Als ich vor einem Jahr über den “Gender Pay Gap” – also die Lücke zwischen der Bezahlung für Männer und Frauen in vergleichbaren Berufen – geschrieben habe, kam schnell das Argument auf, dass sich die Arbeitsleistung von Männern und Frauen nun mal nicht so direkt vergleichen ließe. Und wenn es um berufliche Chancengleichheit (vielleicht sogar durchgesetzt mit einer Quotenregelung) für Männer und Frauen geht, dann wird schon mal gerne damit argumentiert, dass es ja auch Berufe gebe, in denen dann eine Männerquote gefordert werden müsse. Nun, stimmt das – sind Männer in “Frauen”-Berufen beachteiligt? Ich lasse das Wort “Frauen”-Berufe mal so stehen, obwohl es nicht wirklich den Sachverhalt trifft. Laut einer Erhebung, die im aktuellen Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht wurde, kassieren Krankenpfleger und Arzthelfer im Durchschnitt 5100 Dollar pro Jahr mehr als Krankenpflegerinnen und Arzthelferinnen. Das sind monatlich immerhin 425 Dollar mehr für Männer, die in diesem Fall gewiss die gleiche Arbeit leisten wie Frauen. Sicher, nur etwa sieben bis zehn Prozent der Positionen in diesen Berufen werden von Männern ausgefüllt, was – wie ein Sprecher der American Nurses Association hier in der New York Times betont – die statistische Genauigkeit ein bisschen beeinträchtigen könnte; aber bei insgesamt rund 290.000 beobachteten Personen ist die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne “Ausreißer” unter den Männern die Datenlage verschoben hätten, doch erst mal gering. Diesen Gender Pay Gap gibt es übrigens bereits seit 1988, und er hält sich seitdem hartnäckig.

Wie erklären wir uns das?

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Kommentare (67)

  1. #1 Bullet
    1. April 2015

    Nebenbei: ist sortiert hier irgendwie alles komisch …

  2. #2 Bullet
    1. April 2015

    Aber zurück zum Thema:

    Wenn man nun bedenkt, dass es in Deutschland Aktivisten gibt, die von einem Gender Pay Gap faseln und es als Beleg für ungerechte Entlohnung anführen, dann muss man nunmehr die Existenz eines Gender Time Gap konstatieren und fordern, dass Männer entsprechend der Mehrzeit, die sie für Arbeit aufwenden, kompensiert werden, z.B. durch Ruhetage, Tage, an denen es Genderisten verboten ist, den Mund aufzumachen.

    Ich sprach von Polemik: hier isse. Dummes, am (selbstgewählten!) Thema vorbeigehendes Geschwätz. Keine sog. “Argumente”.

  3. #3 Basilius
    Rokujōma no Shinryakusha!?
    1. April 2015

    @Bulli
    Natürlich lebe ich noch. Die Seite ist nicht so schlimm, als daß man gleich Augenkrebs bekommen würde. Sie geht einem halt leicht auf den Sack weil dort nur dümmliche Stammtischparolen skandiert werden, während versucht wird sich mit einem Deckmäntelchen aus Pseudewissenschaftlichkeit zu tarnen und schmücken.

    @all
    Dabei fällt mir auf, daß ich im RSS Feed inzwischen auch zwei Kommentare gesehen habe die hier (noch?) nicht auftauchen. Einer von Phil und einer vom mutmaßlichen Michael Klein selber. Netter Zufall, daß sich der ausgerechnet jetzt gerade auch in die Diskussion zuschaltet.
    O_o

    …öhhhh..
    OK, inzwischen sind die vermissten Kommentare tatsächlich aufgetaucht. Vermutlich waren sie in der Mod gelandet und Jürgen hat die inzwischen freigeschaltet.
    Aber was ich noch schreiben wollte ist inzwischen von Bullet schon erledigt worden.

  4. #4 Adent
    1. April 2015

    @Michael Klein
    Laute Töne

    und für Wissenschaft, in der es um Nachprüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit geht, sowieso.

    Ja dann, machen Sie mal Wissenschaft… Wir warten gern ein Weilchen bis sie kapiert haben worum es in der Wissenschaft geht. Ein kleienr Tipp, nicht um Polemik wie auf den Sciencefiles (siehe auch #52).

  5. #5 Michael Klein
    1. April 2015

    #52 Haben Sie nur aus dem Zusammenhang gerissene Zitate? Kein Argument? Nichts mit Substanz? NIchts, was Ihre Behauptung zu stützen vermag, außer ihrer persönlichen Sprachvorliebe. Das ist ärmlich und bestärkt mich nur in der nun zweifach von Ihnen belegten Auffassung, dass Sie keine Idee davon haben, was Wissenschaft von Nicht-Wissenschaft unterscheidet. EIn Hinweis: Polemik ist es nicht.

  6. #6 Michael Klein
    1. April 2015

    #54
    Gehaltlose Töne. Wieder nur Worte und kein Argument. Hat man Ihnen in der Schule nicht beigebracht, dass man begründen muss, was man anderen vor den Latz kotzt, weil die anderen ansonsten keinen Grunde sehen, warum sie sich mit dem Erbrochenen überhaupt befassen sollten…?

  7. #7 Earonn
    1. April 2015

    Was wäre eigentlich, wenn die Frauen allesamt den Rat der “es gibt keine GPG”-Fraktion folgten und Ingenieurinnen würden – ggf. halt im Ausland?
    Wer pflegt euch dann im Krankheitsfall? Die Männer ja nicht, die würden ja dem selben Rat folgen und Manager werden.

    Meiner Meinung nach ist schon die Begründung “Frauen verdienen weniger, weil sie in Berufen mit geringer Bezahlung arbeiten” entlarvend. Denn warum werden diese Berufe denn historisch bedingt schlechter bezahlt? Genau: weil das ja ‘nur Weiberkram’ war.

    Ich habe einen technischen Beruf erlernt, aber nach anderthalb Jahren Sozialhilfe war ich an dem Punkt, wo ich lieber einen “Frauenberuf” ergriffen habe, als weiter arbeitslos zu sein.
    Was nutzt es Frauen, gut bezahlte Berufe zu erlernen, wenn sie dann nicht eingestellt werden, z.B. weil sie “nicht schwer heben können” oder “ja sowieso Kinder kriegen”?
    (Traf beides nicht auf mich zu, mein Berufsabschluss war innerhalb der obersten 5% der ansonsten rein männlichen Berufsschuklasse, aber wer will, der findet bestimmt einen Grund, warum es natürlich meine Schuld war, keinen Job zu bekommen).

  8. #8 Bullet
    1. April 2015

    Na, Herr Klein? Mal auf #51 antworten? Vielleicht?

  9. #9 Basilius
    Hanamonogatari
    1. April 2015

    Werter Herr Michael Klein,
    ich würde Ihnen empfehlen in Ihren Kommentaren explizit hinzuschreiben wen Sie denn nun gerade ansprechen wollen. Eine bloße Referenz auf eine Kommentarnummer tut’s leider nicht, weil die leider nicht fix ist, sondern sich durchaus ändern kann.
    Jedenfalls hoffe ich doch, daß Ihr Kommentar #56 nicht auf die #52 gemünzt war. Vermutlich eher auf die #50. Sie können auch gerne auf den Kommentar direkt verlinken, so wie ich das gerade mit Ihrem Kommentar #56 gemacht habe. Diese Links bleiben tatsächlich eindeutig.
    Jedenfalls würde es der weiteren Diskussion sicherlich helfen, wenn man jeweils genau weiß, wer den nun gemeint ist.

  10. #10 Jürgen Schönstein
    2. April 2015

    @Phil #45

    Die unbezahlten Überstunden wurden meines Wissens nie mit berücksichtigt.

    Aha. Hmm. Und wie wirken sich dann unbezahlte Überstunden auf die Bezahlung aus? Da knickt die Logik leider völlig weg.

  11. #11 Phil
    2. April 2015

    Aha. Hmm. Und wie wirken sich dann unbezahlte Überstunden auf die Bezahlung aus? Da knickt die Logik leider völlig weg.

    Unbezahlte Überstunden werden in gewissen Kreisen erwartet und werden natürlich indirekt vergütet. Außerdem spielen Überstunden immer eine Rolle in den Gehaltsverhandlungen.
    Selbst wenn die Überstunden per Freizeitausgleich weitestgehend abgegolten werden, wirk sich ein kurzfristige zusätzliche Verfügbarkeit positiv auf das Gehalt aus.

    In das Gehalt gehen alle Faktoren rein, welche die Arbeitsleistung (d.h. der Produktivitätssteigerung durch den Mitarbeiter) erhöhen. Das schließt natürlich auch unbezahlte Überstunden mit ein. In Leitungsfunktionen sind Überstunden üblicherweise bereits über das Gehalt abgegolten. Das bedeutet insbesondere, dass Überstunden unbezahlt sind, jedoch im Gehalt (bzw der nächsten Gehaltsverhandlung) berücksichtigt sind.
    Das gilt natürlich auch bei Berufen, wo Überstunden vergütet werden, weil allein die Bereitschaft zu Mehrarbeit höher vergütet wird, weil solche Mitarbeiter flexibler einsetzbar sind. Das Gehalt spiegelt immer auch die Erwartungshaltung des Arbeitgebers wieder. Abrechnung ist das die nächste Gehaltserhöhung (oder eben nicht mehr Gehalt).

    Mir drängt sich immer mehr der Eindruck auf, dass du noch nie richtig gearbeitet hast (Konzern o.ä.).

  12. #12 Jürgen Schönstein
    2. April 2015

    @Phil #61

    Mir drängt sich immer mehr der Eindruck auf, dass du noch nie richtig gearbeitet hast (Konzern o.ä.).

    Das wirft kein gutes Licht auf Deine Intuition: Ich habe Jahrzehntelang fuer Konzerne gearbeitet, und ich weiss sehr genau, was es mit “unbezahlten Ueberstunden” – gerne auch in leitenden Positionen – auf sich hat. Damit werden ja typischer Weise auch hoehere Bezuege fuer “Leistungstraeger” begruendet – der Haken ist nur, dass sie dann eben keine unbezahlten Ueberstunden mehr sind. Dazu habe ich ja schon in einem eingangs verlinkten Posting geschrieben. Aber was das mit der Studie und der dadurch angeblich entfallenden Entgeltungsluecke zu tun hat, erschliesst sich aus Deinem “Argument” halt nicht. Willst Du damit sagen, dass Frauen in gleichen Positionen wie Maenner weniger Ueberstunden leisten? Die Betonung liegt hier immer auf “in gleichen Positionen” – eine Teilzeitkraft ist nicht “in gleicher Position” wie eine Vollzeitkraft, das Teilzeit-Argument kannste Dir also sparen. Oder dass Frauen immer fuer ihre Ueberstunden bezahlt werden? (Dann muessten sie ja eigentlich mehr verdienen.)

    Nochmal: In aller Regel sind Ueberstundenregelungen einheitlich und explizit: Mein Arbeitsvertrag mit dem FOCUS-Verlag legte klar fest, dass es fuer Uberstunden keine Bezahlung gibt, sondern allenfalls Freizeitausgleich – und das war fuer Maenner wie Frauen gleichermassen geregelt. Und eine entsprechende Regelung macht ja erst die Vergleichbarkeit der Position aus. Aber wie schon gesagt: Diese Vorgabe ignorierst Du seit Beginn dieser Diskussion. Nach Deiner Ansicht ist es gar nicht moeglich, dass Maenner und Frauen vergleichbare Arbeit leisten koennen – aber dafuer findest Du, ausser Deiner Ideologie, keine Belege. Und somit endet die Diskussion schon, bevor sie ueberhaupt beginnen kann.

  13. #13 Ein Mensch sitzt vor einem Bildschirm und denkt über das Leben nach
    3. April 2015

    Unternehmen lassen sich in ihrem wirtschaftlichen Handeln noch weniger von Emotionen leiten als Einzelpersonen, und unterhalten zu diesem Zweck systematische Kontrollmechanismen, beispielsweise Controlling-Abteilungen. Tun sie dies nicht, haben sie früher oder später das Nachsehen gegenüber ihrer Konkurrenz. Falls es etwas gibt, das dem theoretischen Homo Oeconomicus nahe kommt, dann sind es Unternehmen als Akteure. Leisten Frauen und Männer vergleichbare Wertschöpfung zu unterschiedlichen Gehältern, müsste jede Controllerin aufmerksam werden und darauf hinwirken, dass ihr Unternehmen systematisch die günstigeren Angebote bevorzugt. Ein (echter) Gender Pay Gap führt folglich zur bevorzugten Beschäftigung von Angehörigen der sich günstiger anbietenden Gruppe. Sind “Frauen”-Berufe das Ergebnis?

  14. #14 Basilius
    Tsukimonogatari
    3. April 2015

    @Ein Mensch sitzt vor einem Bildschirm und denkt über das Leben nach
    Zu Ihrer Ansicht über die Controller fällt mir nur noch der alte Spruch ein:

    Wer glaubt, daß ein Abteilungsleiter tatsächlich eine Abteilung leitet, der glaubt vermutlich auch, daß ein Zitronenfalter Zitronen faltet.

    >_<

  15. #15 Phil
    5. April 2015

    Willst Du damit sagen, dass Frauen in gleichen Positionen wie Maenner weniger Ueberstunden leisten?

    Das waere zu vermuten. Zumindest entspricht dies auch meiner persoenlichen Erfahrung. Es gibt einige Frauen, welche sich totarbeiten, ansonsten kommen und gehen die meisten Frauen aber sehr puenktlich.

  16. #16 Adent
    6. April 2015

    @Phil

    Es gibt einige Frauen, welche sich totarbeiten, ansonsten kommen und gehen die meisten Frauen aber sehr puenktlich.

    Äh, aus meiner persönlichen Empfindung/Erfahrung heraus ein klares Nein, und nun?

  17. #17 BMI23
    20. April 2015

    [b]Fat-Pay-Gap[/b] sollte es heißen, nicht Gender-Pay-Gap!
    Ich bin gerade auf etwas interessantes gestoßen:

    “Individual Costs

    – Taking into count things like lost life, lost wages, gasoline costs, and life insurance obese men spend $2646 extra per year, obese women $4879 per year, overweight women $524 per year, and overweight men $432 per year.
    – Obese men and women are paid less than their professional healthier counterparts. As of 2008, about $3.41 per hour less than healthier peers, which is partially attributed to higher health insurance premiums. Obese women are particularly affected, earning 11% less than their healthy counterparts (2012.)”
    http://www.top-nursing-programs.com/business-of-obesity/

    Dicke haben nicht nur höhere Lebenshaltungskosten, sie werden auch schlechter entlohnt als Normalgewichtige. Aus irgendeinem Grund trifft es übergewichtige Frauen härter als übergewichtige Männer.