    KLassische Lachnummer, Herr Sven. Fall mal in einen Kanal, und wenn dich zwei Leute rausziehen wollen, sagst Du : Ne Jungs, braucht ihr nicht. Ich hab ja zwei Kreditkarten.

    Einzelbeispiele widerlegen keine statistischen Aussagen, das gilt auch für Gedankenexperimente.

  49. #49 Sven Türpe
    28. Dezember 2010

    Es war Ihre Behauptung, dass “Stadt” und “Fußgängerfreundlichkeit”, so sie denn funktionieren, synonym sein müssten, nicht meine – dann finden Sie als Objektivist die Beweise dafür.

    Objektiv begann die Diskussion mit Deiner Mutmaßung, Fußgängerfreundlichkeit sei ein Umstand, der Angehörige bestimmter Subkulturen anzieht. Ich habe lediglich dieser nach wie vor nicht einmal plausibilisierten Interpretation der zitierten Untersuchung widersprochen. Ich schlage vor, dass wir dort mit der Beweiserei anfangen.

  50. #50 Jürgen Schönstein
    28. Dezember 2010

    @Sven Türpe

    Objektiv begann die Diskussion mit Deiner Mutmaßung, Fußgängerfreundlichkeit sei ein Umstand, der Angehörige bestimmter Subkulturen anzieht.

    Interessante und kreative Verwendung des Wortes “objektiv” – was ich “objektiv” geschrieben hatte war, dass man plausibel auch das erhöhte soziale Kapital in den fußgängerfreundlichen Vierteln damit erklären könnte, dass solche Viertel für bestimmte soziale Gruppen attraktiver sein können als für andere. Ich erinnere hier einfach mal an München-Haidhausen, das in meiner Münchner Zeit (späte 70-er, frühe 80-er) bei der Alternativszene besonders beliebt war, weil man hier einerseits leichter Altbauwohnungen finden konnte, die groß genug für WGs waren, andererseits die Wohnungen noch bezahlbar (weil unsaniert) waren. Oranienburger Straße oder Berlin-Kreuzberg wären andere Beispiele. Künstlerviertel, Studentenviertel, Arbeiterviertel – dass räumliche Differenzierung oft auch mit sozialer Differenzierung einher geht, ist ja nun wirklich nicht neu. Und dass solche sozialen Gruppen ihr soziales Kapital praktisch schon beim Einzug mitbringen könnten, ist auch kein großer gedanklicher Spagat. Die Fußgängerfreundlichkeit könnte also ein “Nebeneffekt” sein. Darum ging’s. Und ansonsten wollte ich noch mal darauf hinweisen, dass wie nicht “per Du” sind.