Mann, wenn ich jetzt noch bei der Boulevardpresse arbeiten würde, dann könnte ich aus dieser Pressemitteilung der American Friends of Tel Aviv University frei irgend etwas biblisch Bezogenes schwurbeln, von wegen Adam und so … Na gut, machen wir’s doch lieber sachlich: Drei Professoren der Tel Aviv University, Avi Gopher, Ran Barkai und Israel Hershkovitz, haben acht etwa 400.000 Jahre alte Zähne, die in der Kassem-Höhle bei Tel-Aviv gefunden wurden, als der Spezies homo sapiens zugehörig identifiziert.

Damit wären sie die ältesten Überbleibsel des “modernen” Menschen. Und wie so oft in der populärwissenschaftlichen Reflexion von Paläoanthropologie wird dieser Fundort nun auch zum “Geburtsort” erklärt, oder um im Boulevard-Vokabular zu bleiben: Die “Wiege der Menschheit” stand im “gelobten Land”. So was käme natürlich um die Weihnachtszeit herum, wo die Immunabwehr gegen biblische Infektionen traditionell geringer ist, gerade zupass, und ich bin gespannt, ob und wie sich das tatsächlich so in den Blättern weltweit niederschlagen wird. Sieht man mal davon ab, dass dies nur bis zum nächsten, noch älteren Fund gelten wird (falls es einen solchen gibt) und andererseits noch mit der vor allem auf DNA-Analysen basierenden “Out-of-Africa”-Theorie konkurrieren muss – der Geograph in mir kann nicht anders als darauf hinweisen, dass nach allem, was man bisher annehmen kann (das alte Testament ist ja nicht gerade präzise in seinen Ortsangaben), jener Garten Eden wohl eher im Zweistromland lag.

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Kommentare (3)

  1. #1 S.S.T.
    31. Dezember 2010

    Na ja, nichts genaues weiß man nicht. Inzwischen haben sich auch ein paar kritische Stimmen zu Wort gemeldet, die zumindest eine Vertiefung der Beweislage fordern:

    Dennoch warnt Mellars davor, voreilig einen Bezug der Zähne zum Homo sapiens herzustellen. “Das ist eine Möglichkeit, doch die Beweislage ist bislang eher dünn”, sagt Mellars. Er hält es für wahrscheinlicher, dass die Überreste den Neandertalern zuzuordnen sind. Zähne seien nicht immer ein zuverlässiger Indikator für die Zuordnung von Funden. Erst die Analyse von Schädeln würde eine eindeutige Möglichkeit bieten, die Spezies der israelischen Höhle zu identifizieren.

    http://www.welt.de/print/die_welt/wissen/article11874558/Wie-lange-gibt-es-eigentlich-schon-Menschen.html
    Ohne weitere Fundstücke wird man kaum belegen können, den Garten Eden gefunden zu haben.

  2. #2 Anton
    31. Dezember 2010

    derstandard.at berichtet auch, dass das paper bei weitem vorsichtiger formuliert ist, als die dazugehörende Pressekonferen (das kennen wir ja inzischen schon ;-)).

    http://derstandard.at/1293369711267/Allzu-alte-Menschenzaehne

  3. #3 BreitSide
    1. Januar 2011

    xxx