Für eine profunde Analyse der Konsequenzen aus dem Tod des al-Qaida-Anführers Osama bin-Laden fehlt mir zu allererst mal das Detailwissen (das zu diesem Zeitpunkt, also ein paar Minuten nach Obamas Verkündung, dass US-Einheiten bin-Laden in einem Feuergefecht in Pakistan getötet haben, noch nicht verfügbar ist) und natürlich auch die politologische Tiefe. Aber ich wollte nur mal, falls es nicht sowieso von anderen und kompetenteren Stimmen zu hören/lesen ist, vor zu viel Euphorie warnen: Bin-Ladens Tod ist sicher nur wenig mehr als eine symbolische Geste. Eine wichtige Geste für Barack Obama, ohne Zweifel. Aber wie in diesem hier als pdf verlinkten Bericht

Challenges for the U.S. Special Operations Command Posed by the Global Terrorist Threat: Al Qaeda on the Run or on the March?

von Bruce Hoffman (Georgetown University) für das US-Abgeordnetenhaus (vermutlich 2007, leider finde ich im Bericht selbst das Datum nicht) schon erklärte: Die Strukturen von al-Kaida funktionieren schon längst auch ohne die alten Köpfe. Im Gegenteil: Manchmal ist ein toter Anführer, eine tote Symbolfiur ein besserer Motivator als ein lebender. (Erinnert sich jemand noch an die Sandinistas in Nicaragua?)
Hier nun – nachträglich – der Videoclip von Obamas Erklärung:


Aber für den Fall, dass jemand vergessen hat, dass es sich bei al-Kaida – ganz entgegen dem oft vermittelten Anschein – nur bedingt um eine fanatisch-religiöse Organisation handelte, sondern dass sie viel konkretere, säkulare Ziele hatte (und auch ihre Selbstmordattentäter vor allem im Hinblick auf Effizienz und weniger auf religiös-ideologische “Reinheit” hin ausgebildet hat), veröffentliche ich hier mal die ungekürzte Abschrift eines Interviews, das ich mit dem Terrorismusexperten Robert Pape von der University of Chicago geführt hatte und das im November 2003 in FOCUS erschienen war und in dem es primär um die Natur von Selbstmordattentaten und -Attentäter ging:

Professor Pape, sind Selbstmordattentate eine Spezialität islamischer Terroristen?

Das wird allgemein angenommen, und nach den Anschlägen in Israel und vor allem denen vom 11. September, die von islamischen Fundamentalisten verübt wurden, ist das auch begreiflich. Aber ich habe für die American Political Science Review mal die Jahre zwischen 1980 und 2001 genauer untersucht, und die meisten Selbstmordattentate in dieser Zeit wurden von der LTTE, besser bekannt als Tamil-Tiger, in Sri Lanka verübt – einer marxistisch-leninistischen Gruppe, die Religion ablehnt und von einer hinduistischen Bevölkerung getragen wird. Auf deren Konto gingen 75 der insgesamt 188 Selbstmordattentate.

Aber die jüngsten Anschläge auf zwei Synagogen in Istanbul, hinter denen vermutlich Al-Kaida steckt, scheinen dieser Theorie doch zu widersprechen?

Nein. Denn Al-Kaida hat seit April 2002 gezielt die verbünden Amerikas bei der Besetzung Afghanistans attackiert – alle sieben Selbstmordanschläge der Al-Kaida zwischen April und Oktober 2002 richten sich gegen Franzosen, Deutsche, Australier oder Briten als Vergeltung, wie Bin Laden ausdücklich erklärte, für ihre Rolle als Besatzungshelfer. Im August kam Irak dazu; vergessen Sie nicht, dass die Türkei die Entsendung von 10.000 Besatzungssoldaten in den Irak beschlossen hat, eine Entscheidung, die bisher nur wegen der fehlenden Zustimmung des Regierungsrats nicht ausgeführt wurde. In der Erklärung, mit der eine Gruppe die Verantwortung für die Attentate in Istanbul übernimmt, wird ausdrücklich erklärt, dass es vor allem darum ging, die Türkei dafür zu bestrafen, dass sie sich bei der Besetzung des Irak an die Seite der USA gestellt hat.

Während palästinensische Selbstmordattentäter sich belebte Plätze, Buslinien oder andere Menschenansammlungen zum Ziel nehmen, scheint Al-Kaida ihre Ziele vor allem auch nach ihrem symbolischen Wert auszuwählen – Synagogen, Botschaften, das World Trade Center.

Al-Kaida sucht ihre Ziele nicht einfach nach ihrem Symbolcharakter aus – es geht in erster Linie darum, eine möglichst große Zahl der unschuldiger Opfer zu finden. Die IRA hatte in den 80-er Jahren meistens symbolische Anschläge verübt – oft erhielt die Polizei zehn Minuten, bevor die Bombe hochgehen sollte, einen entsprechenden Tipp. Genug Zeit, um das Zielgebäude zu evakuieren, aber nicht genug, um die Explosion zu verhindern. Das ist nicht der Stil der Al-Kaida, die typischer Weise wochen- und monatlang plant, um die Zahl ihrer Opfer zu maximieren. Und deswegen sind die Al-Kaida-Anschläge auch die tödlichsten der Geschichte.

In ihrem Artikel für die American Political Science Review stellen Sie fest, dass die Zahl der Selbstmordattentate seit 1980 stetig wuchs, während Terroraktionen insgesamt zurückgingen. Wie passt das zusammen?

Terroristische Aktivität generell hatte ihren Höhepunkt im Jahr 1988, als weltweit 666 Anschläge verübt wurden, im Vergleich zu 340 im Jahr 2001. Aber was uns dabei entgangen war – und das erklärt auch, warum uns der 11. September so unvorbereitet getroffen hat – ist die Tatsache, dass Selbstmordattentate in dieser Zeit enorm angestiegen sind. Sie machen zwar immer noch nur drei Prozent aller Terroraktivitäten aus, aber sie sind von durchschnittlich drei pro Jahr in den frühen 80-ern auf zehn jährlich in den 90-ern bis auf mehr als 25 pro Jahr in 2001 gestiegen.

Woran liegt das? Haben die alten Terroristen nur ihre Taktiken geändert – oder sind hier völlig neue Gruppierungen am Werk?

Selbstmordbrigaden sind ganz anders als “normale” Terrororganisationen. Ich hatte auch erst geglaubt, dass sie so etwas Ähnliches wie die Baader-Meinhof-Gruppe sein müssten – eine kleine Zelle von vielleicht ein bis zwei Dutzend Leuten. Aber es zeigt sich, dass Selbstmordgruppen – von Hamas über Hisbollah bis hin zu den Tamil-Tigern – aus Hunderten und Tausenden von Guerillakämpfern bestehen. Es sind tatsächlich Guerilla-Organisationen, die für ein säkulares, nationalistisches Ziel kämpfen. Das Ziel ist immer, einen demokratischen Staat, der über Militär verfügt, zum Abzug aus einem Gebiet zu zwingen, dass diese Gruppen als ihr Heimatland ansehen.

All diese Organisationen haben also als Guerillagruppen begonnen?

Ja, aber als diese Taktik versagt hat, haben sie sich auf Selbstmord-Taktiken verlegt. Ein wichtiger Grund dafür war, dass es Demokratien in den vergangenen zwei Jahrzehnten sehr schwer gefallen ist, mit diesen Selbstmord-Terroristen fertig zu werden. Schon Ronald Reagan hatte auf die Anschläge im Libanon erst mit massiven Militäreinsätzen reagiert, doch dann musste er feststellen, das er das Problem damit nicht stemmen konnte, sondern nur mehr Selbstmordattentäter motivierte. Und dann wurden Zugeständnisse gemacht – zum Beispiel der Abzug der Amerikaner und Franzosen aus dem Libanon 1984, oder der beschleunigte Rückzug der Israelis aus dem Gazastreifen und der West Bank 1994/95. Und das hat den Selbstmordbombern gezeigt, dass sie mit ihrer Taktik Resultate erzielen können. Sie haben gesehen, dass sie sich lohnt.

Sich lohnt, weil man sonst nicht viel zu verlieren hat? Es scheint ja, dass Selbstmord-Attentäter immer nur aus den benachteiligten Regionen und Bevölkerungsgruppen der Welt stammen.

Armut wird oft als die Wurzel des Terrorismus angeführt. Aber es ist zwar richtig, dass die Länder, aus denen Selbstmordattentäter stammen, meist längst nicht so reich sind wie die Vereinigten Staaten – aber sie sind auch längst nicht die ärmsten Länder der Welt. Es gibt sehr viele Staaten in Afrika, die wesentlich ärmer sind als beispielsweise der Libanon, und doch bringen sie keine Selbstmord-Attentäter hervor. Aber alle Selbstmord-Organisationen haben eines gemeinsam: Ihr Gegner ist immer eine demokratische Besatzungsmacht.

Vielleicht ist das ja nur ein Zufall?

Es ist wirklich verblüffend, aber das Ziel jeder modernen Selbstmordkampagne war eine Demokratie: USA, Frankreich, Israel. Und selbst Sri Lanka, die Türkei und Russland wurden erst zum Ziel solcher Anschläge, nachdem sie demokratisch wurden, nicht vorher. Die kurdische PKK ist ein deutliches Beispiel: Sie hat Selbstmordanschläge gegen die Türkei eingesetzt, die nur, sagen wir mal, “mäßig brutal” gegen die Kurden vorgegangen ist. Aber niemals haben die Kurden Selbstmordanschläge gegen Saddam Hussein eingesetzt, obwohl er viel übler mit den Kurden in seinem Land vorgegangen war. Sie sind, wie gesagt, ein strategisches Element im Kampf gegen eine demokratische Besatzungsmacht.

Wie wichtig ist es dabei, dass der “Kämpfer” stirbt? Teilnehmer an militärischen Himmelfahrtskommandos haben ja immer noch die Hoffnung, lebend durchzukommen, aber ein Selbstmordbomber, der sich ein paar Kilo Sprengstoff um die Brust schnallt, kann doch bestenfalls hoffen, dass er schnell stirbt.

Nein, seine größte Hoffnung ist, dass er maximalen Schaden mit größtmöglicher Zuverlässigkeit anrichtet. Per Fernsteuerung hätten die Attentäter vom 11. September die Flugzeuge halt nicht ins World Trade Center und ins Pentagon lenken können. Das haben sie von Japans Kamikaze-Fliegern gelernt, die eine fünf Mal größere Trefferquote hatten als normale Bombenabwürfe. Auch die Anführer der Selbstmordbrigaden weisen immer wieder auf die größere Effizienz der Selbstmordanschläge hin. Das ist auch belegbar: Ein normaler Terroranschlag forderte im Durchschnitt der vergangenen zwei Jahrzehnte ein Todesopfer; aber ein Selbstmord-Attentat kostete im Schnitt dreizehn Menschenleben, und dabei sind die Anschläge vom 11. September gar nicht eingerechnet. Den Attentätern kommt es nicht darauf an, zu sterben – sie wollen ihre Mission erfüllen, nur das zählt.

Aber das Versprechen, ein Märtyrer zu werden, ist doch ein wesentliches Element bei der Rekrutierung?

Ich habe die Rekrutierungen mal genauer unter die Lupe genommen und dabei überrascht feststellen müssen, wie dünn dieses Element ist. Nehmen wir mal Al-Kaida als Beispiel, weil da wissen wir Einiges durch die Vernehmungen von Leuten, die Bin Ladens Trainingscamp in Afghanistan absolviert hatten. Wir wissen mit großer Sicherheit, dass die Ausbildung dort zwei Monate gedauert hat, von denen aber nur zwei Wochen für religiöse Unterweisung verwendet wurden. Und die diente weniger zur Vorbereitung auf den Märtyrertod, sondern vor allem dazu, ihnen zu erklären, warum sie Unschuldige töten dürften, was im Islam streng verboten ist. Das alles ist aber keine massive Gehirnwäsche, sondern nur eine dünnes religiöses Mäntelchen für strategische Missionen gegen demokratische Besatzer, im Fall der Al-Kaida waren dies die US-Truppen auf der arabischen Halbinsel.

Und damit kann man Leute freiwillig in den Tod schicken?

Betrachten Sie’s mal so: Aus Umfragen wissen wir, dass 95 Prozent der saudiarabischen Bevölkerung zwar nicht mit den Methoden, aber mit den Zielen von Bin Ladens Al-Kaida einverstanden ist. Und da ist es nicht mehr so überraschend, wenn ein paar Handvoll aus dieser Bevölkerung so sehr von diesem Ziel erfüllt sind, dass sie dafür ihr Leben in einem Selbstmordanschlag geben würden.

Aus unserer Sicht scheint dies immer noch völlig irrational. In westlichen Medien werden die Attentäter stets als verrückt oder irrsinnig bezeichnet. Ist es ein Irrsinn mit Methode?

Unter den 188 Selbstmordanschlägen, die ich untersucht habe, gab es vielleicht neun, die man als irrationales Handeln eines Einzeltäters bezeichnen könnte. Es ist doch bezeichnend, dass die Terrororganisationen in der Lage sind, die Selbstmordaktionen nach Belieben an- und abzuschalten. Wenn die Hamas Anschläge als Vergeltung gegen Israel ankündigt, dann geschehen sie auch. Und wenn die Hamas eine dreimonatige Pause ankündigt, dann stoppen sie. Und das ist nur möglich, weil es eben ein sehr starkes Element von Rationalität in diesem Selbstmordaktionen gibt.

Das klingt ja fast so, als ob Selbstmordanschläge ein modernes, aufgeklärtes Phänomen wären?

Es gibt zwar ein paar historische Beispiele, wie etwa die Assassinen des 11. Jahrhunderts oder die Anarchisten des 19. Jahrhunderts. Aber das waren immer nur Einzelfälle, nie Hunderte oder gar Tausende. Selbst in den 50-er und 60-er Jahren, im Vietnamkrieg oder in Algerien, gab es dieses Phänomen noch nicht – obwohl Algerien doch islamisch ist. Ich habe eine ganze Reihe von Assistenten auf die Recherche angesetzt, aber bis zu den Anschlägen im Libanon Anfang der 80-er Jahre finden wir nichts. Selbstmordattentate sind also in der Tat ein modernes Phänomen, und zwar eines, das ansteckend ist, weil sich damit Erfolge erzielen ließen.

Und was können moderne Gesellschaften dagegen tun?

Das ist nicht leicht zu beantworten. Denn Eroberung und Besetzung bringen nur mehr potenzielle Selbstmordattentäter hervor – Rückzug und Aufgabe dagegen werden die Selbstmordattentäter nur weiter ermutigen, weil sie ja Erfolge erzielt haben.

Das bedeutet doch, dass der “Kampf gegen den Terror”, als den der Krieg gegen den Irak bezeichnet wurde, diesen Terror nur verschlimmern kann?

Ich fürchte, dass die Entwicklung im Irak meine Theorie am deutlichsten belegt. Zwischen 1980 und 2002 gab es weltweit 16 Selbstmord-Terrorkampagnen, und alle 16 standen im Zusammenhang mit Besetzung durch ein demokratisches Land – statistisch geht dies weit über jeden Zufall hinaus. Und die US-Besatzung im Irak hat nun die 17. Kampagne hervor gebracht. Denn bis zu diesem Jahr hatte es im Irak nie einen Selbstmordanschlag gegeben, doch seit dem August wurden bereits mehr als ein Dutzend solcher Anschläge verübt, die sich alle gegen ausländische Besatzungsmächte oder kollaborierende Iraker richteten. Die Gründe sind klar: Erstens haben wir, eine Demokratie, das Land besetzt. Und zweitens versuchen wir, diese Gesellschaft nach unseren Vorstellungen umzuformen und sicher zu stellen, dass keine islamische Fundamentalisten an die Macht kommen. Aber das ist Staatenbildung nach unseren Vorstellungen, nicht nach den Wünschen der Einheimischen. Genau diese Konstellation ist es, die neue Selbstmordattentäter hervor bringt, und die Anfänge dieser Entwicklung haben wir ja schon gesehen.

flattr this!

Kommentare (67)

  1. #1 Grundumsatz
    2. Mai 2011

    Außer ein paar rechten Hetzern wird in Deutschland wohl niemand euphorisch reagieren. Warum auch? Bin Laden ist ja quasi wie Jesus; keiner hat ihn je live gesehen und was man sich von seinen Taten erzählt, ist ähnlich glaubwürdig wie die Märchen der Bibel.

    Bin Laden hätte man übrigens ganz offiziell schon 2001 dingfest machen können. Die Taliban hatten seine Auslieferung angeboten, aber Bush & Konsorten wollten unbedingt ihren Krieg. Bzw. ihre Kriege. Der Irak unter Saddam Hussein war ja auch am 11. September “beteiligt”.

    http://www.cbsnews.com/stories/2002/09/04/september11/main520830.shtml

  2. #2 knorke
    2. Mai 2011

    Ich finde, dass die Köpfe von irgendwelchen Terrornetzwerken ohnehin mehr durch ihre Ausstrahlung wichtig sind – ab einer bestimmten Größe jedenfalls. Und diese Ausstrahlung mag über den Tod hinaus sogar stärker wirken. Terrornetzwerke sind eben – Netzwerke – was interessiert es den Al Qaida-Zellenführer in – k.A. – Nigeria oder Westeuropa, ob irgendwo in Pakistan ein Osama Bin Laden in der Höhle hockt. Seine Anweisungen und Unterstützung ist davon bestimmt nur begrenzt betroffen. Relevant wird soetwas erst, wenn man einen ganzen Führungsstab kriegt, denn dann muss das Netzwerk sich komplett neu organisieren. Aber das ist nur eine blanke Meinung bin kein Experte.

  3. #3 Anke Bebber
    2. Mai 2011

    Hey,
    als ich heute morgen die Nachricht las, war meine erste Reaktion “Wow.” und meine zweite “Na, wenn das mal keinen Krieg gibt…” Ich hoffe, dass es sich nur um ein ungutes Gefühl handelt. Von Euphorie ist von meiner Warte aus jedenfalls nichts zu spüren…

  4. #4 KommentarAbo
    2. Mai 2011

  5. #5 Dr. Webbaer
    2. Mai 2011

    Eine wundervolle Nachricht, danke Obama! –

    Aber für den Fall, dass jemand vergessen hat, dass es sich bei al-Kaida (…) nur bedingt um eine fanatisch-religiöse Organisation handelte, sondern dass sie viel konkretere, säkulare Ziele hatte:

    , mag sein, mag sein, hierzu will sich Dr. Webbaer heute nicht erregen und gar gegenreden, man kann auch einmal Fünfe gerade sein lassen an einem Tag wie diesen!

    MFG
    Dr. Webbaer

  6. #6 stl
    2. Mai 2011

    Da gibt es keinen Grund Danke zu sagen. Ich fürchte Vergeltungsschläge und eine Art von unendlicher Geschichte…
    Für mich heißt diese Behauptung,

    Das Ziel ist immer, einen demokratischen Staat, der über Militär verfügt, zum Abzug aus einem Gebiet zu zwingen, dass diese Gruppen als ihr Heimatland ansehen.

    dass man mit einem Abzug eben den Frieden wiederherstellen kann (abgesehen davon, dass die Logik des Kriegs eine ist, die ich noch nie verstanden habe, und sie ist wohl auch hier eine andere als ich mir denke, außerdem ist immer aufs betroffene Volk zu hören.) Zu naiv?
    Die Organisationen begannen als Guerilla, später änderten sie ihre Vorgehensweise gegen Demokratien – weil sie Erfolge hatten. Und der “Kampf gegen den Terror”, als den der Krieg gegen den Irak bezeichnet wurde, verschlimmerte diesen Terror nur, was durch Zahlen belegt wurde.
    Liegt es an meinem Textverständnis, oder an was anderem, aber darin steckt die Lösung. Terrorvermeidung einfach gemacht – schlicht nicht einmarschieren. Krieg ist eben keine Lösung.
    Stimmen die Thesen des Autors, dann wäre es allmählich an der Zeit, mal die Methodenwahl der Demokratien zu überprüfen und die Taktik zu ändern.
    Ich sehe nicht, dass das geschieht.

  7. #7 Klaus
    2. Mai 2011

    “Da gibt es keinen Grund Danke zu sagen. Ich fürchte Vergeltungsschläge und eine Art von unendlicher Geschichte…”
    Ist doch wirklich nicht neu!
    Die unendliche Geschichte läuft schon seit Kain und Abel!

  8. #8 Dr. Webbaer
    2. Mai 2011

    Beim hier zitierten Interview mit Robert Pape interessiert vielleicht den einen oder anderen noch ein wenig warum die letzte Aussage Pape’s –

    (…) Erstens haben wir, eine Demokratie, das Land besetzt. Und zweitens versuchen wir, diese Gesellschaft nach unseren Vorstellungen umzuformen und sicher zu stellen, dass keine islamische Fundamentalisten an die Macht kommen. Aber das ist Staatenbildung nach unseren Vorstellungen, nicht nach den Wünschen der Einheimischen. Genau diese Konstellation ist es, die neue Selbstmordattentäter hervor bringt, und die Anfänge dieser Entwicklung haben wir ja schon gesehen. (Pape, 2003)

    – nicht mit einer (letzten) Frage wie –

    Q: War denn Afghanistan mit den dort herrschenden “islamischen Fundamentalisten”, den Taliban, nicht genau die “Staatenbildung”, die den “Wünschen der Einheimischen” entsprach und die dann die Terrorplaner von 9/11 beherbergte, verköstigte, unterstützte und die dann Terror exportierte, Mister Pape?

    – konfrontiert worden ist…

    MFG
    Dr. Webbaer (heute ein “rechter Hetzer”?)

  9. #9 stl
    2. Mai 2011

    @Klaus
    Hm?
    Nein, erzähl mir nicht, wer Kain und Abel waren, habe die gegoogelt, aber dann wird es doch wirklich höchste Zeit, die Vorgehensweise endlich zu verändern, Intelligenz vorausgesetzt.

  10. #10 Klaus
    2. Mai 2011

    Aus Frühstück bei Stephanie (NDR)

    Es iss wie s iss!

  11. #11 Physiker
    2. Mai 2011

    Vielen Dank für dieses Interview. Sehr aufschlussreich und informativ – ich habe selten so viel Neues beim Lesen eines Scienceblog-Artikels gelernt.
    Das Schweigen der Kommentatoren zu diesem Interview spricht aber auch Bände…

  12. #12 cydonia
    2. Mai 2011

    Ich finde das Interview schon sehr interessant…..was mich aber befremdet, ist die klare Trennung, die Robert Pape zwischen Religion und Ideologie zieht. Der Unterschied erschließt sich mir nicht, und aus dem Grund halte ich seine Argumentation für nicht ganz schlüssig.
    Die Al-quaida töten, weil sie glauben, dass sie recht haben. Und dass sie auch das Recht haben, zu töten. Und dass demokratische Systeme eine Pest sind….
    Sie beißen sich an etwas fest, das sie gedanklich nicht bearbeiten wollen, und sind auch deswegen zu jeder Schandtat bereit. Wie gesagt, ich kann den Dreh nicht nachvollziehen, dass es irgendwie nicht die Ideologie/Religion ist, die sie zu so effektiven Tötungsmaschinen macht.
    I’m not convinced!

  13. #13 Jürgen Schönstein
    2. Mai 2011

    @cydonia
    ich denke, er will damit sagen, dass es der ideologische Aspekt dieser islamischen Bewegung ist, der die Selbstmordanschläge motiviert hat. Als ich das Interview geführt habe, wurde nur all zu schnell “Islam = Selbstmordattentäter” argumentiert; jeder Moslem ein potenzieller, selbstzerstörerischer Terrorist, der auf 72 Jungfrauen im Paradies hofft. Was Pape – meiner Ansicht nach sehr plausibel – erklärt hatte war, dass diese Selbstmordattacken eine Methode sind, die bei einer sehr konkreten Konstellation angewandt werden: dem Kampf gegen eine als fremd empfundene oder eindeutig ausländische (Besatzungs-)Macht, die ihrerseits aber demokratisch konstituiert und daher für Beeinflussung ihres internen öffentlichen Meinungsbildes durch solche scheinbar unvorstellbaren Terrorakte empfänglich ist/scheint. Und in dieser Konstellation ist nur eine Ideologie als Motivation nötig, aber nicht zwingend eine Religion.

  14. #14 cydonia
    2. Mai 2011

    Danke für die Einbettung in den zeithistorischen Kontext, Jürgen.
    Dennoch möchte ich dann, nach deinem letzten Satz, nochmal nachhaken: “Nur eine Ideologie……., nicht zwingend eine Religion.” Wo ziehst du denn die Grenze?

  15. #15 karola
    2. Mai 2011

    Benazir Bhutto – Osama Bin Laden ist schon seit 2007 tot !!!

    http://tinyurl.com/6esqy87

    mhhh….

  16. #16 s.s.t.
    2. Mai 2011

    @karola

    Benazir Bhutto – Osama Bin Laden ist schon seit 2007 tot !!!

    Gut möglich, hatte ich zumindest bis heute für sehr wahrscheinlich gehalten. Denn es gibt, soweit ich weiß, von ihm schon lange keine Videobotschaft mehr, höchstens qualitativ minderwertige Tondokumente, die sich nur mit einem gerüttelt Maß an Zweifeln ihm zuordnen lassen.

    Lt. Medien war OBL schon Anfang 2000 schwer krank, ein zwischenzeitliches, natürliches Ableben ist da durchaus naheliegend. Mich macht auch die blitzschnelle DNA-Identfizierung stutzig, das schafft ja noch nicht einmal CSI (Dass vorher von ihm Spuren eingesammelt wurden, hat bisher, nach meiner Kenntnis, niemand erwähnt.).

    Sei es wie es ist, früher oder später wird sich wieder ein relativ brillianter Kopf finden, der dem Terror die Schlagkraft von 9/11 gibt. Bis dahin wird man sich mit weitgehend erratischen Anschlägen (bzw. Versuchen) ‘begnügen mussen’ (hier: Kofferbomber, Sauerlandgruppe, FaM-Flughafen, Düsseldorf).

  17. #17 Jürgen Schönstein
    2. Mai 2011

    @cydonia
    Keine Grenze möglich. Es sind eher die “zwei Seiten der Medaille” – al-Kaida ist religiös aufgestellt, ohne Zweifel, verfolgt aber politische (territoriale) Ziele, nämlich die Wiederherstellung des Kalifats. Und das ist (war) sowohl eine religiöse als auch eine säkulare Institution.

  18. #18 Dr. Webbaer
    3. Mai 2011

    Das Kalifat ist die typische ismalisch legitmierte Herrschaftsform, Kalif bedeutet übersetzt “Nachfolger des Gesandten Gottes”.

    Es ist ein Irrtum zu glauben, dass bestimmte Ziele El Kaidas nicht religiös motiviert sind.

    Der Islam deckt den gesamten Lebensbereich des Gläubigen ab, also auch “säkular” (saeculum, ein schlechtes Wort hier) Erscheinendes.

    HTH
    Dr. Webbaer

  19. #21 perk
    3. Mai 2011

    Der Islam deckt den gesamten Lebensbereich des Gläubigen ab, also auch “säkular” (saeculum, ein schlechtes Wort hier) Erscheinendes.

    gleiches gilt für juden- und christentum.. nichts neues unter der sonne

    Alles, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.

    aber der webbär ist ja am islam festgebissen, weil ihm dessen extremisten und faschisten mehr auffallen .. im zeitgeschichtlichen kontext aber nur ein geringer peak nach oben, der locker im rauschen des terrors im namen aller monotheistischen religionen aufgeht

    den nachweis eines alleinstellungsmerkmales bleibt er vermutlich auch weiterhin schuldig

  20. #22 Dr. Webbaer
    3. Mai 2011

    @klein(geschrieben)er Perk
    Der Islam unterscheidet sich von den anderen abrahimitischen Religionen dadurch, dass er den gesamten Lebensbereich des Menschen abdeckt. Nur er kommt mit einem Rechtssystem, das dbzgl. keine Fragen offen lässt, kommen doch noch Fragen, dann lässt der Mufti eine Fatwa raus. – Etwas grob formuliert, aber im Kern ist es so. – Das in den letzten Jahren allgemein gestiegenen Interesse am Islam ist auf die Wanderungsbewegung desselben zurückzuführen und natürlich auf dessen Gewaltanwendung (die ja bekanntlich auch oft koranisch begründet werden kann).

    Das war aber nicht der Punkt. Der Punkt war, dass Herr Schönstein mehrfach mit dem Begroff der Säkularisierung kommt, wenn er die El Kaida adressiert.
    Die Säkularisierung meint die Verweltlichung, ist dem Religiösen entgegengesetzt, Herr Schönstein meint womöglich “zivil”, “machtpolitisch” und “handfest”, wenn er El Kaida’s Ziele beschreibt. “Säkular” ist an der El Kaida nüscht.

    MFG
    Dr. Webbaer

  21. #23 spielkind
    4. Mai 2011

    Der Kampf gegen den Terror hat mit der Tötung von Bin Laden längst nicht sein Ende erreicht!

    Heute Abend war diese Diskussion auch bei Maischberger…
    Hier ist eine Diskussion dazu:

    http://www.expertenwatch.de/?p=1599

    MFG

    spielkind

  22. #24 Christian
    4. Mai 2011

    Hach, das Meer, ich liebe es.
    Was es nicht alles aufnimmt: hingemeuchelte Top – Terroristen, Schweröl aus Tankerreinigungen, Giftmüll, unkontrollierbare AKW-Betriebsstoffe, und die Segnungen der kunststoffverarbeitenden Industrie:

  23. #25 jitpleecheep
    4. Mai 2011
  24. #26 Christian
    4. Mai 2011

    @jitpleecheep

  25. #27 Jürgen Schönstein
    5. Mai 2011

    @WB
    Eigentlich müsste selbst ein Bär – dessen geistige Leistungsfähigkeit erwartungsgemäß unter der eines Menschen liegen dürfte – auf die Antwort auf seine eigene Frage

    Q: War denn Afghanistan mit den dort herrschenden “islamischen Fundamentalisten”, den Taliban, nicht genau die “Staatenbildung”, die den “Wünschen der Einheimischen” entsprach und die dann die Terrorplaner von 9/11 beherbergte, verköstigte, unterstützte und die dann Terror exportierte, Mister Pape?

    kommen, aber damit ist er denn wohl doch überfordert. Also hier, quasi als Denkersatz für Webbären: Selbstmordattentate der Taliban gibt es erst seit dem Einmarsch fremder Mächte, i.d.F. den Koalitionstruppen. Bestätigt also genau Papes Analyse der Selbstmord-Attentäter. Überrascht? Die al-Kaida hatte sich zwar in Afghanistan eingenistet, aber war kein Teil der Taliban. Ist ja nur jüngere Geschichte, die muss ein alter Bär nicht kennen, so lange er seine pelzige Ideologie hat, gell?

  26. #28 DarkSide
    6. Mai 2011

    Es ist mal wieder typisch, ein Großabnehmer der USA ist pleite, dann wird er beseitigt. Osama bin Laden war meines Erachtens der größte Abnehmer von Waffen der USA und somit deren bester Kunde. Als von Saddam Hussein nichts mehr zu holen war, wurde er aufgeknüpft. Jetzt war Osama knapp bei Kasse, wird kurzerhand erschossen.

    Ja ja, wo die Amis nichts mehr holen können, spielen sie Onkel Sam und beseitigen die Leute. Sicherlich bin ich kein Befürworter Husseins oder bin Ladens, denn jeder Moslem weniger ist ein Zugewinn. Dieses ganze Islampack kann ich nämlich nicht leiden.

    Aber eins haben die Amis und die Islamisten gemeinsam. Beide sind sie machthungrig. Von mir aus sollte man USA und den Islamisten die Wüste Gobi zuweisen, beide aufeinander loslassen und die Welt hat Ruhe. Beide haben es gemeinsam, der Welt ihren Stempel aufdrücken zu wollen. Und wer den Amis keine Vorteile bringt, wird aus dem Weg geräumt, wer nicht mit den Ami-Wölfen heult, wird diskriminiert und diffamiert. Wiederholt sich nicht da ein Stück Geschichte??

  27. #29 Dr. Webbaer
    6. Mai 2011

    @Jürgen Schönstein
    Sie sind hier gebeten worden zu erklären, warum Sie diese sich aus dem Interview ergebende naheliegende Frage –

    War denn Afghanistan mit den dort herrschenden “islamischen Fundamentalisten”, den Taliban, nicht genau die “Staatenbildung”, die den “Wünschen der Einheimischen” entsprach und die dann die Terrorplaner von 9/11 beherbergte, verköstigte, unterstützte und die dann Terror exportierte, Mister Pape?

    – nicht Ihrem Interviewpartner Robert Pape gestellt haben?

    Dass die Taliban “nur” unterstützend in 9/11 verwickelt waren ist klar, es ging aber um den Export von Terror aus einem Land, das den “Wünschen der Einheimischen” entsprach. – War Ihnen die Frage also abwegig, fernliegend und an der Sache vorbeigehend?

    Bonusfrage:
    Sie meinen also, dass man nicht gegen die Taliban hätte vorgehen sollen, um keine nachfolgenden Selbstmordanschläge zu, hmmm, evozieren?

    MFG
    Dr. Webbaer

  28. #30 Jürgen Schönstein
    6. Mai 2011

    @WB
    Ihr Denkfehler beginnt bei “naheliegend” – Afghanistan, respektive die Taliban, hatten zum Zeitpunkt der Frage (noch) keine Selbstmordattentate gegen Besatzungsmächte verübt. Also stellte sich diese Frage im Kontext dieses Interviews nicht. Der “Export”, von dem Sie zu reden scheinen – ist ja nie ganz klar bei Ihnen, worauf Sie rauswollen – wurde von al-Kaida praktiziert, und kein Afghane war daran beteiligt. Alles weitere können Sie selbst in historischen Quellen nachlesen. Und alles, was Pape – nicht ich – meinte (können Sie eigentlich auseinander halten, wer was wann sagt, oder vermischen Sie immer alles zu einem Brei) war, dass man sich über die Konsequenzen des eigenen Handelns klar sein muss. Ob man dann dennoch die Handlung vornimmt, ist eine politische Entscheidung.

  29. #31 Dr. Webbaer
    6. Mai 2011

    Der “Export”, von dem Sie zu reden scheinen – ist ja nie ganz klar bei Ihnen, worauf Sie rauswollen – wurde von al-Kaida praktiziert, und kein Afghane war daran beteiligt.

    Okaay, wer also national eine Terrorzelle beherbergt und deren internationales terroristisches Wirken zulässt (“zulassen muss”, “nichts davon weiß und ahnt” – so war’s wohl womöglich gemeint), betreibt selbst keinen Export von Terror – Dr. Webbaer kann Ihrer Sicht auf die Dinge nun folgen.

    MFG
    Dr. Webbaer

  30. #32 perk
    6. Mai 2011

    Der Islam unterscheidet sich von den anderen abrahimitischen Religionen dadurch, dass er den gesamten Lebensbereich des Menschen abdeckt. Nur er kommt mit einem Rechtssystem, das dbzgl. keine Fragen offen lässt, kommen doch noch Fragen, dann lässt der Mufti eine Fatwa raus.

    ich gehe mal davon aus das soll humor sein..

    aber gut ich lasse mich mal von ihnen trollen und geh darauf ein:

    Das Judentum unterscheidet sich von den anderen abrahimitischen Religionen dadurch, dass es den gesamten Lebensbereich des Menschen abdeckt. Nur er kommt mit einem Rechtssystem(Leviticus + Talmud), das dbzgl. keine Fragen offen lässt, kommen doch noch Fragen, dann lässt der Rabbi eine Midrasch raus.

    oder:

    Der Katholizismus unterscheidet sich von den anderen abrahimitischen Religionen dadurch, dass er den gesamten Lebensbereich des Menschen abdeckt. Nur er kommt mit einem Rechtssystem(Katechismus+Kodex des Kanonischen Rechts), das dbzgl. keine Fragen offen lässt, kommen doch noch Fragen, dann lässt der Papst eine Apostolische Konstitution raus.

    welche der 3 varianten ist richtig?

  31. #33 Dr. Webbaer
    6. Mai 2011

    @perk
    Nennen Sie einfach das Äquivalent zu Ihrer Scharia.

    MFG
    Dr. Webbaer

  32. #34 Jürgen Schönstein
    6. Mai 2011

    @WB
    Warum vergesse ich eigentlich immer wieder, wie sinnlos es ist, mit Ihnen diskutieren zu wollen? Aber aus Respekt für die Mitleserinnen und -Leser (und nur die interessieren mich noch) will ich es dennoch mit einer letzten – und zwar auf alle WB-Kommentare in allen Foren – Antwort versuchen. Obwohl ich die damit verschwendete Zeit um sooo vieles gewinnbringender hätte verwenden können. Zum Beispiel, um mir die Nasenhaare rosa zu färben oder mir eine detaillierte Weltkarte aufs linke Knie tätowieren zu lassen.

    Es geht schon mit der Frage- und Unterstellung los, warum (=dass) ich im Interview mit Pape absichtlich die Ihnen so zwingend erscheinende Talibanfrage nicht gestellt hatte. Die Frage ist in der gleichen Perfidie konzipiert wie jene, warum Sie eigentlich aufgehört haben, Kinder zu schlagen. (Ich vermute mal, dass Sie mit diesem Beispiel jetzt überfordert sind – aber sei’s drum, das sind Sie mit so vielem …) Meine Antwort, die ich höflicher Weise dennoch gegeben habe, lautete: Weil sie nicht relevant war. Das sollte eigentlich genügen, aber Sie wollen mich ja lieber zum Taliban-Apologeten umstempeln, und darum räsonnieren Sie so: Da al-Kaida Trainingslager in Afghanistan unterhielt und bei den Taliban ein Gastrecht in Anspruch nahm => al-Kaida=Taliban=Selbstmordattentäter=Schönstein ein Apologet für die Taliban und für Selbstmordattentäter.

    Fangen wir doch gleich mal bei der geographischen Kollektivschuld an, die Sie hier verhängen: Wenn die räumliche Anwesenheit von al-Kaida-Zellen zwangsläufig eine vollinhaltliche Mittäterschaft an den Anschlägen des 11. September bedeutet – dann sieht’s aber für Deutschland gaaanz finster aus. Denn die Anschläge wurden in meiner langjährigen Wahlheimat und Lieblingsstadt Hamburg geplant (Stichwort Hamburger Terrorzelle). Afghanen oder Talibane waren hingegen nicht beteiligt – oder haben Sie hier andere Beweise, außer Ihren konstanten Verdächtigungen, dass jeder Moslem sowieso ein potenzieller Terrorist ist?

    Aber selbst wenn die Anschläge unter afghanischer Beteiligung stattgefunden hätten: Ihre “Ratio” (leider gibt es das Wort “Irratio” nicht, aber vielleicht sollten wir es hiermit einführen) war, dass die Präsenz von Amerikanern in Saudi-Arabien (als Folge des Golfkriegs von 1991) eine Schändung der heiligen Stätten Mekka und Medina sei. Ich persönlich glaube zwar, dass dies von bin-Laden & Co. nur als äußerer Vorwand genommen wurde, um fanatische Selbstmordattentäter zu rekrutieren; dass sich die Selbstaufgabe am ehesten durch territoriale Loyalität motivieren lässt, hat Pape ja nicht als erster entdeckt, und es war sicher auch den al-Kaida-Bossen instuitiv bekannt: dulce et decorum est pro patria mori. Also selbst wenn die Taliban aktive Förderer/Finanzierer/Vollstrecker der Anschläge vom 11. September gewesen wären, hätten diese immer noch nichts mit den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in Afghanistan zu tun gehabt bzw. zu tun haben müssen.

    Was mich dabei wirklich wurmt ist, dass man Ihre verquaste – nein, streichen sie das, hier ist wirklich mal ein schärferes Wort angebracht, und ich wähle dummdreiste – Unterstellerfragerei nur dadurch beantworten kann, dass man scheinbar (!) solche unappetitlichen Gruppen wie die Taliban verteidigt. Weil Sie es in ihrer platten, unfleixblen schwarz-weiß-Malerei so unterstellen.

    Und auch wenn Sie’s beleidigt: Genau das war es, was ich mit meiner Hundekackemetapher meinte. Schnell mal ein Häufchen kommentarisch hingesetzt, ganz ohne Anstrengung – aber der “Hausherr” muss dann mit viel Mühe wischen, bis er die Dreckspuren wieder weg kriegt. Und das ist echte Sch…

  33. #35 ali
    6. Mai 2011

    Ja, im Häufchen setzen ist er grossartig. Leider erinnert er sich in der Regel aber nicht was er gegessen hat und der Verdauungsprozess ist ebenfalls völlig unbekannt. Man weiss nur am Ende stinkts und täglich muss so ein Häufchen hin.

    Ich weiss genau was du meinst. Zumindest meint er bei dir nicht schon wegen dem Namen Rückschlüsse auf deine Intentionen ziehen zu können.

  34. #36 Bullet
    6. Mai 2011

    @Jürgen:

    Was mich dabei wirklich wurmt ist, dass man Ihre dummdreiste Unterstellerfragerei nur dadurch beantworten kann

    Na endlich sagts mal einer, der nicht nur kommentiert.
    Dieser Schwachkopf (auweia, jetzt ist mir aber was unhöfliches rausgerutscht) kann das Wort “deutsch” nicht schreiben und versucht, mit gespreizten Sätzen irgendwie rüberzubringen, daß er es wohl besonders aufm Kasten habe. Was natürlich schiefgeht. -> Das hättest du noch miteinfließen lassen sollen.

  35. #37 Dr. Webbaer
    6. Mai 2011

    @Jürgen Schönstein

    Es geht schon mit der Frage- und Unterstellung los, warum (=dass) ich im Interview mit Pape absichtlich die Ihnen so zwingend erscheinende Talibanfrage nicht gestellt hatte.

    Absichtlichkeit war nicht unterstellt, wenn Sie noch einmal genau lesen, dann war angefragt, warum Sie eine bestimmte und für den Schreiber dieser Zeilen naheliegende Frage nicht an Robert Pape gestellt haben.Sie hätten gerne auch ganz einfach antworten können: Da gab es keinen besonderen Grund!

    In der Folge hätten Sie vielleicht noch ein paar Worte finden können, die die Frage als naheliegend oder abwegig kennzeichnen; nicht gut ist es aber, wenn Sie die an Sie gerichtete Frage dahingehend verstehen, dass diese impliziert, dass sie Unterstellungen beinhaltet, Ihnen absichtliches Unterlassen vorhält. – Woher soll der Schreibär dieser Zeilen denn wissen, ob Sie absichtlich oder unabsichtlich die Frage nicht gestellt haben?

    Das war wohl der wichtigste Punkt des Missverständnisses, Ihre Hundekackemetapher mit der Sie den Schreiber dieser Zeilen herabsetzen, was erst gerade gelesen wurde, lässt weitere Stellungnahme nicht sinnvoll erscheinen.

    MFG
    Dr. Webbaer

  36. #38 perk
    6. Mai 2011

    halacha

    aber sowas findet man natürlich nicht, wenn man sich selbst ständig öffentlich die weltgrößte webkompetenz attestiert …da ist man ja viel zu beschäftigt

  37. #39 Dr. Webbaer
    6. Mai 2011

    @perk
    Die Halacha hat der Schreiber dieser Zeilen in einer mit der christlichen Soziallehre vergleichbaren Ecke geortet, fernab jeder Rechtsgültigkeit und demzufolge ohne Anwendung als Straf- oder Privatrecht.
    Womöglich haben Sie aber recht, gibt oder gab es Halacha-Gerichte für den Einzelnen?

    MFG
    Dr. Webbaer (der sich übrigens nie selbst allergrößte Webkompetenz bescheinigt hat)

  38. #40 ali
    6. Mai 2011

    Ihre Hundekackemetapher mit der Sie den Schreiber dieser Zeilen herabsetzen, was erst gerade gelesen wurde, lässt weitere Stellungnahme nicht sinnvoll erscheinen.

    Einen kurzen, einen ganz ganz kurzen, einen klitzekleinen Moment habe ich gehofft, dass er dieses Mal den Worten tatsächlich Taten folgen lässt. Es dauerte aber nur bis 22.57 um mir meiner Naivität bewusst zu werden.

  39. #41 michael
    7. Mai 2011

    > Dass die Taliban “nur” unterstützend in 9/11 verwickelt waren ist klar, es ging aber um den Export von Terror aus einem Land, das den “Wünschen der Einheimischen” entsprach. –

    Naj, ob die Talibanherrschaft den Wünschen der Einheimischen entsprach, wie WB meint, darf wohl mit fug und recht bezweifelt werden.

    Jedenfalls kann laut Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Taliban nicht bestritten werde, dass Al-Qaida auf Seiten der Taliban gegen die Reste der damaligen Regierung kämpften:

    Nach einem Bericht der Vereinten Nationen begingen die Taliban systematische Massaker gegen die Zivilbevölkerung, während sie versuchten, ihre Kontrolle im Westen und Norden Afghanistans zu konsolidieren.[15][16] Die Vereinten Nationen benannten 15 Massaker in den Jahren 1996 bis 2001.[15][16] Diese seien “höchst systematisch gewesen und alle auf das Verteidigungsministerium [der Taliban] oder Mullah Omar persönlich zurückzuführen.”[15][16] Die sogenannte 055 Brigade Al-Qaidas war ebenfalls an Greueltaten gegen die afghanische Zivilbevölkerung beteiligt.

    Interessanterweise scheint an dem ganzen Elend die damalige pakistanische Regierung eine gewisse Mitschuld zu haben.

    Insgesamt gehen Schätzungen von 28.000 pakistanischen Staatsbürgern, die innerhalb Afghanistans kämpften, aus.[10] 20.000 davon waren reguläre pakistanische Soldaten des sogenannten Frontier Corps oder der Armee. Weitere geschätzte 8.000 waren Milizionäre, die in sogenannten Madrassas rekrutiert wurden, um innerhalb der Armee der Taliban zu kämpfen.[17] Die geschätzten 25.000 Talibantruppen beinhalteten 8.000 pakistanische Staatsbürger.

  40. #42 michael
    7. Mai 2011

    > Denn bis zu diesem Jahr hatte es im Irak nie einen Selbstmordanschlag gegeben, doch seit dem August wurden bereits mehr als ein Dutzend solcher Anschläge verübt, die sich alle gegen ausländische Besatzungsmächte

    Warum hatte es wohl vorher im Irak keine Selbstmodattentate gegeben ? Da würde ich aber doch mal in erster Linie Herr Hussein und seine extrem rüden Methoden für verantwortlich machen.

  41. #43 Dr. Webbaer
    7. Mai 2011

    @michael
    Was Dr. Webbaer hier bereits ein wenig ironisiert hat, ist natürlich nicht haltbar. – Schauen Sie bspw. nur in die englischsprachigen Wikipedia unter al-Kaida und auf deren Taliban-Verknüpfungen…

    MFG
    Dr. Webbaer

  42. #44 Jürgen Schönstein
    7. Mai 2011

    @ali

    Zumindest meint er bei dir nicht schon wegen dem Namen Rückschlüsse auf deine Intentionen ziehen zu können.

    Na, wer weiß, wenn ich mir die permanenten Unterstellungen so anschaue …? Mein “Name” könnte ja auch eine deutsche Verballhornung von Boutros-Ghali sein, und überhaupt, hast Du mal mein Foto angeschaut? Dunkle Augen, dunkle Haare (naja, früher jedenfalls, bevor sie hauptsächlich grau wurden) – sieht so ein echter Deutscher aus? Andererseits kann sich hinter “Ali” ja auch ein Urdeutscher verbergen – der Ali in meiner Abiturklasse hieß eigentlich Albrecht.

  43. #45 michael
    7. Mai 2011

    @Ali
    > Einen kurzen, einen ganz ganz kurzen, einen klitzekleinen Moment habe ich gehofft, dass er dieses Mal den Worten tatsächlich Taten folgen lässt

    Da war der Wunsch Vater des Gedankens. ‘lässt weitere Stellungnahme ..’ bezog sich nur auf die letzte Antwort von Jürgen.

    @WB
    > Die Halacha hat der Schreiber dieser Zeilen in einer mit der christlichen Soziallehre vergleichbaren Ecke georte

    Nur damit der Bär lernt, wieweit die religiösen Vorschriften bei den Angehörigen der einzelnen Religionen ins private Legen hineinspielen.

    http://www.altenpflegeschueler.de/sonstige/religioese-menschen-in-der-Pflege.php

    > (der sich übrigens nie selbst allergrößte Webkompetenz bescheinigt hat)

    Aber bei jeder Gelegenheit darauf hinweist.

  44. #46 Dr. Webbaer
    7. Mai 2011

    Andererseits kann sich hinter “Ali” ja auch ein Urdeutscher verbergen – der Ali in meiner Abiturklasse hieß eigentlich Albrecht.

    Ali Schmeißner, gell?, guter Mann, gu-uter Mann, Wb auch noch das Vergnügen hatten.

    MFG
    Dr. Webbaer (S-C-N-R)

  45. #47 michael
    8. Mai 2011

    Ja, die Spielsucht ist schon was arges. Aber es besser spielsüchtig+ gescheiterte Existenz, als ein dummes, arrogantes A….loch.

    Sorry Webbaer , could auch nicht resist.

  46. #48 Dr. Webbaer
    8. Mai 2011

    @michael
    Ali Schmeißner war ein unangenehmer Linksradikaler aus den Siebzigern und “The Ali” in D seinerzeit, anscheinend wurde der dann spielsüchtig, kA, daruf wurde nicht angespielt, Dr. W weiß darüber auch nicht viel.

    Seien Sie bitte so nett halbwegs angemessen zu kommentieren, ansonsten wird Dr. W Sie bzw. besser Ihre Kommentare per Personalized Web (für den Google Chrome, es gibt auch für andere Browser entsprechende Add-ons) clientseitig filtern, d.h. durch Bildchen ersetzen.
    Und das wäre doch schade…

    Dr. Webbaer

  47. #49 perk
    8. Mai 2011

    Und das wäre doch schade…

    also ich hoffe noch auf den tag dass der webbär hier soviel “gefiltert” hat, dass er hier keine beiträge sieht und sich aus langeweile in sein natürliches habitat zurückzieht..

    wäre doch schade, wenn er irgendwann feststellt, dass er nicht unbeliebt ist, weil er klüger ist als alle anderen.. sondern versteht, dass er mit islamophoben stammtischgeschwafel + überlegenheitsphantasien keinen blumentopf gewinnen kann sondern sich nur lächerlich macht

  48. #50 Dr. Webbaer
    8. Mai 2011

    Old Webbaer filtert zurzeit nur noch zwei Nachreisende (“Stalker”), nö, das clientseitige Filtern [1] von Inhalten ist einfach webangemessen – andere wollen’s vielleicht lesen – und man soll ja vieles sagen und aushalten dürfen.

    Zudem: Jeder hat seine Grenzen.

    Den Rest versteht Dr. W nicht so recht, aber was denken Sie?, hat die “extralegale” Tötung Osama bin Ladens das Problem vergrößert oder verkleinert?

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] Der moderne Bär (oder Mensch) filtert im Web ganz bevorzugt clientseitig.