Ein weiterer Beitrag von Marcus Frenkel; diesmal geht es um die Frage, ob es besser wäre, wenn mehr (und zeitgemäßere) Informationen über Informatik und IT an unseren Schulen vermittelt würden, oder ob dies eher schaden könnte, da Schüler heute sowieso eher zu viel als zu wenige Informationsmedien – Handys und Computer, vor allem – benutzen.

Schule: ein IT-freier Raum?

Vor nicht allzu langer Zeit hat der IT-Branchenverband BITKOM eine Studie durchführen lassen, welche die Verbreitung der Nutzung von digitalen Medien im Unterricht untersuchen sollte. Die Ergebnisse der Studie sind nicht allzu überraschend; zusammenfassend gesagt lässt sich feststellen, dass der Einsatz digitaler Medien nach wie vor recht sporadisch stattfindet und wenn, dann hauptsächlich zur Suche und Präsentation von Inhalten sowie der Unterstützung der Schüler durch Lernprogramme (in erster Linie für Sprachen). Studien dieser Art werden gefühlt einmal im Jahr durchgeführt und führen seit Jahren mehr oder weniger zum gleichen Ergebnis, wobei immerhin eine gewisse Tendenz zur Besserung erkennbar ist.

Beim Lesen der Studie haben sich mir (unter anderem) zwei Fragen beziehungsweise Fragenkomplexe gestellt, welche ich hier in den Raum stellen möchte, in der Hoffnung, die interessierte Mitleserschaft zu einer bewegten Diskussion über deren Beantwortung anzuregen.

Die erste Frage betrifft den Einsatz digitaler Medien in der Schule überhaupt. Sollte angesichts der vielen Zeit, welche Kinder und Jugendliche bereits heute vor Fernseher und PC verbringen, auch noch in der Schule mit diesen Medien gearbeitet werden? Wird nicht gerade dadurch auch die Medien-Übernutzung forciert? Oder sollten digitale Medien im Gegensatz noch viel öfter verwendet werden? Wenn auf den Einsatz von Medien verzichtet werden sollte, wie ließe sich dann der Unterricht den modernen Gegebenheiten anpassen? Und wenn der Medieneinsatz eher verstärkt werden sollte, welche Einsatzfelder neben Recherche, Präsentation und Vokabeltrainern wären noch denkbar und vielleicht sinnvoll? Und die Masterfrage: sollten auch soziale Netzwerke aktiv im Unterricht eingesetzt werden?

Die zweite Frage bezieht sich nur bedingt auf die genannte Studie und beschäftigt sich eher mit der Art und Weise, wie und vor allem welche IT-bezogenen Themen in der Schule vermittelt werden. Vor einigen Jahren war es noch der Standard, dass ein Fach „Informatik” irgendwann um die 7. Klasse herum als Pflichtfach und dann manchmal in der Sekundarstufe 2 als Wahlfach angeboten wurde. Die Inhalte waren dabei oftmals eher allgemeiner Natur, angefangen vom Verschicken von Mails über Textverarbeitung bis hin zu absolut rudimentären Programmierkenntnissen (welche sich doch allzu oft auf das Kopieren besprochener Muster beschränkten). Sicher gibt es da auch von Schule zu Schule Unterschiede, aber die Tendenz dürfte doch eher (ich bitte, korrigiert zu werden, wenn ich mich irre) in Richtung „absolute Grundlagen” gehen. Die Tiefe im Informatik-Unterricht ist vermutlich nicht mit zum Beispiel Physik, Chemie, Mathematik oder Biologie zu vergleichen, was umso erstaunlicher ist, als dass die Informatik einen beträchtlichen Teil unseres alltäglichen Lebens beherrscht. Sollte daher nicht der IT-Unterricht verstärkt im Schulunterricht beachtet und der Versuch unternommen werden, mehr als absolut grundlegende Inhalte zu vermitteln, anstatt der Informatik höchstens ein Nischendasein zuzugestehen?

Als Einstiegspunkt zur Diskussion hierzu kurz meine eigene Meinung – welche sicherlich auch stark dadurch beeinträchtigt ist, dass ich selber Informatiker bin.

Ich bin natürlich der Meinung, dass digitale Medien vermehrt im Unterricht zum Einsatz kommen sollten; nicht nur zur Präsentation von Inhalten oder zur Recherche, sondern auch bei der aktiven Gestaltung des Unterrichts. Insbesondere im naturwissenschaftlichen Bereich sehe ich da große Möglichkeiten, welche im Moment wohl eher spärlich genutzt werden. So könnten etwa Simulationsprogramme zur Veranschaulichung von physikalischen, chemischen, biologischen und astronomischen Prozessen genutzt werden; ebenso könnten ähnliche Programme dazu dienen, die Schüler eigene Erfahrungen mit (zum Beispiel nach dem Baukastenprinzip) simulierten Experimenten machen zu lassen, welche so im normalen Unterricht nicht durchgeführt werden können. Auch im mathematischen Bereich wären die Möglichkeiten der Visualisierung sicherlich gut anwendbar. Der große Vorteil derartiger Methoden ist, dass sie Abwechslung in den Unterricht bringen und die Motivation der Schüler befeuern können. Auf der anderen Seite dürfen natürlich die praktischen Tätigkeiten nicht zu kurz kommen. Durchführbare physikalische und chemische Experimente sollten nach wie vor manuell angegangen, biologische Daten in der freien Natur gesammelt werden, viel mehr noch, als es zur Zeit schon geschieht – eine rein digitalisierte Schule wäre in meinen Augen kontraproduktiv.

Die vermittelten Inhalte der IT-Ausbildung an Schulen bedürfen dagegen meiner Meinung nach einer Überarbeitung (wobei ich hier wie gesagt nicht auf dem allerneuesten Stand bin, was an Schulen gelehrt wird). Insbesondere die Grundlagen der Informatik – wie funktioniert ein Computer, wie funktioniert das Internet, was macht ein Betriebssystem – kommen noch viel zu kurz. Im Physikunterricht wird doch auch erklärt, wie Kathodenstrahlröhren und damit Fernseher funktionierten (eventuell werden moderne TFTs mittlerweile ja auch schon besprochen) – warum wird ähnliches nicht auch für Computer vermittelt? Immerhin haben beide Medien eine ähnliche Präsenz im Leben der Schüler. Neben den eher technischen Lehrinhalten wäre natürlich auch noch der Aufbau von Medienkompetenz wünschenswert. Dieses Gebiet umfasst unter anderem die Sicherheit im Internet, den Umgang mit sozialen Netzwerken und vor allem auch die (Nicht-)Verbreitung privater Daten im Netz.

Wie gesagt: ich weiß nicht, welche der obig genannten Dinge bereits im IT-Unterricht an Schulen behandelt werden; nach meinen Erfahrungen (die schon einige Jahre zurückliegen) und dem, was aus den Medien extrahiert werden kann, lässt die Vermittlung von IT-Inhalten jedoch noch sehr zu wünschen übrig. Eine Verbesserung des Angebotes täte hier meiner Meinung nach Not. Sollten die Leser andere Erfahrungen gemacht haben oder anderer Meinung sein, würde ich mich über eine rege Diskussion freuen!

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Kommentare (87)

  1. #1 Thomas R.
    23. Mai 2011

    “Sollte angesichts der vielen Zeit, welche Kinder und Jugendliche bereits heute vor Fernseher und PC verbringen, auch noch in der Schule mit diesen Medien gearbeitet werden? Wird nicht gerade dadurch auch die Medien-Übernutzung forciert?”

    Ich weiß, ich weiß, das war eine rethorische Frage. Dennoch brennt mir eine Folgefrage unter den Nägeln:

    Sollte angesichts der im Alltag häufigen Anwendung der Kulturfähigkeit des Lesens nicht auch überprüft werden, ob es richtig ist, auch in der Schule dieses Lesen zu praktizieren? Lesen unsere Kinder nicht jetzt schon täglich viel mehr, als es ihre Vorfahren aus dem alten Ägypten oder aus germanischen Bauernkulturen gewohnt waren?

  2. #2 Henry
    23. Mai 2011

    Ich habe seit der siebten Klasse Informatikunterricht und gerade mein Fachabitur im Datentechnischen-Zweig hinter mir.

    Es stimmt tatsächlich, dass sich gerade in der Mittelstufe, wo meistens das Fach Informatik eingeführt wird (es gibt auch schon Modelle, in denen bereits in der Grundschule mit Computern gearbeitet wird), der Schwerpunkt auf Dinge wie “Zehn-Finger-Tippen” und der Umgang mit Textverarbeitungs- und Präsentationssoftware begrenzt ist.

    Erst später, bei mir waren es die neunte oder zehnte Klasse, wendet man sich Themen wie kleinen Datenbanken oder auch wirtschaftliche Zusammenhänge im Bezug auf das Internet zu.

    Bis zur Oberstufe haben die Schüler zwar viele tolle Präsentationen zusammenkopiert und gelernt möglichst schnell miteinander zu chatten, aber von der eigentlich Grundlegenden Informatik keine Ahnung.

    Ich hatte, wie bereits erwähnt, während meines Fachabiturs die Leistungskurse mit Schwerpunkt Datentechnik. Auffällig war da wie wenig der eigentlichen Grundlagen bei meinen Klassenkameraden überhaupt vorhanden war. In der 12. Klasse sollte man wissen, dass 8 Bit ein Byte und das es zumindest sowas wie ein Binärsystem gibt unabhängig der besuchten Schule oder Fachrichtung.

    Das Hauptproblem liegt meiner Meinung nach bei zwei neuralgischen Punkten:
    Die Ausstattung der Schulen und die Ausbildung der unterrichtenden Lehrer.

    Wenn ich höre, dass wochenlang die Computerräume aufgrund falscher konfigurationen oder administrationsfehler nicht benutzt werden können und man asnsonsten mit Rechnern arbeiten muss deren Geschwindigkeit selbst in der dritten Welt als zumutung empfunden wird, frage ich mich wie viel Mühe sich die Schule überhaupt gibt für guten Unterricht zu sorgen.

    Was die Lehrer angeht, muss ich auch sagen, dass ich bis zur Oberstufe keinen ausgebildeten Lehrer für Informatik hatte. Man kann es natürlich nicht pauschalisieren, aber ich glaube, dass in 80% der Fälle (wenn nicht sogar nochmehr) die Schüler weit mehr Ahnung von der Bedienung des Computers haben, als die Lehrer und von wirklichen Lehrplänen fehlt meistens jede Spur.

    Ich bin für eine frühe Förderung des Informatikunterrichts an Schulen allerdings sollte dies die Grundlagen behinhalten um auch ein bisschen Vermitteln, dass da kein kleiner Mann im Gehäuse sitzt, der die Schalter umlegt. Wenn dies durch kompetente Lehrer in guten PC-Räumen geschiet wären wir einer guten Schulbildung wieder ein Schritt näher.

  3. #3 Wurgl
    23. Mai 2011

    Ich bin ja schon ein älteres Semester, …

    Ja, früher war alles — nicht besser aber anders. Informatik war damals im Rahmen eines Schulversuchs ein wählbares Fach ohne Benotung. Ganz am Anfang gabs in der Schule eine Olivetti P602 http://www.oldcalculatormuseum.com/a-op602.jpg und einen Lochkartenstanzer. Das was damals als Informatik gelehrt wurde war tatsächlich Programmieren, erst die furchtbare Symbol-Sprache dieser Olivetti und danach gabs Fortran pur. Im Jahr darauf war denn ein Fortschritt und wir waren per Lochstreifenleser und Modem mit irgendeinem Großrechner verbunden. Da gabs Unterricht in Algol und später dann in Basic.

    Aber eben pures Programmieren und nicht bedienen von irgendwelchen Geräten — abgesehen von der Bedienung des Kartenstanzers und des Lochstreifenmonsters. Nur gabs damals auch keine Präsentationssoftware und kein Visicalc und ähnliches.

  4. #4 Marcus Frenkel
    23. Mai 2011

    @Thomas R.

    Sollte angesichts der im Alltag häufigen Anwendung der Kulturfähigkeit des Lesens nicht auch überprüft werden, ob es richtig ist, auch in der Schule dieses Lesen zu praktizieren? Lesen unsere Kinder nicht jetzt schon täglich viel mehr, als es ihre Vorfahren aus dem alten Ägypten oder aus germanischen Bauernkulturen gewohnt waren?

    Im Vergleich zu den antiken Kulturen liest die heutige Jugend wohl wirklich mehr als damals. Aber ich würde stark vermuten, dass das Lesen als Freizeitbeschäftigung im Durchschnitt heutzutage irgendwo weit hinter Fernsehen und Computer kommt. Insofern kann man wohl auch noch nicht von Medien-Übernutzung sprechen. Wenn denn alle nur noch Lesen und gar nichts anderes mehr machen würden, wäre die Frage berechtigt, denke ich.

    @Henry
    Na, immerhin scheint es jetzt Informatik schon durchgängig zu geben. Was genau heißt “datentechnischer Zweig”?
    Und bei der schlechten Ausstattung der Schulen und Ausbildung der Lehrer stimme ich Ihnen zu – die Bestätigung dafür findet sich indirekt sogar in der verlinkten Studie, wenn ich mich recht erinnere.

    @Wurgl
    Danke für diesen Einblick in die damalige Zeit. Damals war der Informatik-Unterricht wohl wirklich näher an “Informatik” dran als heute; vermutlich aus dem von Ihnen genannten Grund. Aber etwas “theoretischere” Lehrinhalte (Algorithmen o.ä.) gab es damals auch eher nicht, oder?

  5. #5 Christian W
    23. Mai 2011

    Ich ziehe beim Themen-Komplex “Alltags-Informatik im Schulunterricht” immer ganz gern Parallelen zum Bereich “Verkehr(-ssicherheit), Fahrzeugtechnik, Mobilität”. Es gibt nicht ein Schulfach “Fortbewegen im Straßenverkehr”, sondern die Thematik wird in nahezu sämtliche Fächer eingeflochten: In Chemie und Physik lernt man alles darüber, wie Verbrennungsmotoren funktionieren und Kräfte übertragen; in Geschichte und Geographie alles über Entwicklung und Verbreitung von Automobilen sowie die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf Menschheit und Umwelt; in Biologie spricht man zumindest mal über Gifte und Schadstoffe in Abgasen und nicht zuletzt finden mindestens einmal im Jahr so eine Art Projekttage “Sicherheit im Straßenverkehr” statt, wo der ganze Rest behandelt wird.

    Warum? Na klar, weil die Erfindung und Verbreitung des Automobils einmal eine der (wenn nicht die) bedeutsamsten Entwicklungen des letzten Jahrhunderts mit entscheidenden Konsequenzen für die Gegenwart ist und zum anderen weil es eben quasi überlebenswichtig ist, sich im Straßenverkehr zurechtfinden zu können.

    Die Entwicklung der Computer-Technologie und Ausweitung auf nahezu jeden Bereich des privaten und beruflichen Lebens stellt nun mindestens ebenso bedeutsame Konsequenzen für die Gegenwart dar. Man muss nicht einmal in die IT-Branche oder kaufmännische Berufe gehen – wer keinen Computer bedienen kann, kann keinen in den letzten 5-10 Jahren hergestellten PKW mehr reparieren oder auch nur feststellen, was überhaupt defekt ist.
    Deshalb soll und muss der Informatik und der Computer-Technologie im gesamten Lehrplan ein ähnlicher Platz eingeräumt werden, die dem Automobil und dem Straßenverkehr: Im Mathematik-Unterricht wird das Rechnen in und Umrechnen zwischen verschiedenen Zahlensystemen und allgemeine Netztheorie gelehrt, in Physik die Grundlagen der Prozessortechnologie (“Strom fließt, Strom fließt nicht” nur mal als Anfang), in Geschichte und Geographie die Entwicklung und Verbreitung von Computertechnologie und Internet (nicht einfach nur das WWW oder Web 2.0), usw. usf. – und dann natürlich jährliche Projekttage “Sicheres Bewegen im World Wide Web”.
    Was in der Schule derzeit diesbezüglich gelehrt wird, also das Verwenden und Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulations-Software oder auch simple Programmiertechniken, ist dagegen reichlich überflüssig. Zum Einen sind das Dinge, die interessierte Schüler (und das ist die überwiegende Mehrheit der heutigen Schülergeneration) sich ohnehin in ihrer Freizeit selbst aneignen. Zum Anderen sind das keine Kenntnisse, die im Berufs- und Privatleben zwingend benötigt, aber nicht ohne Weiteres erlernt werden können. Im Gegenteil, bisher hat noch jeder gelernt, am PC einen Brief zu schreiben oder eine Kalkulation durchzuführen, der es musste und für die Bedienung eines PC sind Programmierkenntnisse unendlich irrelevant. Sehr viel wichtiger ist dagegen eine grundsätzliche Vorstellung davon, was in einem Computer technisch und logisch so vor sich geht, wenn er bedient wird. Das lernt ein 55-jähriger Heizungsmonteur nicht so schnell – er bräuchte es aber zwingend, um die Steuerung der Kundenheizung bedienen und auf Fehlfunktionen angemessen (bspw.: ein Blue Screen heißt nicht zwingend, dass der Computer oder die ganze Anlage defekt ist und ausgetauscht werden muss) reagieren zu können.

    Wir müssen dahin kommen, dass elektronische Geräte für ihre Benutzer keine black boxes sind, die auf magische Weise tun, was man von ihnen erwartet (oder nicht), sondern eben Werkzeuge, von denen man in etwa weiß, wie sie tun, was sie tun. Halt genauso wie beim Automobil. Und das geht eben nur, indem man die Informatik und Computertechnologie möglichst breit in den gesamten Lehrplan unserer Schulen integriert.

  6. #6 7tupel
    23. Mai 2011

    Jetzt ist es zwar auch schon ein bisschen her, dass ich in der Schule Informatik hatte. Aber auch bei mir war es damals so, dass ich erst in der 9. Klasse Informatik hatte. Das hat sich dann in der 9+10 Klasse auch auf Dinge wie Textverarbeitung und Powerpoint beschränkt sowie ein paar sehr rudimentäre HTML Experimente die mangels Wissen beim Lehrer ziemlich knapp ausgefallen sind.

    In der 11. Klasen hatte ich dann endlich einen ordentlichen Informatiklehrer. Dort haben wir dann direkt mit Netzwerkgrundlagen (OSI, Protokolle, Topologien, …) und ein wenig theoretischer Informatik (Komplexität und Algorithmen) angefangen. Dann das übliche Delphi (warum kann man hier nicht endlich mal eine moderne Programmiersprachverwenden?!), Datnbanken in Praxis und Theorie und dann noch ein Jahr lang Turingmaschinen, Entscheidbarkeit, …

    Und damit waren wir eine sehr seltene Ausnahme! (und hat mir so gut gefallen das ich das jetzt auch studiere) Alle anderen Schüler an anderen Schulen die ich kenne haben den üblichen “billigen” Kram gemacht der die Leute die daran interessiert sind nur langweilt.

    Einen Leistungskurs Informatik hat unsere Schule im Übrigen nicht genehmigt. Es waren ja auch nur 16 Leute die diesen machen wollten. Den Latein-LK für den sich 7 Leute beworben haben gab es dann aber natürlich. Aber da es nur einen von beiden geben konnte wurde natürlich Latein bevorzugt, da Latein natürlich sehr Zukunfts orientiert ist.

    Man kann also durchaus sagen, Informatik kommt an der Schule überall zu kurz. Man müsste meiner Meinung nach bereits in der Grundschule mit einer Art Computer Grundlagen Unterricht beginnen der dann in der 5 Klasse bis mind. zur Einführungsphase verpflichtend fortgefürt wird. Dort sollte besonders auch auf Umgang im Internet mit eigenen Daten und Daten anderer eingegangen werden. Und die Schüler sollten auch frühzeitig lernen, das Informatik nicht daraus besteht mit dem Computer zu “spielen”, sondern das hier fundamentale mathematische und Technische Grundlagen dahinterstehen.

    Also kurzum, die Schulen sollten den Lehrplan komplett überarbeiten und Fachleute für den Informatikunterricht einstellen, nicht die üblichen Lehrer, die Informatik in einem 6 Monate dauernden Kurs noch schnell hinterher gemacht haben!

  7. #7 Grundumsatz
    23. Mai 2011

    Vielleicht bin ich zu pingelig, aber die Bedienung von Powerpoint o.ä. hat für mich nicht wirklich etwas mit Informatik zu tun.

    Was auf jeden Fall gelehrt werden sollte, sind die Grundlagen. Also nicht nur die Bezeichnung von RAM, CPU usw., sondern tatsächlich die Funktionsweise. Den Computerclub im WDR gibts ja leider nicht mehr, aber die Moderatoren hatten sich für derlei Zwecke einen “Streichholzcomputer” ausgedacht, der die Funktionsweise der CPU recht anschaulich darstellt. Gibts (ganz unten auf der Seite) auch als Software:

    http://www.wolfgang-back.com/knowhow_home.php

    Das wäre so etwa die ‘Tiefe’, die ich für sinnvoll hielte. Dazu vielleicht noch ein bisschen programmieren und auf jeden Fall auch Geschichte: Zuse, Transistor, x86; sowas in der Art.

    Was Lerninhalte aus anderen Fächern angeht, halte ich die momentan sehr gehypten Tablets für ideal. Microsoft hat vor ein paar Jahren ein Programm namens “Physics Simulator” rausgebracht, das direkt für die Benutzung auf Tablets gedacht war. Da kann man mit dem Stift (oder mit der Maus) versch. Körper einzeichnen, die Gravitationsrichtung festlegen, Achsen und Federn einzeichnen usw:

    Mit derartigen Programmen und dem direkten “Toucherlebnis” auf Tablets lassen sich Lerninhalte imho prima vermitteln. Meine Forderung ist daher: Für jede/n SchülerIn ein Tablet. 🙂

  8. #8 Wurgl
    23. Mai 2011

    @Marcus Frenkel
    Das war so um 1975/76.

    So genau weiß ich nicht mehr was alles gemacht wurde. Ich kann mich noch an irgendeinen Optimierungsalgorithmus erinnern, aber nur noch ganz dunkel. Der Professor unterrichtete uns noch in Physik und andere Klassen in Mathematik. Jedenfalls hat er diesen Algorithmus auch etwas abgewandelt verwendet um den Stundenplan der Schule (inklusive Belegung der speziellen Lehrsäle) zu erstellen.

    Grundlagen im Sinne von Binärsystem, Hexadezimalsystem und binärer Logik gabs auch. Irgendwie sollten wir ja auch verstehen, wie so eine Kiste “arbytet”. Aber viel mehr weiß ich wirklich nicht mehr.

    Aber wie gesagt, das war damals kein reguläres Fach, sondern eine sogenannte “Unverbindliche Übung” ohne Benotung (ausser teilgenommen/nicht teilgenommen) und man konnte da jederzeit wieder raus. Damit waren nur wirklich Interessierte in der Stunde.

    Wir Kinners (so 15-17 Jahre) haben uns natürlich auf die jederzeit verfügbare P602 gestürzt und klaro so Blödsinn-Spiele wie Roulett programmiert. Einen ganz klugen Kopf gabs auch, der hat in Fortran versucht ein Schach zu programmieren. Schachprobleme in 3 Zügen klappen sogar nach ca. einem Jahr, mehr war nicht drinnen. Man muss dazu sagen, dass wir diese Fortran-Monster auf Lochkarten gestanzt haben und dann diese Lochkarten zum IBM-Rechencenter geschleppt haben, so 2-3 Tage später gabs dann den Ausdruck. Bei dem Schachproblemlöser war das Problem die begrenzte Rechenzeit.

    Ich selbst hab diesem klugen Kopf auch ein wenig geholfen und mitgemacht, irgendwann sind wir beide (das war aber klar außerhalb des Unterrichts) dann zur Entscheidung gekommen, dass ganze in Assembler neu zu schreiben. Da war ganz am Anfang natürlich großes Staunen über den Befehlssatz dieser Großrechner, aber irgendwann lief auch das so halbwegs. Leider waren dann 3 Gründe für das endgültige Ende ausschlaggebend. Dieser Mitschüler ist im Rahmen eines Austauschprogramms nach U.K. gegangen, ich selbst hab irgendwas gruseliges verbockt, die IBM-Kiste in eine nicht abbrechbare Endlossschleife egschickt und von IBM Assemblerverbot bekommen und dann waren noch meine “hervorragenden” Leistungen in Englisch und Latein und daher durfte ich von meinen Eltern aus nicht mehr mit den ollen Blechkisten rummachen 🙂

  9. #9 Marcus Frenkel
    23. Mai 2011

    @Christian W
    Interessanter Vergleich mit dem Automobil.
    Wenn ich mal als Advocatus Diaboli argumentieren darf: moderne Kraftfahrzeuge sind so komplex, dass sie praktisch nicht mehr zu verstehen sind. Man kann noch die absoluten Grundlagen diskutieren, aber spätestens bei modernen Motoren (vor allem in Richtung E-Motor und Brennstoffzelle) wird es dann doch zu komplex für die Schule. Kann man nicht ähnlich auch für Computer argumentieren?

    @Grundumsatz

    Vielleicht bin ich zu pingelig, aber die Bedienung von Powerpoint o.ä. hat für mich nicht wirklich etwas mit Informatik zu tun.

    Auch hier mal der Standpunkt (konträr zu meiner eigentlichen Meinung im Artikel): Im Gegenteil. Oder anders: es gehört nicht in ein Informatik-Studium an sich, ja. Aber mit Powerpoint und anderen Tools kann man extrem schöne Sachen machen, wenn man sie denn ordentlich bedienen kann! Die Powerpoint-Kenntnisse (udn auch Word, LaTeX, Excel, wasweißichnochalles) vieler Leute bewegen sich auf extrem niedrigem Niveau; würde man die aktiv fördern, könnte das positive Auswirkungen auf die Produktivität und die Qualität von Dokumenten jeglicher Art haben. Sollte das nicht also auch zum Informatik-Unterricht gehören?

    Den “Streichholzcomputer” schaue ich mir aber auf jeden Fall einmal an, das klingt interessant. Danke für den Link.

    Tablets in der Schule hätten noch einen weiteren, großen Vorteil: bei geeigneter Bestückung könnte das Mitschleppen von Büchern (und damit die frühe Zermürbung des Knochenbaus) komplett entfallen!

    @Wurgl
    Lochkarten…das ist ja fast schon antik. 😉
    Wobei es auch heutigen Informatikern sicherlich ganz gut tun würde, auch etwas Lochkarten-Programmierung zu betreiben – ganz einfach, um die modernen Techniken gebührend würdigen zu können.

  10. #10 Sven Türpe
    23. Mai 2011

    Wir müssen dahin kommen, dass elektronische Geräte für ihre Benutzer keine black boxes sind, die auf magische Weise tun, was man von ihnen erwartet (oder nicht), sondern eben Werkzeuge, von denen man in etwa weiß, wie sie tun, was sie tun.

    Die Firma Apple verdient ein Heidengeld damit, diese Nerdphantasie zu negieren und Kästen zu bauen, die auf magische Weise tun, was man von ihnen erwartet. Zu recht. Dieser Trend wird sich fortsetzen; ein Verständnis vom Innenleben wird immer weniger wichtig – und aufgrund wachsender Komplexität und Vielfalt der Innereien immer schwerer zu vermitteln.

    Was die Schulen wirklich lehren sollten, ist nicht Informatik, sondern der Umgang mit den darauf gestützten Kulturtechniken: Typografie, Digitalfotografie, Online-Zusammenarbeit und so weiter. Auf diesen Gebieten sind allerorten alltagsrelevante Defizite zu beobachten.

  11. #11 Wurgl
    23. Mai 2011

    Ja Lochkarten!

    Und den Lochkartenstanzer konnte man sogar ein wenig programmieren, der hatte zwei Schächte zum Auswerfen (ich glaub zum Auswerfen, können aber auch Einzugsschächte gewesen sein oder beides). Jedenfalls ist mal so ein Monsterstapel mit Karten runtergefallen und die mussten sortiert werden. Also schnell mal ein Sortierprogramm für den Stanzer geschrieben (wobei das klarerweise strengstens verboten war, aber wen kümmert schon ein Verbot) und den Stapel mit ein paar Durchläufen sortiert.

    Aber ich hab ja geschrieben, dass das so 1975/76 war.

    Das Jahr darauf gabs dann eben dieses tolle Terminal mit Tastatur, Drucker, Loch_STREIFEN_leser und einem Modem (wahrscheinlich ein Akustikkoppler). Da gings dann online zur Sache, aber leider nur in Basic. Und erschwerend noch dieses gruselige Urbasic das nur zwei Zeichen als Variablenname zugelassen hat.

    Was ein Rückschritt! Zuerst Algol, Fortran, die gruselige 2-Zeichen-Symbolsprache der P602 und danach Basic.

  12. #12 Nele
    23. Mai 2011

    Cool. Wurgl weiß noch, was Visicalc ist. 🙂 Daumen hoch!

  13. #13 Christian W
    23. Mai 2011

    @Christian W
    Interessanter Vergleich mit dem Automobil.
    Wenn ich mal als Advocatus Diaboli argumentieren darf: moderne Kraftfahrzeuge sind so komplex, dass sie praktisch nicht mehr zu verstehen sind. Man kann noch die absoluten Grundlagen diskutieren, aber spätestens bei modernen Motoren (vor allem in Richtung E-Motor und Brennstoffzelle) wird es dann doch zu komplex für die Schule. Kann man nicht ähnlich auch für Computer argumentieren?

    Aber selbstverständlich. Es soll ja im Unterricht auch nur um die absoluten Grundlagen in den genannten Bereichen gehen. Quanten-CPU, neuronale Netze, KI et al. haben in der Schule natürlich solange nichts verloren, wie sie im Informatik-Studium gelehrt oder gar noch von Doktoranden erforscht und nicht als Grundvoraussetzung vor Studienbeginn vorausgesetzt werden.

    Warum haben eigentlich immer alle sofort Angst davor, dass die Schüler mit “state-of-the-art-nonplusultra-high-tech” konfrontiert werden und nichts verstehen können, wenn ich mehr Vermittlung von Informatik-Grundlagen im Unterricht anrege? Ich meine, ich habe ja auch den prinzipiellen Aufbau und die Unterschiede der politischen Ordnungen in Weimarer Republik, Bundesrepublik und EU verstanden, obwohl ich nicht das hellste Licht bin und niemand hat je befürchtet, dass die Schüler von den detaillierten Ideen Hegels, Kants und Schopenhauers und Marx’ überfordert würden, wenn sie einen groben Überblick über die Geschichte und den aktuellen Stand der abendländischen Philosophie vermittelt bekommen.
    Warum sollte das bei so viel existenzielleren Bereichen wie der grundsätzlichen Funktionsweise und Verwendung von Computern anders sein?

  14. #14 Marcus Frenkel
    23. Mai 2011

    Ich sehe, meine Intention mit der provokanten Aussage kam nicht ganz deutlich rüber. Was ich eigentlich meinte: die “klassischen” Automobile können auch in der Schule noch erklärt werden, Verbrennungsmotor und das ganze. Mit “modernen” Autos hat das aber nur noch bedingt etwas zu tun (im Moment wohl schon noch, aber in einigen Jahre vermutlich nicht mehr). Ähnlich kann man für Computer argumentieren, die sich noch weitaus schneller als Automobile weiterentwickeln.
    Was ich eigentlich meinte: wie gehaltvoll ist es, in der Schule eine Technologie zu besprechen, die eigentlich gar nicht mehr aktuell ist und schon durch viel neuere Dinge verdrängt wurde? Wäre das nicht so ähnlich, als würde man exzessiv Frakturschrift üben? Oder noch schlimmer, Keilschrift?

    (Um nicht falsch verstanden zu werden: mir ist durchaus bewusst, dass die “tiefen” Themen der Informatik nicht in der Schule gelehrt werden können; meine eigene Ansicht muss auch nicht unbedingt mit der gestellten Frage oben zusammenhängen [immerhin macht das den Advocatus Diabolus aus ;)]; es bietet nur einen guten Ansatz zur Diskussion.)

  15. #15 Christian W
    23. Mai 2011

    Marcus, ich habe dich schon verstanden und mir ist auch die Rolle des teuflischen Anwalts ( 😉 ) ein Begriff. Wahrscheinlich habe ich einfach zu umständlich oder sonstwie ungünstig formuliert. Worum es mir ging ist:

    Selbst veraltetes Grundlagenwissen ist besser als gar keins.

    Was würde es – um beim Schriftbeispiel zu bleiben – nutzen, den Schülern Kalligraphie beizubringen, ohne ihnen vorher Lesen und Schreiben zu lehren? Natürlich könnten sie dann wunderschöne Schriftzeichen malen, aber sie hätten außerhalb des Unterrichts keinerlei Verwendung dafür.
    Ideal ist es, wenn man ihnen das Lesen und Schreiben anhand der aktuellen deutschen Sprache, Rechtschreibung und Grammatik beibringt. Aber auch mit jeder anderen, selbst toten Sprache hätten sie mehr Nutzen von ihren kalligraphischen Fähigkeiten als komplett ohne Hintergrundwissen. Tatsächlich ist das Lesen und Schreiben lernen für sich sogar viel nützlicher als das Anfertigen von Kalligraphien, was sie im Übrigen auch allein zu Hause, später noch als Künstler berufliich oder als Hobby betreiben können…

    Du merkst jetzt sicher, worauf ich hinauswill: Man muss nicht den aktuellen Stand der Computer- und Informationstechnologie verstehen, um zu wissen, wie ein Rechner und wie Software prinzipiell funktioniert. Ich brauche ja auch keine tiefgreifenden Kenntnisse über die Topologie von Flächen, um im Alltag zurechtzukommen, aber ohne grundlegende Geometrie-Kenntnisse bin ich in vielen Bereichen ziemlich aufgeschmissen.
    Die generellen Funktionsweisen von Computern und Software werden sich auch so bald nicht elementar ändern, nur weil die Geräte immer mehr Operationen in immer kürzerer Zeit durchführen können und dabei immer kleiner und bunter werden. Genauso wie auch nach wie vor jedes Automobil, egal wie es aussieht und wie schnell es fährt und wieviel sonstige Technologie noch drinsteckt, einen Verbrennungsmotor (oder Elektro-Motor, der aber meines Wissens ebenfalls im Physik-Unterricht durchgenommen wird) enthält, der mehr oder weniger direkt zwei oder mehr Achsen mit Rädern an beiden Enden in Rotation versetzt. Dieses Automobil-Grundlagenwissen ist für jeden von uns so selbstverständlich, dass wir uns gar nicht vorstellen können, nur zu denken “Also wenn ich hier draufdrücke/drehe, fährt das Auto los – aber wie und warum genau ist nur was für Physik-Nerds”. Dabei ist das genau, was immer noch viele über die heute wichtigste Alltags- und Arbeitstechnologie denken: “Also wenn ich den Rechner anstelle und dann hier das klicke, und kann da was schreiben/bin ich im Internet/passiert was/etc. – aber wie und warum brauche ich nicht wissen, dafür gibt es die Freaks aus der IT-Abteilung/Computershop”.

  16. #16 Dr. Webbaer
    23. Mai 2011

    Sollte daher nicht der IT-Unterricht verstärkt im Schulunterricht beachtet und der Versuch unternommen werden, mehr als absolut grundlegende Inhalte zu vermitteln, anstatt der Informatik höchstens ein Nischendasein zuzugestehen?

    Es muss offensichtlich eine Neugewichtung der Unterrichtsinhalte stattfinden, wenn die neuen Medien – seit bald 20 Jahren allgemein verfügbar – die Welt massiv verändern. Und die “neuen Medien” sind immer das Internet.

    Man braucht also mehr “Informatik” im Unterricht, wobei dieser Unterricht dann gerne auch anders genannt werden darf. Etwas weniger technische Erklärung von uncoolen Altgeräten, wie dem TV, das heute keinen mehr interessiert, etwas weniger grünes gefühlslinkes Gequatsche und – Schwupp! – die Unterrichtszeit wäre da um den Schülern Wichtiges beizubringen.

    BTW, nicht die Webkompetenz vergessen! Diese ist eine neue der neuen Kommunikation geschuldete, äh, Kommunikationskompetenz. Hieran mangelt es vielen, gerade auch älteren Semestern [1], die aus einer anderen Zeit stammen und dann als Publizist im Internet kommunikativ auf einmal mit leeren Händen dastehen – weil eben die RL-Kommunikationsstrategien im Web nicht einfach so übernommen werden können, weil sie im Web gar nicht oder nur in Teilen funktionieren. – Das Web ist ein wenig anarchistisch, man sieht’s auch an den erfolglosen regionalen juristischen Bemühungen …

    MFG
    Dr. Webbaer

    PS @Frenkel: Hamm’se Ihnen wieder kommentarisch eingeheizt, lol …

    [1] hierzu fällt dem Webbaer sogar spontan ein Name ein und nach einigen Sekunden fallen bereits mehrere Namen ein

  17. #17 Grundumsatz
    23. Mai 2011

    @Sven Türpe

    Die Firma Apple verdient ein Heidengeld damit, diese Nerdphantasie zu negieren und Kästen zu bauen, die auf magische Weise tun, was man von ihnen erwartet.

    Die Firma Apple verdient in erster Linie Geld mit ihrer sektenartigen Anhängerschaft, die zu allem Überfluss leider allzuhäufig aus Journalisten besteht.

    http://www.digitaltrends.com/computing/apple-causes-religious-reaction-in-brains-of-fans-say-neuroscientists/

    Dieser Trend wird sich fortsetzen; ein Verständnis vom Innenleben wird immer weniger wichtig – und aufgrund wachsender Komplexität und Vielfalt der Innereien immer schwerer zu vermitteln.

    Das ist in jeder Hinsicht falsch. Die “Innereien” eines Computers sind heute nicht schwerer zu vermitteln als vor 30 Jahren. Das liegt daran, dass sich an den “Innereien” eines Computers nicht viel geändert hat: RAM, ROM, CPU, Massenspeicher usw. (Was sich allerdings geändert hat, ist die Durchdrinung des Alltags mit Computern. Smartphones, Fernseher, Spielkonsolen, Kameras, der heimische PC, Computer am Arbeitsplatz etc.)

    Im Übrigen ist es auch keine Frage, ob sich der angebliche Trend fortsetzt, sondern wie stark er ist. Zur Zeit jedenfalls werden pro Jahr irgendwas um die 320 Millionen klassische PCs verkauft. Tendenz (=Trend) seit Jahrzehnten steigend.

    Was die Schulen wirklich lehren sollten, ist nicht Informatik, sondern der Umgang mit den darauf gestützten Kulturtechniken[…]

    Da das keine Entweder-Oder-Frage ist, ist die Aussage irrelevant.

  18. #18 Henry
    23. Mai 2011

    @ Marcus Frenkel
    An den meisten Fachoberschulen gibt es kein Kurssystem wie am Gymnasium, sondern Fachzweige, die verschiedene Fächer zu einem jeweiligen Schwerpunkt beinhalten. In meinem Fall war es Datentechnik d.h. hauptsächlich Datenbanken, Netzwerktechnik und Programmieren (in Java und C#).

  19. #19 Sven Türpe
    23. Mai 2011

    Die Firma Apple verdient in erster Linie Geld mit ihrer sektenartigen Anhängerschaft, die zu allem Überfluss leider allzuhäufig aus Journalisten besteht.

    Während einzelne Nerds ein Interesse daran haben, die IT geheimnisvoll und kompliziert zu halten? Weil sie einen Bedeutungsverlust befürchten, wo ein Journalist mit einem Wisch auf dem Display dasselbe erreicht wie sie mit einer Litanei aus Beschwörungsformeln, gerichtet an ein am Benutzer vorbei entwickeltes Linuix-System?

    Die “Innereien” eines Computers sind heute nicht schwerer zu vermitteln als vor 30 Jahren. Das liegt daran, dass sich an den “Innereien” eines Computers nicht viel geändert hat: RAM, ROM, CPU, Massenspeicher usw.

    Nur kann man damit heute kaum noch einen relevanten Vorgang erklären, weil wir im Laufe der Zeit ungefähr 256 Abstraktionsebenen darauf geschichtet haben. Selbst ein Informatiker wird sich im Arbeitsalltag nur noch selten mit den Grundbausteinen eines Computers beschäftigen. Und das ist gut so.

    Da das keine Entweder-Oder-Frage ist, ist die Aussage irrelevant.

    Selbstverständlich ist das eine Ent-oder-weder-Frage, denn die verfügbare Zeit ist begrenzt.

  20. #20 Marcus Frenkel
    23. Mai 2011

    Selbst ein Informatiker wird sich im Arbeitsalltag nur noch selten mit den Grundbausteinen eines Computers beschäftigen. Und das ist gut so.

    Die entwickeln sich also alle selber? Und die ganzen systemnahen Anwendungen schreiben sich auch selber? Oder werden nicht von echten Informatikern geschrieben, sondern von irgendwelchen anderen Leuten?
    Natürlich gibt es genügend Informatiker, die sich mit den Grundbausteinen eines Computers beschäftigen. Nicht der durchschnittliche Programmiersklave in einer mittelständigen Software-Bude, aber es gibt sie trotzdem. Ein großer Teil der Intel-Belegschaft z.B. tut nichts anderes und da sind auch sehr viele Informatiker darunter.

  21. #21 Bullet
    23. Mai 2011

    Selbst ein Informatiker wird sich im Arbeitsalltag nur noch selten mit den Grundbausteinen eines Computers beschäftigen.

    Oho. Heute ist Sven Türpe also Informatiker. Aber er erzählt denselben Bullshit wie immer.

  22. #22 Sven Türpe
    23. Mai 2011

    Und die ganzen systemnahen Anwendungen schreiben sich auch selber?

    Es gibt keine systemnahen Anwendungen.

    Oder werden nicht von echten Informatikern geschrieben, sondern von irgendwelchen anderen Leuten?

    Zum Beispiel. Das ganze Technikgebastel interessiert nur noch am Rande, heute geht es um nützliche IT-gestützte Dienste und Werkzeuge sowie um funktionierende Geschäftsmodelle. RAM, ROM, CPU und so weiter spielen dort ungefähr dieselbe Rolle wie Blech und Kunststoff beim Autobau: die Rolle eines Rohmaterials, das für sich genommen keine besondere Aufmerksamkeit verdient.

  23. #23 Grundumsatz
    23. Mai 2011

    @Marcus Frenkel

    Die Powerpoint-Kenntnisse (udn auch Word, LaTeX, Excel, wasweißichnochalles) vieler Leute bewegen sich auf extrem niedrigem Niveau; würde man die aktiv fördern, könnte das positive Auswirkungen auf die Produktivität und die Qualität von Dokumenten jeglicher Art haben. Sollte das nicht also auch zum Informatik-Unterricht gehören?

    Sowas würde _ich_ eher in ein Fach Kunst/Gestaltung auslagern. Oder vielleicht sogar direkt in die Fächer, in die es “gehört”. Also z.B. Textverarbeitung -> Bewerbung = Deutsch. Letzteres wäre ohne allgegenwärtige Computer im Klassenzimmer natürlich schwierig.

    @Sven Türpe

    Nur kann man damit heute kaum noch einen relevanten Vorgang erklären, weil wir im Laufe der Zeit ungefähr 256 Abstraktionsebenen darauf geschichtet haben.

    Warum das falsch ist, schrub ich weiter oben schon.

    Selbstverständlich ist das eine Ent-oder-weder-Frage, denn die verfügbare Zeit ist begrenzt.

    Verstehe. Dann fällt Mathe und Bio also aus, damit…

    Typografie, Digitalfotografie, Online-Zusammenarbeit und so weiter.

    …gelehrt werden kann.

    Das ganze Technikgebastel interessiert nur noch am Rande, heute geht es um nützliche IT-gestützte Dienste und Werkzeuge sowie um funktionierende Geschäftsmodelle.

    Na klar. Und die Software für Router, Bluetooth-Controller, Festplattencontroller, Treiber für Grafikkarten, Betriebssysteme für Drucker, Handys etc. werden mit einer iPad-App zusammengeklickt.

  24. #24 Marcus Frenkel
    23. Mai 2011

    Sowas würde _ich_ eher in ein Fach Kunst/Gestaltung auslagern. Oder vielleicht sogar direkt in die Fächer, in die es “gehört”. Also z.B. Textverarbeitung -> Bewerbung = Deutsch.

    Das ist doch mal ein interessanter Vorschlag. Da müssten sich dann die Deutschlehrer auch nicht mehr so quälen, um 8 Jahre Deutschunterricht auf dem Gymnasium irgendwie mit Stoff zu füllen – nein, sie könnten auch etwas lehren, was nützlich ist (das heißt jetzt nicht, dass Deutsch nicht nützlich ist; es ist nur sehr…nun, repetitiv). Damit einhergehend könnte man sich übrigens auch gleich noch mit ähnlichen Themen beschäftigen, zum Beispiel dem Schreiben von Bewerbungen, Lebensläufen, Berichten, dem Halten von interessanten Vorträgen usw.; zumindest in meiner Deutschlaufbahn kam das ziemlich kurz.

    Letzteres wäre ohne allgegenwärtige Computer im Klassenzimmer natürlich schwierig.

    Hier kratzen Sie vermutlich am eigentlichen Problem: die Schulen haben nicht genügend IT-Ausstattung.
    Zudem sind – ich würde wetten, das stimmt sogar! – vermutlich die Deutschlehrer im Moment noch diejenigen mit dem geringsten Drang zum Computer.

  25. #25 Sven Türpe
    23. Mai 2011

    Verstehe. Dann fällt Mathe und Bio also aus …

    Ach, von mir aus kann man gerne bei den Klassikern bleiben, sie haben sich ja bewährt und das Gelernte lässt sich später im Alltag anwenden. Was man von typischer Informatik kaum behaupten kann: Computer sind dort am nützlichsten, wo man sich nicht mehr mit Computern beschäftigen muss, um sie zu verwenden.

    Na klar. Und die Software für Router, Bluetooth-Controller, Festplattencontroller, Treiber für Grafikkarten, Betriebssysteme für Drucker, Handys etc. werden mit einer iPad-App zusammengeklickt.

    Sie wird jedenfalls nicht von deutschen Schulabgängern entwickelt.

  26. #26 Guglhupf
    23. Mai 2011

    Ich habe letztes Jahr mein Abitur an einem allgemeinbildenden Gymnasium in Niedersachsen gemacht. Informatik gab es an unserer Schule selbst gar als angbotenes Fach, da musste man schon ein paar Kilometer durch die Gegend radeln, um zu einer Schule zu kommen, wo das möglich war.

    Im Unterricht selbst beschränkte sich der Einsatz von Computern auf das Zusammenklicken von Powerpoint-Präsentationen in Physik und das Angucken von spanischen YouTube-Clips. Leider gab es keine Lautsprecher im Computerraum, sondern nur kleine Quäk-Lautsprecher in jedem Monitor – weswegen ein Guteil der Spanisch-Stunde damit draufging, im exakt gleichen Moment mit 30 Leuten und Rechnern den Play-Button zu treffen.

    In puncto Medienkompetenz waren durchaus nicht alle von uns sonderlich erfahren, aber unseren Lehrern waren doch alle meilenweit voraus. Häufig mussten wir unserem Lehrer Grundfunktionen erklären, damit er uns was zeigen konnte.

    Meistens haben wir dann doch lieber Facebook gecheckt als mit dem Google-Begriff des Tages was anzufangen. Eigentlich sollte eine Überwachungs-Software auf dem Lehrer-PC exakt das verhindern, aber dessen Windows-Passwort ist wohl vor langer Zeit in Vergessenheit geraten…

  27. #27 m
    23. Mai 2011

    Sie wird jedenfalls nicht von deutschen Schulabgängern entwickelt.

    Nun, solche Consumer- und Grosserienprodukte wohl eher nicht, aber die Software für KFZ-Steuergeräte kommt schon mal aus Feuerbach, und die Hardware dazu vielleicht aus Dresden. Auch im Sondermaschinenbau brauchts maschinennahe Entwickler, wenn Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit nötig sind.

  28. #28 Bullet
    24. Mai 2011

    Grundumsatz schrieb:

    Na klar. Und die Software für Router, Bluetooth-Controller, Festplattencontroller, Treiber für Grafikkarten, Betriebssysteme für Drucker, Handys etc. werden mit einer iPad-App zusammengeklickt.

    Lügenmaul-ohne-Ahnung-Türpe schrieb dazu:

    Sie wird jedenfalls nicht von deutschen Schulabgängern entwickelt.

    Tja: die beiden gefetteten Beispiele gelten aber für mich und einen Kumpel. Produkte beider Sparten werden in Deutschland von deutschen Schulabgängern programmiert. Die wenigen Ausländer in unseren Firmen sind genauso deutsche Schulabgänger wie die Eingeborenen in x-ter Generation. Türpe darf sich jetzt wegen kubischer Inkompetenz aus dieser Kommentarspalte verabschieden. Und seine peinliche große Fresse darf er mitnehmen.

  29. #29 michael
    24. Mai 2011

    > Und seine peinliche große Fresse darf er mitnehmen.

    Könnte man die nicht irgendwie entsorgen, und so einen Beitrag zum visuellen Umweltschutz leisten ?

  30. #30 Krumbein
    24. Mai 2011

    Wie viel soll ein normaler Schüler den noch wissen? Es gibt ja bereits etliche Fächer und G8 macht das ganze auch nicht besser ;). Wenn man Informatik pushen will, bleiben nur 2 Optionen.

    1) Ein anderes Fach muss kürzer treten (Musik, Kunst etc.)

    2) Die Schüler haben weniger Freizeit. (Wobei diese bei G8 sowieso total beschränkt ist).

    Ich denke jeder der sich für die Informatik interessiert, wird früher oder später durch das Internet darauf stoßen. Außerdem werden die “Absoluten Grundlagen” im Informatik Studium sowieso nochmals behandelt.

    Schulen haben heutzutage wichtigere Probleme wie Informatik… z.B. “Wie bringe ich meine Schüler dazu irgendetwas zu lernen?”. oder das stoppen der Schulabbrecher.
    Viele der Schüler sind doch mit ihrer jetzigen Situation total überfordert, da würde ein tolles neues Fach auch nicht besser machen, vor allem ist Informatik nicht gerade günstig.

    Ihr müsst euch alle mal in jemanden anderen hinein denken. Jemanden der nicht “Scienceblogs” liest, weil es ihn eben nicht juckt. Jemanden der eigentlich überhaupt kein Bock auf lernen hat und erst recht nicht auf noch mehr Unterricht. Ihr seid alle technisch Interessiert und mehr oder weniger begabt, klar wäre ein Informatik Unterricht da super. Aber auch nur für vielleicht 10% einer Klasse, für den Rest würde es nur “noch so ein Fach” sein.

    Ich bestreite nicht, das es lehrreich wäre, keines Falls! Ich möchte nur vermitteln, das andere Probleme viel elementarer sind wie “Wie funktioniert ein CPU?”.

    Wie die Frage: “Wie motiviere ich meine Schüler?” Vielleicht ist die Modernisierung der altbackenen Fächer (Mathe, Physik, Chemie.. etc). eine Option, das kann ich aber nicht beurteilen. Aber das Informatik als neues extra Fach nicht wirklich angenommen wird kann ich beurteilen, da ich dabei war.

    Grüße,
    Auch ein Informatiker

  31. #31 Dr. Webbaer
    24. Mai 2011

    Und die ganzen systemnahen Anwendungen schreiben sich auch selber? (Frenkel)

    Es gibt keine systemnahen Anwendungen. (Türpe)

    LOL, der war gut, bei solchen Anmerkungen wird auch Dr. Webbaer hellhörig.

    Und die Software für Router, Bluetooth-Controller, Festplattencontroller, Treiber für Grafikkarten, Betriebssysteme für Drucker, Handys etc. werden mit einer iPad-App zusammengeklickt. (Frenkel)

    Sie wird jedenfalls nicht von deutschen Schulabgängern entwickelt. (Türpe)

    Auch gut, lol.

    Dennoch ist einer Ausweitung der allgemeinen Bildung, was die IT und deren Anwednung betrifft, eine wichtige Sache; der Gastautor genießt die diesbezügliche Zustimmung des Webbaeren. – Man muss im Schulunterricht eben ein wenig Platz machen und das gefühlslinke Gegacker kürzer halten. Es gibt wichtigeres als vom Pädagogen erklärt zu bekommen, warum bspw. die friedliche Nutzung der Atomenergie unethisch ist oder Umverteilung das Menschenglück bedeutet. [1]

    BTW: Auch “Informatiker”, die “dabei waren” und die besondere Belegkraft des Dabei-Seins erkennen, braucht man nicht. Tss, tss, tss …

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] Bonusfrage: Warum wird im doitschen Sprachraum vermutlich dennoch kein Mehr an informatorischer Bildung kommen? A: Genau! Das wäre ein Jungenfach. Damen und Mädchen verhalten sich in der Tat sehr oft so wie von Herr Türpe beschrieben.

  32. #32 Stefan W.
    24. Mai 2011

    @Marcus Frenkel:

    Aber ich würde stark vermuten, dass das Lesen als Freizeitbeschäftigung im Durchschnitt heutzutage irgendwo weit hinter Fernsehen und Computer kommt.

    Statt zu vermuten sollten Sie sich mal ein kl. Stück Computer und Internet beim Nachbarn ausleihen, dann würden Sie feststellen, dass man sich mit diesen Kisten vornehmlich wie beschäftigt? Lesend!

    Aber macht nix. Wenn man das Audio schneller abspult, und die Klasse mit Kopfhörern bestückt könnte man die Informationen auch ohne Lesen vermitteln. Lesen geht nämlich ca. 1.5x schneller als Sprechen und zuhören, so dass unbeschleunigte Vorleseprogramme keine ernste Alternative zum Lesen sind.

    Es wäre wünschenswert, wenn viel mehr Menschen Grundkenntnisse im Programmieren hätten, denn Medienkompetenz entsteht erst dann, wenn man selbst produktiv an den Hebeln sitzt.

    Dagegen Powerpointfolien – das ist dieses Dienstleister- und Sklavenbewußtsein welches sich da Ausdruck verschafft, die Einfalt des BWLers. Das gehört nicht gelehrt sondern verbannt. Die Leute sollen etwas Gnuplot lernen, um präzise Mathegraphen zu erzeugen, und nicht an verschmierter Tinte und an vom Radierer kaputtgerupftem Papier zu scheitern und zu frustrieren.

    Vor allem aber gilt es die Technik soweit zu verstehen, dass man sich nicht von defekten Politikern mit ihren kranken Vorstellungen von Urheberrecht und freiem Netzzugang, von Zensur und Staatstrojanern einlullen zu lassen.

  33. #33 Marcus Frenkel
    24. Mai 2011

    Aber ich würde stark vermuten, dass das Lesen als Freizeitbeschäftigung im Durchschnitt heutzutage irgendwo weit hinter Fernsehen und Computer kommt.

    Statt zu vermuten sollten Sie sich mal ein kl. Stück Computer und Internet beim Nachbarn ausleihen, dann würden Sie feststellen, dass man sich mit diesen Kisten vornehmlich wie beschäftigt? Lesend!

    Ich meinte damit, einen guten Roman lesen. Ein Sachbuch. Einen Gedichtband. Ciceros Staatsreden. Etwas in der Art. Etwas zusammenhängendes, langes. Etwas, das auch mehr als einer Seite unsauber dahingetipptem Geschreibsel besteht.

  34. #34 Marcus Frenkel
    24. Mai 2011

    Wie viel soll ein normaler Schüler den noch wissen? Es gibt ja bereits etliche Fächer und G8 macht das ganze auch nicht besser ;). Wenn man Informatik pushen will, bleiben nur 2 Optionen.

    1) Ein anderes Fach muss kürzer treten (Musik, Kunst etc.)

    2) Die Schüler haben weniger Freizeit. (Wobei diese bei G8 sowieso total beschränkt ist).

    […]

    Ich bestreite nicht, das es lehrreich wäre, keines Falls! Ich möchte nur vermitteln, das andere Probleme viel elementarer sind wie “Wie funktioniert ein CPU?”.

    Ein interessanter Punkt. Da stellt sich mir nur die Frage: warum ist das Wissen um eine Redoxreaktion, die Kenntnis um Kompositionstechniken beim Malen von Bildern, “Bahnwärter Thiel” oder Kurvendiskussion elementarer als die Funktionsweise einer CPU? Woran macht man fest, was “wichtiger” ist und was nicht ganz so wichtig?
    Sicher, Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass die Stundenpläne langsam eng werden. Aber vielleicht müsste man wirklich einfach mal das ganze Lehrsystem ein wenig überarbeiten?

    PS: Ihre G8-Aussage möchte ich so übrigens nicht unterschreiben…ich habe das “durchmachen” müssen und bin damit auch wunderbar klargekommen. Übrigens auch jeder meiner Mitschüler. Von “total beschränkter Freizeit” konnte da keine Rede gewesen sein.

  35. #35 Christian W
    24. Mai 2011

    Ich meinte damit, einen guten Roman lesen. Ein Sachbuch. Einen Gedichtband. Ciceros Staatsreden. Etwas in der Art. Etwas zusammenhängendes, langes. Etwas, das auch mehr als einer Seite unsauber dahingetipptem Geschreibsel besteht.

    Oh, daraus spricht jetzt aber ein gewaltiger Medien-/Zeit-Chauvinismus. Nur weil etwas jünger als 200 Jahre ist, nicht auf Papier gedruckt und/oder sich nicht durch sozio-politische Tragweite auszeichnet, ist es nicht automatisch mit “unsauber dahingetipptem Geschreibsel” gleichzusetzen.
    Um nicht die offensichtlichsten Beispiele herzunehmen und aufgrund der 2-Links-sonst-Spam-Beschränkung der Kommentare nur mal zwei Beispiele für Lesenswertes im Internet:
    Die DDR als Negativfolie im deutschen Geschichtsbewusstsein – ein sehr gutes Blog zum Thema Geschichte, welches neben Fakten zu Antike, Mittelalter, Neuzeit und Moderne auch jede Menge Seitenperspektiven und Meinungen anbietet. Äußerst empfehlenswert
    don’t mix politics with games – Das Blog des Sportjournalisten Jens Weinreich, der sich der Aufdeckung sämtlicher sportpolitischer Machenschaften (Doping, Korruption, organisierter Kriminalität und alles was sonst noch hinter verschlossenen Verbands-Türen passiert) verschrieben hat. Einzigartig nicht allein im deutschsprachen Sportjournalismus, sondern wohl in der deutschen Journalistenbranche insgesamt.

    Beides sind nicht einfach Fälle von “Jetzt auch im WWW”, sondern “Das gibt es nur im Internet”. Hochwertig, informativ und unterhaltsam. Und es gibt unzählige weitere Beispiele. Wer das nicht erkennt, hat das Medium Internet noch immer nicht verstanden und benutzen gelernt.

  36. #36 Marcus Frenkel
    24. Mai 2011

    Ich wollte damit nicht sagen, dass es im Internet nichts lesenswertes gibt. Immerhin lese ich auch viel im Netz, z.B. Scienceblogs.
    Aber einen Roman à la Pratchett (und ja, das ist jünger als 200 Jahre und zeichnet sich nicht durch sozio-politische Tragweite aus [wobei das schon wieder diskutiert werden könnte]) werde ich nun einmal nicht im Netz lesen können. Außer, jemand hat ihn abgetippt – dann zählt es für mich aber dennoch immer noch zum “Lesen”. Was im Übrigen auch für gut geschriebene Artikel im Internet gilt. Die obige Aussage bezog sich darauf, dass das Lesen in der jetzigen Zeit im Vergleich zur Beschäftigung mit dem Computer (also: Spielen, soziale Netzwerke, Foren, Videos usw.) bei der heutigen Jugend vermutlich sehr kurz kommt. Und das Lesen bezog sich dabei eben auf Texte, die eine Aufmerksamkeitsspanne von mehr als 5 Minuten erfordern, um sie erfolgreich zu verstehen. Ob man da jetzt im Buch, am Computer oder im E-Book-Reader liest, ist ja egal.

  37. #37 Christian W
    24. Mai 2011

    Aber einen Roman à la Pratchett (und ja, das ist jünger als 200 Jahre und zeichnet sich nicht durch sozio-politische Tragweite aus [wobei das schon wieder diskutiert werden könnte]) werde ich nun einmal nicht im Netz lesen können.

    Das stimmt einfach nicht. Mit Ausnahme vielleicht historischer Original-Schriften kannst du alles im Internet lesen (legal und illegal), was du auch in Buchform lesen kannst. Außerdem gibt es im Internet noch ein Leseangebot, das es sonst nirgends oder nur sehr schwer zu erreichen gibt (siehe oben, oder auch hier). Umgekehrt gilt das nicht – oder weißt du auf Anhieb ein gutes, gehaltvolles Buch, dass man nicht mit 3 Klicks aus dem Internet gezogen bekommt?

  38. #39 Marcus Frenkel
    24. Mai 2011

    Wenn Sie schon zitieren und meine Aussage kritisieren (was vollkommen in Ordnung ist), dann bitte auch den gesamten Zusammenhang (was Sie nicht getan haben – was nicht in Ordnung ist).

    Hier also noch einmal das komplette Zitat, wodurch Ihre Aussage etwas relativiert wird:

    Aber einen Roman à la Pratchett (und ja, das ist jünger als 200 Jahre und zeichnet sich nicht durch sozio-politische Tragweite aus [wobei das schon wieder diskutiert werden könnte]) werde ich nun einmal nicht im Netz lesen können. Außer, jemand hat ihn abgetippt – dann zählt es für mich aber dennoch immer noch zum “Lesen”.

    Mir ist durchaus klar, dass viele Romane im Netz verfügbar sind und ich sie dann auch am Computer lesen kann. Das Hauptaugenmerk liegt auf lesen. Bitte noch einmal meine Ausführungen dazu lesen, da stehen sämtliche Antworten zu Ihren letzten beiden Posts drin.

  39. #40 Christian W
    24. Mai 2011

    Wenn Sie schon zitieren und meine Aussage kritisieren (was vollkommen in Ordnung ist), dann bitte auch den gesamten Zusammenhang (was Sie nicht getan haben – was nicht in Ordnung ist).

    Der Zusammenhang ist klar, da jeder Kommentar weiterhin in Gänze verfügbar bleibt, auch wenn nur ein Teil zitiert wird. Ich bin allerdings keineswegs gewzungen, erneut den gesamten Text zu vervielfältigen, wenn ich mich nur auf einen Teil des Inhalts beziehen möchte. Daher ist auch das partielle Zitieren vollkommen in Ordnung.

    Ich widerspreche einzig in dem Punkt, dass man am Rechner oder im Internet auf irgendein Lesevergnügen verzichten müsste, dass man einzig in Buchform genießen kann. Das ist unwahr und das habe ich belegt. Dem (nicht zitierten) Rest stimme ich entweder zu oder ich fühle mich nicht qualifiziert, etwas dazu zu sagen, weshalb ich es auch nicht getan habe. Zum Beispiel ist mir vollkommen unklar, warum ein “abgetippter” Text nicht zum Lesen zählen sollte, ein millionenfach vervielfältigter in Romanform dagegen schon. Interessiert mich aber auch nicht, weil es bestenfalls eine Privatdefinition von “Lesen” ist, die für die diskutierte These keinerlei Relevanz besitzt.

  40. #41 Thilo
    24. Mai 2011

    Mal im Ernst: wer liest denn einen Roman im Netz?

  41. #42 Dr. Webbaer
    24. Mai 2011

    “Im Netz” muss man ja nicht sein, lieber Herr Thilo Küssner, wenn man mit einem Reader oder “Tabloid” oder besserem Mobile liest.

    Ob der Datenträger Papier ist oder etwas schwerere IT wird bald keinen mehr interessieren.

    Insofern haben sich die schöngeistigen Unterschiede zwischen “Lesen” und Lesen (oder andersrum) überlebt.

    Auch ein Aspekt der Webkompetenz übrigens darum zu wissen, ansonsten ergeben die letzten Nachrichten wenig Sinn, und ja, Pratchett’s Bücher haben einen philosophischen Wert, gerne auch eine “sozio-politische Tragweite”, lol, der Webbaer schließt seinen Meinungsbeitrag nun gerne mit dem Aufruf “Mehr Informatik in der Schule, Schwerpunkt Web natürlich, weniger linksgrünes Gesülze in den Bildungssystemen!” [1]

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] wer’s linksgrün braucht, gerne!, aber bitte dann privat

  42. #43 Christian W
    24. Mai 2011

    Mal im Ernst: wer liest denn einen Roman im Netz?

    Ich jedenfalls. Tut jedoch nichts zur Sache, wenn es um die Frage geht, ob PC und Internet jetzt dafür verantwortlich seien, dass Leute weniger lesen. Wenn PC und Internet etwas in Sachen Lesen bewirkt haben, dann dass heute mehr Menschen Zugang zu mehr Literatur haben denn je. Und zu erklären, die Menschen würden dank PC und Internet weniger lesen, weil man damit nicht nur lesen kann, ist ungefähr genauso stichhaltig wie die Aussage “Öffentliche Bibliotheken sind der Grund, warum die Menschen weniger lesen, weil man sich dort auch Tonträger ausleihen kann”.

  43. #44 Marcus Frenkel
    24. Mai 2011

    Tut jedoch nichts zur Sache, wenn es um die Frage geht, ob PC und Internet jetzt dafür verantwortlich seien, dass Leute weniger lesen.

    Fairerweise muss man sagen, dass es darum in der Diskussion nie ging – das Thema haben Sie aufgemacht. Die vorherige Diskussion hat sich mit der Frage beschäftigt, welchen Stellenwert man dem “Lesen” an sich im Schulunterricht zukommen lassen muss, wenn man es mit der Verwendung des Computers in der Gesellschaft vergleicht.

  44. #45 Christian W
    24. Mai 2011

    Fairerweise muss man sagen, dass es darum in der Diskussion nie ging – das Thema haben Sie aufgemacht. Die vorherige Diskussion hat sich mit der Frage beschäftigt, welchen Stellenwert man dem “Lesen” an sich im Schulunterricht zukommen lassen muss, wenn man es mit der Verwendung des Computers in der Gesellschaft vergleicht.

    Auch das ist nicht wahr. Tatsächlich ging es darum:

    Aber ich würde stark vermuten, dass das Lesen als Freizeitbeschäftigung im Durchschnitt heutzutage irgendwo weit hinter Fernsehen und Computer kommt.

    Statt zu vermuten sollten Sie sich mal ein kl. Stück Computer und Internet beim Nachbarn ausleihen, dann würden Sie feststellen, dass man sich mit diesen Kisten vornehmlich wie beschäftigt? Lesend!

    Ich meinte damit, einen guten Roman lesen. Ein Sachbuch. Einen Gedichtband. Ciceros Staatsreden. Etwas in der Art. Etwas zusammenhängendes, langes. Etwas, das auch mehr als einer Seite unsauber dahingetipptem Geschreibsel besteht.

    Dazu stelle ich fest: Unabhängig davon wie eng oder weit man die “Freizeitbeschäftigung Lesen” für sich persönlich definiert, findet sie entweder nicht wie behauptet losgelöst von der Beschäftigung “Computer” statt oder wird in der Tat gar von ihr noch befeuert. Belege habe ich einige aufgeführt.
    Geht es nur um das lapidare “Am Rechner lesen ist nicht dasselbe wie ein Buch in der Hand halten”, würde ich ja nichtmal widersprechen. Denn das ist so zutreffend wie trivial – Tolstoi ist ja auch nicht dasselbe wie Hemingway und Wagners Ring der Nibelungen nicht dasselbe wie das Nibellungenlied. Doch darum ging es ja nicht, sondern darum, dass das Lesen überhaupt durch “Fernsehen und Computer” zurückgedrängt würde, was eben gerade in Bezug auf die Möglichkeiten des Internets nicht der Wahrheit entspricht. Wie bereits geschrieben, wenn Computer und Internet etwas bewirkt haben, dann dass heute mehr gelesen wird – und darunter auch mehr gehaltvolle Literatur – als vorher, sagen wir in den 70er und 80er Jahren.

  45. #46 Marcus Frenkel
    24. Mai 2011

    Letzter Kommentar von mir zum Thema “Lesen”:

    Der Kontext war der Folgende:

    Sollte angesichts der im Alltag häufigen Anwendung der Kulturfähigkeit des Lesens nicht auch überprüft werden, ob es richtig ist, auch in der Schule dieses Lesen zu praktizieren? Lesen unsere Kinder nicht jetzt schon täglich viel mehr, als es ihre Vorfahren aus dem alten Ägypten oder aus germanischen Bauernkulturen gewohnt waren?

    Im Vergleich zu den antiken Kulturen liest die heutige Jugend wohl wirklich mehr als damals. Aber ich würde stark vermuten, dass das Lesen als Freizeitbeschäftigung im Durchschnitt heutzutage irgendwo weit hinter Fernsehen und Computer kommt.

    Alles weitere dazu kam von Ihnen.

    Mein Schlusswort dazu: dass der Computer primär für das Lesen (und nein, Facebook zählt hier nicht dazu) genutzt wird, halte ich für nicht belegbar. Einige Leute “lesen” viel am Computer, viele Leute “lesen” wenig am Computer. Und wie gesagt: mit “Lesen” ist nicht das Aufnehmen und Erkennen von Buchstaben gemeint, sondern die mentale Verarbeitung längerer Texte um ihrer selbst Willen.

  46. #47 michael
    24. Mai 2011

    > Warum wird im doitschen Sprachraum vermutlich dennoch kein Mehr an informatorischer Bildung kommen? A: Genau! Das wäre ein Jungenfach. Damen und Mädchen verhalten sich in der Tat sehr oft so wie von Herr Türpe beschrieben.

    Bärchen: einfach mal nicht in der ‘Ich bin eine alte, reaktionäre Schwafelbacke’ Schicht denken ! Dann kommt vielleicht mal ein sinnvoller Kommentar zustande.

  47. #48 engeltr
    24. Mai 2011

    Also ob das mit “Informatik ist ein Männerfach” so bleibt möchte ich doch stark bezweifeln. An unserer Uni (Heidelberg) sind immerhin jetzt ca. 35 % Frauen, Tenzenz steigend.

    Aber viel wichtiger fände ich etwas oben von irgendjemandem schonmal angeschnittenes: Informatik sollte eventuell als Fach spezialisiert werden. Mit Algorithmen und Logik usw. Dann sollte auch gleich der ganze Powerpoint-Kram ausgelagert werden in Deutsch. Genau da gehört das hin, zu Rhetorik (nicht dass ich in meiner Schullaufbahn viel Rhetorik gemacht hätte, aber man könnte ja mal…). Auch dass man mal z. B. in Mathe über zeitgemäßere Lernmethoden nachdenkt wäre wünschenswert. Zumindest in höheren Klassen sollte doch ein ausblick auf die höhere Mathe möglich sein (was auch viel mit Wolfram Alpha zu tun hat 😉 ).

    Sicher bin ich mir aber, dass der Computer das Klassenzimmer erobern wird. Wem die “Khan Academy” nichts sagt sein der passende TED-Talk dazu empfohlen. Ich denke, so ähnlich wird die Zukunft aussehen.

    (Ich bin Student im 2. Semester Informatik, Schule ist also erst 1 Jahr her (in BW))

  48. #49 JD
    24. Mai 2011

    Zunächst einmal: ich habe die ersten Kommentare gelesen, den Rest aber nur überflogen, deshalb entschuldige ich mich jetzt schon einmal für eventuelle Wiederholungen.

    Ich unterrichte an einer Berufsschule im technischen Bereich. Wir haben ein paar “Laptop-Klassen”, also Klassen, in denen jeder Schüler über einen Laptop verfügt. Meine bisherigen Erfahrungen damit sind leider größtenteils negativ. Ich versuche mal einen Überblick zu geben:
    1. Die Computer verursachen massive Ablenkung, weil Schüler sie zum Großteil für unterrichtsfremde Tätigkeiten nutzen.
    2. Ich habe versucht im Mathematikunterricht mit Programmen zur dynamischen Geometrie und Computeralgebrasystemen zu arbeiten. Von 25 Schülern funktionieren die Programme jede Woche bei etwa 5 Schülern nicht (jeweils verschiedene Schüler). Dann erben sich zwei Möglichkeiten: a) die Schüler schauen bei ihrem Nachbarn zu und lernen so viel, wie ohne Computer oder lenken ihn mit ab. b) ich versuche das Programm zu reparieren und verliere Unterrichtszeit.
    3. Schüler in technischen Berufen, von denen man eigentlich Interesse erwarten würde sind trotz allem erstaunlich desinteressiert, was die Funktionsweise von Computern an geht (ohne genaue Daten würde ich auf etwa 10% bis 20% mit Interesse tippen).
    4. Mir fallen bisher nur wenige Fälle ein, in denen ein Computer einen didaktischen Mehrwert bringt. Das ist aber eigentlich bei allen Medien Kriterium für den Einsatz im Unterricht. Schüler wünschen sich am häufigsten elektronische Arbeitsblätter (am liebsten mit Lückentexten oder komplett ausgefüllt). Das erspart ihnen mit zuschreiben (für den Lernerfolg ist dies allerdings durchaus hilfreich), weil man das dann einfach vom Mitschüler per Email bekommen kann. Wenn man Sie am Computer mitschreiben lässt ergibt sich ein ähnlicher Effekt. Außerdem
    5. verfügen Schüler über erschreckend wenig Kenntnisse im Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen. Vor allem im Bereich Layout sieht es übel aus. Skizzen können Sie von der Tafel praktisch gar nicht übernehmen. Dann heißt es “dürfen wir es Photographieren?” oder “können Sie uns das mailen?”, womit wieder der “selbst machen Teil” verloren geht. Die gewonnene Zeit wird von mindestens der Hälfte der Schüler nicht für das eigentliche Unterrichtsziel genutzt.

    Vor allem aus dem letzten Punkt ergibt sich ein weiteres Problem, dass von anderen oben bereits angesprochen wurde.
    Was soll im Informatikunterricht behandelt werden?
    Textverarbeitung? Tabellenkalkulation? Datenbanken? – also Dinge, die die Schüler gebrauchen können? oder
    Grundlagen über den Computeraufbau, Betriebssysteme, Netzwerkfunktionen, Programmierung in C/C++/Java/PHP/etc.? oder doch
    Medienkompetenz, wie die gesellschaftlichen Veränderungen, Datenschutz, Urheberrecht, und den Umgang mit den eigenen Daten?

    Müssen Schüler wirklich wissen wie ein Computer funktioniert? Kommen wir noch einmal auf das Autobeispiel von oben zurück. Kaum ein Autofahrer weiß, wie sein Fahrzeug funktioniert. Die Grundlagen, so sie in der Schule besprochen wurden, sind schon lange vergessen. Die reale Funktion ist inzwischen ohnehin rätselhaft und wird zum Teil nicht einmal von denen verstanden, die das Fahrzeug reparieren sollen. Bei komplexen Fehlern schließt man in der Werkstatt ein Diagnosegerät an und tauscht einfach Komponenten aus. (Gut – das macht man auch, weil eine richtige Fehlersuche deutlich teurer wäre)
    Genau, wie man zum fahren praktisch nichts über die Technologie wissen muss, ist zur Arbeit mit Computer und Mobiltelefon praktisch kein Wissen über diese Technologie nötig. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Computer deutlich schneller als Automobile entwickeln.

    Um noch kurz auf die “Medienkompetenz” einzugehen. Es kümmert Schüler nicht im geringsten ob man sie auf den Umgang mit ihren persönlichen Daten und die damit verbundenen Gefahren hin weißt. Facebook ist viel zu spannend und macht zu viel Spaß, als dass man sich hierüber Gedanken machen will.
    Das Verhalten hier ist übrigens dem Umgang mit dem Auto nicht unähnlich. Da wird betrunken oder zu schnell gefahren, obwohl die (man möge mir das Wortspiel verzeihen) Gefahren bekannt sind.

    Nach der ganzen Kritik wäre vielleicht noch mein Vorschlag zum Thema interessant.
    Ich würde den Schülern zunächst einmal den richtigen Umgang mit Anwendungsprogrammen bei bringen. Dazu kann man dann noch kurz auf die Entwicklung der Computer und ihre heutigen Anwendungsbereiche ein gehen. Den Anwendungsbereichen sollte aber die meiste Zeit gewidmet werden, dieser Teil wirklich für fast alle nützlich sein wird. Wer darüber hinaus Interesse an Informatik hat, der wird sich selbst informieren. Wenn Zeit und Ausstattung vorhanden sind kann man für diese Leute auch gern freiwillige Zusatzkurse anbieten.
    Information wird nur längerfristig behalten, wenn Interesse daran besteht oder wenn sie ständig wiederholt/angewendet wird. Das trifft auf den größten Teil der Schüler einfach nicht zu.
    Computer in anderen Fächern stehe ich skeptisch gegenüber. Der einzige Grund hierfür ist allerdings, dass mir bisher kein wirklich guter Anwendungsfall begegnet ist. Ich gehe einfach aufgrund meiner bisherigen Beobachtungen davon aus, dass Computer hier mehr Probleme verursachen als Hilfe geben. Für Vorschläge, die mich vom Gegenteil überzeugen bin ich aber offen.

    Ach ja, ich bin durchaus computer- und technikaffin. Dieser Kommentar entstand mit LibreOffice unter Linux und wurde mit einem Opera-Browser in den Blog transportiert.

  49. #50 Stefan W.
    24. Mai 2011

    Texte um ihrer selbst Willen.

    Jahrhundertelang war man sich einig, dass Romane der Untergang des Abendlandes sind, und zwar bis das Kino seine häßliche Fratze erhob, und man ein neues Feindbild hatte. Plötzlich gilt Lesen als wertvoll, aber nur, wenn es um seiner selbst willen geschieht.

    Diese esoterische Sichtweise kann ich nicht teilen. Ist das nicht vielleicht ein Rückzugsgefecht derer, die nicht alle 5 Minuten ein neues Thema anfassen können, die sich nicht trauen nach 5 Minuten zu sagen, dass sie etwas langweilt, aus Angst aus der Clique der betulichen Wellness-Bildungsbürger ausgeschlossen zu werden?