Das Thema sexuelle Gewalt an Colleges und Universitäten stand ja in den vergangenen Tagen hier schon gleich zweimal zur Debatte. Aber es wird mich – und vermutlich auch meine LeserInnen – noch eine Zeitlang beschäftigen; nicht so sehr, weil es ein neuer Trend ist (ganz im Gegenteil), sondern eher weil sich langsam überhaupt erst mal das Bewusstsein entwickelt, dass es tatsächlich ein Problem ist, das nicht mehr ignoriert werden kann. Im Zusammenhang mit diesem Problem habe ich auch den Begriff “Rape Culture” – Vergewaltigungskultur – ins Gespräch gebracht und bin damit natürlich prompt angeeckt: das sei ein feministischer Kampfbegriff, wurde mir entgegengehalten. Übersetzung: Wenn FeministInnen den Begriff verwenden, dann muss er ja für eine sachliche Diskussion untauglich sein. Und darum will ich hier mal ein paar Gedanken zum Thema “Vergewaltigungskultur” ausbreiten.

Und gleich vorweg: Jawohl, das ist, wenn man so will, ein Kampfbegriff – etwa so, wie “Freiheit” oder “Diktatur” Kampfbegriffe waren und sind. Sie drücken etwas aus, für oder gegen das man kämpft – nicht mehr und nicht weniger. Aber gibt es denn überhaupt diese Vergewaltigungskultur, oder ist das nur ein polemischer Begriff, der dazu dienen soll, Männer generell zu diskreditieren?

Wenn eine Dame “nein” sagt, meint sie “vielleicht”. Wenn eine Dame “vielleicht” sagt, dann meint sie “ja”. Und wenn sie “ja” sagt, dann ist sie keine Dame.

Diesen Spruch, mal als Aphorismus verkauft, mal als Witz konfiguriert, kann man in rund 770.000 Variationen bei einer simplen Google-Suche finden. Und vermutlich hat jede(r) meiner LeserInnen ihn schon mehr als einmal gehört oder gelesen. Während wir noch darüber nachdenken, warum er wohl hier steht, nehmen wir uns mal die Zeit, noch ein bisschen weiter dem Begriff der Vergewaltigung nachzugehen.

Wie würde man Vergewaltigung wohl am zutreffendsten definieren? Schauen wir doch mal ins deutsche Strafgesetzbuch, in dem der Paragraph 177 folgendes feststellt:

1) Wer eine andere Person
1. mit Gewalt,
2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder
3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,
nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

Einfacher ausgedrückt, wenn eine Person sexuelle Handlungen über sich ergehen lassen muss, der sie oder er nicht zugestimmt hat, dann ist das sexuelle Nötigung oder (wenn diese Handlungen einen Geschlechtsakt einschließen) Vergewaltigung. Aber gibt es denn ganze Kulturen, die dem nicht zustimmen würden? Die, mehr noch, diesen Zwang für den kulturellen Normalfall ansehen? Nun, bis 1997 war Deutschland gewiss eine solche Kultur: Vergewaltigung war bis dahin immer außerehelich definiert – eine Ehefrau war nicht nur nicht davor geschützt, gegen ihren Willen sexuelle Handlungen durch ihren Ehemann (ja, auch das war so definiert: Vergewaltiger mussten einen Penis haben) zu erdulden – im Gegenteil: Es war ihre “eheliche Pflicht”, und im Jahr 1966 hatte der Bundesgerichtshof sogar entschieden, dass sie diese mit Freuden zu erfüllen habe: “Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, daß sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen läßt.” Wie gesagt, das war eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs, der sozusagen unsere oberste juristische Instanz für Verhaltensnormen ist, und die immerhin 19,6 Millionen Ehefrauen (Stand 1977) betraf – erscheint einem da der Begriff “Vergewaltigungskultur” immer noch übertrieben?

Und wie ist es mit Kulturen, in denen Frauen zur Ehe – und dann natürlich zu allem, was zu einer Ehe eben gehört – gezwungen werden? Zwangsehen, die gelegentlich auch gerne als Heiratsvermittlung verbrämt werden, sind weltweit durchaus üblich und finden auch in Deutschland tausendfach statt – und in keinem dieser Fälle hat die Frau ein Selbstbestimmungs- oder Mitspracherecht.

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Kommentare (146)

  1. #1 Sascha
    23. November 2014

    Hierzulande wird sich immer wieder über die “Rückständigkeit” der islamisch dominierten Länder aufgeregt. Aber unter der Fassade sieht es im Abendland leider auch nicht viel anders aus.
    Leider brauchen sozial tiefgreifende Veränderungen mehrere Generationen, um Alltag zu werden.

  2. #2 der eine Andreas
    23. November 2014
  3. #3 David
    23. November 2014

    Ich finde es ein wenig befremdlich wenn jetzt schon nicht mehr nur Fernsehserien, Musik und Turnschuhe aus den USA importiert werden, sondern wir uns auch die selben Probleme herbeischreiben, völlig egal ob diese bei uns überhaupt vorhanden sind oder einen Nährboden haben. Der Begriff “rape culture” ist in den USA im Zusammenhang mit fraternities, also Bruderschaften an US colleges populär geworden soweit ich weiss, und völlig egal ob zurecht oder nicht, mir ist ist nicht bekannt, dass dieses Problem in Deutschland, oder generell Mitteleuropa, ebenfalls existiert. Ich bin in meinem Leben mehr als 10 mal umgezogen, vom Dorf über Klein- bis hin zur Großstadt war alles dabei. Nirgends habe ich eine einzige Person, geschweige denn eine “Kultur” kennengelernt, die ein “Nein” nicht auch als nein interpretieren würde.

    Und ja, man sollte jeden Menschen dazu erziehen ein nein, oder seine Wünsche ganz allgemein, so klar wie möglich auszudrücken, und genau da liegt das Problem mit dem Mythos “rape culture”. Der moderne third wave Feminismus hat es mittlerweile geschafft die Frau noch weiter in die Opferrolle als stummes, hilfloses Wesen zu drängen als es das angebliche Patriarchat jemals hätte schaffen können. In den USA, vor allem im Umfeld der colleges, werden Frauen mittlerweile dazu erzogen, dass nahezu jeder Kommentar, jeder Spruch und jede Begrüßung eine Nötigung darstellt ( teilweise sogar das ignoriert werden ), und das Frauen eigentlich keinerlei Eigenverantwortung für ihr Handeln übernehmen müssen, schon zwei mal nicht wenn sie trinken, bzw. wenn man sie betrunken macht, passiv natürlich.

    Es ist genau diese Geisteshaltung, die dafür sorgt, dass Frauen in ihrer Opferrolle verweilen, sich sogar immerweiter damit arrangieren, statt sich wirklich zu emanzipieren. Genährt wird dieser Unsinn dann von unhaltbaren Statistiken wie “1 out of 5 women in college will be raped”, egal ob die befragten Frauen dass selbst so sahen oder nicht, hauptsache der status quo bleibt weiterhin auf “Opfer”.

    Es gibt gute Gründe die Messlatte für Vergewaltigungen hoch zu hängen, denn es ist ein sehr schwerwiegender und mitunter lebenszerstörender Vorwurf, in beide Richtungen. Hier sollte immer die Polizei involviert werden, und zwar unmittelbar nach der Tat. Klar, manchen Leuten wäre es lieber der Betroffene würde einfach so exmatrikuliert sobald man seine Matratze über den Campus schleift, aber die Unschuldsvermutung darf in einem Rechtsstaat nicht aufgeweicht werden, für kein Verbrechen.

    tl;dr: Es gibt keine Vergewaltigungskultur in Deutschland, und ich wage es zumindest zu bezweifeln, dass sie in der beschriebenen Form in den USA existiert. Ganz nebenbei finde ich die “Beweisführung” in diesem Artikel mehr als fragwürdig, vor allem die Anzahl der Google Treffer anzuführen ist absurd. “Heil Hitler” liefert über 1 Millionen Treffer, und was sagt das jetzt über “Nazideutschland” heute aus?

    Sucht man nach dem Satz ganz genauso wie hier geschrieben, findet man ihn übrigens genau ein einziges mal per Google, nämlich hier, in ihrem Artikel. Sucht man einfach nur nach den Wörtern in ihrem Satz findet man schon auf der ersten Resultat-Seite Sätze wie diesen: “Zum Beispiel, wenn der nette Typ aus der Bar zum Abschied sagt: … Dann hoffen wir natürlich, nein, wir glauben fest daran, dass er es auch tut.”

    Sie sehen hoffentlich, dass das mit ihrem Sprüchlein nichts mehr zu tun hat und wieso die Anzahl der Google Treffer nahezu keine Aussagekraft hat.

    mfg

  4. #4 Bhaal
    23. November 2014

    Danke für den Beitrag.

  5. #5 rolak
    23. November 2014

    Mist, erst abschicken und dann Tab schließen, weitersurfen, frühstücken und sich wundern, wo der Text geblieben ist…

    Selbstverständlich ists ein Kampfbegriff (warum eigentlich in “”?), was an sich wertfrei ist, ganz im Gegensatz zu der Benennung als Totschlagargument. Kampfbegriffe erscheinen in der Erinnerung wie leicht erinnerliche Landmarken des Geschehens über die Jahrzehnte, manche (Bsp) begleiten (wechselnd intensiv) durchs ganze Leben…

  6. #6 Greyjoy
    23. November 2014

    Einer der typisch ideologisch gefärbten Artikel der so aus den USA stammen könnte – und so richtig _anbiedernd_ !

    @David
    Gut auf den Punkt gebracht!

  7. #7 Ketzer
    23. November 2014

    Ich erlaube mir den Hinweis, dass unser Begattungsverhalten eine biologische Grundlage besitzt und dem anderer Wirbeltiere ähnelt. Die Paarung gegen den Widerstand des Weibchens ist ebenso natürlich wie beispielsweise sexuelle Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partner_innen.

  8. #8 rolak
    23. November 2014

    Dank ähnlicher Schwafeleien wirdt mein Bekanntenkreis immer wieder schön ausgedünnt…

  9. #9 haarigertroll
    23. November 2014

    @Ketzer: Das ist jetzt aber etwas oberflächliche Rosinenpickerei: Erstens, nicht bei allen Wirbeltieren ist das Männchen der “Jäger”, der das Weibchen als “Beute” zur Strecke bringen muss. Zweitens, nicht alles was “natürlich” ist, ist auch gut. Ich bin jedenfalls ganz froh darüber, täglich unnatürlich unverdorbenes Essen appetitlich zubereitet zu mir nehmen zu können ohne Angst haben zu müssen, selbst auf ganz natürliche Weise von Raubtieren verspeist zu werden.

    Aber zum eigentlichen Punkt: Ich war ja beim ersten Artikel zu dem Thema auch noch fast geneigt zu schreiben “sowas gibt’s doch nicht bei uns!”, muss aber mittlerweile einsehen, dass es nicht ganz so abwegig ist. Auch wenn seit ein paar Jahrzehnten bei uns auch Frauen ein gewisses Maß an sexuellem Selbstbewusstsein zugestanden wird, ist es doch immer noch so, dass eine Frau, die sich in sexuellen Belangen eindeutig äußert wahlweise als Schlampe (wenn sie “ja” sagt) oder als Zicke (wenn sie “nein” sagt) wahrgenommen wird. Und solange man den Frauen eintrichtert, dass sie sich um des lieben Anstands willen doch ein bisschen zieren sollen können wir Männer uns einreden, dass wir die Mädels halt “zu ihrem Glück zwingen” müssen.
    Und da sind wir schon gefährlich nahe beim “Du willst es doch auch”.

    Grundproblem ist meiner Meinung nach die wieder zunehmende Unterdrückung der Sexualität. Wenn den Kindern erzählt wird, das wäre etwas schmutziges und peinliches, von dem man besser nichts wissen sollte, dann erschafft man perfekte Täter und Opfer. Opfer sind die, die sich schämen und nicht wissen, wie sie zu reagieren haben. Täter werden die, die um die Hilflosigkeit ihrer Opfer wissen, aber auch die für ihre aufgestaute sexuelle Energie kein anderes Ventil wissen.

  10. #10 Bullet
    23. November 2014

    Als kleiner Zwischenruf, bevor mir das dumme Geschwafel von Greyjoy oder Ketzer wieder den Hals schwellen läßt:
    Robert Thicke – Blurred Lines? Da war doch was?

  11. #11 Hobbes
    23. November 2014

    “Die Paarung gegen den Widerstand des Weibchens ist ebenso natürlich wie beispielsweise sexuelle Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partner_innen.”
    Oder so natürlich wie der Infantizid. Auf viel Verständnis würde ich für solche Aktionen deshalb nicht hoffen.

  12. #12 Hobbes
    23. November 2014

    Was die Art des Kampfbegriffes angeht würde ich ihn schon anders bewerten als “Diktatur” etc. Vergleichbar wäre es mit Unterdrückungskultur.
    Und da sehe ich auch ein kleines Problem. So kann man zum Beispiel zu recht sagen das in der DDR eine Unterdrückungskultur geherrscht hat. Zumindest ist das um ein vielfaches eindeutiger als eine Vergewaltigungskultur im heutigen Deutschland. Trotzdem fände ich den Begriff auf die DDR bezogen sehr unglücklich gewählt da Kultur immer etwas aktiv gelebtes ist bzw etwas mit dem sich das Volk identifiziert. Eine “Negative Kultur” ist somit immer ein sehr harter Vorwurf.

    Auch eine Beischlafpflicht in der Ehe halte ich da noch lange nicht als Grund genug für so einen Vorwurf. Das man, wenn man eine Ehe eingeht man damit auch sich zum Beischlaf verpflichtet ist ja nichts was vorher unbekannt war. Sicherlich ist es in gewisser Weise das ausnutzen einer Zwangssituation wenn man bedenkt wie schwer es für Frauen früher möglich war ihren Lebensunterhalt selber zu bestimmen. Aber der Partner durfte ja noch frei gewählt werden. Somit würde das maximal die Anzahl der Frauen betreffen welche komplett Asexuell sind. Und auch wenn ich die Menge nicht kenne so schätze ich doch das dies nicht reicht damit man von einer Kultur reden kann.

    Auch die Frage wann ein “Nein” ein Nein ist halte ich nicht für so einfach. Jeder wird sich wohl schon einmal dazu überredet haben lassen auf eine Feier oder Veranstaltung mit zu gehen auf die man eigentlich keine Lust hatte. Wenn das bei mir der Fall war fühlte ich mich danach keineswegs genötigt. Mit die besten Erlebnisse habe ich gehabt bei Sachen auf die anfangs keine wirkliche Lust hatte. Warum soll das bei Sex anders sein? Überreden ist ja eben nicht gleich zwingen. Der Mann versucht sich ja als Produkt bei der Frau zu verkaufen und dazu benutzt man(n) natürlich Werbung. Hier gibt es natürlich grenzen. Aber diese sind je nach Umfeld und Beziehung unterschiedlich.
    Wichtig ist lediglich das jederzeit die Möglichkeit auf ein Nein besteht. Es muss aber nicht jede Ablehnung als ultimativ gelten.

  13. #13 DasKleineTeilchen
    23. November 2014

    “rapeCulture” ist, wie so viele kampfbegriffe, mittlerweile schlicht ein totschlagargument geworden. ich muss allerdings @jürgen bei einigem beipflichten (eigentlich klar), genauso aber auch @david;

    “Aber wenn’s dann passiert, wie reagiert dann unsere Kultur? Leider viel oft damit, dass sie dem Opfer entweder nicht glaubt, oder ihm perfider Weise unterstellt, selbst Schuld zu sein – warum hat sie denn nicht “nein” gesagt?”

    tja. @jürgen, da hat sich aber doch einiges geändert, daß mag vor jahr(zehnten) noch der standart gewesen sein, und kommt garantiert auch heute noch vor, anderseits ist daß durchaus zum ultimativen druckmittel geworden; der fall kachelmann ist kein einzelereignis.

  14. #14 Earonn
    24. November 2014

    Eine “rape culture” haben wir, finde ich, insofern, als vielen scheinbar gar nicht klar ist, was alles eine Vergewaltigung ist. Wie schon mal erwaehnt, bei uns hing letztes Jahr vor dem Polizei-Hauptquartier noch ein Plakat “If she’s sleeping, it’s a no”.
    Sind jetzt alle Jungs hier oben so daemlich, dass sie das nicht wissen? Oder ist es nicht doch vielmehr so, dass das Wort “Vergewaltigung” eben doch noch das Bild des Fremden hinterm Gebuesch wachruft, der Gewalt benutzt?

    Und wie ‘darf’ eine Frau denn reagieren? Vor einiger Zeit hat ein Typ mich mehrmals, und trotz sehr lauter, sehr deutlicher Worte meinerseits, begrapscht.
    Was ihm schmerzhaften Kontakt mit meiner Hand eingebracht hat.
    Reaktion einer Person, die ich um ihre Zeugenaussage bat (da er sofort wuetend abzog, um ob meiner Brutalitaet die Polizei zu rufen):
    “Ja, war das nicht auch ein bisschen uebertrieben?”

    Und das ist auch Vergewaltigungskultur. Dass frau gefaelligst nett und lieb und ruhig zu reagieren hat, allenfalls weggehen darf. Selbstjustiz ist natuerlich immer eine heikle Angelegenheit, doch es ging hier nicht um rechtliche Dinge. Es ging offensichtlich darum, dass eine Frau nicht schlaegt. Auch nicht im Falle von sexuellem Missbrauch.

    Ich finde den Begriff ‘Vergewaltigungskultur’ etwas hoch gegriffen, aber wie beschreibt man es, dass sexueller Missbrauch – uebrigens auch an Maennern, die aber ebenfalls im klassischen Verstaendnis eher selten auftauchen – so tief in unserer Erziehung verankert ist, dass wir fuer einige Dinge blind sind?

    Wer hat passende Alternativvorschlaege?

  15. #15 Ursula
    24. November 2014

    Mir scheint dieser Begriff ehrlich gesagt nicht sooo weit hergholt auf Basis eigener Erlebnisse – ähnlich wie in deiner Schilderung @Earonn – bzw. auf Grund von Kommentaren in diversen Foren.
    Wirklich erschreckt hat mich die TV Sendung “Inas Nacht” vom Sa. 22.11.. Mehr oder weniger zufällig da hineingeraten, weil ich nicht schlafen konnte. Da erzählt doch glatt irgendein alter, abgetakelter Möchtegern Playboy, dass er gerne Frauen Wodka in den Sekt geschüttet hat, um sie gefügig zu machen, und auf die Frage der Moderatorin, ob das feine Art sei, gibt er die Antwort, das wäre ihm wurscht gewesen, haupsache was fürs Bett. Viel schlimmer fand ich allerdings die Reaktion der Moderatorin und des Publikums zu seinen Äußerungen, Gelächter und sogar Applaus.Warum wird der nicht mir einem nassen Fetzten und unter Buhrufen aus den Studio gejagt. Er scheint irgendeine mehr oder weniger bekannte Persönlichkeit in Deutschland zu sein.Rolf Eden heißt der Ungustdodl.
    P.S. Mich hat damals die Umsichtigkeit einer Unbekannten vor Schlimmeren bewahrt, die hatte nämlich mitbekommen, dass mir wer Schnaps ins Bier gegossen hat. Mein damaliger “Freundeskreis” fand das witzig.
    Ich finde, Vergewaltigungskultur passt ganz gut.

  16. #16 Hobbes
    24. November 2014

    Das es Subkulturen gibt in denen die Vergewaltigung oder Ausnutzung im sexuellen Sinn breite Zustimmung erfahren bzw. diese explizit fordern bestreitet ja keiner. Das Problem ist nur das der Begriff “Vergewaltigungskultur” eben so tut als wäre es keine Subkultur sondern ein akzeptiertes Massenphänomen.
    Fakt ist natürlich das “rapeculture” in vielen Bereichen gibt die nichts miteinander zu tun haben. Das geht von der “MadMan” Gesellschaft des Chefs der die Sekretärin für Freiwild hält, über Bereiche der Homosexuellenszene oder die Zwangsprostitution bis hinein in die Hippiekommunen.
    Allein das die Gründe dafür schon so verschieden sind (von Dominanz über kriminelle Energie bis zu falsch verstandener Freizügigkeit) sorgt dafür das der Sammelbegriff hier völlig fehl greift.
    Es gibt natürlich immer Grauzonen. So habe ich in jungen Jahren durchaus auch schon einmal zu tief ins Glas geschaut und bin am nächsten Tag bei einem Mädel aufgewacht welches nicht meine bevorzugten Attraktivitätsmerkmale besaß. Und von Berichten aus dem Freundeskreis kann ich auch sehr sicher sagen das die junge Dame (relativ Jung, 4 Jahre älter als ich damals) hier die treibende Kraft war. Peinlich? Ja sicher. Ausgenutzt und verwerflich? Natürlich auch. Aber als vergewaltigt würde ich mich deshalb niemals bezeichnen.
    Wenn der Alkohol (oder schlimmeres) allerdings unwissentlich konsumiert wird sieht es natürlich schon wieder anders aus. Aber ich kenne auch niemanden der es in Ordnung findet jemanden ohne sein wissen unter Drogen zu setzen.

    Idioten gibt es immer und überall. Mein letzter Discobesuch vor 5 Wochen wäre auch beinahe in einer Schlägerei geendet weil 2 Kerle eine Frau bedrängt haben und nicht locker lassen wollten. Ein Freund von mir ist dahin gegangen und es wurde etwas ruppiger. Aber nachdem wir anfänglich zu zweit gegenüber zwei standen haben sich doch alle die das mitbekommen haben auf unsere Seite gestellt. Der Satz “Die haben das Mädel belästigt” hat da schon völlig ausgereicht. Bei anderen “Pulkbildungen” stehen die Leute sonst nur daneben und schauen erst einmal was passiert.

    Man sollte die Probleme niemals Kleinreden nur weil man nicht anecken will. Aber andererseits sollte man auch immer mit Verallgemeinerungen vorsichtig sein. Jetzt bin ich als 28jähriger Mann vielleicht in Gefahr das ich einfach zu unsensibel für dieses Thema bin. Aber ich verkehre auf jeden Fall nicht in Kreisen die “überkorrekt” sind und Trotzdem sehe ich in keiner Form das Ausmaß wie es in vielen Internetbeiträgen zu lesen ist. Vielmehr sind es immer Leute die von allen Seiten als Idioten angesehen werden die so ein Verhalten gutheißen.

    Man könnte dies ja auch einmal auf andere Bereiche der Internettrolle erweitern:
    Viele von Rechts und Linksaußen verteidigen das aktuelle russische Vorgehen mit der Tatsache das in der Ukraine ja Russen leben. (Unabhängig wie man zu den Konflikt steht ist dieses Argument Schwachsinn) Haben wir deshalb in Deutschland eine “Blut und Boden” Kultur?
    Bei den Bestechungsskandalen kann man in Deutschland von einer “Korruptionskultur” reden?
    Bei den Missachtungen der Persönlichkeitsrechte durch die Presse kann man da von einer “Stalkerkultur” reden?
    Die richtig absurden Beispiele führe ich jetzt mal gar nicht an, da das die (oft antisemitische) Sprache ist die manche Verschwörungstheoretiker wirklich benutzen.

    Abschließend noch einmal: Ich sehe durchaus die Probleme aber ich warne davor durch überspitzte Begriffe eine Polarisierung des Konfliktes zu schaffen und dadurch wirkliche Vergewaltigungen zu relativieren.

  17. #17 Earonn
    24. November 2014

    @Hobbes
    Es ist halt schwer, einen Begriff zu finden, der einerseits beschreibt, dass es gesamtgesellschaftliche Entwicklungen sind, die da hineinwirken, aber andereseits auch klar macht, dass nicht alle Mitglieder der Gesellschaft ‘mitspielen’.

    Dass verschiedene Gründe zu den Übergriffen führen, ist für mich jetzt nicht unbedingt ein Grund, es nicht mit einem Begriff zusammenzufassen. Das ‘rape’ bezieht sich auf die Tat, nicht darauf, was dazu führte.

    Das “so schlimm kann es doch gar nicht sein, ich kenne so viele Leute und keiner würde…” habe ich auch schon häufiger gehört. Ich denke, das liegt daran, dass man offensichtliche Idioten schon bei geringeren Anzeichen von sich fernhält, als es ein “no is yes, yes is anal” etc. darstellt. Die entsprechenden Leute wissen einfach, dass sie damit anecken und heben sich das für die Abende unter Gleichgesinnten auf. Ähnlich, wie viele in Deutschland von dem Ausmaß an Ausländerfeindlichkeit überrascht wurden, das in den letzten Jahren hochkochte.

    Aber auch das ist eine Auswirkung der “Rape-Culture”: du hast ein bestimmtes ‘Gefühl’ dafür, wie oft ‘sowas’ vorkommt. Und wenn es dann in den Internetbeiträgen, die Du liest, ‘zu oft’ erscheint, dann zweifelst du die Beiträge an. Nicht zu Unrecht, man soll ja nicht alles blind glauben. Aber woher kommt denn dein Eindruck, wie oft es sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung gibt….?

    Davon mal abgesehen:eins rauf mit Mappe und Dank an dich und deine Kollegen, dass ihr der Frau beigestanden habt! Es wird viel auf den Idioten rumgetrampelt, aber natürlich, wie so oft, vergessen, dass die anständigen und sogar hilfsbereiten Männer immer noch in der Überzahl sind.

  18. #18 Bullet
    24. November 2014

    @Earonn:

    Ich finde den Begriff ‘Vergewaltigungskultur’ etwas hoch gegriffen

    Ich eben nicht. Ich verstehe diesen Begriff so, daß Gewalt mit sexuellen Mitteln und sexuelle Gewalt auch hierzulande immer noch viel zu oft viel zu sehr verharmlost werden. Auch und gerade in der Richtung, daß eine nicht mit Waffengewalt ausgeführte sexuelle Nötigung oder eine nicht vorher durch deutliche und explizite Zustimmung legitimierte sexuelle Handlung (natürlich in den allermeisten Fällen an Frauen) gerne als “Kavaliersdelikt” (in schönster Bestätigung des dahinterliegenden Konzeptes) gesehen wird.

  19. #19 s.s.t.
    24. November 2014

    Die Nichtanerkennung der sexuellen Selbstbestimmung von Frauen ist auch heute noch Teil unserer Kultur.

    Eine sehr steile These. Keine Ahnung wer diese ‘Kultur’ pflegt; jedenfalls ist sie nicht die meine und auch nicht die meines erweiterten Umfeldes. Auch wenn ich beruflich nur peripher mit Sexualdelikten zu tun habe, ist mir auch dort noch keine ‘Vergewaltigungskultur’ begegnet.

    Gesamtgesellschaftlich ist sie auch nicht akzeptiert, wie man schon an den Strafandrohungen des § 177 StGb sehen kann. Unter bestimmten Umständen reichen diese bereits bei einem minder schweren Fall bis zu 10 Jahre und liegen damit im Bereich von Totschlag bzw. was Minderjährige und Heranwachsende angeht, bei der Maximalstrafe für einen Mord.

    Vielleicht sollte man sich mal die Ausführungen ein RA zu § 177 ansehen:
    http://www.rechtsanwalt-sexualstrafrecht.de/sexuelle-noetigung-vergewaltigung-177stgb/
    U.a.

    Was bei allen Sexualdelikten gilt, trifft auf Tatvorwürfe, Beschuldigungen und Anzeigen wegen sexueller Nötigung besonders zu: Die Sensibilität des Themas der „Vergewaltigung“ in der Öffentlichkeit sowie in der anwaltlichen Praxis ist enorm.
    ….

    Setzt der Täter weder Gewalt noch Drohungen ein, um das Opfer zu sexuellen Handlungen zu nötigen, so kommt zuletzt das Ausnutzen einer schutzlosen Lage des Opfers (§ 177 I Nr. 3 StGB) für die Tatbestandsverwirklichung der sexuellen Nötigung in Betracht.

    Das Hauptproblem bei solchen Delikten ist der Nachweis der Tat, der aus offensichtlichen Gründen hier noch schwerer zu führen ist, als bei bei vielen anderen Taten, insbesondere wenn die Tat erst Tage später angezeigt wird.
    (Es werden übrigens auch zahllose Täter anderer Taten freigesprochen, weil die Beweislage für das Gericht einfach zu dünn ist; säßen alle Täter, wären die Gefängnisse weit mehr als nur überfüllt.)

  20. #20 Bullet
    25. November 2014

    @s.s.t:

    Das Hauptproblem bei solchen Delikten ist der Nachweis der Tat

    Nee, leider nicht. Das bereits früher beginnende Problem ist einerseits das ganz am Anfang stehende sog. “fehlende Unrechtsbewußtsein” (sonst üblicherweise gerne beklagt in Musik- und Filmindustrie) sowie die Eistellung sowohl bei Täter als auch bei Opfer(!), es handle sich nicht um eine verfolgungswürdige Straftat.
    Beispiel aus eigener Erfahrung: ich bin mal auf der Straße dazwischengegangen, als ein Kerl seine Ische verkloppt hat. Hab ihn zu einem kleinen Bündelchen zusammengefaltet und ihm gesagt, daß er jetzt so bleibt, bis Polizei anmarschiert. Er hat rumgejammert und gebettelt, daß ich darauf verzichten möge, weil er sowieso gerade Streß mit denen hat, und sie hat rumgejammert und gebettelt, daß ich darauf verzichten möge, weil sie ihn betrogen hatte und den Zirkus deswegen verdient. Für dieses Ding hätte ich ihr auch gleich am liebsten eine gedrückt, aber ich war ja schon beschäftigt.

  21. #21 Trottelreiner
    25. November 2014

    IMHO ist das Problem bei der “rape culture” eben die Definition; wenn er wie hier beschrieben eingesetzt wird, ist er sehr sinnvoll, nur gibt es eben, wie z.B. auch bei “Freiheit”[1] auch, äh, IMHO nicht ganz so sinnvolle Verwendungen.

    @Earonn: Sorry das ich mich bei der letzten Diskussion ausklinkte, war zeitbedingt…

    [1] Für mit den USA Vertrauten: Man frage einen Neo-Konföderierten nach “state rights”. Beißbrett bereitlegen…

  22. #22 s.s.t.
    25. November 2014

    @Bullet

    Sofern Jemand tatsächlich Jemand für einen Verstoß gegen die sexuelle Selbstbestimmung (also sehr viel weiter gefasst als “Vergewaltigung”) verknackt wird, wird diesem das “fehlende Unrechtsbewusstsein” rechts und links um die Ohren gehauen, nicht zuletzt, weil da eine Bewährungsstrafe nicht per se auf dem Silbertablett gereicht wird.

    Auch reichen bisweilen Beschuldigungen um nachhaltige Zerstörungen zu hinterlassen, wie z.B. bei Kachelmann und Strauss-Kahn.

    weil sie ihn betrogen hatte und den Zirkus deswegen verdient.

    Der übliche Schuldtransfer, trifft man allerorten und jederzeit.

  23. #23 Earonn
    25. November 2014

    @s.s.t.
    Dass etwas Teil einer Kultur ist, muss nicht bedeuten, dass es überall laut herausposaunt wird. Weihnachten ist auch im Sommer Teil unserer Kultur.

    Und was im Gesetz steht hat nicht viel mit gesellschaftlicher Realitaet zu tun. Das ist es gerade, was m.E. die ‘Vergewaltigungskultur’ ausmacht – es sind keine Plakate, die herumgetragen werden, sondern es sind die ungeschriebenen Regeln, die mehr durch Verhalten als durch Richterentscheide weitergegeben werden.
    Siehe Bullets Geschichte (verdammt @Bullet und @Hobbes, ich sollte euch mal hier in einen Pub schleppen, ihr habt euch jeder ein Leckerli verdient!): wie kommt denn die Frau darauf, eine Strafe für Sex mit einem Mann ihrer Wahl verdient zu haben? Meinetwegen auch für ‘Fremdgehen’? Während alle jovial über Beckenbauers Kind lächeln? Wer hat es ihr “gesagt”? Niemand. Sie hat das aus Filmen, Unterhaltungen etc. aufgeschnappt. Und da schnappen eben junge Männer noch ganz andere Sachen auf. Z.B. “der Held bekommt immer die Frau” (und jeder sieht sich als Held in seinem eigenen Leben), “mach X und sie liebt dich”, etc.
    Ich kann dazu die Artikel zu dem Thema auf cracked.com nur empfehlen (wuerde ja Links beisteuern, aber Cracked ist von meinem Rechner aus nicht erreichbar *huestel*).

  24. #24 Hobbes
    25. November 2014

    @Earonn:
    Natürlich brauchen wir einen Begriff der das Problem benennt. Ohne ist es noch schwieriger als es ohnehin schon ist ein so komplexes Problem zu reduzieren. Nur störe ich mich ganz gewaltig an dem Wort “Kultur”.
    Das Beispiel mit den Rechten ist ja ganz gut gewählt. Es würde aber trotzdem niemand auf die Idee kommen und behaupten das in Deutschland eine Nazikultur herrsche. Das es einzelne Subkulturen gibt die solche kranken Gedanken haben steht ja dennoch außer Frage.
    Ich zweifele die Beiträge der Leute die z.B. unter #Aufschrei schreiben gar nicht an. Ich glaube nur das durch die Filterblase ein falscher Eindruck entsteht. Natürlich ist die Chance auch groß das ich es bin der hier falsch liegt.
    Vernünftige Studien darüber kenne ich leider keine. Auch wird die Objektivität in einem solchen Politikum sehr schwierig zu realisieren sein. Diejenigen Studien welche ich zum Beispiel zum Rechtsextremismus kenne haben meist eklatante schwächen. Da dort oft jeder Extremismus mit rechts gleich gesetzt wird. (So gibt es Fragen wie: “Die Macht des Kapitals schadet dem deutschen Volk”. Oder “Deutschland braucht für die Herausforderungen der Zukunft eine starke Hand”)

    @Bullet:
    Eben einen solchen Fall würde ich nicht unter Rapeculture einordnen. Ein Studienkollege kam mal mit einem recht zerschrammten Gesicht in die Uni weil er seine Freundin betrogen hatte. Diese hat darauf hin sämtliche Tassen nach ihm geworfen. (Wobei ich gestehen muss das ich das witzig fand. Jetzt rückwirkend betrachtet war das wohl nicht angebracht) Hier liegt das Problem meiner Meinung nach da, das Gewalt als legitimes Mittel zur Frustbewältigung, bzw. das Hass als ausreichende Legitimation für Gewalt angesehen wird. Dazu (bei deinem Beispiel) noch mangelndes Bewusstsein das die Überlegenheit auch Verantwortung mit sich bringt.
    Es ist eben genau die Gefahr das jede Form von Gewalt in einer Beziehung zu einer “Gender”Sache umdefiniert wird. Das verhindert dann aber das man die richtige Ursache bekämpft.

    Ich hege ja immer noch die Hoffnung das sich ein großer Teil der häuslichen Gewalt in Zukunft abbauen wird da die Abhängigkeitsverhältnisse nicht mehr so stark sind wie früher. Aber wahrscheinlich ist das nur eine liberale Illusion.

  25. #25 Spritkopf
    25. November 2014

    @Hobbes

    Eben einen solchen Fall würde ich nicht unter Rapeculture einordnen.

    Vielleicht nicht direkt unter Rape culture, aber im weiteren Sinne in eine Kultur, in der sich Frauen für Gewalt gegen sie die Schuld zuweisen oder mindestens bereit sind, sie konsequenzenlos hinzunehmen.

    Wer mal einen Blick in Abgründe wagen will, kann das in diesem Forum tun.

  26. #26 Earonn
    25. November 2014

    @Hobbes
    Ich stimme dir in Bezug auf den Begriff ‘Kultur’ ja zu.
    Leider weiss ich auch nichts Besseres. Wie beschreibt man eine Gruppe von Ansichten und Einstellungen, die unausgesprochen von einer Gesellschaft getragen und an die juengere Generation weitergegeben werden? Sitte, Brauch, Gewohnheit… ?
    Was ich an dem Begriff allerdings gut finde, ist seine Geschlechtslosigkeit.

    @Spiritkopf
    Ich gebe zu, ich bin zu feige, da reinzuschauen. ich kann es nicht aendern, darum erspare ich mir das Mitgefuehl, das Mit-Leiden und den hilflosen Zorn…

  27. #27 Bullet
    25. November 2014

    @Earonn:

    Das ist es gerade, was m.E. die ‘Vergewaltigungskultur’ ausmacht – es sind keine Plakate, die herumgetragen werden, sondern es sind die ungeschriebenen Regeln, die mehr durch Verhalten als durch Richterentscheide weitergegeben werden.

    durchaus genau das meine ich. Nur wundert es mich jetzt gerade ein wenig, daß du das sagst, denn vorher schriebst du:

    Ich finde den Begriff ‘Vergewaltigungskultur’ etwas hoch gegriffen

    Ich finde, daß man manche Dinge beim Namen nennen muß, damit der Rest der Welt kapiert, daß diese Dinge überhaupt existieren.
    @Hobbes:

    Eben einen solchen Fall würde ich nicht unter Rapeculture einordnen.

    Ich auch nicht. Nur weiß ich, daß Leute bei einem öffentlich ausgetragenen Streit unterschiedlich eingreifen, je nachdem, wie sie selber die Situation bewerten. Das bedeutet aber auch, daß öffentliche und sofortige Sanktionen (a.k.a. Faust inne Fresse) von Tätern (gerade wenn es Männer sind, die Frauen anfassen, ohne von jenen dazu aufgefordert worden zu sein) je nach Zusammensetzung der gerade aktuellen Öffentlichkeit als mehr oder weniger vernachlässigbar bewertet werden können. Interessant: dein Beispiel mit dem zerschrammten Gesicht ist genau das, was ich meine.
    Wenn diese “warum sollte mir was passieren – das machen doch alle so”-Gedankenwelt poopulär ist (und das ist sie – auch hier und heute): das ist die “rape culture”.

  28. #28 Bullet
    25. November 2014

    löl … “poopulär”. Wie geil. 🙂

  29. #29 Bullet
    25. November 2014

    @Earonn:

    ich sollte euch mal hier in einen Pub schleppen

    Äh, aber nur, wenn du auch ein Dirndl ausfüll…. *wegduck*
    SCNR 🙂

    Aber: nur in Berlin.

  30. #30 Adent
    25. November 2014
  31. #31 Hans
    25. November 2014

    Das ist eine interessante Diskussion, die Ihr hier führt. Was den Begriff der “rape culture” bzw. “Vergewaltigungskultur” angeht, sehe ich es aber auch so wie Bullet in #18,

    Ich verstehe diesen Begriff so, daß Gewalt mit sexuellen Mitteln und sexuelle Gewalt auch hierzulande immer noch viel zu oft viel zu sehr verharmlost werden. Auch und gerade in der Richtung, daß eine nicht mit Waffengewalt ausgeführte sexuelle Nötigung oder eine nicht vorher durch deutliche und explizite Zustimmung legitimierte sexuelle Handlung (natürlich in den allermeisten Fällen an Frauen) gerne als “Kavaliersdelikt” (in schönster Bestätigung des dahinterliegenden Konzeptes) gesehen wird.

    bzw. wie Earonn schreibt:

    Das ist es gerade, was m.E. die ‘Vergewaltigungskultur’ ausmacht – es sind keine Plakate, die herumgetragen werden, sondern es sind die ungeschriebenen Regeln, die mehr durch Verhalten als durch Richterentscheide weitergegeben werden.

    @Hobbes:
    Wenn Du in diesem Zusammenhang solche Schwierigkeiten mit dem Begriff “Kultur” hast, wie wäre es denn mit “Subkultur“? – Denn Dir ist doch auch klar, dass bestimmte Ansichten nur in bestimmten Milieus bzw. Subkulturen verbreitet sind, wie ich Deinem Beitrag #16 entnehme. Das Problem dabei ist: wenn man sich in diesen Subkulturen nicht bewegt oder gar nicht erst mit anderen Subkulturen beschäftigt ist, kann man natürlich auch nicht wissen, was da als normal betrachtet wird. Und da der Mensch leicht dazu neigt, von sich auf andere zu schliessen, bzw. seine eigenen Erfahrungen zu verallgemeinern, entstehen recht schnell falsche Eindrücke, was denn nun Teil der Kultur oder nur Subkultur ist.

    Dann schreibst Du:

    Ich hege ja immer noch die Hoffnung das sich ein großer Teil der häuslichen Gewalt in Zukunft abbauen wird da die Abhängigkeitsverhältnisse nicht mehr so stark sind wie früher. Aber wahrscheinlich ist das nur eine liberale Illusion.

    In dem Fall befürchte ich, dass es sich um eine Illusion handelt. Denn wenn ich mir das Treiben auf der politischen Bühne so ansehe, werde ich den Eindruck nicht los, das da neue Arten von Abhängigkeiten geschaffen werden. Nach dem Motto “Teile und Herrsche” wird die Gesellschaft gerade wieder in eine Oberschicht und eine Unterschicht geteilt. Die Unterschicht wird beherscht indem sie in weitere Gruppen zerteilt wird, die mehr oder weniger subtil untereinander aufgehetzt werden, damit sie alle mit sich selbst oder auch gegeneinander beschäftigt sind, und dadurch nicht merken, wie mit ihnen gespielt wird.

    Falls sich einige Abhängigkeitsverhältnisse aber tatsächlich mal auflösen sollten, dann halte ich es auch für wahrscheinlicher, das die häusliche Gewalt weniger wird. Aber Abhängigkeitsverhältnisse allein werden es nicht richten, denn danach kommen andere Einstellungen ins Spiel, die ich jetzt mal grob vereinfachend unter “Moralvorstellungen” zusammen fasse. Da gibt es sicher auch noch einige Mythen, speziell bei der Erziehung des Nachwuchses, die einer genaueren Überprüfung auf Sinnhaftigkeit bedürfen.

    Earonn, #26

    Wie beschreibt man eine Gruppe von Ansichten und Einstellungen, die unausgesprochen von einer Gesellschaft getragen und an die juengere Generation weitergegeben werden? Sitte, Brauch, Gewohnheit… ?

    Gute Frage. Um das genauer auseinander zu wuseln, müsste man wahrscheinlich die Soziologen befragen. Andrerseits sind Sitten und Gebräuche ja auch Teile von (Sub-)Kultur, bzw. definieren sie sich ja erst dadurch. Insofern halte ich diese Begriffe auch für passend.
    Wenn sich bestimmte Sitten und Gebräuche dann auf alle, oder sagen wir besser auf die überwiegende Mehrheit oder Gesamtheit aller Subkulturen innerhalb eines geografischen Raumens ausbreiten, wird man wohl von Kultur sprechen können.
    —–
    Als ich den letzten Abschnitt geschrieben habe, kam mir die Idee, doch mal Tante Wiki zu fragen, was die darüber zu berichten weis. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Ich zitiere mal das, was ich in diesem Zusammenhang für entscheidend halte:

    Angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Verwendungsweisen des Wortes „Kultur“ und der Vielfalt konkurrierender wissenschaftlicher Definitionen erscheint es sinnvoll, statt von einem Kulturbegriff besser von vielen Kulturbegriffen zu sprechen. Bereits 1952 wurden 170 verschiedene Begriffsbestimmungen gezählt. Kultur ist gewissermaßen eine Variable, die von den verschiedenen Rahmenbedingungen verschiedener Fachgebiete und ihrer Blickwinkel abhängig ist.

    Wenn man also in dem hier gegebenen Rahmen von sexueller Gewalt und deren Verharmlosung bleibt, halte ich es sehr wohl für Sinnvoll, von Vergewaltigungskultur zu reden, – womit ich wieder beim Anfang dieses Aufsatzes wäre.

  32. #32 Stefan Wagner
    http://demystifikation.wordpress.com/2014/11/25/h5n8-u-r2d2/
    26. November 2014

    @Earonn

    Selbstjustiz ist natuerlich immer eine heikle Angelegenheit, doch es ging hier nicht um rechtliche Dinge. Es ging offensichtlich darum, dass eine Frau nicht schlaegt. Auch nicht im Falle von sexuellem Missbrauch.

    Was Du beschreibst klingt mehr nach Selbstverteidigung, Selbstschutz – nicht nach Selbstjustiz.

    Während alle jovial über Beckenbauers Kind lächeln?

    Eine unzulälssige Verallgemeinerung. Ich lächle nicht jovial über Beckenbauers Kind.

    Nicht, dass ich wüsste was es überhaupt mit diesem auf sich hat, aber vom Kontext her müsste es ein Beweis seiner Untreue sein.

    @Jürgen Schönstein:
    Dein Link zu Wikipedias Zwangsehe sagt:

    Eine Zwangsheirat liegt dann vor, wenn mindestens einer der zukünftigen Ehepartner durch eine Drucksituation zur Ehe gezwungen wird, wobei in der überwiegenden Zahl der Fälle Mädchen und junge Frauen betroffen sind.

    Dann werden drei Beispiele aufgeführt, die in der Kultur von Migranten, Ausländern und Immigranten spielen. Die Frauen kennen den Mann zuvor gar nicht. Der Mann kennt die Frau allerdings genauso wenig.

    Da beißt sich auch die ganze Idee von einer Rapekultur. Die vergewaltigte Frau ist ja in der Machokultur eine Schande und bringt Schande über ihren Vater.. Somit ist die Vergewaltigung in diesen Milieus auch tabu und kann eigentlich nur im Krieg gegen den Feind gerichtet werden, ohne in der eigenen Kultur auf Widerstand zu treffen.

    Der Versuch den Konflikt zu einem Konflikt zwischen Mann und Frau zu erklären trifft es einfach nicht.

    Es ist aber auch so, dass sich Menschen im Suff anders verhalten als nüchtern und so wie es Diebe & Räuber gibt und es meist unvorsichtig ist die Geldbörse unbeobachtet rumliegen zu lassen, so ist es für Frauen besonders wichtig auf sich aufzupassen. Auch darauf, wonach das Bier schmeckt. Wenn man sich fern entlegene Kulturen anschaut und weit in die Vergangenheit zurückschaut, oder sagen wir wenn ich das tue, dann habe ich nicht das Gefühl dass das Problem mit Politik und Erziehung ein für alle mal in absehbarer Zukunft so gelöst werden kann, dass der Einzelne weniger Verantwortung für sich selbst übernehmen muss.

    Hier ist aber zu unterscheiden zwischen der Entschuldigung des Täters, die es so nicht geben darf, und einer vernünftigen Vorsorge, die die einzelne Frau treffen muss. Man kann Frauen nicht ins offene Messer rennen lassen, nur weil man den Täter später sicher verurteilen wird.

  33. #33 Bullet
    26. November 2014

    @Stefan:

    Eine unzulälssige Verallgemeinerung. Ich lächle nicht jovial über Beckenbauers Kind.

    Da liegt noch so’n Hase im Pfeffer.
    Eine den korrekten Sinn des Wortes “alle” berücksichtigende Verallgemeinerung ist das mit Sicherheit nicht. Denn du (und ich) sind nicht dabei.
    Unzulässig ist diese Verallgemeinerung deswegen leider noch nicht. Schon deswegen nicht, weil “die Allgemeinheit” gerne mal mit “das, was in der Zeitung/im Fernsehen/auf Facebook zu erfahren ist” gleichgesetzt wird. Wir alle wissen, wie die BLÖD Meinung macht. Und leider gibt es – wie beim Impfschutz auch – in diesem zähen Ding namens “öffentliche Meinung” einen prozentualen Schwellwert an Meinung-habenden, oberhalb dessen beliebige Ansichten nur noch mit geistiger Anstrengung als “Meinung” einer Teilmenge erkannt werden können. Und wie beliebt geistige Anstrengung ist, kann man sich vorstellen.
    Es reicht also, wenn statistisch [hier daherfantasierte Zahl:] 84,3% der Menge eine Meinung vertreten, damit diese 84,3% als “alle” wahrgenommen werden. Perfide dazu kommt die Tendenz, sich einer Mehrheitsmeinung anzuschließen, ohne über diese nachgedacht zu haben. Auch ein alter Hut.
    Dann kann unterm Strich eine falsche Verallgemeinerung plötzlich zulässig werden, weil sie mit der Wahrnehmung übereinstimmt. Das wirft kein gutes Licht auf Menschenmengen, hab ich selbst aber schon oft gesehen.
    Das ist auch leicht nachprüfbar: wieviele Menschen befragst du zu einem Thema, bevor du glaubst, eine Abschätzung zur Meinungsverteilung zu jenem Thema angeben zu können? (Zu wenige.) Und wie hast du dich abgesichert, daß diese Befragten ein repräsentativer Querschnitt einer vorher festgelegten Menge sind? (Gar nicht.)

  34. #34 Merowech
    Hannover
    27. November 2014

    *moep* Einspruch. Und zwar bevor ich erst die Kommentare gelesen habe.

    Aber das liegt mir auf dem Herzen. Huiuiuiui.
    also erstmal:

    Schauen wir doch mal ins deutsche Strafgesetzbuch, in dem der Paragraph 177 folgendes feststellt:

    1) Wer eine andere Person
    1. mit Gewalt,
    2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder
    3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,
    nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

    Einfacher ausgedrückt, wenn eine Person sexuelle Handlungen über sich ergehen lassen muss, der sie oder er nicht zugestimmt hat, dann ist das sexuelle Nötigung oder (wenn diese Handlungen einen Geschlechtsakt einschließen) Vergewaltigung.

    Das ist so nicht korrekt. Die Betonung liegt da definitiv auf “Einfacher ausgedrückt […]”.

    Nach aktueller Rechtslage reicht ein einfaches NEIN grundsätzlich erstmal nicht aus um den §177 zu erfüllen. Klingt krass ist aber so. Denn für eine sexuelle Nötigung bedarf es mehr:

    1. mit Gewalt,

    Gut das dürfte klar sein. Die “klassische” Vergewaltigung in dem der Willen des Opfers mit körperlichen Gewalt gebrochen wird.

    2. Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder leben

    Ich bedrohe das Leben des Opfers oder beispielsweise das der Angehörigen.

    3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,

    Das sind die Fälle wo der Willen des Opfers z.B. durch Alkohol oder Drogen herabgesetzt wird, oder in anderer Form das Opfer nicht in der Lage ist sich zu wehren. Wesentliches Tatsbestandsmerkmal ist hier bei Schutzlos. Ein weites Feld das viele der angesprochenen Fälle deckt. Aber halt auch nicht alle!

    Dieser Paragraph ist aus TÄTERSICHT zu lesen. Sprich es geht zunächst nicht darum was das Opfer gesagt hat, sondern ob der TÄTER die Punkte 1-3 erfüllt hat und DAMIT das Opfer zu sexuellen Handlungen GENÖTIGT hat. Denn die Willensäußerung des Opfer kann zwar ein §177 einleiten, ist jedoch kein tatbestandsbestimmendes Alleinstellungsmerkmal.

    Problem ist, kriminologisch betrachtet, hier ganz klar der Graubereich, der unter anderem in Studentischen Gemeinschaften tendenziell öfters auftritt. Gerade das studentische Zusammenleben, das erste mal von Zuhause weg, viele Parties und Unternehmungen, ja auch das erleben der sexuellen Freiheit außerhalb des elterlichen Umfeldes fördert diese Problematik. Wer entschieden NEIN sagt und dies auch versucht durchzusetzen kann sich auf einen §177 berufen, denn das widersetzen kann man unter Punkt 1 subsumieren, wenn man nachweisen kann man hat sich gewehrt. Und da liegt das Problem. In den meisten Fällen wird man nie herausfinden was wirklich passiert ist. Ob aus dem anfänglichen NEIN ein JAIN wurde, gerade wenn Alkohol im Spiel ist und später dann das “Erwachen” und bereuen “und was werden meine Eltern von mir denken”-Gefühl. Das wird man in einem §177 auch nie erfassen können. Weil so die Gefahr besteht dass dieser § missbraucht wird durch retrograde Tatbestandserfüllung nach der Tat durch die schlichte Äußerung “Nö, das wollte ich gar nicht”. Ganz schwierig. Denn die nächste Fragen werden immer sein “Hast du NEIN gesagt ?” ” Hast du dich gewehrt ?”. Denn gerade der eine oder andere Testosteron geschwängerte Gemütszustand meiner Geschlechtsgenossen überhören gerne mal ein NEIN. Leider.

    Aber es wird gerade darüber diskutiert wie man das NEIN vielleicht DOCH als alleiniges Tatsbestandsmerkmal in den §177 bekommt. Dabei kommt es dann aber penibelst auf die Formulierung an.

    Es ist traurig genug dass darüber diskutiert werden muss. Ein NEIN heisst NEIN. Keine Frage. Aber wenn ich wieder diese Diskussionen von wegen Vertuschung oder Verschleierung höre, dann denkt bitte an den §177 und was dieser wirklich bedeutet und dass in einigen Fällen juristisch einfach keine Vergewaltigung vor liegt. In der Seele des Opfer dann aber schon.

    Und nochmal: Eine Frau z.B. auf einer Party abfüllen und dann GEGEN IHREN WILLEN den Geschlechtsakt vollziehen ist Vergewaltigung nach der 3. Alternative ! Auch wenn sie NIE NEIN gesagt oder sich nicht gewehrt hat. Das bitte nicht missverstehen.

    Juzst my 5 cent. Aus meinem beruflichen Umfeld.

  35. #35 Merowech
    27. November 2014

    So nun zu einzelnen Kommentaren

    @haarigertroll

    Wenn den Kindern erzählt wird, das wäre etwas schmutziges und peinliches, von dem man besser nichts wissen sollte, dann erschafft man perfekte Täter und Opfer. Opfer sind die, die sich schämen und nicht wissen, wie sie zu reagieren haben. Täter werden die, die um die Hilflosigkeit ihrer Opfer wissen, aber auch die für ihre aufgestaute sexuelle Energie kein anderes Ventil wissen.

    Kriminologisch schön zusammengefasst. Den Gedanken muss man aber weiterspinnen. Es fehlt noch etwas was in den letzten 20 jahren dazukam: Die Verfügbarkeit der sexuellen Anreize (Beispiel Internet). Heutzutage kann man jederzeit diese sexuellen Reize stimulieren und muss nicht wie früher seinen älteren Bruder losschicken, ein kleines Heftchen kaufen, und das dann auch noch vor Mama verstecken.
    Sprich das Bedürfnis seine unterdrückten sexuellen Triebe ausleben zu möchten/müssen steigt dadurch. Vor allem weil viel zu früh eine sexuelle Ausreifung stattfindet. Das korreliert mit der sozialen Komponente der gesellschaftlichen Reife nämlich mögliche sexuelle Verfehlungen selbstreflektierend Einschätzen zu können. Zudem tritt eine Art Abstumpfung ein, wenn die Verfügbarkeit über das gesellschaftliche Maß hinaus konsumiert und dann auch ausgelebt wird.

    Auch hier kann man sagen die Dosis macht das Gift. Zu viel ist nicht gut ebenso wie zum Beispiel gar keine sexuelle Aufklärung. Wichtig ist das Alter bzw noch wichtiger die geistige Reife dafür.

    @Ketzer

    Ich erlaube mir den Hinweis, dass unser Begattungsverhalten eine biologische Grundlage besitzt und dem anderer Wirbeltiere ähnelt. Die Paarung gegen den Widerstand des Weibchens ist ebenso natürlich wie beispielsweise sexuelle Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partner_innen.

    Dann wünsch ich dir viel Spaß auf dem Baum beim Bananenschälen und der Lebensaufgabe über die Zahl 42 nachzudenken.

  36. #36 Merowech
    27. November 2014

    Und was den Begriff “Rape Culture” angeht so muss ich entschieden remonstrieren.

    Das ist ein Kunstwort dass nur die Medien erfinden kann. Dieser Begriff wird krimiologisch nicht verwendet !

    Früher hätt ich den Begriff eher akzeptiert als heute. Der Verfasser des Artikels erwähnte die Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus 1966. Ok. Aber heute haben wir das Gewaltschutzgesetz demnach ist eine Vergewaltigung in der Ehe sehr wohl möglich. Punkt. Wiso dann plötzlich medial von “Rape-Culture” die Rede ist, ist mir unbegreiflich.

    Das heisst, ist es eigentlich nicht. Es ist die Anhäufung von Berichten aus Indien, angereichert mit Fällen aus amerikanischen Universitäten und als “Presse-Sahnehäubchen” der Fall des Julian Blanc .

    Nur diese Fälle hat es schon immer gegeben. Im Gegenteil. Die Opferkennzahl (Anzahl Opfer je 100.000 Einwohner) lag bundesweit für Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung 2012 bei 17,2 während es 2013 nur noch 13,2 waren !
    Quelle: PKS 2012 Seite 26 und PKS 2013 ebenfalls Seite 26

    Hat man 2012 in Deutschland schon von Rape Culture gesprochen ? Ich denke nicht. Warum nicht ? Warum 1966 nicht ? Wo das Vergewaltigen in der Ehe sogar erlaubt war. Ich denke, solche Begriffe sind ungeeignet ein Phänomen zu beschreiben geschweige denn zu definieren.

    Sie beschreiben und dokumentieren lediglich eine aktuelle medial Aufmerksamkeit. Mehr nicht.

  37. #37 Bullet
    27. November 2014

    @Mero:

    Dieser Begriff wird krimiologisch nicht verwendet !

    Vorsicht Strohmann. Niemand hat bisher behauptet, das sei ein Begriff aus der Kriminaltheorie oder -praxis.

    Hat man 2012 in Deutschland schon von Rape Culture gesprochen ? Ich denke nicht. Warum nicht ?

    Ist das ‘ne ernste Frage? So wie in “hat man 1850 schon von Radioaktivität gesprochen? Warum nicht?”?
    Das hatten wir doch schon einige Male – und du müßtest das wissen:
    Manchmal muß man ein Problem erst deutlich beim häßlichen Namen nennen, damit es als Problem erkannt wird.

  38. #38 Merowech
    28. November 2014

    @Bullet

    Dieser Begriff wird krimiologisch nicht verwendet !

    Vorsicht Strohmann. Niemand hat bisher behauptet, das sei ein Begriff aus der Kriminaltheorie oder -praxis.

    Na ja, aber die Kriminologie bildet dieses Phänomen nunmal wissenschaftlich ab. Und darauf beruhen sämtliche meiner Aussagen als Gegenpol zu einigen Thesen des Artikels und Kommentaren 😉

    Davon mal abgesehen: Ich hab auch nicht behauptet dass einige hier behauptet haben dass das ein Begriff aus der Kriminaltheorie sei. Strohmann mit Strohmann bekämpfen ? 😉

    Hat man 2012 in Deutschland schon von Rape Culture gesprochen ? Ich denke nicht. Warum nicht ?

    Ist das ‘ne ernste Frage? So wie in “hat man 1850 schon von Radioaktivität gesprochen? Warum nicht?”?

    Na ja, ich lass mich nur auf die Argumentationskette des Artikelverfassers ein, der zur Untermauerung seiner These ein Urteil aus 1966 anführt. Sowas nennt man umgangsprachlich “ironische Rethorik”. Daher ist deine Frage ob die Frage ernst sei berechtigt und die Rethorik meiner Aussage ist angekommen 😉

    Manchmal muß man ein Problem erst deutlich beim häßlichen Namen nennen, damit es als Problem erkannt wird.

    Grundsätzlich stimme ich dir zu. Das ist richtig. Aber ich hab immer bisschen Zahnschmerzen wenn die Medien dies Aufgabe übereifrig nachgehen und öfters mal über das Ziel hinausschießen. Denn die Mechanismen nach dem Journalisten solche Begriffe im Zusammenhang mit aktuellen Themen priorisieren beisst sich meiner Auffassung nach zu oft mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen und richtigen sich weniger nach erkenntnistheoretischen Maßstäben als mehr nach Auflagenzahlen und Aufmerksamkeit.

    Ich stör mich einfach an dem Begriff. “Rape Culture”. Als ob die Vergewaltigung Teil der Kultur geworden sei. *kopfschüttel*.

  39. #39 Bullet
    28. November 2014

    @Mero:

    Aber ich hab immer bisschen Zahnschmerzen wenn […]

    Ja klar. Die hab ich auch und viel zu oft.

    Ich stör mich einfach an dem Begriff. “Rape Culture”. Als ob die Vergewaltigung Teil der Kultur geworden sei.

    Das hab ich jetzt nicht verstanden. Was meinst du mit “geworden sei” ? Nur damit wir uns richtig verstehen: es ist erst in jüngster Zeit auch mal langsam andern Leuten als nur manchen Opfern aufgefallen, daß das schon ziemlich lange so ist. Seit wann nochmal ist eine mit Gewalt erzwungene Kopulation innerhalb einer Ehe hierzulande eine Straftat? Eine Vergewaltigung im logischen Sinne war es schon immer.

  40. #40 Merowech
    28. November 2014

    Das hab ich jetzt nicht verstanden. Was meinst du mit “geworden sei” ?

    Na weil der Begriff erst jetzt medial definiert wurde. Und durch den o.g. Artikel weiter ausgebaut wird. Vielleicht fällt das bei mir auch unter selektiver Wahrnehmung, aber seit den Vorfällen in Indien und dem berühmten Fall aus Dezember 2012 wird in der Presse immer wieder “erstaunt” festgestellt wie in vielen Teilen der Welt so etwas passiert. Nur aufgrund der Brutalität und dem Abbleben des Opfers ist es für die Presse interessant geworden. DAS SCHOCKIERT MICH ! Aber egal. Das ist ein anderes Thema.

    Ach ja, eben WEIL unter anderem die “mit Gewalt erzwungene Kopulation innerhalb einer Ehe” inzwischen ebenfalls unter den §177 fällt verstehe ich nicht wiso man JETZT von einer “Rape Culture” spricht. Es sei denn man bezeichnet die Zeit DAMALS so. Das würde ich verstehen und akzeptieren. Denn wenn es gesellschaftlich als NORMAL angesehen wird, die Ehefrau straffrei auch zum Sex zwingen zu können, dann kann man ohne schlechtes Gewissen die Vergewaltigung als TEIL der Kultur ansehen.

    Den Rest hab ich in in meinen oberen Kommentaren ja schon dargelegt.

    Und wenn wir schon bei Presseartikel sind. DAS wurde ich als RAPE CULTURE durchgehen lassen:
    Verbrechen an Frauen: Weiterer indischer Top-Politiker verharmlost Vergewaltigungen. Weil da die Probleme scheinbar Gesellschaftlich / Kultureller Natur sind.

    Die Medien neigen dazu Begriffe zu missbrauchen. Höher, schneller, weiter, am brutalsten. Und wenn man Missstände in Deutschland und Amerika bereits als Rape Culture bezeichnet, so frage ich mich wie man die Zustände in Inden bezeichnet ? RAPE NATION ? Verstehst du worauf ich hinaus will ? Vielleicht wird es mit dem Vergleich klarer.

  41. #41 Bullet
    29. November 2014

    @Mero:

    eben WEIL unter anderem die “mit Gewalt erzwungene Kopulation innerhalb einer Ehe” inzwischen ebenfalls unter den §177 fällt verstehe ich nicht wiso man JETZT von einer “Rape Culture” spricht. Es sei denn man bezeichnet die Zeit DAMALS so. Das würde ich verstehen und akzeptieren. Denn wenn es gesellschaftlich als NORMAL angesehen wird, die Ehefrau straffrei auch zum Sex zwingen zu können, dann kann man ohne schlechtes Gewissen die Vergewaltigung als TEIL der Kultur ansehen.

    Das schockiert mich jetzt ein wenig. Wenn ich bis eben noch Zweifel hatte, daß du wirklich Jurist bist, dann sind die hiermit verflogen. Ich hab euch (jetzt kann ichs ja so sagen) immer unterstellt, daß ihr vor lauter Paragraphenpupserei nicht mehr wißt, wie das Leben funktioniert. Jetzt von dir lesen zu müssen, daß eine in großen Teilen der Bevölkerung verbreitete Denkweise deiner Ansicht nach automatisch nicht mehr der Kultur zugehörig ist, sobald ein Paragraph gewisse (aber bei weitem nicht alle) aus dieser Denkweise abgeleitete Handlungen unter Strafe stellt, entsetzt mich und läßt mich sprachlos. Wer schon mal den einen oder anderen Kommentar von mir gelesen hat, weiß, daß das nicht vorkommt.
    Also nochmal: du sagst, daß es eine rape culture in Deutschland nicht geben kann, weil es ja einen Paragraphen dagegen gibt. Und natürlich auch deshalb, weil sich ein “gesamtgesellschaftlicher Konsens” (oder wie dieses schwammige Gummiding, das noch nie einer gesehen hat, heißt) immer und jederzeit in unbedingter Deckung mit dem StGB befindet.
    Ich könnte aus dem Stand bestimmt 20 Beispiele aufzählen, anhand derer die Dimension von “lächerlich”, die das ist, vielleicht eindrucksvoll, definitiv aber unzureichend illustriert wird. Geht aber praktisch einfach nicht, weil ich maßlos entsetzt über den Grad der Weltfremdheit von euch Juristen und sprachlos ob dieser brachialen Naivität bin, die dem Anschein nach einen Katalog von Strafen, die verhängt werden können, sobald gewisse Handlungen zur Anzeige gebracht werden(!!!), mit einem quasi bindenen moralischen Leitfaden des gesellschaftlichen Zusammenlebens verwechselt.
    Gib mir bitte eine Möglichkeit, wie ich dich falsch verstanden haben kann, denn sonst muß ich auch dich als Teil des Problems ansehen. Das fänd ich schade.

  42. #42 Jürgen Schönstein
    1. Dezember 2014

    @Merowech
    Ja, der Begriff “Vergewaltigungskultur” ist provozierend gemeint – ich stelle hier ja zur Diskussion, ob er ein Kampfbegriff ist. Aber ist er – abgesehen davon, dass er als Vokabel zugegebener Maßen relativ neu ist, was – gegenstandslos oder irrelevant? Betrachten wir das Argument mit der seit sieben (!) Jahren gesetzlich untersagten Vergewaltigung in der Ehe doch mal ganz pragmatisch: Es gibt dieses Verbot, WEIL es den Tatbestand eben noch gibt. Warum gibt es Gesetze gegen Steuerhinterziehung? Warum eine Straßenverkehrsordnung? Weil andernfalls keine Möglichkeit bestünde, das Fehlverhalten zu ahnden – was aber auch bestätigt, dass diese Gesetzeswerke notwendig sind. Und damit schließt sich der Kreis: Sie sind notwendig, weil das darin als nicht wünschenswert angesehene Verhalten nach wie vor praktiziert wird. Und selbst wenn der physische Zwang zum Geschlechtsverkehr nicht mehr gesetzlich sanktioniert wird, gibt es noch genug Hinweise darauf, dass dieser “eheliche Beischlaf” ein Rechtsgut ist. Wir definieren unsere Kultur ja auch sonst eher im Kontext von Jahrhunderten…

  43. #43 Wilhelm Leonhard Schuster
    1. Dezember 2014

    Ich dachte bisher die Ehe ist auch ein Vertrag in dem die Frau auch IHRE Verpflichtungen zu erfüllen hat .
    Tut SIE selbiges nicht, ist dies Vertragsbruch.
    Sie müßte also sofort, so Sie mit den Anforderungen des Herrn Gemahls nicht mehr einverstanden ist ,offizell Anzeigen ,daß SIE nicht mehr gewillt ist,dessen Forderungen zu erfüllen.
    Erst dann könnte der Begriff ::”Eheliche Vergewaltigung” zum Tragen kommen!
    Irgenwie ein schwieriges, juristisches und menschliches Thema!

  44. #44 Jürgen Schönstein
    1. Dezember 2014

    @Merowech
    Siehe Kommentar Nr. 43 – q.e.d.

  45. #45 Adent
    1. Dezember 2014

    Lol, ja genau so ein Beispiel wie in #43 hat uns noch gefehlt.

  46. #46 Bullet
    2. Dezember 2014

    Altah … schon wieder ‘ne Tischkante im Eimer. “Sozialverträgliches Frühableben” ist der Term, der mir da immer wieder durch die Birne flattert…

  47. #47 Earonn
    2. Dezember 2014

    “Werter Herr Gemahl,
    hiermit tue ich kund und zu wissen,
    dass fürderhin ich nicht länger geneigt bin, die ehelichen Pflichten entsprechend dem zwischen Ihnen und mir geschlossenen Vertragswerk (im Folgenden “Ehe” genannt) nachzugehen. Hierzu gehören insbesondere
    -der eheliche Beischlaf (ohne Licht, Missionarsstellung, ausschließlich der Zeugung Ihres Erben dienend)
    – die Zubereitung der Mahlzeiten (3/Tag)
    – das Heranbringen von Zeitung, Pfeife, Fidibus
    – sorgsame Pflege, Reparatur und ggf. Ersatz Ihrer Kleidung (Krawattengabe zu Weihnachten inklusive)
    – scheue Befragung Eurer Allwissenden Weisheit, welche Partei zu wählen sei
    – demütiges Flehen um Erlaubnis, einer gewerblichen Beschäftigung nachzugehen, insoweit dies die o.g. Pflichten nicht beeinträchtigt und das daraus erzielte Einkommen zu 100% der Familie (Euch) zu Gute kommt.
    Herzlichst, und mit Knicks,
    euer Weib xxxxxxx ”

    (Ja, liebe Verheiratete, das dürft ihr euch als Vordruck runterladen. Ich bin ja gar nicht so…).

    Auuuaaaa, was manche so denken…

  48. #48 Adent
    2. Dezember 2014

    @Earonn
    Klasse, das drucke ich für meine Frau aus 😉

  49. #49 Wilhelm Leonhard Schuster
    3. Dezember 2014

    Tiah, so manche Frau möchte sicherlich so einiges ausgedruckt bekommen,damit SIE, sich auf “Bestimmtes” einstellen kann.
    Beispiel, mir von einer Dame berichtet:
    “Er, (ein Bombengestell von Mann, der mit Sicherheit noch nicht”sozialverträglich”(frei nach Bullet) entsorgt werden müßte,)
    kommt doch nur(wenn überhaupt)nur einmal im Monat zu mir .
    Ich, ohne Pille ,kann dann doch auch nicht NEIN sagen.”

    Würde die Dame nun Nein sagen und ER grob darob werden,
    könnte hier schon der Vergewaltigungs § zum Tragen kommen.#
    Bekanntlich schaukeln sich “kleineProbleme in der Ehe ”
    manchmal sehr rasch zu einem “unösbarem Problem hoch”.
    Meist, wegen rechtzeitiger, fehlender Vereinbarung,
    aus welchen Gründen auch immer- hier vieleicht:
    Die Dame will ihren Mann und Ernährer, doch nicht als “Schlappschwanz” verletzen.

  50. #50 Bullet
    3. Dezember 2014

    Jenau, Willi. Immer noch einen oben druff. Ham wa verstanden. Danke.
    *tilt*