Urheberrecht hin, Verwertungsrecht her, und sowieso zum Teufel mit der Frage, ob Schreiben echte Arbeit ist: Anhand der Affaire Kick mich lässt sich noch etwas ganz anderes recht gut beobachten – die Entstehung einer Verschwörungstheorie. Die VT:

Der lukrative Buchvertrag (100.000 Euro vorab) für die Piraten-Politikerin Julia Schramm war nur ein Trick, um die Piratenpartei später bloßstellen und deren Politik, die sich dediziert gegen die “Content-Industrie” (= Bertelsmann und vergleichbare Konzerne) und vor allem gegen deren weit reichende Verwertungsrechte richtet, zu diskreditieren und im Idealfall zu torpedieren.

Das Schöne an dieser VT ist, dass sie sogar minutengenau zu datieren ist: Am 19. September 2012, um 07:35 Uhr, wurde sie mit dem Beitrag Julia Schramm: Ein Buchdebakel als Sieg für Bertelsmann geboren. Wobei ich dem FAZ-Blogger, der unter dem Pseudonym Don Alphonso schreibt, hier nicht unterstelle, dass er tatsächlich an diese Verschwörung glaubt* – eigentlich beschreibt er nur ganz plausibel, dass Bertelsmann in jedem Fall mit einem gewissen Nutzen aus der ganzen Angelegenheit rauskommen wird. Denn egal ob das Buch ein Erfolg oder ein Flop wird (aktueller Amazon-Verkaufsrang um 0:06 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit am 22. September 2012: 2.477, nicht unbedingt Beststeller-Rang), kann sich der Konzern doch einen politischen Nutzen ausrechnen, wenn die Position der Piraten-Partei geschädigt oder geschwächt wird. Und so wie es aussieht, ist dieser Effekt auch tatsächlich eingetreten.

(*An keiner Stelle in dem verlinkten FAZ-Blogbeitrag wird unterstellt oder behauptet, Bertelsmann habe den Verlauf der Ereignisse geplant; im Gegenteil wird viel mehr darüber nachgedacht, welchen Nutzen Julia Schramm für sich aus der Kombination von Parteiamt und Buchvertrag generierten kann.)

Aber dieser Gedanke – Bertelsmann steckt eigentlich dahinter, und die Sache war von Anfang an zum Schaden der Piraten geplant – hat offenbar eine große Anziehungskraft: Schon wenig später taucht er, wenn auch mit dem (scheinbaren) Caveat “böse Zungen behaupten …“, in diesem Online-Statement auf dem privaten Blog der Piraten-Politiker Andy Popp und Bruno Kramm auf (mit Link von “böse Zungen”, im vorletzten Absatz, auf Don Alphonsos Text). Ein klassischer “Hedge“: Ich sag’s jetzt mal, weil ich es gerne sagen möchte, übernehme aber nicht die Verantwortung, sondern zitiere “böse Zungen” – wenn sich’s als falsch entpuppt, dann beweist das halt die Bösartigkeit dieser Zungen, aber wenn’s richtig war … niemand hat ja behauptet, die bösen Zungen seien Lügner, oder?

Die Idee, dass das alles die Schuld der bösen Content-Industrie sein müsse, die wohlmeinende PiratInnen reingelegt habe, fiel von da ab offenbar schnell auf fruchtbaren Boden: Auch bei mir im Blog schlug sie, um 22:09 des gleichen Abends, schließlich ihre Wurzeln.

Verschwörungstheorien haben ja zumeist zwei ganz typische Elemente (die wichtiger sind als der Nachweis einer Verschwörung an sich): Sie verändert den – erzählten – Ablauf des Geschehens, und sie verteilt die Rollen von Täter und Opfer neu. Schnelles Beispiel: Wenn Dominique Strauss-Kahn Sex mit einer Hotelangestellten hat (ob nun mit deren Einverständnis oder nicht), dann wirft das schlechtes Licht auf ihn. Aber wenn dahinter ein Komplott gegen ihn steckt, dann wird er plötzlich zum Opfer – und Opfer können ja bekanntlich keine Täter sein, oder? Vor allem die Neuerzählung der Geschehnisse lässt sich in diesem Fall gut belegen: In dieser offiziellen Stellungnahme des Bundesvorstands zur Buchveröffentlichung “Klick mich”, die schließlich am 20. September (leider habe ich keine Uhrzeit auf der Webseite gefunden) verbreitet wurde, liest sich die Story dann so: heldenhafte Piratin kämpft beim bösen Buchverlag um mehr Rechte für freie Internetnutzer, doch ach, sie ist der Macht dieses Medienriesen unterlegen. Aber sie gibt nicht auf, für ihre Überzeugungen zu kämpfen:

Die gängige Praxis, Anbieter und Benutzer im Netz bereitgestellter Kopien abzumahnen, vom Netz zu nehmen und mit einer Kostennote zu bestrafen, konnte Julia Schramm mittels eines Kompromisses mit ihrem Verlag abschwächen und so eine der Forderungen der Piratenpartei zumindest im Ansatz realisieren. So konnte sie durchsetzen, dass zunächst eine einfache Information und Bitte statt einer kostenpflichtigen Abmahnung erfolgt.

Heldinnenhaft, einfach heldinnenhaft! Oder so… Naja, zum einen hätte Bertelsmann an die US-Webseite Dropbox gar keine Abmahnung (und schon gar keine gebührenpflichtige) schicken können – die wäre hier gegenstandslos. Aber ob Julia Schramm zum anderen tatsächlich mit ihrem Verlag über eine möglichst freie Netnutzung verhandelt hat, ist sowieso nicht überprüfbar, obwohl doch gerade solch ein Kampf mit den bösen Mächten um die Positionen ihrer Partei in ihrem eigenen Tätigkeitsbericht, beziehungsweise das Scheitern dieser Bemühungen in dem entsprechenden persönlichen Logbuch irgendwo auftauchen sollte. So, und auch hier wieder der Einschub, von Autor zu Autor: Es ist das gute und geltende Recht von AutorInnen, möglichst viel Erlös für ihre Arbeit herauszuschlagen. Je mehr, je besser, bravo! Die Forderung danach, dass solche Arbeit auch bitteschön frei (womit ja primär “gebührenfrei” gemeint ist) verfügbar gemacht werden soll, stammt nicht von “uns” Schreiberlingen, sondern … genau, von der Partei, deren führendes Mitglied die besagte Autorin ist. Ich messe hier also nicht an meinen Maßstäben, sondern an ihren.

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Kommentare (23)

  1. #1 Thilo
    22. September 2012

    Naja, das ist aber nun eigentlich keine Verschwörungstheorie, sondern eben die Vermutung, dass Bertelsmann den ja nun wirklich ungewöhnlich hohen Vorschuß eben nicht wegen des literarischen Werts sondern als Beitrag zur politischen Landschaftspflege gezählt hat, sozusagen als verdeckte Parteispende. So wie eben Leo Kirch auch alle möglichen CDU- und FDP-Politiker auf seiner Gehaltsliste hatte. Das hat weniger mit Verschwörung zu tun, als damit, dass es eben für eine Firma nützlich ist, gut vernetzt zu sein und prophylaktisch schon mal Leute zu kennen, die der Firma bei passender Gelegenheit noch “einen Gefallen schuldig sein werden”.

    Zu Deinem Kommentar, dass Bertelsmann wohl lange vorher die Piraten-Karriere von Julia Schramm vorhergesehen haben müßte: Der Punkt ist ja, dass gerade zu dem Zeitpunkt als Bertelsmann den Vertrag abschloß, Julia Schramm (viel mehr als heute) als künftige Spitzenfrau der Piraten galt, sie wollte für den Parteivorsitz kandidieren und war zweifellos eine der in den Medien präsentesten Piraten. Insofern muß sich Bertelsmann wohl allenfalls den “Vorwurf” machen, die Entwicklung bei den Piraten falsch eingeschätzt zu haben, denn nach Lage der Dinge haben sie da wohl 100000 Euro in eine Politikerin investiert, deren Einfluß bei den Piraten jetzt doch gar nicht so groß ist.

  2. #2 rolak
    22. September 2012

    sogar minutengenau zu datieren

    Ein Leckerbissen für jeden Astrologen…

    2.477, nicht unbedingt Beststeller-Rang

    nicht nur das – gemäß DonAlphonsos screenshot ist damit zwischen Mittwoch morgen und Deinem post die Nr der Position um die Hälfte gewachsen – um aktuell bei 3.559 angekommen zu sein. Ein wahrhaft steiler Aufstieg^^

    Das Schönste an der Stellungnahme war für mich die Luftnummer

    Ja zur privaten Kopie und der Freiheit von Werken. Nein zu illegalen gewerblichen Kopien.

    was nicht nur einen Rückzug zum status quo darstellt, sondern auch noch die üblichen Fragen offenläßt: Meint es ‘illegal und gewerblich oder ‘oder’, ist illegal automagisch gewerblich oder andersherum? Ist das Überlassen einer Privatkopie an Dritte illegal oder gar schon gewerblich (analog zum ‘weitergeben’ im Dampf- bzw Dunstkreis des BTMG)?
    Ok, die Nummer mit dem schweren Kampf gegen die üblen Verlagsschergen, dessen glorreicher Sieg darin zu sehen ist, daß die Abmahnungen jetzt empfängerfreundlich auf Bütten gedruckt werden — ja, die hat auch ihren Reiz.

    Doch zurück zur vemuteten bzw beobachteten VT: Eine Variante der klassischen Dolchstoßlegende, immer wieder gerne herangezogen, wenn die eigenen Felle außer Sicht zu schwimmen drohen.

  3. #3 rolak
    22. September 2012

    (refresh ist für Weisheier!)

    moin Thilo, ich befürchte, der Kern der VT ist Dir entgangen: Das Anfüttern von Parteimitgliedern ist nur Mittel zum Zweck, langfristige Planung nur postuliert, weil sich dergleichen für eine ordentliche VT gehört – nein, das Wesentliche ist dahinter verborgen. Das 1e5-Angebot, daß sie nicht ablehnen konnte, um sie zu einer Vermarktung zu verführen, im Laufe derer dann das Parteiimage massiv geschädigt werden kann, was letztlich die eigenen Pfründe deswegen sichert, weil diejenigen kompromittiert oder lächerlich gemacht werden, die daran sägen. Oder so…

  4. #4 Thilo
    http://www.scienceblogs.de/mathlog
    22. September 2012

    Was mich als Aussenstehenden ja nochmal interessieren wuerde: wie hoch sind eigentlich in der Regel Verlags-Vorschuesse fuer vergleichbare Buecher?

  5. #5 rolak
    22. September 2012

    (Original ist sang+klanglos verschluckt worden, daher jetzt als Zweiteiler:)

    Da die Verträge für meine Meisterwerke erst nächste Woche ausgehandelt werden können, Thilo, muß ich mangels eigener Erfahrungen aufgrund der wahrgenommenen Reaktion, also dem allgegenwärtigen ^^ her annehmen: Deutlich kleiner.

  6. #6 rolak
    22. September 2012

    (2/2 ging immer noch nicht, also als Bild)
    Bitte da hinten lesen.
    Der link zeigt nach wikiservice(dot)at/buecher/wiki.cgi?DieterBohlen

    Gäbe es noch eine Methode?

  7. #7 Thilo
    22. September 2012

    Hmm ja, vergleichbare Bücher 🙂

  8. #8 Jürgen Schönstein
    22. September 2012

    @Thilo
    Wie rolak schon erklärt hat: Nicht der Buchdeal an sich, und auch nicht der satte Vorschuss an sich ist Kern der VT, sondern dass dies weniger oder gar nicht zum Nutzen (= Parteispende, Publicity-Hilfe o.ä.), als vielmehr in der perfiden Absicht geschehen sei, damit die Piratenposition zu torpedieren. Und dass Bertelsmann dies genau so geplant hatte und damit arglose PiratInnen, die doch gar nichts dafür können, zu Werkzeugen ihrer finsteren Pläne gemacht habe…

  9. #9 Jürgen Schönstein
    22. September 2012

    @Thilo

    wie hoch sind eigentlich in der Regel Verlags-Vorschuesse fuer vergleichbare Buecher?

    Darüber findet man erstaunlicher Weise nicht viel, aber hier finde ich folgende Formel:

    4. Vorschüsse

    Es wird empfohlen, sich wenigstens 2/3 der beabsichtigten Erstauflage im voraus honorieren zu lassen.
    Wird der Vorschuß in Raten bezahlt, sollte die erste Rate mit Vertragsabschluß fällig werden. Die letzte Rate sollte spätestens mit Erscheinen des Werkes fällig sein.
    Der Vorschuß soll nur gegen Honorare aus dem jeweiligen Verlagsvertrag verrechenbar, auf keinen Fall aber rückzahlbar sein.

    Wenn man nun noch annimmt, dass die Autorenvergütung etwa 10 Prozent des Nettopreises ausmacht, der vermutlich bei Hardcover irgendwo zwischen zehn und zölf Euro liegt, dann würde man annehmen können, dass der Verlag hier eine Auflage in Millionenhöhe angestrebt hat. Sarrazin hat solche Zahlen beispelsweise erreicht…

  10. #10 Thilo
    23. September 2012

    Im letzten Spiegelmhabe ich gerade gelesen, dass Bettina Wulff für ihr Buch auch 100000 Euro wollte, aber nur 60000 Euro Vorschuss bekommen hat. Die Auflage lag bei 100000 Büchern, der Preis ist 19,99.

    Das Buch von Julia Schramm kostet als e-Book 13,99, als Hardcover 16,99. Demzufolge scheint man wohl mit einer Auflage um 200000 zu rechnen, das wäre in der Größenordnung von Dieter Bohlen.

  11. #11 Thilo
    23. September 2012

    Ich bin zwar übrigens kein Fan von Rainer Meyer – er hat sich auf http://blogbar.de/archiv/2010/07/09/hehre-wissenschaft-und-fiese-vermarktung/ ja auch schon mal mit den scienceblogs auf sehr fundierte Art “auseinandergesetzt” – aber man kann sicher schon davon ausgehen, dass er das mit der Bertelsmann-Verschwörung jetzt nicht so ganz 100% wörtlich gemeint hat. Nur um das nochmal gesagt zu haben.

  12. #12 Thilo
    23. September 2012

    Anders als Frau Schramm hat Frau Wulff offensichtlich nichts dagegen, dass ihrnBuch kostenlos zum Download angeboten wird: Hier der Link: http://jenseits-des-protokolls-lesen.com/

  13. #13 Thilo
    23. September 2012

    Und noch ein letzter Link: Rainer Meyer hatte sich schon vor einem halben Jahr mit den Thesen von Frau Schramm beschäftigt: http://blogbar.de/archiv/2012/03/20/die-schramm-hat-es-sich-mal-wieder-anders-uberlegt/ Paßt auch ganz gut zur jetzigen Debatte.

  14. #14 threepoints...
    23. September 2012

    Nanana, … mal nicht seinen eigenen Blog derart vernachlässigen und eine andere Quelle für die VT angeben.
    Schon ein Thilo (der hiesiege Mathematiker?) schrieb kurz angebunden am 18/09/2012: Die Rache der Content-Mafia. Und noch am selben Tage hatte ich selbst diese Aussagen etwas ausführlicher aufgeschrieben. Dabei mutmasste ich, Frau Schramm sei “eingeschleusst” worden, was eher eine etwas satirischen version sei, als die von ihnen verlinkte. Aber im Kern auf das Selbe rauskommt – das Problem besteht trotzdem jetzt für die Piraten.

    Man kann hierbei auch gut erkennen, dass nicht der eigendliche Vorsatz zur Entstehung der VT führt, sondern der strukturelle Zusammenhang. Sicher nämlich hat der Verlag nicht den Plan durchführen können (So er bestand), wenn nicht die Schramm das Buch hätte schreiben wollen. und so brauchte nur ein verlag darauf warten, bis sich diese Situation von alleine ergibt. Und es wird nicht das letzte mal gewesen sein…

    Wenn man kleine Mädchen (oder auch Jungs) fragt, was sie einmal machen wollen, kommt irgendwann auch die Idee etwa ein Buch zu schreiben. Es ist einfach Kulturtechnik, die anders nicht/schwer denkbar ist – immer mit dem beigeschmack der ökonomischen Zwangssituation. Dass nun gerade ein Mitglied der Piraten, deren Programm eine besondere Haltung zu dieser Angelegenheit enthält, hier das “Problem” öffentlich zur Schau stellt, ist sowas wie eine “Schicksalsfügung”…oder eben auch nicht.

    Sogesehen (also aus Sicht der Wähler etwa) müssten alle Politiker ihren Output für alle kostenlos verfügbar machen. Wenn man ihre Redlichekit an ihrem tun festmachen wollte…!? stünden sie doch als gewählte Politiker an Stelle der altruistischen selbstaufopferung vor ihrem Wählervolk… Wobei das gute Beispiel nicht das kostenlose Buch sein soll, sondern der darin enthaltene Inhalt, den es zu verkünden gilt.

  15. #15 Thilo
    23. September 2012

    Meine VT zur Content-Mafia ist ja sogar schon vom 8.April: http://scienceblogs.de/mathlog/2012/04/08/die-rache-der-contentmafia/ Allerdings hatte ich damals gar nicht Julia Schramm gemeint, sondern Anatol Stefanowitsch, der damals die These vertrat, wir würden Bücher vor allem deshalb kaufen, weil uns Schriftsteller und deren Verwertungsindustrie eingeredet hätten, dass wir ihre Werke kennen müssten, um vollwertige Mitglieder der Gesellschaft oder einer ihrer Subkulturen zu sein. (Und dass diese in diesem Sinne auch die Lehrpläne der Schulen unterwandert hätten um sicherzustellen, dass wir lernen, ihre Werke als kulturelles Erbe der Menschheit zu betrachten.)
    Wer sowas schreibt, der MUSS von Bertelsmann gekauft worden sein, um die Urheberrechtsdiskussionen ins Lächerliche zu ziehen. Anders läßt sich das einfach nicht erklären.

  16. #16 threepoints...
    23. September 2012

    Dass uns Schriftsteller und deren Verwertungsindustrie einreden, dass wir ihre Werke kennen müssten, sei ja quasi Selbstzweck. Werbung … ist ja auch kein neues Phänomen. Die Manipulation stecke also schon strukturel eingebunden im System.
    Befürchte, dass man da nicht mehr rauskommt.

    Also ich weiß noch, als ich damals (als Kind) noch völlig ohne Kontakt und Kenntnis jeden schriftlichen Werkes mein Weltbild pflegte…Kultur und Subkultur gab es nicht (als Bedeutungsinhalt).
    Das war noch eine schöne Zeit. Nichts musste man sich erklären lassen, sondern alles wurde aus höchstselbstiger Erfahrung generiert. Man nennt diese Zeiten zuweilen auch “Paradies”…

  17. #17 mtaege
    23. September 2012

    Jürgen..
    ich war mal so böse, und habe die Medien bzw ihr Verhalten in der Causa Schramm genauer angesehen.
    An eine VT, egal ob die der Medien, oder die von Bertelsmann glaube ich wirklich. Sondern sehe darin ehr teils Herdenverhalten, bzw Marketingstrategie.
    Einen Buch pusch, kann die ganze debatte auf jedenfall bringen. Es wird darüber soviel geschrieben, dass es genung Leute geben wird, die da auch das Buch kaufen..

    “Herdenverhalten – Kampagne oder affiziertes Verhalten in der Causa Schramm? ”
    http://www.malkurznachgedacht.blogspot.de/2012/09/herdenverhalten-kampagne-oder.html

  18. #18 threepoints...
    23. September 2012

    @ mtaege 23/09/2012

    -> Ersetze “Herdenverhalten” gegen Schwarmverhalten und versuche zu erkennen, wieviel davon in deinem Bewusstsein bewusst wahrgenommen wird – oder ob alles nur eine sonderbare Tendenz deines Verhaltens dabei darstellt, die subjektiv nicht erklärbar ist, weil dabei die Kulturtechnik nicht kondtioniert sei. Un dman achte dabei auf das Gefühl – bei Betrachten und Gedanken etwa an ein Telefon/Handy oder …. Computer.

    Es müsse natürlich zwischen dem institutionellen Schwarm und dem sozialem Schwarm unterschieden werden – auch, wenn die sich überschneiden können. Marketingstrategie bildet dabei das institutionelle Kollektiv – die Konsumenten das soziale Kollektiv, je nach “Vorlieben”.

  19. #19 Heino
    24. September 2012

    Tja, das ist das mit den Verschwörungstheorie-Vermutungen. Stellen wir mal die Fakten so dar: Julia Schramm hat ein uninteressantes Buch geschrieben, Die Auflage wird vermutlich niedrig bleiben, der Vorschuss erscheint deutlich zu hoch und anschließend kam wieder die Debatte in Gang, die den Piraten ziemlich schadet.

    Ob nun Bertelsmann dahinter steckt, oder ob ein Random House Geschäftsführer sich gesagt hat, die 100k rentieren sich trotzdem bleibt im Dunkeln.

    Aber an einen kompletten Zufall bzw. eine völlig regulär ohne Hintergedanken ablaufende Sache mag man nicht so recht glauben.

  20. #20 ali
    26. September 2012

    Sind die 100000 eigentlich belegt? Aus politischen Gründen ein solches Gerücht in die Welt zu setzen wäre durchaus plausible Kabalen-Währung in dem Business (Politik, nicht Verlagswesen meine ich damit). Es ist schliesslich eine ziemlich grosser Betrag für eine eher darbende Branche. Ich möchte natürlich lieber daran glauben, dass solche Resultate dabei rauskommen, wenn PolitikwissenschaftlerInnen Verträge aushandeln.

  21. #21 Jürgen Schönstein
    27. September 2012

    @ali
    “Belegt” ist vielleicht zu viel gesagt – aber nicht dementiert. Und das wäre ja schon mal ein Anfang der Beweiskette 😉 So ganz außerhalb der Norm sind solche Beträge aber nicht, wie weiter oben festgestellt.

    Und damit hier keine Missverständnisse entstehen: Ich finde sowohl die Höhe als auch das Einkassieren eines solchen Vorschusses durch Julia Schramm als Autorin völlig in Ordnung (welche Konsequenzen das auf ihre Rolle als Politikerin hat, ist ein ganz anderes Thema). Ich finde sogar, dass Vorschüsse zwingend vorgeschrieben werden sollten. Bisher läuft das bei freien Journalisten (um mal bei dem Gebiet zu bleiben, das ich aus erster Hand kenne – aber ich nehme an, das ist in anderen Bereichen nicht anders) ja so, dass man auf Gut Glück einen Text anbietet, der – wenn man dieses gute Glück dann auch hat – sogar angenommen = bestellt wird (X Zeilen a XX Anschläge etc.). Dann investiert man seine Zeit und oft auch Geld (Reisekosten, Telefongebühren, Datenbankgebühren etc.) – bis dahin alles unbezahlt. Endlich liefert man den Text wie vereinbart ab, immer noch unbezahlt. Wenn man nun noch mehr Glück hat, soll er auch tatsächlich erscheinen – aber wenn sich’s die Redaktion aber inzwischen anders überlegt hat, kann man sich Zeit, Geld und Mühe schon mal in die Haare schmieren. Selbst große deutsche Tagezeitungen haben da keine Skrupel, wie ich aus eigener Erfahrung weiß – ein abgesprochenes Stück wurde dann mit “och, wir haben’s uns anders überlegt” abgewiesen. Und ob man dann nicht doch das dadurch erhaltene Material einem In-Haus-Kollegen zum “Nachbearbeiten” gibt (selbstverständlich ohne den Autor zu beteiligen), ist damit noch nicht mal gesagt. “Wir hatten schon ein Stück zum gleichen Thema in Vorbereitung, tut uns leid”, heißt es dann manchmal, wenn man nachhakt. Bei nicht rückzahlbaren Vorschüssen würde das sicher anders laufen – und dann wäre es auch nicht so schlimm, wenn man dann viele Wochen nach dem Erscheinen des Artikels auf sein Honorar warten muss. Kleine Verlage sind hier übrigens oft um Vieles besser als die Multimilliarden-Verlagshäuser.

  22. #22 Stefan W.
    29. September 2012

    Aus dem Stefan Niggemeier Blog:
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ekelhaft/

    Und sie spricht sogar damals schon, im April, dezidiert darüber, was ihre Haltung zum Urheberrecht für den Umgang mit ihrem Buch und möglichen illegalen Kopien bedeutet:
    Ich versuch das auch gerade meinem Verlag zu vermitteln. Ich saß in so’ner Vertreterkonferenz und dann kam die Marketinchefin und sagte: »Ja, Frau Schramm, wie sieht das denn aus, wenn das illegal runtergeladen wird?« Ich so: »Naja gut, ich will natürlich, dass die Leute dafür bezahlen, aber ich will auch nicht, a), dass Sie sie behandeln, als wären das Mörder, und, b), dann schaffen Sie doch legale Angebote. Es müssen legale Angebote geschaffen werden.«
    Worin soll nun der Widerspruch zwischen diesen Äußerungen vorher und dem aktuellen Vorgehen von ihr und ihrem Verlag bestehen? Was genau ist die Heuchelei?

    In eine Verschwörungstheorie fügt sich diese Äußerung schlecht ein, weil einleuchtender wäre, dass der Verlag die Füße still hält, wenn er sie reinlegen will, und mögliche Downloads gar nicht erst anspricht, weil, wer weiß, wie sie reagiert?

  23. […] immer (noch) Hochkonjunktur. Und weil’s so schön ist, werden sie auch gerne mal auch dann erfunden/konstruiert, wenn der Anlass eher trivial, die Resultate aber dem einen oder der anderen zu peinlich sind, um für sie […]