Vor zweieinhalb Jahren habe ich hier mal die Frage aufgeworfen, was an der Gentechnik eigentlich so schlecht ist. Meine Antwort, damals wie heute: ihr Image. Und damals wie heute kann ich den Vertretern der Pro-Gentechnik-Fraktion die Mitverantwortung an diesem Mangel nicht absprechen. Ich will nicht jedes Argument meines ersten Beitrags wiederholen – aber sie gingen mir alle wieder durch den Kopf, als ich diesen Beitrag von Brynja Adam-Radamanic in ihrer Wissensküche las. Ehe ich aufschreibe, was mich an diesem Beitrag “bewegt” hat, nehmt Euch bitte erst mal die Zeit, den Artikel zu lesen:

 

 

Als Blogger schenke ich ihr hier natürlich meine vollen Sympathien; Blogs leben davon, dass sich jemand engagiert – auch und gerade emotional engagiert – und Positionen deutlich und plakativ vertritt. Und wer der Autorin dafür Lob aussprechen will, sollte nicht zögern, dies dort auch in einem Kommentar zum Ausdruck zu bringen.

Aber ich gestehe gerne, dass es nicht der Beifall war, der mich zu meinem eigenen Posting hier animiert hat. Ich teile die Meinung der Autorin nicht; ich halte Kritik an der “grünen” Gentechnik nicht nur für zulässig, sondern für notwendig. Und nur weil sie von vielen geteilt wird, ist sie nicht automatisch populistisch. Kritik an der Gentechnik mit Ausländerhass und Rassismus gleichzusetzen, ist eine Trivialisierung von Xenophopie und Rassismus, das spricht für – genauer gesagt: gegen – sich selbst. Und das Argument, dass man durch Gegnerschaft zur Gentechnik ja die Arbeitsplätze und damit die Existenz schlechthin der vielen unschuldigen Mitarbeiter der einschlägigen Unternehmungen in Frage stelle – wie bitte? Mit dem gleichen Argument lässt sich alle Kritik, auch an Rüstungsbetrieben und Waffenproduzenten, Tabakherstellern und RTL2, niederbürsten.

Aber ich will hier keine Widerrede, Punkt für Punkt, entwickeln. Sondern nur mal ein paar der roten Tücher aufspannen, die in der Diskussion um grüne Gentechnik gerne gewedelt werden.

Da ist beispielsweise das Mem, dass die Gegner der grünen Gentechnik zu ungebildet seien um zu erkennen, dass auch die traditionelle Artenzucht eine Form der Genmanipulation ist und wer also gegen Gentechnik ist, folglich auch gegen die traditionellen Anbaufrüchte sein müsste. Der Haken ist dabei, dass genau dies ja einer der Ausgangspunkte der ökologischen Bewegung (deren Entstehen ich aus vergleichsweise großer Nähe mit verfolgen konnte) war: Gentechnik war in den 70-er Jahren noch gar kein weit verbreiteter Begriff, und doch gab es schon Kritik an der Agroindustrie, mit ihren Monokulturen und ihrem chemisch-technischen Produktionsaufwand. Und setze noch einen drauf: Die Kritik an der grünen Gentechnik ist eine Folge der Erfahrungen, die mit der tradiionellen Sortenzucht gemacht wurden.

Denn die hat, in der praktischen Anwendung, nicht zu mehr, sondern zu weniger Artenvielfalt geführt. Diese Grafik aus National Geographic veranschaulicht das Problem ziemlich deutlich:
food-variety-tree-754
Und die Arten, die es “geschafft” haben, sind nicht etwa die mit dem besseren Geschmack oder dem besseren Nährwert – sondern die, mit denen sich am meisten Geld verdienen lässt, weil sie beispielsweise am leichtesten zu ernten oder am längsten zu lagern sind. Kurz: Weil sie den Interessen der Anbieter am besten dienen. Wer wissen will, was ich meine, ist hiermit eingeladen, ein paar Erdbeeren, Tomaten, Äpfel oder auch eine Gurke aus dem nächsten Supermarkt zu probieren. Ich wäre nicht überrascht, wenn Verbraucher in einem Blindtest keinen Unterschied zwischen diesen Esswaren erkennen würden …

Aber, so das daraus abgeleitete Argument, ohne diese landwirtschaftlich-genetischen Errungenschaften (die hier wiederum die traditionelle wie die gentechnische Sortenzucht umfassen soll) würde die Welt halt verhungern. Wer gegen Gentechnik ist, will also, dass die Ärmsten in der dritten Welt Hunger leiden …

Davon abgesehen, dass die meisten dieser Sorten nicht für den Konsum in der Dritten Welt gezüchtet wurden: Hunger ist nicht etwa ein Problem der mangelnden Produktion, sondern ein Problem der Distribution. Auch hier wieder ein Beispiel aus National Geographic, das in seiner August-Ausgabe einen längeren Beitrag dem Problem der “Nahrungsunsicherheit” in den USA gewidmet hat. Der Anbau von Mais und Soja wird in den USA jährlich mit rund 11 Milliarden Dollar subventioniert (Obst und Gemüse, obwohl als wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung anerkannt, übrigens nur mit etwa 1,6 Milliarden Dollar jährlich) – und doch gibt es in Amerika Menschen, die Probleme haben, Essen auf den Tisch zu bringen. Dass die so genannten GMO, um die der Streit ja geht, irgend einen Beitrag zur Nahrungssicherung der Bevölkerung erbracht haben, ist bisher nicht erwiesen.

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Kommentare (112)

  1. #1 rolak
    28. August 2014

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    :-) nette Idee.

    Kritik an der Gentechnik mit Ausländerhass und Rassismus gleichzusetzen

    Hab ich nicht so gesehen (und schau auch jetzt nicht nochmal rüber), sondern mehr eine Gleichsetzung der poräferierten Methodik der Argumentation: Hauptsächlich bis völlig vorurteilsbasiert. Und diese Gleichsetzung ist imho berechtigt.

    mit denen sich am meisten Geld verdienen lässt

    Eine natürliche Folge des vorrangig gewinnorientierten Marktsystems – doch diese Kuh ist wohl noch wesentlich heiliger, was dann zu Stellvertreter-Frustabbau führt.

    Selbstverständlich sollte die Diskussion um (ua) grüne Gentechnik versachlicht werden – dann würde sich das Problem mit der Ausuferung in eine allgemeine Fortschritt- und Technikfeindlichkeit bzw -gläubigkeit auch automatisch erledigen.
    Doch Welt- und Feindbilder sind schwierig zu übertünchen – wie sagte Pispers: “Wenn man weiss, wer der Böse ist, hat der Tag Struktur”.

  2. #2 Karl Mistelberger
    28. August 2014

    > Kritik an der Gentechnik mit Ausländerhass und Rassismus gleichzusetzen, ist eine Trivialisierung von Xenophopie und Rassismus, das spricht für – genauer gesagt: gegen – sich selbst.

    Ein echter “Schönstein”, wie er immer wieder auftaucht: Punkt 1

  3. #3 Brynja Adam-Radmanic
    28. August 2014

    Ich hab befürchtet, dass meine Kritik so leicht abgebügelt werden könnte. So nach dem Motto “Ist ja lächerlich, Gentechnik-Ablehnung mit Rassismus gleichzusetzen, also muss ich mich mit den Argumenten auch nicht beschäftigen.” Tatsächlich geht es mir, wie rolak schon feststellte, vor allem um die Art der Argumentation. Und auch darum zu zeigen, dass eine Feindbild-getriebene Art der Argumentation in allen politischen Lagern vorkommt. Und dass das überall schlecht ist. Nicht nur bei den Rechten. Wer suggeriert komplexe Probleme beseitigen zu können, indem er “den Feind” besiegt, der ist Populist. Egal, welches Parteibuch er hat oder wie genau sein Feindbild aussieht.

    Heißt das, dass alle grünen Ziele und Sorgen falsch sind? Überhaupt nicht. Ich teile die Sorgen um das Schwinden der Sortenvielfalt und halte es für überlebenswichtig, dass es Erhaltungsprogramme dafür gibt. Auch war und ist die grüne Bewegung sehr wichtig, wenn es darum geht, die Nachteile der industrialisierten Landwirtschaft zu benennen und Herangehensweisen zu entwickeln, die die Nachteile ausgleichen können. Ich finde das absolut wichtig.

    Aber wie Sie ja auch betonen, sind die Entwicklungen, die Grüne und Umweltorganisationen kritisieren, schon älter als die Grüne Gentechnik. Das heißt aber auch: die Grüne Gentechnik ist nicht die Ursache des Problems, sondern nur eine Technologie, die unter anderem bei der Pflanzenzucht eingesetzt wird. Zu suggerieren, mit einem Verbot dieser Technologie würde man einen Riesensieg gegen diese ganze Entwicklung erreichen, ist daher total irreführend.

    Die Wahrheit ist doch: Es ist ein Stellvertreter- und Sündenbock-Krieg, der kein einziges der eigentlichen Probleme löst.

    Denn auch Biobauern pflanzen meist in Monokultur aus. Auch sie säen die ertragsreichsten, neuen, patentierten Hybrid-Sorten an. Auch sie spritzen Gift, natürliches Gift halt. Der Unterschied ist viel weniger groß als viele meinen.

  4. #4 Gerd Spelsberg
    28. August 2014

    Dass die Züchter nur danach gehen, womit am meisten Geld zu verdienen ist, ist doch ein ziemlich billiges Argument. Gezüchtet wird, was einen Nutzen hat: Anpassung an Standorte und Klima, Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge, natürlich auch Ertrag, bessere Lagerfähigkeit und Verarbeitung (z.B. Backfähigkeit beim Weizen!). Seit Mendel haben sich die Züchtungsmethoden immer mehr verwissenschaftlicht. Und was heute eine “Sorte” ist, ist nicht das gleiche wie eine “Variety”. (Insofern vergleicht die Grafik aus National Geographiv Äpfel mit Birnen.)

    Den Konflikt zwischen eine wissenschaftlichen Züchtung und der traditionellen Saatgut-Vermehrung durch die Landwirte gibt es schon länger. So gesehen ist die Debatte um die Grüne Gentechnik nichts Neues. Für die Konsumenten und die Öffentlichkeit ist Züchtung eine “Black box” . Man weiß davon kaum etwas, aber argwöhnt, dass sie allein dazu da ist, damit die Agroindustrie reich wird – ohne Rücksicht auf Umwelt und die Qualität der Lebensmittel.

  5. #5 jochen
    28. August 2014

    Danke für diesen Beitrag.

    Als ich den Artikel “Wir dulden Hass in unserer Mitte – wenn er grün ist” gelesen hatte, dachte ich erst WTF. Klar ist eine pauschale Verurteilung von Gentechnik keine Lösung, sondern ein Teil des Problems: Pauschalierung. Dennoch halte ich Kritik an Gentechnik für angebracht mit auch den obigen Argumenten.

    Auch habe ich gute Erfahrungen mit grünen “Populisten” gemacht. So war ich angenehm überrascht zu erleben, wie eine grüne “Populisten” die gegen Gentechnik und Atomkraft ist, sich aktive gegen eine Petition eingesetzt hatte, die ein Windpark in Ortsnähe verhindern wollte. Ihr Argument: Man kann ja nicht gegen alles sein und müsse sich entscheiden, wo die Energie herkommt. Von Hass absolut keine Spur.

  6. #6 Adent
    28. August 2014

    Ich sehe das ähnlich wie Rolak, besonders dieser Abschnitt hier ist sehr treffend

    Anzunehmen, dass etwas gentechnisch Verändertes ganz grundsätzlich gefährlicher ist als etwas Natürliches ist sogar ungefähr so seriös wie anzunehmen, der neue Nachbar verticke sicherlich Drogen, nur weil er eine dunkle Hautfarbe hat. Oder wie die Annahme, dass ein Typ bestimmt Millionen bei Schweizer Banken hat, nur weil er ein dickes Auto fährt. Alles drei ist schlicht und einfach ein Vorurteil.

    Exakt so wird die grüne Gentechnik heutzutage in den meisten Medien und der Politik dargestellt.
    Das ganze ist, wie Brynya treffend anmerkt schlichtweg Diskriminierung

    Aber generell von dem Einen aufs Andere zu schließen gilt zu Recht als diskriminierend.

    Ich denke das Jürgens Kritik am Ziel vorbeigeht, da der Blog von Brynya nicht Pro Gentechnik ist sondern Anti Gentechnik-Diskriminierung.
    @Jürgen
    Und das folgende hier Jürgen ist aus meiner Sicht ein Strohmann, da es nicht darum geht die Kritik an der Gentechnik wegzubügeln, sondern um die sozialen Folgen der unbegründeten und damit rein populistischen Kritik an einer Technik.

    Und das Argument, dass man durch Gegnerschaft zur Gentechnik ja die Arbeitsplätze und damit die Existenz schlechthin der vielen unschuldigen Mitarbeiter der einschlägigen Unternehmungen in Frage stelle – wie bitte? Mit dem gleichen Argument lässt sich alle Kritik, auch an Rüstungsbetrieben und Waffenproduzenten, Tabakherstellern und RTL2, niederbürsten.

  7. #7 Alderamin
    28. August 2014

    @Brynja Adam-Radmanic

    Respekt für den mutigen Artikel.

    Gentechnik hat mittlerweile einen dermaßen katastrophalen Ruf, dass man in der TV-Werbung schon darauf aufmerksam macht, etwas sei “gentechnikfrei”, was dann also eine positive Eigenschaft ist (so wie “atomwaffenfrei” oder “rassismusfrei”). Ich weiß nicht, ob an diesem völlig versauten Image noch etwas zu retten ist. Und wenn, dann ist der Weg lang und beschwerlich.

  8. #8 WolfInSheepskin
    28. August 2014

    Wie sieht Ihr Gehaltscheck von Monsanto aus?

  9. #9 Brynja Adam-Radmanic
    28. August 2014

    @WolflnSheepskin Wenn Sie mich meinen: ich kriege von keinem Geld für meine Meinung. Wieso? Kriegen Sie für diesen Satz was von den Verbänden der ökologischen Landwirtschaft?

  10. #10 Hobbes
    28. August 2014

    Ich finde die “roten Tücher” grenzen schon sehr an Strohmännern. Zu dem Rassismusvergleich wurde ja schon einiges gesagt.
    So ist es eine Unterstellung die Befürworter würden den Gegnern unterstellen per se zu ungebildet zu sein. Es ist jedoch häufig so, das bestimmte Sachen einfach nicht, bzw. falsch verstanden werden. Und das nicht von einigen, sondern von der breiten Masse. Wenn die “Aufklärer” dann wieder besseren Wissens Ängste schüren dann ist das sogar noch schlimmer.

    Das Hungerargument ist ebenfalls ein Strohmann. Kaum einer wird heut zutage noch behaupten Gen-Technik könnte den Welthunger besiegen. Aber er ist ein schritt in die Richtung. Wir haben kein Produktionsproblem sondern ein Distributionsproblem. Aber auch Nahrung “verschenken” löst keine Probleme siehe Afrika. Die Gentechnik besitzt hier Potential für diese Regionen konkurrenzfähige Sorten her zu stellen. Wer somit gegen jegliche Gen-Technik ist da “etwas unnatürliches” in die Natur kommt, der nimmt Probleme somit zumindest billigend in Kauf und muss sich somit zumindest die selbe Kritik an hören wie die katholische Kirche und die Folgen ihrer Kondomablehnung. Oder auch Impfgegner und radikale Abtreibungsgegner.

    Und beim dritten roten Tuch sei noch einmal an die Geschichte des Humaninsulins verwiesen. Die Argumente gegen die weiße Gen-Technik waren übrigens größten Teils die selben die gegen die Grüne benutzt werden.

  11. #11 Adent
    28. August 2014

    @Brynja
    Der Wolf ist nur ein Troll, stänkert überall rum.
    Meinen Gehaltsscheck von Monsanto sollte der mal sehen, uihuihuih sage ich nur 😉

  12. #12 roel
    *****
    28. August 2014

    Brynja Adam-Radmanic möchte, dass Deutschland nicht die Möglichkeit hat den Anbau von Gentech-Pflanzen zu verbieten:

    “Aber wenn in Brüssel alles so läuft wie geplant, […] darf Deutschland den Anbau jeder Gentech-Sorte einfach offiziell verbieten. Auch wenn sich die Pflanzen – wie bisher – in allen Tests als sicher erwiesen haben.”

    Ihr Anliegen ist es, diesem möglichen Verbot entgegen zu wirken. Bis das sie damit am Ende ihres Beitrags rüberkommt, reiht sich eine Strohmann und eine unbelegte Behauptung an die andere. Ich denke, das hilft nicht den Ruf der Gentechnik zu retten.

    @Brynja Adam-Radmanic Es wäre schön, wenn Sie auf den konkreten Gesetzentwurf und auf die Position der Bundesregierung verlinken würden.

  13. #13 Klaus
    28. August 2014

    Leider wird auch in diesem Artikel der Irrglaube weiter verbreitet, Anbieter würden Nachteile für Kunden einfach so in Kauf, um sich ohne Gegenleistung Vorteile zu verschaffen. Der Gedanke verstößt gegen jede vernünftige ökonomische Handlungsweise.

    Wenn Anbieter nur noch leicht erntbare oder lange haltbare Produkte anpflanzen, dann machen sie das ausschließlich den Kundenwünschen zu liebe. Denn diese Produkte sind billiger und Kunden kaufen meist lieber billigere Produkte. Den Anbietern ist es egal, wie schwer die Ernte ist. Wichtig ist ihm, damit Geld zu verdienen. Wenn die Leute tatsächlich mehr Sortenvielfalt wollten, würde sie diese auch kaufen. Sie machen es aber nicht. Bis auf wenige Ausnahmen bestimmen Nachfrager das Angebot, nicht die Anbieter.

  14. #14 maki
    28. August 2014

    Wie kann man eigentlich so etwas gutheissen? Obwohl man sehr gut anhand den USA sehen kann das Gentechnik in die Hosen geht? Die Natur lässt sich nun mal nicht überlisten, sie wird sich immer anpassen, egal was der Mensch noch so krankes im Schilde führt! Befragt doch einmal die Bauern in den Staaten was sie gegen die Superunkräuter machen die aufgrund der Gentechnisch veränderten Pflanzen wachsen! Der Herbizid Einsatz ist in den letzten Jahren gerade zu explodiert! Trotzdem verschwinden diese Unkräuter nicht mehr!! Das Original lässt sich nun mal nicht verbessern! Und Erträge steigert es auf Dauer auch nicht, vielleicht die ersten Jahre, aber danach gehen die Erträge rapide zurück, der einzige der sich freut ist der Saatgut Hersteller! Über den Nährwert so einer Pflanze brauchen wir glaube ich auch nicht sprechen, das ist nur mehr ein Magenfüll Produkt das nichts mehr mit einer Nahrung zu tun hat. Wann begreifen gewissen Individuen das man die Böden und Pflanzen wie das menschliche Immunsystem stärken sollte, anstatt es zu vergiften! Jeder Hobbygärtner kann es selbst probieren was besser auf die Dauer ist, synthetische Mittel einsetzen (was kurzfristige Erfolge erzielt) oder die dauerhafte Lösung die Böden stärken, den Nützlingen einen Platz anbieten usw. LG

  15. #15 Jürgen Schönstein
    28. August 2014

    @Brynja Adam-Radmanic #2
    Ich drücke mich nicht davor, mich mit Argumenten zu beschäftigen. Aber die Diskussion könnte dann, aus meiner Sicht, ausschließlich darum gehen, welchen Sinn es hat, die Diskriminierung von Menschen – und die IST ein gravierendes soziales Problem – mit der Ablehnung von Konsumprodukten gleichzusetzen. Wieviel Raum für Sachlichkeit in der Diskussion lässt so etwas denn noch?

    Nochmal: Es geht in der grünen Gentechnik um die Herstellung von Konsumprodukten. Nicht mehr, nicht weniger. Und selbst wenn die Ablehnung solcher Konsumprodukte auf Vorurteilen oder auf Nicht-Wissen-Wollen beruht, ist das keine Diskriminierung. Und es ist, in meinen Augen (darum schreibe ich es in meinem Blog) eine Trivialisierung, eine solche Analogie herzustellen.

  16. #16 Jürgen Schönstein
    28. August 2014

    @Klaus #13
    Na, wenn es nur darauf ankommt, was “der Verbraucher” will, dann ist doch alles bestens, und alles gesagt. Wenn Verbraucher Produkte mit GMO wollen, dann werden sie diese sicher auch bekommen. Nur: Warum ist es dann plötzlich “Diskriminierung”, wenn die Verbraucher keine GMO wollen?

    Doch ich bezweifele, dass diese Erklärung “der Verbraucher will’s ja so” wirklich dem Problem gerecht wird. Als KäuferInnen können wir immer nur aus dem auswählen, was uns angeboten wird

  17. #17 znEp
    twitter.com/znep82
    28. August 2014

    @maki
    Wenn sich das ‘Original’ nicht mehr verbessern lässt, wie erklärst du dir dann z.B. den heutigen Mais? de.wikipedia.org/wiki/Teosinte
    de.wikipedia.org/wiki/Mais
    Oder bei belieben auch jegliche ander Kulturpflanzen?

  18. #18 Jürgen Schönstein
    28. August 2014

    @Adent #6 Alderamin #7
    Ich denke, wir sind uns darin einig, dass die grüne Gentechnik primär ein Imageproblem hat. Das hatte ich vor zweieinhalb Jahren schon mal geschrieben, und das ist auch heute noch meine Überzeugung. Aber ein großer Teil des Imageproblems ist auf das Verhalten der Anbieter selbst zurückzuführen.

    Ich stimme allem, was Brynja Adam-Radmanic in #3, ab dem zweiten Absatz, geschrieben hat, uneingeschränkt zu. Doch was sagt uns das? Dass das Problem, das Menschen mit der grünen Gentechnik haben, eine komplexe Vorgeschichte hat. Dass der Unmut der Verbraucher schon über lange Zeit gewachsen ist – aber auch, dass das Misstrauen der Konsumenten gegenüber den Anbietern (allen Anbietern) nicht gänzlich unbegründet ist.

  19. #19 Brynja Adam-Radmanic
    28. August 2014

    @Jürgen Schönstein #16
    Nein, wenn ich als Verbraucher Produkte mit GMO will, dann bekomme ich die nicht. Das liegt nicht daran, dass sie verboten sind, sondern wenn ich das richtig verstanden habe, daran, dass die Händler und Ketten Angst haben fertig gemacht zu werden, wenn sie es wagen, etwas Gekennzeichnetes ins Sortiment zu nehmen. Ich lasse mich da gerne eines Besseren belehren, aber wenn das nicht massiver sozialer Druck von den einen Menschen auf andere Menschen ist, dann weiß ich auch nicht.

  20. #20 Brynja Adam-Radmanic
    28. August 2014

    @Jürgen Schönstein #16
    Der Populismus besteht nicht darin, dass hier Verbraucher keine GMOs wollen. Damit habe ich überhaupt kein Problem. Wirklich nicht. Ich bin dafür, dass das jeder vermeiden können soll, der das nicht will. Ich finde jeder Verbraucher hat ein Recht darauf, das selbst zu entscheiden.

    Populismus ist es für mich aber dann, wenn es eben nicht mehr in der Entscheidung der Einzelnen ist, sondern GMOs, zusammen mit den Saatgut produzierenden Firmen, den Bauern, den Wissenschaftler und den Händler zu einem unter allen Umständen zu bekämpfendem Feindbild werden in den Augen mancher Menschen. Da ist ein Hass, der sich gegen Menschen richtet. Gegen alle Menschen, die damit auch nur irgendwie zu tun haben.

  21. #21 Alderamin
    28. August 2014

    @Jürgen

    Doch was sagt uns das? Dass das Problem, das Menschen mit der grünen Gentechnik haben, eine komplexe Vorgeschichte hat. Dass der Unmut der Verbraucher schon über lange Zeit gewachsen ist

    Was hat Monsanto oder wer auch immer denn konkret verbrochen, das sie in Europa untragbar machte, aber in den USA anscheinend nicht? Alles, was ich gehört habe, drehte sich um Nutzungsrechte an den Pflanzen, Patente und betroffene Bauern, die mit Verboten belegt wurden. Natürlich verteidigt eine Firma ihre Pfründe, oft mit drastischen Mitteln, und natürlich ist der Gesetzgeber da in der Pflicht, faire Regelungen durchzusetzen.

    Aber in der Bevölkerung besteht doch hauptsächlich der Eindruck, dass genveränderte Produkte gesundheitsschädlich seien. Wie kommt es zu dieser Ansicht? Welcher Fall liegt dem konkret zugrunde? Oder war es am Ende nur schlechte Publicity aus dem linksgrünen Lager?

  22. #22 Wilhelm Leonhard Schuster
    28. August 2014

    Gentechnik und Image Problem:
    Ich meine, daß in diesem Falle die Contergan Geschichte,
    die ab und an auch heute noch auf den Straßen zu beobachten ist,sich sehr stark im Allgemein-Gedächtnis eingeprägt hat und nachwirkt: mit großem Mißtrauen gegenüber Entwicklungen
    Gen-Technischer Art.
    Daß Gentechnik, schon seit Urzeiten, von der Natur betrieben
    wird, ist eine Andere Sache.-
    Das geht halt unheimlich langsam, oder vielleicht auch mal spontan schnell (Tierkreuzungen ct.)

  23. #23 roel
    *****
    28. August 2014

    @Alderamin “Aber in der Bevölkerung besteht doch hauptsächlich der Eindruck, dass genveränderte Produkte gesundheitsschädlich seien.” Wie kommst du darauf.

    Laut Umfragen und Studien sind die Gründe eher mangelnde Information und mangelndes Vertrauen.

    Siehe auch http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/studie-verbraucher-stehen-gentechnik-skeptisch-gegenueber-a-92385.html und http://www.gfk.com/de/news-und-events/presse/pressemitteilungen/seiten/kein-appetit-auf-gen-food.aspx

  24. #24 roel
    *****
    28. August 2014

    @Brynja Adam-Radmanic

    “Nein, wenn ich als Verbraucher Produkte mit GMO will, dann bekomme ich die nicht. Das liegt nicht daran, dass sie verboten sind, sondern wenn ich das richtig verstanden habe, daran, dass die Händler und Ketten Angst haben fertig gemacht zu werden, wenn sie es wagen, etwas Gekennzeichnetes ins Sortiment zu nehmen”

    Da wird niemand fertig gemacht. Gentechnisch veränderte Lebensmittel sind im Handel kaum verkäuflich. Oder ist die Kennzeichnung “gentechnisch veränderter Lebensmittel” ein Fertigmachen? Ich denke nicht! Denn wie soll sonst der Verbraucher der gentechnisch veränderter Lebensmittel will (“wenn ich als Verbraucher Produkte mit GMO will, dann bekomme ich die nicht”) diese erkennen?

  25. #25 Jürgen Schönstein
    28. August 2014

    @Alderamin #21
    Der Ruf von Monsanto ist in den USA gewiss nicht besser als in Europa. Dass die Praktiken dieses Unternehmens nicht notwendiger Weise dazu beitragen, das Vertrauen in die Industrie insgesamt zu fördern, wird auch niemanden überraschen. Und das Wort “Industrie” ist hier ein Schlüsselwort: Es geht hier nicht um akademische Wissenschaft, sondern um Produktentwicklung für einen Massenmarkt.

    Der Angst vor Gesundheitsschädigung entsteht aus der Geschichte: Die Veränderungen in der landwirtschaftlichen Produktion, namentlich die Monokultur für den Massenmarkt, gingen in der Tat mit gesundheitlichen Nebenwirkungen einher – verstärkter Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, die sich direkt und indirekt auf die Gesundheit auswirken konnten. Das ist eine Erblast, die nunmal auf der Agroindustrie liegt. Zu behaupten, dass der Verbraucher dies “gewollt” oder gar “gefordert” hat, wäre zynisch – aber dieses Argument, dass alles eh’ die Schuld des Verbrauchers ist (siehe # 13), taucht immer wieder in der Diskussion auf. Hier haben wir nun den Fall, dass Verbraucher ihre Ablehung klar ausdrücken – damit muss die gleiche Industrie, die ja angeblich nur den Wille des verbrauchers erfüllt, dann einfach auch mal umgehen können. Es gibt Leute, die fanden, dass Betamax das bessere System als VHS gewesen wäre – trotzdem hat’s der Markt nicht gewollt. Die Liste der Produkte, die trotz höherer Qualität nicht den Wettbewerb gewonnen haben, ist lang.

  26. #26 Brynja Adam-Radmanic
    28. August 2014

    @roel #24
    Dass die Kunden es nicht kaufen ist das Eine. Dass die Händler es nicht anbieten, weil sie meinen, der Kunde kauft es eh nicht, ist das Andere. Alles noch in Ordnung.

    Nicht in Ordnung ist aber, wenn den Händlern mit Hilfe von PR-Kampagnen Angst vor Imageverlust gemacht wird. Wie ich drauf komme:

    Zudem setzen Umwelt- und Verbraucherverbände Hersteller oder Händler sofort unter Druck, wenn sie Produkt mit Kennzeichnung auf den Markt bringen.
    Quelle: Transgen

    Ich weiß darüber nichts Genaueres, aber ich halte es für sehr plausibel, dass das so passiert, nachdem was allein Greenpeace gerne für Kampagnen fährt.

  27. #27 Jürgen Schönstein
    28. August 2014

    @Brynja Adam-Radmanic #19
    Ich interpretiere “massiven sozialen Druck” mal so, dass es ein von einer Mehrheit ausgehender Druck ist. Das allein beantwortet schon einen Teil der Frage: Offenbar will die Mehrheit diese Produkte nicht. Andernfalls gäbe es ja einen massiven sozialen Druck für die Einführung dieser Produkte. ich lebe in den USA, bin also hinsichlich deutscher Alltagsereignisse auf Medien und gelegentliche Besuche angewiesen, daher meine Frage: Welche Übergriffe gegen Groß- und Einzelhändler, die GMO-haltige Produkte im Sortiment führen, gab es? Und in welcher Form sind diese Übergriffe repräsentativ für die Mehrheit (um eine solche scheint es sich, angesichts der politischen Situation, die Sie ja selbst bschreiben, zu handeln)? Und inwiefern ist Ihre Gleichsetzung von militanten Gentechnik-Gegnern mit der Mehrheit von Menschen, die keine GMO in ihrem Essen wollen, NICHT populistisch?

    #20 Die gleiche Frage betrifft den “Hass”, den Sie ja in Ihrem Artikel als gleichrangig mit dem Hass auf Fremde (Rassismus und Xenophobie) beschrieben haben: Wird dieser “Hass” tatsächlich von der Mehrheit geteilt? Und in welcher Weise ist die Herstellung eines unpopulären Produktes gleichzusetzen mit einem absolut schützenswerten Menschen- und Persönlichkeitsrecht? Dies sind ernst gemeinte Lernfragen meinerseits.

  28. #28 Jürgen Schönstein
    28. August 2014

    @Brynja Adam-Radmanic #26
    Druck auf Händler ist Teil des Systems – das gilt für die Einführung von Produkten ebenso wie für die Ablehnung derselben. Das hat nichts mit Diskriminierung des Händlers zu tun. Ich weiß, dass ich hier an den Geltungsbereich von Godwin’s Law stoße, aber der historische Bezug ist nicht zu übersehen: “Kauft nicht bei Juden” war eine klare, rassenideologische und abscheuliche Diskriminierung der Händler in ihren Persönlichkeitsrechten. Aber “Kauft nicht bei X, so lange die Y im Sortiment haben” greift diese Händler nicht in ihrer Menschenwürde an. Ich vermeide Supermärkte in den USA (wie WalMart, beispielsweise) die Schusswaffen im Sortiment haben, und ich wäre sicher dafür zu haben, ein Verbot des Verkaufs von Tabakprodukten in Lebensmittelgeschäften zu unterstützen (ich bin sowohl ein Gegner von Schusswaffen als auch von Tabakerzeugnissen) – bin ich also einem Rassisten, einem Ausländerhasser etc. gleichzusetzen?

  29. #29 roel
    *****
    28. August 2014

    @Brynja Adam-Radmanic

    Sie setzen also Druck von Umwelt und Verbraucherveränden gleich mit Fertigmachen. Ich sehe da einen deutlichen Unterschied. ABER den einzigen Druck, den ich kenne, ist der Hinweis in Produktests auf “gentechnisch veränderter Lebensmittel”. Ich bin über jeden Hinweis auf anderseitigen Druck dankbar.

    “Ich weiß darüber nichts Genaueres”, aber Sie schreiben darüber.

  30. #30 Hobbes
    28. August 2014

    Also zum Druck die die Anti-Gentechnik Lobby ausübt kann man ja auch zum Beispiel die Schließung des Schüleraufklärungslabores in Hannover nennen. Morddrohungen an Leiter von Gentechnikabteilungen. Zerstörungen von Versuchsfeldern. Oder auch die Abwanderung der Gen-Sparte von BASF wird ja allgemein auf “gesellschaftlichen Druck” zurück zu führen sein. Auch Kampagnen gegen die Gentechnik werden extrem emotionalisiert gefahren. Es geht dort meist weniger um Sachargumente als um das erstellen von Horrorszenarien.
    Jede Gruppe die mit “kann nicht mal einer an die Kinder denken” argumentiert ist an einen sachlichen Ausgleich nicht interessiert.
    In der Entwicklungshilfe gibt es ordentliche Diskussionen welche Art der Werbung wie vertretbar ist. In der Ökoszene wurden diese nie geführt. Dort scheint alles Legitim was der Sache irgendwie nützt.

    Man stelle sich einmal vor eine Firma die nicht für “das Gute” kämpft hätte so etwas wie die Seralini-Studie heraus gebracht. Oder irgend ein Thinktank außerhalb der Ökogruppierung hätte eine ähnliche Studie finanziert. Das wäre aber erhebliches Makel für alle. Greenpeace konnte das problemlos abschütteln.

    Und zu Kommentar 28
    Das sehe ich etwas anders. Kauft nicht bei X solange die Y im Sortiment haben ist ein harter Missbrauch der eigenen Macht. Boykottaufrufe von mächtigen Lobbygruppen sollten das letzte Mittel sein. Wie wäre es denn wenn Google auf einmal seine Liebe zum Kreationismus entdeckt und alle schwangerschaftsabbruchinfos mal ganz nach hinten stellen.
    Es gab schon Tierschutzorganisationen welche mit Aktionen gedroht haben sofern die entsprechenden Konzerne sie nicht unterstützen. (Ein Fall ist mir auch aus der Windenergie bekannt, aber der ist, soweit ich weiß, nicht bestätigt)

  31. #31 Jürgen Schönstein
    28. August 2014

    @Hobbes #30
    Es gilt hier aber zu unterscheiden zwischen extremen Einzelfällen (deren Motivantion übrigens nicht unbedingt so eindeutig ist – es gibt Gewalttäter, die sich lediglich einen Anlass suchen, ohne diesen Anlass selbst zu vertreten) und der breiten Masse – andernfalls begeht man selbst jenen Fehler des Populismus, den Brynja Adam-Radmanic kritisieren will.

    Zum zweiten Teil Deines Kommentars: Woher weißt Du, dass Google nicht in dieser Form manipuliert? Es gibt – bei Google wie bei Facebook – genug Hinweise darauf, dass dort in den freien Fluss der Informationen eingegriffen wird. Aber auch hier gilt, wenn dies offensichtlich würde, dass dann sehr schnell ein Korrektiv – eine andere Suchmaschine, eine andere soziale Plattform – diese Lücke füllen wird. (Ja, es gab und gibt andere Suchmaschinen und andere soziale Netzwerke, nichts ist hier für die Ewigkeit positioniert). Wenn die Verbraucher GMO wollten, würden sie diese auch bekommen.

    Der Haken ist halt nur, dass ich bisher noch nicht gehört habe, warum sie dies wollen sollten. Mit anderen Worten: Auf die Verbraucher einzugehen und ihre Sorgen und Ängste (wo die herkommen, habe ich ja nun schon mehrfach erklärt) erst zu nehmen, anstatt sie zu uninformierten Idioten und auf Populisten hereinfallende Deppen abzustempeln, wäre die bessere Öffentlichkeits-Strategie. Und endlich aufzuhören, das Schicksal einzelner Produkte mit dem Schicksal der Wissenschaft an sich zu koppeln (wie es Vertreter der Wissenschaft leider tun – warum, das ist mir ein Rätsel), wäre eine gute akademische Strategie. Die wissenschaftliche Reputation zur Verteidigung von MON810 in die Waagschale zu werfen, war da sicher nicht hilfreich.

  32. #32 Brynja Adam-Radmanic
    28. August 2014

    In einem Einkaufratgeber Gentechnik erklärte Greenpeace 2012 selbst, wie sie vorgehen. Dort heißt es: “Alle Supermärkte, die auf unsere Fragen geantwortet haben, erklärten, keinerlei Produkte zu verkaufen,die gentechnisch veränderte Zutaten direkt enthalten. Sie kommen damit dem Wunsch der Verbraucher nach. Einzige Ausnahme: das KaDeWe in Berlin. Hier werden eine Vielzahl von Produkten aus den USA verakuft, die aus gentechnisch verändertem Zucker, Soja oder Mais hergestellt werden und eine entsprechende Kennzeichnung tragen. Damit stellt sich das KaDe We sowohl gegen den Wunsch der Verbraucher als auch gegen die Meinung des Einzelhandels.”

    Dazu gibt es ein Bild mit der Unterschrift: “Gen-Alarm! bei US-amerikanischen Süßigkeiten” und ein anderes Bild, das einen Aktionsstand vor dem Kaufhaus zeigt mit der Unterschrift: “Greenpeace-Aktivisten protestieren in Berlin vor dem KaDeWe gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel.”

    http://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20140331-ratgeber-gentechnik-handelsketten-e00961.pdf

    Harmlos? Ich finde nicht.

    Hier demonstriert nämlich nicht der Verbraucher seine Macht, sondern eine mächtige PR-Maschinerie einer internationalen Umweltorganisation, die mit ihren Millionen Spendengeldern ihre Muskeln spielen lässt.

    Nach dem Motto: “Ach, ihr denkt, ihr könnt einfach GMO-Produkte verkaufen als wäre das ganz normal? Dann wollen wir doch mal sehen, ob wir euch nicht zur Strafe ein paar Umsatzeinbußen bescheren können, indem wir den Leuten, die bei euch einkaufen, mächtig Angst einjagen. Vielleicht überlegt ihr euch dann noch mal, ob ihr diese Produkte wirklich im Sortiment behalten wollt ….”

  33. #33 Jürgen Schönstein
    28. August 2014

    @Brynja Adam-Radmanic #32
    Ich nehme an, das KaDeWe ist in der Folge dieser Aktion Pleite gegangen, und Millionen von Berlinern wissen nun nicht mehr, wie sie an Lebensmittel kommen können… verzeihen Sie mir den Sarkasmus, aber eine Greenpeace-Demo vor dem Luxuskaufhaus KaDeWe ist für mich (und ich nehme mal an, nicht nur für mich) NICHT das gleiche wie eine “Ausländer-raus!”-Demo oder Gewaltaktionen gegen Asylbewerber. Und eine Gleichsetzung beider Aktionen ist eine Trivialisierung von Letzterem.

    Greenpeace und seine Millionen – hmm, ist das nicht auch eine sehr populistische Bezeichnung? Greenpeace hat, laut Wikipedia, ein Jahresbudget von knapp 240 Millionen €; Konzerne wie Monsanto oder BASF machen jährliche Profite in Höhe von 2,5 bis 5 Milliarden Dollar. Die “Macht” von Greenpeace erscheint mir da nicht so übermäßig. Wissen Sie denn, wie sehr die Umsätze des KaDeWe durch die Aktion eingebrochen sind? Das muss ja erheblich gewesen sein, denn andernfalls wär’s ja eher ein Erfolg FÜR die GMO-Anbieter, denn dann hätte Greenpeace ja seine Millionen, die diese Aktion ja anscheinend gekostet hat, ganz ohne irgend ein Resultat verschleudert.

  34. #34 Brynja Adam-Radmanic
    28. August 2014

    @Jürgen Schönstein #31
    Sie haben recht. Den meisten Leuten ist es schlicht egal, dass es keine GV-Produkte im Handel gibt. Ist ja nicht so, dass Ihnen was weggenommen würde, dass Ihnen was fehlen würde. Außer vielleicht den paar Leuten, die auf Import-Ami-Süßkram stehen. Ansonsten stellen sich ja die Produzenten und der Handel drauf ein. Also, was ist eigentlich mein Problem? Die Leute wollen’s halt nicht. Oder?

    Nun, ich sage: Wir haben doch gar nicht ausprobiert, was die Leute im Alltag dann tatsächlich wählen. Ob es wirklich so flächendeckend abschreckend ist, wenn das auf Produkten draufsteht. Bei den wenigen Produkten, bei denen die Lebensmittelproduzenten sich vor 15 Jahren vorgewagt haben, hat der Handel meist nicht mitgemacht, und wenn, dann hatten sie Greenpeace-Mahnwachen vor der Tür.

    Klar gibt es viele Leute, die sagen, dass sie gegen Gentechnik sind und entsprechende Produkte nicht kaufen würden. Aber die Leute reden viel. Und handeln tun sie dann ganz anders. Gerade beim Einkaufen zeigt sich das doch immer wieder.

    Deswegen glaube ich nicht, dass hier in Deutschland tatsächlich der Verbraucher entschieden hat. Entschieden haben Produzenten und Handel – weil sie berechtigte Angst haben, dass die mächtigen Umwelt-Organisationen ihnen sonst schaden.

    Klar muss es auch Leute geben, die diesen Organisationen ihre Macht geben. Aber es ist sicherlich keine Bevölkerungsmehrheit, die da spendet und unterschreibt.

  35. #35 Jürgen Schönstein
    29. August 2014

    @Brynja Adam-Radmanic #34
    Ich mach’s mal einfacher: Warum ist es, Ihrer Meinung nach, notwenidg, dass GMO in Lebensmitteln sein sollten? Oder warum würden Sie GMO in Ihren Lebensmitteln haben wollen? Welchen Nutzen erwarten Sie davon, und in welcher Form hat sich dieser Nutzen bisher als plausibel erwiesen?

    Wie Sie selbst sagen: Was wir essen, entscheiden im Prinzip immer nur die Produzenten und Vertreiber. Und dabei spielen – auch das lese ich aus Ihrem Kommentar heraus – die Präferenzen der Konsumenten nur eine nachrangige Rolle, die können ja immer nur zwischen dem auswählen, was ihnen angeboten wird. Und es gibt viele Verbraucher, die sich wirklich nicht darum scheren, was ihnen da vorgesetzt wird. Hauptsache billig. Die Folgen für die Landwirtschaft haben Sie ja, und da stimme ich Ihnen ja uneingeschränkt zu, bereits beklagt (#2).

    Aber daraus abzuleiten, dass sie dann auch bitteschön GMO klaglos zu sich nehmen sollten (schließlich haben sie den anderen Dreck ja auch gefressen) ist schon ziemlich zynisch. Selbst wenn GMO so harmlos sind wie, sagen wir mal, Pferdefleisch …

  36. #36 Karl Mistelberger
    29. August 2014

    Bei Brynja Adam-Radmanic kommentiert jemseneier und bringt solche Endlosdiskussionen wie zu den gentechnisch veränderten Organismen auf den Punkt: Fakten werden eigentlich gar nicht benötigt und sind auch niemandem zuzumuten: http://chiemgaugemseneier.wordpress.com/2011/09/05/mobilfunk-die-oberfeld-studie-und-wie-gefahrlich-nicht-existente-sendemasten-sein-konnen/

  37. #37 Adent
    29. August 2014

    @Jürgen

    Ich mach’s mal einfacher: Warum ist es, Ihrer Meinung nach, notwenidg, dass GMO in Lebensmitteln sein sollten?

    Zum Beispiel deshalb, weil dadurch weniger Kartoffeln der Kbollenfäule (ähnliches gilt für Tomaten) anheim fallen würden?
    Ich führe dieses Beispiel der Phytophthora-Resistenz deshalb auf, weil in Gesprächen mit interessierten Besuchern (in dem inzwischen auf Grund negativer PR der Lobbyverbände der Anti-GMO geschlossenen Schaugarten Üpplingen) genau dieser Aspekt auftaucht. Dort wurden eine zeitlang Phythophthora-resistente Kartoffeln angebaut und erklärt. Daraufhin kommt in der Regel die Frage, Oh das ist ja prima, gibt es das auch für Tomaten oder den heimischen Kartoffel-Anbau im Garten, meine Tomaten (oder Kartoffeln) verfaulen auch oft.
    Wenn man daraufhin sagte, nein das gibt es nicht, weil es durch gentechnische Methoden hergestellt wurde wird das von den Fragenden nicht verstanden.
    Das deutet sehr stark daraufhin, dass eine grobe Fehlinformation und Falschinformation der Verbraucher stattfindet und dies ist gewünscht, so verhindert man eine Aktzeptanz der grünen Gentechnik sehr effektiv.

  38. #38 Adent
    29. August 2014

    Ups, Knollenfäule soll es heissen.
    Was ich damit sagen will ist, Jürgen hat insofern recht, wir brauchen keine Gentechnik, es geht ja auch ohne, genausowenig aber brauchen wir Autos, Flugzeuge oder Heizungen, es ginge auch ohne, nur eben anders.
    Und die Aussage wir hätten lediglich ein Distributionsproblem und wenn wir die Lebensmittel einfach gut verteilen würden, dann wäre alles bestens, die bezweifele ich sehr stark.
    Wenn wir tatsächlich nur ein Distributionsproblem haben, dann sollten wir bitte aber auch auf exotische Früchte verzichten, denn es ist ja wohl ein wenig irrsinnig diese über die halbe Welt zu transportieren, wenn vor Ort Leute verhungern oder? Selbiges gilt für Weizen, Mais und eigentlich jedes Lebensmittel. Deutschland als Selbstversorger, da möchte ich mal sehen, was die jetzt noch grünen Anhänger dazu sagen.
    Natürlich brauchen wir für eine ausreichende Versorgung der Weltbevölkerung nicht zwangsweise Gentechnik (obwohl das fraglich ist, wenn man davon ausgeht, dass die Bevölkerung nicht stagniert), aber wir brauchen Techniken für eine effektivere Landwirtschaft, sprich Nahrungserzeugung, noch besser wäre wir züchten unsere Nahrungsmittel in Tanks (möchte das jemand lieber?) und eine davon ist die grüne Gentechnik.
    Die ist aber per se schlecht, also wird dagegen demonstriert, ist schon seltsam irgendwie.

  39. #39 Adent
    29. August 2014

    Und noch einer:
    @Jürgen
    Dieser Satz von dir drückt eigentlich schon alles zum Thema aus.

    Aber daraus abzuleiten, dass sie dann auch bitteschön GMO klaglos zu sich nehmen sollten (schließlich haben sie den anderen Dreck ja auch gefressen) ist schon ziemlich zynisch.

    GMO = weiterer Dreck = Propagandasprech (Frankenfood fehlt noch)
    und klaglos zu sich nehmen hat niemand behauptet oder?
    Nochmal, gentechnisch veränderte Pflanzen, Tiere oder Mikroorganismen sind in den meisten Fällen nichts anderes als normale Lebenwesen mit einer veränderten Eigenschaft (die oft auch ohne Gentechnik entstehen könnte, dafür nur sehr lange brauchen würde), warum also dieses der ganze andere Dreck etc.?

  40. #40 Brynja Adam-Radmanic
    29. August 2014

    @Jürgen Schönstein
    ist Populismus, der sich gegen eine Technologie / gegen bestimmte Produkte / gegen bestimmte Firmen richtet gleich schlimm wie ein Populismus, der sich direkt gegen bestimmte Menschen richtet? Oberflächlich betrachtet natürlich erstmal nicht. Die Effekte von Kampagnen gegen Firmen sind auch schlecht greifbar. Auch weil sie dem Druck ausweichen, der aufgebaut wird.

    Dass dieser – angeblich harmlosere Populismus – dem gleichen Muster folgt (Feindbild–Denken statt Problemlösung, Sündenbock-Jagd bis zum Endziel Vertreibung oder Vernichtung) ist dann ja nicht so schlimm. Oder?

    Dass es dieser grüne Populismus durchaus noch weiter geht, zeigt sich aber dort, wo Mobbing und Bullying Leute trifft, die nicht bereit sind auszuweichen. Zumindest erstmal nicht. Wissenschaftler machen das nämlich nicht gleich, wenn es um ihr Lebensthema geht. Und da geht dieser Populismus weiter. Er diffamiert, er droht, er vandalisiert. Und der Mob lässt auch nicht ab mit seiner Einschüchterung, mit seinen Drohgebärden, mit dem Aufheizen der Stimmung. – Bis der “Feind” aufgibt. Das kommt in diesem Zeit-Artikel gut raus:
    http://www.zeit.de/2008/19/Gentechnik

    Dieses Verhalten einer radikalisierten Minderheit und die teils zustimmende, teils duldende, teils ängstlich schweigende Masse im Hintergrund. Die glühende Gewissheit der Anhänger für die rechte Sache zu kämpfen. Die Dringlichkeit, mit der der Feind wirklich vollständig vernichtet werden muss….

    … ist das wirklich so harmlos? Die Parallelen so an den Haaren herbeigezogen? Der Vergleich so lächerlich?

    Nun… ich finde nicht.

  41. #41 Alderamin
    29. August 2014

    @Jürgen

    Der Angst vor Gesundheitsschädigung entsteht aus der Geschichte: Die Veränderungen in der landwirtschaftlichen Produktion, namentlich die Monokultur für den Massenmarkt, gingen in der Tat mit gesundheitlichen Nebenwirkungen einher – verstärkter Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, die sich direkt und indirekt auf die Gesundheit auswirken konnten. Das ist eine Erblast, die nunmal auf der Agroindustrie liegt.

    Wie auf der Industrie generell, die früher bei uns ungestraft die Flüsse und die Luft verpestete, keine Frage. Aber DDT wurde gesprüht, lange bevor es genmanipulierte Pflanzen gab. Und erst seit es Gentechnik gibt, werden ganz gezielt Stoffe gegen Schädlinge entwickelt, die nur gegen bestimmte Schädlinge wirken, bzw. Pflanzen, die von den Schädlingen verschmäht werden. Gerade dadurch lässt sich der bei Monokulturen unvermeidliche Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf das Nötigste reduzieren. Es ist etwas widersinnig, nur und gerade die Gentechnik wegen der Sünden der Industrie als Ganzes zu ächten. Gleichzeitig werden die Eier aus der Legebatterie anstandslos gekauft, auch wenn die Hühner jetzt zu ein paar tausend in einer großen Halle herumlaufen dürfen.

    Die Computer hatten in den 70ern und frühen 80ern auch mal so einen schlechten Ruf (Jobkiller, seelenlos, verursachen bloß Fehler, man erinnere sich beispielsweise an “Computer sind doof” von Spliff). Die haben aber nochmal die Kurve gekriegt, weil jeder mit ihnen zu tun bekam. Ich denke mal, mit der Gentechnik wird es irgendwann ähnlich laufen, der Druck auf Europa wird von außen kommen.

    Hier haben wir nun den Fall, dass Verbraucher ihre Ablehung klar ausdrücken – damit muss die gleiche Industrie, die ja angeblich nur den Wille des verbrauchers erfüllt, dann einfach auch mal umgehen können.

    Die Industrie erfüllt nicht den Willen des Verbrauchers, sondern versucht ihren Gewinn zu maximieren, was allerdings nur über die Verkaufszahlen geht, die letztlich vom Verbraucher bestimmt werden. Um diesen zu lenken, setzt sie Werbung ein (die bekanntlich lügt). Das System scheint auf den ersten Blick nachteilig für den Verbraucher zu sein, tatsächlich entstehen so die besten Produkte zum günstigsten Preis. Das System kopiert Prinzipien der Evolution: Vererbung (Kontinuität der Produkte), Mutation (Wettbewerb verschiedener ähnlicher Produkte unterschiedlicher Hersteller) und Selektion (Auswahl durch die Kunden). Daher ergibt sich wie in der echten Evolution eine nahezu optimale Lösung.

    Die Industrie kommt schon damit klar, dass die Gentechnik aus irrationalen Gründen bei uns (im Gegensatz etwa zu Homöopathie) nicht verkaufbar ist und wird ihre Märkte anderswo erschließen. Deswegen ist Homöpathie nicht vernünftig und Gentechnik nicht böse, und Aufklärung ist vonnöten. Der Artikel von Frau Adam-Radmanic ist sicherlich provokativ, aber er hält die Diskussion in Gang, vielleicht beschäftigt sich der eine oder andere dann doch mal damit, warum er die Gentechnik eigentlich ablehnt.

    Es gibt Leute, die fanden, dass Betamax das bessere System als VHS gewesen wäre – trotzdem hat’s der Markt nicht gewollt.

    Das lag daran, dass Betamax zu spät kam und schon zu viele VHS-Recorder auf dem Markt waren. Deswegen: nahezu optimal. Nicht absolut optimal. Genau wie bei der echten Evolution.

  42. #42 Hobbes
    29. August 2014

    “Aber daraus abzuleiten, dass sie dann auch bitteschön GMO klaglos zu sich nehmen sollten”

    Das wird ja nicht gemacht. Es gibt durchaus viele potentielle Gefahren in der Gentechnik. Das Problem ist nur das hier eine Technik (Wissenschaft) als ganzes versucht wird zu dämonisieren aus Angst vor möglichen Einzelkonsequenzen. Das hat religiösen Eifer.
    Vielleicht sehe ich die Kritiker auch zu kritisch aber mich erinnert das alles eins zu eins an die weiße Gentechnik und hier haben die Kritiker zumindest im Falle des Humaninsulins einen beachtlichen Schaden angerichtet. Wäre in den USA eine ähnliche Einstellung gewesen wäre Diabetes heute ein ernst zu nehmendes Problem (Also auch für die Gesellschaft und nicht nur für das Individuum).

    Auch wird mit der Kritik gegen die Technologie an sich und nicht gegen den sinnvollen Einsatz genau das Gegenteil erreicht. Kaum staatliche Forschung und keine kleinen oder mittelständischen Firmen. Somit bleibt alles bei Monsanto und co

  43. #43 jemseneier
    29. August 2014

    also ich halte Kritik an der Grünen Gentechnik sowohl als notwendig wie zulässig, aber:
    wenn man ständig diese ewig gestrigen Argumente hört, die einfach nicht stimmen, dann ist es eben nervig und definitiv populistisch. Ich lebe auf dem Dorf, bin manchmal auf Wahlkampfveranstaltungen und gelegentlich sogar auf einem Bauernstammtisch. Und da höre ich sehr populistische Argumente, meißtens verschwörungsteoretischer Natur: Weltherrschaft und so…
    …und da gibt´s dann Firmen die sich das Geschäft mit der Gentechnik-Paranoia ganz gut ein eingerichtet haben, um daraus Profit zu schlagen! … und die ganz nahe an unseren Landwirten sind und die mit den ganz einfachen Welterklärungen bedienen! Bestes Beispiel ist def. Greenpeace! … wenn man sich mal deren Werbung ansieht, verzerrte Gesichter auf Maiskolben… Gleichzeitig spricht sich Greenpeace gegen wissenschaftliche (unabhängige) Berater in der EU aus und verhindert naturwissenschaftliche Aufklärung an Schulen! das ist populistisch! Leute dumm halten um die eigenen Argumente zu konservieren. Gleichzeitig machen Greenpeace-Vorstände Tests zur Gentechnik und betiteln sich auch noch als “Unabhängig”, trotz ihrer Konzerntätigkeit. Bei Greenpeace gehts doch mittlerweile genauso um Profite wie beim ADAC. Geld verdienen durch die Angst der Verbraucher! Ich kenne Leute, die sich im Lokal ein Glas heißes Wasser bestellen, um ihren eigenen selbst-mitgebrachten Demeter-Teebeutel aufzulösen, weil die durch diese populistische Paranoia so paralysiert sind!
    Örtlich haben wir den Verein “Zivilcourage”, der die Gentech-Paranoia dazu verwendet um esoterische Bodensätze und Wasserenergetisierer zu verticken. Die sind mit der Masche wahnsinnig erfolgreich!
    Zudem ist die Ökologische Bewegung nicht mit den Grünen entstanden, sondern läßt sich auf die durchaus sehr sozialdarwinistische Lebensreformbewegung aus der Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert ableiten. Viele Biofirmen haben ihre Wurzeln aus der Zeit, hauptsächlich das was heute unter dem “Demeter” verkauft wird. Das Tierschutz und das Umweltschutzgesetz kommen auch beide aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Grünen haben diese Leute absorbiert, da gibts wenig kritische Dinstanz dazu!
    Ausserdem argumentieren Biobauern damit, man dürfe keine gentechnisch manipulierten Saaten einpflanzen, weil dadurch ihr Saatgut “verunreinigt” werden würde. Das ist natürlich Diskriminierung der anderen Landwirte gegenüber (und hat eigentlich auch so ein bisschen das Gschmäckle von der Rassenreinheit aus der Lebensreformbewegung). Den Konsumenten wird so vorgemacht, Gentech wäre giftig.
    Übersehen wird wie immer, und das was ja hier sogar direkt angesprochen aber nicht zuende gedacht wird:
    Alles was man der grünen Gentechnik vorwirft, gilt in gleichem Maß für jede andere Art von (konventionellen) Anbau. Logisch müßte nun sein, dagegen etwas zu tun, statt dieses industrielle landwirtschaftliche Fehlverhalten auf die Gentechnik abzuwälzen.

  44. #44 Jürgen Schönstein
    29. August 2014

    @Adent #41
    Es wird Dich überraschen, aber ich bin gar nicht so anderer Meinung als Du. Ich bin mir absolut sicher, dass Gentechnik einen positiven Beitrag leisten könnte, und ich habe dies in meinen beiden Beiträgen auch betont. Aber worum ging der Streit in Deutschland nochmal? Um MON810. Wenn Du sagst, dass massiver Pestizidensatz bei Monokulturen unvermeidlich ist (was stimmt, sage ich ja auch), dann ist das noch nicht automatisch ein Argument für die Gentechnik, sondern auch (und vielleicht sogar vorrangig) ein Argument gegen industrielle Monokulturen. Und der Hinweis auf das Verteilungsproblem war auch etwas anders zu verstehen: Es hilft den Hungernden wenig, wenn auf unseren Feldern noch mehr wächst – das ist schon jetzt nicht das Problem.

    Ganz generell: Ich bin auch dafür, die Diskussion im Gang zu halten. Drum schreib ich ja drüber. Aber ich finde, dass eine rhetorische Gleichsetzung von Gentechnik-Gegnern mit Rassisten gerade nicht dazu beiträgt, die Diskussion zu verbessern. Besser wäre es, die Kritiker und Gegner da abzuholen, wo sie stehen.

  45. #45 Jürgen Schönstein
    29. August 2014

    @Brynja Adam-Radmanic #40

    … ist das wirklich so harmlos? Die Parallelen so an den Haaren herbeigezogen? Der Vergleich so lächerlich?

    Nun… ich finde nicht.

    Ich finde schon. Die “Gewalt”, die von den Gentechnik-Gegnern – eine Demo vor dem KaDeWe? Wirklich? – ausgeht, ist eine ganz andere als die, die gegen Menschen anderer Herkunft verübt wird. Nein, ich muss mich korrigieren: Der Vergleich ist nicht lächerlich – er ist absurd.

  46. #46 Adent
    29. August 2014

    @Jürgen

    Wenn Du sagst, dass massiver Pestizidensatz bei Monokulturen unvermeidlich ist (was stimmt, sage ich ja auch), dann ist das noch nicht automatisch ein Argument für die Gentechnik, sondern auch (und vielleicht sogar vorrangig) ein Argument gegen industrielle Monokulturen.

    Das habe ich zwar nicht gesagt, es stimmt aber 😉
    Wir sind wahrscheinlich wirklich nicht weit auseinander in den jeweiligen Meinungen, was aber an Brynjas Artikel stimmt ist die Kritik der Vorgehensweise (so wie Rolak es anfangs sagte), die ist populistisch und diskriminierend, was nicht heißt, dass sie so schlimm ist wie Rassismus-Übergriffe, aber wie war das noch mti wehret den Anfängen? Ich möchte nicht erleben, dass Bauern die GVOs anbauen verprügelt oder totgeschlagen werden. Gewalt wurde schon ausgeübt unter anderem in Üpplingen, als dort die Protokollbücher bei einem nächtlichen Einbruch gestohlen wurden und die Wachleute angegangen wurden.

  47. #47 Adent
    29. August 2014

    Und zu den Monokulturen, glaubst du wirklich man könnte 7,2 Mrd Menschen ohne diese ernähren? Es klingt immer gut, wenn man sagt, nachhaltige Landwirtschaft mit vielen verschiedenen Varietäten und kleinen Feldern etc. pp. nur ist diese Art (Bio)-Landwirtschaft vielleicht ausreichend für 2-3 Mrd Menschen, aber nicht für die jetzige Anzahl oder noch mehr davon. Ähnlich wäre es Autos per Hand statt ian endlosen Monokulturen von Fließbändern zu bauen (was jetzt kein direkter Vergleich sein soll), dann kann man sich vielleicht ausrechnen was das kostet und wie lange gerade die autobesessenen Amerikaner auf ein solches warten dürften.

  48. #48 Alderamin
    29. August 2014

    @Jürgen

    Ich nehme an, #44 war an mich gerichtet, nicht an Adent.

    Wenn Du sagst, dass massiver Pestizidensatz bei Monokulturen unvermeidlich ist (was stimmt, sage ich ja auch), dann ist das noch nicht automatisch ein Argument für die Gentechnik, sondern auch (und vielleicht sogar vorrangig) ein Argument gegen industrielle Monokulturen.

    Ohne industrielle Monokulturen ist aber doch kein Maschineneinsatz (Mähdrescher zum Beispiel) möglich. Dann müssten viel mehr Menschen in der Landwirtschaft arbeiten und würden viel schlechter entlohnt (der Ertrag müsste unter ihnen verteilt werden). So war das im Mittelalter, da waren 90% oder so der Menschen arme Bauern, die sich im wesentlichen gerade selbst ernähren konnten und den Rest als Steuern an die Lehnherren abgegeben mussten. So können wir die Menschheit heute nicht mehr ernähren. Und die wächst immer noch, während die bebaubare Fläche nicht größer wird, möglicherweise eher kleiner durch den Klimawandel. Auch da kann Gentechnik durch Erhöhung der Widerstandsfähigket der Pflanzen nützlich sein (und wenn es nur kürzere Stengel sind, die die zunehmenden Stürme nicht so leicht umknicken können).

    Aber ich finde, dass eine rhetorische Gleichsetzung von Gentechnik-Gegnern mit Rassisten gerade nicht dazu beiträgt, die Diskussion zu verbessern.

    Es werden ja nicht alle Gentechnik-Gegner mit Rassisten gleichgesetzt. Gleichwohl gibt es unter ihnen (wie bei den Rassisten) Extremisten, deren Sprech nicht mehr als solcher erkannt wird und in der Politik hoffähig geworden ist, und darauf will die Autorin aufmerksam machen (habe ich jedenfalls so verstanden).

  49. #49 Jürgen Schönstein
    29. August 2014

    @Alderamin #48
    Ja, da habe ich den falschen Addressaten eingetippt. Und nein, ich verurteile nicht atomatisch die Monokultur – aber nochmal: Unsere landwirtschaftliche Produktionssteigerung wird die Dritte Welt nicht ernähren können – und wollen. Und darum ist das Argument, dass GMO in unser Essen gehören, weil sonst die Dritte Welt hungern muss, nicht tragfähig. Genetisch manipulierter Mais – und um den geht es primär, auch wenn die Diskussion daraus dann eher zu Grundsatzfragen geführt wird – ist nicht dafür geeignet, die Ernährungsprobleme in Afrika und Asien zu lösen, denn dafür war er gar nicht konzipiert. Die Gründe dafür sind mit humanitären Kriterien nicht zu umschreiben …

    Und der Vergleich funktioniert nur, wenn man Gentechnik auf eine Stufe mit Menschenrechten stellt (sonst sind’s zwangsläufig Äpfel und Pferdeäpfel).

    @Adent #46
    Bitte, der Einbruch und die Konfrontation mit Wachleuten sind sicher kriminell, aber mit der Diskriminierung und der Gewalt, die gegen Asylbewerber und Menschen mit anderer Hautfarbe gerichtet sind, einfach nicht vergleichbar. Und “wehret den Anfängen” ist, seltsamer Weise, auch genau das Argument, das die Gegner der grünen Gentechnik zu Populisten macht …

    @Adent #47
    Den Beitrag der Gentechnik zur Welternährung könnte man diskutieren. Welche Rolle diese aber bei der Zusammensetzung von Lebensmitteln in Deutschland spielt, wird dadurch nicht erklärt. Es ist das gleiche Argument, mit denen Kinder meiner Generation zum Aufessen von verschmähten Speisen genötigt wurden: Denk an die hungernden Kinder in Biafra! Wie die von meinem Übergewicht satt werden sollten, kapiere ich bis heute nicht …

  50. #50 Alderamin
    29. August 2014

    @Jürgen

    Und darum ist das Argument, dass GMO in unser Essen gehören, weil sonst die Dritte Welt hungern muss, nicht tragfähig.

    Nein, das ist nur ein Anwendungsbeispiel. GMO könnte bei uns aber eingesetzt werden, um weniger Pestizide, Dünger und dergleichen einsetzen zu müssen, oder um die Pflanzen robuster (gegen Unwetter, Frost, Parasiten was weiß ich) oder effizienter (mehr Ernten, mehr Fruchtanteil) zu machen. Was dann beispielsweise weniger Anbaufläche benötigen würde. Oder die Erzeugung von Biodiesel weniger kontrovers machen. Oder man könnte irgendwelche Rohstoffe von den Pflanzen produzieren lassen (Basisstoffe für abbaubaren Kunststoff, Grundstoffe für Medikamente etc.).

    Man könnte so vieles auch bei uns machen. Aber Europa entschließt sich gerade, komplett jeglichen Freilandanbau von GMO zu verbieten. Man schießt dabei weit darüber hinaus, den Kunden den Kauf GMO-freier Lebensmittel zu ermöglichen.