“Rejection of GM crops is not a failure for science”, schreibt Colin Macilwain in der aktuellen Ausgabe von nature. Und ich finde den Beitrag lesenswert genug, um hier darauf hinzuweisen. Wer in meinem Blog mitliest, wird nicht übersehen haben, dass ich mich gelegentlich kritisch zum Thema genmanipulierte Nahrungsmittel geäußert habe – und hoffentlich verstanden haben, dass es dabei nicht um die Möglichkeiten der Gentechnik an sich, sondern vor allem darum ging, wie die Diskussion darüber geführt wird.

Und darum erscheint mir so ein Beitrag wie der in nature eben sehr wichtig: Es ist eben nicht das Ende der Wissenschaft, oder das Ende des Forschungsstandorts XYZ (bevorzugte regionale Einheit hier eintragen), wenn Verbraucher keine Lebensmittel mir genetisch modifizierten Zutaten essen wollen. Es ist auch nicht das Ende der Wissenschaft, wenn Lebensmittel mit genetisch manipulierten Ingredienzien entsprechend gekennzeichnet werden.

Hier ein paar Gedanken (wieder mal) von mir als “Nachtisch”: Damit, dass Lebensmittel unbedenklich sind, ist es als Argument einfach nicht getan. Wer das denkt, der kapiert nicht, dass es beim Essen keineswegs nur um die chemische Zusammensetzung der Nahrungsmittel geht. Wir bevorzugen ein Restaurant über ein anderes, weil wir vielleicht die Attitüden des Personals unterschiedlich goutieren; wir kaufen auf dem Markt bei dem Stand, der uns – aus welchen Gründen auch immer – sympathischer ist (obwohl ein Großteil der Waren aller Anbieter hier vom gleichen Großmarkt stammen). Wir bevorzugen oder vermeiden bestimmte Marken, weil wir die Firmenpolitik des Markenartiklers ablehnen/begrüßen. Und ich esse keinen weißen Spargel, einfach weil ich keinen weißen Spargel mag – kurz: Bei unserer Entscheidung, was und wo wir essen, spielt eben mehr eine Rolle als nur die chemische Komposition und generelle Unbedenklichkeit des Essens.

Und wer überzeugt ist, dass wir mehr GMO in unseren Nahrungsmitteln brauchen, kann ja dank einer Kennzeichnung auf der Packung bevorzugt danach greifen; auch die Kennzeichnung “Made in Germany” war mal dazu gedacht, KäuferInnen abzuschrecken und wurde – dank deren Präferenzen – zum Gütesiegel.

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Kommentare (58)

  1. #1 strahlenbiologe
    3. September 2015

    Danke für den Beitrag,
    du sprichst indirekt an was ich z.B. bei Diskussionen auch versuche rüberzubringen. Allerdings meist in Richtung Pro-GMO. Das “gute Gefühl/Sympathie-Feeling” beim Kauf von gesunden/Nicht-GMO-Lebensmittel besteht zu einem Gutteil aus (gewollter) Unwissenheit. Denn wie du weist ist jedes unserer Lebensmittel heutzutage Produkt einer rigerösen Zucht/Auslese. Die “Natur” hat uns keinen Apfel, Banane, Weizen etc geschenkt so wie wir sie heute kennen. Die prinzipiellen Argumente Contra GMO-Lebensmittel gelten halt auch für 99% aller Nicht-GMO-Lebensmittel. Das ist ja auch im Prinzip nichts Schlimmes.

  2. #2 BreitSide
    Beim Deich
    3. September 2015

    Ja, die Transparenz bei Lebensmitteln, seufz…

    Dazu passt ja der alte Metzgerspruch über die Wurst: “Wenn rauskommt, was da reinkommt, kommen wir rein und nicht mehr raus!”

    Dass Leute dann unsinnige Präferenzen ausleben können (garantiert nikotinfreie Butter, alkoholfreie Zigaretten und fettfreier Whisky), ist ja egal.

    Ich möchte gerne wissen, wo mein Essen wirklich her kommt.

  3. #3 Hobbes
    3. September 2015

    Das Problem ist das die ganzen Organisationen die die Gentechnik ablehnen gegen eine allgemeine Kennzeichnungspflicht sind. Mit dem Argument das wenn der Kunde merkt wo überall Gentechnische Veränderung drin ist er die Angst davor verliert.
    Es sollen nämlich ausschließlich Lebensmittel gekennzeichnet werden und auch nur solche welche mit bestimmten Methoden verändert wurden. Hier handelt es sich um sehr effektive Lobbyarbeit.
    Wenn man auf einmal an jeder Jeans und an seinem Insulin ein GMO Sticker hat verliert das halt seinen Schrecken.
    Die Frage ist außerdem warum Sollte man etwas Markieren was keine Gefahr darstellt. Das Produkt ist einwandfrei. Ein Verzicht auf Gentechnik wäre also eine Zusatzleistung. Ein “Gentechnikfrei” Siegel würde mehr Sinn machen. Ähnlich wie das BIO-Siegel.

  4. #4 lindita
    4. September 2015

    Ich habe mal eine Sendung gesehen mit der Frage – wo die alten Sorten hin sind. Dabei habe ich gelernt, dass die Biobauern meist Hybridsaatgut verwenden und der Verbraucher keine stacheligen Gurken der alten Sorte haben will.

    Heute geht es doch nur um Romantik in Essvorstellungen. Am Ende wird die Pizza aus der Kühltruhe gezogen. Kein Mensch ist ein Kenner. Das Auge verwirrt den Geschmack. In Vielem kann man dadurch was Essen angeht ein X für ein Y halten und dennoch alles besser wissen.

    Dass man aus dem Essen ein Kopfproblem macht, und damit nichts mehr geniessen kann, ist eine Konsequenz unserer Konsumgesellschaft.

  5. #5 Tim
    4. September 2015

    Bei unserer Entscheidung, was und wo wir essen, spielt eben mehr eine Rolle als nur die chemische Komposition und generelle Unbedenklichkeit des Essens.

    Natürlich. Aber dann sollten GMO-Gegner bitte auch klar sagen, daß ihre GMO-Ablehnung Glaubenssache ist, verwandt mit Halal & Co. De facto tun sie aber das Gegenteil und argumentieren pseudo-wissenschaftlich.

  6. #6 BreitSide
    Beim Deich
    4. September 2015

    So ein Quatsch! Es ist eine ganz einfache Willensentscheidung. Es ist doch auch keine Glaubensentscheidung, ob ich Vanille- oder Schokoeis haben will?

    Ich will schlichtweg wissen, was mit meinem Essen gemacht wurde. Ist das so schwer zu verstehen?

    Ich will zB auch fair gehandelten Kaffee. Nicht weil der besser ist (ist er wirklich) oder gesünder sei, sondern weil ich damit die Produktionsprozesse mitbestimmen kann.

    Oder was ist mit Kleidung aus Kinderarbeit? Dir wohl völlig egal. Oder bist Du da auf einmal religiös?

    Und Ökostrom? Hat auch keine höhere Qualität als der Andere. Wird aber anders hergestellt. Nicht wahr?

  7. #7 Eberhard Bauer
    4. September 2015

    alternet.org ist sicher keine perfekte Informationsquelle, der folgende Artikel ist aber nicht ganz uninteressant:

    http://www.alternet.org/food/i-used-work-scientist-gmos-now-im-having-serious-second-thoughts-about-risks

  8. #8 Adent
    4. September 2015

    @BreitSide

    Ich will schlichtweg wissen, was mit meinem Essen gemacht wurde. Ist das so schwer zu verstehen?

    Weißt du denn aktuell, was mit deinem Essen gemacht wurde? Ich frage deshalb, weil die meisten Leute nicht wissen, dass zum Beispiel alle heute angebauten Weizensorten (und viele andere Pflanzen) Mutanten sind, die durch radioaktive Bestrahlung kreiert wurden. Andere heutige Sorten wurden durch chemische Mutagenese hergestellt.

  9. #9 BreitSide
    Beim Deich
    4. September 2015

    Nein, ich weiß es nicht. Das ist ja eben. Ich wüsste es aber gern. Was dagegen?

    Aber danke für die Info! Jetzt kann ich wenigstens teilweise meine Kaufentscheidungen besser begründen. Warum wird man nicht über solche Dinge automatisch informiert?

    Jaja, ich weiß schon, dann wäre Monsanto nicht mehr so mächtig und Nestlé und andere Giganten nicht mehr so reich. Das wäre doch wirklich schade.

  10. #10 Adent
    4. September 2015

    @Breitside

    Ich wüsste es aber gern. Was dagegen?

    Nicht im geringsten, warum man darüber nicht informiert wird, ich denke mal damals (die Bestrahlungen wurden hauptsächlich in den 60er bis 90er Jahren gemacht) hatte man Angst das würde sich nicht verkaufen lassen (Hiroshima und Antikernkraftbewegung) und inzwischen ist es halt schon lange her.
    Das Problem, was ich sehe ist, wenn man wirklich alles zu seinem Essen wissen will, dann wird der Beipackzettel ähnlich aussehen wie bei Medikamenten. Hätte ich persönlich kein Problem mit, aber praktiabel erscheint es nicht.
    Ich plädiere für vollständige Deklaration aller Lebensmittel, Medikamente und anderer Sachen (Jeans etc.) die mit Gentechnik in Berührung kommen, dann hast du Wahlfreiheit als Gegner und die Nicht-Gegner sollte es ja wohl auch nicht stören.

  11. #11 Adent
    4. September 2015

    @Breitside

    Aber danke für die Info! Jetzt kann ich wenigstens teilweise meine Kaufentscheidungen besser begründen.

    Das verstehe ich nicht so ganz, was meinst du damit? Was ich oben geschrieben habe heißt, egal ob du dein Brot (oder dein Getreide, wenn du es selber mahlst) heute vom Bio-Bauern oder sonstwoher kaufts, es ist eine vor X-Jahren durch Bestrahlung hergestellte Mutante des damaligen Weizens (nur als Beispiel, das betrifft auch andere Getreide und Pflanzenarten). Wo genau hast du da jetzt eine bessere Kaufentscheidung?

  12. #12 strahlenbiologe
    4. September 2015

    @BreitSide
    das sind keine “geheimen” Informationen. Es ist natürlich legitim über Nahrungsmittel bescheid zu wissen. Aber wie ich schon schrieb, praktisch jedes unserer Grundnahrungsmittel sind durch Zucht/selektion entstanden, wie adent schon schried auch sehr häufig durch Mutagenese mittels gammastrahlen oder mutagener Substanzen (Colcemid z.b.).
    zum einlesen: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pflanzenz%C3%BCchtung&redirect=no
    Im prinzip müßte jeder Nahrungspflanze ein Beipackzettel beilegen, um es mal übertrieben darzustellen. Ich bin aber auch nicht grunssätzlich gegen Kennzeichnungspflicht, versteh mich da nicht falsch. Ich stell mir dabei aber die Frage “was ist sinnvoll und was nicht”. Muss mein Steak gekennzeichnet werden wenn die Kuh GM-Soja aß? MMn nein. Muß der Käse ab jetzt ein GVO-Siegel tragen weil 2/3 aller Käse mit Lab-Enzymem aus GVO-E.coli&Co hergestellt wurde?MMn auch nicht. Sollte das Popcorn gekennzeichnet sein wenn es aus GM-Mais hergestellt wurde? Von mir aus, nichts dagegen……

  13. #13 Adent
    4. September 2015

    @Breitside
    Hier in dieser Datenbank sind die wesentlichen Pflanzen zu finden (einfach suchen welche Pflanze dich interessiert).
    http://mvd.iaea.org/#!Home

  14. #14 BreitSide
    Beim Deich
    4. September 2015

    Danke für die Datenbank!

    Die Kennzeichnung finde ich gar nicht so problematisch, so eine lustige schwarz-weiße Briefmarke (oder wie heißen diese Tags) am Produkt, und schon weiß das Handy sofort alles. Alles, was der Hersteller halt freigibt…

    So könnte Transparenz aussehen. Wenn es von gewissen Leuten gewollt wäre… 🙄

  15. #15 rolak
    4. September 2015

    in dieser Datenbank

    Schönen Dank, Meister Adent, so etwas in der Art habe ich gerade gestern noch gesucht haben wollen 😉

    Briefmarke

    QR wie ‘qualifizierte Recherche’, BreitSide. Oder so…

  16. #16 BreitSide
    Beim Deich
    4. September 2015

    Oder so… 😆 Ein Kaffee wäre angebracht…

  17. #17 Realistischer
    4. September 2015

    Es ist ein Versagen der Wissenschaft, die real existierende Gentechnik nicht ausreichend zu erforschen. Da geht es um zunehmenden Einsatz von Giften (“Pflanzenschutz”) ob zunehmender Resistenzen ob zunehmendem Einsatz von Giften ob …
    Gentechnik ist nur eine Technik in diesem Spiel, da kann die Wissenschaft völlig blind und naiv meinen dass Technik immer gut sein müsse, was aber selbstverständlich nie so ist.
    Oder sie nimmt die Bedenken ernst und untersucht sie, und kommt drauf was denn nun wirklich heraus kommt wenn man Gentechnik so einsetzt wie sie derzeit massenhaft eingesetzt wird.
    Die Urteile darüber, ob wir das wollen, soll die Wissenschaft bitte uns überlassen. Danke. Und auch Danke, dass uns die Wissenschaft nicht mehr alle gleich für blöd hält wenn wir eine “abweichende” Meinung haben.

  18. #18 Hans Brandl
    München
    5. September 2015

    Die Wortwahl des Herrn Schönsteins ist in seiner Unreflektiertheit wieder einmal entlarvend:
    “Es ist auch nicht das Ende der Wissenschaft, wenn Lebensmittel mit genetisch manipulierten Ingredienzien entsprechend gekennzeichnet werden. ”
    Wie wäre es denn damit:
    Es ist auch nicht das Ende des Journalismus , wenn Texte mit worttechnisch manipulierten Ingredienzien entsprechend gekennzeichnet werden. !

  19. #19 Adent
    5. September 2015

    @Realistischer

    Es ist ein Versagen der Wissenschaft, die real existierende Gentechnik nicht ausreichend zu erforschen.

    Diese Aussage ist so erstmal falsch, wie ich weiter oben schrieb gibt es seit ca. 30 Jahren begleitende Sicherheitsforschung zu experimentellen Freisetzungen und Monitoring sowie Risikobewertung zu Freisetzungen und Anbau von GV-Pflanzen. Diese wurde nur zum Teil von den anbauenden Firmen gemacht, zum großen Teil aber von den entsprechenden Landesinstituten weltweit, um eben den Bias zu vermeiden, dass ein große Firma nur das erforscht, was ihrer Produktvermarktung nicht schadet.
    Das Thema mit den Resistenzen ist ein völlig anderes, diesen Effekt hat man schon seit Einsatz der ersten Herbizide und Pesitzide, die Unkraut-Pflanzen und die Schädlinge werden dagegen relativ schnell resistent, also mussten neue Spritzmittel im 2 Jahres Takt her. Erst seit Einsatz der Gentechnik ist dieser Zyklus verlängert worden, die Schadinsekten brauchen länger um sich an neue ungewohnte Pestizide zu adaptieren, klar schaffen sie auch das über kurz oder hier eher lang (5-10 Jahre). Was kann also helfen? Der Einsatz mehrere unterschiedlich wirkender Substanzen, da eine Multiresistenz allein durch Mutation von den Organismen sehr viel schwerer machbar ist.
    Ich weiß schon was als nächstes kommt, aber man kann doch auch Nützlinge oder Fruchtfolge oder andere gute Argarbiologische Techniken einsetzen. Die Antwort darauf ist, ja das macht man auch und auch daran wurde in den letzten 30 Jahren intensiv geforscht, mit sehr guten Ergebnissen, damit kann man aber die Ernteausfälle durch Schädlinge nicht annähernd kompensieren, wenn man 7 Millarden Menschen (mit zunehmender Tendenz) ernähren will.
    Die Gentechnik ist dabei nur ein Hilfsmittel unter vielen, um genug Essen zu produzieren.
    Was allerdings am meisten helfen würde wäre, weniger Menschen und weniger Fleischkonsum. Also auf gehts Realistischer und alle anderen hier mitlesenden, kein Fleisch mehr essen (ideal) und keine Kinder mehr kriegen (maximal 1 pro Eltern für die nächsten 50 Jahre) und schon lösen sich die ganzen Probleme auf.

  20. #20 Adent
    5. September 2015

    @Rolak
    Wenn es dich noch mehr interessiert ind dem EASAC Report von 2013 sind sehr viele weiterführende Links zu dem Thema.
    http://www.easac.eu/fileadmin/Reports/Planting_the_Future/EASAC_Planting_the_Future_LAY_SUMMARY.pdf
    Der Report ist von den Europäischen Akademien der Wissenschaften verfasst, frei verfügbar und ziemlich umfangreich.

  21. #21 lindita
    5. September 2015

    Zitat von BreitSide: “Ich will zB auch fair gehandelten Kaffee. Nicht weil der besser ist (ist er wirklich) oder gesünder sei, sondern weil ich damit die Produktionsprozesse mitbestimmen kann.”

    kann ich wirklich so etwas mitbestimmen? Vor einiger Zeit habe ich ein Artikel darüber gelesen, dass wir hier so ein Fair-Kaffe teuer bezahlen, am Ende kriegen die Bauern sehr wenig davon.

    Oder wie in Bangladesch brauchen die Arbeiter etwa 12 Cent (erinnere mich nicht an genaue Zahl), um das Doppelte zu haben. Logistik bleibt ja gleich. Und hier verlangen die von uns dann das Dreifache des Ladenpreises, was schon mal nicht jede Schicht unserer Gesellschaft bezahlen kann.

    Wir bereichern wieder mal die Reichen damit, beruhigen nur unser Gewissen, tatsächlich ändern aber nichts.

    Ich finde, es ist nicht meine Aufgabe als Einzelnperson den Handel fair zu gestalten, sondern der Politik. Ich habe als Einzelperson keine Information, werde sie auch nicht kriegen. Und ich habe auch keine Macht in einem Ausmass, der benötigt wird. die Schritte auf Fairness zu kontrollieren und wenn nötig zu sanktionieren.

    Warum wird diese Verantwortung auf uns, enfache Menschen verlagert? Damit sich nichts ändert, weil wir ja glauben, dass wenn wir den Kaffe so teuer bezahlen, bewegt sich da was und bleiben ruhig. Mit unserem Gutmenschsein wird doch heute massenhaft Geld gemacht, und das sicher nicht für die, die es brauchen.

    Zitat: “Es ist doch auch keine Glaubensentscheidung, ob ich Vanille- oder Schokoeis haben will?”

    Ob Rot- oder Weisswein auch? Sobald man eine rote Farbe in Weisswein tut, machen nicht mal die Experten den Unterschied. Unser Gehirn fällt stândig auf irgendwelche Tricks rein (lese gerade das Buch “Schnelles Denken, langsames Denken” von D. Kahneman).

    Ich persönlich habe nur ein Kriterium, was Essen angeht – es schmeckt mir, es schmeckt mir nicht.

  22. #22 rolak
    5. September 2015

    @Rolak: →pdf

    Ja hervorzüglich, Adent, damit haste Dir einen dicken GummiPunkt verdient!. Mir geht es vor allem um die Listung der -äh- ganzheitlichen, nicht erwähnungspflichtigen, ignorierten Änderungen an all den ‘normalen’ Pflanzen, ohne die es schlicht keine Lebensmittelversorgung mehr gäbe. Geht ja nicht nur um pinke Grapefruits…

    Aprpos Versorgung: Komm doch einfach zum Essen vorbei, geht gleich los 😉

  23. #23 BreitSide
    Beim Deich
    5. September 2015

    @lindita: Quellen bitte?

    Fair Trade wird überwacht und kontrolliert. Wenn mal einer sich nicht an die Regeln hält, ist das System doch nicht schlecht? Ich finde das eine recht schwache Ausrede. Befasse Dich bitte mal mit Fair Trade.

    Bitte schieb nicht alle Verantwortung auf “die da oben”. Du hast die Möglichkeit, Fair Trade, ohne Kinderarbeit, Bio etc. zu kaufen. Was soll die Politik denn sonst noch machen außer diese Siegel zu überprüfen? Wie sehr soll die Politik noch hineinregieren?

    Und sei bitte nicht gleich eingeschnappt, wenn mal Einer der Handelnden sich nicht an die Regeln hält. Du verkaufst doch auch nicht Dein Auto, wenn mal eine Werkstatt Dich betrogen hat?

    Und was meinst Du mit dem Eis und dem Wein? Ich hatte doch nur gesagt, dass ich als Kunde gerne das hätte, was ich bestellt habe. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, ob ich tatsächlich auch feststellen kann, was ich wirklich bekommen habe. Genau das nennt man ja Betrug, wenn cih nicht das Bestellte bekommen habe.

    Swarovski mag aussehen wie Diamanten, ist es aber nicht. Also ist es Betrug, wenn ich echte Diamanten bestellt habe und Swarovski bekomme. Soweit klar?

  24. #24 BreitSide
    Beim Deich
    5. September 2015

    Wie meinen? Sonst geht´s Dir noch gut?

    Er hat es exakt auf den Punkt gebracht. Du hast wohl schon vergessen, wie die Firmen aufgejault haben, dass das Ende der Welt kommen werde, wenn Inhaltsstoffe bekannt würden.

    Wenn wir die Information haben, können wir entscheiden. Ohne Informationen nicht.

  25. #25 lindita
    6. September 2015

    @BreitSide
    Z B hier
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/fairtrade-betriebe-zahlen-arbeiter-laut-studie-schlecht-a-971940.html

    Ich bin ein Selbstverantwortlicher Mensch, arbeite, zahle Steuer, erziehe mein Kind zur Selbstverantwortung und Kritik. Ich bin immer die Erste, die sagt, esrt selbst tun. Aber, wenn ich mich mit Sachen beschäftigen soll; die wirklich nicht in mein Kompetenzbereich fallen, bin ich realitätsfern und drücke mich vor Dingen, die in meiner Macht liegen.

    Dass ich im Laden stundenlang untersuchen soll, ob es dort Produkte mit Kinderarbeit liegen, das geht gar nicht. Dass sie schon mal dort liegen, ist ein politisches Skandal. Firma sanktionieren oder gar dichtmachen. Ob ich diese Produkte nicht kaufe, das ändert nichts an dem Bild, dass Deutschalnd Kinderarbeit akzeptiert.

    Ich bin im Verkauf tätig. Und es gibt Kunden, die fragen mich, ob der Stoff, mit dem eine Saladschüssel beschichtet ist, giftig ist. Womit es beschichtet ist, steht drauf. Es gibt EU-Regeln, sage ich. Ach was, da sitzen doch nur die Lobbyisten, sagt sie. Ich antworte ihr, dass ich Chemie nicht studiert habe und persönlich keine Langzeitstudien an Menschen durchgeführt habe. Und wenn ich das täte, würden sie mir dann glauben, nur weil ich hier direkte Verkäuferin bin?

    Ich stehe auf zwei Seiten – Verkäufer und Kunde. Wenn die Kunden eine Beratung wünschen beginne ich damit rauszufinden, wie stark “paranoisiert” sie sind. Am schlimmsten sind die, die überall Verschwörung sehen. Manchmal sage ich dann, sie sollen selbst anbauen und produzieren und dem Anderen nicht die Zeit und Energie stehlen.

    Ich will nicht so werden wie diese Kunden. Was haben die denn noch für eine Lebensqualität?

    Und wenn man mich betrogen hat, dann bich ich selbst schuld. Bei Nahrung kann ich, wie gesagt, meinen Geschmackssinn urteilen lassen, weil Vieles auch nur Geschmacksache ist. Aber Kinderarbeit oder Giftpotential – da kann ich nichts tun, weil ich es nicht weiss, es ist ausserhalb meiner Kompetenz. Und Media sollen MICH damit in Ruhe lassen und Politik anklagen. Diese Moralapostel machen nur die Menschen verrückt. Ist ja wie- ich schlage Kinder, aber ich schlage sie nicht, wenn sie erwachsen sind, weil sie erwachsen sind und können zurückschlagen. Wir sind machtlos und dumm wie Kinder, auf uns kann man rumhacken, aber Politik ist stark… Hier spiegelt sich auch heutige Erziehung wieder. Kinder sollen kleine Erwachsene sein, damit Eltern nicht mehr die Verantwortung tragen. Ist das nicht eine perverse Vorstellung?

    Ok, ich mag es alles zu vermischen. Muss ja nicht verstanden werden. Das ist meine aktuelle Lebensposition. Die, die es sich als Privatperson wissentlich, zeitlich und materiell leisten können mehr zu tun, sollen es tun.

  26. #26 Alderamin
    6. September 2015

    @Jürgen

    Wir bevorzugen oder vermeiden bestimmte Marken, weil wir die Firmenpolitik des Markenartiklers ablehnen/begrüßen. Und ich esse keinen weißen Spargel, einfach weil ich keinen weißen Spargel mag – kurz: Bei unserer Entscheidung, was und wo wir essen, spielt eben mehr eine Rolle als nur die chemische Komposition und generelle Unbedenklichkeit des Essens.

    Das Spargelbeispiel hinkt. Du wirst vermutlich schon einmal weißen Spargel gegessen haben und bemerkt haben, dass er Dir nicht schmeckt (geht mir so mit Schnittkäse). Dann ist es völlig in Ordnung, aus eigener Perspektive und mit eigener Kenntnis des Sachverhalts etwas nicht zu essen.

    Etwas anderes wäre, wenn Du den Spargel deswegen nicht einmal probieren würdest, weil Dir jemand anderes, der ihn auch noch nie gegessen hat, erzählte, der Spargel schmecke ganz fürchterlich und man werde krank davon, das habe ihm ein Dritter erzählte, der ihn grundsätzlich auch nie essen würde.

    Ich weiß nicht genau, wo die Ablehnung der Gentechnik angefangen hat, verorte dies aber in die Gegend der Grün-Alternativen Bewegung, die sich (nicht zu Unrecht) in den 70ern gegen Umweltverschmutzung einsetzte (im Rheinwasser konnte man damals Filme entwickeln, hieß es; es roch jedenfalls so), und da wurden die Verfehlungen der Industrie synonym zu denen der Wissenschaft, und damit entstand ein schiefes Bild der Wissenschaft, dass sie nicht vertrauenswürdig sei.

    Dieses Bild sitzt in vielen Köpfen. An der Umweltzerstörung Schuld sind dann nicht Firmen, denen von der Politik keine Auflagen zur Wasser- und Abgasreinigung auferlegt wurden, sondern die Wissenschaft, deren Erkenntnisse von den Firmen angewendet werden. Die Wissenschaft ist Schuld am Wettrüsten mit Atomwaffen, obwohl es Politiker und Generäle waren, die Gott und die Welt in Bewegung gesetzt haben, um möglichst effiziente Kernwaffen und Raketen zu bauen (natürlich haben sich da auch Wissenschaftler kaufen lassen, es ging ja um die “nationale Sicherheit”, aber die Wissenschaft hat ja nicht den Beschluss gefasst, Hiroshima und Nagasaki zu bombardieren, das war alleine Truman). Und Gentechnik kann demnach ja auch nicht gut sein, wo doch große Firmen damit Geld verdienen wollen.

    Ob da jetzt die Wissenschaft versagt hat, ihr Image richtig zu stellen, oder die Firmen, die natürlich die gesetzlichen Vorgaben so weit ausgenutzt haben, wie sie konnten, um Gewinne zu optimieren, oder die Politiker, die die Vorgaben zu spät oder zu lasch erließen, vermag ich nicht zu sagen (obwohl ich die letzteren am ehesten in der Verantwortung sehe). Vielleicht muss man bei manchen Menschen auch einfach mal auf die Stirn klopfen (“Hallo McFly, jemand zu Hause?“) und sie daran erinnern, worauf sie gerade schauen und tippen, und wie das Leben ohne Zinkoxid wäre. Gentechnik ist das nächste große Ding nach dem Halbleiter, das Zinkoxid von morgen. Das haben nur die Europäer (und insbesondere die Deutschen) noch nicht kapiert.

  27. #27 BreitSide
    Beim Deich
    6. September 2015

    @Lindita:
    < "Und wenn man mich betrogen hat, dann bich ich selbst schuld."

    Nein, bist Du nicht. Wenn Dir einer eine gute 50-Euro-Blüte unterjubelt, kannst Du da gar nichts für.

    < "Bei Nahrung kann ich, wie gesagt, meinen Geschmackssinn urteilen lassen, weil Vieles auch nur Geschmacksache ist."

    Wenn Du das wirklich glaubst…

    < "Aber Kinderarbeit oder Giftpotential – da kann ich nichts tun, weil ich es nicht weiss, es ist ausserhalb meiner Kompetenz."

    Ja und exakt deswegen gibt es ja die Siegel. Du kannst ja auch nicht prüfen, ob die Leiter, die Du kaufst, wirklich sicher ist. Dafür gibt es das GS-Siegel. Auch da kann natürlich jemand schummeln. Was schon oft vorgekommen ist.

    Verlässt Du Dich auf den Tüv-Stempel am Auto?

    Zieh Dir den Schuh mal anders herum an: Woher weißt Du, dass der Spiegel Recht hat? Der Spiegel hat auch schon sehr viel Bockmist geschrieben. Und Du nimmst jetzt unreflektiert diesen einen Artikel und liest natürlich auch nicht die Richtigstellung von fairtrade. Oder hast Du? Nein, passt nicht ins Weltbild…

  28. #28 Theres
    6. September 2015

    @Alderamin
    Der Fehler lag darin, dass einfach gemacht wird, was geht, ohne an die Folgen zu denken. Das ist Wissenschaft, Politik und Firmen zu eigen, genau wie Menschen. Daran lag es meines Erachtens. Und die Folgen für die Biodiversität, wenn alte Sorten von nur einigen wenigen verdrängt werden, sind sicherlich nichts segensreiches.
    Das dies alles im beginnenden “Greenpeacezeitalter” zusammen gemischt wurde und zu einem seltsamen “grünen” Gemisch an Halbwissen und Emotionen verkocht wurde, ist das andere.
    Brutal verkürzt, sehr salopp ausgedrückt, aber … ich hoffe, nicht zu falsch.

    Ich halte die grüne Gentechnik so, wie sie heutzutage eingesetzt wird für einen teils falschen Weg, teils für sehr hilfreich, aber für D zum Beispiel auch unnötig. Hier gälte es mehr eine andere Landwirtschaftspolitik durchzusetzen und eine Spur rationaler zu werden, was Naturschutz angeht.

  29. #29 BreitSide
    Beim Deich
    6. September 2015

    @Alderamin:

    – “…die Firmen, die natürlich die gesetzlichen Vorgaben so weit ausgenutzt haben, wie sie konnten, um Gewinne zu optimieren,”

    Das ist aber sehr, sehr brav ausgedrückt. Ich würde mich schon trauen, zu sagen, dass sie besch***en, wo es geht.

  30. #30 Alderamin
    6. September 2015

    @Breitside

    Ich bin ja selbst Teilhaber an einem kleinen Laden, und es ist nicht so, dass sich nur die Firmen die Taschen vollstopfen. Firmen sind grundsätzlich dazu da, Gewinne zu machen (daraus zahlen sie auch ordentlich Steuern [nicht nur Gewerbesteuer, sondern über die geschaffenen Arbeitsplätze auch Lohnsteuer und über die geschaffenen Güter Mehrwertsteuer!]) und Firmen sind nicht nur Existenz schaffend, sondern auch Geldanlagen und Altersvorsorge, sie sind halt ein Teil des Wirtschaftkreislaufs. Sie haben eine Verantwortung ihren Mitarbeitern und der Gesellschaft gegenüber. Und sie sind im brutalen Wettbewerb miteinander, wo schon kleine Nachteile große Auswirkungen haben können, deswegen nutzen sie ihre Freiräume, soweit sie das können oder meinen, verantworten zu können.

    Es ist die verdammte Verantwortung des Staats, dafür einen fairen Raum zu schaffen, in dem ein Wettbewerb möglichst ohne ökologische oder gesellschaftliche Nachteile möglich ist. So wie der Staat eine Infrastruktur zu schaffen hat, dass man sich fortbewegen kann. Wenn es keine staatlich gebauten Straßen und Schienen gäbe, müssten die Firmen sich ihre eigenen Pfade durch die Wiesen und Wälder pflügen, und die würden dann aus Kostengründen wohl relativ spartanisch ausfallen und wenig Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Bevölkerung nehmen.

  31. #31 BreitSide
    Beim Deich
    6. September 2015

    @Alderamin: Natürlich gibt es auch ehrliche Firmen 😉 Aber eben nicht nur.

    Ich dachte auch tatsächlich eher an die größeren Konzerne, die mehr oder weniger regelmäßig im Visier von Kartellamt, Finanzamt oder anderen Behörden sind.

  32. #32 Alderamin
    6. September 2015

    @BreitSide

    Natürlich gibt es auch ehrliche Firmen

    Darum geht es nicht. Es geht darum, dass Gelegenheit (= fehlende Rahmenbedigungen) Diebe macht (und hier geht’s den Dieben um die eigene Existenz).

    Das ist wie beim Doping im Radsport. Eigentlich will keiner dopen, es gefährdet die Gesundheit, man kann sogar sterben. Aber alle müssen es tun, weil sie sonst keine Chance haben. Wenn das Versauen der Umwelt billiger ist als Abgas- und Abwasserreinigung, oder die Inanspruchnahme von Kinderarbeit oder was auch immer, dann sind solche Firmen im Vorteil, die dies ausnutzen. Die Vorgaben müssen eben verhindern, dass dies billiger ist, und es muss alle gleich betreffen. Wie die Dopingkontrollen. Man kann nicht nur auf die barmherzigen Samariterchefs hoffen, denen geht es auch an den Hals, wenn die Firma pleite geht. Man muss dafür sorgen, dass alle fair spielen können, dann ist auch die Bereitschaft viel höher, dies zu tun.

    Aber wir driften ab vom Thema GM und wer die Verantwortung für deren schlechtes Image trägt. Egal aus welchem Grund, Firmen haben auf jeden Fall dieses schlechte Image befördert, weil man sie gelassen hat und weil die Wissenschaft wenig zu ihrer Verteidigung unternommen hat.

  33. #33 Realistischer
    6. September 2015

    Es ist wie bei den AKWs: die Wissenschaft redet sich ihre Technologie schön.
    Würde man von allen Autoren von Unbedenklichkeitsstudien eine persönliche Haftung einfordern, für trotz Unbedenklichkeit entstehende Schäden, der Spuk wäre schnell vorbei – und wir würden uns Unmengen an Aufräumkosten ersparen. Von den direkten Opfern ganz zu schweigen.
    Aber klar: natürlich selbstverständlich hat die Wissenschaft rein garkeine Verantwortung dafür, dass da irgendwelche Unfälle geschehen. Nie. Nie Verantwortung. Nur vorher haben sie alles getan um den Entscheidern einzureden dass das alles ganz super unbedenklich wäre.
    Hinterher sagen sie, es war nur eine freie Meinungsäusserung. Wie bei den Ratingagenturen. Kein Anspruch auf Schadenersatz. Daher muss man das auch immer so sehen: nie mehr als eine Meinung. Auch wenn sie es “Naturgesetz” nennen – es ist keins, sondern immer nur deren Meinung.

  34. #34 Adent
    7. September 2015

    @Realistischer

    Aber klar: natürlich selbstverständlich hat die Wissenschaft rein garkeine Verantwortung dafür, dass da irgendwelche Unfälle geschehen.

    Das hat zwar keiner irgendwo behauptet insofern ist das nur ein durchsichtiger Strohmann, aber sie können ja sicher zumindest einen Beleg für einen solchen Gentechnik-Unfall bringen oder?

  35. #35 Realistischer
    7. September 2015

    @Adent: ich sprach von der Atomkraft. All die Studien und Aussagen von wegen “schwere Unfälle sind extrem Unwahrscheinlich” sind effektiv gleich bedeutend mit: das wird früher oder später passieren, aber wir sagen euch dass ihr es machen sollt weil es nicht passieren wird, und wenn es trotzdem passiert dann sind wir nicht daran schuld.
    Auf die Gentechnik lässt sich das in Analogie übertragen: ebenso unvorhersehbar und unbeherrschbar (auch wenn ihr das alles immer abstreitet, weil, der GAU ist beherrschbar und etwas darüber hinaus gehendes trifft gemäss Annahme nicht ein). Allerdings potentiell ist Genmanipulation noch um eine Stufe gefährlicher.

  36. #36 Alderamin
    7. September 2015

    @Realistischer

    Die Atomunfälle sind passiert, weil Sicherheitsvorschriften nicht beachtet wurden (absichtliche Abschaltung von Sicherungsmechanismen in Tschernobyl, unzureichende bauliche Maßnahmen gegen Tsunamis in Fukushima, das Risiko in einem Erdbebengebiet war bekannt). Der Mensch neigt dazu, schludrig zu sein, deswegen bin ich gegen Atomkraft (ganz abgesehen von der Verletzbarkeit der Anlagen bei Anschlägen).

    Bei der Gentechnik liegt der Sachverhalt anders. Es entstehen nicht aus Schludrigkeit gefährliche Organismen, sondern sie werden bestenfalls aus Schludrigkeit frei gesetzt, wenn sie vorher jemand absichtlich erzeugt hat (was das Militär auch dann tun wird, wenn wir hier alle “Genfood” boykottieren). Niemand hat vor, gefährliche Nutzpflanzen zu erzeugen, im Gegenteil, man ist daran interessiert, dass diese sich gar nicht alleine fortpflanzen können, man will ja im nächsten Jahr wieder das Saatgut verkaufen, und gegen Wildformen sind die hochgezüchteten Industriegewächse genau so im Nachteil, wie eine freilaufende Kuh gegenüber einer Herde Wisente.

    Bevor etwas als Nahrungsmittel zugelassen wird, wird es intensivst untersucht werden, die Auflagen sind heute ja schon so hoch, dass sie nur noch von Großindustriefirmen erfüllt werden können. Da sehe ich keine Gefahr. Aber hierzulande fallen die Leute ja schon in Ohnmacht, wenn Schlachttiere mit Genmais gefüttert wurden, so als ob dann ein böser Fluch auf ihnen läge, der sich auf dem Menschen übertragen könnte. Pesitzide und Antibiotika, die sammeln sich an und gehen mit dem Fleisch unverändert auf den Menschen über, aber nicht Gene von einer Pflanze, die vom Tier verdaut, verbrannt oder in Fett umgesetzt wird (der größte Teil wird eh ausgeschieden).

    Nach wie vor gibt’s jedenfalls keinerlei sauber durchgeführte Studie, die irgendeinen durch genmanipulierte Nahrungsmittel verursachten Schaden oder Krankheit belegen könnte. Der Ami futtert das Zeugs schon länger und von da sind auch keine Fälle bekannt.

  37. #37 Adent
    7. September 2015

    @Realistischer
    Das war mir schon klar, es stand dort aber “Es ist wie bei den AKWs” und damit bedeutet Es = Gentechnik.
    Genaugenommen haben Sie aber Recht, auch wenns nicht so gemeint war, die Wissenschaft hat keinerlei Verantwortung, es ist die Sprache die Schuld ist, ohne Sprache (zumindest Symbolsprache) und Kooperation könnte man weder AKWs bauen noch Gentechnik betreiben.
    Achtung das war ironisch und soll heißen, nahezu alles an Erfindungen und Wissen kann negativ verwendet werden, ist es deshalb besser das Schaffen von neuem Wissen zu unterlassen?
    Ich beantworte diese Frage für mich mit Nein, ich möchte nämlich nicht auf die Annehmlichkeiten des heutigen Lebens verzichten, wenn sie das tun wollen, bitteschön…
    Drüben bei Florian Freistetter kam gerade heute ein Artikel zum Thema Risiko, lesenswert, es ist oftmals schon sehr seltsam was die Menschen so als gefährlich ansehen und was nicht.

  38. #38 Ursula
    7. September 2015

    @ Adent
    Wollte gerade das selbe schreiben.
    Nutzen Risiko Abwägungen durchziehen unser ganzes Leben.
    Der Artikel aus dem Schreibwettbewerb bei Florian kam mir auch gerade in den Sinn.

  39. #39 Adent
    7. September 2015

    @Ursula
    Bei dem Stichwort Risikoabschätzung (was ja unser Institut auch erheblich beschäftigt), muß ich unwillkürlich an kettenrauchende Lottospielerinnen denken, die dann lauthals gegen Atomkraft und Gentechnik protestieren :-).

  40. #40 BreitSide
    Beim Deich
    7. September 2015

    @Adent: Und dann noch mit dem Kind am Arm…

  41. #41 Jürgen Schönstein
    7. September 2015

    @Alle
    Ich bin zwar erleichtert, dass die Diskussion – mit einer Ausnahme, die aber für/gegen sich selbst spricht – im Großen und Ganzen sachlich verläuft, aber ich möchte noch einmal daran erinnern, worum es geht: Es geht darum, dass es keine Katastrophe für die Wissenschaft ist, wenn Produkte, an denen sie forscht, von den Konsumenten nicht angenommen werden (auch wenn von berufener Seite etwas anderes postuliert wurde). So etwas geschieht jeden Tag, und noch nie hat es einen Anspruch seitens der Wissenschaft gegeben, dass Produkte (!), die aus ihrer Arbeit resultieren, dann gefälligst auch von den Massen gekauft werden müssen. Und trotzdem forschen sie weiter – nach besseren Produkten, nach besseren Anwendungen, und manchmal auch nach echten Alternativen zu ihrer ursprünglichen Idee. Nur in der grünen Gentechnik soll dies plötzlich nicht gelten? Das kann und will ich nicht glauben…

  42. #42 Adent
    8. September 2015

    @Jürgen

    Substantial equivalence was the original sin that undermined public confidence in GM technology, and advocates have been over-compensating for it ever since. Genetic modification is a blockbuster technology with a broad ability to mix and match genes; its use or misuse has profound implications for global ecology and the food supply. It is in no sense ‘substantially equivalent’ to plant breeding.

    Sorry, aber das ist Unsinn und falsch. Bei der konventionellen Pflanzenzüchtung werden noch viel mehr Gene gemischt und verändert als in der Gentechnik und es wird noch nichtmal kontrolliert was hinten dabei rauskommt, solange es nicht akut gefährlich ist. Insofern ist das Argument der substantial equivalence vollkommen folgerichtig und keine Sünde die mitgeschleppt wird.
    Zu deiner Frage:

    So etwas geschieht jeden Tag, und noch nie hat es einen Anspruch seitens der Wissenschaft gegeben, dass Produkte (!), die aus ihrer Arbeit resultieren, dann gefälligst auch von den Massen gekauft werden müssen.

    Das ist richtig, es wurde aber auch bisher eher selten verboten ein Produkt der Wissenschaft anzubauen, zu verkaufen oder weiter zu erforschen, das ist der Unterschied zur Gentechnik.
    Mal ganz persönlich gefragt, worauf begründest du deine Entscheidung keine gentechnisch veränderten Nahrungsmittel zu essen?

  43. #43 Alderamin
    8. September 2015

    @Jürgen

    So etwas geschieht jeden Tag, und noch nie hat es einen Anspruch seitens der Wissenschaft gegeben, dass Produkte (!), die aus ihrer Arbeit resultieren, dann gefälligst auch von den Massen gekauft werden müssen.

    Es sind ja seltsamerweise vor allem die Europäer, oder wird in den USA auch so ein Heckmeck um die Gentechnik veranstaltet? Es ist ok, wenn jeder nur isst, was er mag, es ist nur nicht ok, wenn Unsinn darüber verbreitet wird und die Leute es deswegen meiden. Denk’ mal an die Impfverweigerer, die haben ähnliche Ängste (und da gibt’s sogar in extrem seltenen Fällen nachgewiesene Nebenwirkungen).

    Hier wird ja nicht ein bestimmtes Produkt verunglimpft, sondern eine ganze Methode, die unglaublich viele Möglichkeiten eröffnet. Resistente Pflanzen, Pflanzen, die Trockenheit oder UV besser vetragen, die schwerere Früchte tragen können oder mehrere Ernten pro Jahr erlauben, die mehr Vitamin enthalten, die Arzneien produzieren oder Öl und und und. Bei uns darf man so was ja nicht mal in die freie Erde setzen. Aber mit Radioaktivität bestrahlen und auf zufällige Mutationen hoffen, ist ok. Wer versteht das denn?

  44. #44 Adent
    8. September 2015

    @Jürgen #41
    Irgendwie verstehe ich deinen Post 41 nicht. Du vermischt da Forschung und Produktvermarktung und sagst es ist keine Katastrophe für die Forschung, wenn ihre Produkte nicht vermarktet werden. Das ist insoweit richtig, als das die Forschung dann auswandert (z.B. gehen die meisten guten Leute, die ich kenne dann nach abgeschlossener Ausbildung oder evtl. schon zur Doktorarbeit nach Amerika, England oder Holland. Das ist natürlich in dem Sinne keien Katatstrophe für die Forschung, aber schon eine für den Standort Deutschland, wenn man hier die Ausbildung bezahlt (die sehr teuer ist), die Leute dann ihr erworbenes Know How im Ausland einsetzen und wir im Endeffekt die Produkte dann wieder aus dem Ausland kaufen müssen, weil sie hier nicht produziert werden dürfen. Ein für mich sehr merkwürdiger Kreislauf der mit Sicherheit für Deutschland/Europa nicht gut ist.

  45. #45 Realistischer
    8. September 2015

    Warum wird immer die Umwelt vergessen? Wenn Gentech genutzt wird auf eine Art dass die Umwelt geschädigt wird oder werden könnte (die nicht eingehaltenen Sicherheitsvorschriften sowie die nicht vorhergesehenen Probleme MUSS man in der Risikoabwägung immer berücksichtigen), und/oder dass die Landwirtschaft geschädigt wird weil in Abhängigkeiten getrieben, dann ist das nicht etwas das sich in den Genen der Pflanzen bzw. in den Mägen der Menschen wieder findet, aber auf Umwegen wird man trotzdem davon betroffen sein. Deswegen ist es wichtig das Drumherum auch mit zu bedenken, viele Perspektiven mit ein zu beziehen. Und deswegen kann ich die auf ihr kleines Spezialfach fokussierten Experten nicht mehr ernst nehmen. Die ignorieren alles was sonst noch wichtig wäre, sehen nur ihr eigenes Fachgebiet, dem entsprechend kann man ihnen Fachfragen zumuten aber bitte keine in einem grösseren Kontext relevanten Entscheidungsfragen.

  46. #46 Adent
    8. September 2015

    @Realistischer
    Auch hier muß ich widersprechen, auch wenn ich vielleicht gar nicht gemeint war mit den “auf ihr kleines Spezialfach fokussiertem Experten”. Die Aussage an sich wäre schon eine Frechheit, es sei denn sie wissen was man im Biologiestudium so alles lernen muss und auch lernen sollte.
    Schaun wir mal,

    Warum wird immer die Umwelt vergessen? Wenn Gentech genutzt wird auf eine Art dass die Umwelt geschädigt wird…

    1) Der gleiche Satz gilt, wenn Gentech nicht genutzt wird sondern konventionelle Pflanzen in der Landwirtschaft angebaut werden. Der Einsatz von Spritzmitteln insgesamt ist durch Gentechnik um 9% zurückgegangen.
    Übrigens wussten Sie, das im Bioanbau auch gespritzt wird? Dort gibt es nur Regeln, dass man nur bis zu einem bestimmten Wuchszeitpunkt der Pflanzen spritzen darf, danach nicht mehr, vorher darf und wird kräftig gespritzt.
    2) Wo wurde denn durch die Gentechnik die Umwelt geschädigt? Und wo war das so, wenn keine Gentechnik im Spiel war?
    Weiter:

    und/oder dass die Landwirtschaft geschädigt wird weil in Abhängigkeiten getrieben

    Dazu kann man sich aber besser informieren, Hybridpflanzen und Abhängigkeit vom Saatgut gibt es schon sehr viel länger als die Gentechnik, ist also auch kein Argument gegen Gentechnik (was nicht heißt, dass die Abhängigkeit der Bauern per se gut ist).

    Deswegen ist es wichtig das Drumherum auch mit zu bedenken, viele Perspektiven mit ein zu beziehen.

    Das ist ausnahmsweise mal richtig: das nennt sich Monitoring und wird seit ca. 1990 begleitend zur grünen Gentechnik gemacht, dazu kommt dann noch die Sicherheitsforschung (die die bekannten und im Laufe des Monitorings bekannt werdenden Probleme betrachtet und daraus Riskoabschätzungen herleitet) und die Koexistenzforschung (die betrachtet in wie weit nicht gentechnisch veränderte Pflanzen von gentechnisch veränderten Pflanzen beeinträchtig (oder kontaminiert) werden.
    Das ganze kann man sich aber sparen, wenn man so wie in Deutschland die grüne Gentechnik einfach verbietet.
    Was ich immer wieder versuche zu erklären, all die Argumente, die mantra-ähnlich immer wieder gegen die grüne Gentechnik vorgebracht werden, gelten genauso für die konventionelle Landwirtschaft, teils sogar für den Bioanbau oder gar Ökolandbau (dort wird z.B. Bt-Toxin direkt auf die Pflanzen gespritzt, das ist dann seltsamerweise erlaubt). Und darüber hinaus gilt all dies auch für die weiße und rote Gentechnik, da regt sich nur keiner mehr drüber auf (erstaunlicherweise) und deshalb bin ich ja auch für ein klares Labelling aller Produkte, die mit Gentechnik in Berührung gekommen sind.
    Dagegen wehren sich beide Seiten vehement, sowohl die Industrie, als auch die grünen Lobbyverbände, seltsam oder nicht?

  47. #47 Jürgen Schönstein
    8. September 2015

    @Adent
    Kleine Korrektur: Die Vermengung von Forschung und Produktvermarktung stammt nicht von mir, sondern resultiert aus der bereits mehrfach verlinkten gemeinsamen Erklärung der deutschen Forschungsinstitute zu diesem Thema. Oder wenn sich Akademiker zu Promotern eines Produktvermarkters machen lassen. Es hibt viele Forschungsbereiche in Deutschland, für die es in Deutschland keinen Markt gibt (Tropenkrankheiten, zum Beispiel, aber auch Agrartechnik, die sich speziell auf Drittweltländer konzentriert). Dass deutsche Akademiker in die USA auswandern, hat sicher mehr mit der prekären Situation und der generell schlechten Behandlung von Postdocs an deutschen Unis zu tun als mit der Ablehung von GMO in Nahrungsmitteln. Meine persönliche Aversion beschränkt sich nicht auf GMO, sondern umfasst auch all jene Anbaumethoden und auch konventionell modifizierten Lebensmittel, die letzlich nur dem Interesse des Erzeugers dienen und oft Produkte sind, die keiner wirklich will, wo uns aber keine echte Wahl gelassen wird. Und komm mir bitte nicht mit dem Argument, “der Verbraucher will ja nicht mehr bezahlen”, und deswegen müsse man halt billiger und in immer industrieller konfigurierten Produktionsstätten anbauen – “der Verbraucher” bezahlt letztlch, was verlangt wird (oder hast Du im Supermarkt schon mal an der Kasse einen Preis runtergehandelt?) Der Preisdruck ensteht durch das Verhalten der Anbieter. Wer braucht Erdbeeren im Winter? Wer braucht Spargel das ganze Jahr über? Es gab mal Zeiten, an die ich mich noch gut erinnere, als bestimmte Produkte eben nur zu bestimmten Jahreszeiten erhältlich waren. Aber wenn man’s anbietet, dann wird es natürlich auch gekauft. Und dass ein Laden abgefackelt wurde, weil er keine Soyabohnen im Sortiment hatte, habe ich bisher auch noch nie erlebt 😉

    @Alderamin
    In den USA wird vielleicht sogar noch mehr Heckmeck veranstaltet als in Deutschland. Dort haben die Erzeuger bisher erfolgreich verhindern können, dass genetisch modifizierte Zutaten auf den Endprodukten gekennzeichnet werden müssen (was sogar zu einem Handelskrieg mit Europa führen könnte, wo man das anders sieht). Aber warum eigentlich? Was wäre so schlimm daran, dies zu kennzeichnen? Ah, höre ich, weil dann keiner das Zeug kaufen würde. Hm. Darüber muss man mal nachdenken…

    Der Vergleich mit Impfungen liegt übrigens schwer daneben: Impfungen, sofern sie vorgeschrieben sind, dienen einem gesellschaftlichen Nutzen, der erstens nicht anders zu erreichen wäre, und zweitens darauf beruht, dass Nicht-Geimpfte eine Gefahr für andere darstellen können. Welche “Gefahr” von einem Menschen ausgeht, der sich beispielsweise nur vegan ernährt, oder der auf GMO in seinem Essen verzichten will, müsstest Du erst mal erklären.

  48. #48 BreitSide
    Beim Deich
    8. September 2015

    Das ist mir wirklich neu, dass Gentechnikgegner das konsequente Labelling von Gentechprodukten nicht wollen.

  49. #49 Adent
    8. September 2015

    @Jürgen

    Was wäre so schlimm daran, dies zu kennzeichnen? Ah, höre ich, weil dann keiner das Zeug kaufen würde. Hm. Darüber muss man mal nachdenken…

    Äh nein, da möchte ich widersprechen, wie schon oben geschrieben, es gabe mehrere Anläufe und wird weiterhin von vielen Wissenschaftsorganisationen gefordert, dass alle Produkte die Gentechnik enthalten gelabelt werden. Der Effekt wäre nämlich dass ca. 3/4 aller Nahrungsendprodukte und sehr viele andere Produkte (Arzneimittel, Kosmetik etc.) das Label “Enthält Gentechnik” bekämen. Das will die Industrie nicht, weil sie wie du sagst befürchtest das kauft keiner mehr (was ich nicht glaube) und die NGOs wollen das nicht (allen voran Greenpeace) weil dann klar würde wo schon überall seit Jahren bis Jahrzehnten Gentechnik drin ist. Auch du isst sehr wahrscheinlich (ich kenne ja dein Ess- und Kaufverhalten nicht, deshalb nur sehr wahrscheinlich) seit Jahren Produkte, die entweder mit GVO-Futter herangezogen wurden (Fleisch, Wurst und andere Tierprodukte), oder mit Hilfe von genetisch veränderten Bakterien (viele Milchprodukte wie Käse und Joghurt z.B.) oder Pilzen (Bier, Wein etc.) hergestellt wurden.
    Das mit den Erdbeeren im Winter und Spargel das ganze Jahr über ist natürlich Geschmacksache (auch nicht mein Fall, aber das hängt ganz von der Frucht/ dem Gemüse ab) und das kann mandurch seine Kaufentscheidungen in gewissem Maße beeinflußen.

    Und komm mir bitte nicht mit dem Argument, “der Verbraucher will ja nicht mehr bezahlen”

    Äh doch, du liegst da nämlich meiner Meinung nach falsch, gerade letzte Woche (und nicht zum ersten Mal) kam wieder irgendwo online (ich meine im Spiegel), das Ergebnis einer Umfrage in Deutschland, nach der die Verbaucher Lebensmittel bevorzugt günstig einkaufen. Was meinst du wohl, was dem Laden passiert, der dies nicht mitmacht und die Preise höher setzt oder hält?
    Hmmmmm, ich glaube ich weiß was dem passiert oder was er kurz darauf macht. Insofern ist das Argument der Verbraucher will nicht mehr bezahlen ein sehr sehr valides, du darfst nur nicht fälschlicherweise davon ausgehen, dass es sich die Mehrheit leisten kann lieber teurere Produkte zu kaufen.
    @Breitside 47
    Dem ist aber leider so, ich habe es live bei Sitzungen mit dem Thema neue Biotechnolgien in Brüssel miterlebt wer das fordert und wer dagegen ist.

  50. #50 Jürgen Schönstein
    8. September 2015

    @Adent
    Bei der Kennzeichnungspflicht haben wir offenbar unterschiedliche Perspektiven: Ich lebe in den USA (wo 4/5 aller globalen GMO-Produkte angebaut und auch verkauft werden), und hier hat die Agro-Lobby mit einem Milliardenaufwand durchgesetzt, dass a) eine Kennzeichnungspflicht nicht eingeführt wird und b) ein Bundesrahmengesetz erlassen werden soll, dass es den einzelnen US-Bundesstaaten sogar ausdrücklich verbietet, solche Gesetze zur GMO-Kennzeichnungspflicht zu erlassen. Und die USA drohen den Europäern wegen der GMO-Kennzeichnungspflicht sogar mit einem Handelskrieg. Dahinter stehen eben nicht die Gegner dieser Technologie, sondern ausschließlich die, die davon profitieren. Allein Monsanto gibt jährlich rund zweieinhalb Milliarden Dollar (es waren vor ein paar Jahren sogar mal fast neun) für diese Lobbyarbeit aus. Wäre das Geld nicht besser für eine positive Imagekampagne angelegt – oder noch besser: für Forschung und Produkte (auch aus den Labors der GentechnikerInnen), die bei den Verbrauchern wirklich ankommen?

    Was das Kaufverhalten angeht: Klar doch, wenn ich das gleiche Zeug woanders für weniger Geld haben kann, dann kaufe ich es dort. Aber wenn sich dann rausstellt, dass es eben nicht das Gleiche ist, sondern etwas, das ich – aus welchen Gründen auch immer – ablehne, dann weiß ich zumindest, was ich zu vergleichen habe. Und ja, es ist okay, den VerbraucherInnen ab und zu klarzumachen, dass man nicht alles immer billiger haben kann. Und vielleicht gibt es ja genug, die GMO tatsächlich wollen – der Tenor meiner Anmerkungen war, dass es für die Wissenschaft keine Pleite ist, wenn die derzeitigen gentechnischen Produkte nicht angenommen werden. Ich sag immer nur: Flavr Savr – hat die wirklich jemand haben wollen?

    Und manchmal ist es reine Emotion, die unser Kaufverhalten bestimmt – na und? Ich bin mir sicher, dass sich mit einem überschaubaren Aufwand aus Fäkalien Zucker herstellen ließe, der sich von “natürlicher” Sucrose chemisch nicht unterscheidet. Und ja, ich weiß, dass Fäkalien in der Landwirtschaft als Dünger verwendet werden, also in gewisser Weise bereits der Zuckerproduktion dienen. Aber würdest Du wirklich keine Probleme haben, wenn Du wüsstest, dass der Zuckerwürfel, den Du in Deinem Morgenkaffee auflöst, in der Kläranlage produziert wurde? Ich weiß, dass das provozierend formuliert ist – und nein, damit sage ich nicht, dass Gentechnik nur Scheiße ist. Aber ich sage, dass das Argument, etwas sei doch “das Gleiche”, nicht zieht, so lange es eben nicht einfach nur “das Gleiche” im chemischen Sinn ist, sondern auch Prozesse (zu denen auch Vermarktung oder die politischen Verwicklungen eines Herstellers zählen können) gleichwertig sind.

    Nochmal: Es geht mir nicht darum, Gentechnik zu verteufeln, aber ich bin es leid, wenn dieses Argument letztlich darauf hinaus läuft, dass alle Verbraucher Idioten sind. Damit hat noch nie jemand Erfolg gehabt, und ich kapiere nicht, warum das bei der Gentechnik plötzlich funktionieren soll. Wenn Verbraucher die Gentechnik (noch) ablehnen, dann muss halt besser aufgeklärt werden. Und da helfen solche Aktionen wie der massive Kampf gegen Verbraucheraufklärung (ja, nichts anderes ist eine Kennzeichnungspflicht) absolut nichts. Im Gegenteil.