Dies ist ein Gastbeitrag von Marcus Frenkel, Informatiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fernuni Hagen.

Strom kommt nicht aus der Steckdose und Nahrungsmitteln wachsen nicht im Regal. Diese einfachen Dinge dürften sich mittlerweile weitläufig herumgesprochen haben, vor allem auch, weil wir täglich mit ihnen zu tun haben und sie – dank starker Bearbeitung durch die Medien – praktisch dauerhaft im Hippocampus präsent sind. Etwas anders sieht es bei Themen aus, die unser Leben höchstens peripher tangieren, über die etwas zu wissen aber vielen unnütz erscheint. Warum sich auch mit Dingen herumschlagen, die offenkundig keinen Wert haben, warum Zeit vergeuden für etwas, dass weder Freude noch Entspannung, weder Vorteil noch Geld bringt?

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Wenn das derart verschmähten Wissen wenigstens Bereiche betreffen würde, die weder dem Leben noch dem Fortschritt nutzen, etwa das überaus beliebte, der Sucht nach Glamour entsprungene Wer-mit-wem-und-warum der Pseudo-Wichtigen, dessen jüngster Auswuchs – die Hochzeit zweier für das Weltgeschehen eher (vorsichtig ausgedrückt) unwichtiger Zeitgenossen halb Deutschland beschäftigte; oder die Frage danach, welcher Fußballverein welche Liga anführt und welcher Musiker in welchen Charts welchen Platz belegt und welches akustische Schwerverbrechen ihn dahin gebracht hat. Aber nein! Sportranglisten und Chartplatzierungen sind en vogue, Astronomie, Mathematik, Technik, Chemie und Biologie dagegen out, „freakig” und überhaupt nur etwas für seltsame Leute.

Besonders unbeliebt sind hierbei auch Themen, mit denen wir zwar täglich zu tun haben, die aber ob ihrer scheinbaren Komplexität oft gleich in die Kategorie “Versteh’ ich sowieso nicht” eingeordnet werden. Prominentestes Beispiel hierfür: der Computer. Wie oft hört man nicht den Spruch “davon verstehe ich nichts, das macht mein Sohn/Enkel/Freund des Freundes.” Jetzt ist an dieser Aussage prinzipiell nichts auszusetzen; in der Tat ist es höchst legitim, bei Schwierigkeiten mit einem Gerät auf den Fachmann zurückzugreifen; auch kann nicht jeder Computerfachmann, respektive -frau, sein und perfekt in den Untiefen der digitalen Welt navigieren. Tragisch ist dagegen der Umstand, dass die Mehrheit dieser selbsternannten Nicht-Versteher gar nicht erst den Versuch unternimmt, wenigstens die seichten Gewässer der Computerwelt zu erforschen, um wenigstens eine ungefähre Ahnung davon zu haben, was für ein Gerät sie da jeden Tag bedienen. Und dabei sei noch nicht einmal die zugrunde liegende Technik und Funktionsweise eines Computers gemeint. Die Beschäftigung mit diesem piepsenden Ding an sich, mit dem Betriebssystem und der Software (und mit Beschäftigung ist hier nicht gemeint, so lange zu klicken, bis gar nichts mehr funktioniert) würde so manch einem erstaunliche Erkenntnisse über das bringen, was er ansonsten nur ohne weiteres Nachdenken genutzt hat.

Mittlerweile ist es schon kaum mehr möglich, mit Wissen abseits des Mainstreams auf Geburtstagsfeiern die Leute zu begeistern (positive Ausnahmen natürlich ausgenommen). Das Wissen um die Funktionsweise einer Batterie, den Unterschied zwischen magnetischem und geographischem Pol (und warum der magnetische Nordpol eigentlich magnetischer Südpol heißen sollte) oder die Ordnungszahl von Sauerstoff rufen nur ein müdes Lächeln hervor, Kenntnisse über den Mechanismus der Sternentstehung, die Evolution oder über die Signalverarbeitung im Gehirn bescheren dem derart Bewanderten höchstens den Titel „Freak”.

In der Tat scheint die Aussage “Hauptsache es macht, was es soll” gesellschaftsfähig zu sein. Nicht nur, dass dieses Desinteresse zur intellektuellen Verarmung beiträgt, nein, es ist auch Nährboden für all den Unfug, den wir mit Beginn des modernen Zeitalters eigentlich überwunden zu haben gehofft hatten. Wie sonst lässt sich erklären, dass Ungeheuerlichkeiten wie Homöopathie, Astrologie oder Spiritismus wieder verstärkt Einzug in die Köpfe der Menschen halten und vollkommen unreflektiert akzeptiert werden? Einzig und allein damit, dass fehlendes Wissen Tür und Tor für Ideen öffnen, die im besten Fall harm- und nutzlos, im schlimmsten Fall aber gefährlich sind.

Wo ist die Neugier geblieben, die uns in unseren Kindheitstagen dazu getrieben hat, die wildesten Experimente durchzuführen, die gewagtesten Vermutungen anzustellen und noch den letzten Winkel des Unbekannten zu erforschen? Eben diese Neugier war es, die uns das in den frühen Tagen das meiste über das Leben gelehrt hat, denn durch den Drang nach Wissen lernt es sich bekanntermaßen am besten. Nicht zu vergessen die vielen großartigen Entdeckungen, die im Laufe der Jahrhunderte gemacht wurden und als deren Motor die Neugier anzunehmen in vielen Fällen gerechtfertigt sein dürfte. Immer dann, wenn sich ein großer Geist über die Denkregeln seiner Zeit hinwegsetzte, wenn er nicht akzeptierte, was als Erklärung für die Welt zur Verfügung stand, immer dann entstand etwas Bedeutendes. Neugier ist der Motor der Zivilisation, ohne den wir in der geistigen Stagnation enden werden, ohne den unser Intellekt verkümmert und uns empfänglich macht für die falschen Versprechungen und einfachen Weltbilder der Astrologen, Homöopathen, Betrüger und Radikalen.

Erst die Neugier wird uns zu der Erkenntnis führen, dass es keine Magie ist, die in der Welt wirkt und sie erklären kann, sondern die Wissenschaft. Und die ist weitaus magischer als alles, was sich das menschliche Hirn ausdenken kann. Wir sollten uns glücklich schätzen, in einer Zeit zu leben, in welcher über die Geheimnisse der Natur nicht nur spekuliert werden muss, sondern in welcher sie erklär- und nachvollziehbar werden. Und dabei stehen wir erst am Anfang – mit genügend Neugier erwarten uns noch viele tausend Erkenntnisse, von denen jede einzelne die Welt ein Stück … magischer macht.

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Kommentare (68)

  1. #1 r-m-d
    9. Mai 2011

    Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele. Vielen Dank!

  2. #2 Roland
    9. Mai 2011

    Ist das neu? Daß Wissen, das man nicht unmittelbar braucht, nicht zum engsten Fachgebiet gehört oder das nicht prüfungsrelevant ist, nicht interessiert?
    Diese Haltung war schon zu meinen Unizeiten weit verbreitet, für mich am auffälligsten bei Lehramtsstudentinnen.

  3. #3 Frank Wappler
    9. Mai 2011

    Marcus Frenkel schrieb (09.05.11 · 05:28 Uhr):

    > Strom kommt nicht aus der Steckdose

    Neugier. …

    > und Nahrungsmittel[] wachsen nicht im Regal.

    … Und: Sorgfalt.

  4. #4 Martin
    9. Mai 2011

    Ich frage mich schon seit geraumer Zeit wie es zu schaffen ist, dass neugierige Kinder (die einem ja Unmengen von Löchern in den Bauch fragen) zu Menschen heranwachsen, denen es nicht in den Sinn kommt verstehen zu wollen wie die Welt funktioniert. Wie schafft man es, jungen Menschen die Neugier so nachhaltig auszutreiben? Ich verstehe es einfach nicht.

    Schöner Artikel, vielen Dank dafür.

  5. #5 Hannes Bongard
    9. Mai 2011

    „So können wir Ernst Jünger zustimmen, wenn er sagt: »Der Kampf des Gelehrten gegen die Astrologie hat etwas vom Angriff gegen die Windmühlen. Er hält die Astrologie für eines der Gebäude, in deren Bauplan er bewandert ist. Er misst es an den Maßstäben der Logik und ihres Erkenntnisstils und hält es für schlecht konstruiert. Er übersieht dabei den Unterschied, der zwischen Begriff und Anschauung … und besonders den, der zwischen Wissen und Weisheit besteht.»“

    Fritz Riemann: Lebenshilfe Astrologie – Gedanken und Erfahrungen, 1976

  6. #6 KommentarAbo
    9. Mai 2011

  7. #7 Chris
    9. Mai 2011

  8. #8 Johannes
    9. Mai 2011

    Guter Beitrag über eine Sache, die mich schon tierisch aufgeregt hat, noch bevor ich mein Studium zugunsten eines regelmäßigen Broterwerbs hingeschmissen hab.
    Dieser Beitrag beschreibt die Situation aus der Perspektive eines Naturwissenschaftlers und kratzt damit nur an der Oberfläche (das aber natürlich vollkommen zurecht). Und man muss auch kein Naturwissenschaftler sein, um sich an den Kopf zu fassen, wenn Leute sich kein Stück für Astronimie interessieren, aber nach den Ratschlägen irgendeines AstroLOGEN ihr Leben ausrichten.
    Als Naturwissenschaftler ist man vielleicht öfter mal ein “Freak”, aber viele Leute erkennen (so sie sich auf ein Gespräch einlassen) den vielzitierten “Anwendungsbezug” der Naturwissenschaften. Als Geisteswissenschaftler sieht es da viel schlimmer aus (Lehrämtler mit dem festgesteckten Berufsziel mal ausgeklammert). Fachbereiche wie Linguistik, Philosophie, etc. sind nicht gerade ergiebige Lieferanten für “Partywissen”… zumindest nicht die Art von Partywissen, die beim Durchschnittlichen Galileo-Zuschauer ankommt. Als Historiker erwischt man ggf. eine der immer mal wieder (Danke, Hollywood) auftauchenden Historismus-Wellen, aber die Sache mit dem “Anwendungsbezug” bleibt eher mager (als “Experte für Mittelalter” in einem Dokutainment-Format von Pro7Sat1 aufzutreten klammern wir mal aus).
    Diese Einstellung, die sich teilweise in absurden Diskussionen (zwischen promovierten Akademikern wohlgemerkt) darüber, ob “Geisteswissenschaften überhaupt als richtige ‘Wissenschaften’ angesehen werden sollten” ausdrückt, hat sich mittlerweile auch bei den so genannten “Entscheidungsträgern” festgesetzt. Viele geisteswissenschaftliche Fächer gehen bei der Mittelverteilung durch die Hochschulen geradzu unter. Finanziert wird, was Drittmittel einbringt. Gefördert wird, womit man sich als “Elitehochschule” schmücken kann. Als wäre das reine, auf Prüfungssituationen abzielende Faktenlernen bei vielen Studenten nicht schon schlimm genug (scolae, non vitae), werden Fächer, die (so abgedroschen das jetzt klingen mag) “dem Studenten ermöglichen, charakterlich zu wachsen” vernachlässigt. Auch wenn der Begriff der “Anwendungsorientierung” es suggeriert, der Kurs, den wir als Gesellschaft und an den Hochschulen teilweise fahren verliert den Menschen aus den Augen.

  9. #9 miesepeter3
    9. Mai 2011

    Auch ich finde den Artikel sehr gelungen, möchte aber in dem einen oder anderen Punkt meine Sichtweise zum besten geben:

    Die wunderbare kindliche Neugier wird uns schon in der Grundschule versucht auszutreiben. Wichtig sind die Sachen, die uns auf die weiterführende Schule bringen.
    Dort wird auch nur Faktenwissen gepaukt, um z.B. das Abi zu schaffen. Es gibt nur wenige Lehrer, die willens und in der Lage sind, Kindern den Spaß am Wissen zu vermitteln. Meist erfolgt das in Arbeitsgemeinschaften, die freiwillig und zusätzlich zum Unterricht abgeleistet werden müssen. Da erreicht man eh nur die, denen die Freude am Lernen noch nicht abhanden gekommen ist. Das ganze kann man 1 zu 1 auf das Studium übertragen.
    Wenn man jetzt meint, dass die, denen auch das Studium noch nicht den Spaß an neuen Erkenntnissen verdorben hat, alle in die Forschung gehen, so hat man sich getäuscht. Auch für diese wenigen gibt es da nicht genug Plätze.
    Aber man kann bei fast allen schön beobachten, wie sie ihr meist unter Mühen und Anstrengungen erworbenes Wissen auf einmal als den Nabel der Welt betrachten.
    Buhuu, die sind ja alle soo gemein, keine Sau interessiert sich auf der Party für mein Fachgebiet. Gut es gibt Ausnahemn, F.F. würde wahrscheinlich einen fesselnden Kurzvortrag über schwarze Löcher halten und danach auch im Small Talk glänzen. Aber warum interseesiert sich kaum ein Nichtwissenschaftler für wissenschaftliche Themen? Wahrscheinlich, weil Fachwissen keinen allzugroßen Unterhaltungswert in der Freizeit hat und Nichtfachleute kurz über lang mit der Diskussion überfordert wären und sich lieber über etwas anderes unterhalten. Aber das ist nicht nur ein Problem der Wissenschaft. Auch ganz normale Handwerksberufe haben da ähnlich niedrige Unterhaltungswerte. Ich kann mir kaum eine interessierte Zuhörerschaft auf einer Geburtstagsfeier vorstellen, die gebannt an den Lippen eines Feinmechanikers
    hängt, der gerade einen Vortrag über die Verlaufsfarben bei der Metallhärtung hält.
    Auch ein Bäckermeister, der über die feinsinnige Gehzeit von Natursauerteig parliert, wird kaum über ein oder zwei interessierte Hausfrauen, die Backen als Hobby betreiben hinauskommen. Seid also nicht so empfindlich. Euer Wissen ist meist so weit weg von den Alltagserfahrungen Eurer Mitmenschen, dass Ihr sie damit meist überfordert. Und wenn die lieber den bequemeren Weg wählen und etwas unwissenschaftliches glauben wollen, solltet Ihr dafür ein wenig mehr Verständnis haben. Nicht jedem ist es gegeben, Wissenschaft zu verstehen und in sein Leben zu integrieren.

  10. #10 Dr.Webbaer
    9. Mai 2011

    Grundsätzlich alles natürlich sehr sehr wahr und richtig, gerade der Webbaer weiß ein Lied über Computer zu singen. Und dieses Lied sollten natürlich auch die anderen zu singen üben.

    Auch sehr schön und gut an die Neugier zu appellieren. Hoch lebe die Dilettanz!

    MFG
    Dr. Webbaer (der sich bald wieder in seinen Wagen setzen wird und – nunja, lol, fahren tut das Ding schon irgendwie)

  11. #11 nihil jie
    9. Mai 2011

    Chartplatzierungen sind en vogue, Astronomie, Mathematik, Technik, Chemie und Biologie dagegen out, „freakig” und überhaupt nur etwas für seltsame Leute.

    also wenn jemand Freak zu mir sagt dann sehe ich das als ein kompliment 😉

  12. #12 Wooster
    9. Mai 2011

    Ich kann mir kaum eine interessierte Zuhörerschaft auf einer Geburtstagsfeier vorstellen, die gebannt an den Lippen eines Feinmechanikers
    hängt, der gerade einen Vortrag über die Verlaufsfarben bei der Metallhärtung hält.

    So etwas kommt schon vor. In meinem Bekanntenkreis versammelt sich eine interessierte Zuhörerschaft um eine hastig gezeichnete Skizze um sich über die Funktionsweise einer Gasturbine unterrichten zu lassen (und zwar auf einer Geburtstagsfeier). Allerdings will ich da natürlich nicht verallgemeinern.

  13. #13 MartinS
    9. Mai 2011

    Schöner und richtiger Artikel. Danke!
    Miesepeter hat ja schon korrekt die Ursache angesprochen: Das Bildungssystem!
    Ich möchte noch weiter gehen: Dadurch dass an den entscheidenden Stellen (im doppelten Sinn) genau diese nicht-mehr-Neugierigen sitzen, leidet das Bildungssystem unter reiner Wissensvermittlung. Neugierde und Grundlagenforschung bleiben dabei auf der Strecke.
    Gegen Spezialisierung ist ja nichts einzuwenden (Universalgelehrte kann es nun wirklich nicht mehr geben), aber durch den Leistungsdruck verlernt auch der moderne Student über seinen eigenen Suppenteller hinaus zu blicken.
    Nicht mehr die Freude am Wissen (die Neugierde), sondern nur noch der Abschluss wird zwangsläufig im Fokus gehalten.
    Eine kleine Kritik sei mir am Artikel aber doch erlaubt: Sicherlich wurde auch ‘früher’ auf lockeren Treffen eher darüber debattiert Wer-mit-Wem, wie die Schwertkampftechnik von Hugo, dem Unbeweglichen zu beurteilen sei, und ob die letzte Steuererhöhung des Lehnsherrn nicht eine Frechheit sei. Und ob auf der Bauernhochzeit über Keplers Weltbild nachgedacht wurde, wage ich einfach mal zu bezweifeln. Und Platons Tischgespräche waren ja nun auch kein Party-Small-Talk. Man hätte vielleicht die Party als Ort der ‘Wissensvermittlung’ raus lassen sollen 😉

  14. #14 Hannes Bongard
    9. Mai 2011

    TV-Tipp
    Helden der Wissenschaft
    Dokumentationsreihe, Grossbritannien, 2010

    Woraus besteht das Universum? Woher kommt der Mensch? Was ist das Geheimnis des Lebens? Was ist Energie? Wer sind wir? Die Dokumentationsreihe erzählt die spannende Geschichte der Wissenschaft und macht deren Auswirkungen auf das Leben der Menschen deutlich. Sie veranschaulicht, wie Wissbegier und Forscherdrang das Leben der Menschen immer wieder von Grund auf veränderten und dass die Wissenschaft dabei immer eingebettet war in den historischen und gesellschaftlichen Kontext. Die zweite Folge beweist, dass die Erforschung der physischen Beschaffenheit der Welt eine lange Tradition hat und dass zahlreiche historische Theorien nicht nur bis heute Bestand haben, sondern Grundlagen bilden für die Entwicklung moderner Technik.

    Teil 1: Sind wir allein im All?
    14. Mai 2011, 20.15 Uhr, arte

    Teil 2: Woraus besteht die Welt?
    14. Mai 2011, 21.05 Uhr, arte

    Teil 3: Woher kommen wir?
    21. Mai 2011, 20.15 Uhr, arte

    Teil 4: Energie ohne Ende?
    21. Mai 2011, 21.00 Uhr, arte

    Teil 5: Was ist Leben?
    28. Mai 2011, 20.15 Uhr, arte

    Teil 6: Wer sind wir?
    28. Mai 2011, 21.05 Uhr, arte

    Wiederholungen beachten.

    Quelle: arte.tv

  15. #15 Andreas
    9. Mai 2011

    Ich bin nicht neugierig. Ich bin neusüchtig. Vom Psychologen bestätigt. Mich interessiert einfach nahezu alles. Wenn in Bangkok ein Fahrrad umfällt, frag ich “Damen- oder Herrenrad?” Aber da ich keinerlei Leidensdruck hab (und mir das im Beruf sogar sehr entgegen kommt), werd ich das auch nicht behandeln lassen… 🙂

    Es wird einem aber auch wirklich nicht leicht gemacht mit der Neugier, und ich würde nicht nur unserem Bildungssystem die Schuld in die Schuhe schieben.

    Nehmen wir mal an, ich (männlich, 31 Jahre, Diplom-Mediendesigner) wäre astronomisch aber mal völlig unbeleckt und würde einen Astrophysiker fragen: “Und die Erde kreist wirklich um die Sonne? Woher weiß man das?”

    Die Reaktionen wären doch im wesentlichen:

    a) Die Unterstellung, dass man diese Tatsache (böswillig) anzweifelt. “Was bist’n Du für’n Spinner?”

    b) Die Unterstellung, das eine Bildungslücke mit mangelndem Intellekt gleichzusetzen ist. “Das verstehst Du sowieso nicht.” bzw. “Was bistn Du für ein Depp!” (was EXAKT die gleiche Antwort ist!)

    c) Die Unterlassung (der Wissensvermittlung) aus Faulheit. “Das ist schwierig zu erklären…” oder aber “Lies dazu am besten mal (komplettes Regal X in Bibliothek Y)”

    d) Die Unterlassung aus Feigheit (ich kanns nicht anders nennen): “Ich bin ein Fachmann für schwarze Löcher, frag da lieber mal jemand anderen.”

    e) Die Unterlassung aus Paternalismus: “Das lernst Du schon noch.” (wenn Du mal groß bist… nur das ich halt schon bin 😉 )

    f) Unterlassung durch Annahme falscher Grundbedingungen: “Um das zu verstehen, müsstest Du erstmal die Mathematik vollständig beherrschen.”

    g) (Seltener) Unterlassung aus einem Minderwertigkeitskomplex: “Ich fühl mich gut wenn ich mehr weiß als Du und ich will dass das so bleibt.” (Gibt so natürlich niemand zu, noch nichtmal vor sich selber.)

    Dass jemand gutwillige Absichten und entsprechende Fähigkeiten unterstellt und sich in der Folge die Mühe macht, nach einer Erklärung auf einem verständlichen Niveau zu suchen UND zugleich den Mut aufbringt, sich der Gefahr auszusetzen selber nicht völlig richtig zu liegen, kommt heutzutage absolut seltenst vor – wenn es überhaupt schonmal eine Zeit gab, in der das häufiger anzutreffen war.

    Unwissenheit ist in unserer Wissensgesellschaft zu einer so großen Schwäche geworden, dass man sie höchstens noch kleinen Kindern zugesteht und ansonsten lieber verbirgt. Das gilt ganz besonders auch in Fachkreisen. Und das wirkt in zwei Richtungen: Der Fragende muss zugeben, dass er was nicht weiß, aber auch der Antwortende setzt sich dieser “Gefahr” aus, wenn der Fragende noch genauer nachfragt.

    Außerdem wird Wissen immer als zur Kreativität gegensätzlich betrachtet. Nur das die Formulierung der Frage der kreative Teil der Wissenserweiterung ist.

    All das zusammen… wen wunderts, wenn die Neugier auf der Strecke bleibt? Und wen wunderts in der Folge, dass niemand mehr Neugier als Grund für die Frage voraussetzt? Ein Teufelskreis.

    Ich halt selbst Vorträge (im Bereich Marketing) und weiß wie schwer es ist, Leute dazu zu bewegen überhaupt Fragen zu stellen. Am besten funktionierts noch, wenn ich ernstgemeinte, “aufrichtige” Fragen über Dinge, die ich wirklich nicht weiß (also keine Scheinfragen oder Fragen nach einer persönlichen Erfahrung) stell und damit deutlich mach, dass ich auch nicht allwissend bin, nichtmal auf meinem Fachgebiet.

    Und somit ist es auch leicht zu verstehen, warum Scharlatane von Gerd Postel bis Erich von Däniken so ein leichtes Spiel haben: “Komm her, ich weiß alles, nehm Dich für voll und erklärs Dir so einfach, dass Du es garantiert verstehst.” Ist doch verlockend für jemanden, der noch so ein bisschen Rest-Neugier hat, oder?

    Tja, und dann wär da noch die Didaktik. Ich hatte durchweg so miserable Lehrer in Physik und Chemie, dass ich erst lange nach dem Abi entdeckt hab wie spannend diese Themen eigentlich sind. Ewig unvergessen wird mir die Erklärung von “Halbleiter” bleiben: “Der Halbleiter ist eine Folie, die unter Umständen gewisse Zwecke erfüllt im Rahmen des Dielektrikums.”

    Das ist leider kein Scherz.

  16. #16 Andreas
    9. Mai 2011

    Nachtrag: So, und jetzt bitte mal kurz alle an die eigene Nase fassen. 😉

    @Johannes:

    Kennst Du die Serie mit Harald Lesch und Wilhelm Vossenkuhl (Philosoph)?

    In einer Szene fragt der Wirt Vossenkuhl: “Wo gehen Philosophen schwoofen? Also wo kann man die mal treffen?”

    Und Vossenkuhl antwortet etwas verschämt: “Also… eigentlich sagt man ja als Philosoph nicht so gern, was man macht. Man antwortet dann eher, dass man was mit Sprachen macht… oder so.”

    Ich fand diesen subtilen Seitenhieb damals so genial… 🙂

  17. #17 Geoman
    9. Mai 2011

    Das Bild von Camille Flammarion, das heutzutage als beliebte Illustration verwendet wird, um das menschliche Erkenntnisstreben zu versinnbildlichen, hat mich schon mal neugierig gemacht. Und die Recherche hatte ein erstaunliches Ergebnis:

    http://www.kritische-naturgeschichte.de/Seiten/kosmologisch.html#legendenbildung

  18. #18 WolfgangK
    9. Mai 2011

    Ein Beitrag, der auch mir aus der Seele spricht, denn es ist nicht einfach, neugierig zu sein. Dem ausführlichen Beitrag meines Vorschreibers Andreas schließe ich mich an: die Kommunikation zwischen Fachmann und Laien spielt sich genau wie beschrieben ab. Wissenschaftler scheinen keine Lust zu haben, Grundsätzliches zum soundsovielten Male erklären zu müssen.
    Zusätzlich möchte ich noch erwähnen, dass Wissenschaftler gerne in ihrer fachspezifischen (und meines Erachtens völlig überflüssigen) Fremdsprache sprechen, welche für den Laien erst einmal nicht sonderlich verständlich ist und neben dem Stoff mühselig erlernt werden muss (einfaches Beispiel aus der Astronomie: gyrieren statt drehen). Dieser Gesamtkomplex aus tiefem Wissen und Fachsprache verleitet Wissenschaftler tendenziell zum elitären Denken und zur Absonderung vom gemeinen Volk, denn schließlich hat man ja studiert. Dazu kommt noch der wohl typisch deutsche Trend (in den USA ist das anders) zum Naserümpfen gegenüber populären Wissenschaftlern, die Neuentdeckungen „für alle“ veröffentlichen, statt diese erst in fachspezifischen Blättern der erlauchten Fachwelt vorzustellen. In den Wissenschaften ist es nicht gerne gesehen, wenn die Fachwelt sich dem gemeinen Bürger stellt.
    Immerhin jedoch lassen ScienceBlogs u.ä. auf eine Annäherung beider Seiten hoffen…

    Ein Artikel über Fachsprachen (hier Sozialwissenschaft)
    http://www.freitag.de/kultur/1024-wider-die-alluere-der-fachsprache

  19. #19 Andreas
    9. Mai 2011

    @WolfgangK:

    Ich meinte diese Ausführungen absolut nicht als Kritik an Wissenschaftlern. Die beschriebenen Vorgänge spielen sich auf allen Ebenen von Fachwissen ab – selbst bei Stammtischgesprächen über Fußball. Bei komplexeren Themengebieten treten sie höchstens deutlicher hervor. Und man kann auch niemandem vorwerfen, wenn er mal keine Lust zum erklären hat. Eine Frage ist ein “Geschenk” und eine Antwort ist ein “Geschenk”. Man kann nicht erwarten, dass man immer ein Gegengeschenk bekommt (bzw. das Gegengeschenk dann noch ins eigene Regal passt 😉 ). Wenn beide Seiten dass so sehn würden… wir könnten uns diese dämliche Debatte über den Wissenschaftler-Laien-Dialog sparen und anfangen, über den Mensch-Mensch-Dialog zu reden. Diese stereotype Hierarchisierung ist ähnlich unnötig wie das Fachsprech (zumindest an manchen stellen).

  20. #20 jitpleecheep
    9. Mai 2011

    @Martin:

    Ich frage mich schon seit geraumer Zeit wie es zu schaffen ist, dass neugierige Kinder (die einem ja Unmengen von Löchern in den Bauch fragen) zu Menschen heranwachsen, denen es nicht in den Sinn kommt verstehen zu wollen wie die Welt funktioniert. Wie schafft man es, jungen Menschen die Neugier so nachhaltig auszutreiben? Ich verstehe es einfach nicht.

    “Neulich” in Bonn, Poppelsdorfer Allee (live erlebt): Mutti kommt mit kleiner Tochter die Allee entlangflaniert, Kind hebt ein von Miniermotten befallenes Kastanienblatt auf und fragt: “Mami, Mami, schau mal, warum sieht das Blatt so komisch aus?”. Mutter dreht sich rum, reisst das Blag mit sich, schlägt ihm das Blatt aus der Hand und giftet “Ich han dir ad dausendmol gesaht, do solls nit jede Driss ophevve! ”
    Noch Fragen, Kienzle?

  21. #21 Marcus Frenkel
    10. Mai 2011

    Den meisten der Kommentare hier kann und möchte ich aus vollem Herzen zustimmen. Vielleicht ein paar Anmerkungen zu einigen Dingen, die ich etwas anders sehe (wobei die Betonung auf “etwas” liegt – den meisten Äußerungen auch der zitierten Kommentatoren stimme ich voll zu):

    @Johannes

    Als Geisteswissenschaftler sieht es da viel schlimmer aus (Lehrämtler mit dem festgesteckten Berufsziel mal ausgeklammert). Fachbereiche wie Linguistik, Philosophie, etc. sind nicht gerade ergiebige Lieferanten für “Partywissen”… zumindest nicht die Art von Partywissen, die beim Durchschnittlichen Galileo-Zuschauer ankommt.

    Eben genau darum ging es mir. Falls mein Beitrag etwas zu sehr auf die Naturwissenschaft bezogen erscheint, muss ich das hier wohl noch etwas korrigieren: natürlich bezog sich mein Beitrag nicht nur auf Naturwissenschaften, da man auch in vielen anderen Bereichen neugierig sein kann, gerade auch in den Geisteswissenschaften. Umso bedauerlicher ist es, wenn derartige Themen noch mehr als die Naturwissenschaften an den Rand gedrängt werden. Beispiel Linguistik: wer einmal einige Einblicke in die historische Linguistik, etwa zum Thema der Zweiten Lautverschiebung, bekommen hat, kann darin auch im Alltagsleben immer wieder spannende „Auswirkungen“ entdecken, wenn er etwa deutsche und englische Wörter miteinander vergleicht (mein Liebling: die Verschiebung von „cat“ zu „Katze“). Ob dieses Wissen nun praktisch genug ist, um beim Englisch-Lernen zu helfen, sei einmal dahingestellt. Spannend ist es allemal.

    @miesepeter3

    Dort wird auch nur Faktenwissen gepaukt, um z.B. das Abi zu schaffen. Es gibt nur wenige Lehrer, die willens und in der Lage sind, Kindern den Spaß am Wissen zu vermitteln.

    Man könnte gar argumentieren, dass ein Grund hierfür genau darin liegt, dass den Lehrern wiederum ihre Neugier abhandengekommen ist!

    Aber warum interseesiert sich kaum ein Nichtwissenschaftler für wissenschaftliche Themen? Wahrscheinlich, weil Fachwissen keinen allzugroßen Unterhaltungswert in der Freizeit hat und Nichtfachleute kurz über lang mit der Diskussion überfordert wären und sich lieber über etwas anderes unterhalten.

    Hier möchte ich teilweise zustimmen, teilweise anders argumentieren. Sicher, Fachwissen hat keinen Unterhaltungswert – eben das ist ja das Problem. Dass die Nichtfachleute mit einer Diskussion überfordert wären, möchte ich dagegen nicht einfach so stehen lassen. Man kann auch als Wissenschaftler (gut, nicht jeder…) ein Thema so präsentieren, dass der „Laie“ es versteht und mittreden kann. Nur ohne Interesse seitens der Zuhörer geht es nun einmal nicht.

    Auch ganz normale Handwerksberufe haben da ähnlich niedrige Unterhaltungswerte. Ich kann mir kaum eine interessierte Zuhörerschaft auf einer Geburtstagsfeier vorstellen, die gebannt an den Lippen eines Feinmechanikers hängt, der gerade einen Vortrag über die Verlaufsfarben bei der Metallhärtung hält. Auch ein Bäckermeister, der über die feinsinnige Gehzeit von Natursauerteig parliert, wird kaum über ein oder zwei interessierte Hausfrauen, die Backen als Hobby betreiben hinauskommen.

    Und genau dieser Punkt ist schade. Und höchst verwunderlich, da die gleichen Leute kein Problem damit haben, sich das gleiche Thema bei Galileo anzutun.

    Nicht jedem ist es gegeben, Wissenschaft zu verstehen und in sein Leben zu integrieren.

    Das ist an sich wahr – aber es geht ja auch nicht um das verstehen. Ich werde vermutlich nie im Leben die ganze Mathematik hinter den Planetenbewegungen und der gravitativen Beeinflussung untereinander verstehen; brauche ich aber auch gar nicht, um allein durch die Information, dass die Gravitation mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, zu verstehen, dass Astrologie nicht funktionieren kann.

    @MartinS

    Nicht mehr die Freude am Wissen (die Neugierde), sondern nur noch der Abschluss wird zwangsläufig im Fokus gehalten.

    Absolut exakt. Wer von den Studenten hier kennt es nicht, dass man bei der einen oder anderen Wahl eines Faches schon darauf geschaut hat, wie einfach es die Note gab, wie gut der Schnitt sonst ist und wie günstig die Vorlesung in der Woche liegt. Ich möchte mich an dieser Stelle auch selber nicht ausschließen: ich hätte z.B. während meines Studiums gerne das Fach „Kryptologie“ belegt, rein aus Interesse. Die hohen Anforderungen und der Aufwand haben mich dann aber abgeschreckt – zusammen mit dem Gedanken, dass ich das Fach in meiner Laufbahn vermutlich nie brauchen werde. So sollte es nicht sein – aber Neugier wird nun einmal nicht belohnt, leider.

    Und ob auf der Bauernhochzeit über Keplers Weltbild nachgedacht wurde, wage ich einfach mal zu bezweifeln. Und Platons Tischgespräche waren ja nun auch kein Party-Small-Talk.

    Sicher? Es würde mich interessieren, wie damals neue Theorien aufgenommen wurden, gerade wenn sie etwas so zentrales wie das Weltbild betrafen. Im Hinterkopf habe ich eine Erinnerung, dass es dazu (und auch bei Galileo) doch schon einige Unruhen in der Bevölkerung gab (man mag mich korrigieren, wenn ich falsch liege).

    Man hätte vielleicht die Party als Ort der ‘Wissensvermittlung’ raus lassen sollen 😉

    Im Gegenteil – eine Feier ist der ideale Ort, da dort die Stimmung gelöst ist und viele Leute und damit viele Gelegenheiten für Gespräche da sind. Es geht ja nicht um die Vermittlung von handfestem Wissen, sondern „bloß“ um die Diskussion, um das Nachsinnen über Themen, die im Alltagsleben wenig bedacht werden.

    @Andreas

    Nehmen wir mal an, ich (männlich, 31 Jahre, Diplom-Mediendesigner) wäre astronomisch aber mal völlig unbeleckt und würde einen Astrophysiker fragen: “Und die Erde kreist wirklich um die Sonne? Woher weiß man das?”
    Die Reaktionen wären doch im wesentlichen:
    […]
    Dass jemand gutwillige Absichten und entsprechende Fähigkeiten unterstellt und sich in der Folge die Mühe macht, nach einer Erklärung auf einem verständlichen Niveau zu suchen UND zugleich den Mut aufbringt, sich der Gefahr auszusetzen selber nicht völlig richtig zu liegen, kommt heutzutage absolut seltenst vor – wenn es überhaupt schonmal eine Zeit gab, in der das häufiger anzutreffen war.

    Sind Sie sich diesbezüglich sicher? Wie viele Astrophysiker haben Sie schon gefragt, warum die Erde um die Sonne kreist und dann auch eine der von Ihnen geschilderten Antworten bekommen? 😉
    Oder spricht hier nicht viel mehr das weit verbreitete Klischee (welches ich selber auch in keiner Weise bestätigen kann und will), dass Wissenschaftler allesamt hochnäsig und elitär wären? Gerade hier auf Scienceblogs.de schreiben viele Wissenschaftler, von denen das genaue Gegenteil behauptet werden muss. Ich selber habe auch eher die Erfahrung gemacht, dass Wissenschaftler dankbar reagieren, wenn man sie auf ihr Fachgebiet anspricht – dann aber auch mitdenkt und nicht auf dem Standpunkt „erzähl mal so, dass ich es verstehe“ verbleibt (wobei „Wissenschaftler“ hier unter anderem auch einen Musiklehrer, einen Ingenieur und einen Automechaniker einschließt).

    @WolfgangK

    Zusätzlich möchte ich noch erwähnen, dass Wissenschaftler gerne in ihrer fachspezifischen (und meines Erachtens völlig überflüssigen) Fremdsprache sprechen, welche für den Laien erst einmal nicht sonderlich verständlich ist und neben dem Stoff mühselig erlernt werden muss (einfaches Beispiel aus der Astronomie: gyrieren statt drehen).

    Das ist nur allzu verständlich, da für eine vernünftige Kommunikation auch eine entsprechende Sprache vorhanden sein muss. Und niemand kann erwarten, aus dem Gespräch zwischen zwei Wissenschaftlern als Fachfremder schlau zu werden. Dennoch gibt es, wie oben bereits geschrieben, meines Erachtens viele Leute in der forschenden Zunft, die auch komplexe Sachverhalte dem Unbedarften mit einfachen Worten erklären können – Neugier und Interesse vorausgesetzt!

  22. #22 Andreas
    10. Mai 2011

    @Marcus Frenkel

    Natürlich hab ich keinen Astrophysiker danach gefragt – das Beispiel war sicher etwas albern gewählt. 🙂 Und pauschalisierend auf eine bestimmte Gruppe war das sicher nicht gemeint. Also, doch ja, auf die Gruppe Mensch.

    Aber es begegnet mir schon recht oft bei allen möglichen Wissenschaftlern… ganz BESONDERS bei Automechanikern. 🙂

  23. #23 miesepeter3
    10. Mai 2011

    @Markus Frenkel

    Natürlich sind auch Lehrer Opfer der Umstände. Falls Sie noch Neugier in Ihren Beruf gerettet haben, wird ihnen die Vermittlung von Neugier schwer gemacht. Da gibt es Lehrplän, die eingehalten werden müssen, zuviele Schüler in einer Klasse, Zeitmangel (Unterrichtsausfälle) und und und……
    Ich wollte damit nicht zum Ausdruck bringen, dass lLhrer per se Neugierkiller sind.

    Fachwissen kann schon einen Unterhaltungswert haben, wenn es entsprechend aufbereitet und nicht unbedingt in Fachchinesisch unter die Leute gebracht wird.
    TV-Sendungen und Bücher mit populärwissenschaftlichem Inhalt werden ja nicht nur von Nobelpreisträgern konsumiert. Aber das mus man schon können.

    Nicht jeder kann Wissenschaft verstehen.. Wenn man sich die Anzahl der Schulabbrecher ansieht, das Fastanalphabetentum in Deutschland, weil in der Schule sich keiner gekümmert hat und wenn Wissenschaft für Lieschen Müller in unverständlicher Sprache daherkommt, dann wird Wissenschaft zu einem Buch mit sieben Siegeln. Und die Wissenschaft muß sich mal vergegenwärtigen, dass ihr Wissenstand in der Gemeinschaft eine Ausnahmestellung darstellt. Von nicht wissenschaftlich gebildeten zu verlangen, Wissenschaft genau so wichtig zu nehmen, wie man es selbst tut, ist nicht nur elitär sondern auch unsinnig.
    Für einen Hungrigen ist der Bäcker wichtiger als der Astrophysiker. Wie heißt es so schön? Erst kommt das Fressen, dann der Geist.

  24. #24 Marcus Frenkel
    10. Mai 2011

    @miesepeter3

    Ich wollte damit nicht zum Ausdruck bringen, dass lLhrer per se Neugierkiller sind.

    Das wollte ich auch keineswegs andeuten. Mein Kommentar war eher eine Zustimmung zu Ihrer Aussage; Sie haben natürlich auch recht, wenn Sie sagen, dass die Lehrpläne der wirklich freien Entfaltung des Geistes entgegenwirken.

    Wenn man sich die Anzahl der Schulabbrecher ansieht, das Fastanalphabetentum in Deutschland, weil in der Schule sich keiner gekümmert hat

    Das ist meiner Meinung nach genau Teil des Problems; die Schüler werden nicht (mehr?) in der Schule motiviert, sie verlieren ihren Antrieb, sich selber mit Themen zu beschäftigen, was dann zur Wirkung hat, dass auch ihr späteres Leben eher seicht dahinplätschert. Mit dem Ergebnis (Achtung, Spekulation), dass nachfolgende Generationen wieder ein Stückchen weniger neugierig sind, da sie es von ihren Eltern, Lehrern, Vorbildern usw. weniger vorgelebt bekommen.

    Erst kommt das Fressen, dann der Geist.

    Hieß es nicht ursprünglich: erst das Fressen, dann die Moral? Aber sicher, der Spruch lässt sich genauso gut auf den Geist beziehen; immerhin sind die gleichen Grundprinzipien am Werk.

  25. #25 Frank Wappler
    10. Mai 2011

    Marcus Frenkel schrieb (10.05.11 · 00:13 Uhr):
    > @Andreas […] dann aber auch mitdenkt und nicht auf dem Standpunkt „erzähl mal so, dass ich es verstehe“ verbleibt

    Sollten das etwa Gegensätze sein:
    Mitdenken” einerseits, und andererseits zu fordern, dass eine “Erzählung” beim Selbstverständlichen ansetzt (oder zumindest da ansetzt, wo einvernehmliches Verständnis nachgewiesen ist) und im Anschluss selbstverständliche “erzählerische Mittel” einsetzt
    ?

    > […] warum die Erde um die Sonne kreist

    Soll diese Frage etwa äquivalent sein (d.h. mit der selben Antwort) wie die
    Vorgabefrage(n) (Andreas· 09.05.11 · 18:12 Uhr):
    “Und die Erde kreist wirklich um die Sonne? Woher weiß man das?”.
    ?

  26. #26 Bullet
    10. Mai 2011

    Mensch, Wappler. Wie konnte das passieren? Du hast nicht nachgewiesen, daß der Terminus “kreist” völlig falsch ist. Los, komm, die 240 Zeilen schaffste locker.

  27. #27 Marcus Frenkel
    10. Mai 2011

    @Frank Wappler

    Sollten das etwa Gegensätze sein:
    “Mitdenken” einerseits, und andererseits zu fordern, dass eine “Erzählung” beim Selbstverständlichen ansetzt (oder zumindest da ansetzt, wo einvernehmliches Verständnis nachgewiesen ist) und im Anschluss selbstverständliche “erzählerische Mittel” einsetzt?

    Das ist nur dann ein Gegensatz, wenn der Zuhörer fordert, alles “denkfertig” vorgesetzt zu bekommen, damit er es sich nur noch ins Gehirn schaufeln muss. Funktioniert Neugier und Interesse so? Oder ist es nicht doch wichtiger und interessanter, Inhalte zu verstehen als nur von ihnen zu hören? Wichtig ist hierbei nur der Detailgrad des Verständnisses, der beim Fachmann sehr hoch, beim interessierten Fachfremden durchaus auch geringer sein kann, um dennoch ein grundlegendes Verständnis der Thematik zu erlauben.

    > […] warum die Erde um die Sonne kreist
    Soll diese Frage etwa äquivalent sein (d.h. mit der selben Antwort) wie die
    Vorgabefrage(n) (Andreas· 09.05.11 · 18:12 Uhr):
    “Und die Erde kreist wirklich um die Sonne? Woher weiß man das?”.

    Die “Frage” in meiner Antwort war genau auf diese von Ihnen zitierte Frage bezogen…wo steckt darin jetzt also Ihre Frage genau?

  28. #28 Andreas
    10. Mai 2011

    Das ist nur dann ein Gegensatz, wenn der Zuhörer fordert, alles “denkfertig” vorgesetzt zu bekommen, damit er es sich nur noch ins Gehirn schaufeln muss.

    “denkfertig” trifft es noch nicht mal. “Konsumgerecht” schon eher. Es gibt wohl nicht wenige in unserer konsumorientierten Gesellschaft, die fordern dass sie Antworten auch einfach nur “konsumieren” müssen. Heraus kommen dann diese dämlichen Sciencetainment-Teile, bei denen es nur noch ganz am Rand um Wissensvermittlung geht und im wesentlichen um Unterhaltung. Ob die Darstellung korrekt oder präzise ist, ist eigentlich egal – Hauptsache die Story ist gut und die Bilder bunt.

    Das man bereit sein muss, einen gewissen Aufwand aufzubringen, um zu verstehen, muss man erstmal akzeptieren.

    Umgekehrt versteht der Mensch nunmal am besten visuell. Dass die Erde (annähernd) eine Kugel ist – so richtig klar war das wohl erst jedem, als es die ersten Bilder davon aus dem Weltraum gab.

    Und zwischen diesen beiden “Polen” muss sich eine gute Antwort eben bewegen.

  29. #29 Frank Wappler
    11. Mai 2011

    Marcus Frenkel schrieb (10.05.11 · 16:07 Uhr):
    > […] wenn der Zuhörer fordert, alles “denkfertig” vorgesetzt zu bekommen, damit er es sich nur noch ins Gehirn schaufeln muss.

    Aber wer sich diesem Anspruch (auf Nachvollziehbarkeit) nicht stellt, betreibt auch keine Wissenschaft.

    > Funktioniert Neugier und Interesse so?

    Warum nicht; besonders dort, wo Nachvollziehbarkeit vermisst wird.

    > Oder ist es nicht doch wichtiger und interessanter, Inhalte zu verstehen als nur von ihnen zu hören?

    Mich beschäftigt nun mal eher die Kehrseite:
    Könnte man behaupten, dass etwas (selbst-)verständlich wäre, das so gut wie gar nicht zur Sprache kam?

    > […] wo steckt darin jetzt also Ihre Frage genau?

    Es ging um die folgenden zwei Fragestellungen:
    “Woher weiß man, dass …?” einerseits, und andererseits “Warum ist es so, dass …?”.

    Ich stimme zwar zu, dass diese beiden Fragestellungen eng miteinander zusammenhängen. Aber es überrascht mich, dass sie jemand als vollkommen äquivalent und austauschbar betrachtet ….

  30. #30 Marcus Frenkel
    11. Mai 2011

    @Frank Wappler

    Aber wer sich diesem Anspruch (auf Nachvollziehbarkeit) nicht stellt, betreibt auch keine Wissenschaft.

    Das bezweifelt auch niemand. Nur gehören immer zwei Seiten zu einem Gespräch, selbst wenn das Gespräch ein Monolog ist.

    > Funktioniert Neugier und Interesse so?
    Warum nicht; besonders dort, wo Nachvollziehbarkeit vermisst wird.

    Auch hier gilt: die Nachvollziehbarkeit ist ein wichtiger Bestandteil einer Erläuterung, insbesondere, wenn das eine Ende der Unterhaltung aus einem Fachmann, das andere aus einem oder mehreren Nicht-Fachleuten besteht. Nur ohne den Willen, etwas zu verstehen, nutzt die beste Erklärung nichts.

    Könnte man behaupten, dass etwas (selbst-)verständlich wäre, das so gut wie gar nicht zur Sprache kam?

    Kann man nicht. Sollte man auch nicht. Behauptet auch niemand.

    Es ging um die folgenden zwei Fragestellungen:
    “Woher weiß man, dass …?” einerseits, und andererseits “Warum ist es so, dass …?”.

    Ich stimme zwar zu, dass diese beiden Fragestellungen eng miteinander zusammenhängen. Aber es überrascht mich, dass sie jemand als vollkommen äquivalent und austauschbar betrachtet ….

    Ah…eine Detail-Frage…
    Von Äquivalenz hat niemand gesprochen, nur von einer A-bezieht-sich-auf-B-Beziehung (um mal bei Ihrer detailtreuen Interpretation zu bleiben). Weiterführend kann dann noch hinzugefügt werden, dass eine Frage nach dem “Woher weiß man” meist nicht ohne eine Klärung des “Warum ist es so” stattfinden kann, da die Beantwortung des einen Kenntnisse über das andere erfordert.

  31. #31 miesepeter3
    11. Mai 2011

    @Andreas

    “Heraus kommen dann diese dämlichen Sciencetainment-Teile, bei denen es nur noch ganz am Rand um Wissensvermittlung geht und im wesentlichen um Unterhaltung.”

    Was ist falsch an Unterhaltung? Man weiß heute ganz gut, das Kinder das Leben lernen, indem Sie (hauptsächlich) ihre Eltern spielerisch imitieren. Also kein ernstes Gebüffel um der Sache willen, sondern eher Spiel und Spannung. Und das gleiche Prinzip soll auf einmal falsch sein, wenn die Kinder dann groß sind? Klar, für Wissenschaftler brauch ich keine bunten Bildchen, für Nichtwissenschaftler manchmal schon. Ich hasse diesen Ausdruck, aber z.B. in der Personalführung in der Wirtschaft heißt es immer, man muß die Leute da abholen, wo sie sind. (Wo sonst?)
    Und machmal wirken bunte Bildchen mit einfachen Erklärungen besser, als drei dicke Fachbücher, die der Normalverbraucher sowieso nicht liest.
    Wenn man sich laufend über Desinteresse an den Wissenschaften beklagt, darf man die Schwelle zum Eintritt ins Wissen für Neueinsteiger nicht zu hoch hängen. Es sei denn, man will doch lieber unter sich bleiben.

  32. #32 Marcus Frenkel
    11. Mai 2011

    Ich glaube, Andreas ging es unter anderem auch darum, dass die von ihm genannten Sendungen inhaltlich eher…bedenklich sind.

  33. #33 Sven Türpe
    12. Mai 2011

    Wenn Dir die Reaktion Deiner Zeitgenossen auf Dein Verhalten nicht passt, ändere Dein Verhalten. Aber als Nerd will man ja Außenseiter sein und verhält sich entsprechend. Warum jetzt das Genöle über den Erfolg?

  34. #34 threepoints...
    12. Mai 2011

    “In der Tat scheint die Aussage “Hauptsache es macht, was es soll” gesellschaftsfähig zu sein.”

    -> Angewendet auf Werkzeuge möge das auch nur die einzig wahre Idee von solchen “Dingen” sein. Ohne die Funktion sich nur noch das Museum anbiete…

    Leider aber ist diese Strategie auch in Gesellschaft angekommen, wo es darum geht, seine Nächsten zu funktionalisieren. und dann schickt sich die Aussage eigendlich nicht mehr. Was aber kaum jemand stört, wenn man zwischen den Zeilen zuhört. Solcherart Persönlichkeitsbeschreibungen seien doch mehr in die Richting von Narzismus und Überheblichkeit gelagert?

  35. #35 Marcus Frenkel
    13. Mai 2011

    @Sven Türpe: war das jetzt gut versteckte Ironie oder ernstgemeint?

    @threepoints: Auch Werkzeuge wollen verstanden sein, um sie effektiv nutzen und weiterentwickeln zu können…

  36. #36 Dr. Webbaer
    13. Mai 2011

    Sven meint vermutlich, dass die allgemeine Neugierde in den Zeiten des Internets ihren Höhepunkt erreicht hat und der Zeitpunkt Neugier zu fordern ungünstig war, lol.

    HTH
    Dr. Webbaer

  37. #37 threepoints...
    14. Mai 2011

    Marcus Frenkel· 13.05.11 · 23:03 Uhr

    Auch Werkzeuge wollen verstanden sein, um sie effektiv nutzen und weiterentwickeln zu können…

    -> Ja, sicher. Ichkenne auchkein Alltagswerkzeug, dass sichSituationsbedingt nicht noch dafür verbessern liesse. Dachte ich aber dabei eher an Alltagsgeräte/Werkzeuge, die wenig Aufwand an technischen Verständnis erfordern, sonst nämlich lohnten die sich nicht zu nutzen…. Macht es doch nur Sinn, wenn sie mit relativer Leichtigkeit handhabbar sind…

    Gesellschaftlich aber fühlte ich mich etwas zu oft funktionalissiert… und gar so, dass ich danach kaum Gefallen an meiner Leistung mehr fand. Ist es doch auch nötig, zuseinen Leistungen zu stehen, sie nicht nur bei Ausführung zu mögen…

  38. #38 Sven Türpe
    14. Mai 2011

    Das war schon ernst gemeint. Wenn ich eine Geburtstagsfeierrunde trolle, indem ich über Batterien, Pole, Sauerstoff und so weiter referiere, dann mache ich das entweder mit Absicht, um die beschriebenen desinteressierten Reaktionen auszulösen (das wäre Kunst), oder ich habe nicht den leisesten Schimmer, was meine Mitmenschen sich unter einer Geburtstagsfeier vorstellen (das wäre Soziopathie).

    Praxistipp für Erfolg im sozialen Umfeld: das Dozieren bleiben lassen und mehr Fragen stellen. Keine Testfragen, sondern interessierte Fragen — einfach mal kommentarlos und ohne Wertung nachbohren, was der andere so denkt, was ihn interessiert, wer er ist. Dann klappt’s auch mit den Geburtstagsfeiern.

    By the way, the Einstellung: “Hauptsache es macht, was es soll” spricht klar gegen Homöpathie — es ist der Mediziner, die darauf achtet, ob etwas tut, was es soll, und nicht der Homöpath.

  39. #39 Marcus Frenkel
    15. Mai 2011

    @threepoints…
    Sicher, ein Werkzeug soll funktionieren. Aber ganz ehrlich: was spricht dagegen, einmal darüber nachzusinnen, warum es funkioniert? Das geht mit ganz simplen Fragen los, zum Beispiel: warum bekomme ich mit dem Hammer einen Nagel, mit dem gleichen Hammer und dem gleichen Kraftaufwand, aber ohne Nagel, kein Loch in die Wand? Sicher, für die Aufgabe, den Nagel in die Wand zu bekommen, ist die Überlegung nicht relevant, aber darum geht es ja auch gar nicht, sondern um das Nachdenken, Nachsinnen, Neugierig sein – ganz wie im Beitrag beschrieben.

    @Sven Türpe
    Es geht doch gar nicht darum, Geburtstagsfeiern zu “trollen”, zu dozieren oder ähnliches. Es geht darum, dass es gar kein “trollen” wäre, wenn Neugier in der Gesellschaft ein wenig weiter verbreitet wäre. Und das eigene Verhalten zu ändern bringt nichts in Hinsicht auf die Tatsache, dass viele Leute nicht (mehr) neugierig sind.
    Die Einbildung, dass etwas das macht, was man von ihm erwartet, es das aber überhaupt nicht tut (wie bei der Homöopathie) spricht ja nicht gegen die Einstellung “Hauptsache, es macht, was es soll”. Im Gegenteil. Der Anhänger der Homöopathie denkt sich (unter anderem): “Homöopathie hilft mir; ich habe keine Ahnung, wie es funktioniert [und viele haben wirklich keine Ahnung, was die theoretischen Grundlagen der Homöopathie sind], solange es mir hilft” – dass es am Ende gar nicht hilft, steht auf einem ganz anderen Blatt. Würde er sich ernsthaft darüber interessieren, wie Homöopathie angeblich wirken soll (verbunden mit etwas Physik und Chemie), würde er irgendwann zwangsläufig einsehen müssen, dass mit der Theorie etwas nicht stimmen kann.

  40. #40 Dr. Webbaer
    15. Mai 2011

    (…) dass es [ein homöopathisches Präparat] am Ende gar nicht hilft, steht auf einem ganz anderen Blatt (…)

    Also, mal ganz “neugierig” angemerkt, auf ner Party punktet man mit dieser Geschichte definitiv nicht. Streit scheint fast vorprogrammiert, denn klar, wirksam ist das homöopathische Präparat wohl nicht, aber es gibt dennoch zufriedene Abnehmer, denn ansonsten lief die Chose nicht. [1]

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] Es gibt wohl eine Wirksamkeit des “Präparats”, die auf einer Vertrauensübertragung von Arzt auf Patient basiert, Stichwort: Placebo-Effekt. – Zudem ist die Humanmedizin eine Erfahrungswissenschaft. Kurzum, für Streit auf der Party dürfte gesorgt sein. 🙂

    PS: Würde, würde, würde…

  41. #41 Sven Türpe
    15. Mai 2011

    Es geht darum, dass es gar kein “trollen” wäre, wenn Neugier in der Gesellschaft ein wenig weiter verbreitet wäre. Und das eigene Verhalten zu ändern bringt nichts in Hinsicht auf die Tatsache, dass viele Leute nicht (mehr) neugierig sind.

    Wer lebt Neugier vor? Geburtstagsfeiertrolle, die sich nichts sehnlicher wünschen, als über ihr Lieblingsthema ausgefragt zu werden sicherlich nicht. Und wer reagiert positiv auf Neugier, wenn sie sich etwa, um beim Beispiel zu bleiben, auf Spielarten des Schamanismus richtet?

    Der Anhänger der Homöopathie denkt sich (unter anderem): “Homöopathie hilft mir; ich habe keine Ahnung, wie es funktioniert [und viele haben wirklich keine Ahnung, was die theoretischen Grundlagen der Homöopathie sind], solange es mir hilft” – dass es am Ende gar nicht hilft, steht auf einem ganz anderen Blatt.

    Das denkt der Anhänger des iPhones auch, und treibt dessen Hersteller damit an die Spitze sowohl der Wirtschafts-Charts als auch der technischen Entwicklung im Marksegment.

    Ich halte die Problemdefinition für mangelhaft.

  42. #42 Marcus Frenkel
    15. Mai 2011

    @Dr. Webbaer
    Da haben Sie vollkommen recht, dass man mit einer solchen Aussage auf einer Feier sicherlich nicht gut ankommt (es sei denn, es wäre eine GWUP-Veranstaltung). Aber: siehe Kommentar zu Sven Türpe unten.
    Und zu [1]: immerhin: selbst ein Streitgespräch über die Homöopathie wäre wünschenswert. 😉

    @Sven Türpe:
    Ich glaube, wir diskutieren hier von zwei völlig verschiedenen Standpunkten aus und damit grandios aneinander vorbei. Mir ist vollkommen klar, dass man in der heutigen Gesellschaft nicht einfach so auf einer Feier anfangen kann, über verschiedenste Dinge zu diskutieren. Das weiß ich (nebenbei geht es gar nicht darum, Wissen zu verbreiten, sondern über Dinge zu diskutieren; da habe ich nie etwas anderes gesagt – so fair müssen Sie schon bleiben). Mein Beitrag hat das Bedauern darüber ausgedrückt, dass es eben genau so ist. Wäre denn irgend etwas Schlechtes daran, wenn mehr über auch nichttriviale Themen diskutiert werden würde?
    Was im Übrigen auch für Spielarten des Schamanismus gilt – auch darüber kann man diskutieren. Und auch über Homöopathie, Astrologie und so weiter. Aber eben auch (in der Theorie) über Astronomie, Evolution und chemische Redoxreaktionen. Was spricht denn dagegen? Außer eben dem Fakt, dass in der momentanen Gesellschaft daran kein Interesse besteht – und nur darüber habe ich mein Bedauern zum Ausdruck gebracht.

  43. #43 Ex-Esoteriker
    15. Mai 2011

    Hallo Leute,

    ich als Laie muss zugeben, Sendungen wie Galileo o.ä. würde mir bei der Wissensvermittlung viel mehr helfen als son trockener Wissenschaftskurs o.ä.

    Oder gute Artikel aus SB :-).

    Bsp in meiner Schule früher: Jedesmal, wenn es ein neues Mathethema gab, war die Frage, die ich mir stellte: Welchen praktischen nutzen habe ich bzw. welchen praktischen nutzen kann man aus den Formeln gewinnen?

    Z.B. das Thema Flächen- und Volumenberrechnung ist mir klar, gibt ja viele Dinge praktisch vor meiner Nase.

    Anders sieht es aus, wenn ich mir binomische Formeln anschaue, auch heute frage ich mich noch, Warum zum teufel wird das (noch?) gelehrt? Was ist der nutzen von diesen Formeln im praktischen Einsatz?

    Oder Primfaktorzerlegung, wozu brauche ich das im Leben?

    Und was das Thema “bunte Bilder” in der Wissenschaft betrifft: Die Größe von VY Cannis Majoris kann ich ohne Bilder einfach ablesen, ist aber “etwas” langweilig, interessanter ist dagegen, wenn es durch ein Bildchen dargestellt wird, etwa der Größenvergleich von VY Cannis Majoris zur Sonne.

    Da macht Wissen wieder Spaß, weil ich etwas habe, einen “praktischen” Vergleich und ich kann sagen Aha, der Größenvergleich Sonne-Cannis zeigt mir, der Stern Cannis ist wirklich sehr groß.

    Also ich als Laie brauch schon was “bildhaftes”, damit ich als Nichtwissenschaftler auch was verstehen kann. Und es sollte praktisch sein (wie Flächenberrechnung), keine trockene Theorie (Primfaktorenzerlegung).

    Natürlich ist Neugier und Wissensdurst erstmal Grundvorraussetzung, damit neues Wissen auch angeeignet werden kann.

  44. #44 Dr. Webbaer
    15. Mai 2011

    Lieber Herr Frenkel, Ihr Plädoyer für die Neugier ist natürlich absolut OK. Menschen (oder Bären) sollten neugieriger sein. Eigentlich immer.

    Was halten Sie aber von der These, dass das Internet die Menschen sozusagen immer mehr mitnimmt, die Neugier stark fördert. – Der Webbaer hat schon ganz erstaunliche Beobachtungen gemacht, die belegen, dass alleine durch die netzwerkbasierte Kommunikation überall kleine (oft auch junge) Fachkräfte entstehen, gerade auch im IT-Bereich?
    Enzyklopädisches Wissen steht heute bereit und verbreitet sich epidemisch.

    Sie hätten mal die Vorinternetzeiten erleben müssen mit den sich in den Bibliotheken herumdrückenden eher wenigen Bildungsinteressenten. Kurzum, es geht sicherlich in die richtige Richtung – mit großartigen Angeboten wie scienceblogs.de, deren Stamm-Publizisten wie Gastautoren natürlich.

    MFG + schönes WE noch!
    Dr. Webbaer (der wie ST normalerweise auch eher den Dissens betont als den oft langweiligen Konsens)

  45. #45 threepoints...
    15. Mai 2011

    Dr. Webbaer· 15.05.11 · 13:12 Uhr

    -> Sehr schön gesprochen… der WB. Durch die Verfügbarkeit von Wissen (wo man allerdings gerne mal differenzieren muß) kann eben das Wissen sogar noch potenziert werden, nicht nur fast Orts- und Zeitungebunden verfügbar sein.
    Schade um die Neugier, wenn sie nachliesse. Dafür bräuchte es noch einen Blog, um dieses zu verhindern…

    Hauptproblem sei aber leider eine gewisse Gewöhnung an die kommunikationslose Strategie des eher einsamen Nutzers des Netzes. Was möglicherweise auch daran liegt, dass sich Verwerfungen zwischen den Menschen geben ergeben, aufgrund der Nutzungsdauer und Strategie… etwa, weil einer dem Thema zu weit vorraus sei und niemand mehr mitreden kann./will. Die Entstehungsgeschichte der Nerds?

  46. #46 Marcus Frenkel
    15. Mai 2011

    Lieber Dr. Webbaer,

    ich stimme gerne zu, wenn Sie anmerken, dass das Internet ein starker Antrieb für die Neugier ist – immerhin steht hier viel Wissen praktisch frei zur Verfügung. Die Diskussion um die Auffindbarkeit und die Verlässlichkeit dieses Wissens sei an dieser Stelle dabei einmal großzügig hintangestellt.
    Fairerweise muss dann allerdings auch hinzugefügt werden, dass das Internet nicht nur als Wissensspeicher dient, sondern leider auch zur Verbreitung seltsamer Ansichten über alles mögliche genutzt wird. Und derartige (Falsch-)Informationen lassen sich noch einfacher finden als echtes Wissen (geben Sie einmal “Homöopathie” bei Google ein – unter den ersten 10 Treffern ist nur einer [dafür ganz oben], der etwas Kritik erwarten lässt). Aber gut, darum soll es hier nicht gehen – das wäre ein ganz eigenes Thema für sich.
    Das Internet ist im Grunde ein zweischneides Schwert; es bietet Zugang zu echtem Wissen genauso wie zu den persönlichen Theorien Einzelner, ohne dass immer eine klare Unterscheidung möglich wäre.

  47. #47 threepoints...
    15. Mai 2011

    Differenziren hiesse sie Schlüsselaktivität. Und ann findet manauch reichlich differenzen, denenman dannzwar ausgesetzt ist, aber durch deren Auswerungen manschon mal etwas schlauer werdenkann…

    und wie wars noch gleich…..

    Gedanken sind frei…. offenbar in jeder hinsicht. sodass man sich auh denken kann,was man will oder für sich passend hält….
    Alle zeit wird es wieder klarstellen, was davon dann auch brauchbar sei.

    Und derweil wird ja hier zum Beispiel der Irrtum mit der Homöopatie auch regelmässigst richtig gestellt. Nicht wahr…!?

    Oder die diversen zu bemängelnden Ansichten zur RT und seine “Abwandlungen” im Netz…

    Offensichtlich brauch sich niemand sorgen zu machen, dass es etwas schlechter macht… oder?

  48. #48 threepoints...
    15. Mai 2011

    Sorry, ich werde wohl demnächst eine neue Tastatur benötigen (wegen der Leertaste und anderen- die es nicht mehr tun)…

  49. #49 Marcus Frenkel
    15. Mai 2011

    Sicherlich wird hier auf Scienceblogs.de die Homöopathie regelmäßig richtig gestellt und auch an anderen Orten im Netz – zu helfen scheint es allerdings nicht, im Gegenteil: die Homöopathie ist, glaubt man den allgemeinen Berichten, auf dem Vormarsch. Gleiches gilt für die zahlreichen anderen Theorien, da sie durchs Internet zwar viel leichter widerlegt, aber auch viel leichter verbreitet werden können.
    Und ein Grund für die weitere Verbreitung dürfte meiner Meinung nach genau darin liegen, dass die Leute wenig recherchieren, vor allem wenig in die Tiefe, weil das Interesse für die Hintergründe fehlt – eben “Hauptsache, es wirkt”.

  50. #50 threepoints...
    16. Mai 2011

    Naja, … bei Anwendung der Schulmedizin fragt auch keiner, warum dieses Medikament mit jenem Stoff darin ausgerchnet gegen …. diese oder andere Krankheiten helfen soll…

    Soweit also stehts 1 zu 1 … zwischen Pharma-Pille und Globuli… in der Anwendung/Einnahme. Da denkt sich auchjder… hauptsache es wirkt – was ja klar sei, wenn man gesundheitlich geschwächt und dazu noch vielleicht eine Angst vor dem Tode hat… Da sei dann jeder Strohhalm eine Rettung, der sie nur verspricht.

    Audi war damals so ein Beispiel. Die haben damals den Spruch “Vorsprungd urch Technik” ausgegeben… dabei hatten sie noch keinen Vorsprung… der effektiv erst heute mehr vorhanden scheint als damals. Selbsterfüllende Prophezeiung…! Möglecherweise war audi damals kurz vor dem Konkurs…? Und so wird vielleicht jede Pille helfen… die der Homöopat als angemessen und “genau” auf die Diagnose ausgerichtet empfielt. Hauptsache der Patient glaubt es – wobei dann beim Patienten das “hauptsache es wirkt” herraus kommt..