Ich identifiziere mich zwar mit keiner Religion. Und ich kann durchaus die spontane Erleichterung, die sich zur Euphorie steigern kann, angesichts des Todes von Osama Bin Laden nachvollziehen. Aber eine Frage, nein: eine Beobachtung – die ich vielleicht besser in den Kommentaren zu meinem vorherigen Posting hätte verbergen sollen, aber dort wollte ich sie dann doch nicht verstecken – ist: Kann der Tod eines Menschen für eine westliche Kultur, die unabhängig von ihrer selbst verordneten Säkularität auf der judäochristlichen Philosophie aufbaut, jemals ein Grund zum Jubeln sein? Wie war das mit “Du sollst nicht töten”? So weit ich mich an dieses Gebot erinnere, folgt dem kein “es sei denn, dass …” oder sonst eine Einschränkung. Du sollst nicht töten. Punkt.

Oder, wenn ich mir nun mal das Recht zur Weiterinterpretation dieser moralischen Vorschrift rausnehmen darf: Seid Euch bewusst, dass niemands Tod – auch wenn Ihr ihn für gerechtfertigt haltet – ein Grund zum Feiern sein sollte. Nicht mal der von Bin Laden …

flattr this!

Kommentare (161)

  1. #1 Dr. Webbaer
    2. Mai 2011

    Sischer, das Ableben eines Menschen kann und muss – unter bestimmten Umständen – der Grund zum Jubeln sein.

    Ansonsten – hmm, also zumindest jüdisch, christlich und islamisch gibt es dbzgl. keine Bedenken; auch wenn christlicherseits das Gebot “Du sollst nicht morden!” in “Du sollst nicht töten!” übersetzt worden ist, was nicht sachnah ist.

    Auch rechtsstaatlich und erst recht nicht humanistisch gibt es keine Beweggründe bspw. einen Amokläufer beizeiten zu “stoppen”.

    Lassen Sie’s raus, Herr Schönstein, was denn los?

    HTH
    Dr. Webbaer

  2. #2 Thomas J
    2. Mai 2011

    Der Webbaer jetzt auch Theologe? interessant
    Fanden Sies auch ok, als man sich jubelnd in den Armen lag, als Meister Blocher abgewählt wurde?

    Webbaer eigentlich identisch mit mit dem Baeren vom Zürichsee??

  3. #3 Roland
    2. Mai 2011

    Wer erinnert sich noch an die Empörung, als 2001 ein Video auftauchte, das angeblich Palästinenser zeigte, die nach dem World-Trade-Center-Einsturz jubelten?
    Aber klar, für diese Amerikaner ist das nicht vergleichbar. Sie sind sowieso im Recht.

    Man könnte vielleicht jubeln, wenn durch den Tod eines Menschen (oder einiger Menschen) ein Volk befreit würde, man denke an Hitler, Stalin, Idi Amin, deren gezielter Tod im richtigen Moment vielleicht Erlösung gebracht hätte. Der Jubel wäre dann eher einer über die Befreiung als über den Tod.

    Bin Ladens Tod ändert aber nichts. Er befriedigt allenfalls primitive Gefühle. Er mag ideologisch am Tod vieler Menschen schuld sein, aber an den Terroranschlägen wird sich nichts ändern.

  4. #4 Arnd
    2. Mai 2011

    Jubeln: Nein. Aber Erleichterung finde ich angebracht. Nun sollte sich jemand mal Kim Jong Il vorknöpfen, der hat es noch weitaus mehr verdient…

    Naja eigentlich bin ich ja gegen jede Art von Todesstrafe, lebenslanges Gefängnis wär mir auch in diesen Fällen lieber gewesen. Zum Bedauern langt’s mir aber nicht.

  5. #5 knorke
    2. Mai 2011

    Ich halte nicht viel von Tötungen. Weder als Mittel des Rechtsstaats noch der Lynchjustiz. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob den Amerikanern ein gefangener Bin Laden nicht lieber gewesen wäre…

    @Arnd: Weshalb Erleichterung? Die Al Quaida ist glaub ich nicht dadurch aus der Welt, weil ihr vermeintlicher Kopf dahin ist. Ich fürchte eher, dass jetzt noch einmal eine erneute Phase vermehrter Aktivität kommen könnte.
    Und bei Kim Jong Il wäre eine Tötung durch ausländische Mächte eine noch größere Katastrophe – nichtmal die Südkoreaner sind besonders scharf auf eine Wiedervereinigung unter dem Status Quo. Sie führen wirtschaftliche Gründe an, im Hinterkopf werden sie wohl aber auch die menthalen Divergenzen haben. Und die sind weit größer als bei Ossis und Wessis.

  6. #6 roel
    2. Mai 2011

    @Jürgen Schönstein und Dr. Webbär Es kann notwendig sein, eine Person oder Personengruppe (Amokläufer, etc) zu töten, um größeres Unheil abzuwenden. Eine erfolgreiche Tötung sollte aber nicht Grund zum Jubeln sein. Über die gerettete Leben kann man sich freuen.

    Im Fall des Osama bin Laden sollte auch niemand zuviel Zeit mit Jubeln vergeuden, denn gerade jetzt ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt.

  7. #7 maxfoxim
    2. Mai 2011

    hmmm, eigentlich eine gute Frage. Ich würde aber schon sagen, dass man unter gewissen Umständen jubeln darf, wenn gewisse Menschen “eliminiert” wurden.

    Oder mal anders gefragt:
    Hätte man nicht jubeln sollen/dürfen/müssen(?) wenn Stauffenberg erfolgreich gewesen wäre?
    Nicht ganz vergleichbar schon klar: Den einen hätte man gut gefangen nehmen können, den anderen eher weniger.

    Und ich weiß auch nicht genau, warum man ihn direkt erschossen hat, dass werden wir vermutlich auch nie erfahren. Notwehr? Den es wäre sicherlich besser gewesen, ihn gefangen zu nehmen und ihn zu verhören. Die ersten Verschwörungstheorien gibt es ja auch bereits…

  8. #8 MartinB
    2. Mai 2011

    Mich erinnert diese Diskussion ein bisschen an die Karl-May-Lektüre: Old Shatterhand/Kara ben Nemsi hat immer ohne zu zögern Schergen und Unterlinge erschossen – nur die großen Schurken wollte er unbedingt vor Gericht bringen.

    So ähnlich auch jetzt: Wieviele Kämpfer/Mitläufer/Lagerbewohner/etc. hat man in den letzten Jahren im Laufe der Kämpfe getötet? Hätte man ein Lager von Al Kaida, in dem sich bin Laden nicht aufhält, einfach in Ruhe gelassen oder dort versucht, die Leute festzusetzen, oder hätte man auch da erst geschossen und dann gefragt?

  9. #9 Samin
    2. Mai 2011

    Anhänger von Religionen töten nicht, Gott tötet ihre Feinde – und wenn es sein muss mithilfe der Hände der Religionsanhänger. Aber das ist alles Gott, der darf schließlich entscheiden wer sterben muss, nicht die Anhänger der Religion entscheiden dass – die werden nur von Gott gelenkt das zu tun.

  10. #10 olsch
    2. Mai 2011

    @Jürgen Schönstein

    Sie haben meine volle Zustimmung. Ich war heute auch sehr schockiert, als ich diese Nachricht las:
    “Börse feiert bin Ladens Tod”
    http://www.boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_531838

    Auch wenn Bin Laden kein guter Mensch war, so ist der Tod eines Menschen nie ein Grund zu feiern.

  11. #11 Dr. Webbaer
    2. Mai 2011

    Der Schreiber dieser Zeilen rät Herr Schönstein freundlich an seine Position zu überdenken, weniger stringent zu sein in seinen Folgerungen und keine Gegensätze zu schaffen zwischen allgemein anerkannten, auch relig. Normen, und dem was geschehen ist.

    Elfenbeinturm und Uber-Ethik waren gestern, wir müssen schon ein wenig zusammenhalten, und Ja!, alles was geschieht ist nicht rechtsstaatlich, kann auch im Kampfgetümmel nicht so sein, wenn man nicht 10k Staatsanwälte und 1k Schönsteins mitschicken will. – Es ist manchmal so wie es ist, man ist dann vor Ort ruppig, vielleicht irrt man auch, und wenn man einen Großbatzen auf der Pieke hat, dann holzt es auch mal (jedenfalls wenn ein O aus A das anfordert).

    MFG
    Dr. Webbaer

  12. #12 Ex-Esoteriker
    2. Mai 2011

    Gott ist doch nur eine Erfindung, um Menschen “ruhig zu stellen”.

    Es ist doch einfacher an was zu glauben, als selber sein Verstand zu nutzen, auch wenn es jetzt polemisch klingt: Leute, die an irgendeine Gottheit glaubt, sollten keine Waffen nutzen dürfen, sind zu viele gestorben.

    Ob ich jubeln würde, wenn jemand stirbt/getötet wird?

    Wahrscheinlich währe ich eher erleichtert, dass ein Unmensch getötet wurden ist.

  13. #13 jitpleecheep
    2. Mai 2011

    @Jürgen Schönstein:

    Wie war das mit “Du sollst nicht töten”? So weit ich mich an dieses Gebot erinnere, folgt dem kein “es sei denn, dass …” oder sonst eine Einschränkung. Du sollst nicht töten. Punkt.

    Hm? O_o
    Neuerdings mal in die Bibel reingesehen? Wie war dass denn, als Mose mit den Geboten v1.0 herunterkam und man ein goldenes Kalb hat bauen lassen:

    “Mose trat an das Lagertor und sagte: Wer für den Herrn ist, her zu mir! Da sammelten sich alle Leviten um ihn.
    Er sagte zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Jeder lege sein Schwert an. Zieht durch das Lager von Tor zu Tor! Jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nächsten.
    Die Leviten taten, was Mose gesagt hatte. Vom Volk fielen an jenem Tag gegen dreitausend Mann.”

  14. #14 Dr. Webbaer
    2. Mai 2011

    Herr Schönstein nimmt’s wie er’s braucht, nicht zum ersten Mal, der postreligiöse Bezug ist in der Tat bemerkenswert,

    Dr. W u.a. deshalb am Ball bleibend,
    MFG
    Dr. Webbaer

  15. #15 Jürgen Schönstein
    2. Mai 2011

    @jitpleecheep
    Auf die inneren – und sehr oft krassen – Widersprüche der Bibel hatte ich hier schon mal hingewiesen. Und dass die Übersetzung des sechsten Gebots aus dem Hebräischen von manchen Fachleuten scharf diskutiert wird (“töten” oder “morden”), davon hab’ ich auch schon gehört. Ist aber letztlich irrelevant, weil unsere “westliche Zivilisation” (oder wie immer man dies nennen mag) nicht auf der Torah, sondern auf der Vulgata beruhen. Und da ist klar von occidere, also von töten die Rede, obwohl das Lateinische durchaus Vokabeln kannte, die der Bedeutung morden entsprochen hätten. Ich sag’ ja noch nicht mal etwas dagegen, dass die US-Kommandos bin-Laden den Garaus gemacht haben – ich frage nur, wie wir den Jubel über Tod eines Menschen (mal wieder, ist ja nichts wirklich Neues, nach Jahrtausenden von Krieg und Völkermord) mit unseren ach so humanisischen Werten vereinigen können. Ich kann’s jedenfalls nicht.

  16. #16 Klaus
    2. Mai 2011

    Partys weil ein Mensch ermordet wurde? Was würde Jesus wohl dazu sagen.
    Klingt schon etwas barbarisch für ein “zivilisiertes” Volk, welches auf ihrem häufigsten Geldschein “IN GOD WE TRUST” stehen haben.

  17. #17 Dr. Webbaer
    2. Mai 2011

    @Schönstein
    Wie dem auch sei, vielleicht haben Sie doch mitbekommen, dass da einer im Namen des Islam unterwegs war, im Namen eines Islam, der Frauen unterdrückt, Homosexuelle tötet und Apsotaten sowieso, im Namen eines Islam, der “Kufr” für minderwertig ansieht und den Kreationismus fördert und fordert, dabei auch koranisch gebundene Probleme mit den Juden und natürlich auch Israel hat, also wenn dem so war, also wenn da einer war, der diesen Islam vertreten hat, wo ist dann Ihr Problem? [1] – Ein “Danke, es war schön!” kann doch dann auch Ihnen von den Lippen kommen, oder? – Wir sind doch alle in der zivilisierten Welt Humanisten, mal so (christianisch, judäisch oder areligiöse) oder so? Oder nicht?

    Ohren steif halten,
    nächstes Mal pappt es bestimmt!
    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] Wir wollen ja gar nicht den Terror auspacken, für den auch Kollege Ali Arbia keine Defintion hat – und wer hat die schon?

  18. #18 Klaus
    2. Mai 2011

    “Wir sind doch alle in der zivilisierten Welt Humanisten, mal so (christianisch, judäisch oder areligiöse) oder so? Oder nicht?”

    Größenwahnsinnig Webb. ?

  19. #19 ali
    2. Mai 2011

    Ich glaube es ist einfacher zu jubeln, wenn man an einen Gott glaubt der richtet, Leute nach Gut und Böse einteilt. Man kann sich dann sozusagen auf eine höhere Stelle berufen das ungute Gefühl externalisieren. Man muss natürlich fairerweise auch sagen, dass das gleiche Argument in die andere Richtung gilt. Betrachtet man das Töten eines Menschen als ein Verstoss gegen göttliche Gebote (und auch hierfür findet man wohl in den meisten Religionen Futter für) hat man zusätzlichen Grund dem Drang feiern zu gehen, zu widerstehen.

    Ich finde über den Tode eines Menschen sollte man nie Jubeln. Über gerettete Leben, über befreite Menschen meinetwegen. Aber nicht über den Tod.

  20. #20 jitpleecheep
    2. Mai 2011

    @Jürgen Schönstein:

    Ich sag’ ja noch nicht mal etwas dagegen, dass die US-Kommandos bin-Laden den Garaus gemacht haben

    Ich weiss ja nicht… Nicht das ich diesem Typen eine Träne nachweine, aber: Findet du das nicht irgendwie schräg, dass die USA das auch noch direkt zugeben, dass da ein Kill-Team in einem souveränen Staat operiert hat? Also die haben nicht mal versucht, irgendwie rechtsstaatlich da vorzugehen und den gefangenzunehmen.
    http://www.reuters.com/article/2011/05/02/us-binladen-kill-idUSTRE7413H220110502
    Früher ™ wäre das geleugnet worden bis zum geht-nicht-mehr und nach Jahren hätte dann mal jemand ein Buch drüber geschrieben wie’s wirklich war.

    ich frage nur, wie wir den Jubel über Tod eines Menschen […] mit unseren ach so humanisischen Werten vereinigen können. Ich kann’s jedenfalls nicht.

    Na ich weiß ja nicht, wo du deine humanistischen Werte hernimmst, ich meine jedenfalls nicht aus der Bibel. Ich hab heute aber auch nicht gejubelt.

  21. #21 cydonia
    2. Mai 2011

    Ich kann die Jubelfeiern durchaus nachvollziehen: Es ist ein bisschen so, als wäre Hitler umgekommen, denn man konnte angesichts der Berichterstattung nach 2001 schon mutmaßen, Bin-Laden sei so etwas wie ein Hitler des 21 Jhdts….
    Dass der Vergleich ganz furchtbar hinkt, und da ganz einfach ein verbohrter Ideologe am Werk war, der den religiösen Deppen anderer Art gleicht wie ein Ei dem anderen, fällt erst bei genauerem Nachdenken auf.
    Es wäre in der Tat interessant geworden, den Mann öffentlich reden zu lassen. Vielleicht wäre dann noch anderen aufgefallen, dass er auch nichts anderes sagt als alle Fanatiker dieser Erde, ob christlich, jüdisch, muslimisch oder was auch immer.
    Die, die am lautesten jubeln, von gerechter Rache oder Ähnlichem reden, sind mit großer Wahrscheinlichkeit diejenigen, die in genau denselben Kategorien (nicht)denken gelernt haben.
    Nein, sie sind nicht sympathisch, weil ihr Jubelgrund haargenau der gleiche ist, wie der Grund, den manche Menschen hatten, über das einstürzende World-Trade-Center zu jubeln.
    Herr, schütze uns vor den Gläubigen, bliebe einem da nur zu sagen, wenn es nicht vollkommen sinnlos wäre.
    Und dan noch diese “Du sollst nicht töten/morden Spitzfindigkeiten…..Lächerlich, und sehr bedenklich.

  22. #22 Jonathan
    2. Mai 2011

    Ich finde es auch seeehr verwunderlich, wie die Amerikaner sich im Moment aufführen. Natürlich kann ich irgendwie verstehen, dass es ein großer Erfolg für Obama ist, aber diese Freude finde ich einfach nicht richtig.

    Wenn Moslems sich so über den Tod eines Menschen freuen würden, würden unheimlich viele Leute das verurteilen und sich darüber auslassen wie unmenschlich diese Religion ist.

    Das nennt man dann wohl bigott …

  23. #23 klaus
    2. Mai 2011

    “Es ist ein bisschen so, als wäre Hitler umgekommen, denn man konnte angesichts der Berichterstattung nach 2001 schon mutmaßen, Bin-Laden sei so etwas wie ein Hitler des 21 Jhdts….”

    Also, dieser Vergleich ist schon der Hammer! Den größte Massenmörder aller Zeiten, den Planer des Holocaust, den Kriegsverbrecher schlechthin, mit einem durchgeknallten gelangweilten verbrecherischen Saudiarabischen Milliardär und Mörder zu vergleichen, ist schon gewagt. Wenn ich Mitglied der jüdischen Gemeinde wäre, würde ich jetzt glatt Strafantrag wg. Verharmlosung des Holocaust stellen.

  24. #24 Grundumsatz
    2. Mai 2011

    Wenn ein richtig schlechter Mensch (nehmen wir der Einfachheit halber an, OBL war richtig schlecht) diese Welt verlässt, dann darf/sollte man sich nicht freuen? Aus Respekt? Pfff! Also ich werde eine Flasche (Kinder-)Sekt aufmachen, wenn Bush & Co. endlich verschwinden.

  25. #25 cydonia
    2. Mai 2011

    Klaus, kannst du eigentlich lesen….?
    Ach, du willst nur trollen? Dacht ichs mir doch..

  26. #26 ali
    2. Mai 2011

    @cydonia

    Ich kann die Jubelfeiern durchaus nachvollziehen

    Ich musste dabei an einen Tweet heute von @timminchin denken (ist ja auch so in etwa was du sagst, einfach in weniger Zeichen):

    I do understand the impulse to celebrate the death of Osama. I also understand the impulse to take crack & shag teens

  27. #27 Jürgen Schönstein
    2. Mai 2011

    @WB

    Der Schreiber dieser Zeilen rät Herr Schönstein

    Und Jürgen Schönstein lehnt jeglichen Rat vom Schreiber jener Zeilen ab – nein, nicht mal dankend. Einfach nur ab.

  28. #28 maxfoxim
    2. Mai 2011

    @Klaus, den Vergleich mit Hitler hatte ich auch gebracht. Habe auch gleich gesagt, dass der Vergleich etwas hinkt. Natürlich hat Hitler “unendlich” viel mehr auf dem Kerbholz als OBL.
    Nur wo zieht man den die “Jetzt-darf-ich-jubelen-Grenze”? Darauf kann man natürlich nur sehr schwer eine Antwort geben. 60 Opfer? 60 Millionen?
    Aber ich denke mal, die allermeisten zivilisierten Menschen hätten sicherlich gejubelt, wenn Stauffenberg erfolgreich gewesen wäre.

  29. #30 Jürgen Schönstein
    2. Mai 2011

    @jitpleecheep

    Na ich weiß ja nicht, wo du deine humanistischen Werte hernimmst, ich meine jedenfalls nicht aus der Bibel.

    Ich beziehe meine Wertvorstellungen auch nicht aus der Bibel, und ich dachte, mein erster Satz hätte das schon kenntlich gemacht. Aber mit diesen “Wertvorstellungen” auf der Basis unserer nun mal seit bald zwei Jahrtausenden von dieser Religion beeinflussten Kultur ist es wie mit dem Atomstrom: Egal, wie sehr man sich davon distanzieren möchte und “grünen” Strom mit Aufpreis abonniert hat – im Netz lässt sich dies leider nicht mehr so klar scheiden. Selbst der atheistische Humanismus – eigentlich die Idee des Atheismus schlechthin – kommt nicht umhin, sich gegen diese Religion abzugrenzen. Und allein schon das formt.

    Aber nochmal: Mir ist schon klar, dass genau die gleiche Religion, die dieses Gebot predigt, viele Rechtfertigungen bietet, warum es nicht unbedingt anwendbar ist. Und gewiss sind diese Rechtfertigungen manchmal schwerwiegend. Die Operation Walküre beispielsweise hat meinen uneingeschränkten Respekt. Aber auch bei Erfolg wäre sie nie ein Grund zum Jubeln gewesen – jeder Tod ist tragisch, und es ist fast noch tragischer, wenn der Tod eines Menschen so unvermeidlich erscheinen muss. Er wäre in jedem Fall nur ein Schlusspunkt hinter einem tragischen Kapitel. Ich kann bei so etwas selbst im Theater nicht lachen – komisch, nicht wahr?

    Nochmal: Dass es diesen Kontrast zwischen Anspruch und Realität gibt, habe ich schon lange kapiert. Mir ist nur nicht ganz klar, wie man ihn als denkender Mensch so leicht und nachhaltig ausblenden kann. Das ist es, was mich beschäftigt. Nicht die Frage, ob Religionen grundsätzlich pazifistisch oder gar Menschenleben schonend sein müssen.

  30. #31 jitpleecheep
    2. Mai 2011

    @Jürgen Schönstein:

    Ich beziehe meine Wertvorstellungen auch nicht aus der Bibel […]. Mir ist nur nicht ganz klar, wie man [diesen Konstrast] als denkender Mensch so leicht und nachhaltig ausblenden kann.

    Das du das nicht tust, ist mir klar, mich verwunderte genau deshalb dieser etwas naive Schlusssatz. Deshalb ja auch der direkte Verweis in die Bibel selbst: die kognitive Dissonanz ist da schon komplett drin angelegt.
    Du sagst: “So weit ich mich an dieses Gebot erinnere, folgt dem kein “es sei denn, dass …” oder sonst eine Einschränkung. Du sollst nicht töten. Punkt.”, und das ist eben genau nicht der Fall. Dort steht in Wesentlichen “du sollst nicht töten, es sei denn, es handelt sich um Ungläubige”. Und nicht nur da, gibt ja genügend Stellen, Jericho, Sodom&Gomorra, etc pp.
    Mich wundert ehrlich gesagt auch, warum dir das an genau dieser Stelle auffällt, und nicht etwa beim Thema Todesstrafe, Abtreibung, etc. pp.

    Aber mit diesen “Wertvorstellungen” auf der Basis unserer nun mal seit bald zwei Jahrtausenden von dieser Religion beeinflussten Kultur […]

    Ich denke nicht, dass unsere heutigen Wertvorstellungen im eigentlichen Sinne noch tatsächlich religiös fundiert sind. Diese Plakataktionen von wegen “jüdisch-christlichem” (jüdisch, genau…) Weltbild schreiben sich dummdreist Errungenschaften auf ihre Fahnen, mit denen sie rein gar nichts zu schaffen hatten.
    Warum da jetzt in den Staaten Menschen jubelnd auf die Straße gehen, ist demnach meiner Meinung nach auch eine eher neuere und grundsätzlich eher politisch zu verortende Strömung, die sich diese kognitive Dissonanz zu Nutze macht und darauf aufbaut.

  31. #32 michael
    2. Mai 2011

    > Kann der Tod eines Menschen für eine westliche Kultur, die unabhängig von ihrer selbst verordneten Säkularität auf der judäochristlichen Philosophie aufbaut, jemals ein Grund zum Jubeln sein?

    Der Tod eine Menschens sollte kein Grund zum Jubeln sein. Immerhin zeigt das Töten, dass man nicht in der Lage war, Bin Laden auf andere Art ausser Gefecht zu setzen.

  32. #33 s.s.t.
    2. Mai 2011

    Ich halte nichts von der Todesstrafe, aber wenn ein Schwein tot ist, beschleicht mich doch ein klammheimliches Gefühl der Freude (dieses kennt man ja woher) , jedenfalls nicht der Trauer und ich käme auch nicht auf die Idee deswegen meine Schweine auf Halbmast zu setzen. Nun, wenn man schon einzelne Staatsmänner hier nennt, die Liste ist ellenlang und sollte besser alphabetisch aufgestellt werden, so in ‘unserer Zeit’ fallen da spontan Stalin, Mao, Sadam, Battista etc. pp. u.s.w. ein; für keinen davon trage ich Trauer. Ich fühlte jedesmal ehr Erleichterung; erinnert an den ‘dance on hitler’s grave’ bzw. den Foklsong ’round and round Hitler’s grave’ ( http://www.peteseeger.net/roundhit.htm. )

    Gibt es eigentlich einen Guinness-Bucheintrag zum größten Massenmörder der Geschichte? Und wenn hier schon die Bibel zitiert wird: “Wer das Schwert nimmt, der wird durch das Schwert umkommen.” Jedenfalls weine ich Schweinen keine Träne nach.

    Tyrannenmord: Kein einfaches Thema; in den Skrupeln daran liegt zumindest der Keim des Mißlingens des Staufenberg-Attentats (ein Militärputsch hätte auch ohne den Tod von AH Erfolgsausichten gehabt).

  33. #34 asdf
    2. Mai 2011

    Man kanns ja auch so sehen:

    Da für einen vom Schlag bin Ladens der märtyrer Tod das Schönste und ,zumindest seinen Predigen nach, daß absolute Ziel eines jeden Menschen seiner Weltanschauung ist, dann
    ist jubeln doch angebracht…..

    Er kommt sofort ins Paradies und darf dort 70 Jungfrauen vernaschen,
    Juhu, Jipie, tralala, beifall beifall, super super super toll!!!!!
    Er ist tot, juhuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Oder?

  34. #35 Thomas J
    2. Mai 2011

    @SST

    Zwischen Erleichterung, keiner Träne nachweinen und Jubeln ist doch ein erheblicher Unterschied, nicht?

    Obwohl mir eigentlich schon die Erleichterung zuwider ist. Jeder darf das handhaben, wie er will, es gibt hier kein richtig oder falsch.

  35. #36 JPeelen
    2. Mai 2011

    Bei manchen Beiträgen kann man den Eindruck bekommen, Bin Laden sei wegen Falschparkens vor die Mündungen amerikanischer Gewehre geraten.
    Wenn man das Töten von Massenmördern für unzumutbar hält, sollte man vielleicht gelegentlich daran denken, dass deren Opfer an sich auch ein Recht auf Leben gehabt hätten. Das scheint aber bei den Bedenkenträgern überhaupt keine Rolle zu spielen.

  36. #37 MartinS
    2. Mai 2011

    Ich kann irgendwie dieser Diskussion nicht folgen!
    Ein Mörder ist hingerichtet worden, der sich selbst öffentlich zu seinen Taten bekannt hat und damit geprahlt hat! Verhandlung zur Schuldfeststellung überflüssig. Punkt.
    Der Chef einer Terrororganisation, die inzwischen zehntausende (?) von Opfern zu verantworten hat, ist erschossen worden und hier wird darüber debattiert, ob man das darf?
    Der ganze ‚religiöse’ Überbau mit „Du sollst nicht töten“ etc ist doch nur Feigheit vor dem Feind – genau wie die Verweise auf unsere, ach so tolle Zivilisation (die sofort bröckelt, wenn eine persönliche Bedrohungssituation entsteht), ist doch nur weichgespülte Mainstream-Ideologie!
    Irgendwelche unbekannten Kampfmaschinen haben für Alle die Kohlen aus dem Feuer geholt, den durchgeknallten Typen hingerichtet und damit verhindert, dass andere Wahnsinnige ihn aus einer Gefangenschaft versuchen freizupressen indem sie Geiseln nehmen, oder noch schlimmerer Attentate verüben, als bisher.
    Nein, lieber einen toten Märtyrer als einen lebenden Terroristen.
    Ich freue mich, dass er tot ist!
    Und wer sich mit der Welt anlegt, darf sich nicht wundern, wenn er damit sein eigenes Todesurteil unterschreibt. Darüber hinaus hat bin Laden genügend Selbstmordattentäter in die Welt geschickt – nun war er eben selbst einer! Und er konnte keine Opfer mit in den Tod nehmen.
    Welche Freude!

  37. #38 Thomas J
    2. Mai 2011

    @JPelen

    “Wenn man das Töten von Massenmördern für unzumutbar hält”

    Todesstrafe:

    Ja

    Nein

    ?

  38. #39 jitpleecheep
    2. Mai 2011

    @JPeelen:
    So, jetzt ruf ich mal “Strohmann”.
    Natürlich hatten “deren Opfer” ein Recht auf Leben, und deine Unterstellung ist mindestens mal unverschämt.
    Das hat aber nichts damit zu tun, dass man das eventuell für bedenklich halten könnte, wenn auf einmal Kill-Teams in einem Land aufschlagen, übrigens ohne das das Land davon informiert wurde, es wurde also im Vorhinein schon ausgeschlossen ihn zu verhaften und ihm den Prozess zu machen.
    (Mal abgesehen davon, dass es einfach sinnvoller gewesen wäre ihn zu verhaften, wenn er doch der angebliche Oberstratege war.)

  39. #40 Thomas J
    2. Mai 2011

    @MartinS

    auch an dich:

    Todesstrafe:

    ja/nein?

  40. #41 MartinS
    2. Mai 2011

    @Thomas J
    In dem Fall: Ja!
    Und im Falle anderer Terroristen: ebenfalls Ja!
    Und ich habe es nicht einmal nötig, die Bibel zu bemühen (Auge um Auge,…).
    Terroristen missachten die Menschenwürde ALLER anderen Menschen.
    Wer willentlich Unschuldige wahllos tötet, um seine (ggf ‘göttliche) Ziele zu erreichen, ist eine Gefahr für alle Menschen, und hat sein Recht auf Leben verwirkt! Er muss nicht zwingend sterben, aber es sollte gnädiger für ihn sein.
    Terroristen haben in meinen Augen ihre Menschlichkeit freiwillig aufgegeben.
    Sorry.

  41. #42 Thomas J
    2. Mai 2011

    @MartinS

    kann ich akzeptieren, ich bin da halt anderer Meinung. Schwierig halt nur, ab wann hat jemand den Tod verdient?
    Willst du dafür Verantwortung übernehmen?

  42. #43 jitpleecheep
    2. Mai 2011

    @Martin S.:
    “In dem Fall: Ja!
    Und im Falle anderer Terroristen: ebenfalls Ja!”

    Da kann man aber auch gerne anderer Meinung drüber sein.
    Abgesehen davon: Für die Todesstrafe zu sein und in Massen jubelnd auf der Straße zu stehen, weil jemand liquidiert wurde, ist irgendwie ein Unterschied, oder?

  43. #44 MartinS
    2. Mai 2011

    @Thomas J
    Im Falle von Bin Laden, der sich selbst als ‘Verantwortlichen’ bezeichnet hat, würde ich die Verantwortung übernehmen – selber abdrücken könnte ICH wahrscheinlich nicht.
    Aber vielleicht wäre ich sogar dazu in der Lage, weil ich mir sagen würde, dass es keine Alternative gibt, die ein vergleichbares ‘Ergebnis’ offeriert.
    Ich denke, dass die Frage der ‘persönlichen ‘Befähigung‘ (mir fällt einfach im Moment kein besseres Wort ein, aber ich hoffe, Du verstehst den Sinn) der Dreh und Angelpunkt ist.
    Es ist sehr leicht ein Urteil zu fällen, doch es ist schwerer das Urteil auch selbst auszuführen. Wir sind immer sehr schnell dazu bereit zu urteilen, aber wenn wir selbst nach den soeben VON UNS SELBST verkündeten Kriterien die Folgen unserer Urteile zu tragen haben – dann kneifen wir.
    Im Übrigen bin ich kein genereller Vertreter der Todesstrafe (obwohl ich manchen Tätern durchaus ein langes Leiden an den Hals wünsche, was eigentlich viel schlimmer ist!).

  44. #45 MartinS
    3. Mai 2011

    @jitpleecheep
    Ist sicherlich nicht so falsch, was Du sagst. Ich zumindest mache keine Party o.Ä.(obwohl ich mich freue).
    Aber die Amis stehen seit fast 10 Jahren unter Druck und ich glaube, dass wir deren Mentalität (bei allen Importen von Sitten, Gebräuchen und Styles) überhaupt nicht richtig nachempfinden können.
    Die scheinen sich miteinander darüber zu freuen, dass ‘der Mörder’ von Angehörigen ihrer Gruppe tot ist.
    Ich denke, dass das auch eine Form von ‘Drucklösung’ ist; und im Übrigen ist ja auch schon der Vergleich zu den jubelnden Islamisten am 9-11 gebracht worden (allerdings ist der Unterschied schon beachtenswert: Amerika ‘feiert’ EINEN Toten, während damals Tausende Tote gefeiert wurden!)
    Nach wie vor: Ein Mensch kann sein Recht auf Leben verwirken – und bin Laden hat genau das getan! Ob das ein Volksfest wert ist?
    Man sollte dabei auch im Auge behalten, dass wir hier Bilder von 1.000?, 10.000? Feiernden sehen – bei wie viel Amerikanern?? 300 Mio?
    Vergiss nicht die Macht der Bilder!

  45. #46 michael
    3. Mai 2011

    > Nach wie vor: Ein Mensch kann sein Recht auf Leben verwirken –

    Heißt im Klartext:

    Man maßt sich das Recht an, über das Lebensrecht andere Leute zu entscheiden. Dann steht man aber auf demselben Niveau wie Osama, da der einzige Unterschied die Kriterien sind, die man anwendet.

  46. #47 Karl Mistelberger
    3. Mai 2011

    Seltene Erklärung des UNO-Sicherheitsrates

    Der UNO-Sicherheitsrat begrüsste den Tod des Terroristenführers Osama bin Laden ausdrücklich. Die 15 Mitglieder des höchsten Gremiums der Vereinten Nationen verabschiedeten am Montagabend in Anwesenheit von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon eine präsidentielle Erklärung, in der die Mitglieder ihre Entschlossenheit bekräftigten, terroristische Organisationen und deren Akteure mit voller Strenge zur Rechenschaft zu ziehen.

    Eine solche Erklärung des Sicherheitsrates zum Tod eines Menschen ist äussert selten. Ban hatte vor dem Treffen des Sicherheitsrates den Tod von Bin Laden als “Wendepunkt” im gemeinsamen Kampf gegen den internationalen Terrorismus bezeichnet.

    Das heißt man ist sich ausnahmsweise einmal einig.

  47. #48 Klaus
    3. Mai 2011

    “Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in Berlin: “Ich freue mich, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten.”

    “Die Anleger an den Börsen atmeten auf. Während die Kurse an den Aktienmärkten anzogen, fielen die Preise für Öl und Edelmetalle.”

  48. #49 MartinB
    3. Mai 2011

    Wieviele Soldaten hätte man in Gefahr gebracht, wieviele hätten ihr Leben lassen müssen, um bin Laden für eine gerichtsverhandlung festzusetzen? Wieviele seiner Soldaten/Kämpfer hätte man dabei trotzdem töten müssen (über die redet komischerweise niemand), bis man seiner habhaft geworden wäre? Wieviele Lager von Al Kaida wurden in den letzten Jahren angegriffen, wieviele menschen starben dabei ohne Gerichtsverhandlung?

  49. #50 ali
    3. Mai 2011

    @MartinB

    Ein Rechtsstaat zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er mit gleicher Münze heimzahlt.

    Man sollte moralisch verwerfliches nicht mit identischen Mitteln begegnen. So kann man wahre moralische Überlegenheit demonstrieren.

    @Alle

    Es scheint unklar ob der Auftrag zu töten war. Die Informationen sind widersprüchlich. Schwer zu sagen bei all dem Spin, was nun stimmt.