Im Inneren unserer Erde rotiert ein enormer Dynamo: Der feste (zumeist aus Eisen und Nickel bestehende) Erdkern ist in dem ihn umgebenden flüssigen Teil des Erdkerns relativ beweglich gelagert und dreht sich ein bisschen schneller als der Rest der Erde. Unter anderem erzeugt dies das Magnetfeld, das unsere Erde umgibt. Doch das bisher angenommene Tempo dieser vorauseilenden Rotation schien dem zu widersprechen, was man ansonsten über die Struktur des Erdkerns wusste: Der feste Kern wächst langsam, aber stetig, durch Verfestigung von Material aus dem ungebenden Flüssigkern. Und dabei haben sich nachweisbare, hemisphärische Strukturen ausgebildet. Doch wenn der innere Kern tatsächlich mit dem bisher vermuteten Tempo – man ging von einem Vorsprung von etwa einem Winkelgrad pro Jahr aus – rotieren würde, dürften sich solche Strukturen eigentlich nicht ausbilden, da sie bei diesem Tempo gewissermaßen “verschmiert” würden. Konsequenter Weise lässt sich die nachweisliche Existenz dieser Hemisphären nur mit einer langsameren Vorausrotation erklären, folgerten Lauren Waszek, Jessica Irving und Arwen Deuss. Und in der Tat konnten die drei Forscherinnen in der aktuellen Ausgabe von Nature Geoscience ein Paper veröffentlichen, das anhand seismischer Messungen belegt, dass diese Rotationsgeschwindigkeit bisher enorm überschätzt wurde: Statt einem Grad im Jahr sind es eher 0,1 bis 1 Grad in einer Million Jahre.

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Kommentare (4)

  1. #1 Ex-Esoteriker
    22. Februar 2011

    Der feste Kern wächst langsam, aber stetig, durch Verfestigung von Material aus dem ungebenden Flüssigkern

    mal eine Frage, wird es jemals dazu kommen, dass der gesamte “flüssige” Teil der inneren Erde komplett sich verfestigt? und wenn, wie viele Jahre würde sowas dauern?

  2. #2 Frank Wappler
    22. Februar 2011

    Jürgen Schönstein schrieb:
    > […] dürften sich solche Strukturen eigentlich nicht ausbilden, da sie bei diesem Tempo gewissermaßen “verschmiert” würden. Konsequenter Weise lässt sich die nachweisliche Existenz dieser Hemisphären nur mit einer langsameren Vorausrotation erklären

    Diese “Denke” (so üblich sie sein mag) gefällt mir nicht …
    Vor allem (da komm ich her), weil Messwerte zu Verteilung bzw. Bewegung von “Masse usw.” doch definitionsgemäß durch Messung von “Krümmung” und anschließende Anwendung der Einsteinschen Feldgleichung(en) zu ermitteln sind; also im Falle der Erde insbesondere durch “Gravity Probe B”-artige Experimente.

    Leider kann ich das Paper in Nature Geoscience momentan nicht lesen (warum veröffentlichen die Authoren nicht einfach gleich in Wikipedia?).

    Immerhin weist …
    http://www.esc.cam.ac.uk/people/research-students/lauren-waszek
    (“However, comparatively little is known about the dynamics at the inferface and its transition zone.“)
    … darauf hin, was wohl eher “erklärungsbedürftig” scheint bzw. was (welche Messgrößen) sich anhand von nachgewiesenen Strukturen und festgestellten Geschwindigkeiten dieser Strukturen zueinander überhaupt erst messen lässt:
    Die Wechselwirkung(en) zwischen diesen Schichten (bewertet durch “Reibungs-Koeffizient”, “Glätte”, “Härte”, “Steifheit” (?) …).

  3. #3 Bullet
    23. Februar 2011

    Soll das jetzt eine Verarsche sein, Herr Wappler?

  4. #4 komisch
    25. Februar 2011

    Mich würde nun wirklich einmal interessieren, was nun in der Physik unter “Messen” verstanden wird. Immerhin hieß es bisher, man habe 1°/a “gemessen” und nun kommt praktisch 0,0000001°/a heraus, natürlich auch “gemessen”.

    Die Frage, welche ich mir dabei stelle ist, wie man diese rund 2 mm/a am Umfang des Erdkerns über eine Entfernung von 4000 km unbekannter massiver Gesteinsstruktur gemessen haben will mit Wellenlängen in wohl km-Größenordnung.

    Welche Präzisionswünschelrute haben die dazu benutzt?