Ich finde das Geräusch, wenn jemand mit seinen Knöcheln knackt, ja bis zum Unerträglichen unangenehm. Aber wenn man wüsste, wie es entsteht – und dass dabei nicht wirklich was kaputt geht, auch wenn es so klingt – wäre es vielleicht erträglicher…

Die bisherige These war ja offenbar – hier berufe ich mich auf einen aktuellen Beitrag in der Online-Plattform PLoS One – dass durch das Dehnen des Gelenks eine Blase in der Gelenkflüssigkeit entsteht, die dann mit hörbarem Knacks platzt. Aber das sei, so fanden die Forscher* um Gregory N. Kawchuk von der University of Alberta, nicht mit dem vereinbar, was wir über Gelenke wissen. Und darum steckten sie den Finger des als Co-Author angegebenen Chiropraktikers Jerome Fryer in einen Magnetresonanztomographien und schauten zu, was passiert, wenn man dran zieht:

Und offenbar ist es nicht das Platzen einer Blase, sondern die Entstehung des Hohlraumes (ein Prozess, der als Tribonucleation bezeichnet wird, was den Knack verursacht…

Die Frage, die die Forscher* nun beschäftigt, ist: Kann das Knacken, wie bisher befürchtet, zu Gelenkschäden führen? Dass kollabierende Hohlräume in Flüssigkeiten – die so genannte Kavitation – zu Erosionen, zum Beispiel an Schiffsschrauben führen können, ist bekannt. Aber bisher wurden, wie ich dem PLoS-Artikel entnehme, solche Schäden an Gelenken nicht beobachtet. Was vielleicht damit zu tun hat, dass die Knorpelschichten eben andere Oberflächeneigenschaften haben als die harten Metalloberflächen von Schiffsschrauben, oder auch damit, dass selbst die hartnäckigsten Fingerknacker ihrem Hobby nicht lange genug nachgehen. In meiner Gegenwart jedenfalls wird dieses Verhalten meist durch einen scharf missbilligenden Blick gestoppt…

*Ja, alles Männer. Darum keine generische Form dieses Substantivs hier

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Kommentare (6)

  1. #2 Karla Kolumna
    17. April 2015

    Ich hab zwar auch schon davon gelesen, dass das Knacken gar nicht so schädlich sein soll wie befürchtet.
    Kann mir aber schwerlich vorstellen, dass es gar keine Auswirkungen auf die Gelenke hat.
    So, oder so, hilft es mir nicht dabei, das Geräusch nicht schrecklich zu finden.

    Mein damaliger Chef und Schreibtischkollege, hat immer mit den Fingern und dem Hals/Genick (durch Ziehen des Kopfes mit der Hand einmal nach rechts, einmal nach links, noch lauter als einfaches Fingerknacken…) geknackt *schauder*
    Leider hat es ihn nicht interessiert, dass alle Bürokollegen das Geräusch scheußlich unangenehm fanden.
    Habe ihn immer damit aufgezogen, dass ich ihm nicht helfe wenn sein Genick durchbricht…

  2. #3 Standre
    18. April 2015

    Ich glaube ja, die Welt unterteilt sich in Knacker und Nichtknacker.

    Für die Nichtknacker: Es ist uns ein tiefes Bedürfnis. Das schafft Befreiung. Die Raucher unter den Nichtknackern können das vielleicht verstehen. Es ist wie die Zigarette zwischendurch, zum … Dings.

    Das Gelenk – ach nein – ALLE Gelenke beginnen, sich zunehmend steifer anzufühlen. Es macht sich so ein Metaziehen im Nervensystem breit. Man beginnt, zu schrumpeln. Erst innerlich, dann auch äußerlich. Es zieht einen zusammen.

    Und dann, wuuuusaaa: Knack, Kracks, Streck, Überdehn, Knirsch, Kracks….

    …. herrlich.

    Vielleicht sollte man in öffentlichen Räumen Knackerbereiche einführen. Mit schalldichten Zwischenwänden.

  3. #4 Ach herrje
    20. April 2015

    Liebe(r) Standre,
    das kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen.
    Wenn bei mir mal der Arm oder so steif wird, streck ich ihn auch und wenn er knackst, dann ist das einfach so. Aber wenns keinen Ton tut, ist mir das genauso recht. 🙂

  4. […] erst wenn wirklich alle Zehen und Finger einmal geknackt haben, nachdem man an ihnen gezogen hat. Geograffitico hat sich auf die Suche gemacht und herausgefunden, was das Knacken […]

  5. #6 Jens
    Hamburg
    27. April 2015

    Hier hat jemand einen ausgedehnten Selbstversuch unternommen: http://www.scientificamerican.com/article/crack-research/