Antwort: Eigentlich nie wirklich – wir können immer von dem ausgehen, was wir in und aus der Vergangenheit lernen konnten, und dies in die Zukunft extrapolieren. Gewiss mit einem “Sicherheitszuschlag” – aber ob der nun fünf, zehn oder auch zehntausend Prozent sein sollte, wer vermag das zu sagen? Denn der Haken ist, dass wir oft gar nicht wissen, wie “typisch” unsere vergangenen Erfahrungen sind. Dass ich hier auf die Einschätzungen von Erdbeben und -Folgerisiken abhebe, dürfte sowieso jedem klar sein, also ohne Umschweife: Seismographen gibt es seit dem späten 19. Jahrhundert, die heute üblichen Breitband-Messgeräte, die eine genauere wissenschaftliche Analyse der Beben erst möglich machen, kamen in den 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts auf. Ein paar Jahrzehnte – geologisch gesehen noch nicht mal ein Augenblick. Nur weil wir uns an den stärksten Beben unserer Zeit orientieren, heißt das nicht, dass wir irgend etwas darüber wissen, welche seismischen Maxima über einen längeren Zeitraum wirklich zu erwarten sind. Selbst unsere schlimmsten Annahmen können, wie die Ereignisse in Japan (das Beben sowohl, als auch der Tsnumai) gezeigt haben, zu optimistisch gewesen sein.

Ehe ich nun zum Punkt dieses Eintrags komme, in dem es um fossile Erdbebenspuren gehen wird, hier noch mal eine visuelle Erinnerung daran, welche Folgen solche Fehleinschätzungen haben können: Die Flutmauern, die in Japan nicht zuletzt als Arbeitsbeschaffungs- und Wirtschaftsförderungsmaßnahmen sehr großzügig – nach Ansicht der Anwohner, denen damit der Blick aufs Meer verbaut wurde, sogar zu großzügig – geplant wurden, hatten gegen solche Wassermassen keine Chance.

Ton abdrehen und nach vier Minuten abschalten, wäre mein Tipp.

Nach diesem voyeuristischen Umweg nun zurück zum Thema: Woher soll man wissen, welche Stärke Beben vor, sagen wir mal, Tausenden oder Zehntausenden, ja, warum nicht Millionen von Jahren hatten? Einen Hinweis darauf geben uns fossile Sedimente, wie der israelische Geophysiker Shmulik Marco mit seinem Kollegen Eyal Heifetz und dem Doktoranden Nadav Wetzler herausfand: In dem Paper

Quantitative analysis of seismogenic shear-induced turbulence in lake sediments

, das vor etwa einem Jahr im Journal Geology erschien (und hier in Marcos Publikationsliste hier unter der Nummer 43 verlinkt ist), haben die drei Autoren gezeigt, dass sich in limnischen Sedimentschichten (will heißen: dem zu Stein gewordenen Schlamm von Gewässerböden) verräterische Spuren “fossiler” Erdbeben finden. Durch das Beben wirken Scherkräfte auf die abgelagerten Schichten ein, und diese Scherkräfte wiederum hinterlassen, als Folge der Kelvin-Helmholtz-Instabilität, deutlich erkennbare Verwirbelungen an den entsprechenden Schichtengrenzen. Diese Verwirbelungen sind in ihrer Charakteristik abhängig von der Stärke der Scherkräfte – und sie lassen sich in Simulationen auch nachvollziehen, wie diese Abbildung aus dem Paper zeigt:

i-d488c0791e25fbe2364c83fa147a9ba5-Marco1.jpg

Die beiden unteren Muster beispielsweise sind in der Simulation mit einer lateralen Beschleunigung von 0.6 g erzielt worden (die weiteren Parameter wie Sedimentdichte und Schichtstärke, sowie die verwendeten Simulationen, sind im Paper detailliert beschrieben, für alle, die es noch genauer wissen wollen).

Nun, so weit, daraus einen “fossilen Seismometer” ableiten zu können, sind die israelischen Forscher noch nicht, auch wenn dies in einer Pressemitteilung der American Friends of Tel Aviv University so angedeutet wird:

We’ve expanded the window of observation beyond 100 years, to create, if you will, a ‘fossil seismograph

wird Professor Marco dort zitiert. Im Paper selbst hingegen heißt es wohl zutreffender

These relations may enable the estimation of paleo-earthquake magnitude.
(Hervorhebung von mir.)

Aber auch ein “echtes” Seismogramm ist ja erst mal nur eine Reihe von Zacken auf Papier – Zacken, die durch die Beschleunigungskräfte des Bebens verursacht werden. Wenn es Marco – oder anderen Geologen – gelingt, seine Beobachtungen zu kalibrieren und zu generalisieren (für verschiedene Sediment-Dichten, beispielsweise, oder verschiedene Körnigkeiten, die eventuell auch noch eine Rolle spielen), dann wäre allerdings ein solcher fossiler Seimsograph gefunden, der uns verraten kann, wie heftig Beben in erdgeschichtlichen (und nicht nur kulturgeschichtlichen) Dimensionen sein können. Und dann wird man sicher besser, wenn auch nie mit allerletzter Sicherheit, abschätzen können, ob und wie weit unsere Risikoeinschätzungen daneben liegen. Ich bin gespannt …

Nachtrag: Inzwischen hat mit auch Professor Marco noch ein kurzes Statement zum “fossilen Seismometer” gegeben. Er schrieb mir

Fossil earthquake records are valuable because the one-century-long instrumental (seismographs etc) records of eqs are too short to tell us about the recurrence intervals of large quakes that are rare at any single place. We can also learn about spatial distribution of damage, the local effects of amplification or attenuation of seismic vibrations, the effects of historical eqs on humanity (see Leroy et al’s paper in my web page). “Never happened” is not a term that I would use in any geological context because of our limited information…

flattr this!

Kommentare (26)

  1. #1 BreitSide
    15. März 2011

    xxx

  2. #2 miesepeter3
    15. März 2011

    @Jürgen Schönstein

    das “Norwegische Becken” in der Nordsee ist an der tiefsten Stelle etwa 4000m tief. Es endet mit den Ausläufern in der südlichen Nordsee etwa Höhe Elbmündung. Wenn hier ein Unterwassserberghang von sagen wir mal 500 m Höhe und 2 Km Breite abrutscht und in die Tiefe saust, gibt das eine Flutwelle so groß, dass man den Turm vom Hamburger Michel zeitweilig als Bootsanlegestellen benutzen könnte. Diese Möglichkeit eines Tsunamis wurde seinerzeit nicht in die Überlegungen beim Bau der an der Elbe liegenden Atomkraftwerke einbezogen und wird es meines Wissens auch heute nicht. Es gibt eben keine Erfahrungen mit Seebeben aus der Nordsee, an die wir uns erinnern könnten. Deshalb fehlt dieses Szenario in unseren Vorstellungen über den schlimmsten anzunehmenden Fall in dieser Region völlig. Unsere Phantasie reicht oft nicht aus, um sich solche möglichen Vorkommnisse vorzustellen. Daher sind die Schutzmechanismen, nicht nur bei den AKW`s, meist im Falle eines schlimmen Falles meist nicht ausreichend. Wer hätte sich nach dem großen Tsunami vor Thailand vorstellen können, das es noch einen schlimmeren geben könnte? Einen, der sogar Atomkraftwerke in einer der am höchsten technisierten Region der Welt in Gefahr bringen kann? Wahrscheinlich hat niemand ernsthaft damit gerechnet. Die 10 m hohe Mauer am Strand war auch ein Ergebnis der Vorstellung eines schlimmsten anzunehmenden Falles. Tja, so wie es aussah, war sie etwa 2m zu niedrig. Manchmal überholt die Wirklichkeit sogar die Phantasie mit unglaublicher Geschwindigkeit.

  3. #3 Bullet
    15. März 2011

    @Jürgen: da ich die Diskussion gestern hier auch gerade hatte, komm ich dir jetzt mit der Wikipedia.

    Ein Auslegungsstörfall eines Kernkraftwerks (AKW, KKW), nach der Definition des Bundesamts für Strahlenschutz auch als größter anzunehmender Unfall (GAU) bezeichnet, ist der größte Unfall, “für den die Sicherheitssysteme noch ausgelegt sein müssen. Die Sicherheitssysteme müssen in einem solchen Fall gewährleisten, dass die Strahlenbelastung außerhalb der Anlage die nach der Strahlenschutzverordnung geltenden Störfallgrenzwerte nicht überschreitet.

    Ergo weiß man bei der Knzeption einer Anlage sehr genau, was warum der “schlimmste anzunehmende Fall” ist.
    Damals in der grauen Vorzeit des Jahres 1986 bin ich auch in diese Falle getappt. Ich hielt “GAU” für die Abkürzung von “schlimmster annehmbarer Unfall, also schlimmster vorstellbarer. Das aber ist in der amtlichen Definition gar nicht enthalten. Ein GAU ist nur die größte gerade noch prinzipiell beherrschbare Notsituation.
    Das ist ein deutlicher Unterschied.

  4. #4 Kommentarabo
    15. März 2011

  5. #5 Jürgen Schönstein
    15. März 2011

    @Bullet
    Damit es kein Missverständnis gibt: Mit dem “schlimmsten anzunehmendem Fall” meiner Überschrift ist nicht der “größte anzunehmende Unfall” (GAU) gemeint. Aber diese GAU-Annahme beruht ja auf dem, was man als Auslegungsfall bezeichnen kann. Und der wiederum richtet sich ja offenbar nach Erfahrungswerten – Werte, die uns beispielsweise glauben lassen, dass in Deutschland keine Erdbeben stärker als 5 zu erwarten sind. Oder dass das Hochwasser eine bestimmte Marke einfach nicht überschreiten wird. Die Frage ist halt, wie repräsentativ diese Erfahrungen (die auf relativ kurzzeitigen Beobachtungen beruhen) wirklich sind, und ob eine danach ausgelegte Technologie wirklich das Prädikat “sicher” verdienen kann. Oder ob man andere Messmethoden finden muss, die den Betrachtungszeitraum weit über unsere jüngere Technologiegeschichte hinaus ausdehnen können. Nur weil etwas in 50, 100 oder meinetwegen auch 200 Jahren nicht vorgekommen ist, darf man ja nicht glauben, dass es nie passieren wird oder “mit an Sicherheit grenzender Unwahrscheinlichkeit” ausgeschlossen werden kann.

  6. #6 paule
    15. März 2011

    Die Auslegung eines AKW auf einen GAU bedeutet nichts weiter, als die normalerweise bekannten (anzunehmenden) Störsituationen berücksichtigt werden. Wenn also eine Kühlmittelpumpe ausfallen kann, hat man eine zweite (oder auch vier) als Ersatz vorgeplant.

    Wenn Radioaktivität das AKW ungewollt verläßt, ist das bereits ein Supergau.

    Auch eine Kernschmelze kann im GAU vorgesehen sein. Aber auch hier gilt: Es darf keine Radioaktivität in die Umwelt gelangen bzw. nur in innerhalb des normalen Rahmens eines störungsfreien Betriebs.

  7. #7 Bullet
    16. März 2011

    @Jürgen:

    Nur weil etwas in 50, 100 oder meinetwegen auch 200 Jahren nicht vorgekommen ist, darf man ja nicht glauben, dass es nie passieren wird oder “mit an Sicherheit grenzender Unwahrscheinlichkeit” ausgeschlossen werden kann.

    Völlig klar.

  8. #8 Basilius
    16. März 2011

    @Jürgen

    “Glauben” darf man letztlich was immer man mag. Hier geht es aber eher darum, was wir bereits sicher “wissen” können. Und da besteht durchaus ein gewichtiger Unterschied.

    Das Prädikat “Sicher” wird wohl immer ein Streitpunkt bleiben, da hier die verschiedensten Interessengruppen, welche miteinander darüber diskutieren, gerade dieses besser bleiben lassen sollten, da hier wirklich jeder was anderes darunter versteht, man also eh nur immer an einander vorbei redet. Vielleicht sollten wir uns erst mal auf eine gemeinsame Definition dieses Prädikats einigen?

    Mein Vorschlag:

    Das Prädikat “Sicher” bekommt ein technisches System dann, wenn es nachweislich so ausgelegt wurde, dass das Auftreten von gefährlichen Ereignissen so selten ist, dass dieses Restrisiko eine vorher als tolerierbar festgesetzte Grenze nicht überschreitet.

    Mir ist allerdings auch bewusst, daß dies die Diskussion dann letztlich wieder eher auf den Wert dieses tolerierbaren Restrisikos (und auf das “nachweislich) verschiebt, aber da kommt man leider nicht drum rum.

  9. #9 BreitSide
    17. März 2011

    @Basilius: das Problem ist eben, dass ich definitiv nicht auf null komme. Und wenn ich ein durch Bauten/Anlagen ein Ereignis riskiere, bei dem 100.000e von Menschen auf einmal umkommen, ist es eben nicht mehr akzeptabel.

    1×100.000 ist eben nicht Dasselbe wie 100.000×1.

    Mein Argument: kommen durch eine Handlungsweise/eine Einrichtung (zB Straßenverkehr) jährlich 5.000 Menschen zu Tode, kann ich kontinuierlich nachsteuern. Ich kann Autos sicherer machen, ich kann Rettungsdienste stärken, ich kann Tempolimits verhängen usw usf. Die Effekte sind leicht messbar, meist gut vorhersehbar und relativ direkt wirksam. Ich kann weit vor Ablauf der 20 Jahre, in denen die 100.000 erreicht würden, die Zahl drastisch reduzieren. Wenn ich denn will.

    Habe ich die “Damoklesschwert”- Situation, wie ein Poster hier so schön schrieb, nützt es mir überhaupt nichts, wenn das Schwert nur ganz, ganz selten fällt. Wenn es fällt, ist es tödlich. Und es ist sicher, dass es fällt. Nur nicht wann.

    Keine andere Industrie kann so viele Tote auf einen Schlag verursachen wie die Atomindustrie. Nicht einmal die Großchemie.

    Ich denke mit reichlich Sarkasmus an die tollen “Wahrscheinlichkeitsuhren”, die AKW-Betreiber so gerne aufstellen. Sie sollten die “Unmöglichkeit” demonstrieren, dass alle Sicherheitssysteme auf einmal ausfallen. Ob die wohl noch laufen?

    Die selbe Rechnung gilt übrigens auch für die Gefahr durch Meteoriten. Wenn, dann sind sie tödlich für uns alle. Deswegen ist es gröbst fahrlässig, dass wir so wenig dagegen tun.

  10. #10 Sven Türpe
    17. März 2011

    Keine andere Industrie kann so viele Tote auf einen Schlag verursachen wie die Atomindustrie. Nicht einmal die Großchemie.

    Wenn wir Atombomben ausklammern, liegt die IG Farben immer noch vorn.

  11. #11 BreitSide
    17. März 2011

    Belege? Wie immer Mangelware. Gell?

  12. #12 Chris
    17. März 2011

    Hallo,
    das ist schon reichlich zynisch.
    Die IG Farben hat während und vor dem 2. Weltkrieg Zyklon B, Sprengstoff und ich meine auch Kampfgase hergestellt. Dann kamen zu der Zeit auch noch Chemieunfälle dazu.

    Kein schönes Kapitel…

  13. #13 Basilius
    17. März 2011

    @Breitside

    Keine andere Industrie kann so viele Tote auf einen Schlag verursachen wie die Atomindustrie. Nicht einmal die Großchemie.

    Kannst Du wenigstens Belege bringen (im Gegensatz zu S.T, aber mit dem rede ich nicht mehr)?

  14. #14 frisöse
    17. März 2011

    @miesepeter 3

    “Wer hätte sich nach dem großen Tsunami vor Thailand vorstellen können, das es noch einen schlimmeren geben könnte?”

    Insgesamt 230000 Todesopfer, 1,7 Mio. Obdachlose nach dem Tsunami 2004.
    Haben Sie sie noch alle?

  15. #15 miesepeter3
    17. März 2011

    @frisöse

    “Insgesamt 230000 Todesopfer, 1,7 Mio. Obdachlose nach dem Tsunami 2004.
    Haben Sie sie noch alle?”

    Das waren doch bloß Menschen. Jetzt wurden Werte zerstört und uns unmißverständlich klargemacht, dass auch unsere “best”konstruierten technischen Errungeschaften aus dem Hochsicherheitsbereich (AKW) nicht viel sicherer sind als Strohütten.
    Das ist ein Trauma für all unsere Wissenschafts- und Technikfreaks. Das erschüttert
    unseren Glauben an Zukunft und Fortschritt, das beeinflußt sogar die Wirtschaft negativ? Kann man sich was schlimmeres vorstellen?
    Viele Tote gab es auch schon früher, das ist ja nichts besonderes. Die wachsen einfach wieder nach.
    Geh wieder Haare föhnen.

  16. #16 Basilius
    17. März 2011

    @miesepeter3
    Hast Du außer Zynismus nichts beizutragen?
    Das kannte ich auch schon mal besser von Dir. Ist aber anscheinend lange her.

  17. #17 miesepeter3
    17. März 2011

    @Basilius

    “Hast Du außer Zynismus nichts beizutragen?”

    Was heißt hier Zynismus. Dass es in der Vergangenheit schon Katastrophen gab, die wesentlich mehr Menschenleben forderten, kann jeder Dödel feststellen, wenn er denn die eine oder andere Grundrechenart beherrscht.
    In Thailand hat der Tsunami eine Region getroffen, in der das Modernste und Sicherste die Hotelbauten für die Touristen waren. Nun hat es eine Gegend “erwischt”, die uns immer wieder als ein leuchtendes Beispiel von Herrschaft der Wissenschaft und Technik über die Natur dargestellt wurde. Das lebten die Japaner uns ja sogar mit ihrerReligion vor, die mit ein Triebmittel für deren Technikverliebtheit ist. Gut, der Mensch als Krönung der Schöpfung und die Maßgabe “macht euch die Welt (Natur) untertan” gibt es auch bei uns, aber in Japan wird das auch wirklich so gelebt.
    Nun hat es eine Naturkatastrophe gegeben, die trotz der tollen Technik und erdbebensicheren Häusern gezeigt hat, dass der Mensch bei sowas ziemlich hilflos ist. Wahrscheinlich hat die Technik und die besondere Bauweise der Häuser ein Vielfaches an Toten verhindert, aber die Flut hat trotzdem alles Menschenwerk weggespült.
    Und die Natur hat aufgezeigt, dass alles Planen und Bauen auch im Sicherheitsbereich
    von AKW`s vergebens sein kann und der Mensch ihr im Zweifel nicht viel entgegenzusetzen hat.
    Das besondere an diesem Zusammentreffen diverser Katastrophen ist, dass Verantwortliche in aller Welt diese Problematik zur Kenntniss nehmen mußten und einige dabei kalte Füße bekommen haben. Daran hat auch wieder die Technik Schuld, noch nie wurde eine Katastrophe so ausführlich und zeitnah in den Medien gezeigt, den Handys sei Dank.
    Unsere Regierung hat nicht wegen den Ertrunkenen ihre Laufzeitverlängerung der AKW`s vorläufig mal ausgesetzt. Dass nun jeder sehen konnte, welch Gefahrenpotential in der Atomkraft steckt und sie ein paar Landtagswahlen gewinnen muß, war der Grund.

    D A S nenne ich zynisch.

  18. #18 Basilius
    17. März 2011

    @miesie
    Ein einfaches “NEIN” als Antwort hätte mir eigentlich genügt.
    Vom ganzen restlichen Gestänkere picke ich mir mal wirkürlich einen sinnlosen Punkt heraus:

    Das lebten die Japaner uns ja sogar mit ihrerReligion vor, die mit ein Triebmittel für deren Technikverliebtheit ist.

    Kannst Du mir das Erklären/Belegen? Wieso soll der Shintoismus da ein Triebmittel für sein?

  19. #19 miesepeter3
    17. März 2011

    @Basilius

    die japanische Religion – Shintoismus und `n bißchen Buddhismus – kennt keinen Hauptgott, ja nicht einmal mehrere Hauptgötter. Es gibt eine große Zahl an sagen wir mal Geisteswesen, obwohl das das auch nicht wirklich trifft. Diese Geisteswesen gelten als moralisch-ethische Instnzen, die nachzuleben sind. Nur diese Wesen sind nicht per se gut, auch sie machen Fehler und begehen sogar Sünden. Deshalb sind Taten nicht von vornherein gut oder schlecht. Eine Bewertung erfolgt immer nur im Zusammenhang mit den Umständen. Es ist also nicht unmoralisch, die Wesen z.B. um Wohlstand und Glück zu bitten und dann alles daran zu setzen, dieses auch zu erreichen. Man kann, wenn man unberdingt will, dies mit einigen streng christlichen Sekten, pardon, Glaubensrichtungen vergleichen, für die Reichtum eine Gnade Gottes ist und diese Gnade mit allen Mitteln angestrebt wird. Solche Glaubensgemeinschaften findet man leicht in den USA, wo sie auch viel Einfluß haben.
    Wenn nun ein japanischer Wirtschaftsboss um Wohlstand bittet, wird er auch alles dafür tun, diesen zu erreichen. Wenn er denn eine Fabrik, die sehr wenig umweltverträglich ist, in eine noch intakte Natur setzt, so istdas nicht von vornherein schlecht. Man muß die Umstände betrachten, diese Fabrik wird ihm den gewünschten Wohlstand bringen und einen wenn auch bescheidenderen Wohlstand für die Arbeitnehmer dort. Das ist gut und der moralische Schaden schon etwas kleiner.
    Er kann aber auch mit vielen Robotern besser und billiger produzieren, das ist etwas schlechter für die nun nicht mehr notwendigen Arbeitnehmer, aber gut für die aus der Roboterfabrik und für ihn sowieso. So wäre diese vordergründige Verschlechterung für seine Arbeitnehmer wieder relativiert. Also strebt ganz Japan nach immer besseren
    technischen Lösungen um die moralischen Vorstellungen zu erfüllen, quasi technikverliebt. Natürlich kann man auch andere Einsparungen vornehmen, auch das kann sehr moralisch den Wohlstand von irgendjemanden vermehren.
    Wenn das nicht so ganz hinhaut und zu grossen Pannen führt, so verändert das die Umstände und damit verkehrt sich das ganze ins moralische Gegenteil. Deshalb haben früher auch soviele Ertappte Harakiri gemacht. Diese schöne Sitte hat aber auch schon ziemlich viele Anhänger verloren.
    Belegen kann ich das so nicht, aber wenn Du mal nach Japan kommst, stell Dich mal neben so einen Shintoschrein und lausche, um was die Geschäftsleute so bitten.

  20. #20 Basilius
    17. März 2011

    @miesepeter3
    Also das Konzept der “Kami” habe ich etwas anders verstanden, obwohl es schon richtig ist, daß es dort keine Führungsgöttlichkeiten gibt. Ein bisschen Buddhismus ist so auch nicht richtig. Es gibt da schon klare Zuständigkeitsbereiche. Der Shintoismus ist mehr für das Diesseits und der Buddhismus mehr für das Jenseits zuständig. Der Ähnlichkeit mit dem Calvinismus sehe ich so zwingend auch nicht. Das hast Du Dir so ausgedacht, weil es so schön in Deine Schmähung passt. Das, was Du Harakiri nennst heißt richtigerweise Seppuku und die Denke dahinter ist auch eine ganz andere, als wie Du sie darstellst. Die Geschichte mit den Roboterfabriken (eigentlich besser Industrialisierung) sehe ich auch nicht ganz so simpel darstellbar, wie Du es tust. Das ist schon ein etwas komplexeres Thema. Und was so am Shintoschrein gebetet wird unterscheidet sich in keinster Weise von irgendwelchen Gebeten, welche in einer zünftigen katholischen Kirche ausgestossen werden. Ich habe beides schon gehört.
    Aber was schreibe ich denn eigentlich. Du willst einfach nur alles wieder mies machen, wie Dein Nick ja auch sagt. Da ist eigentlich jede weitere Diskussion Zeitverschwendung. Schade, aber ist wohl so.

  21. #21 Bullet
    17. März 2011

    Belegen kann ich das so nicht, aber wenn Du mal nach Japan kommst,

    Eieiei. Ganz ruhig, Basi.

  22. #22 miesepeter3
    17. März 2011

    @Basilius

    Zeitverschwendung ist immer noch besser als Zeitmangel, vom Mangel kann man nicht mehr viel abgeben.

    Ach ja, etwas richtig mies machen regt mehr Menschen zum Denken an, als tausend
    Lobe.
    So gesehen wäre ich ich ja ein richtiger “Denkvermittler”.
    Wer hätte das gedacht.

    Und immer schön auf Bullet hören : gaaanz ruhig Bazi ……….

  23. #23 BreitSide
    17. März 2011

    Sven Türpe·
    17.03.11 · 01:22 Uhr

    Keine andere Industrie kann so viele Tote auf einen Schlag verursachen wie die Atomindustrie. Nicht einmal die Großchemie.

    Wenn wir Atombomben ausklammern, liegt die IG Farben immer noch vorn.

    Wie immer haut TölpelTürpelTroll wieder haarscharf vorbei. Es ging NICHT um Krieg, es ging um Havarien. Oder war Deiner Meinung nach der Zunami ein Terroranschlag?

    Sag mal, Kleiner, hast Du inzwischen begriffen, was mit dem Bild des Stromsees gemeint ist? Kannst Du jetzt endlich erklären, was an dem Bild schief sein soll? Aber nein, Du musst immer noch rumtrollen.

  24. #24 BreitSide
    17. März 2011

    Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie Trolle wie TürpelTölpel oder der Halbtagstroll Miese ganz schnell eine Diskussion in Gülle versinken lassen.

    Ab+zu steuert Peter ja den einen oder anderen sinnvollen Post bei. Hier hat wieder der Miese Oberhand gewonnen.

  25. #25 BreitSide
    17. März 2011

    Basilius·
    17.03.11 · 09:13 Uhr

    @BreitsideKeine andere Industrie kann so viele Tote auf einen Schlag verursachen wie die Atomindustrie. Nicht einmal die Großchemie.Kannst Du wenigstens Belege bringen (im Gegensatz zu S.T, aber mit dem rede ich nicht mehr)?

    So richtig “belegen” kann ich das natürlich nicht. Aber einige Überlegungen dazu:
    – der größte Chemieunfall bisher war Bophal mit 3.800 Toten,
    – der schlimmste Dammbruch der Banqiao-Staudamm1975. Die Flutwellen töteten rund 26.000 (oder 85.000?) Menschen; 145.000 starben durch Epidemien oder “wirtschaftliche Folgeschäden”(?). Aus wiki.
    – Tschernobyl lag in der selben Größenordnung.

    Staudämme sind auch die einzigen industriellen Gebilde, die der Atomkraft im Tötungspotenzial ähnlich kommt.

    Dazu muss man sagen, dass Bophal eine extrem mies gewartete amerikanische Lohndumping-Fabrik in Indien war und China in den 50ern (als Banqiao gebaut wurde) dank des großen Führers eine total miserable Konstruktion war.

    Containments für Gefahrstoffe sind wesentlich sicherer als die in AKWs. Und selbst wenn Chemikalien austreten, verdünnen sie sich viel effektiver als der partikelförmige radioaktive Fallout. Außerdem werden immer mehr gefährliche Chemikalien aus dem Verkehr gezogen.

    Die einzige “Chemikalie”, die “dem Atom” den Rang ablaufen könnte, wäre Asbest. Bei dem wussten wir auch jahre-, eher jahrzehntelang schon, wie gefährlich es ist, es hat aber die Meisten nicht sehr gestört. Die Quittung haben wir jetzt.

    Ich habe zwar keine sonstigen besseren Zahlen, aber als Unfall ist “das Atom” mW unschlagbar in seiner Potenz.

  26. #26 BreitSide
    17. März 2011

    Hier ein interessanter Link zur Risikoermittlung gegenüber Erdbeben: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/313189.html

    Sieht so aus, als könne man mit dieser Methode wesentlich genauer die Gefahren durch ein Erdbeben voraussagen. Ein schöner Auszug:

    In der Praxis wird dafür meist das stärkste Erdbeben gewählt, das in der Vergangenheit aufgetreten ist. Anschließend wird noch einen Sicherheitsspielraum aufgeschlagen. “Bei dieser Betrachtungsweise ignoriert man aber sogenannte ‘Black-Swan-Ereignisse’, die sehr selten, aber nicht unmöglich sind”, sagt Scherbaum. Er glaubt, dass sich Menschen bei der Frage, was im ungünstigsten Fall passieren kann, zu leicht von ihren eigenen Erfahrungen irreführen lassen – ein Phänomen, das Psychologen Verfügbarkeitsfalle nennen.