Justitia und die Mathematik

Wenn sich Gerichte auf ihr Verständnis von Mathematik im Allgemeinen und von Wahrscheinlichkeiten im Speziellen verlassen, dann tun sie der Gerechtigkeit sehr oft einen Bärendienst. Dies ist der Tenor eines – meiner Ansicht nach lesens- und diskussionswerten – Meinungsbeitrags in der heutigen New York Times: Justice Flunks Math – Gerechtigkeit fällt in Mathe durch. Die Mathematikerin und Autorin Leila Schneps und ihre Tochter Coralie Gomez, Ko-Autorinnen des gerade heraus gekommenen Buches Math on Trial, hängen ihre Btrachtungen an der aktuellen Revisionsentscheidung eines italienischen Gerichts gegen die Amerikanerin Amanda Knox auf, zitieren aber eine ganze Reihe von juristischen Fehlurteilen, die allein durch das nicht Verstehen statistischer Wahrscheinlichkeiten zustande kamen. Im Fall der niederländischen Kinderkrankenschwester Lucia de Berk, beispielsweise, war die – fehlerhaft berechnete – statistische Wahrscheinlichkeit, dass neun Kinder unter ihrer Obhut sterben, das Hauptbelastungsindiz.

Aber Mathematik kann natürlich auch das Gegenteil: Richtig angewandt, kann sie die Unschuldigen entlasten und vielleicht sogar Täter überführen (wenn es auch wohl in der Realität ein bisschen trockener zugeht als in der Fernsehsehrie NUMB3RS – Die Logik des Verbrechens). Oder, um mit den Worten der beiden Autorinnen zu schließen:

Good math can help reveal the truth. But in inexperienced hands, math can become a weapon that impedes justice and destroys innocent lives.
Gute Mathematik kann helfen, die Wahrheit zu enthüllen. Aber in ungeübten Händen kann Mathematik zur Waffe werden, die Gerechtigkeit verhindert und unschuldige Leben zerstört.

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