Und die lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Während die Medien mit ihrer angeblich so kurzen Aufmerksamkeitsspanne sich immer noch um die Erdbebenfolgen und Nuklearporobleme Japans kümmern (die New York Times bringt auch mehr als zwei Wochen nach dem Ereignis fast täglich eine Titelstory und rund zwei Seiten Berichterstattung), ist’s in den Blogs – so weit ich diese überblicken kann – erstaunlich still. Vor allem, was die Erdbebenopfer und -Folgen betrifft. Wir sind, hinsichtlich unserer Aufmerksamkeitsspanne, offenbar auch nicht besser als die Medien …

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Kommentare (19)

  1. #1 Lichtecho
    30. März 2011

    Die Landtagswahlen im Südwesten sind doch vorbei, wozu jetzt noch über Fukushima reden?

  2. #2 Nic
    30. März 2011

    Ganz so sehe ich das nicht. Aber meiner Meinung nach ist eines der Probleme, dass wir medial – zumal, wenn man von deutschsprachigen Nachrichten abhängig ist – kaum noch etwas mitbekommen von den Erdbeben- und Tsunami-Opfern. Der Fokus ist auf Fukushima gerichtet. Über die zigtausend Toten und Obdachlosen… fast Schweigen. Heute mal in der Tagesschau eine Minute: weil der Kaiser Obdachlose besuchte…

  3. #3 DFranzenburg
    30. März 2011

    Warum wird denn da in der Selbstkritik zwischen Medien und Blogs differenziert? Sicherlich nicht nur für mich gehören Blogs ebenso zu den Medien wie die Totholzdinger. *kopfschüttel*

    Und was Aktualität und Informationsfülle bzgl. Japan angeht, habe ich mir erlaubt eine Seite (an welcher ich aktiv mitarbeite) eines Blogs in der URL bei den Kopfdaten anzugeben. Da sind auch etliche Links auf scienceblogs eingepflegt…

  4. #4 Enssen
    30. März 2011

    Ich frage mich da eher, ob denn “Die Medien” etwas Gutes/Vernünftiges tun, wenn sie diese Story jetzt immer weiter oben halten. Es schwingt einfach viel Panik mit, deswegen wird noch berichtet. Ich fände eine zurückgenommenere, abgeklärtere Berichterstattung(vor allem eine, die alle Aspekte der Katastrophe im selben Maße beleuchtet) besser als das, was aktuell geschieht

  5. #5 Mithrandir
    30. März 2011

    Das Problem der Medien ist meiner Meinung nach folgendes:
    Kurz nach dem Beben/Tsunami hat man darauf hingearbeitet/suggeriert, dass demnächst das KKW in einem Riesenknall live in die Luft geht. Der Spannungsbogen funktionierte, nach dem auch noch tatsächlich einige Explosionen zu sehen waren, aber irgendwie wollte es dann doch nicht klappen. Dass da kein Atompilz aufsteigen kann, hätte man vorher wissen können (hat man wahrscheinlich auch), aber wer will so was schon wissen, zumal man genug “Experten” fand, die von den unglaublich spektakulären Ereignissen einer sicheren Kernschmelze entsetzt sein konnten.
    Jetzt hält man die Stories oben, weil man ja sonst vielleicht den Supermann verpasst, der alles plötzlich ins reine bringt.
    Meine Vermutung: Die Lage stabilisiert sich nach und nach weiter und wird langweiliger. Eventuell noch hier und da Emission radioaktiver Substanzen, die für Aufregung sorgen, aber in 2-3 Monaten (Hausnummer) ist man so weit, dass da nur noch gekühlt wird (eventuell noch zig Monate, kann ich nicht abschätzen) und man sich an eine Kapselung macht, die weit weniger spektakulär ist, als der Tschernobyl Ssarkophag.
    Wie gesagt, Vermutung, warten wir es ab.
    Die Opfer der Naturkatastrophe sind des Schreibens nicht mehr wert. Eoin bissl Mitgefühl und entsetzen, aber mehr wird da nicht mehr kommen. Selbst ein Spendenmarathon lohnt nicht. Die Japaner sind ja nun kein in Elend darbendes Volk.
    Mist, arme Medien.
    Aber nun ja, der Großteil der Konsumenten will es so haben.

  6. #6 Chris
    30. März 2011

    Für meinen Blog habe ich mich entschlossen, besser nichts zu posten, als “halbgares”. Nicht genaues wusste man in den ersten Tagen, ich bin kein Nuklearphysiker oder Geologe. Stattdessen habe ich massig Tweets weitergeleitet, bei denen ich das Gefühl hatte, qualitative Nachrichten weiterzuleiten.
    Gerade im Fernsehen war die Masse an “wir wissen es nicht genau, aber wir glauben, dass jenes passiert sein könnte” unglaublich.
    Und jetzt kommen ja auch immer noch nur vage Infos. Über die Basics sollte mittlerweile genug kommuniziert worden sein. Aber, und da stimme ich Dir vollkommen zu, über die eigentliche Katastrophe wird tatsächlich wenig geschrieben.

  7. #7 Florian Freistetter
    31. März 2011

    Das liegt vielleicht daran, dass ein Blog i.A. kein “allumfassendes Medium” wie eine Zeitung ist. Manche mögen das so sehen und berichten in ihrem Blog halt über alles was interessant ist und da kann diese Kritik berechtigt sein. Aber ich persönlich sehe mich eindeutig als Blogger und nicht als Journalist und mein Blog eindeutig als Blog und nicht als “Internet-Zeitung”. Was soll ich jetzt groß über Fukushima schreiben? Die astronomischen Randaspekte (Supermond, Bebenhäufigkeit,…) hab ich behandelt – aber weder bin ich Experte für ATomkraftwerke, noch für Zivilschutz, Aufräumarbeiten, Strahlenkrankheit oder sonst irgendeines der Themen die in Japan gerade relevant sind. Klar könnte man trotzdem darüber schreiben. Aber muss man das auch? Es gibt genug Experten die sich dazu äußern und wie gesagt: ich sehe mein Blog nicht als Internet-Zeitung an, das über alles informieren muss. Ich denke nicht, dass man Blogs in der Hinsicht so pauschal kritisieren kann. Dafür sind sie zu inhomogen.

  8. #8 MartinS
    31. März 2011

    @Jürgen:
    Deine ‘Selbstzweifel’ ehren Dich, aber bei den ganzen Diskussion auf SB zu Fukushima (Fukushima wohlgemerkt – nicht Erdbebenkatastrophe in Japan!) ist mir klar geworden, dass es immer nur um die AKW-Diskussion ging. Selbst wenn einer von euch Bloggern die Presse, die Technik, die Opfer ins Gespräch brachte, brandeten sofort die AB-SCHAL-TEN Rufe auf!
    Selbstverständlich bedauert man die Opfer der Flutwelle etc, aber das wirkliche Problem ist doch: AB-SCHAL-TEN!
    Wer zaghaft wagte an die anderen Opfer zu erinnern, wurde mit tone-troll und AB-SCHAL-TEN Rufen oder dem Vorschlag nach Japan zu reisen, um dort zu helfen, zum Schweigen gebracht.
    Nein, die günstige Gelegenheit, den Slogan “Fukushima-ist-überall” zu prägen, ein zu prägen, konnten sich die Aktivisten nicht entgehen lassen – was selbstverständlich jeder mit Inbrunst als zynisch von sich weisen wird. Einfach nur mal die Freds lesen! 🙁
    Nein: die, in die Zehntausende, steigenden Opferzahlen, die Hunderttausende von Obdach- und Heimatlosen sind nichts gegen eine Handvoll von Strahlenopfern, die die eigene gesellschaftspolitische Position untermauern.
    Und damit sich die grünen Derwische nicht aus ihren Bäumen auf mich stürzen müssen: JEDES Opfer ist gleichermaßen zu betrauern; Und: die AKW’s sollten möglichst bald abgeschaltet werden; Und: wir sollten einmal darüber sprechen, wie Hunderttausende umgesiedelt werden können oder wie die Zukunft der geschundenen Region überhaupt aussehen könnte.
    Daher: @Jürgen: Mach Dir keinen Kopf! Die anderen Opfer sind politisch uninteressant und keiner will über die reden! Wäre der Wunsch dazu da gewesen, dann hätte sich sicherlich schon vorher die Gelegenheit dazu ergeben! Freds gab es ja genug. Aktivisten leider auch!

  9. #9 vera
    31. März 2011

    Ein Erklärungsversuch: Die Folgen für die Menschen sind so unvorstellbar, daß man sich auf das beschränkt, was man verstehen kann: Daten und Fakten.

  10. #10 Ludmila
    31. März 2011

    @MartinS: Du hast es voll auf den Punkt gebracht. Ganz genau so sehe ich es auch. Was war ich froh, dass ich mir ne Auszeit genommen habe.

  11. #11 Andrea N.D.
    31. März 2011

    @Martin S.
    “Wer zaghaft wagte an die anderen Opfer zu erinnern, wurde mit tone-troll und AB-SCHAL-TEN Rufen oder dem Vorschlag nach Japan zu reisen, um dort zu helfen, zum Schweigen gebracht.”

    Das habe ich nicht so gesehen. Eher werden diejenigen, die zusätzlich zu einer Berichterstattung über die Opfer/katastrophalen Folgen etc. auch eine Diskussion über die Zukunft unserer Energieversorung wünschen, als bloed bezeichnet.
    Deshalb möchte ich auch Dir die Frage stellen: Welcher zeitlicher Abstand in der Presse ist für Dich ausreichend, um über die Katastrophe zu berichten, d.h. ab wann darf Deiner Meinung nach öffentlich über unsere AKWs diskutiert werden? Wenn diese Diskussion aufgrund eines Ereignisses in Japan neu angestoßen wurde, was hat das dann mit den Opfern der Katastrophe zu tun? Ich würde die Naturkatastrophe und deren Folgen (wovon nur eine Folge der Reaktorunfall ist) nicht in Zusammenhang mit der Atomstromdiskussion sehen (außer, dass sie von den Ereignissen in Japan angestoßen wurde). Eher hatte ich den Eindruck, dass ein Ethikmäntelchen als Strohmann über die Diskussion gehängt werden sollte. Deshalb die Frage – wie lange eigentlich und vor allem – warum?
    Ich denke, anstatt sich künstlich über irgendwelche Berichterstattung aufzuregen, sollte lieber (über Strahlung) aufgeklärt werden (ist auf SB bereits gut gemacht worden) und Informationen zur Abwägung geliefert werden, damit eine Mitte gefunden werden kann zwischen all den großartigen Möglichkeiten zur Energiegewinnung.

  12. #12 MartinS
    31. März 2011

    @Andrea N.D.
    Eine Antwort unter einer Bedingung: Es ergibt sich nicht auch hier eine Pro/Contra-AKW-Diskussion! Davon gibt es an anderen Stellen schon genug. OK?
    Lass es mich ganz grob zeitlich in eine Reihenfolge bringen:
    1 Nachricht: Beben / Tsunami – Reaktion: Oh sh*t, die armen Japaner!
    2 Nachricht: Reaktorprobleme – Reaktion: Oh sh*t, wir haben es ja schon immer gesagt!
    Der Fokus hatte sich verschoben und dabei blieb es! NIMBY!
    Den Medien laste ich es an, dass sie mit dem Versuch sich gegenseitig mit „Katastrophenmeldungen“ zu überbieten, diese hysterische Angststimmung erst erzeugt haben OHNE mit Fakten aufwarten zu können!
    Es geht (und ging) mir nicht darum, dass nicht über Kernenergie, Austritt aus selbiger oder was-weiss-ich diskutiert werden darf oder sollte. Das muss selbstverständlich sein, aber die sofortige Ausschließlichkeit (im Hinblick auf Fukushima) mit der das hier geschah, unter Ausblendung der anderen Katastrophenopfer, war unangemessen, taktlos und selbstsüchtig (aber selbstverständlich wahlentscheidend)!
    Wenn jemand wagte zu bemerken, dass bisher zwar schon Tausende Opfer des Bebens zu beklagen seien, aber bisher noch kein einziges AKW-Opfer, begann sofort die verbale Steinigung!
    Das, was die Anti-AKW-Aktivisten (damit vermeide ich den Begriff „Grüne Trolle“) hier abgeliefert haben, war Instrumentalisierung der übelsten Art – auf die übelste Art und ich nehme an, dass in einer weniger aufgeheizten Stimmung, einige von denen sonst als Trolle aus dem Thread geflogen wären. Alles in Allem eine blamable Vorstellung.
    Leider gab es nur wenige Teilnehmer der vergangenen Kommentarschlachten (Diskussionen waren es ja weniger), die es geschafft haben mit Kompetenz und Ruhe wenigstens Informationen und Quellen bereit zu stellen. Aber sogar ein großer Teil der Stamm-Kommentatoren hat sich völlig aus der Schlammschlacht raus gehalten. Warum wohl? Und warum musste der arme Jörg Rings seinen Thread schließen? Trollbefall!
    Und warum das Alles? Weil hier in Schland alles immer direkt zum Drama, zur Katastrophe, zum Untergang des Abendlandes, zum finalen Big-Bang gemacht wird, wenn es ins eigene Konzept passt!
    Und es war in Hinblick auf die tatsächlichen Opfer zynisch und abstoßend indem sie ausgeblendet wurden zugunsten einer Instrumentalisierung von Fukushima.
    Just my 2 cents.

  13. #13 radicchio
    31. März 2011

    Wir sind, hinsichtlich unserer Aufmerksamkeitsspanne, offenbar auch nicht besser als die Medien …

    aber sein wir doch mal ehrlich, helfen können wir nicht. wir können spenden und hoffen dass davon etwas ankommt. soweit der praktische teil. lindern können wir das leid der einzelnen dort nicht, vermutlich kann man es nicht einmal halbwegs nachvollziehen. es geht den opfern also nicht besser, egal, ob und wie wir die katastrophe diskutieren.
    und was machen die medien nun aus dieser situation? sie wiederholen die bilder, die wenigen statements von tatsächlich betroffenen, sie wundern sich, warum die japaner nicht endlich in panik oder wahnsinn verfallen, jede nachrichtensendung ende mit einem cliffhänger: wird nun endich das kraftwerk explodieren? – schalten sie auch nachher wieder ein, wenn es heißt: die lage ist ernst und hoffnungslos. sprich: sie machen aus dem thema ein happening. sie suhlen sich darin bis zum überdruss. japan im morgenmagazin, im frühstücksfernsehen, im mittagsmagazin, im nachmittgasmagazin … nachtjournal und nehmen ihr publikum im emotionale geiselhaft: sei gefälligst betroffen.
    aber so viel neues gibts nicht. und irgendwann ist auch der mitleidsfaktor ausgereizt. zumal diese strategie bereits seit jahren die gleiche ist. schon 9/11 wurde auf allen kanälen bis zum erbrechen ausgewalzt und wird zu den einschlägigen jahrestagen wiederholt.

    ich bin ganz froh, dass es mediale orte mit anderen schwerpunkten gibt. denn ehrlich gesagt, ja, japan ist eine schlimme katastrophe, aber es ist nicht mein problem und ich lasse es nicht von den medien zu meinem problem machen.

  14. #14 Andrea N.D.
    1. April 2011

    @MartinS
    Insgesamt scheint es wohl ein subjektives Wahrnehmungsproblem zu sein. Da ich nicht den gesamten Pressespiegel lese, ist meine Wahrnehmung hier offensichtlich nicht so ausgeprägt. Ohne Fernsehen und hauptsächlich sachlich orientiert stellt sich für mich auch das Problem des “Abstumpfens” nicht in der Schärfe; ich habe aber wohl vergessen, dass dies bei der Mehrheit der Leute nicht so ist.
    Nichtsdestrotrotz halte ich sowohl die Instrumentalisierung der Naturkatastrophe durch AKW-Gegner, wie auch die Erwiderung der (wohl meistens) AKW-Befürworter oder der Kritiker, die meinen, es müsse/dürfe jetzt nicht über die Sicherheit der AKWs in Deutschland gesprochen werden, nur weil sich in Japan eine Naturkatastrophe ereignet hat, gleichermaßen für falsch.

  15. #15 BreitSide
    1. April 2011

    Ich ziehe mal den Vergleich zu Haiti: wie lange wurde da berichtet? Haben da auch die Zeitungen 3 Wochen später noch täglich darüber geschreiben?

    Und wie war das bei dem Zunami 2004? Ach ja, da waren ja auch Deutsche dabei. Und die Bilder so schön urgewaltig.

    Was eine Katastrofe für uns “interessant” macht, ist die Möglichkeit, dass es uns selbst trifft. Und das ist bei einem Zunami definitiv nicht der Fall. Der bleibt gruselig, aber schön weit entfernt. Obwohl, in der Nordsee soll da auch ein Hang sein, der abzurutschen droht.

    Das Erdbeben hatte ja wohl in Japan die geringsten Schäden angerichtet. Und da sind wir, obwohl wir Erdbebengebiete haben, auch längst nicht so gefährdet.

    Und was geht uns das Geschehen in Japan an? Wo sind die Gemeinsamkeiten? Richtig, bei der Kernenergie. Auf deren Sicherheit wir mindestens genauso stolz sind wie die Japaner (es waren).

    Wir müssen erschrocken feststellen, dass diese Sicherheit eben trügerisch ist. Und das macht es aus, dass die Ereignisse für uns von Belang sind.

    Ganz abgesehen davon, wenn wir uns immer die Leiden der gesamten Welt bewusst machen, werden wir handlungsunfähig. Siehe Elfenbeinküste, Libyen, Syrien, Uganda, Tschetschenien usw usf etc…

  16. #16 Hel
    2. April 2011

    @MartinS

    Und es war in Hinblick auf die tatsächlichen Opfer zynisch und abstoßend indem sie ausgeblendet wurden zugunsten einer Instrumentalisierung von Fukushima.

    Sorry, Martin, aber diese Aussage finde ich wiederum zynisch, denn sie bedeutet doch im Umkehrschluss: Durch Fukushima ist ja noch nicht mal jemand gestorben 🙁

    Nein, und auch ich möchte hier nicht die Pro-/Contra-Kernkraftdebatte wieder aufleben lassen, es gibt schließlich nach wie vor genug andere Threads dazu.

    die Hunderttausende von Obdach- und Heimatlosen sind nichts gegen eine Handvoll von Strahlenopfern, die die eigene gesellschaftspolitische Position untermauern.

    Dir ist aber schon klar, dass zu den vielen Obdach- und Heimatlosen auch jene 70.000 Menschen gehören, die aus der 20 km-Sperrzone evakuiert wurden?

    Außerdem bezweifle ich stark, dass Fukushima in BW wahlentscheidend war. Kretschmann war doch schon seit Monaten eindeutig der Favorit, und nicht bloß wegen Stuttgart 21. Den rot-grünen Wahlsieg nun der “Atomhysterie” anzulasten, ist nicht nur höchst spekulativ, sondern erst recht eine Form von Instrumentalisierung.

    Im übrigen sehe ich die Sache so wie Andrea N.D. und Breiti.

  17. #17 Engywuck
    3. April 2011

    ganz “unschuldig” am Wahlsieg von grün/rot ist Fukushima Daiichi nun wirklich nicht. Zumindest wenn man den Wahlumfragen glaubt:
    http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/baden-wuerttemberg.htm
    Die Umfragen Anfang März hatten allesamt folgende Punkte gemein:
    – Schwarz+Gelb etwa gleichauf mit Grün+Rot
    – SPD vor den Grünen
    Das ändert sich erst in der zweiten Märzhälfte, wobei die letzten Umfragen bis auf 1% an die Ergebnisse an den Wahlurnen herankamen. Mit der im BaWü-Wahlrecht immanenten Bevorzugung von Parteien, die viele Direktmandate gewinnen (also der CDU…) hätte das knapp reichen können für die bisherige Regierung.

    In Zahlen:
    Immer nur Emnid (die waren recht genau am realen Endergebnis), Reihenfolge: CDU, SPD, Grüne, FDP
    27.2., 40 % 23 % 22 % 6 % — 46 zu 46
    4.3., 38 % 25 % 21 % 8 % — 46 zu 46
    12.3., 39 % 24 % 20 % 7 % — 46 zu 44
    20.3., 38 % 22 % 25 % 6 % — 44 zu 47 (und grün vor rot!)
    25.3., 38 % 23 % 25 % 5 % — 43 zu 48
    wahl: 39,0 % 23,1 % 24,2 % 5,3 % — 44,3 zu 47,3

    In gewissem Umfang kann man also durchaus sagen, dass “Japan” die Wahl entschieden hat. Wobei allerdings das herumeiern der lokalen Politiker in Land und Bund wohl auch seinen Anteil gehabt haben dürfte – vermutlich sogar den größten. Brüderle wollte die FDP ja unbedingt unter 5% treiben, Mappus hat noch mal eben schnell den Kauf der EnBW samt Kernkraftwerken fertiggestellt, Merkel stellte fest, dass da bei der Laufzeitverlängerungen wohl doch ein paar handwerkliche Fehler unterlaufen sind…
    Wobei die Grünen anscheinend eher Stimmen von FDP und SPD übernommen haben als von der CDU. Schwarzes Stammland halt…
    Ohne gute “Vorbereitung” in den Monaten zuvor hätte allerdings auch “Fukushima” die Wahl wohl nicht so entschieden. S21 war ebenfalls noch spürbar.

  18. #18 Engywuck
    3. April 2011

    zum Thema “zynischer Umgang mit Katastrophen” bzw. umgekehrt gewisse Überreaktionen (je nachdem, wie man’s sieht…) fällt mir immer mein Chemiprof ein, der beim Thema “Dioxine” meinte: “so gefährlich die auch angeblich sind: beim Sevesounglück ist nur ein Mensch deswegen nachweislich gestorben – der Produktionsleiter. Und der wurde erschossen”.
    Laut Wikipedia hat er nicht ganz unrecht: die einzig eindeutig nachgewiesene Folge *bei Menschen* ist Chlorakne. Krebs und Missbildungen bei Kindern sind nicht signifikant erhöht (letzteres allerdings evtl. wegen Abtreibungen). Dem Leid der evakuierten Bevölkerung und aller Menschen mit Gesundheitsschäden wird’s dennoch nicht unbedingt gerecht.

  19. #19 BreitSide
    3. April 2011

    Das mit den Dioxinen (es ehrt Dich, dass Du den Plural nimmst) ist so wahr wie es nicht geglaubt wird in der Öffentlichkeit.

    Allein das Wort auszusprechen erzeugt – diesmal wirklich irrationale – Ängste, gegen die Du kaum ankommst. Auch wenn Du mit Juschtschenko und dieser österreichischen Laborantin kommst, die das Mehrfache abbekommen haben als jeder Seveso-Gschädigte.

    Und erst recht, wenn Du erzählst, dass BoTox tausendmal giftiger ist als sogar 2-3-7-8-TCDD.