Ich bin leidenschaftlicher Wahl-New Yorker, und daran ändert auch mein derzeitiger – und rein beruflich bedingter – Hauptwohnsitz Cambridge nichts (ist zwar be- und überschaulicher, aber halt auch ein wenig provinziell). Ohne unsere Wohnung in Manhattan hätten meine Familie und ich längst den Verstand, oder wenigstens ein gutes Stück Lebensfreude gewonnen verloren. Manche Umweltfreunde (zu denen ich mich im Allgemeinen – was nach dieser Einleitung manchen paradox erscheinen mag – auch zähle) scheinen sich immer wieder mal darüber erbosen, wie man in solchen stinkenden, Abgase produzierenden und Energie verbrauchenden Metropolen überhaupt mit ruhigem Ökogewissen leben kann. Nun, denen schleudere ich jetzt da perfekte Argument in Form einer Grafik hin, die ich aus dem Artikel The City Solution im aktuellen National Geographic geklaut habe (und da ScienceBlogs ja nun zur NatGeo-Organisation gehört, denke ich, dass ich damit durchkommen werde):

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Und ja, daraus ist tatsächlich erkennbar, dass selbst solche scheinbaren urbanen Höllen wie Sao Paulo, Beijing und eben meine Stadt New York umweltfreundlicher sind als das durchschnittliche Deutschland. Was ich zwar schon immer wusste glaubte, aber selbiges nun mit einer gewissen Genugtuung hier belegt sehe. Bravo, New York!

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Kommentare (8)

  1. #1 Roland
    23. November 2011

    Ob man Umweltfreundlichkeit wirklich nur auf den CO2-Ausstoß reduzieren kann? Ob man da nicht auch den Wasserverbrauch einbeziehen sollte, sauberes Abwasser und saubere Luft? Slumbewohner, etwa in Sao Paulo, erzeugen sicher wenig CO2, umweltfreundlich sind ihre Viertel aber nicht unbedingt – mal ganz abgesehen von der Lebensqualität.
    Trotzdem eine interessante Grafik.

  2. #2 miesepeter3
    23. November 2011

    Ich weiß nicht, wie diese Werte ermittelt wurden. Hat man die Produktion von C0² irgendwie anhand von Anzahl der Autos und Feuerstellen in den Häusern errechnet und dann miteinander in Beziehung gesetzt? Oder einfach nur den CO² Gehalt in der Luft gemessen? Dann sind die beiden Städte so nicht vergleichbar. New York liegt an der See, immer ein bißchen Wind, der das ganze schön auf ein wesentlich größeres Gebiet verteilt und die Luft im Stadtgebiet schön “verdünnt”.
    Stuttgart ist wohl dafür eine der ungünstigsten Städte Deutschlands. Es liegt in einem Talkessel, in dem sich die Luft staut und auch bei weniger als 4 Windstärken kaum einen Abfluß hat. Und diese Konstellation hat es dann etwa 200 Tage im Jahr.
    Solche Statistiken mache ich auch gerne, um meine Bosse zufrieden zu stellen.
    Aber mitder Wirklichkeit hat das nicht viel gemeinsam. Is wohl nix mit Umweltfreund in N.Y. oder?

  3. #3 mattiscb
    23. November 2011

    Ist eigentlich auch logisch.
    * Städte haben ÖPNV
    * Mehrfamilienhäuser haben ein günstigeres Verhältnis von Wohnfläche zu Außenwandfläche -> Heizungstechnisch günstiger
    * Wege sind kürzer, z.B. weniger Leitungsverluste beim Strom
    * Mehr Abnehmer erlauben z.B. Fernwärmeversorgung und effizientere Energieerzeugung

    Warum nun gerade Stuttgart als Beispiel für D herangezogen wurde, versteh ich nicht – sieht das in anderen deutsche Städten ähnlich aus?

    Ansonsten: bitte Wohnung in Manhatten abschaffen, damit die Familie endlich Verstand gewinnt 🙂

  4. #4 ali
    23. November 2011

    Liegt wohl auch daran, dass NYC eine der höchsten Nutzungsraten des öffentlichen Verkehrs weltweit hat (zumindest so etwas habe ich mal gelesen).

    Was nicht ganz klar ist aus dem Beschrieb: Zählt die Quelle der verbrauchten Energie mit oder nicht? Weil dass man in Manhattan keine Kohlenkraftwerke baut ist ja nicht weiter erstaunlich. Wenn die dann auf dem Land in die Kalkulation einbezogen werden aber den Strom für NYC produzieren, ist irgendwie etwas falsch.

    Der Verschreiber war übrigens schön (oder war es Absicht?:

    Ohne unsere Wohnung in Manhattan hätten meine Familie und ich längst den Verstand, oder wenigstens ein gutes Stück Lebensfreude gewonnen.

  5. #5 Jürgen Schönstein
    23. November 2011

    Es gab in den 90-er Jahren mal eine Umfrage unter New Yorkern, laut deren Resultat man ein bisschen verrückt sein musste, um dort zu leben 😉

    Was die Energieerzeugung angeht: Es ist ja durch die Verbundnetze inzwischen praktisch unmöglich, die Herkunft des Stroms aus der Steckdose zu lokalisieren, aber New York City hat eine ganze Menge Kraftwerke in Betrieb (die fünf Stadtbezirke New Yorks heißen Bronx, New York, Kings, Queens und Richmond).

    @miesepeter
    Es geht um den “ökologischen Fußabdruck”, nicht um die Luftbelastung. In verdichteten Siedlungsräumen braucht’s nun mal weniger Energie für Transport oder Heizung.

    @Roland
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass der ökologische Fußabdruck eines Slumbewohners, egal wo, minimal ist. Denn der Verbrauch von Energie und Wasser ist der “Preis” für unsere Lebensqualität; beide sind einem Slumbewohner nur in sehr geringem Maß verfügbar.

  6. #6 BreitSide
    23. November 2011

    xxx

  7. #7 Enkrod
    1. Dezember 2011

    Ich verweise mal auf -> http://www.ted.com/themes/the_power_of_cities.html

    Sehr interessante Talks für Leute die das Thema interessiert. (Notfalls auch mit deutschen Untertiteln)

  8. #8 Enkrod
    1. Dezember 2011

    P.S.: Leider ist es auf der “Power of Cities”-Seite noch nicht dabei, aber Alex Steffen hat zu dem Thema Städte einen sehr interessanten Vortrag gehalten. http://www.ted.com/talks/alex_steffen.html