Die Idee, ungebildete, analphabetische Frauen aus Entwicklungsländern in nur sechs Monaten zu Solar-Ingenieuren auszubilden, klingt etwa so absurd wie der (fälschlicher Weise, siehe Kommentare) Marie Antoinette zugeschriebene Vorschlag an die hungernden Bauern, doch Kuchen zu essen, wenn sie kein Brot hätten. Doch nachdem ich diesen Trailer gesehen habe, denke ich, dass die Idee doch gar nicht so schlecht ist:

“Nur Frauen sind für diesen Job geeignet”, erklärt der Dozent hier. Sie seien geduldiger als Männer – und vor allem würden sie nicht sofort alles stehen und liegen lassen, um ihre neu erworbenen Kenntnisse in der nächsten Stadt lukrativer zu vermarkten.

Okay, das ist genau so gender-biased wie jedes andere Statement, das mit “nur Männer” oder “nur Frauen” anfängt und sich nicht direkt auf zellbiologische Vorgänge bezieht – aber als entwicklungspolitisches Statement nehme ich das jetzt einfach mal hin, denn in der Tat gibt es in diesen Gesellschaften starke Gender-Disparitäten. Nicht aus genetischen Gründen, und auch nicht als in Stein gehauenes Gesetz – aber als Status Quo allemal.

Die Ausstrahlung der Sendung in den USA habe ich leider verpasst, aber deutsche Zuschauer können sich den Dokumentarfilm am 29. November auf arte anschauen.

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Kommentare (12)

  1. #1 Marie Antoinette
    19. November 2012

    “…so absurd wie der Vorschlag Marie Antoinettes an die hungernden Bauern, doch Kuchen zu essen, wenn sie kein Brot hätten”

    Das hab ich nie gesagt. Bitte verbreiten Sie den Unsinn nicht weiter. Siehe z.B.
    http://www.zeit.de/2006/46/Stimmts-Revolutionskuchen

    MfG
    Marie Antoinette

  2. #2 wereatheist
    Welthauptstadt des 1. Mai
    19. November 2012

    Ooch, Mariechen, weene nich. Kommt der Doktor Pillermann, klebt den Kopp mit Spucke an…
    On Topic: solche Ansätze finde ich klasse, auch wenn 27 solar engineers weltweit nicht grad viel sind.

  3. #3 Randifan
    19. November 2012

    Ob die Weiterverbreitung einer nachgewiesenen falschen Behauptung, die bislang jeden Versuch sie zu wiederlegen, dem Thema barfüßige Ingenierurinnen hilfreich ist?

  4. #4 Jürgen Schönstein
    19. November 2012

    Es ging bei dem Zitat primär um die Illustration von Absurdität; es bleibt absurd, egal wem es zugeschrieben wird. Habe aber eine entsprechende Anmerkung in den obigen Text eingefügt. Ist’s jetzt genehmer?

  5. #5 Stefan W.
    19. November 2012

    @Randifan: Ob Nebensatzeinschübe, die im Eifer des Gefechts, wobei ein “~en” bei “nachgewiesen falschen Behauptungen” zuviel ist.

  6. #6 Stefan W.
    20. November 2012

    Die Frauen können nicht lesen und schreiben, werden aber mit einem Papschild “barefoot…” am Bahnhof aufmerksam gemacht?

    Ich witter Betrug! 🙂

  7. #7 miesepeter3
    21. November 2012

    Es ist nicht zwangsläufig so, dass Menschen ohne Bildung auch ohne Intelligenz seien.
    Allerdings kenne ich ein paar Leute, die trotz guter Bildung saublöd sind.

  8. #8 Leugnerentlarver
    23. November 2012

    Barfüßig okay, aber bitte auch im Bikini

  9. […] Warum Analphabetinnen, die in dem indischen Ausbildungsprojekt zu Solar-Ingenieurinnen ausgebildet werden, mit mehr Geduld arbeiten und nicht sofort wegziehen, “um ihre neu erworbenen Kenntnisse in der nächsten Stadt lukrativer zu vermarkten,” ist schwer zu sagen. Jürgen Schönstein nimmt “das jetzt einfach mal hin” und beschreibt das Projekt. […]

  10. #10 Silvia
    30. November 2012

    Kindererziehung, Pflege von Bedürftigen und Feldarbeit sind in vielen Regionen der Erde “Frauenarbeit”, daher sind sie “seßhafter” als ihre Männer, die entweder als Tagelöhner oder Viehirten weit vom Dorf entfernt arbeiten.

    Unter diesen realen Umständen macht es durchaus Sinn, diesen Frauen Wissen zu vermitteln, welches ihren Alltag erleichtert…

  11. #11 Stefan
    4. Dezember 2012

    typischer moderner Sexismus

  12. #12 ninamaus
    rum
    10. Dezember 2012

    also Sexismus ist nur ein Fetisch der gerne als Ausrede für schwache Frauen verwendet wird, finde ich nicht passend.