Glaub’ ich nicht. Auch wenn es in der aktuellen Ausgabe meines Lieblingsmagazins New Yorker so steht. Unter der Schlagzeile Vermin of the Sky berichtet Tad Friend über den beklagenswerten Zustand, in dem sich die Bemühungen um die Abwehr potenziell die Zivilisation beendender Asteroiden (NEO – kurz für near-Earth Objects) befinden. Dazu hat Florian Freistetter ist bei Astrodicticum Simplex sogar eine ganze Aufklärungs-Serie geschrieben (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5) – allein schon deshalb habe ich Zweifel an dem, was hier im New Yorker steht:

“With planetary defense, there’s a complex interaction of science, psychology, politics, and money – and everything falls into a gap between disciplines,” Robert Arentz, who heads the NEOs team at Ball Aerospace and Technologies Corp., said. “The science guys say, ‘NEOs are not scientifically interesting, and saving the planet is not our job,’ and the military guys say, ‘We’ll blow them up, but we don’t have anything to do with telescopes or space missions.’ The issue is an orphan.”


Dass ein Budget von 5,8 Millionen Dollar für “planetare Verteidigung” in der Tat lachhaft ist (so viel nimmt die Stadt New York allein in einer einzigen Woche durch Strafzettel fürs Falschparken ein), und dass selbst die geplante Budget-Aufstockung auf 20,3 Millionen das bittere Lachen nicht verstummen ließe, steht außer Zweifel. Dass es in den komplizierten Verwaltungsapparaten von Armee, Luftwaffe, Energieministerium und Raumfahrtbehörde keine klaren Zuständigkeiten gibt, will ich auch gerne glauben. Aber dass Wissenschaftler die Sache mit den Worten abtun, erdnahe Asteroiden seien “wissenschaftlich nicht interessant, und den Planeten zu retten ist nicht unsere Aufgabe” – das glaube ich dann doch nicht. Schon gar nicht, wenn – wie berichtet (ich hab’ leider nichts davon gesehen, obwohl ich in der Region lebe) – erst vor wenigen Wochen ein Meteorit seine glühende Spur über Washington bis nach Maine gezogen hat:

BradKellyPhoto_Meteor_HarvardSq_2011 (1).JPG

Foto: © Brad Kelly, via lunarmeteoritehunters

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Kommentare (14)

  1. #1 Ludmila
    24. Februar 2011

    Nun, es kommt drauf an, wen die gefragt haben unter den “Wissenschaftler” (TM). Die Community an Leuten, die sich schon mit den Gebilden unseres Sonnensystems beschäftigen ist nicht sehr groß und oft auch sehr versprengt. Die Untergruppe der Leute, die sich mit diesem komischen Dreckszeug in unserem Sonnensystem beschäftigen, ist noch kleiner. Wenn da irgendjemand planlos durch die Gegend rennt und den erstbesten “Science guy” anspricht, dann wundert es mich nicht, dass da solche Aussagen bei rumkommen. Auch weil da nicht nur “guys” rumrennen sondern auch gestandene Frauen. Und der Anteil an Frauen ist sogar relativ hoch in der Planetenforschung.

  2. #2 Schmidts Katze
    24. Februar 2011

    Hallo Ludmila,

    trotz meiner Anerkennung deines Einsatzes für Frauen in der Wissenschaft:
    Glaubst du, daß “Sience Girls” andere Antworten gegeben hätten, als “Sience Guys”, und wenn ja, warum?

  3. #3 Schmidts Katze
    24. Februar 2011

    Hab ich vergessen: 2x “c”

  4. #4 binE
    24. Februar 2011

    Ich glaube, Ludmilla bezieht sich auf das Zitat oben, in dem von “science guys” und “military guys” die Rede ist. Wenn sie betont, dass in der Planetenforschung viele Frauen zu finden sind, dann deutet sie an, dass die Chance, ausgrechnet an einen Planetologen zu geraten, kleiner wird, wenn nur Maenner angesprochen werden.
    Allerdings wird der Ausdruck “guys” oft geschlechtsneutral gebraucht, so wie “Hey Leute, wollt ihr einen Kaffee?”.

    @Juergen: Echt, da flog ein Meteroit ueber Neuengland? Hab ich auch nicht mitbekommen, schade eigentlich 🙁 (bin in R.I.)

  5. #5 Florian Freistetter
    24. Februar 2011

    “The science guys say, ‘NEOs are not scientifically interesting, and saving the planet is not our job,’

    Kann mir nicht vorstellen, wer sowas sagen sollte. Zumindest keiner der Ahnung vom Sonnensystem bzw. Planetologie hat. Das irgendein Wissenschaftler dieser Ansicht ist, wundert mich nicht. Aber bei den Leuten deren Arbeitsgebiet die Asteroiden sind wird man sowas nicht zu hören bekommen.

    Aber spätestens wenn der 2012-Unsinn in 2 Jahren vorbei ist können sich die ganzen Weltuntergangspropheten ganz auf die angeblich Apophis-Kollision 2036 konzentrieren. Da wird dann das öffentliche Interesse an den NEOs schon wachsen…

  6. #6 Schmidts Katze
    24. Februar 2011

    Allerdings wird der Ausdruck “guys” oft geschlechtsneutral gebraucht,

    Hallo binE,

    wie kommst du dann zu der Aussage:

    …, wenn nur Maenner angesprochen werden.

  7. #7 binE
    24. Februar 2011

    Sorry fuer das Missverstaendnis. Ich bin der Meinung, dass science guys geschlechtsneutral ist. Ich habe aber Ludmillas Anmerkung so verstanden, dass sie es als ‘maennlich’ versteht. Daher ihr Kommentar. Ob ich Ludmilla aber richtig verstanden habe, kann nur sie uns sagen.
    Jetzt klarer?

    Allerdings bezweifel ich auch, dass Wissenschaftler irgendetwas als ‘nicht interessant fuer die Wissenschaft’ bezeichnen wuerden. Gibt es sowas ueberhaupt?

  8. #8 Ludmila
    24. Februar 2011

    @binE Ja ich kenne das generisch “you guys” vor allem von der Westküste. Aber in dem Kontext sehe ich vor meinem geistigen Auge vor allem “guys” im Sinne von Kerlen.

    Und was das andere angeht… Klar gibt es Wissenschaftler (m/w), die alles außer ihrem eigenen Fachgebiet als unwichtig ansehen. Gar nicht mal so selten. Auch wenn das bedeutet, dass der oder die alles im Umfeld wegbeißt, was nicht in sein/ihr Schema passt. Das gibt es deprimierend oft, besonders wenn die Geldmittel knapp sind. Und hier geht es ja um die Verteilung von Geldmitteln. Ehrlich, für mich klingt der Artikel oben so, als ob die keinen Plan hatten und einfach mal im nächstbesten Astronomie-Lehrstuhl rumgefragt haben. Und da waren eben keine Asteroiden-Fachleute drunter.

  9. #9 Dr. Webbaer
    25. Februar 2011

    “Guys” kommt wohl von Guy, franz. Vorname, und wird so ähnlich wie Buddy verwendet – eine kleine Recherche ergab gerade dann noch den Zusammenhang “Wido-Guido-Guy”, wobei Wido tatsächlich ein germanischer Name ist.

    Old Webbaer empfiehlt übrigens grundsätzlich nicht Damen mit Guy zu adressieren.
    Damen sind Damen, Kumpel sind Kumpel.

    FYI
    Dr. Webbaer

  10. #10 Bullet
    25. Februar 2011

    @WB:
    Sieh mal an. Ich hab auch weibliche Kumpels. Duh!
    Ich hätt Lust, nach vielen Jahren vielleicht mal wieder EINEN EINZIGEN sachlichen Kommentar von dir zu lesen, der nicht voll von Bullshit ist.

    Zu den Asteroiden: wie lächerlich kann es denn sein, zu sagen “die Welt zu retten ist nicht mein Job”? Ewiger Ruhm winkt? In den Enzyklopädien zukünftiger Jahrhunderte lesen:
    “Daß sie diese Zeilen überhaupt lesen können, ist der Verdienst einer einzigen Person:
    [
    dein Name hier].
    Die Entdeckung des Asteroiden [Name] am [Datum] und die gegen viele Widerstände und Trägheit der bürokratischen Apparate mehrerer Staaten doch ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gedrängte Erkenntnis, daß dieser Asteroid am [Datum] mit der Erde kollidieren würde, ermöglichte es, daß die führenden Raumfahrtnationen in einem einzigartigen koordinierten Kraftakt unter dem allen Menschen bekannten Banner “Save the cheerleader, Save the world” eine Mission starten konnten, bei der [Name]s Bahn um einen gerade ausreichenden Winkel verändert werden konnte, so daß sich den Menschen der Region [Gebiet] an einem eindrucksvollen Himmelsschauspiel erfreuen konnten, statt im Inferno des jüngsten Gerichtes zu vergehen. Die Bilder gingen um die Welt, und niemand wird je wieder den Tag vergessen, an dem tatsächlich ein einzelner Mensch mehr bewegen konnte als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.”

    Na ja .. .wer würde solch ein Gesülze auch hören wollen?
    Logisch.

  11. #11 Jürgen Schönstein
    26. Februar 2011

    @WB, binE
    So seltsam es klingen mag, aber die Wörterbücher – und auch Wikipedia – scheinen sich darin einig zu sein, dass “guy” zwar seine Wurzeln im Namen Guy hat (der verwandt ist mit “Guido”), aber dass die Nebenbedeutung “Kerl” konkret auf Guy (oder Guido) Fawkes zurück geht. Dessen “Gunpowder Plot” des Jahres 1605 wird noch heute in Kinderspielen (“Remember, remember the Fifth of November …”) gedacht, zu denen auch groteske Guy-Fawkes-Puppen gehörten. Und nach diesen Puppen wiederum wurde der Name für alle grotesk aussehende Typen verwendet – und in Amerika schwächte es sich schließlich zum “Typen” schlechthin ab, erfuhr sogar eine Wendung zum Positiven: “What a guy!” ist durchaus bewundernd gemeint. Aber es stimmt auch, dass sich der Begriff immer weiter geschlechtsneutralisiert hat: “Hey guys!” heißt hier nichts anderes mehr als “Hallo, Leute!”

  12. #12 Dr. Webbaer
    26. Februar 2011

    dass die Nebenbedeutung “Kerl” konkret auf Guy (oder Guido) Fawkes zurück geht

    Aja, das macht Sinn. In der Tat wird “Guy” heutzutage teilweise geschlechtsneutral verwendet im Sinne von “Leute”.

    In der deutschen Sprache hat man Ähnliches, bspw. die Tussi oder der Rüpel, wobei Konnotation nicht neutral ist und das Geschlechtsspezifische erhalten blieb.
    Sowas ist aber weit verbreitet in den Sprachen, hat jemand gerade das Fachwort zur Hand?

    MFG
    Dr. Webbaer

  13. #13 antiangst
    26. Februar 2011

    Es wäre wahrscheinlich geschickter, das Geld im Namen des Schutzes für Asteroiden locker zu machen. Man könnte doch argumentieren, dass die von Menschen gesteuerte Erde die schuldlosen Asteroiden beim Zusammenstoß völlig vernichtet und damit wertvolle Naturdenkmäler zerstört.

  14. #14 celsus
    27. Februar 2011

    Hier gibt es einen sehr schönen Podcast zum Thema:

    http://www.raumzeit-podcast.de/2011/02/21/rz009-asteroiden-und-kometen/

    Mit Tim Pritlove und Alan Harris, Experte für Asteroiden und Kometen beim DLR.