Das Thema, ob Früherkennungs-Untersuchungen sinnvoll sind oder ob sie mehr schaden als nützen, beschäftigt mich ja immer wieder mal, Gerade erst hatte ich darüber gepostet, dass der Nutzen der Darmspiegelung, der in Diskussionen ja durchaus umstritten ist, sich zumindest statistisch nun belegen lässt. Aber natürlich gibt es auch sehr begründete und ernst zu nehmende Gegenpositionen, eine davon in der Dienstagausgabe der New York Times, die von Gilbert Welch verfasst wurde, der als Professor für Medizin am Dartmouth Institute for Health Policy and Clinical Practice lehrt und der sich auch als Buchautor mit dem Thema Überdiagnose befasst hat. Seine These ist:

The basic strategy behind early diagnosis is to encourage the well to get examined — to determine if they are not, in fact, sick. But is looking hard for things to be wrong a good way to promote health?The truth is, the fastest way to get heart disease, autism, glaucoma, diabetes, vascular problems, osteoporosis or cancer … is to be screened for it. In other words, the problem is overdiagnosis and overtreatment. (…) This process doesn’t promote health; it promotes disease.

Mit anderen Worten: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Und das ist, so trivial es klingt, durchaus plausibel, auch wenn ich persönlich das Wissen vorziehe. Ist halt wie mit Schrödingers Katze: Letztlich ist es (in diesem Gedankenexperiment, zu dem ich ansonsten auch eine etwas andere Meinung habe), nicht der radioaktive Zerfall, der der Katze den Schaden zufügen wird, sondern unsere Neugier – so lange die Kiste zu bleibt, ist alles (scheinbar?) in Ordnung.

Ich würde diese Überlegung gerne zur Diskussion stellen. Wer hat eine (andere) Meinung zu dieser Schrödinger-Diagnose?

flattr this!

Kommentare (39)

  1. #1 Dr. Webbaer
    28. Februar 2012

    Richtig ist natürlich, dass die Menschen (vs. Bären) meist in einem “Henker-Dilemma” Leben wollen und nicht die Dauer des Lebens für Zufriedenheit sorgt, sondern die Qualität desselben.

    MFG
    Dr. Webbaer (dem von einem dicken bärtigen Arzt von Vorsorgeuntersuchungen eher abgeraten worden ist mit der merkwürdigen Argumention (sinngemäß) “Dann wissen Sie das Sie Krebs haben, und? Und?”)

  2. #2 Schmidts Katze
    28. Februar 2012

    Ich sehe nicht, warum das plausibel ist.
    Curiosity kills the cat?

  3. #3 BreitSide
    28. Februar 2012

    Naja, es ist ja nun doch nicht so, dass alle Krankheiten durch Ignorieren weggehen. Gerade gegen Krebs kann man ja inzwischen eine ganze Menge tun. Je mehr, je früher er erkannt wird.

    Und ich kann mich noch gut an eine Sendung über Parkinson erinnern, in der sich der frühere Stuttgarter OB Rommel bitter beklagte, dass durch die zu späte Diagnose sein Parkinson nicht mehr richtig behandelt werden konnte.

    “Überdiagnose” gibt es ja eigentlich gar nicht. Es ist nur die Frage, wie ich mit den Diagnosen umgehe.

    Ist es wirklich ernst, bin ich froh, dass ich es weiß, entweder für Maßnahmen oder um den Rest meines Lebens zu gestalten.

    Ist es eine Wahrscheinlichkeit, dass etwas bösartig wird, kann ich in den meisten Fällen mein Verhalten verändern, um die Wahrscheinlichkeit zu verringern. Mache ich ja jetzt schon: ich rauche nicht, schnalle mich an, treibe so ein klein wenig Sport und so weiter. Perfekt bin ich nicht, und durch den einen oder anderen Anstoß von außen verändere ich mein profülaktisches Verhalten immer mal wieder. Und dieser Anstoß kann ein allgemeiner Artikel sein (“Zahnentzündungen begünstigen Herzinfarkt”) oder eben ein Befund (“Ihr Blutdruck ist zu hoch”).

    Ist es ein harmloser Befund, besteht auch kein Grund zur Veranlassung.

    Ausschließen müsste man natürlich falsche Befunde, aber das ist ja trivial.

    Ein Effekt ist der Umgang des Arztes mit dem Befund. Bekannt ist, dass das lapidare Erwähnen eines leicht erhöhten Blutdrucks diesen dann erst recht weiter steigern kann. Schafft er es, die Befunde richtig in die Gesamtgefährlichkeit des Lebens einzuordnen, hat der Patient die Chance, das Risiko real einzuschätzen.

    Aber wir sind es ja gewohnt, überhaupt nicht über unsere Gesundheit oder andere Lebensrisiken nachzudenken. Dadurch wird jede kleine Diagnose so ein Problem.

    Die Benachrichtigung wird wohl wieder nicht funktionieren, trotz “MT-Notifier” oder so. Also ab zu den Lesezeichen.

  4. #4 Joseph Kuhn
    28. Februar 2012

    Ich fürchte, dass man nicht alle Früherkennungsuntersuchungen (von der Kariesfrüherkennung bis zur Mammographie) über einen Kamm scheren kann und bei jeder Früherkennung das Verhältnis von Risiken und Nutzen konkret abgewogen werden muss. Dabei sind unnütze Diagnosen nur ein Mosaikstein.

  5. #5 JB
    29. Februar 2012

    Ich finde im Gegenteil, dass eine Kultur der Vorsorge geschaffen werden sollte – und zwar sowohl im physischen als auch im psychischen Bereich. Wir sollten lernen, medizinische Risiken besser einschätzen zu können und zu unterscheiden, was wirklich gefährlich oder krankhaft ist, und was ungefährlich bzw. normal ist, und wie man am besten damit jeweils umgeht. Autismus oder Diabetes verschwinden jedenfalls nicht dadurch, dass man sie ignoriert – im Gegenteil.
    Meine eigenen Probleme wurden jahrelang von meinen Eltern mit “wird schon wieder” oder “reiß dich zusammen” abgetan, und jetzt habe ich den Salat. Nein, danke, das ist _nicht_ hilfreich.

  6. #6 Dr. Webbaer
    29. Februar 2012

    Ich finde im Gegenteil, dass eine Kultur der Vorsorge geschaffen werden sollte (…)

    Das bringt es vielleicht auf den Punkt, niemand hat etwas dagegen wenn Vorsorgeuntersuchungen, bspw. bei Risikogruppen, (freiwillig) durchgeführt werden und sich hier ein messbarer Nutzen ergibt.

    Problematisch kann es werden, wenn der Vorsorgegedanke zur ‘Kultur’ wird und die allgemeine Lebensqualität schädigt. [1] – Zumindest hat der Schreiber dieser Zeilen seinen damaligen Arzt, den werten Inhaltemeister und den im Artikel Zitierten so verstanden.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] vgl. auch Antiraucherbemühungen und ähnliches beim werten Kollegen Kuhn

  7. #7 miesepeter3
    29. Februar 2012

    Auch in Deutschland sterben heute weniger Frauen an Brustkrebs, als noch vor 10 Jahren. Trotzdem sterben bei uns wesentlich mehr Frauen (prozentual) daran, als im restlichen Europa. Müssen wir daraus folgern, das unsere tollen Vorsorgeangebote nix taugen oder nicht oft genug in Anspruch genommen werden?
    Nun, immer mehr junge Frauen überleben den Brustkrebs. Das kann man aber nicht den Vorsorgeuntersuchungen zugutehalten, denn für junge Frauen zahlt die Kasse dafür nix. Unsere Vorsorge ist nur für Frauen ab 50 unentgeltlich. Es muß da wohl mehr an den verbesserten Behandlungsmethoden liegen.
    Es scheint also so zu sein, dass trotz massiven Einsatz von Technik unsere Behandlungen von Brustkrebs irgendetwas vernachlässigen, was im Ausland besser ist und offensichtlich führt das Vorsorgeangebot allein nicht zu höheren Überlebendsraten.

  8. #8 BreitSide
    1. März 2012

    @Titelgeiler Schadpetz: Blahblahblah. Früher war mehr Lametta.

    @JB: Richtig, ich kenne auch solche Familien, die jegliche Krankheit negieren:”Solange ich es nicht weiß, bin ich nicht erkrankt”. Die sind mE noch schlimmer als die Hypochonder. Die sind nur lästig, die Untersuchungsverweigerer gefährden ihr Leben. Was schlimm ist, wenn sie einem nahe stehen.

    @miese: Was bitte willst Du uns sagen? Dass höhere Überlebensraten “an den verbesserten Behandlungsmethoden liegen“? Respekt. Für so schlau hatte ich Dich jetzt nicht gehalten.

  9. #9 michael
    1. März 2012

    @MP3
    > … vernachlässigen, was im Ausland besser ist und offensichtlich führt das Vorsorgeangebot allein nicht zu höheren Überlebendsraten.

    Sterben nun in D mehr Frauen über 50 an Brustkrebs als im Ausland, oder mehr Frauen unter 50 ?

    neh, sie riskieren es, früher zu sterben.

  10. #10 miesepeter3
    1. März 2012

    @BreitSide

    “@miese: Was bitte willst Du uns sagen? Dass höhere Überlebensraten “an den verbesserten Behandlungsmethoden liegen”? Respekt. Für so schlau hatte ich Dich jetzt nicht gehalten.”

    Zwei !!

    Die höhere Überlebensrate hätte auch an einer wirksamen Vorsorgeuntersuchung liegen können, bei der man die Krankheit eben sehr viel früher hätte feststellen und damit wirksamer behandeln können. Und das würde dann auch bei nicht verbesserten Behandlungsmethoden gelingen.
    Aber Untersuchungen haben festgestellt, das wegen des großen vorsorglichen Einsatzes der Mammograhie keine größere Überlebenschance erreicht wird.
    Wenn dem so ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das auf die verbesserten Behandlungsmethoden zurückzuführten ist, sehr groß. Und wenn die unter 50- jährigen diese Vorsorge gar nicht erst bekommen und trotzdem besser überleben, dann kann es nicht an der Vorsorge gelegen haben.
    Begriffen?

  11. #11 miesepeter3
    1. März 2012

    @ michael

    mehr über und mehr unter 50, eben gesamt mehr.

  12. #12 Thomas R.
    1. März 2012

    @miesepeter3

    Moment, ich glaube, ich habe Ihre These verstanden:
    “Für den Erfolg einer Krebstherapie spielt es keine Rolle, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Stadium der Krebs festgestellt wird. Entsprechend spielt es auch keine Rolle, wie früh mit der Behandlung begonnen wird.”

    Das ist dann der Zeitpunkt, wo ich um Quellen bitte oder ersatzweise den ganzen Unsinn genau so nenne.

  13. #13 Regina
    1. März 2012

    @BreitSide: profülaktisches = das kann nicht Ihr Ernst sein?

  14. #14 miesepeter3
    1. März 2012

    @Thoams R.

    “Moment, ich glaube, ich habe Ihre These verstanden:”

    Mhh, nee, das glaub ich eher weniger.

    Also noch mal zusammen:

    In Deutschland sterben heutzutage weniger Frauen an Brustkrebs, als noch vor 10 Jahren. Trotz flächendeckendem und sehr fleißigen Einsatz von technischen Vorsoreuntersuchungen (Mammograhie) ist die Überlebensrate der Teilnehmerinnen, fast nur Frauen über 50, aber gleich geblieben. Die Verbesserung der Überlebensrate insgesamt kommt von den stark gestiegenen Überlebenschancen bei jungen Frauen, die nicht in den Genuß der Vorsorgeuntersuchungen kamen. Daraus kann man schließen, dass die Vorsorgeuntersuchungen nicht das halten, was man sich von ihnen versprochen hatte und dass die Behandlungsmethoden bei der Brustkrebsbekämpfung bei jungen Frauen sich stark verbessert haben. Bei den jungen als auch den alten Frauen gilt aber nach wie vor, je früher der Krebs erkannt wird, desto erfolgreicher die Behandlung. Die Vorsorgeuntersuchungen schaffen ein früheres Erkennen offensichtlich nicht im gewünschten Rahmen.
    Deine Schlußfolgerungen sind einfach nur schwachsinnig.

  15. #15 BreitSide
    1. März 2012

    Regina· 01.03.12 · 12:12 Uhr Zitat[x]

    @BreitSide: profülaktisches = das kann nicht Ihr Ernst sein?

    Sorry, hast Recht, das sollte profühlaktisch heißen. Ist ja auch ein gutes Gefühl…

    Ich schreib ja auch Büro und nicht Bureau und Frisör und Foto.

    Im Ernst: die deutsche Sprache wandelt sich ja laufend, und ich greife da nur etwas vor.

    @miese: Du betreibst hier ganz miese Schlussfolgerungen.

    Nur mal ein paar Beispiele:
    – VU wird erst ab 50 bezahlt. Heißt das, dass sie dann keiner nutzt? Es soll Leute geben, die zahlen freiwillig was für ihre Gesundheit.
    – Du vergleichst mit “anderen Staaten”. Und blendest natürlich total aus, ob zB
    – in anderen Staaten mehr vorsorgeuntersucht wird,
    – in anderen Staaten andere Gesundheitssysteme etabliert sind,
    nur um ein paar mögliche Fehelerquellen zu benennen.

    Auf Deutsch: Du vergleichst Äpfel mit Birnen.

  16. #16 michael
    1. März 2012

    @MP3

    Werd mal etwas genauer:

    1. Wer oder was ist dieses ominöse Ausland ?
    2. Wie erhält es sich denn mit den Erkrankungen? Erkranken in D mehr an Brustkrebs oder in Deinem Ausland?
    3. Und wo hast Du Deine Zahlen her?

    @BS
    > profülaktisches

    nicht eher progalaktisch ?

  17. #17 M.K.
    1. März 2012

    Der Nutzen vieler Früherkennungsuntersuchungen muss leider generell in Frage gestellt werden. Dazu ein Zitat des früheren Präsidenten der Deutschen Krebsgesellschaft, Prof. Dr. med. Lothar Weißbach, aus dem vorletzten Ärzteblatt:

    “1. Die Krebsfrüherkennung ist teuer und erfüllt nicht ihre Aufgaben.

    Die Nutzen-Schaden-Bilanz für Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung ist, sofern sie überhaupt durch randomisierte kontrollierte Studien belegt wurde, zwiespältig. Zudem ist keine der vorhandenen Screeningstudien groß genug, um nachzuweisen, dass die Gesamtmortalität für einzelne Tumorentitäten durch Reihenuntersuchungen abnimmt. Die derzeit verfügbaren Daten zeigen aber, dass Überdiagnosen und daraus resultierende Überbehandlungen mindestens zehnmal häufiger sind als verhinderte Todesfälle. So kann Früherkennung aus einem Gesunden einen chronischen Patienten machen.”

  18. #18 BreitSide
    1. März 2012

    @BS
    > profülaktisches

    nicht eher progalaktisch ?

    Sooo dick wollte ich dann doch nicht auftragen.

    Aber es stimmt. Progalaktisch macht viel mehr Sinn als antigalaktisch…

    Oder meintest Du eher eine Zuneigung zu Milchmädchen?

  19. #19 BreitSide
    1. März 2012

    @M.K.: So eine Aussage hat natürlich Gewicht. Meint er damit alle Krebsfrüherkennungen?

  20. #21 M.K.
    1. März 2012

    Hier noch sein Fazit:

    “Fazit 2012: Ein Nutzen derzeitiger Maßnahmen zur Krebsfrüherkennung kann nicht belegt werden. Sie kosten die Solidargemeinschaft viel Geld (nicht zuletzt durch die Folgekosten der Überbehandlungen) und einige Teilnehmer ihre Gesundheit.”

  21. #22 michael
    1. März 2012

    @BreitSide
    >Oder meintest Du eher eine Zuneigung zu Milchmädchen?

    Frühlingsgefühle ? In Deinem Alter ?

  22. #23 BreitSide
    1. März 2012

    @michael: Du kennst den schlesischen Schwan? Herrlich!

    Ansonsten: liegt auch auf dem Dach der Schnee, ist der Ofen noch lange nicht aus – oder so ähnlich…

    Jopis Arzt sagte auch mal, dass im Alter die Gefahr beim Sex zu groß würde. Jopi:”Dann stirbt sie eben!”.

  23. #24 michael
    2. März 2012

    > Du kennst den schlesischen Schwan?

    klar doch:

    Willst Du stolzen Preis gewinnen,
    willst gelangen Du zum Ziele,
    muß der Schweiss herunterrinnen
    von der Decke bis zur Diele!

    Man lästert zwar gerne über die Gedichte aber :

    Kaiser Wilhelm I. bezog sich ausdrücklich auf ihre Denkschrift mit der Anweisung an die Regierungsbehörden, für die Einrichtung von Leichenhäusern Sorge zu tragen. 1871 wurde in Preußen eine Frist von 5 Tagen zwischen Tod und Beerdigung eingeführt.

    Auch F.’s Proteste gegen die Vivisektion fanden Widerhall: „Ein Mensch mißbrauchend die Gewalt und Stärke, ein lebend Herz zerreißen – wie? Wer gleicht denn hier dem wilden Tiere? Ist es der Mensch, ist es das Vieh?“

    1889 erklärte sie in einer Schrift „Gegen die Einzelhaft oder das Zellengefängnis“: Alleinsein kann nur der Glückliche, der Vorurteilsfreie, ganz allein sein im buchstäblichen Sinne kann niemand, ohne zu verzweifeln oder den Verstand zu verlieren.“ Mit Gedichten und laufenden Eingaben bewirkte sie, daß die bis dahin übliche „Einzelhaft auf Lebenszeit“ für Schwerverbrecher durch Ministerialerlaß abgeschafft und im übrigen auf begründete Fälle eingeschränkt wurde

  24. #25 MoritzT
    2. März 2012

    Es gibt ausnahmsweise bei der Brustkrebsvorsorge (per Mammographie) sogar einen Grund, warum die erst ab 50 bezahlt wird und vorher nicht: bei prämenopausalen Frauen ist der Test zu schlecht. In den (vielen, vielen) Studien ist genau das herausgekommen. Selbstverständlich kriegen auch Frauen unter 50 Brustkrebs, und das ist sogar den Ärzten klar … aber so ein vernünftiger Vorsorgetest erfindet sich nicht über Nacht, und die Alternativen sind entweder zu teuer (PET-CT, MRT), zu gefährlich (PET-CT) oder zu unspezifisch (MRT, Sonographie). Krebsmarker sind in der Vorsorge bisher eh Quatsch.

    Neben der Mammographie (in der Gruppe > 50 Jahre) ist nur bei der Coloskopie überhaupt eine Verringerung der krankheitsspezifischen Mortalität belegt. Der Cervixabstrich z.B. wurde zu einer Zeit eingeführt, als einem sowas wie nachweisbasierte Medizin noch eher Wurscht war. Es wäre aber ethisch nicht vertretbar, den Cervixabstrich heute randomisiert in der Risikogruppe zu testen. Andere Sachen könnten funktionieren (Dünnschicht-CT zur Früherkennung des Lungenkrebses in der Risikogruppe, Ösophago-Gastro-Duodenoskopie bei Ösophagus-Ca und Magen-Ca), da ist aber meistens die Studienlage eher dünn oder widersprüchlich oder (ähnlich wie beim Cervix-Ca) die Ausgangslage schon so verfälscht, dass eine echte, strenge randomisiert-kontrollierte Studie ethisch nicht vertretbar ist.

  25. #26 BreitSide
    2. März 2012

    @michael: So wusste ich das nicht.

    Scheint mir wie die gute Pollack von Parnegg: http://www.symptome.ch/vbboard/humor/2280-frau-pollack-parnegg.html

    Sie hat herzerfrischende Malapropisms abgeliefert, aber nach Hitlers Einmarsch in Österreich sprang sie vom Balkon in den Tod.

  26. #27 Nikolai Schweigert
    5. März 2012

    Ich kann dem Artikel -zumindest in Teilen- nur zustimmen: Warum? Weil in ihm etwas berücksichtigt wird, was die Schulmedizin nur allzu gerne verdrängt, da es ein systematisches Erkenntnisproblem ist. Schulmedizin kann tätig werden, wenn sie bestimmte Dinge diagnostizieren kann (in aller Eindeutigkeit) und kann dann -im zweiten Schritt- Symptome bekämpfen (aber nur selten Ursachen!). Siehe Krebstherapien, komplexe Stoffwechselkrankheiten, schwer zu fassende diffuse Beschwerden (siehe Reizdarm) etc.

    Der Präventionsgedanke ist noch immer nicht verinnerlicht, weil dem schulmedizinischen Lehrkanon schlicht der “Angriffspunkt” fehlt (wo setzen wir an, um was zu bewirken?): Die chinesische Medizin sieht das beispielsweise ganz anders. Hier wird der Mensch in seiner Gesamtheit gesehen und nicht Organ für Organ “gescannt”. Wichtig: Mir geht es hier ausdrücklich nicht um Pros und Contras zwischen Schulmedizin und TCM! Sondern um ein grundlegendes Verständnis. Wollen wir als Patienten Krankheit als Angstraum und Zufluchtsort sehen, als Kanal, und die Verantwortung immer Richtung Arzt schieben (der Arzt soll es finden, der Arzt soll es richten), oder müssen wir vielleicht umdenken?

    Spannend in diesem Zusammenhang ist ja in diesem Kontext der Nocebo-Effekt: Man kann krank werden, allein dadurch, dass man beispielsweise Nebenwirkungen von Packungsbeilagen intensiv studiert und sich darüber den Kopf zerbricht. Was die Schulmedizin erst anerkennen muss, ist die Tatsache, das unser Gehirn unsere Körperzellen programmieren kann und einen Einfluss auf unseren Organismus hat.

    “Sich gesund zu denken”, steht in keinem schulmedizinischen Lehrbuch. Ist auch an dieser Stelle vielleicht überspitzt. Aber aus welchem Grund bitte soll unser Körper komplett an unserem Denken, an unserer Einstellung, an unseren inneren “Mustern” vorbei autark seine täglichen Prozesse regeln, uns also zu externen Betrachtern unserer eigenen Gesundheit machen? Das wäre absolut vereinfacht, so zu denken…

    Ich bin mir sicher, dass auch die Schulmedizin schon in 25 Jahren anders denken wird in diesem Punkt, anders sein, als wir es heute erahnen…

  27. #28 Dagda
    5. März 2012

    @ Nikolai Schweigert
    Schulmedizin ist die einzige Medizin, die diesen Namen verdient; sogenannte Alternativ”medizin” ist meist nur Quacksalberei.

    Prävention ist natürlich ein wesentlicher Bestandteil der Medizin, häufig wird das nicht explizit gemacht, aber bei fast jedem Arztbesuch wird Prävention betrieben, z.B. wird der Blutdruck gemessen (das wäre dann ein Beispiel für Sekundärprävention).

    Das man nicht nur den ganzen Menschen betrachten kann sondern auch einzelne Organe betrachten muss, liegt im Wesen der Früherkennung, den man kann Brustkrebs irgendwann am ganzen Menschen erkennen, aber erst wenn er sich über die Brust ausgebreitet hat;
    Dazu kommt dass der Ganzheitsbegriff der Traditionellen Chinesischen Medizin jede Grundlage in Physiologie und Anatomie fehlt; Es gibt keine Meridiane.

    Was die Beziehung zwischen “Geist” und Körper angeht, die gibt es und ihr wird in der Medizin natürlich Rechnung getragen, das Stichwort hier wäre Psychosomatische Medizin, aber natürlich beschäftigen sich alle Fachrichtungen der Medizin mit psychosomatischen Erkrankungen.

  28. #29 Nikolai Schweigert
    5. März 2012

    @ Dagda

    Genau Deine Kritik ist eine solche, die eine bestimmte Geisteshaltung reflektiert, die -zumindest vorsichtig gesagt- immer noch ein Rollenverständnis von Krankem zum Behandler impliziert – Der Arzt, der helfen kann. Dein Einwand zur TCM verstehe ich. Wenn Du aber meinen Post genau liest, stellst Du fest, dass es hierum nicht ging. Auch in muss nicht an Medidiane glauben. Fakt ist aber auch: Für viele diffuse Beschwerden hält die Schulmedizin einfach noch keine wirklich passable Antwort bereit. Beispielsweise komplexe Allergien, mehr und mehr zunehmende Nahrungsmittelintoleranzen, diffuse Beschwerden des Magen/Darm-Trakts, chronische Erschöpfungszustände, Probleme des eigenen Energiestoffwechsels, Neurodermitis und unzählige Dinge mehr.

    Hier kann der Arzt meist nur sagen: Es ist nicht klinisch / sie sind de fakto gesund. Oder “Die Herkunft von Neurodermitis ist noch nicht entschlüsselt” oder “das ist im Zweifel dem rheumatischen Formenkreis zuzuordnen”…

    Worauf ich hinaus will: Die Medizin vor 50 Jahren war weniger entwickelt als heute. In in vielen Punkten aber verhält sich das Wissen immer noch so, dass es sich bestimmten Bereichen verschließt bzw. in seinen “Grundfesten” noch nicht wirklich weiter ist.

    Sicherlich stimmst Du mir zu, dass kein Pharmaunternehmen der Welt ein Interesse daran hat, ob Akupunktur funktioniert, oder nicht. Nadeln im Centbereich aus China sind nichts, womit Profite gemacht werden können. Keine Lobby interessiert sich dafür, hier im großen Stil zu forschen. Und doch haben selbst die gesetzlichen Krankenkassen jetzt die Wirksamkeit für bestimmte Indikationen bestätigt.

    In meinem Post geht es NICHT um psychosomatische Erkrankungen, sondern um ganz klar definierte Regenerationssysteme unseres Körpers, die wir selber programmieren, durch Ernährung steuern, durch meiden bestimmter Nahrungsmittel modulieren, durch bestimmte Vitalstoffe in Gang bringen, durch verändertes Denken aktivieren, …

    Bist Du selbst schon einmal mit Zytostatika in Berührung gekommen? Weißt Du, wie hochgradig toxisch Medikamente zur Chemotherapie sind? So sehr, dass es genaue Anweisungen für das Personal gibt, wie mit solchen Präparaten umzugehen ist, um nicht die eigene Gesundheit zu gefährden. Damit möchte eigentlich von Natur aus keine Körperzelle in Kontakt kommen. Die Medizin der Zukunft erkennt also bestimmte Dinge, BEVOR sie akut werden. Da wären wir wieder u.a. beim Thema Ernährung, über welches sich konkret bestimmte biochemische Prozesse im Körper regulieren lassen. Beispiel: chronisches Sodbrennen / Reflux, Magenschleimhautentzündungen, Leaky-Gut-Syndrom, … Ließe sich in sicherlich 85% ALLER Fälle nur auf natürliche Weise komplett abstellen, wenn das Gesundheitswesen interessiert wäre, alternativmedizinisch im Sinne ganzheitlicher Konzepte zu denken (Darmaufbau, Aminosäurenbilanz überprüfen, Vitalstoffdefizite ermitteln, Nahrungsintoleranzen scannen und Lebensmittel konsequent für 12-18 Monate meiden) > Aber die Schulmedizin antwortet nur allzu oft mit Protonenpumpenhemmern bei Magensäureproblemen. Leider erkauft sich der Patient, der sowas dauerhaft nutzt, damit langfristig die nächsten Probleme: Das Dünndarmmilieu gerät ins Ungleichgewicht, Vitalstoffe werden schlechter resorbiert, (weitere) Nahrungsmittelintoleranzen enstehen, das Immunsystem ist auf Daueralarmbereitschaft mit allen unschönen Folgen für die eigene Gesundheit. Die Magensäure zu blockieren ist somit nur oberflächlich eine Hilfe: Ein Auto mit kaputten Reifen braucht keine neue Luft in die platten Pneus (kurzfristige Hilfe), sondern jemand muss das Loch beseitigen. Das ist es, was der Schulmedizin heute in vielen Punkten erst langsam klar wird. Was ist das Problem hinter dem Problem???

  29. #30 Dagda
    5. März 2012

    @ Nikolai Schweigert
    Also zuerst einmal: Warum sollten Pharmaunternehmen kein Interesse an Akupunktur haben? Wenn sie den wirken würde, würde ihre Erforschung sicherlich einsichte in die menschliche Physiologie liefern die für Pharmaunternehmen interessant wären. Das Problem ist nur das Akupunktur nicht wirkt (oder zumindest bislang keine Studie zeigen konnte das sie wirkt; ja sie wird von den gesetzl. Kassen z.B. für Rückenschmerzen bezahlt, aber das hatte im wesentlichen politische Gründe, in den dafür relevanten Studien insbesondere GERAC kamm die Akupunktur nicht über eine Placebowirkung hinaus)

    In meinem Post geht es NICHT um psychosomatische Erkrankungen, sondern um ganz klar definierte Regenerationssysteme unseres Körpers, die wir selber programmieren, durch Ernährung steuern, durch meiden bestimmter Nahrungsmittel modulieren, durch bestimmte Vitalstoffe in Gang bringen, durch verändertes Denken aktivieren, …

    Ist äußerst vage; Aber das man durch das weglassen von Narung etwas beeinflussen können soll ist bestenfalls unplausibel.

    Das Chemotherapeutika toxisch sein können liegt in ihrer Natur, nicht alle Chemotherapeutika sind überhaupt toxisch: Penicillin z.B. ist in der Regel gut verträglich(Antibiotika gehören auch zu den Chemotheraoeutika) ; Aber das liegt nur an de Zielgenauigkeit Tumorzellen unterscheiden sich von anderen Körperzellen einfach nicht genug als das sich bei vielen Chemotherapeutika schwerer Nebenwirkungen vermeiden ließen, anders als das bei Bakterien und Körperzellen der Fall ist. (Die Warnhinweise sind angebracht da das Personal nicht erkrankt ist und damit nicht von einer Chemotherapie profitiert, anders als ein an Krebs erkrankter Patient).

    Die Medizin der Zukunft erkennt also bestimmte Dinge, BEVOR sie akut werden

    Das gelingt auch der heutigen Medizin schon ganz gut, das dies nicht bei allen Erkrankungen gut gelingt liegt an einer Vielzahl von Faktoren und hängt stark von der jeweiligen Krankheit ab.

    chronisches Sodbrennen / Reflux, Magenschleimhautentzündungen, Leaky-Gut-Syndrom, … Ließe sich in sicherlich 85% ALLER Fälle nur auf natürliche Weise komplett abstellen, wenn das Gesundheitswesen interessiert wäre, alternativmedizinisch im Sinne ganzheitlicher Konzepte zu denken (Darmaufbau, Aminosäurenbilanz überprüfen, Vitalstoffdefizite ermitteln, Nahrungsintoleranzen scannen und Lebensmittel konsequent für 12-18 Monate meiden) >

    Hm da ist die Alternativmedizin aber etwas spät dran, den eine konservative Therapie mit Umstellung der Ernährung und Meidung von Risikofaktoren ist bei leichten Beschwerden eigentlich immer indiziert, bei schweren Symptomen und entsprechenden Gastroskopiebefunden wird dann auch ein Protonenpumpeninhibitor gegeben. Viel mehr ist aber auch nicht nötig;

    Das ist es, was der Schulmedizin heute in vielen Punkten erst langsam klar wird. Was ist das Problem hinter dem Problem???

    Das Problem erscheint mir hier ihre mangelnde Kenntnis der Physiologie und Pathophysiologie

  30. #31 Nikolai Schweigert
    6. März 2012

    @dagda

    “Das Problem ist nur das Akupunktur nicht wirkt (oder zumindest bislang keine Studie zeigen konnte das sie wirkt; ja sie wird von den gesetzl. Kassen z.B. für Rückenschmerzen bezahlt, aber das hatte im wesentlichen politische Gründe, in den dafür relevanten Studien insbesondere GERAC kamm die Akupunktur nicht über eine Placebowirkung hinaus)”

    Da sind Sie leider nicht auf dem neuesten Stand. Genau diese Studien sind in den letzten 2 Jahren entstanden, Quellen müsste ich raussuchen, liefere ich aber gerne nach. Seit neuestem gibt es Studien, die die Wirksamkeit von Akupunktur zum Beispiel bei Allegien bestätigen. Hier werden Sie erleben, dass sich die Krankenkassenleistungen dementsprechend in den nächsten 1-2 Jahren ausweiten.

    “Hm da ist die Alternativmedizin aber etwas spät dran, den eine konservative Therapie mit Umstellung der Ernährung und Meidung von Risikofaktoren ist bei leichten Beschwerden eigentlich immer indiziert, bei schweren Symptomen und entsprechenden Gastroskopiebefunden wird dann auch ein Protonenpumpeninhibitor gegeben. Viel mehr ist aber auch nicht nötig;”

    Leider auch nicht exakt in Ihrer Antwort, denn “Viel mehr ist aber auch nicht nötig” – Doch, ist es ja leider. Denn ich habe nichts gegen PPIs, wenn Sie KURZZEITIG gegegeben werden. Aber eventuell bringen Sie einmal die Umsatzzahlen für PPIs in Deutschland in Erfahrung. Seit noch gar nicht so langer Zeit sind PPIs ja jetzt auch freiverkäuflich (rezeptfrei – in niedrigerer Dosierung). Wenn also jemand chronischen Reflux hat, der seine Speiseröhrenzellen angreift und ihn nachts nicht schlafen lässt, dann ist es, wie sie wissen, ja mit einer kurzzeitigen Gabe vom Omeprazol nicht getan. Ergo: Er muss sie weiter nehmen (als Dauermedikation), mit den den ganzen Folgen, die ich bereits skizziert habe. PPIs haben Nebenwirkungen. PPIs können “Verdauungsprobleme” bereiten. Diese “Verdauungsprobleme” sind manifeste Störungen eines sehr fein abgestimmten Systems. Aus PPIs in der Langzeitgabe kann alles das erwachsen, was ich aufgeführt habe.

    “Das Problem erscheint mir hier ihre mangelnde Kenntnis der Physiologie und Pathophysiologie”

    Ich gestattete Ihnen gerne Ihre Position: Ich selber bleibe objektiv und werde diesen persönlichen Affront unkommentiert lassen. Denn die Antwort auf die oben genannte Frage konnten Sie nicht liefern (Siehe Reflux). Ständiges Sodbrennen / Reflux ist ganz ganz selten etwas, womit jemand “leben müsste”. Aber nicht, weil PPIs Linderung bringen, sondern, weil DIES die richtige Kette an Behandlungsmethoden wäre:

    > Darmaufbau, Aminosäurenbilanz überprüfen, Vitalstoffdefizite ermitteln, Nahrungsintoleranzen scannen und Lebensmittel konsequent für 12-18 Monate meiden

    Leider hinkt der Wissensstand deutscher Allgemeinmediziner, was Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten und passende Behandlungsmöglichkeiten angeht, im Durchschnitt zum Beispiel hinter den USA hinterher. Hier kommt Labordiagnostik weitaus häufiger zum Einsatz und dann mit meist besseren Methoden…

  31. #32 georg
    6. März 2012

    @ Nikolai Schweigert
    Aus dem Wikipedia-Artikel German Acupuncture Trials:

    Die dreiarmigen Studien verglichen an über 3500 randomisierten Patienten die Wirksamkeit einer Akupunktur an chinesischen Akupunkturpunkten (Verum, lat. echt) mit einer Akupunktur an nicht chinesischen Punkten (sham, engl. für Vortäuschung) und einer konventionellen (pharmakologischen, Physiotherapie u.a.) Therapie. Moxibustion und eine Elektrostimulation von Akupunkturpunkten waren in den GERAC-Studien nicht zugelassen. Insgesamt erfolgten über 35.000 Akupunkturbehandlungen. Die Patienten waren gegenüber der Art der Akupunktur (Verum oder Sham) verblindet.

    Ergebnis:

    Ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Akupunkturformen Verum und Sham konnte in keiner der Studien gezeigt werden.

    Können Sie eine verblindete Studie vorweisen, bei der “Verum” gegenüber “Sham” signifikant besser abschneidet?

    Wenn nicht, kann man der Akupunktur zumindest das als positives Fazit zugutehalten:

    Die Kosten für eine aufwändige Akupunkturausbildung kann man sich sparen. Es reicht z. B. in einem Wochenendkurs zu lernen, wie man mit den Nadeln piekst. Wohin, ist zweitrangig. Diese “Kunst” kann eigentlich jeder ausüben, mit nachgewiesen gleicher Wirksamkeit.

    mfg georg

  32. #33 Dagda
    6. März 2012

    @ Nikolai Schweigert

    Da sind Sie leider nicht auf dem neuesten Stand. Genau diese Studien sind in den letzten 2 Jahren entstanden, Quellen müsste ich raussuchen, liefere ich aber gerne nach. Seit neuestem gibt es Studien, die die Wirksamkeit von Akupunktur zum Beispiel bei Allegien bestätigen. Hier werden Sie erleben, dass sich die Krankenkassenleistungen dementsprechend in den nächsten 1-2 Jahren ausweiten.

    Ersten Krankenkassenkleistungen sind kein Beweis für Wirksamkeit, zweitens müssten sie schon genauer sein wenn sie sagen es gäbe Studien die eine Wirksamkeit beweisen; Dann muss man sagen welche Form der Akupunktur meinen sie? Die klassische mit Nadeln oder so etwas wie Elektroakupunktur?
    Und schließlich gibt es dann immer noch keine gute Studie die belegt das Akupunktur wirkt;

    Darmaufbau, Aminosäurenbilanz überprüfen, Vitalstoffdefizite ermitteln, Nahrungsintoleranzen scannen und Lebensmittel konsequent für 12-18 Monate meiden

    Das ist Quatsch; Was hat das mit Reflux zu tun? Das Problem des Reflux ist Mageninhalt der aufgrund einer Spinkterinsuffizienz in die Speiseröhre zurückfließt;
    Was hat die Aminsäurebilanz damit zu tun? (was meinen sie damit überhaupt? Die Stickstoffbilanz wohl eher nicht?) Was sind Vitalstoffe? Bestimmt nicht die üblichen Vitamine und Mineralstoffe? Nahrungsmittelintoleranzen? Welche den? Lactose? Gluten? Was hat das dann wiederum mit dem Reflux zu tun? Wie und wieso scannt man danach? Sollte so etwas nicht symptome hervorrufen? Insbesondere Durchfälle?
    Protonenpumpenhemmer werden beim Reflux auch und vor allem gegeben um die Folgen des Reflux zu verhindern, inbesondere den Barretösophagus und das Adenokarzinom der Speiseröhre, keine ihrer sog. Behandlungsmethoden erscheint auch nur ansatzweise geeignet symptomatische oder gar eine kausale Therapie zu ermöglichen und da wären wir dann wieder bei der mangelnden Kenntnis in Physiologie und Pathophysiologie;
    Zur Alternativmedizinischen Diagnostik gibt es gerade einen Artikel im NEJM:
    http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMp1110812
    und hier gibt es einen Überblick über den Inhalt, falls man kein Subscriber ist:
    http://www.sciencebasedmedicine.org/index.php/a-surprising-article-about-integrative-medicine-in-the-new-england-journal-of-medicine-vs-patient-centered-care/

  33. #34 Nikolai Schweigert
    6. März 2012

    @Dagda

    “Und schließlich gibt es dann immer noch keine gute Studie die belegt das Akupunktur wirkt;”

    Das ist kein vollständiger Satz! Warum gibt es die Studien denn nicht (denn ich sagte ja, es gibt sie, nur ich muss selbst die Quellen dazu raussuchen!). Gegenbeweis?

    BTW: Es geht hierbei um ganz klassische Akupunktur (TCM), keine Elektroakupunktur, angewendet bei diagnostizierten Allergien.

    “Was sind Vitalstoffe? Bestimmt nicht die üblichen Vitamine und Mineralstoffe?”

    Doch, eben die ja. Vitamine (B-Komplex, E, u.s.w.), Prohormon “Vitamin” D, Magnesium, Kalium, Calcium, Eisen, Zink, Chrom, Wie ist die Versorgungslage des Patienten (Explizit nicht nur mit Fit B, sondern halt auch Zink, Kupfer, Eisen, Chrom, …

    “Was hat die Aminosäurebilanz damit zu tun?”

    Genauso, wie man Mineralstoffe im Blut bestimmen kann, kann auch unsere Aminosäureversorgung per Labordiagnostik bestimmt werden. Einige der Aminosäure haben darmschleimhautnährenden / -aufbauenden Effekt. Sie wären daher dann eventuell zu supplementieren, falls in diesem Bereich ein Mangel besteht.

    “Nahrungsmittelintoleranzen? Welche den? Lactose? Gluten?”

    Nicht Ihre üblichen Verdächtigen: Wie wäre es auch mit Tomate, Gurke, Zwiebel, Paprika, Senf, Weizen, Roggen, Gerste, Mais, Schafsmilch, Kuhmilch (NICHT die Laktose der Kuhmilch). Ist Ihnen bekannt, wie viele identifizierte Allergene die Kuhmilch enthält? Aber auch: Aspergillus niger, Schwefelverbindungen (Essig!), Zitronensäure (in tausenden Produkten als PH-Wert-Stabilisator enthalten), Lebensmittelfarben, die verschiedenen Süßstoffe (alle am Markt verfügbaren), Haushaltszucker (Sacharose), quasi alles, was wir als Lebensmittel so zu uns nehmen…

    Unser Dünndarm kann gegen ALL diese Dinge Intoleranzen entwickeln, mit den entsprechenden Immunreaktionen als Antwort.

    “Wie und wieso scannt man danach? Sollte so etwas nicht Symptome hervorrufen?”

    Man macht als aller erstes einen sinnvollen Labortest (z.B. igG, aber dann bitte mit Zellvolumenkontrolle um Falsch-Positiv- / Falsch-Negativ-Resultate zu reduzieren), parallel dazu Bestimmung der “Vitalstoffe”.

    “keine ihrer sog. Behandlungsmethoden erscheint auch nur ansatzweise geeignet symptomatische oder gar eine kausale Therapie”

    Interessant, dass -wiederum in den Vereinigten Staaten- häufig Lebensmittelintoleranz-Checks zum Einsatz kommen, wenn Patienten unterschiedlichste Verdauungsbeschwerden haben (z.B. ständiges chronisch wiederkehrendes Sodbrennen), bei uns hingegen eher selten! Was ist die Antwort der Schulmedizin auf die Frage: Woher kommt Neurodermitis?

    Ernährungsmedizin ist längst dabei, die Zukunft der Medizin zu verändern. Stichworte Funktional Food, Super Fonds, Nutriceuticals, …

    In diesem Zusammenhang: Warum sagen viele Ärzte über die mikrobiologische Therapie (Darmaufbau mit Lakto- / Bifido-Bakterien), dies sei Unsinn? Und woher kommt dann die Trendwende, dass die gleichen Ärzte jetzt dennoch anfangen, parallel zur Gabe von Antibiotika Darmbakterien zu verschreiben???

    Ich weiß nicht, ob Sie einmal im Ausland waren: In vielen Ländern in Europa und Übersee ist es völlig normal, dass ein Arzt parallel zur Antibiotika-Therapie IMMER Milchsäurebakterien verschreibt, um das Darmmilieu positiv zu beeinflussen…

  34. #35 Dagda
    7. März 2012

    @ Nikolai Schweigert
    Es ist schon etwas spät daher nur diea:
    IgG Tests auf Nahrungsmittelallergene sind nicht evidenzbasiert: ‘IgG4-Antikörper gegen Nahrungsmittel sind nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht als Indikator für krank machende
    Vorgänge misszuverstehen, sondern Ausdruck der natürlichen (physiologischen) Immunantwort des Menschen nach wiederholtem
    Kontakt mit Nahrungsmittelbestandteilen. Daher ist der allergenspezifische Nachweis von IgG- oder IgG4-Antikörpern gegen
    Nahrungsmittel zur Abklärung und Diagnostik von Nahrungsmittelunverträglichkeiten ungeeignet und strikt abzulehnen’ (http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/061-028.html)

  35. #36 georg
    7. März 2012

    @Nikolai Schweigert

    Das ist kein vollständiger Satz! Warum gibt es die Studien denn nicht (denn ich sagte ja, es gibt sie, nur ich muss selbst die Quellen dazu raussuchen!). Gegenbeweis?

    Der Nachweis, dass Akupunktur nicht besser wirkt, als eine Scheinakupunktur ist doch längst erbracht. Ich zitiere mich hier noch einmal selber (georg· 06.03.12 · 13:33 Uhr):

    Aus dem Wikipedia-Artikel German Acupuncture Trials:

    Die dreiarmigen Studien verglichen an über 3500 randomisierten Patienten die Wirksamkeit einer Akupunktur an chinesischen Akupunkturpunkten (Verum, lat. echt) mit einer Akupunktur an nicht chinesischen Punkten (sham, engl. für Vortäuschung) und einer konventionellen (pharmakologischen, Physiotherapie u.a.) Therapie. Moxibustion und eine Elektrostimulation von Akupunkturpunkten waren in den GERAC-Studien nicht zugelassen. Insgesamt erfolgten über 35.000 Akupunkturbehandlungen. Die Patienten waren gegenüber der Art der Akupunktur (Verum oder Sham) verblindet.

    Ergebnis:

    Ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Akupunkturformen Verum und Sham konnte in keiner der Studien gezeigt werden.

    Können Sie eine verblindete Studie vorweisen, bei der “Verum” gegenüber “Sham” signifikant besser abschneidet?

    Wenn nicht, kann man der Akupunktur zumindest das als positives Fazit zugutehalten:

    Die Kosten für eine aufwändige Akupunkturausbildung kann man sich sparen. Es reicht z. B. in einem Wochenendkurs zu lernen, wie man mit den Nadeln piekst. Wohin, ist zweitrangig. Diese “Kunst” kann eigentlich jeder ausüben, mit nachgewiesen gleicher Wirksamkeit.

    Gegenbeweis?

    Und bitte keine Studie anführen, die nicht verblindet gegen eine Scheinakupunktur testet. Dass Akupunktur einen starken Placeboeffekt generiert ist doch wohl klar, oder?

  36. #37 Dagda
    7. März 2012

    Interessant, dass -wiederum in den Vereinigten Staaten- häufig Lebensmittelintoleranz-Checks zum Einsatz kommen, wenn Patienten unterschiedlichste Verdauungsbeschwerden haben (z.B. ständiges chronisch wiederkehrendes Sodbrennen), bei uns hingegen eher selten! Was ist die Antwort der Schulmedizin auf die Frage: Woher kommt Neurodermitis?

    Wenn das IgG Tests sein sollen, dann sind das alles Quacksalber. Das sagen die amerikanischen Leitlinien dazu:

    “With regard to evaluations for IgE antibody–associated food allergies, tests for food specific IgE antibody include percutaneous skin tests (prick/puncture tests) and serum assays. In general, these tests are highly sensitive (generally >85%) but only modestly specific (approximately 40% to 80%) and therefore are well suited for use when suspicion of a particular food or foods is high. They are not effective for indiscriminate screening (e.g., using panels of tests without consideration of likely causes) and therefore generally should not be used for that purpose.”

    http://www.guidelines.gov/content.aspx?id=13558 und weiter

    The EP recommends not using any of the following nonstandardized tests for the routine evaluation of IgE-mediated FA: Allergen-specific immunoglobulin G4 (IgG4)

    http://www.guidelines.gov/content.aspx?id=24493&search=allergy+and+allergy+guideline#Section420

    Neurodermitis ist eine Erkrankung der Haut, die wahrscheinlich eine genetische Ursache hat, bei der die Barrierefunktion der Haut gestört ist.

  37. #38 MoritzT
    9. März 2012

    Die GERAC-Studie ist wahrscheinlich mittlerweile eine der am heftigsten missverstandenen Studien der gegenwärtigen Forschung. Der Wikipedia-Artikel ist leider auch nicht kritisch genug. Aus meiner Sicht war den Autoren der Studie klar, dass es keinen Unterschied zwischen Akupunktur und zufälligem Pieksen gibt. Sie haben aber über die Einschlusskriterien ihre Studie massiv verzerrt: die Kriterien waren so gewählt, dass die Probanden höchstwahrscheinlich nicht auf die Therapie in der Kontrollgruppe (konventionelle Behandlung mit NSAR) ansprechen würden. Und – ÜBERRASCHUNG – so kam es dann auch, und Pieksen sah auf einmal im Vergleich klasse aus.

    Und was die ganze Geschichte mit functional food, Vitaminsubstitutionen und probiotischer Ernährung soll, ist mir noch nicht so ganz klar. Da steckt nämlich nicht weniger Geld dahinter als in der “klassischen” Pharmaindustrie, die Player (z.B. Nestlé und Kraft) sind nicht weniger gerissen, und die verfügbaren Studien zu den Themen sind mit einigen wenigen Ausnahmen so schlecht, dass man beim Lesen Kopfschmerzen bekommt. Lustigerweise zeigen die gut gemachten Studien dann schon wieder, dass dieses ganze Brimborium wahrscheinlich sogar nachteilig ist (z.B. probiotische Joghurts bei Polychemotherapie: sehr schlechte Idee). Es kommt regelmäßig auch einfach nichts dabei heraus. Einem Menschen mit westlichem Ernährungsstil muss man in der Regel auch nichts ersetzen – wir fressen von allem zuviel.

    Prävention hat, und das macht es so kompliziert, vor allem mit Lebensstiländerung zu tun. Aber schon die Aufforderung, die Nahrungsaufnahme etwas zu reduzieren und sich mehr zu bewegen stellt ungefähr 80% der Betroffenen (auf allen Bildungsniveaus und in allen sozio-ökonomischen Schichten und in vielen, vielen Studien bestätigt) vor völlig unlösbare Probleme. Welche Lösung hin zu mehr Prävention soll es denn dann werden? Eine Pille? Ehrlich?

  38. #39 roel
    *****
    11. Juni 2013

    http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article117005412/Tausende-Krebsfaelle-durch-CT-Scans-bei-Kindern.html

    “Die rund vier Millionen jährlichen Untersuchungen per Computertomografie (CT) an Kindern verursachen fast 5000 Krebserkrankungen. Das berichten US-Mediziner von der University of California.”

    und dazu das Paper http://archpedi.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=379491