Jeans: Umweltschutz am A…

Mannomann, da trage ich seit Jahrzehnten unbeirrt, tagein tagaus, jene blauen (und manchmal auch schwarzen) Baumwollhosen, die dank des fränkischen Auswanderer Löb Strauß unter dem verballhornten Ortsnamen Jeans die Welt erobert haben – und hatte doch keine Ahnung, dass ich damit ein wandelnder Wasserverschwender bin: Ein Paar Jeans verbraucht, von der Erzeugung der Baumwolle bis hin zum (gelegentlichen) Waschen, im Laufe seines Lebens mehr als 3000 Liter Wasser. Und mit etwa einem halben Dutzend Jeans im Schrank, bei einem Schwund von etwa einem Paar jährlich, habe ich also allein mit diesen scheinbar so schlichten Bein-und-A…-Hüllen im Lauf meines erwachsenen Lebens runde 100.000 Liter Wasser verbraucht. Damit lässt sich zwar keine Wüste bewässern, und manche Leute haben mehr Volumen in ihren privaten Swimmingpools – aber es ist, andererseits betrachtet, mehr als nötig gewesen wäre.

Auf diese Erkenntnis bin ich zwar erst heute (= Mittwoch) durch die Lektüre dieses Artikels in der New York Times gestoßen. Meinen Kleiderschrank muss ich dennoch nicht gleich ausräumen – es genügt schon, die Jeans weniger häufig zu waschen, wie ich dort lernen konnte. Und wenn sie anfangen, jenen mysteriösen Nasse-Hunde-Geruch anzunehmen, den sie nach längerer Tragzeit zwangsläufig entwickeln (und der typischer Weise durch ein gut geheiztes “Bad” in einer Waschmaschine beseitigt wird), werd’ ich’s mal mit dem Tipp versuchen, sie im Gefrierfach einzulagern – das soll jene geruchsbildende Keime auch ganz effizient abtöten. Und wenn gewaschen wird (dem Kaffeefleck ist nämlich die Temperatur ziemlich schnurzegal), dann nur noch mit kaltem Wasser. Und während ich jetzt mal den Wäschekorb durchwühle, verweise ich hier noch schnell, auf die Better-Cotton-Initiative, die durstige Baumwolle künftig mit so wenig Wasser wie möglich anzubauen. Damit zwar die Jeans am Hintern weiterhin sitzt, ohne dass dabei der Uwmeltschutz am A… ist.

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Kommentare

  1. #1 Paul
    2. November 2011

    3000 Liter Wasser – was für ein unnützer Beitrag. Die gleiche Menge braucht man, um 3 kg Brot oder 3 kg Orangensaft herzustellen: http://www.hydrologie.uni-oldenburg.de/ein-bit/12044.html

  2. #2 WolfgangK
    2. November 2011

    Ehrlich gesagt bekomme ich immer leichte Krämpfe, wenn ich das Wort “Wasserverschwendung” lese. Ok, es gibt die Zonen, in denen Wasser gespart werden muss, weil das Heranschaffen desselben schwierig ist bzw. man auf die nächste Regenzeit warten muss, umd die Vorräte wieder auffüllen zu können. Aber was soll “Wasserverschwendung” denn eigentlich sein? Wenn ich meinen Wasserhahn aufdrehe und lasse einfach mal 100 Liter laufen, so what? Das Wasser ist ja nicht weg, es wird geklärt und wieder in die Umwelt eingefügt. Und auch die Dauerbewässerungen der Felder im Sommer dem Main entlang, bei denen die Grossbauern Wasser aus dem Main auf die Felder pumpen. Ja und? Das Wasser wird entweder zurückgeführt in das Grundwasser oder verdunstet – und kommt irgendwo als Regen wieder. Was also ist mit den 10000 ltr. Wasser für die Jeans passiert, dass das Wasser “verschwendet” wurde? Wurde es ausserhalb des Erdballs transportiert?

    Ich verstehe diesen Wasserverschwendungsquatsch ausserhalb der Gebiete, wo Menschen auf wenig Nass angewiesen sind (wie in Afrika) nicht wirklich…

  3. #3 Chris
    3. November 2011

    Hey,

    , bei einem Schwund von etwa einem Paar jährlich

    die letzte Lederhose die ich kaufte hält jetzt seit knapp 10 Jahren alles durch und sitzt besser als am ersten Tag, ja sie kostete auch deutlich mehr als eine Levis, aber das erledigt sich über die Jahre.

    Gut für Hosen sterben gerne mal Büffel oder sonstiges Kuhgetier (nee offensichtlich nicht lila, sondern schwarz) und bei Jacken geht das ein oder andere Pferd hops, aber wir sind hier ja keine Wendy Abonnenten.

    Aber zur Wasserverschwendung, also Klamotten waschen sehe ich jetzt nicht unbedingt als Verschwendung an. Ist damit nicht eher übermäßiger Wasserverbrauch gemeint? Den man im Übrigen auch woanders einsparen kann wenn einem die blütenreine Jeans so wichtig ist.

  4. #4 Jürgen Schönstein
    3. November 2011

    @WolfgangK

    Ich verstehe diesen Wasserverschwendungsquatsch ausserhalb der Gebiete, wo Menschen auf wenig Nass angewiesen sind (wie in Afrika) nicht wirklich…

    Genau dort wächst aber die Baumwolle, aus denen die Jeans gefertigt wird. Und auch wenn Wasser in Deutschland nicht knapp ist (obwohl das Waschmittel, das im Wasser zum Vorfluter gespült wird, auch nicht gerade einen hilfreichen Beitrag zur Umweltverbesserung leistet), gibt es doch Jeansträger auch in jenen Teilen der Welt, wo Wasser knapper ist.

  5. #5 Sven Türpe
    3. November 2011

    Praktisch ist, dass der Gesinnungsethiker nie etwas tun oder ändern muss. Ihm genügt es, sich demonstrativ schlecht zu fühlen, damit er sich gut fühlt.

  6. #6 WolfgangK
    3. November 2011

    @Jürgen Schönstein

    Genau dort wächst aber die Baumwolle, aus denen die Jeans gefertigt wird

    Ja, aber die werden dort nicht auf den Zufall des Regengottes hoffen und auch den dort lebenden Menschen das Wasser nicht wegnehmen, sondern es wird aufwändig dorthin geschafft, wo es gebraucht wird. Sicher könnte man jetzt darüber diskutieren, ob es nicht besser sei, statt Baumwolle Getreide anzubauen, aber das ist ein anderes Thema. Allerdings denke ich eher an andere Länder (USA, Indien, usw.) als Afrika, wenn ich an Baumwolle denke…

    Außerdem wasche ich eine Jeans nun auch nicht häufiger als meine anderen Hosen, was ist an Jeans da so anders? Und wenn man schon über Cotton nachdenkt: die meisten meiner Klamotten bestehen aus Baumwolle, sei es T-Shirts, Pullover, Unterhosen oder Socken, und die werden wohl auch in allen Teilen der Welt getragen, nicht nur Jeans.

    (obwohl das Waschmittel, das im Wasser zum Vorfluter gespült wird, auch nicht gerade einen hilfreichen Beitrag zur Umweltverbesserung leistet)

    Im Prinzip ist das gesamte Leben kein hilfreicher Beitrag zur Umwelt, auch wenn das jetzt polemisch klingt. Aber seien wir doch mal ehrlich. Es fängt doch schon damit an, dass ich in der Dusche keine Kernseife benutze, sondern Duschgel und Shampoo, dann wasche ich mir die Hände mit parfümierter Seife, spüle mein Geschirr mit Geschirrspülmittel, wasche meine Wäsche mit Waschmittel und werfe Papier in die Toilette. Kann man auch alles weglassen, keine Frage, aber macht das Sinn, vor allem dann, wenn man neben anderen sitzt, die sich auch nicht waschen…?

    Zum Wasserverbrauch ein paar interessante Artikel:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73989792.html

    http://www.is-kassel.org/unser-wasser-kassel/presse/2005/april2005/wassersparen.htm

  7. #7 BreitSide
    3. November 2011

    Wieder ein schöner Artikel, der – ganz im Gegentum zum üblichen TürpelTölpelTrollGewäsch – wieder ein kleines Stückchen Betroffenheit erzeugt. Der kann ja noch nicht einmal lesen, geschweige denn den Sinn eines Artikels erkennen. Aber dumm daherschwätzen und Worthülsen absondern.

    @Wolfgangk: Die werden sehr wohl

    auch den dort lebenden Menschen das Wasser … wegnehmen

    . Was glaubst denn Du?

  8. #8 WolfgangK
    3. November 2011

    @Breitside

    Was ich glaube ist nicht wichtig, was “ist” umso mehr. Hast Du dafür irgendwelche Belege?

    @alle

    Im Übrigen gibt es in Afrika nur zwei Länder, welche Baumwolle anbauen. Beide zusammen haben einen Weltanbauanteil von unter 1,3%. Wer genaueres wissen will, schaut hier.
    Viel schlimmer als Wasserverbrauch ist eher das CO2, welches bei der Herstellung entstehen soll, nämlich etwa 9kg pro Baumwoll-T-shirt.

  9. #9 Sven Türpe
    3. November 2011

    Wieder ein schöner Artikel, der (…) wieder ein kleines Stückchen Betroffenheit erzeugt.

    Das hast Du schön gesagt. Wir könnten auch von Ansätzen zum Versuch der Gehirnwäsche reden, aber Betroffenheit erzeugen tut’s auch. Der Artikel demonstriert die beliebte Masche, einen x-beliebigen Ausschnitt eines Systems pars pro toto zum Stellvertreter zu nehmen und aus dessen Betrachtung Handlungsempfehlungen abzuleiten, die dem gesamten System zugute kommen sollen. Gegen den Reduktionismus, auf den sich die moderne Wissenschaft erfolgreich stützt, habe ich zwar keine grundsätzlichen Einwände, aber zur intellektuellen Hygiene gehört, die Übergänge zwischen den Betrachtungsebenen explizit und sich dabei Gedanken über die Auswirkungen des Wechsels zu machen. Wenn am Teil gewonnene Aussagen beim Übergang zum Ganzen ins Absurde kippen, sind sie untauglich und man muss sie verwerfen. Das ist hier der Fall. In der lokalen Betrachtung ergibt die Vorstellung vom Wasserverbrauch halbwegs einen Sinn, wenn auch der neutralere Begriff Umsatz oft besser geeignet scheint. Global wird aber Bullshit daraus, wir können beispielsweise den befürchteten Meeresspiegelanstieg aufgrund des Klimawandels nicht dadurch kompensieren, dass wir Wasser “verbrauchen”. Dass das Bestreben nach einem Baumwollanbau mit geringem Wasserumsatz vermutlich die bei westlichen Stadtbewohnern zum Teil unbeliebte Gentechnik fördert, sei nur am Rande erwähnt, da ich diese Marotte nicht teile und sie deshalb nur ungern als Argument heranziehen möchte. SOlche Erwägungen spielen natürlich keine Rolle, wenn es nur darum geht, betroffene Follower heranzuziehen bzw. aus dem Publikum herauszufiltern.

  10. #10 miesepeter3
    3. November 2011

    Wasser ist zum Waschen da, falleri und fallera….

    Ich glaube, es ist durchaus legitim, zu staunen, wenn man über eigentlich völlig belanglose Dinge ein paar Fakten erfährt, die man so nicht für möglich gehalten hat.
    Natürlich hilft es den Menschen in Gebieten mit Wassermangel überhaupt nicht, seine Beinbekleidung nur noch halb so oft zu waschen. Es spart höchstens ein paar Euro bei der ABWASSER – Abrechnung. Der Spareffekt bei der Wasserrechnung ist marginal und kann getrost vernachlässigt werden. Es gibt genug Wasser auf der Welt, bedauerlicherweise ungleich und damit ungünstig verteilt. Es ist halt ein Verteilungsproblem, genau wie mit den Nahrungsmitteln. Wir schmeissen zu früh und zuviel weg, weil wir das Mindesthaltbarkeitsdatum für das Verfallsdatum halten und in anderen Weltgegenden hungern die Leute. Das darf einen über das Gefühl der Hilflosigkeit hinaus auch schon mal ein wenig betroffen machen.

  11. #11 Wolf
    3. November 2011

    @mp3:”[...]Es gibt genug Wasser auf der Welt, bedauerlicherweise ungleich und damit ungünstig verteilt. Es ist halt ein Verteilungsproblem[...]”

    Wasser ist genug da, richtig, aber es ist ein Problem SAUBERES Wasser zu bekommen.

    “[...]Wir schmeissen zu früh und zuviel weg, weil wir das Mindesthaltbarkeitsdatum für das Verfallsdatum halten und in anderen Weltgegenden hungern die Leute[...]”

    Das ist ein Riesenproblem. Es gibt Bauern, die verheizen z.B. Getreide (Weizen / Roggen) in ihren Pelletheizungen, weil das billiger ist als Holzpellets. (vergl: http://www.etteldorf-metterich.de/preise/holzpellets-lose.html mit http://www.finanzen.net/rohstoffe/weizenpreis )
    Oder woher kommt denn bitte der Ethanolanteil im E10 Kraftstoff? http://de.toonpool.com/cartoons/Energietransfer_17305#img9

    “[...]Das Getreide, das nötig ist, um den 120 Liter fassenden Tank eines Geländewagens mit Ethanol zu füllen, reicht aus, um einen Menschen ein Jahr lang zu ernähren. Von der Menge, die destilliert werden muss, wenn der Tank alle zwei Wochen gefüllt wird, könnten sich 26 Leute ein Jahr lang satt essen[...]”
    http://www.spiegel.de/spiegelspecial/0,1518,474490,00.html

    So was bezeichne ich auch mal als pervers.

  12. #12 miesepeter3
    3. November 2011

    @Wolf

    “So was bezeichne ich auch mal als pervers”

    Stimme da ohne jeden Vorbehalt zu.

  13. #13 Uli
    3. November 2011

    Irgendwelche Klamotten müssen wir ja tragen, schon weil es hier im Winter ein bisschen zu kalt für FKK ist.

    Alternativen sind Wolle und Kunstfasern. Letztere werden schon in ein paar Jahren so teuer werden, daß sich nur noch die Reichen ein Polyester-Hemd leisten können, denn sie werden aus Erdöl gemacht und das wird ja bekanntlich nicht ewig reichen.

    Wie sieht denn da die Ökobilanz aus? Wahscheinlich auch nicht besser als bei Baumwolle…

  14. #14 michael
    3. November 2011

    Einen passenden Artikel mit einem Verweis auf den Human Development Report 2011 der UNO find man hier : http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,793784,00.html

  15. #15 Sven Türpe
    4. November 2011

    Wasser ist genug da, richtig, aber es ist ein Problem SAUBERES Wasser zu bekommen.

    Wo siehst Du das Problem? Unzählige Unternehmen stehen bereit, Wasser in jeder gewünschten Qualität in jedem gewünschten Gebinde von der 200ml-PET-Flasche bis zum 26m³-Tankcontainer an jeden beliebigen Ort der Welt zu liefern.

  16. #16 michael
    4. November 2011

    @Sven
    > Unzählige Unternehmen stehen bereit, Wasser in jeder gewünschten Qualität … an jeden Ort der Welt ..blabla..

    Zähle mindestens 2000 Unternehmen auf, die diese Dienstleistung anbieten.

  17. #17 Alexander
    4. November 2011

    Ich werde am Wochenende 2 Jeans waschen, und ich werde keine Spur von schlechtem Gewissen dabei haben. Und das Brot zum Frühstück wird mir auch bestens schmecken. Wassermangel ist bei uns definitiv kein Thema, (ok, du schreibst aus USA, da ist es regional, New Mexico, Colorado, sicher ein Problem). Im Gegenteil, in Deutschland ist es für die Wasserversorger inzwischen sogar teilweise ein Problem, dass ZUWENIG Wasser verbraucht wird, und deswegen die Leitungen nicht ausreichend durchspült werden.

  18. #18 Wolf
    4. November 2011

    @st:
    jaja, wenn sie kein Brot haben, warum essen sie dann keinen Kuchen?

    Zynismus ist schon was feines.

    Lies hier:
    http://www.entwicklung.at/presse/weltwassertag_22_maerz_sauberes_wasser_fuer_alle/de/

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserkrise

  19. #19 Anhaltiner
    4. November 2011

    http://www.stern.de/panorama/duerre-schiffe-muessen-barcelona-mit-wasser-versorgen-620128.html Ja alles kein Problem mit genügend Geld in der Tasche. Den Branchenspiegel “internationale Transportunternehmen” für Michael kriegen wir auch voll.

    Die Frage ist ob wir in nächster Zeit die solare Meerwasserentsalzung so verbilligen können das sich das afrikanische Staaten sich das großflächig leisten können.

  20. #20 Sven Türpe
    5. November 2011

    jaja, wenn sie kein Brot haben, warum essen sie dann keinen Kuchen?

    Ja, warum eigentlich nicht, kannst Du das erklären?

  21. #21 Sven Türpe
    5. November 2011

    Die Frage ist ob wir in nächster Zeit die solare Meerwasserentsalzung so verbilligen können das sich das afrikanische Staaten sich das großflächig leisten können.

    Ich fände es klüger, wenn wir wir uns vom Paradigma des armen Afrika verabschiedeten. Nicht die Technik muss billiger werden (das tut sie sowieso), sondern die Afrikaner reicher.