Studien, die den Erwartungen widersprechen, sollte man immer mit großer Vorsicht bewerten. Aber noch vorsichtiger sollte der Umgang mit Studien sein, die vor allem die eigenen Erwartungen bestätigen – weil die Versuchung, sie Beifall klatschend in Bausch und Bogen zu akzeptieren, einfach zu stark ist. Und darum habe ich mir vorgenommen, das Paper Politicization of Science in the Public Sphere: A Study of Public Trust in the United States 1974 to 2010 von Gordon Gauchat, das in der aktuellen Ausgabe der American Sociological Revue erscheinen wird, besonders skeptisch zu betrachten. Denn sie bestätigt ganz unumwunden, dass die Wissenschaftsfeindlichkeit unter Amerikas Konservativen in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen hat, was sich in der politisch forcierten Ablehnung von Umweltschutz generell und Klimaschutz im Besonderen ebenso niederschlägt wie im beständigen Bemühen, Kreationismus und/oder Intelligentes Design als eine gleichwertige Alternative zur Evolutionslehre zu etablieren.

Erst mal, quasi als Beleg der eben aufgestellten Behauptung, eine Grafik aus dem Paper, die den Anteil jener Befragten in der Langzeitstudie General Social Survey darstellt, die für sich – sortiert nach politischer Einstellung – eine positive Einstellung zur Wissenschaft reklamierten:

Public Trust.jpg

Und die Verschiebung, vor allem bei den Konservativen, ist deutlich: 1974 drückten 48 Prozent der Konservativen deutliches Vertrauen in die Wissenschaft aus – mehr als jede andere politische Grupperung. Doch über die Jahre fiel dieser Anteil dramatisch; 2010 lag er unter 40 Prozent; während die als “Liberal” identifizierte Gruppe (die am ehesten mit der Demokratischen Partei assoziiert werden kann) sich am deutlichsten zur Wissenschaft bekennt.

Na gut, könnte man sagen, vielleicht ist das Bildungsniveau der Konservativen einfach über die Jahre gefallen, was ja einen zunehmenden Skeptizismus gegenüber der Wissenschaft fördern würde – aber die Zahlen, die Gauchat ermittelt hat, sprechen eher für das Gegenteil: Es sind vor allem die gebildeten Konservativen, die das Vertrauen in die Wissenschaft verloren haben. Dies deckt sich mit den Beobachtungen vor allem aus den Bush-Jahren (Stichworte: Klimawandel, Umweltschutz, Stammzellenforschung). Und dieser Trend scheint sich unter dem Einfluss der Tea Party noch zu verstärken.

Gauchat bietet dafür auch plausible Erklärungen an. So habe sich beispielsweise die Stoßrichtung der Forschung im Laufe der Jahrzehnte deutich gewandelt: Während bis in die 70-er Jahre hinein Wissenschaft als ein Instrument des ungebremsten technologischen Fortschritts galt, was ihr die Anerkennung der Wirtschaft und der damit assoziierten Politiker einbrachte, bewirkte das erwachende Umweltbewusstsein in den 70-er Jahren eine allmähliche Trendumkehr: Statt mit dem Antrieb des Wachstums beschäftigte sie sich zusehends mit den Folgen des Wachstums; wissenschaftlicher Sachverstand wurde nicht mehr (nur) für technologische Neuerungen eingesetzt, sondern auch dafür, den Einsatz solcher Neuerungen – Stichwort: Kernkraft – zu verhindern. Das alleine würde schon eine Trendumkehr im rechten Lager erklären.

Doch hinzu kommt, dass sich der Konservatismus auch wieder stärker der Religiosität zuwandte. Während Barry Goldwater, der republikanische Spitzenkandidat in den 60-er Jahren und eine der prominenten Figuren im konservativen Comeback nach den Kennedy-Johnson-Jahren, noch eine klare Trennung von Religion und Politik forderte, setzten sich seit den Reagan-Jahren die religiösen Kräfte immer deutlicher durch und scheinen heute die Partei zu dominieren. Sicher, Religion ist nicht automatisch gleichbedeutend mit Wissenschaftsfeindlichkeit: selbst der Vatikan betreibt eine sehr angesehene Sternwarte, und katholische Universitäten sind nicht autmatisch nur auf Theologie und Geisteswissenschaften begrenzt, sondern können – wie beispielsweise die Loyola University in Chicago – ein volles naturwissenschaftliches “Sortiment” anbieten. Aber die spezielle, schriftgläubige Auslegung von Religion, die in den USA den Mainstream der Kirchen prägt, sieht sich selbst sehr häufig als ein Gegensatz zur Wissenschaft – besonders natürlich, wenn es um Evolution und Kosmologie geht.

Und dies kann, wie Gauchat meint, sogar ausdrücklich dazu führen, dass Wissenschaftsfeindlichkeit zu einem Kristallisationskern der Rechten wird:

“Over the last several decades, there’s been an effort among those who define themselves as conservatives to clearly identify what it means to be a conservative. For whatever reason, this appears to involve opposing science and universities and what is perceived as the ‘liberal culture.’ So, self-identified conservatives seem to lump these groups together and rally around the notion that what makes ‘us’ conservatives is that we don’t agree with ‘them.'”
In den vergangenen Jahrzehnten gab es ein Bestreben unter jenen, die sich selbst als Konservative bezeichnen, klar zu definieren, was es heißt, ein Konservativer zu sein. Aus welchem Grund auch immer scheint dies die Ablehnung von Wissenschaft und Universitäten und all das, was als ‘liberale Kultur’ gilt, einzuschließen. Folglich scharen sich selbsternannte Konservative in solchen Gruppen zusammen und stellen sich hinter die Idee, dass ‘wir’ Konservative dadurch sind, dass wir mit ‘ihnen’ nicht übereinstimmen. (Aus einer
Pressemitteilung

der American Sociological Association)

Alles plausibel. Und doch fürchte ich, dass das paper zu viele Schwachstellen hat, um den Beweis dieser an sich jederzeit empirisch belegbaren These (jedes beliebige Wahlkampfvideo der sich derzeit um die Kandidatur im US-Präsidentschaftsrennen bewerbenden Politiker zeigt diese anti-wissenschaftliche Haltung, selbst wenn sie nur aus Politkalkül vertreten wird) antreten zu können. Da sind zum einen die Daten selbst – eine selbsternannte Kategorisierung der Befragten. Aber ob ein Konservativer der 70-er Jahre mit einem Konservativen des Jahres 2012 einfach zu vergleichen ist (für Demokraten und Libertäre gilt ein Gleiches), muss angesichts der grundsätzlich veränderten Wirtschafts- und Weltpolitik – die gewissermaßen die Eckpfosten der politischen Gundeinstellung bilden – ernsthaft bezweifelt werden.

Dann sehe ich eine weitere Schwäche der Studie darin, dass sie zwar drei plausible Hypothesen anbietet, wie sich die gesellschaftliche Einstellung zur Wissenschaft entwickeln kann – davon aber zwei vorschnell von der Hand weist. Die drei Hypothesen sind:
– die cultural ascendency thesis, die sich am ehesten mit “kultureller Auftriebsthese” ersetzen ließe. Gemeint ist, dass durch den allgemeinen Nutzen des technischen Fortschritts und eine generella Ensicht in die Notwendigkeit von Forschung und Bildung das gesellschaftliche Ansehen der Wissenschaft generell steigt. Dieser These entgegen gesetzt wirkt die
alienation thesis, also die Entfremdungsthese, genannt. Durch die zunehmende Spezialisierung der Wissenschaft wird sie für die breite Bevölkerung immer weniger verständlich, was sie zwingt, sich der Autorität von Wissenschaft zu fügen. Gepaart mit einer wachsenden Neigung, Autoritäten zu misstrauen, führt dies zu einer Senkung des Vertrauens in die Wissenschaft. Da in den von Gauchat ausgewerteten Daten kein gesamtgesellschaftlicher Rückgang des Vertrauens in die Wissenschaft feststellbar war, lehnte er beide Thesen ab. Was blieb ist die
politicization thesis, also die These, dass Wissenschaft zunehmen politisiert wird und sich daher in einzelnen politischen Gruppierungen eine Veränderung des Vertrauens erkennbar abzeichnet. Und Bingo! Genau jene These konnte Gauchat bestätigen.

Der Haken liegt meiner Ansicht nach jedoch darin, dass er a) bei seiner groben Betrachtung der Daten und der relativen Unveränderlichkeit über die Jahrzehnte hinweg die Möglichkeit übersehen hat, dass sowohl die Auftriebs- als auch die Entfremdungsmechanismen gleichzeitig wirken können – aber dass sich ihre Effekte in seiner Betrachtung lediglich neutralisierten. Was b) vor allem daran liegen kann, dass der Begriff “Wissenschaft” nicht hinreichend klar definiert ist. Im General Social Survey wurde die Frage nämlich so formuliert:

I am going to name some institutions in this country. As far as the people running these institutions are concerned, would you say you have a great deal of confidence, only some confidence, or hardly any confidence at all in them [the Scientific Community]?
Ich werde einige Institutionen in diesem Land nennen. Soweit es die Personen betrifft, die diese Institutionen leiten, würden Sie sagen dass sie ein sehr großes Vertrauen, nur ein bisschen Vertrauen, oder kaum Vertrauen in sie (die wissenschaftliche Community) haben?

Mit anderen Worten: Es wurde nicht nach der Wissenschaft an sich gefragt, sondern nach Wissenschaftlern, von denen die Befragten gehört hatten . Also nach Persönlichkeiten, die Teil einer öffentlichen Diskussion sind/waren – wobei letzteres nahezu automatisch einer politischen Diskussion nahe oder gleich kommt. Und wenn ich nur nach politisierter Wissenschaft frage, werde ich auch nur poltisierte Wissenschaft zur Antwort bekommen.

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Kommentare (26)

  1. #1 kandelaber
    29. März 2012

    Das zweite Zitat verstehe ich aber anders, und somit kann ich den zweiten Teil deiner Kritik auch nicht nachvollziehen. Hier wird doch eindeutig NICHT nach Personen gefragt, sondern klar nach Institutionen.

  2. #2 KommentarAbo
    29. März 2012

  3. #3 MartinB
    29. März 2012

    Dazu passt auch das hier:
    http://freethoughtblogs.com/pharyngula/2012/03/27/perhaps-they-should-also-remove-the-word-education/
    Worte wie “Sklaverei” oder “Evolution” oder “Nuklearwaffen” oder “Jagen” oder “KRieg” könnten Schüler unbehaglich machen und sollen deshalb in Tests nicht mehr verwendet werden.

  4. #4 Christoph Moder
    29. März 2012

    Na gut, könnte man sagen, vielleicht ist das Bildungsniveau der Konservativen einfach über die Jahre gefallen, was ja einen zunehmenden Skeptizismus gegenüber der Wissenschaft fördern würde – aber die Zahlen, die Gauchat ermittelt hat, sprechen eher für das Gegenteil: Es sind vor allem die gebildeten Konservativen, die das Vertrauen in die Wissenschaft verloren haben.

    Ich denke, das ist auch bei uns der Fall. Nach meiner Erfahrung findet man Wissenschaftsfeindlichkeit nicht bei der Unterschicht (vermutlich eher Gleichgültigkeit), sondern gerade bei eigentlich gebildeten Leuten. Die Esoterik-Szene scheint nicht aus Leuten zu bestehen, die zu dumm oder zu unwissend sind, sondern gerade aus relativ gebildeten Leuten, die die Wichtigkeit von Bildung kennen und deshalb vielleicht anfällig für Cargo-Cult-Wissenschaft sind.

  5. #5 Jürgen Schönstein
    29. März 2012

    @kandelaber
    Es wurde nach den “Personen, die diese Institutionen leiten” gefragt – aber entscheidender ist, dass dabei eben nicht Wissenschaft an sich thematiiert wurde, sondern die öffentlich wahrgenommene Wissenschaft – was den Forschungsansatz letztlich zur Tauologie macht.

    @MartinB
    Interessanter Hinweis, obwohl ich nicht sicher bin, dass er wirklich zum Thema passt. Denn die bei Pharyngula angesprochene Stichwortliste bezieht sich nicht darauf, was im Unterricht gelehrt werden soll – sondern lediglich darauf, wie beispielsweise die Testaufgaben in Mathematik formuliert werden. Wenn den Testentwicklern geraten wird, in Rechenaufgaben kontroverse Themen zu vermeiden, die ja letztlich nicht für die Lösung der Aufgabe relevant sind, dann mag das zwar grotesk erscheinen, aber es erspart hinterher unnötige Diskussionen, ob vielleicht die Themenstellung zu sehr von der eigentlichen Aufgabe abgelenkt hat. Eine Dreisatzaufgabe, in der die potenzielle Gewinnsteigerung eines Unternehmers durch das Anheuern von mehr Mindestlohn-Arbeitskräften zu ermitteln wäre, könnte beispielsweise auch in Deutschland eine – unnötige – Kontroverse anzetteln. Und nur um dieses Problem geht es bei der “Sperrliste”; nicht um den Lehrplan an sich.

  6. #6 MartinB
    29. März 2012

    @Jürgen
    Geht’s denn da nur um Mathe-Tests? In dem zeitungsartikel steht nur “standardized tests” – gibt’s die nicht in allen Fächern? Geschichte dürfte jedenfalls ohne die Worte “war” und “slavery” knifflig werden.

    Erinnert ansonsten an das hier:
    http://www.mathematische-basteleien.de/kartoffeln.htm

  7. #7 Dr. Webbaer
    29. März 2012

    Rechte Bildung verträgt sich nicht mit Wissenschaft

    Wissenschaft verträgt sich nicht gut mit rechter und linker, wie mit religiös und weltanschaulich (“ökologistisch”, “atheistisch”, “sozialistisch”, “retardierend” bspw.) motivierter Einstellung oder Bildung, korrekt!

    MFG
    Dr. Webbaer (der PZ hier auch eher als ungünstig, weil voreingenommen einzustufen hätte)

  8. #8 Dr. Webbaer
    29. März 2012

    Statt mit dem Antrieb des Wachstums beschäftigte sie sich zusehends mit den Folgen des Wachstums; wissenschaftlicher Sachverstand wurde nicht mehr (nur) für technologische Neuerungen eingesetzt, sondern auch dafür, den Einsatz solcher Neuerungen – Stichwort: Kernkraft – zu verhindern. Das alleine würde schon eine Trendumkehr im rechten Lager erklären.

    Das erklärt den Sachverhalt denn auch. Die Wissenschaft (oder auch “Wissenschaft”) ist linker geworden.

    Wer von Risk-Reward-Überlegungen abrückt, wissenschaftlich (oder “wissenschaftlich”) primär Kritik an Enwicklung und Einsatz neuer Technologien äußert, den guten alten ROI nicht mehr als Kriterium annimmt, sondern den Worst Case, stößt eben auf Kritik. – Die nicht nur von Rechts kommen muss.

    Beispielhaft soll hier dieses wissenschaftlich grundierte Dokument genannt werden: http://www.wbgu.de/fileadmin/templates/dateien/veroeffentlichungen/hauptgutachten/jg2011/wbgu_jg2011_ZfE.pdf

    Wer sowas ablehnt, ist aber alleine deswegen nicht wissenschaftsfeindlich.

    MFG
    Dr. Webbaer

  9. #9 Jürgen Schönstein
    29. März 2012

    @MartinB
    Es geht in dem speziellen Fall um die Testfragen zu den Bereichen Mathematik und English Language Arts – letzteres sind Tests, in denen Schüler einen Text vorgegeben bekommen und dann in Fragen zu diesem Stück (das ein Auszug aus einem Buch, ein Aufsatz oder sonst eine Textpassage sein kann) ihre Fähigkeit zur Textanalyse und zum generellen Verstehen eines Textes beweisen müssen. Auch hier finde ich es ganz in Ordnung, Reiz- oder Tabuthemen, die nun mal in einer multikulturellen Gesellschaft wie der New Yorks wesentlich breiter gestreut sein dürften als beispielsweise in Münster oder Würzburg, zu vermeiden.

    Für Wissenschaft und Geschichte gibt es eigene Tests – und von denen war hier nicht die Rede. Schau Dir mal die Beispielfragen aus Massachusetts an, da wirst Du sehen, worum es in den einzelnen Bereichen geht. Mir scheint, dass PZ Myers hier der Gaul durchgegangen ist und er nicht genau genug gelesen hat, worum es eigentlich geht.

  10. #10 Dr. Webbaer
    29. März 2012

    Auch hier finde ich es ganz in Ordnung, Reiz- oder Tabuthemen, die nun mal in einer multikulturellen Gesellschaft wie der New Yorks wesentlich breiter gestreut sein dürften als beispielsweise in Münster oder Würzburg, zu vermeiden.

    Natürlich scheint es naheliegend, dass solche Themen zu meiden sind, wenn es um das Sprachverständnis oder gar um mathematisch grundierte Textaufgaben geht. – Das Problem bei der Meidung ist aber die Selektion, und man kann darauf wetten, dass bestimmte kontroverse Themen eben nicht gemieden werden.

    Beispielhaft kann hier die aktuelle Klimaprognostik genannt werden, die auf Grund der Datenlage (die terrestrischen Oberflächentemperaturen sind von 1880 bis 2012 erfasst) eine Erwärmung von 0,057 Grad Celsius pro Dekade kennt, aber in der Theorie einen um den Faktor 6 höhere Erwärmung (0,32 Grad pro Dekade) bis 2100 fordert.

    Anders formuliert: Einschränkungen dieser Art sind schwierig zu verwalten und naturgemäß politisch. Ein anderes Beispiel wäre die bloße Namensnennung des Staates Israel, die einige schwer erregen könnte. Sie erahnen vielleicht nun die grundsätzliche Problematik dieser Prä-Selektion aus Sicht der behaupteten Multikulturalität (es sollte eigentlich nur eine Multiethnizität vorliegen, oder?).

    MFG
    Dr. Webbaer

  11. #11 MartinB
    29. März 2012

    @Jürgen
    Das konnte ich dem Zeitungsartikel nicht entnehmen (zu flüchtig gelesen?) – aber wenn das so ist, ist das was anderes.

  12. #12 Jürgen Schönstein
    30. März 2012

    @MartinB
    Stand vielleicht in dem verlinkten Artikel nicht drin. Aber in anderen Beiträgen, die ich dazu gelesen habe …

  13. #13 Alexander
    30. März 2012

    In D und auch allgemein in EU sehe ich aber eine komplett verschiedene politische Landschaft, und auch religiöse Themen haben eine ganz andere Gewichtung.
    Vor allem gibt es hier eine sehr starke links-grüne Bevölkerungsgruppe, die ebenfalls stark durch Wissenschaftsfeindlichkeit auffällt. Sei es in genereller Ablehnung von Technik (nicht nur bei klassischen Reizthemen wie Atomkraft), sei es in breiter Akzeptanz esoterischer Inhalte. Der Bogen spannt sich von der “Alternativ”-Medizin bis zur irrationalen Bekämpfung der Energiesparlampe. Dazu mit starker Bereitschaft an Verschwörungstheorien zu glauben: die Industrie will uns durch Gentechnik (durch Impfungen, durch Chemtrails …) nur vergiften, hält die Wunderglühlampe (das 1-Liter-Auto, den Teslagenerator) unter Verschluss, usw. Und natürlich trifft sich hier die Linke wieder mit der Rechten, wie so oft bei anderen Themen: Antikapitalismus, Antisemitismus, Antiliberalismus …

  14. #14 sally field
    30. März 2012

    Die Wissenschaftsfeindlichkeit scheint fast ein globales Problem zu sein! Dadurch dass immer weniger Menschen an Bildung teilhaben, um Grundlagen erwerben zu können, die ihnen zum selbständigen Denken und Lebenserwerb nützlich sind, mündet das Vertrauen in Wissenschaft zusehens in einen generellen Skeptizismus. Dadurch dass Kinder früher im Schulprozess ausselektiert werden, Abschlüsse nicht nachgeholt, bzw. kaum Quereinstiege möglich sind, oder Qualifikationen nicht als gleichrangig anerkannt werden, fallen viele Leute aus dem Bildungsprozess heraus. Das was sie privat machen, ist ja nicht wissenschaftlich. Auch die zunehmende Verschulung der Universitäten, das Auswendiglernen, die Beschleunigung und der Jugendwahn tragen dazu bei, dass Wissenschaft gläsern und nur für elitäre Kreise da zu sein scheint. Universitätsjahre zahlen sich finanziell im Lohn kaum noch aus, Schawan nennt sie Smocks, die, die zu lange dort waren! Auch diese Ideologisierung dessen was Bildung dann sein soll: Hirnrissig und Rückständig! Wir haben moderne Kommunikationsmittel und wichtig sind doch die Förderung menschlicher Qualitäten, aber stattdessen werden Lehrstühle für Theologie eingeweiht und die Schüler und Studenten sollen möglichst schnell Technik bedienen. Bodenlos rückständig und einfach nur fatal!
    Es gibt Gymnasien in NRW, deren Lehrerschaft komplett links ist! In den 80igern haben Lehrer die Schüler so unterrichtet, dass sie sich selbst eine Meinung bilden konnten. Genauso gruselt es einem u.U. in einer kirchlich geführten Grundschule beim Thema Aufklärung. Diese Entwicklungen sind schrecklich, kurzsichtig und führen zur einer kompletten Verflachung dort, wo wirklich sachliche Auseinandersetzungen nötig wären. Es fehlt oft an Toleranz, man hört sich nicht mehr zu, das wäre aber wichtig, wenn darüber entschieden werden muß, welche wissenschaftliche Methode, welcher Gesichtspunkt politisch verfolgt werden sollte und welcher nicht. Politische Schlagwörter und ideologische Einseitigkeit blockieren die Auseinandersetzungen und verlegen sie in Seminare, wo man dann mit idealisierten Gedankenexperimenten argumentiert. Das bringt es irgendwie nicht wirklich!

  15. #15 Spoing
    30. März 2012

    Ich glaube nicht, dass die Wissenschaftsfeindlichkeit ein generelles Thema ist. Wissenschaftsfeindlichkeit ist einfach immer dort gegeben wo die Wissenschaft einen keinen direkten Nutzen bringt oder noch schlimmer mit der eigenen Ideologie nicht so einfach zu vereinbaren ist. (Und man sie meistens auch nicht versteht.)
    Was neu ist macht immer Angst. Hier kann man gut die Anekdoten mit den ersten Aufzügen und Rolltreppen anbringen. Aber auch z.B. in den 80gern wurde die Künstliche Intelligenz in zahlreichen Horrorstreifen zum Thema gemacht.
    Generelle Ablehnung trifft die Wissenschaft, sobald sie Ideologien entgegen läuft. So wie im Artikel erwähnten Kreationismus oder im deutschen Raum eben der Gen-Technik etc..
    Im Artikel ist jetzt leider etwas missverständlich die Rechte Bildung mit der amerikanischen Conservativ gleich gesetzt. Dabei ist “rechts” in Deutschland fast ausschließlich ein Kampfbegriff vom (Anti)Rassismus.

    Sehr interessant ist auch die Analyse warum dort Wissenschaftsfeindlichkeit auftritt. Und zwar völlig zutreffend: Weils dem eigenen Weltbild nicht förderlich ist. Viele Menschen wollen einfach, dass sich die Fakten nach ihrem Weltbild richten und sehen es nicht ein, das es nur umgekehrt geht. Da müssen die Fakten dann natürlich falsch sein.

    Interessant finde ich ebenfalls, dass in Amerika die Religiösität im streit mit der Wissenschaft steht im eher atheistischen europäischen Raum ist es hingegen die Links/Grüne Weltanschauung welche des öfteren mal auf Kollisionskurs geht. (Habe zum Beispiel noch nie von der CDU Jubel gehört wenn Firmen mit bösen Technologien pleite gehen) Hier lief also die genau gegenteilige Entwicklung wie in den USA. Ich fände mal interessant zu erörtern woran das liegt.

    Abschließend fällt mir noch auf, das Liberale überall Technologie freundlich sind. Dies kann man jetzt entweder ihrem grenzenlosen Profitstreben oder ihren freiheitlichen Ansätzen zuschreiben :-)

  16. #16 Dr, Webbaer
    30. März 2012

    Im Artikel ist jetzt leider etwas missverständlich die Rechte Bildung mit der amerikanischen Conservativ gleich gesetzt. Dabei ist “rechts” in Deutschland fast ausschließlich ein Kampfbegriff vom (Anti)Rassismus.

    “Rechts” ist erst einmal eine Metaphorik und steht für Parteien, die in den Parlamenten rechts gesessen haben – wobei diese Konsequenz so nicht immer gegeben war. – Was ist aber mit “Rechts” gemeint? Weil das viele nicht mehr zu wissen scheinen [1], klärt Onkel W gerne auf.

    Rechte stehen wie Linke fest auf dem Boden ihrer Verfassungen, sind aber antilinks und antisozialistisch und nicht explizit liberal (denn sonst wären sie liberal). Rechte sind nicht mit Rechtsextremen zu verwechseln, es gibt also keine Kontinuität “rechts-rechsradikal-rechtsextremistisch” (bei den Linken könnte man etwas böswillig aber so meinen). [2]

    Rechte zeichnen sich durch eine Rückwärtsgewandtheit [3] aus, sind auch meist unglücklich und fühlen sich unterdrückt, werden aber auch, lol, in D unterdrückt. Der ‘Kampf gegen Rechts’ [4] und die ständige Vermischung von Rechts und Rechtsradikalität bzw. Rechtsextremismus ist eine d-typische journalistisch-politische “Meisterleistung”.

    HTH
    Dr. Webbaer

    [1] wg. des politisch schwachen Bildungssystems in D
    [2] es gibt die Grundausprägung, also das x (“links”, “rechts”, “islamisch”), die Steigerung x-radikal (‘zur Wurzel gehend’ – gemeint die Gegnerschaft zum demokratischen System, die sich aber nicht in aktivem Widerstand ausdrückt) und den Superlativ x-extremistisch (aktive Kämpfer der jeweiligen Fachrichtung gegen das System, im Prinzip Terroristen, auch wenn man sie in der Regel erst nach Mordanschlägen oder anderen schwersten Verbrechen so nennt)
    [3] “Früher war alles besser.”
    [4] Man stelle sich einen ‘Kampf gegen Links’ vor.

  17. #17 neulich
    31. März 2012

    Richtig, rechte Bildung verträgt sich nicht mit Pseudowissenschaft.

  18. #18 Stefan W.
    1. April 2012

    Ich glaube das zuordnen der Beigriffe links/liberal/rechts zu Wisschenschafts-, Fortschritts- und Technikfeindlichkeit führt zu gar nichts.

    Die Ablehnung und Bejahung von Technik und Wissenschaft geht oft mitten durch die Leute durch, und für den ganzen traditionellen Fummel sind Rechte natürlich viel anfälliger. Aber entsprechende Tendenzen nur beim politischen Gegner auszumachen scheint mir die Form von Vorurteil zu sein, gegen das sie sich scheinbar wendet.

    Spoing· 30.03.12 · 14:54 Uhr Habe zum Beispiel noch nie von der CDU Jubel gehört wenn Firmen mit bösen Technologien pleite gehen

    Aber von den Grünen/der SPD/der PDS/der FDP?

    Alexander· 30.03.12 · 09:52 Uhr
    Vor allem gibt es hier eine sehr starke links-grüne Bevölkerungsgruppe, die ebenfalls stark durch Wissenschaftsfeindlichkeit auffällt.

    Und Wahlsiege eher in Städten als auf dem Land feiert – Universitätsstädten vornehmlich.

  19. #19 Bell
    1. April 2012

    Am Erstaunlichsten an der Diskussion scheint mir zu sein, dass noch nicht mal ansatzweise die These erwogen wird, dass es tatsächlich schlechter um die Wissenschaft bestellt sein könnte, als in früheren Jahrzehnten.

    Wenn selbst für die theoretische Physik, ein Insider wie Smolin beklagt, dass große Teile seiner Community (die theoretische Physik betreibenden Wisseschaftler nämlich) fachlich ins Esoterische abzugleiten drohen, bzw. längst schon abgeglitten sind … will mir scheinen, dass diese These doch zumindest erwägenswert ist.

    Dass ich sie für die Richtige halte, brauch ich sicher nicht extra zu erwähnen.

  20. #20 Martin Haug
    1. April 2012

    Sorry fürs Offtopic, aber es gibt hier leider keinen Bereich, wo die Frage im Topic wäre:
    Wer entscheidet eigentlich welche Themen hier als Topthema auf der Frontpage landen? Gibt es da eine Redaktion, oder machen das die Blogger unter sich aus?

  21. #21 girlfriday
    2. April 2012

    @ Bell:

    “Am Erstaunlichsten an der Diskussion scheint mir zu sein, dass noch nicht mal ansatzweise die These erwogen wird, dass es tatsächlich schlechter um die Wissenschaft bestellt sein könnte, als in früheren Jahrzehnten.”

    Es geht doch darum, dass das Misstrauen gegenüber der Wissenschaft nicht allgemein angestiegen ist, sondern vor allem bei den Rechten (und ein wenig bei den Moderaten). Ergo besteht ein Zusammenhang zwischen politischer Haltung und Einstellung gegenüber der Wissenschaft, und zwar folgendermaßen: je konservativer (rechter), desto negativer eingestellt gegenüber Wissenschaftlern.

    Nachgewiesen ist aber auch, dass Rechte im Durchschnitt sowohl weniger gebildet wie auch weniger intelligent sind als Liberale. Also wie sollte denn dann ein (angenommener) Qualitätsrückgang der Wissenschaft zu einem solchen Ergebnis führen?

  22. #22 girlfriday
    2. April 2012

    Dann sehe ich eine weitere Schwäche der Studie darin, dass sie zwar drei plausible Hypothesen anbietet, wie sich die gesellschaftliche Einstellung zur Wissenschaft entwickeln kann – davon aber zwei vorschnell von der Hand weist. Die drei Hypothesen sind:
    – die cultural ascendency thesis(…)
    – alienation thesis (…)
    Da in den von Gauchat ausgewerteten Daten kein gesamtgesellschaftlicher Rückgang des Vertrauens in die Wissenschaft feststellbar war, lehnte er beide Thesen ab. Was blieb ist die
    – politicization thesis (…)
    Und Bingo! Genau jene These konnte Gauchat bestätigen.

    Der Haken liegt meiner Ansicht nach jedoch darin, dass er a) bei seiner groben Betrachtung der Daten und der relativen Unveränderlichkeit über die Jahrzehnte hinweg die Möglichkeit übersehen hat, dass sowohl die Auftriebs- als auch die Entfremdungsmechanismen gleichzeitig wirken können – aber dass sich ihre Effekte in seiner Betrachtung lediglich neutralisierten.

    Da ist kein Haken. Der Punkt ist doch, dass diese drei Thesen zu unterschiedlichen Vorhersagen führen. Die dritte Vorhersage erwies sich nach Auswertung der Daten als zutreffend, die beiden anderen (demnach) eben nicht.

  23. #23 axel
    13. April 2012

    Ist es nicht so, dass die Republikaner dem Kreationismus huldigen, weil man den Schulterschluss mit den religiösen Fundamentalisten suchte? Und Klimaforschung bekämpft wird, weil man Klimapolitik verhindern will?

    Es geht doch im Grunde gar nicht darum, ob liberal oder konservativ die Einstellung zu den Wissenschaften beeinflusst. Die besondere Situation in den USA entstand dadurch, dass politische Auseinandersetzungen auf dem Feld der Wissenschaft ausgetragen werden.

  24. #24 Treverer
    13. April 2012

    ich möchte gerne die sache mal von einer anderen seite betrachten, gerade auch, weil jemand hier schrieb, die wissenschaft sei heute (politisch) linker und auch in anbetracht der genannten zeiträume (70er bis heute). da es (wie ich mittlerweile feststellte) lang wird, die warnung: nein, das ich keine wissenschaftliche theorie. und es ist auch nicht die wahrheit. ich will einfach ein paar andere aspekte, sichtweisen einbringen, über die es sich meiner meinung nach lohnt. zumindest für geisteswissenschaftler 😉

    also, es geht um die frage des verhältnissen von christlichem konservatismus zur wissenschaft.

    im grossen ideologischen streit der zweiten hälfte des 20jhr zwischen kommunismus und “freier welt”, da war die wissenschaft ein instrument zum entlarven und besiegen des bösen feindes. witzigerweise auf beiden seiten. ideologisch findet es sich z.b. hier: so wie sich eine deutsche wissenschaft gegen eine angeblich jüdische wissenschaft wehrte (höhepunkt: die ablehung der relativitätstheorie und deren folgen), hatte die kommunistische wissenschaft probleme mit der westlichen quantenphysik (das erinnert nicht zu unrecht an wissenschaft vs. christentum dogmen). klar, alles nur aus ideologischen gründen, wissenschaft selbst ist natürlich sauber und frei davon 😉

    zu bedenken jedoch: es war die wissenschaft, sogar die elite der wissenschaft: die physiker, die bereits den krieg zuvor beenden halfen mit dem entwicklen der atombombe.

    die wissenschaft war ein verbündeter der rechten gegen den grossen satan aus moskau. nicht ideologisch sondern pragmatisch betrachtet wohl vor allem in der entwicklung von waffen (dies mag auch den letzten deterministischen materialisten im osten von der immerhin dialektischen richtigkeit, ach: nützlichkeit, der quantenphysik überzeugt haben LOL)

    ihren materiell sichtbaren höhepunkt fand diese verbundenheit zwischen wissenschaft und kapitalistischen konservatismus im wettrennen zum mond. hört sich jetzt vielleicht lustig an, meine ich aber ernst. wobei dies auch nur eine andere form war des reviermarkierens von alphamännchen…

    hinzu kommen dann solche erfolge, wo die wissenschaft hilft, das eigene system erfolgreicher, lebenswerter, bunter zu machen, zu stabilisieren, weil indem die menschen happy sind. kurz: wissenschaft im dienste von energieversorgung, medizin, ernährung, wohlstand, konsum, luxus. anmerken möchte ich an dieser stelle, dass man bei dieser betrachtung im hinterkopf den unterschied zwischen forschender-wissenschaft und ingenieur-wissenschaft halten sollte. letztere stellt ein sytem seltener in frage, dient dem system, erfüllt dessen bedürfnisse (nach waffen, spielekonsolen, verhütungmitteln). erstere hatte immer das potential zum konflikt mit dem system, dem christlich beherrschten konservatismus. doch er wurde im beidseitigem einvernehmen immer schön verdrängt, was heute nicht mehr so einfach ist.

    mit dem zusammenbruch des kommunismus `89 wurde diese verbundenheit vielfältig brüchig. der gemeinsame gegner fiel weg (ein äusserei feind verbindet bekanntlich). man brauchte wissenschaft nicht mehr im ideologischen kampf. ich schätze auch, weniger gelder flossen, schliesslich war der kampf gewonnen, wissenschaftler wurden ohne systembindende anschlussverwendung freigesetzt. und: endlich konnte die wissenschaft sich den wirklichen, den globalen problemen widmen. so dass sie anfing, dinge zu sagen, die nicht ins bild der konserativen passte – welcher im übrigen noch nie die wissenschaft benötigte, um sich ihr weltbild zu zimmern, ihren glauben zu bewahren. warum sollte er weiter hegen und pflegen, was ihm selbst elementar widerspricht? schon die kommunisten waren vom selbstverständnis her wissenschaftler – nun wurden alle wissenschaftler zu kommunisten.

    die im artikel beschriebene entfremdung zwischem (christlichen) konservatismus und wissenschaft war doch eigentlich immer da. sie wurde nur ignoriert von beiden seiten. wegen des gemeinsamen feindes. auch weil man sich seit jahrhunderten ein nebeneinander erschaffen hatte von glaube und wissenschaft (friedliche koexistenz), welches doch zum wohle der mächtigen funktionierte. und – wie bereits gesagt – weil der verbündete der willfährige ingenieurs-wissenschaftler war, nicht der grundlagenforscher, der partout keinen gott fand. oder der politische wissenschaftler, der sich z.b. auf einmal gegen atombomben wendete…

    die ingenieurs-wissenschaftler sind austauschbar. sie bauen heute noch die waffen die man zum machterhalt braucht. nur länder, staaten, die auf solche form der praktisch angewandten wissenschaft setzen, sind erfolgreich. z.b. china und indien als newcomer. europa, russland, usa immer noch. wobei bei den usa bereits zu bemerken ist, wie wissenschaftsfeindlichkeit und machtverlust einher geht. (nebenbei: die sogenannte energiewende ist wiederum ein beispiel, wie das setzen auf (ingeneurs-)wissenschaft und machterhalt einhergeht, indem man sich die unabhängigkeit von energielieferanten erschaffen will. bevor diese lieferländer (in ihrem entfachten demokratiewahn 😉 ) auf die idee kommen, angemessene, höhere preise zum wohle des volkes zu verlangen und nicht mehr nur eine vom westen abhängige kriminelle clique den rahm abschöpft. ach so: der atomkraftboom in den 70ern im zuge der ölkrise war davon natürlich vorläufer…)

    denn der heutige, der aktuelle (natürlich: auch erschaffene) ideologische gegner setzt ebenfalls nicht auf die wissenschaft, weil die dadurch entstehenden ideolgischen risse für ihn zu gross sind. weswegen er m.e. auch keine chance hat, nur verlieren kann. wer gemeint ist? der islam.

    der christliche konservatismus hat das gleiche problem, in seinen vorstellungen durch wissenschaft existenziell in frage gestellt zu werden. da aber der gegner nicht auf wissenschaft setzt (weder als begründung noch als praktische hilfe im kampf um macht, also ganz klar anders als damals der kommunismus), meint man eben diesesmal auf wissenschaft verzichten zu müssen und zu können. mehr noch: sie ist eine offensichtliche bedrohung für die verbohrten, realitätsfernen, religiösen überzeugungen. also: feind. umso mehr, insofern wissenschaft die gegnerschaft zwischen christentum und islam auch noch nivelliert.

    das lustige daran ist: die wissenschaft wird dadurch genötigt, sich selbst zu politisieren, sich selbst als politische kraft wahrzunehmen, zu verstehen und zu äussern. anders betrachtet: nach 500 jahren angeblich reiner, sauberer wissenschaft wird sie doch endlich ideologie. war sie natürlich immer – aber eben im studierzimmer, im elfenbeintum, persönliches vergnügen bis exzentrisch. daher geduldet und benutzt von den mächtigen, zuweilen zurechtgestutzt durch scheiterhaufen und bann. doch aus ehemaliger koexistenz wird führungswille, aus ehemaliger knappschaft (für kommunismus und christentum und faschismus) wird eigener herrschaftsanspruch. die konfliktlinien, die kriegsfronten sind klimaerwärmung, gentechnik, moderne medizin, religiöse überzeugungen. was ich daran lustig finde? die jammerei über den verlust der unschuld derjenigen wissenschaftler, die immer noch den traum vom unbeflekten forschen und wissenschaftlichen dasein träumen.

    thx.

  25. #25 Dr. Webbaer
    13. April 2012

    Am Erstaunlichsten an der Diskussion scheint mir zu sein, dass noch nicht mal ansatzweise die These erwogen wird, dass es tatsächlich schlechter um die Wissenschaft bestellt sein könnte, als in früheren Jahrzehnten. (Bell)

    Eine wichtige Möglichkeit.

    Nachgewiesen ist aber auch, dass Rechte im Durchschnitt sowohl weniger gebildet wie auch weniger intelligent sind als Liberale. (gf)

    Das ist zwar richtig, aber nicht nachgewiesenermaßen, und auch nur wenn Liberale gemeint waren und keine “Liberals”, “Liberals” sind erfahrungsgemäß etwas unverständiger und ungebildeter als Rechte, wenn auch erfahrungsgemäß stärker in der Artikulation, zumindest was die Anpassung an die zeitgenössische Medienlage betrifft.

    HTH
    Dr. Webbaer

  26. #26 Stefan W.
    13. April 2012

    @Treverer: Dieses Kleingeschreibe kann man nicht lesen.