Dass ich die Terroranschläge in Paris erschütternd und in ihrer willkürlichen Grausamkeit absurd finde, muss ich wohl nicht wirklich betonen. Wer hier eine Analyse der Hintergründe erwartet, den/die muss ich enttäuschen; ob es sich wirklich um religiös motivierte Fanatiker handelte, wie berichtet wird, oder ob – was ja durchaus auch plausibel ist – die Religion nur ein “Tarnmantel” für tiefe soziopathische Defekte ist (was ja nicht unbedingt ein Widerspruch sein muss), darüber würde ich aus der Ferne noch nicht mal spekulieren wollen. Aber dennoch frage ich mich, was Menschen denken, wenn sie – um die zumindest sehr wahrscheinliche religiöse Komponente der Morde wissend – dazu aufrufen, für Paris zu beten, wie es mit dem Hashtag #prayforparis tun. Zu welchem Gott, bitteschön, soll man da beten? Offenbar zu dem gleichen, den auch solche Attentäter als ihre Inspiration in Anspruch nehmen? Wissen die nicht, dass der jüdische, christliche und islamische Gott explizit ein und derselbe sind – die Differenz zwischen den Religionen liegt ausschließlich darin, wie sie glauben, diesen Gott verehren zu müssen. Und letzteres ist genau so relevant wie die Frage, auf welcher Seite ein gekochtes Ei bitteschön zu öffnen sei

flattr this!

Kommentare (75)

  1. #1 kdm
    14. November 2015

    Dies passt dazu:

    Seit Beginn der historischen Aufzeichnungen (Sumerer, vor etwa 6000 Jahren) sind 2780 “göttliche Wesen” katalogisiert worden. Also, wenn mich das nächste Mal jemand fragt: “Glaubst Du an Gott?”, sage ich: “An welchen? Zeus, Hades? Jupiter? Mars? Odin? Thor? Krishna? Vishnu? Ra? …”
    Und wenn dann gesagt wird: “Nur Gott. Nur einen Gott”, dann weise ich gerne darauf hin, dass mein Gegenüber fast genauso atheistisch ist wie ich es bin. Denn ich glaube nicht an die 2.780 Götter, er glaubt nicht an 2.779 Götter.

  2. #2 BreitSide
    Beim Deich
    14. November 2015

    Ein weites Feld…

    Es ist wie fast immer eine Frage der Auslegung.

    Dazu fallen mir die berühmten “Fragen an Schlessi” ein: http://www.tadzio.de/serious/lawsoftheoldtestament.html

    Eine Antwort ist nicht überliefert.

    Was bei uns so als “christlich” akzeptiert wird, ist schon meilenweit entfernt vom “Wort der Bibel” entfernt.

    Aber auch bei uns blühen die seltsamsten Bibelauslegungsgruppen. Zum Glück offensichtlich mit nicht so viel Einfluss wie in den USA. Siehe die “12 Stämme” aus dem schwäbischen “Pietcong”, die doch offensichtlich ordentlich Einen auf die Mütze bekommen haben.

  3. […] In welchen Gottes Namen, bitte? In welchen Gottes Namen, bitte? – Geograffitico […]

  4. #4 Detlef Schulze
    14. November 2015

    Die dicken Religionsbuecher, wie die Bibel oder der Koran, bieten eben fuer jeden etwas. Der Pazifist findet sich darin genauso bestaetigt, wie der hassende Fanatiker. Unterschiedliche christiliche Stroemungen widersprechen sich oftmals und koennen ihre gegensaetzlichen Ansichten auch noch mit der Bibel belegen. Die Attentaeter berufen sich sicher auf eines der 10 Gebote: Du sollst keinen anderen Gott haben, ansonsten gibt es die Todesstrafe. Die #prayforparis Leute beziehen sich wahrschaeinlich auf Jesus und seiner Lehre von Vergebung.

  5. #5 DH
    14. November 2015

    “die Religion nur ein Tarnmantel für tiefe sozipathische Defekte ist”

    Volltreffer. Wir im Westen machen den Fehler , die Behauptung der moslemischen Überreligiösität unhinterfragt zu übernehmen.
    Tatsächlich dürfte es auch im islamischen Kuturkreis nur so wimmeln von Menschen , die nicht halb so religiös sind , wie es scheint , sie müssen nur nach außen hin so tun , weil es dort eben (noch) gefährlich sein kann , als Nichtgläubiger oder gar als Atheist aufzutreten.

    Die westlichen und islamischen Gesellschaften dürften sich viel mehr ähneln als die meisten wahrhaben wollen.
    Es ist seltsam , wenn der Moslem austickt , hat er grundsätzlich nur religiöse Motivationen , während wir beim westlichen Gewalttäter sofort – und zurecht – auch auf psycholgische und emotionale Hintergründe schauen.

    Da herrscht in letzter Konsequenz so ein Bild vor , daß der Moslem nicht so wie wir als Mensch funktioniert und sowas wie psychische Schäden nicht kennt , auch eine Behauptung , die wir unreflektiert von der islamistischen Selbstdarstellung übernommen haben.

  6. #6 BreitSide
    Beim Deich
    14. November 2015

    Sehr schöne Analyse, DH!

    Wenn zwei das Selbe tun, ist es eben nicht das Selbe…

  7. #7 wereatheist
    14. November 2015

    Das Pew Research Center kommt in Umfragen aber zu einem anderen Bild…. 🙁

  8. #8 demolog
    14. November 2015

    Gerade weil es der selbe Gott sei, macht es Sinn. Aber das geht den sogenannten Atheisten ja völlig ab, diese Thematik. ich dchte, dass man sie inzwischen aufgeklärt hat – weil es auch einen Anlass in ihrem Dunstkreis gab. War wohl nicht so.

    Gott anbeten, ist eine Art Politik auf der spirituellen Ebene zu machen. Das geht auch anders – oder zumindest muß man das nicht als religiöses Gebet tun.

    Das (für Paris beten) hat übrigens “unser” Bundespräsident gesagt (empfohlen). Wollen sie dem in den Rücken fallen? Der ist doch vom Fach – also so Christentum und so.

  9. #9 BreitSide
    Beim Deich
    14. November 2015

    wereatheist 14. November 2015: “Das Pew Research Center kommt in Umfragen aber zu einem anderen Bild…. :(“

    Ähm, wobei und zu was für einem Bild?

  10. #10 Jürgen Schönstein
    14. November 2015

    @demolog
    Soso, es “macht also Sinn”, mit Gebeten an just jenen Gott zu antworten, der ja ganz offensichtlich Wohlgefallen an solchen Bluttaten hat, oder sie doch zumindest toleriert? Und mit diesem Gott zu reden, via Gebet, ist NICHT religiös? Aufgeklärt geht meiner Auffassung nach anders…

  11. #11 BreitSide
    Beim Deich
    14. November 2015

    @demolog: Was willst Du uns sagen? Willst Du Dich uns nicht erklären?

    Welchen Sinn soll es machen, im Namen des selben Gottes gegeneinander zu kämpfen? Bei Römern, Germanen, Ägyptern und hastenichgesehen waren es ja immer andere Götter, bei den Franken und Spaniern sowieso.

    Später – jedenfalls soweit ich unseren erweiterten Kulturkreis kenne – ging es eher um Fürsten gegen Fürsten und später eine Nation gegen die andere. Auch die zwei Weltkriege kamen ohne Gott als treibende Kraft aus, genauso wie die folgenden Konflikte im 20. Jahrhundert.

    Wo ist also Dein Punkt?

  12. #12 demolog
    14. November 2015

    @ #10 Jürgen Schönstein
    14. November 2015

    Jaja, genaues Lesen ist dem Verständnis zuträglich, Herr Schönstein.
    All das,was ein religiöser im Gebet tut, machen wir alle auch ohne religiösen Kontext jeden Tag – etwa das Zwiegespräch mit uns selbst – nur ohne einen Gott anzusprechen.

    Sie haben Gott und diese ganze Sphäre nicht verstanden. Deswegen nur schlüssig ihre Reaktion.

    Gott ist keine statische Entität. Soweit können sie folgen?
    Daraus ergibt sich, dass diese Sphäre sich ständig verändert. Woraufhin sich weiter ergibt, dass man “Gott” also bei der Stange halten muß – wie bei seiner Frau, nicht wahr? Also quasi täglich Fürsprechen – überreden sozusagen.

    Übrigens war es de Maiziere, nicht Gauck.

    @ #11 BreitSide
    Beim Deich
    14. November 2015

    Wo steht, dass ich “Kämpfen” empfehle? Das hast du reingedichtet. Wem es aus dem Arsch gekrochen….der hats zuerst gedacht.

    Dein Punkt ist wohl auch, dass du gar nicht verstehen willst, sondern wieder nur rumzanken. Mein Punkt steht da deutlich zu lesen. Man kann das sogar recht leicht verstehen – wenn man will.

    Ist es dein Punkt, dass es nicht sicher sei, wieviele Götter involviert sind? Oder doch eher, dass die ganze Sache mit Gott dir nicht passt?
    Ich schätze mal, dass es viele geben kann (in der naiven Sichtweise der Idee von Gott/Götter), aber diese eben der modernen globalisierung wegen sich kaum (eben nicht dauerhaft) voneinander abgrenzen können.
    Für den anderen Punkt habe ich keine Lösung für dich.

  13. #13 BreitSide
    Beim Deich
    15. November 2015

    Was erzählst Du uns da für einen Unsinn, demolog?

    Nein, DU hast in Deinem Post nichts von Kämpfen geschrieben, aber Jürgen in seinem Eingangsstatement. Ich hatte ja in meinem naiven Hirn gedacht, Du hättest Dich auf dieses bezogen, da Du ja darunter postest. Offensichtlich hast Du aber frei in den Raum gepostet. Warum auch nicht, wir sind ein freies Land.

    Es steht Dir natürlich auch frei, gleich rektal zu denken, wenn Dein Unsinn aufgedeckt wird.

    Dein Punkt bleibt verworren hinter unklaren fast-Formulierungen wie

    “Gerade weil es der selbe Gott sei, macht es Sinn. Aber das geht den sogenannten Atheisten ja völlig ab, diese Thematik. ich dchte, dass man sie inzwischen aufgeklärt hat – weil es auch einen Anlass in ihrem Dunstkreis gab. War wohl nicht so.

    Gott anbeten, ist eine Art Politik auf der spirituellen Ebene zu machen. Das geht auch anders – oder zumindest muß man das nicht als religiöses Gebet tun.”

    Wo ist denn da der geistige Zusammenhang? Jaja, Du kommst jetzt sicher mit Kindereien wie “wenn Du ihn nicht erkennst…”. Geschenkt.

  14. #14 BreitSide
    Beim Deich
    15. November 2015

    Aber da Du es offensichtlich nicht verstanden hast, demolog, nochmal für Dich: Du sprachst davon, dass das Kämpfen (ja, das “es” in Deinem Post kann sich nur auf das Kämpfen miteinander beziehen) nur Sinn mache, wenn es der selbe Gott sei.

    Und genau das hatte ich Dir widerlegt. Vor ein paar hundert Jahren waren es noch die Götter, die gegeneinander ins Feld geführt wurden, dann die Fürsten und Nationen.

  15. #15 demolog
    15. November 2015

    @ #13 BreitSide
    Beim Deich
    15. November 2015

    Auch Schönstein hat das Wort “Krieg” nicht im Text.

    Das Ausrufen des Ausnahmezustandes in Frankreich hat aber in der Ursache die Handhabung, dass dieser Zustand nur dann ausgerufen wird, wenn eine krigerische Bedrohung besteht. Vielleicht kommt dein Wahn daher? Trenn das, was das Gebet angeht, von dem, was der französische Präsident ausruft und tut. Frankreich funktioniert bezüglich Religion anders, als Deutschland. Leider. Dort ist es, wie es hier sein sollte. Und wie du es dir wohl im Mindesten wünschst.

    Richtig ist, dass Schönstein die “EIn-Gott-These” annimmt und daraufhin zum Schluß kommt, dass man den Gott, der Grausamkeiten zulässt (Theodizee), eher nicht vertrauen sollte – nicht anbeten solle.
    Das ist der Kern, woraufhin ich meinen kommentar hier absetzte. Ich stieg also auf die These ein und erklärte meinen Zweifel an Schönsteins Schlußfolgerung.

    Rektal? Du weisst schon: der Spruch kommt vom stillen Furzen. Und ich hab ihn von seinem Szenario entfremdet – sorry.

    Haben wir jetzt genug auditioniert? Denn es kommt erstaunlich wenig Reaktion bei mir an. Das ist wohl ein gutes zeichen. Become clear! Yeah, …
    Herzlichen Glückwunsch.

  16. #16 demolog
    15. November 2015

    @ #14 BreitSide
    Beim Deich
    15. November 2015

    Tut mir leid breiteseite, ausser dass du stuß redest, ist alles gesagt.

  17. #17 Jürgen Schönstein
    15. November 2015

    All das,was ein religiöser im Gebet tut, machen wir alle auch ohne religiösen Kontext jeden Tag – etwa das Zwiegespräch mit uns selbst – nur ohne einen Gott anzusprechen.

    Sie haben Gott und diese ganze Sphäre nicht verstanden. Deswegen nur schlüssig ihre Reaktion.

    Gott ist keine statische Entität. Soweit können sie folgen?
    Daraus ergibt sich, dass diese Sphäre sich ständig verändert. Woraufhin sich weiter ergibt, dass man “Gott” also bei der Stange halten muß – wie bei seiner Frau, nicht wahr? Also quasi täglich Fürsprechen – überreden sozusagen.

    Übrigens war es de Maiziere, nicht Gauck.

    Kann mir jemand den Planeten verraten, auf dem diese Sätze NICHT kompletter Unsinn sind? Und diese Frage richtet sich ausdrücklich NICHT an @demolog – dazu ist, wie diese/r Kommentator/in bemerkt, von seiner/ihrer Seite aus alles gesagt. Und dabei wird’s auch bleiben

  18. #18 Der Blaue Klaus
    15. November 2015

    Ist Gott eine Frau?
    Matia Angela, Du hast es geschafft.
    Du bist reif für den Friedens-Nobel-Preis.

  19. #19 rolak
    15. November 2015

    #prayforparis

    Beten hilft bestenfalls dem, der es macht – und dann auch nur dabei, sich besser zu fühlen. Besser vorleben wäre angesagt, eben nicht andere Menschern ausgrenzen weil es andere sind sondern andere Menschen gleichbehandeln, weil es auch Menschen sind.
    Bekloppte gibt es überall, unhabhängig von Größe, Form & Farbe. Doch eher Unbedarfte soweit zu treiben, daß sie keine Rücksicht mehr auf Andere nehmen ist nicht nur bekloppt, sondern verbrecherisch – auch in Paris haben Opfer Opfer getötet.

    In welchen Gottes

    Zuerst schien es ein weiterer jener Fehler zu sein, doch Dazulernen war angesagt 😉

  20. #20 Sulu
    15. November 2015

    Beten hilft bestenfalls dem, der es macht

    Die Bilder von betenden Menschen haben sicher auch für Andere trostspendende Wirkung, eine Art Beileidsbekundung vielleicht?

  21. #21 rolak
    15. November 2015

    vielleicht?

    Vielleicht ja, Sulu, doch zumindest einer Studie nach kann es durchaus nach hinten losgehen – nach meiner LaienPsychologie vielleicht ein “Na wenn die schon beten, muß es ja echt schlimm um mich stehen”.
    Etwas allgemeinere Wahrnehmung, so in Richtung ‘Wissen um Anteilnahme’, kann sicherlich dieses in solchen Situationen immer wieder mal aufkommende “ach alles ist widerlich und keinen kümmert es” wirkungsvoll dämpfen. Selbst wenn aller Erfahrung nach anhaltende Bei/MitleidsBekundungen einem ziemlich zügig schwerst auf den Senkel gehen können…

  22. #22 Joseph Kuhn
    15. November 2015

    Ich will die Ausgangsfrage einmal etwas variieren: Im Namen welcher Religion handeln die islamistischen Terroristen eigentlich? Vor einem Jahr gab es eine Fatwa von 120 islamischen Rechtsgelehrten, die bei uns viel zu wenig bekannt ist:
    http://www.salzburg.com/nachrichten/dossier/islamischerstaat/sn/artikel/es-ist-im-islam-verboten-126184/

    Auch radikale Lebensschützer in den USA oder früher die IRA in Nordirland haben nicht nur nicht im Namen Gottes gehandelt, sondern auch nicht im Namen ihrer Religion, solchen Bewegungen fehlt es oft schon an “interner Validität”. Woraus natürlich nicht folgt, dass Handeln im Namen der Religion besser sein muss, siehe das Segnen von Waffen oder die Kreuzzüge.

  23. #23 Alisier
    15. November 2015

    Danke für #19 rolak!
    Und mir fehlt ali schon lange als unaufgeregter und kompetenter Blogger, gerade wenn es um solche Themen geht.
    Religionen sowie andere Ideologien stehen ganz allgemein mit jeder Logik auf Kriegsfuß. Da nützt es wahrscheinlich nicht viel, sie auf Widersprüche aufmerksam zu machen.
    Der Hass und die Hetze gegenüber Flüchtlingen nehmen übrigens gerade auf eine unerträgliche Weise zu. Ich sah mich in den letzten Tagen zweimal genötigt in der Öffentlichkeit einzugreifen, weil jeweils ältere Frauen dunkelhäutige Menschen aggressiv angingen. Wahrscheinlich waren diese Frauen auch Opfer, aber einen Schuss vor den Bug haben sie auf jeden Fall verdient.
    Ich erwarte tatsächlich von jedem mündigen Bürger, dass er sich gerade jetzt aggressiven “besorgten” Bürgern entgegenstellt.
    Diskussionen über Religion gehen mir gerade am A…. vorbei. Es ist alles gesagt.

  24. #24 rolak
    15. November 2015

    Ausgangsfrage

    Wir haben kaum angefangen und er redet schon von Ausgang^^ aber bitte: Die Ausgangsfrage war ja die mit dem Ei – und da wird hier die LittleEndian-Fraktion vertreten. Und zwar auch schon vor der Beschäftigung mit IntelCPUs.

    Im Namen welcher Religion

    Selbstverständlich im Namen ihrer eigenen, Joseph, genauer ihrer höchsteigenen Auslegung ihrer eigenen Religion, evtl noch mit dem aufopferungsvoll wirken( sollen)den Unterton “einer muß es ja machen”.
    btw: Bei den Islam betreffenden Themen wird gerne hervorgehoben, daß es den Islam nicht gebe, jeder lokale Pope in recht weiten Grenzen frei sei, keine einheitliche Überorganisation vorhanden sei. Das ist ja nun nicht gerade ein Alleinstellungsmerkmal, insbesondere nicht gegenüber dem Christentum – warum wird es überhaupt erwähnt? Ists schon der Bodensatz eines vorurteilsbasierten Denkens?

  25. #25 Joseph Kuhn
    15. November 2015

    “die Differenz zwischen den Religionen liegt ausschließlich darin, wie sie diesen Gott glauben verehren zu müssen. Und letzteres ist genau so relevant wie die Frage, auf welcher Seite ein gekochtes Ei bitteschön zu öffnen sei…”

    Wobei das selbst heute noch in den ach so aufgeklärten Re(li)gionen hierzulande kompliziert werden kann, wenn man an den Streit zwischen Katholischen und Evangelischen um das Abendmahl, die Frauenordination, das Papsttum oder ähnliches denkt. Solche trennenden (und daher identitätsstiftenden) Themen sind manchen Leuten wichtiger als ein alle Menschen verbindendes Weltethos. Wie viele Engel passen noch mal auf eine Nadelspitze?

  26. #26 skeptischerchrist
    15. November 2015

    Ich finde das nicht so schwer zu verstehen.Als religiöser Mensch geht man davon aus, dass Gott einem zuhört.Und wenn einen etwas erschüttert und das Leiden eines anderen Menschen einen berührt hat man natürlich das Bedürfniss zu Gott darüber zu sprechen. Ihn eventuell anzuklagen.Und ihn darum zu bitten dieses Leiden zu mildern.Und da können sich religiöse Menschen (auch verschiedener Religionen) miteinander verbinden. Außer natürlich die extremen Fundamentalisten aller Religionen die davon ausgehen, dass nur in ihrer eigenen Religion Wahrheit enthalten ist.

  27. #27 Gregor
    denkpass.de
    15. November 2015

    Da Gottes Existenz weder beweisbar noch widerlegbar ist, beginnen die Argumente beider Seiten (der Gläubigen und der Atheisten) selbst heute immer noch mit einem unbeweisbaren Gedankenschritt, also einem Glaubenssprung. Atheisten sollten sich also Überheblichkeit sparen, finde ich. Manches hier klang so, aber vielleicht verstand ich was falsch.

  28. #28 BreitSide
    Beim Deich
    15. November 2015

    @Gregor: Welche Überheblichkeit? Der “weltliche” Nutzen von Beten ist widerlegt in vielen Studien, man hat sogar eher negative Effekte gefunden, wenn die, für die gebetet wird, davon weiß, dass für sie gebetet wird. Kommt wohl aus einer Art Schuldgefühl.

    Der “Glaubenssprung” ist schon beweisbar, nur halt nicht das Objekt dieses Glaubenssprungs.

  29. #29 wereatheist
    15. November 2015

    @BreitSide, #9:
    Mein Kommentar bezog sich auf @DH’s #5.
    Das Umfrageinstitut fand heraus, dass viele Muslime in islamischen Ländern, manchmal mehr als 90%, tatsächlich Positionen vertreten wie Z.B. die obligatorische Tötung von Apostaten.
    Näheres hier.

  30. #30 wereatheist
    15. November 2015

    Kommentarabo und nochmal an @BreitSide:
    Wie hast Du es geschafft, dass Deine Antwort auf @DH’s kühne Thesen über heimliche Säkulare in islamischen Gesellschaften zumindest in meinem Browser (luakit) etwas eingerückt erscheint? Sowas hätte ich auch gerne.

  31. #31 Gregor
    15. November 2015

    An nichts zu glauben, kann auch negative Konsequenzen haben, oder? Von daher: auch wieder jehuppt wie jesprungen?

  32. #32 Elvira
    15. November 2015

    Das ist der Beginn des dritten WeltKriegs die armen Menschen.

  33. #33 BreitSide
    Beim Deich
    15. November 2015

    @wearetheatheist: Das kommt nur daher, dass es beim Anzeigen der Infomail über den neuesten Post bei web.de die Option “Antworten” gibt.

    Wenn man die nutzt, wird – bei manchen Blogs wie hier bei Josef Kuhn – der Post nicht ans Ende gesetzt, sondern direkt nach den Post, auf den ich antworte. Alle weiteren Posts (die eigentlich früher kamen) werden dann in der Nummerierung hochgerückt.

    Das hat dann aber den Nachteil, dass durch die geänderte Nummerierung ein Verweis im Text (“#123”) möglicherweise nicht mehr stimmt.

    Wer es ganz richtig macht, postet zum Verweis die URL des in Bezug genommenen Kommentars. Macht halt ein klein wenig mehr Arbeit…

  34. #34 BreitSide
    Beim Deich
    15. November 2015

    Äh, blöd, hier natürlich bei Jürgen Schönstein… 😳

  35. #35 BreitSide
    Beim Deich
    15. November 2015

    @wearetheatheist: Interessant, die Pew-Analyse!

    Fragt man sich natürlich, was Ursache und was Wirkung ist. Interessant wäre, was die Christen/Juden/Hindus etc. dieser Länder zu ähnlichen Fragen (religiöse Eigenrechte, Apostatentötung etc.) antworten. Ähnliches steht ja schließlich auch in der Bibel…

  36. #36 BreitSide
    Beim Deich
    15. November 2015

    @Elvira: Ganz bestimmt nicht! Zwischen wem und wem denn? Weder die USA noch Russland haben da Interesse dran. China schon lange nicht.

  37. #37 wereatheist
    15. November 2015

    Interessant wäre, was die Christen/Juden/Hindus etc. dieser Länder zu ähnlichen Fragen (religiöse Eigenrechte, Apostatentötung etc.) antworten.

    Sicher. Aber in vielen Ländern gibt es keine Juden (mehr) und kaum (noch) Christen/Hindus. Von letzteren soll es in Afghanistan vor der Taliban-Herrschaft noch ein paar Dutzend gegeben haben.
    Die irakischen Christen sind fast alle geflohen, teilweise zunächst nach Syrien. Die syrischen Christen dürften sich mittlerweile auch überwiegend im Ausland befinden.
    Ich wage die Vermutung, dass unter den syrischen Flüchtlingen, die zu uns kommen, die Christen zumindest leicht überrepräsentiert sind.
    Und sicher sind die ‘härter drauf’ als die hiesigen Christen, sind sie doch überwiegend Mitglieder von regionalen Kirchen, die teils älter sind als die una sancta und erst recht älter eingesessen als das neumodische Zeugs, der Islam 🙂

  38. #38 wereatheist
    15. November 2015

    Die orientalischen Juden, besonders die aus Jemen, waren AFAIK auch ‘härter’ als die Aschkenasim, sogar strikter als die Haredim (die auch ganz heftige Macken haben).
    Nur sind die jetzt praktisch alle in Israel, und damit allerlei Versuchungen ausgesetzt.
    Da schleift sich doch einiges ab.

  39. #39 BreitSide
    Beim Deich
    15. November 2015

    Ja, die Sonne kann Einem schon ganz schön das Hirn verbrennen…

  40. #40 Elvira
    15. November 2015

    @Breitseite wenn.der Artikel 5der Nato deshalb ausgerufen wird und die in Syrien einmarschieren ?

  41. #41 wereatheist
    15. November 2015

    @elvira:
    Keine europäische Regierung wird so blöd sein, in Syrien einzumarschieren.
    Handschlag drauf!

  42. #42 wereatheist
    15. November 2015

    Außer die Russen. Die sind schon da. Aber werden sich hüten, da irgendwas mit Bodentruppen zu machen.

  43. #43 wereatheist
    15. November 2015

    Ja, die Sonne kann Einem schon ganz schön das Hirn verbrennen…

    Ja, das Leben war/ist hart dort, aber hier war es das auch.
    Der Clan ist superwichtig dort, aber hier war er es auch.
    Ich habe keine Idee, warum diese Gesellschaften so sind.

  44. #44 BreitSide
    Beim Deich
    15. November 2015

    Selbst wenn sie einmarschierten, wäre das auch nicht schlimmer als im Irak. Wo es schlimm genug ist.

    Die USA haben nach Afghanistan und Irak nicht mehr genug Power, Russland schifft momentan gewaltig ab.

    Maximal wird es ein weiterer Stellvertreterkrieg.

  45. #45 BreitSide
    Beim Deich
    15. November 2015

    @wereatheist: Unsere Clans sind geschwächt worden durch die Nationalstaaten und deren Zerlegung durch die Weltkriege.

    Einige sind aber noch gut drauf, so die Quandts, Porsche etc…

    In Wirklichkeit sind es aber doch die Bilderberger.
    Oder die Illuminati.
    Beware of 23…

  46. #46 wereatheist
    15. November 2015

    Vielleicht ist es ganz banal die wirtschaftliche Entwicklung.
    Abgesehen von ‘kleinen’ , und noch dazu selbstverschuldeten Unterbrechungen (WK I und WK II) geht es hierzulande doch beständig aufwärts, wenn auch nicht für Alle.
    Afghanistan (mit besonders extremen Ansichten, laut der Pew-Studie) war NIE Kolonie, was bestimmtes postmodernes Gesülze exkludiert.
    Aber die waren mal Teil der Seidenstraße, und somit in Kontakt zur Welt. Nachdem die bösen Europäer internationalen Seehandel erfunden hatten, war die Seidenstraße futsch und Afghanistan wurde der Arsch der Welt, wie er im Buche steht.
    Die lokalen Religioten schmorten im eigenen Saft und mussten doktrinmässig offenbar hin & wieder ‘nachlegen’.
    Ich glaube nicht, dass die da um 1100 u.Z. schon die Burka hatten.

  47. #47 wereatheist
    15. November 2015

    Reiche Kapitalistenfamilien versuchen natürlich gern, das Kapital, und damit die Macht, zusammenzuhalten.
    Ich war zufällig gestern im Knoblauchhaus im Nikolaiviertel.
    Die Familienchronik der Knoblauchs wimmelt nur so von Cousin-Ehen. Herr Sarrazin, schreiten sie ein 🙂

  48. #48 wereatheist
    16. November 2015

    Jetzt noch was Versöhnliches.
    Müsste man den Pegidioten umme Ohren haun: rechts-rechts, rechts-rechts 😛

  49. #49 Sulu
    16. November 2015

    Afghanistan (mit besonders extremen Ansichten, laut der Pew-Studie) war NIE Kolonie

    Afghanistan ist das Stück Land, dass nie kolonisiert werden konnte. Auch Rückzugsort für allerlei Gruppen. Deswegen gibt es “den Afghanen” eigentlich noch nicht so lange, dafür Pashtunen, Hazara, Tadschiken, Usbeken etc.

    Afghanistan wurde der Arsch der Welt

    Aber ein heiß beliebter. Siehe Anglo-Afghanische Kriege… und nun ja, bis heute.

    Die lokalen Religioten

    Eher Warlords und lokale Gruppen, die um die wenigen wirtschaftlichen Ressourcen kämpfen. Die “Religioten” haben v.a. die Amerikaner in den 80ern massiv unterstützt.

    dass die da um 1100 u.Z. schon die Burka

    Noch in den 60ern war Afghanistan ein recht liberaler Staat, nicht umsonst war dort das Mekka der Hippies (bevor die in Indien eingefallen sind).

  50. #50 schorsch
    16. November 2015

    Mir ist die Frage völlig unverständlich. Gerade die Annahme, dass es sich bei den Tätern um religiös fehlgeleitete Irre handelt, ist doch für jeden Christen eine hohe, wenn nicht gar höchste Motivation, für deren verderbte Seelen zu beten!

    Oder soll für die Opfer gebetet werden? Auch die haben Gebete zwingend nötig, ist doch anzunehmen, dass es sich bei ihnen im wesentlichen um normale Durchschnittssünder handelt, die völlig unvorbereitet ohne Beichte und ohne letztes Abendmahl nun vor ihrem Richter knieen.

    Die Tatsache, dass die einen vor einem weissbärtigen alten Mann mit einem prächtigem Turban knieen und die anderen vor dem gleichen weissbärtigen alten Mann, aber mit offenem Haar, mag für den Aussenstehenden komisch erscheinen, bewegt sich aber im ganz normalen Rahmen der üblichen religiösen Vorstellungen.

    Man möchte hier vielleicht anstelle des Wortes ‘Vorstellungen’ das Wort ‘Wahnvorstellungen’ einsetzen. Das wäre aber durchaus verfehlt, würde das doch beide Gruppen gleichsetzen.

    Und gleich sind sie nicht – die eine Gruppe (die Täter, nicht ‘die’ Moslems!) mordet, foltert und schändet, während die andere Gruppe friedllich ihren Alltaggeschäften nachgeht und dabei ganz normale Durchschnittssünden begeht.

    Fragen kann man sich allenfalls, wieso man speziell für die Pariser Opfer beten soll und warum nicht für die viel viel zahlreicheren Opfer dieser Terroristen im Sudan, in Nigeria, in Syrien, im Irak…