Und das meine ich weder ironisch, noch mit jendem anmaßend-trotzigen Stolz, mit dem an sich unhaltbare Positionen gern verteidigt werden. Ich lasse Frauen den Vortritt, helfe ihnen in den Mantel, biete Schwangeren meinen Platz in der U-Bahn an, halte meiner Frau die Autotür auf und trage selbstverständlich die schwereren Einkaufstaschen. Ich tue das nicht, weil ich Frauen für unfähig oder zu schwach halte, sondern weil ich es so gelernt habe. Zu meiner Zeit nannte man das schlicht “Höflichkeit” oder “gutes Benehmen”. Doch das ist, wie ich selbst weiß, ziemlich altmodisch – es fällt unter die Kategorie des “benevolent sexism”, des wohlmeinenden Sexismus.

Ehrlich gesagt, bis vor Kurzem hatte ich von dieser speziellen Form des Sexismus noch nicht mal gehört; auch die Kategorien “moderner Sexismus” und “Neosexismus” waren mir zwar von den Geisteshaltungen, die sie beschreiben, durchaus bekannt – die Nomenklatur kannte ich jedoch noch nicht. Sexismusforschung ist allerdings nicht mein Gebiet, obwohl ich nicht nur anerkenne, sondern aus tiefer Überzeugung unterstütze, dass Gleichstellung und Gleichbehandlung der Geschlechter ein unmittelbar wichtiges Lern- und Erziehungsziel ist.

Ich sollte vielleicht mal verraten, warum mir solche Gedanken überhaupt durch den Kopf gehen: In der aktuellen Ausgabe von Psychology of Women Quarterly ist ein Paper mit dem Titel Seeing the Unseen: Attention to Daily Encounters With Sexism as Way to Reduce Sexist Beliefs erschienen (das zumindest aktuell auch als Pdf frei verfügbar ist, darum verlinke ich es mal <hier), das sich vor allem mit dem Problem beschäftigt, dass es bei Männern – im Gegensatz zu Frauen – nicht genügt, ihren Blick für die alltäglichen Sexismen zu schärfen; Verhaltensanpassung sind um so wahrscheinlicher, je mehr Männer dazu bewogen werden können, sich auszumalen, welche Gefühle und Reaktionen dieses Verhalten bei Frauen auslöst.

Doch während diese Bewusstmachung bei modernem Sexismus (= die Überzeugung, dass sexstische Verhaltensmuster heute keine Rolle mehr spielen, etwa: “Heute ist das doch längst kein Problem mehr”) und Neosexismus (= das Ablehnen von Maßnahmen gegen Diskriminierung auf der Basis des Geschlechts, also: “Dieser ganze Gleichberechtigungskram geht mir gegen den Strich!”) einen gewissen, korrigierenden Effekt zeige, sei der wohlmeindende Sexismus (der Frauen als besonders schützenswert, damit aber auch als dem Mann nicht ebenbürtig ansieht und dadurch zu ihrer Benachteiligung beiträgt) schwerer zu bewältigen – nicht zuletzt, weil er ja in positive Gesten verpackt daher kommt: Die Autorinnen Janet Swim und Julia Becker gehen davon aus, dass Männer “mit geringerer Wahrscheinlichkeit die schädlichen Implikationen des wohlmeinenden Sexismus erkennen, was die Vermutung nahelegt, dass der positive Tonfall solcher Vorfälle deren fundamentalen Sexismus überdeckt.”

Bis hierher würde ich kaum zu widersprechen wagen – vorausgesetzt, dass die “schädlichen Implikationen” tatsächlich nachweisbar sind und nicht einfach automatisch postuliert werden. Diese Unterscheidung jedenfalls würde ich – als sich outender “wohlmeinender Sexist”, der allerdings alle Schuld auf seine jahrzehntelange soziale Konditionierung schiebt – doch machen wollen. Denn es ist eine Sache, einer Frau seinen Platz im Bus anzubieten, eine ganz andere, zu verkünden, dass “meine Frau es nicht nötig hat, zu arbeiten” und ihr damit sehr deutlich den Platz am heimischen Herd zuweisen will. Und auch Frauen werden zugeben, das es ein Unterschied ist, ob Mann ihnen die Wünsche an den sprichwörtlichen Augen abliest (meist ist es eher ein sorfältiges Einfühlen, dass diese unausgesprochene Wunscherfüllung ermöglicht), oder ob er einfach über ihre Köpfe hinweg entscheidet, was “das Beste” für sie sei – und wenn’s nur das Hauptgericht auf der Restaurant-Speisekarte wäre.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich bin mir sicher, dass es diesen innerlich herablassenden, gönnerhaft verniedlichenden Sexismus gibt, und dass er in seiner diskriminierenden Wirkung den anderen Sexismen in nichts nachsteht. Das Problem ist, dass er erstens schwerer zu definieren ist, zweitens aber nicht kategorisch nur auf die Benachteiligung der Frau zu beschränken ist. Wenn mich eine Kollegin als den einzigen Mann im Betrieb bittet, die Bilderrahmen in ihrem neuen Büro aufzuhängen, weil man(n) dazu eine Schlagbohrmaschine braucht (die ich auch erst beim Baumarkt ausleihen muss) – bin ich dann wohlwollend sexistisch, wenn ich dieser Bitte nachkomme? Oder nur kollegial höflich? “Frauen und Kinder zuerst” mag zwar eine antiquierte Ritterlichkeit ausdrücken – aber eine Benachteiligung der Frauen ist darin nicht unbedingt zu erkennen. Und einer Dame am Taxistand – oder, wie in New York üblich, beim Taxiwinken auf der Straße – den Vortritt zu lassen, wird von jener (vor allem, wenn’s regnet) gewiss auch nicht in jedem Fall als herabwürdigend empfunden. Nicht jede Sonderstellung der Frau ist zwingend schon ein Verstoß gegen die Gleichstellung. Und soziale Umgangsformen dienen nicht nur der Feststellung von Rangordnungen.

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Kommentare (100)

  1. #1 Hendrik
    14. Juni 2011

    Den letzten Absatz finde ich sehr spannend: hier kommt nämlich gleichermaßen Sexismus zum tragen (Generalisierte Annahme: Mann hat ja immer eine Bohrmaschine und weiß damit umzugehen)
    Erschwerend kommt zu alledem noch hinzu, dass es ja durchaus auch Frauen gibt, die eben diese Verhaltensweisen für gegeben, wenn nicht gar notwendig betrachten. Diese bilden dann das andere Extrem gegenüber Extrem(istischen) Feminist_innen (die sich tatsächlich beschweren wenn man ihnen an der Tür den Vortritt lässt). Alles in allem ein sehr interessantes, sehr komplexes Thema, das im sog. Geschlechterkampf leider allzu rasch (von allen Beteiligten) auf Allgemeinplätze niedergeschlagen wird, um einen Punkt zu machen.

  2. #2 Grundumsatz
    14. Juni 2011

    Wenn mich eine Kollegin als den einzigen Mann im Betrieb bittet, die Bilderrahmen in ihrem neuen Büro aufzuhängen, weil man(n) dazu eine Schlagbohrmaschine braucht[…]

    Interessantes Beispiel. Wenn man das als Sexismus definiert, dann geht er eindeutig von der Frau aus. Darin besteht einer der großen Widersprüche des Feminismus (bzw. der Gleichberechtigung): Wenn es der Frau nützt, dann nimmt sie derlei “Sexismus” durchaus wohlwollend hin.

    Andererseits wäre sie wohl schwer beleidigt wenn man sie bitten würde, mal eben das Büro zu putzen, weil sie ja die einzige Frau im Betrieb ist.

    Das es Grenzen zwischen, sagen wir mal, Galanterie oder Höflichkeit und Sexismus gibt, ist klar. Die Dekonstruktion jeglicher Unterschiede zwischen den Geschlechtern ist aber auch keine Lösung.

  3. #3 brody
    14. Juni 2011

    wirklich wunderbarer letzter Absatz – was wohl auch an den schwindelmachenden Absätzen davor liegt.

    (… nebenbei, genau aus den genannten Gründen habe ich mich mal geweigert, in einer WG ein Loch in eine Wand zu bohren – was damit quittiert wurde, einen Holzbohrer zu verwenden, der dann konsequent an einem verdeckt veputzten Stahlträger abgearbeitet wurde)

    Gibt es eigentlich auch die Möglichkeit, das sich Frau durch “wohlmeinenden Sexismus” geschmeichelt fühlt, wenn man(n) ihr auf zivilisierte Weise signalisiert, ihr “Geschlecht” wahrzunehmen.
    In gewisser Weise schmerzt es ja Mann wie Frau, ihrem Geschlecht nach nicht wahrgenommen zu werden um nicht zu letzt dann daraus zu schliessen, dem “Geschlecht nicht gerecht zu werden”.

  4. #4 Wurgl
    14. Juni 2011

    Uns Männern bleibt noch ein letztes Rückzugsgebiet wo wir unseren wohlmeinenden Sexismus ungestört ausleben dürfen: Beim Fluchen in einer Männerrunde. Deshalb wohlmeinender Sexismus, weil in Anwesenheit von Frauen dieses Fluchen in ein leises Knurren mutiert.

    Übrigens sind auch Frauen sexistisch. So wie die Dame an einem Schalter einer australischen Autoverleihfirma, die besonders intensiv im (internationalen) Führerschein meiner Tochter herumgeblättert hat als sie lesen durfte, dass Töchterlein mit ihren 55kg Lebendgewicht auch 40-Tonner mit Hänger fahren darf. (Besonders intensiv laut Aussage einer australischen Bekannten die sie begleitet hatte, den laut deren Aussage gucken die üblicherweise nur ganz kurz drauf.)

  5. #5 Dr. Webbaer
    14. Juni 2011

    Klar, es gibt den gutmeinenden jovialen “Sexisten”, der bspw. die Frauenquote will, im Arbeitsleben Minder-, Mangel- und Fehlleistungen weiblicher Untergebener bestmöglich übersieht und – an und für sich vernünftig – aufsteht und Damen Platz macht, wenn es eng wird mit den Sitzgelegenheiten. Es darf auch aufgestanden werden, wenn eine Dame den Raum betritt. – All das kann als Sexismus verstanden werden – ist es aber aus Sicht des Schreibärs dieser Zeilen natürlich nicht, denn der Sexismus setzt neben einer Andersbehandlung die Zuweisung eines anderen Werts voraus. Diskriminieren, also unterscheiden, tut dies nicht und ist somit OK – auch wenn die Soziologen der letzten 40 Jahre ziemlich viel getan haben um sinnvolles Unterscheiden, nun, zu diskriminieren.
    Man darf den Brüdern (und natürlich auch Schwestern, huch!) natürlich nicht glauben; glaubte man ihnen, bestände die Gesellschaft nur noch aus X-Isten.

    HTH
    Dr. Webbaer

  6. #6 YeRainbow
    14. Juni 2011

    nennt es doch einfach beim Namen: Vorurteil.

    Vorurteile beruhen auf ungeprüften Vorannahmen, die mitunter zutreffen (können), mitunter auch nicht.
    Da muß man dann schon genauer hingucken.

    Einer SChwangeren einen Sitzplatz anzubieten ist kein vorurteil (ihr Körper leistet SChwerstarbeit). Für eine Kollegin die Bohrmaschine auszuleihen, um sie zu entlasten, ist VIELLEICHT eine Entlastung, weil sie nach Feierabend zu ihren Bratzen nach Hause muß. Kann schon sein, sie hat begrenzte Ressourcen.

    Einem erwachsenen Menschen die Tür aufzuhalten KANN herablassend sein, wenn er sich herabgesetzt fühlt. Einzelfall- schwer kalkulierbar.

    ist halt n hierarchisches Ding.
    Individuen, die sich für “hierarchisch hochstehend” halten, sind nicht bereit, von hierarchisch-niedrigen Personen “Hilfe” geleistet zu bekommen.

    Verhaltensbiologisch völlig normal.

  7. #7 Christian Reinboth
    14. Juni 2011

    Stelle beim Lesen des Textes fest, dass ich offenbar nicht nur ein “wohlmeinender Sexist” bin, weil ich im Zug natürlich jederzeit für eine Schwangere aufstehen würde, sondern auch noch ein “Neosexist”, weil ich gerade im Zusammenhang mit Quotierungssystemen schon so viel Unsinn erlebt habe, dass ich schon reflexartig zurückzucke, wenn das Thema irgendwo auf den Tisch kommt. Bezeichnenderweise habe ich noch nie erlebt, dass es wegen “wohlmeinender” (wohl eher “höflicher”) Behandlung Beschwerden gab…

  8. #8 Dr. Webbaer
    14. Juni 2011

    @Reinboth
    Wichtich ist halt zu verstehen, dass die Andersbehandlung anderer auf Grund der Gruppenzugehörigkeit an sich nicht -istisch ist und auch nicht sein kann. – Erst die Zuweisung eines Wertes macht das Istische und Verwerfliche bzw. besser: ist eine notwendige (vs. “ausreichende”) Bedingung hierfür.

    Just for the record, manche kommen hier mit dem Artikel 3, §3 des GG durcheinander. – So weit, dass jeder für sich bundesdeutsche Staatspflichten persönlich zu übernehmen hat ist es zum Glück aber noch nicht, lol.

    MFG
    Dr. Webbaer

  9. #9 Irene
    14. Juni 2011

    Ich bin eine gleichberechtigte Frau und halte es trotzdem für rüpelhaft, wenn mir jemand die Tür auf den Kopf fallenlässt oder in der Straßenbahn für Schwangere nicht aufsteht. Im Gegenzug halte ich auch Männern die Tür auf (eine Selbstverständlichkeit für mich) und biete ihnen in der Straßenbahn einen Sitzplatz an, wenn ich sehe, dass sie das nötiger haben als ich (wegen eines Gipsbeins, zum Beispiel).

    Am schlimmsten finde ich übrigens jene Sorte von jovialen Mannsbildern, die sich einen Spaß daraus machen, mit Hinweis auf die Gleichberechtigung zuzusehen, wie frau sich mit schweren Lasten o.ä. abmüht.

  10. #10 miesepeter3
    14. Juni 2011

    @Jürgen Schönstein

    Weiter so – wenn Höflichkeit gegen Männer ok ist, kann sie gegenüber Frauen nicht sexistisch sein. Wer das anders sieht, wäre wohl gerne sexistisch, traut sich aber nicht.

  11. #11 Thomas J
    14. Juni 2011

    @Webbi

    Wenn Sie mir doch mal erklären würden, was es für Gründe geben könnte, dass Männer den Frauen und nicht Menschen anderen Menschen die Türe aufhalten sollten…

    Ohne Begründung, wird mit so einer Handlung automatisch gewertet.

  12. #12 Dr. Webbaer
    14. Juni 2011

    @miese
    “Höflichkeit” ist natürlich schon ein zweifelhaftes Konzept, nein, es geht aus Sicht des Schreibärs dieser Zeilen einerseits um rein praktische Erwägungen (“Männchen oft stärker.”, “Junger oft stärker als Älterer”, “Dicker oft langsamer als Schlanker.” etc.) und ander(er)seits um die gute alte Tradition, a.k.a. Stil, nichts schlechtes an sich, nichts Istisches; vielleicht tradiert, aber eben oft noch da. – Wer hier Probleme entwickelt und die Menschen (oder Bären) in istische Schubladen packt, hat die Welt nicht verstanden.

    MFG
    Dr. Webbaer

  13. #13 Thomas J
    14. Juni 2011

    @Webbaer

    ach so… weils Tradition ist, am Tisch aufzustehen, wenn die frisch gepuderte Dame vom Abörtchen zurückekehrt…

    klar, Tradition ist cool, bärenmässig cool sogar.

  14. #14 Dr. Webbaer
    14. Juni 2011

    @Thomas J
    Wenn Sie Ihre Einwände in verständliche Wortwahl gießen könnten, stände Dr. W womöglich gerne bereit auszuhelfen; so allerdings bleibt die Einwandsbehandlung offen und unscharf. – Zum Türenaufhalten vielleicht noch: Es ist physikalisch einfacher eine Türm geöffnet zu halten als sie zufallen zu lassen und von einem Folgenden wiederum öffnen zu lassen. Die zusammen geleistete Arbeit wäre geringer beim Offenhalten.

    Das mit der Höflichkeit (vs. Freundlichkeit) ist verstanden worden?

    MFG
    Dr. Webbaer

  15. #15 miesepeter3
    14. Juni 2011

    @Dr.Webbaer

    Ich halte, wenn die Situation es möglich macht, auch jüngeren männlichen Türnutzern dieselbe auf, auch wenn diese stärker schlanker oder sonstwas sind. Ich halte das 1. für höflich und 2. für praktisch. Würde das so auch bei einem weiblichen Türnutzer aus den gleichen Gründen so halten.

  16. #16 Dr. Webbaer
    14. Juni 2011

    @miese
    Loge!, Sie machen’s aber aus Freundlichkeit und aus den oben beschriebenen Erwägungen heraus, auch die gute alte Tradition mag hier hineinspielen, Sie machen’s aber nicht, weil Sie höflich, somit im Wortsinne reaktionär und feudalistisch sind. Fürwahr!, Kleinigkeiten, aber eben doch in diesem stark ideologisierten Kontext möglicherweise erwähnenswert. Oder auch nicht.

    MFG
    Dr. Webbaer (der sich nun langsam ausklinkt)

  17. #17 Bullet
    14. Juni 2011

    Was ist eigentlich in meiner Kindheit schiefgegangen, wenn ich Männern UND Frauen die Tür aufhalte? Und werde ich als “wohlmeinender Sexist” gebrandmarkt, wenn ich dabei beobachtet werde, wie ich einer Frau die Tür aufhalte, weil der* Beobachter leider nicht merkt, daß ich 10 Sekunden später auch einem Mann die Tür aufhalte?
    An Rainbow anknüpfend: für mich ist “dick schwanger” und “nur ein Bein” gleichermaßen hilfemotivierend, aber ich nehme auf Frauen ihres Geschlechtes wegen nur ungerne “Rücksicht”. Das hat auch einen Grund: zu oft hörte ich Klagen der Damen, daß sie die Galanterie der Herren vermissen, die noch vor wenigen Jahrzehnten so schön und auch üblich war, und daß die Kerle mal wieder Benehmen lernen sollten. (Überflüssig zu erwähnen, daß genannte Damen deutlich unterhalb der 30er-grenze herumwackeln, oder?)
    Und … war jemals irgendeine Frau ähnlich höflich zu mir? Dieser Rollenkrempel widert mich eh an – aber wer seines Geschlechtes wegen von mir etwas fordert, der hat schlechte Karten.

    @Jürgen: nicht falsch verstehen. Du darfst Radhelm tragen, und du darfst Frauen die Tür aufhalten und diese dann dem Kerl dahinter vor den Kopp knallen lassen (auch wenn du das so weder gesagt noch gemeint hast *g*). Ich für mich mußte Erfahrungen machen, die mir besonders freundliche Handlungen Frauen gegenüber, lediglich weil sie Frauen sind, unmöglich machen. Da ist natürlich auch eine Portion Sturheit dabei, keine Frage. Aber mit den richtigen Argumenten geht auch das. (Na los, das war ‘ne Steilvorlage. Macht schon!)

    *geschlechtsneutral

  18. #18 Dr. Webbaer
    14. Juni 2011

    @bullet

    Und … war jemals irgendeine Frau ähnlich höflich zu mir?

    Könn’Se nicht erwarten bei diesem Auftreten. – Das besorgen dann wohl andere, Irgendwie muss der Laden denn aber doch weiterlaufen, wenn man nicht gänzlich auf Aussenmittel umstellen will.

    SCNR
    Dr. Webbaer

    PS: Das mit der Höflichkeit ist verstanden worden?

  19. #19 Helmut E.
    14. Juni 2011

    “Benevolent sexism” stützt sich tatsächlich auf Studien. Ich habe das Thema in Sozialpsychologie kennengelernt und kann mich dunkel an eine Studie erinnern in der Jobbewerberinnen vor einem Leistungstest geprimed wurden. Jene Bewerberinnen, die mit “wohlwollendem” Sexismus konfrontiert waren (z.B. keine Sorge, wenn sie als Frau mit diesen Aufgaben Probleme haben, ihre männlichen Kollegen werden dafür Verständnis haben), schnitten durchschnittlich schlechter ab, während feindseliger Sexismus teilweise sogar anspornend gewirkt hat. Es geht hier um erlernte Hilflosigkeit bzw. Attribution.

    Wenn man einer schwangeren Frau im Bus den Sitzplatz überlässt, hat das wohl nichts mit Sexismus zu tun. Der Frau die Autotüre aufzuhalten? Naja, in meinen Augen ein Grenzfall. Warum kann sie die nicht selbst aufmachen? Ist sie behindert? Zumindest wird es ihr damit tagtäglich suggeriert.
    Man sollte imho seinen Partner als gleichwertigen Menschen betrachtet, dann ist man auf der sicheren Seite und kommt gar nicht auf solche Ideen. Meine Frau kann selbst Autotüren öffnen oder Einkaufstüten tragen. Was auch wichtig ist, schliesslich bin ich sehr oft nicht vor Ort um das für sie zu erledigen.

  20. #20 Philipp G.
    14. Juni 2011

    Wenn man “political correctness” als Verhalten definiert, bei dem man jede(n) gleich behandelt, gleich welcher Subgruppe er nun angehört – sei es eine Ethnie, sexuelle Orientierung, Behinderung, Religion oder Geschlecht – dann durchbricht “wohlmeinender Sexismus” dieses Verhaltensmuster.

    Zumindest für mich ist das ganz klar Flirtverhalten, mit dem ich sage “es ist mir aufgefallen, das du weiblich bist, und du bist was besonderes für mich”. Und gerade in Partnerschaften ist das doch eine nette Art und Weise, über den ganzen Tag hinweg Aufmerksamkeit zu zeigen. Man muss nur drauf achten, das es nicht ermüdend wird, weder für einen selbst noch für die Partnerin.

  21. #21 Helmut E.
    14. Juni 2011

    @Phillip
    Mit dieser Definition stellt sich wieder die Frage “was ist weiblich”? Wenn man nicht selbst die Autotür öffnen kann? Das ist doch stigmatisierend.
    Man kann seiner Partnerin auch ohne Sexismus spüren lassen, dass sie weiblich ist.

  22. #22 KommentarAbo
    14. Juni 2011

  23. #23 WolfgangK
    14. Juni 2011

    Der ursprünglich von mir freudig begrüßte Umbruch vom “Heimchen am Herd” zur selbständigen gleichberechtigten Frau hat soviele Unsicherheiten in dem derzeitigen Geschlechter-Verhältnis geboren, dass deren Zusammenleben eigentlich nur noch verwundert. Es wird wohl noch Jahrzehnte dauern, bis es sich einigermaßen normalisiert hat. Um es derzeit auf einen einfachen Nenner zu bringen: wenn man einer Frau nicht die Tür aufhält, ist man ein Flegel oder Ignorant, tut man es doch, ist man sexistisch, wenn auch neuerdings wohlwollend. Die Erpressung duch solche emotionalen Zwickmühlen sind meines Erachtens auch ein Grund, warum man den Rest seines Lebens lieber als Single verbringt, auch wenn man nachts manchmal hochschreckt mit den Worten “So geht das nicht weiter!”. Zum Glück hört es aber niemand. Loriot hatte wohl doch recht, als er schrieb: “Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen!”

  24. #24 MisterX
    14. Juni 2011

    Oh mein Zeus, leute die mir mit sowas wie sexismus oder sonst irgend einer komischen Definition davon kommen haben schonmal eine extrem verzerrte Wahrnehmung, die nur auf Schubladendenken ausgerichtet ist.
    Es ist mir doch total schnuppe ob ich einem Mann, Frau oder irgend einem Tier helfe. Wenn ich sehe das jemand Hilfe braucht, und sei es ein Alien aus der Andromeda Galaxie, dann helf ich auch. Alles andere wäre für mich eine Art bevormundung.

    gruß

  25. #25 KommentarAbo
    14. Juni 2011

  26. #26 MisterX
    14. Juni 2011

    @Philipp G.

    Stimmt, als eine Art flirtverhalten wäre das natürlich etwas anderes. Aber wie du schon gesagt hast sollte man da auch nich immer extra drauf hinweisen.

  27. #27 Philipp G.
    14. Juni 2011

    @Helmut:

    Mit dieser Definition stellt sich wieder die Frage “was ist weiblich”? Wenn man nicht selbst die Autotür öffnen kann? Das ist doch stigmatisierend.
    Man kann seiner Partnerin auch ohne Sexismus spüren lassen, dass sie weiblich ist.

    In dem Falle ist die Grundbedeutung vom Autotür öffnen nicht “Du kannst sie dir nicht selbst öffnen” sondern “Du bist mir wichtig, darum mache ich mir die Mühe und öffne dir die Autotür”.

    Wenn man die Frage nach der Grenzziehung so weit treibt wie du, kann man sich auf fragen, was an Flirtverhalten noch erlaubt und nicht sexistisch ist – Blumen kaufen und Restauranteinladungen unterstellen, das die beflirtete Person nicht dazu in der Lage ist, das selbst zu finanzieren.
    Komplimente unterstellen, das die Person ein niedriges Selbstbewusstsein hat, das der Päppelung bedarf.
    Und Körperkontakt erst: Das unterstellt, das die die Person unter Umständen Anlehnungsbedürfniss hat! Usw.

    Man kann immer was finden, was an jedem gegebenen Verhalten unter Umständen auch als sexistisch oder degradierend ausgelegt werden könnte.
    Es kommt da meiner Erfahrung nach sehr stark auf die Sender- Empfängerbeziehung an.

    Bei keiner von den Frauen, denen ich bisher Türen geöffnet, in Mäntel geholfen oder Blumen gekauft habe, bestand irgendeine Art von Zweifel, das sie das genau so gut selbst gekonnt hätten. Sonst wären sie auch nicht attraktiv gewesen.

    Und es bestand auch kein Zweifel, das wir uns gegenseitig als vollwertige, erwachsene Individuen ernst genommen haben.

    Aber letztendlich ist Flirt- und Beziehungsverhalten etwas höchst individuelles – da soll jeder sehen, womit er/sie sich am wohlsten fühlt. Natürlich im Austausch mit dem Partner.

  28. #28 Jürgen Schönstein
    14. Juni 2011

    Zum Türaufhalten: Diese Geste, wie auch das Platzanbieten, Taschentragen etc. ist eben nicht Ausdruck sozialer Dominanz. Ganz im Gegenteil: Mit solchen “Gefälligkeiten” wird bei uns hominiden Primaten typischer Weise das Wohlwollen des Ranghöheren erbettelt (drum haben Chefs ja auch meist ihre eigenen – oft eifrig “freiwilligen” -Türaufhalter, Stuhlbesorger, Taschenträger etc.). Und anderen den Vortritt lassen hilft, den sozialen Zusammenhalt zu fördern; nicht zuletzt, weil es – wie der WB richtig bemerkt hat – eine Energie sparende Komponente in dieser Höflichkeit gibt. Ich fürchte aber, dass es zu kurz greift, solche Gesten nur nach ihrem formalen (physischen) Ablauf zu bewerten – die Intention spielt m.E. eine weitaus größere Rolle. Wenn ich meiner Frau beispielsweise die Autotür aufhalte, dann unterstelle ich doch nicht “Du bist zu schwach, um das selbst zu tun”, sondern ich will Ihr signalisieren “Du kannst Dich jederzeit auf mich verlassen” (hat gewiss was mit Paarbindung zu tun). Es ist die geiche “vertrauensbildende Maßnahme”, die auch den Chefs, den Kollegen, den Nachbarn (und all diese Begriffe sind im generischen Maskulinum, einer Besonderheit der deutschen Sprache, die alle grammatische Geschlechtsformen einschließt, also auch die weibliche) erwiesen wird. Sozialverhalten dient auch der Förderung des Gruppenzusammenhalts – es auf Rangordnung zu reduzieren, greift gewiss zu kurz.

  29. #29 rnlf
    14. Juni 2011

    Ein anderer Punkt ist meiner Meinung nach übrigens die schreckliche Vergewaltigung der Sprache durch die krampfhafte Umschreibung des generischen Maskulinums. Wir hatten vor Jahren in der Uni ein Dokument in Gruppenarbeit zu verfassen. In der Gruppe befanden sich drei Männer und zwei Frauen. Einer der Männer bestand darauf, dass es sexistisch sei, nur die männliche Form zu benutzen, also wurde an alles ein “und -Innen” angehängt. Die beiden Frauen in der Gruppe fanden das genauso nervig wie wir, trotzdem bestand es darauf.

    Wer ist in dieser Runde der Sexist? Der eine, der um jeden Preis jede “Ungerechtigkeit”, verursacht durch sprachliche Diskreminierung beackern will? Oder gar die Frauen, die sich sexistisch ihrem eigenen Geschlecht gegenüber verhalten haben?

    Ich halte übrigens auch Türen auf (egal welchen Geschlechts die Person, der aufgehalten wird, ist), ich trage die schweren Einkaufstüten, weil vor lauter Sexismusdebatte vergessen wird, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit Männer, auf Grund genetischer Veranlagung oder Interessenlag, mehr Muskelmasse besitzen als Frauen.

    Was nützt es IRGENDWEM, diesen Umstand zu leugnen? Meine Freundin jedenfalls beschwert sich eher, wenn ich mal NICHT die Taschen trage. Ich fürchte, sie ist Sexistin und würdigt Frauen herab, weil sie damit ausdrückt, dass Frauen die Taschen nicht tragen könnten. Muss ich mich jetzt, zwecks Gleichberechtigung von ihr trennen?

  30. #30 Theres
    14. Juni 2011

    @ rnlf
    Nein, eine Sexistin wäre eher eine Frau, die meint, dass Männer genau dazu da sind, zum Taschen tragen, Türen öffnen und bezahlen (das ist ganz wichtig) ;-)))
    Ich kann eine solche Diskussion nicht mehr ernst nehmen, tut mir Leid.

  31. #31 miesepeter3
    14. Juni 2011

    @Theres

    “Ich kann eine solche Diskussion nicht mehr ernst nehmen, tut mir Leid.”

    Tut das irgend jemand hier?

  32. #32 Dr. Webbaer
    14. Juni 2011

    (…) trotzdem bestand es darauf.

    Eijeiei, und es heißt wohl auch deshalb heute auch nicht mehr Sexist oder Sexistin, sondern Sexist_in.

    MFG
    Dr. Webbaer

  33. #33 Grundumsatz
    14. Juni 2011

    weil vor lauter Sexismusdebatte vergessen wird, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit Männer, auf Grund genetischer Veranlagung oder Interessenlag, mehr Muskelmasse besitzen als Frauen.?

    Trage einer erschöpften Frau die Taschen, und sie ist einmal zufrieden, lehre sie das Hanteltraining, und sie wird nie wieder erschöpft sein.

    -altes chinesisches Sprichwort

  34. #34 rnlf
    14. Juni 2011

    @Grundumsatz: Also müssen jetzt alle Frauen, im Namen der Gleichberechtigung, Hanteltraining machen und sich dicke Oberarme antrainieren? Egal, ob sie das wollen oder nicht? Da bin ich lieber Sexist und lasse sie selbst entscheiden, was sie tut, als sie – ganz im Sinne der Gleichberechtigung – zu zwingen, Hanteltraining zu machen und, obwohl sie es nicht will, muskulöse Oberarme zu bekommen?

  35. #35 Locman
    14. Juni 2011

    @Grundumsatz
    also eigentlich ist das j amit fischen und fischen, aber lustig umgestellt.
    das problem hierbei ist, das es einfach genetisch festgelegt ist, das männer größer, stärker, agressiver und auch gewalttätiger sind (tendenziell jedenfalls), das lässt sich denk ich nicht durch hanteln beheben.
    ob das vor- oder nachteile sind sei dahingestellt, aber es gibt eindeutig unterschiede zwischen mann und frau!
    das ist ein großes problem der gleichberechtigungsdebatte, das wird zu sehr außer acht gelassen denke ich…

    ps
    ich kann nichts dafür, das ich mehr geld bekomme fürs kisten tragen, ich kann einfach mehr kisten tragen!

  36. #36 Theres
    14. Juni 2011

    … ob das vor- oder nachteile sind sei dahingestellt, aber es gibt eindeutig unterschiede zwischen mann und frau!

    :-))) 😀

  37. #37 radicchio
    14. Juni 2011

    aber es gibt eindeutig unterschiede zwischen mann und frau!

    frauen sind ganz anders! und zwar schon von natur aus.

    spaß beiseite: was ich seltsam finde, ist dass einigen anwesenden offenbar in sachen flirten nichts anderes einfällt, als tür aufhalten, in den mantel helfen u.ä.
    finde ich ziemlich ziemlich abgedroschen und einfallslos. oder das rgument, man(n) müsse durch sein flirtverhalten die frau ihrer weiblichkeit versichern. hallo? ich bin ziemlich sicher, dass frauen schon selbst am besten wissen, dass sie frauen ist und ihr frausein nicht durch tür aufhalten hergestellt wird.

  38. #38 Grundumsatz
    15. Juni 2011

    Also müssen jetzt alle Frauen, im Namen der Gleichberechtigung, Hanteltraining machen und sich dicke Oberarme antrainieren?

    Mein zugegebenermaßen etwas verklausulierter Einwand bestand eigentlich in der Frage, ob ich der Frau die Taschen tragen soll, weil ich stärker bin. Oder ob ich sie zur Arbeit fahren soll, weil ich besser fahren kann. Oder ob ich für sie denken soll, weil ich einen höheren IQ habe. (Nehmen wir einfach an, es wäre so. :))

    Sonderlich emanzipiert/gleichberechtigt klingt das ja nun nicht.

  39. #39 Ulfi
    15. Juni 2011

    Auch ich kann einem meiner Vorredner nur zustimmen: Hält man die Tüt auf, wird man angeranzt, wagt man es, es nicht zu tun, geht die Welt unter. Bleibt wirklich nur, freiwillig bis zum Ende seines Lebens Single zu bleiben* 🙂

    *oder seine bisexuelle Ader zu entdecken

  40. #40 radicchio
    15. Juni 2011

    Auch ich kann einem meiner Vorredner nur zustimmen: Hält man die Tüt auf, wird man angeranzt, wagt man es, es nicht zu tun, geht die Welt unter.

    vielleicht kennst du einfach nur die falschen leute, Ulfi.

    Mein zugegebenermaßen etwas verklausulierter Einwand bestand eigentlich in der Frage, ob ich der Frau die Taschen tragen soll, weil ich stärker bin. Oder ob ich sie zur Arbeit fahren soll, weil ich besser fahren kann. Oder ob ich für sie denken soll, weil ich einen höheren IQ habe.

    tja, Grundumsatz, da bringst du es auf den punkt: du weißt ja gar nicht, ob du stärker bist, besser fahren kannst oder einen höheren IQ hast. du nimmst es an bzw. implizierst es, wenn du einer frau diese dinge abnimmst. erschwerend kommt hinzu, dass manchen frauen so ein verhalten schmeichelt und sie dadurch korrumpiert werden, dem system “sexismus” zuzustimmen. sie halten es dann eher für normal, dass frauen auch in anderen situationen sonderbehandlungen erfahren, weil sie dinge nicht / schlechter können und halten dieses unvermögen dann für einen teil ihrer identität “als frau”.

    Mein zugegebenermaßen etwas verklausulierter Einwand bestand eigentlich in der Frage, ob ich der Frau die Taschen tragen soll, weil ich stärker bin.

    die antwort ist eigentlich ganz einfach: wenn du einem mann, der (vermeintlich) schwächer ist, die taschen nicht tragen würdest, dann trag sie auch nicht für eine frau.

  41. #41 rnlf
    15. Juni 2011

    Ich denke, zumindest bei der Körperkraft ist die Wahrscheinlichkeit, dass “Mann” stärker ist, als “Frau” durchaus gegeben. Und was dazu kommt, man erkennt es normalerweise am äußeren. Es gilt zwar nicht im aussagenlogischen Sinn “für alle”, aber im Schnitt sind Männer breiter, stabiler und kräftiger gebaut als Frauen. Deshalb finde ich es auch absolut legitim, für meine Freundin schwere Dinge zu tragen. Und ich habe ehrlich gesagt bei keiner meiner vorherigen Freundinnen Probleme bekommen, wenn ich das getan habe oder Türen aufhalte, insofern kann ich Ulfis Probleme nicht nachvollziehen.

    Was Intelligenz oder Fahrtalent angeht, finde ich hingegen allein die Vorstellung, es könnten signifikante Unterschiede bestehen, lächerlich. Hier liegt es sicher an Erziehung und anderen sozialen Faktoren, dass beispielsweise in der Wissenschaft immer noch so viel mehr Männer arbeiten…

  42. #42 Andrea N.D.
    15. Juni 2011

    @Jürgen:
    Schöner Artikel, grade erst entdeckt.
    Bei den “wohlmeinenden Sexisten” gibt es einen weiteren Aspekt: Das andere Geschlecht könnte sich darüber aufregen. Ein Beispiel, bei dem ich mich überhaupt nicht diskriminiert fühle, sind Frauenparkplätze in Tiefgaragen (damit wir uns sicherer fühlen). Manche Männer regen sich darüber jedoch auf, weil sie jetzt weiter zum Ausgang gehen müssen. Ein ewiges Gezerre und Geplärre …
    Und es ist jetzt ziemlich offensichtlich, wer tatsächlich nicht einparken kann (bis ein ziemlich eindeutig als Mensch männlichen Geschlechts indentifzierbares Individuum in einen schräg geparkten Wagen, der auf einem “Frauenparkplatz” steht, steigt …Na gut, seine Frau/Freundin/Mutter/Schwester/Tochter/Nachbarin/Bekannte könnte das Auto ja ursprünglich geparkt haben …).

  43. #43 radicchio
    15. Juni 2011

    Ich denke, zumindest bei der Körperkraft ist die Wahrscheinlichkeit, dass “Mann” stärker ist, als “Frau” durchaus gegeben.

    eine wahrscheinlichkeit sagt aber nichts über das individuum aus. wenn sie allein den unterschied zwischen frau / mann annehmen, nicht aber z.b. den innerhalb der gruppe “mann” / “frau”, handelt es sich leider um sexismus, denn sie ziehen ihre schlussfolgerung über die körperkraft allein aus dem geschlecht der betreffenden person.
    daher muss die fragen lauten: würden sie die tasche auch einem “schwächeren” mann tragen, oder würden sie in diesem fall denken, soll er sich halt anstrengen.

    für legitim halte ich es, jemandem zu helfen, der tatsächlich zu schwach für etwas ist. wenn er oder sie eine sache mit etwas anstrengung bewältigen kann, dann soll er / sie es auch tun. es gibt keinen grund, einer frau eine anstrengung abzunehmen, nur weil sie eine frau ist.

  44. #44 rnlf
    15. Juni 2011

    Würde es sich bei dem Mann um meinen Lebensgefährten handeln, würde ich genauso tragen helfen.

    rnlf

    PS: Könntest DU bitte aufhören, mich zu SIEzen? Da krieg ich Krämpfe, wenn ich im Netz gesiezt werde.

  45. #45 Thomas R.
    15. Juni 2011

    Ich finde es immer problematisch, wenn Freundlichkeit als Sexismus bezeichnet wird. Ist es denn unvorstellbar, einfach freundlich zu jemandem zu sein, ohne diesem dadurch gleich Schwäche und Minderwertigkeit zu unterstellen?

    Wenn ich einem älteren Herrn in der vollen Bahn meinen Sitzplatz anbiete, versündige ich mich dann an seiner ganzen Generation? Er ist nicht offensichtlich krank oder schwach, er würde die Bahnfahrt schon auch stehend überleben, ist vielleicht von Russland nach Hause gelaufen, wer weiß? Wie kann ich es da wagen, hier in der Bahn zu Eindruck zu erwecken, er sei mir unterlegen, indem ich ihm meinen Sitzplatz anbiete?

  46. #46 Dr. Webbaer
    15. Juni 2011

    Ich finde es immer problematisch, wenn Freundlichkeit als Sexismus bezeichnet wird. Ist es denn unvorstellbar, einfach freundlich zu jemandem zu sein, ohne diesem dadurch gleich Schwäche und Minderwertigkeit zu unterstellen?

    Es wird halt von bestimmter Seite so argumentiert, dass Freundlichkeit (das passende Wort hier) immer auch die sozialen Gegebenheiten zu berücksichtigen hat, und ebenso wie Unfreundlichkeit den keim des Ismus in sich trägt. – Man kann dem hiesigen Inhaltemeister nur dankbar sein diesen Sachverhalt aufgegriffen zu haben.

    MFG
    Dr. Webbaer

  47. #47 YeRainbow
    16. Juni 2011

    Schon kleine Kinder zeigen recht deutlich, wie gut sie die Angemessenheit von Hilfestellung erkennen.
    ein müdes Kleinkind läßt sich problemlos und gern tragen. Ein quicklebendiges wird vehement gegen die Bewegungseinschränkung protestieren.

    Und das ist der Knackpunkt.

    Übrigens haben Menschen einen häufig guten Riecher, was die Intention des “Hilfeleistenden” betrifft. Gibt natürlich auch Mißverständnisse.

  48. #48 Bullet
    16. Juni 2011

    @YeRainbow:
    “Angemessenheit”. Jepp. Großer Knackpunkt.

  49. #49 radicchio
    16. Juni 2011

    Schon kleine Kinder zeigen recht deutlich, wie gut sie die Angemessenheit von Hilfestellung erkennen.

    kleine kinder zeigen noch recht deutlich … denn ihr begriff von angemessenheit bezieht sich rein darauf, ob sie etwas schon können, nicht aber auf konventionen, die man der höflichkeit halber angepasst lächelnd über sich ergehen lässt, weil protest als affront aufgefasst werden könnte.

    ein müdes Kleinkind läßt sich problemlos und gern tragen. Ein quicklebendiges wird vehement gegen die Bewegungseinschränkung protestieren.

    eine quicklebendige frau protestiert im allgemeinen nicht, wenn ihr jemand in den mantel hilft. wäre sie ein kleinkind, würde sie es vielleicht tun.

  50. #50 rnlf
    16. Juni 2011

    Also von Freundinnen höre ich öfter, dass sie sich freuen, wenn Männer solche Gesten machen. Die fühlen sich nicht diskreminiert, wenn ihnen jemand in den Mantel hilft, sondern sehen es als nette Geste. Ich glaube auch nicht, dass irgendwer denken würde, dass sie den Mantel nicht auch allein anziehen könnte. Und wenn sie es wirklich nicht will (weil z.B. der Mann unsympathisch ist) wird vermutlich jede Frau etwas dagegen sagen.

    Mir will irgendwie nicht in den Kopf, warum eine gute Behandlung von Freunden (egal ob weiblich oder männlich) irgendeine Form von Sexismus sein soll. Mann will, dass der andere sich wohl fühlt, also macht man nette, kleine Gesten.

    Man bekommt regelrecht das Gefühl, dass Freundlichkeit ein Verbrechen ist. Und hinterher rennen alle zum Psychater, weil sie diese “kalte” Gesellschaft krank macht. Naja.