Gestern habe ich mich noch echauffiert darüber, dass ein schon im Trailer ziemlich dubios anmutender “Dokumentarfilm” über die Impfschäden-Autismus-Verschwörung auf dem TriBeCa-Filmfestival gezeigt werden sollte. Das war – dankenswerter Weise – verfrüht: Der Film wurde aus dem Programm genommen, nachdem der Festival-Gründer Robert De Niro und die Festivalleitung sich gemeinsam mit Fachleuten den Film noch einmal angesehen hatten. De Niro erklärte die Entscheidung gegen den Film, den er ursprünglich verteidigt hatte, mit den folgenden Worten:

“My intent in screening this film was to provide an opportunity for conversation around an issue that is deeply personal to me and my family. But after reviewing it over the past few days with the Tribeca Film Festival team and others from the scientific community, we do not believe it contributes to or furthers the discussion I had hoped for.”
(Ich wollte mit der Vorführung des Films eine Möglichkeit schaffen, eine Konversation über ein Thema zu ermöglichen, das mich und meine Familie zutiefst persönlich berührt. Aber nachdem ich ihn in den vergangenen Tagen mit dem Tribeca-Filmfestival-Team und Leuten aus der Wissenschaftsgemeinde angesehen habe, glauben wir nicht mehr, dass es zu der Diskussion, die ich mir erhofft hatte, etwas beitragen und sie voranbringen wird.)

Das ist schon mal ein guter Schritt. Obwohl auch hier das Problem bestehen bleibt, dass man das Schrillen einer Alarmglocke – egal, wie falsch der Alarm war – nicht rückwirkend verstummen lassen kann (diese Metapher hatte ich hier schon bemüht). Dass der Film abgesetzt wurde, ist ja nur wieder Wasser auf die Mühlen der Impfverschwörungstheoretiker – und die Publicity, die er durch das Debakel erhielt, wird sicher zumindest teilweise den Effekt wieder reinbringen, den sich die Macher von Anfang an erhofft hatten.

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Kommentare (5)

  1. #1 Alisier
    27. März 2016

    Richtig: Märtyrer zu produzieren kann recht unangenehm werden. Eine Steilvorlage für die “Wahrheit darf ja nicht gesagt/gezeigt werden!”-Fraktion.
    Und ich würde mir wünschen, dass der Film gezeigt wird, und anschließend kompetent zerrissen.
    Ob Trump, Impfgegner oder AfD: zuviel inkompetente Aufmerksamkeit geht nach hinten los. Saubere Demontagen sind gefragt, aber dafür muss das Objekt der Demontage dann auch sichtbar sein.
    Schwieriger Seiltanz, aber dennoch nötig gewagt zu werden.

  2. #2 Beobachter
    27. März 2016

    @ Alisier, # 1:

    ” … Saubere Demontagen sind gefragt, aber dafür muss das Objekt der Demontage dann auch sichtbar sein. … ”

    “Trump, Impfgegner oder AfD” als “Objekte” und das, was sie anrichten und anrichten wollen, sind schon dermaßen sichtbar – sichtbarer geht`s gar nicht.
    Wer es trotzdem nicht sieht, will es nicht sehen und ist besonders auf dem rechten Auge blind.

    Bleibt nur noch die kompetente Demontage, wenn möglich im Vorfeld zur Verhinderung von noch mehr Einflussnahme – im Sinne von “Wehret den Anfängen”.
    Wobei das Anfangsstadium o. g. “Objekte” m. E. schon längst überschritten ist …
    Diese bzw. eine vergleichbare Entwicklung hatten wir (in Deutschland) schon mal.

    Wenn der Film nicht abgesetzt worden wäre, wäre der Schaden (ihm ein großes, seriöses Forum zu bieten) größer gewesen als der durch die nun zu erwartende Publicity-Ausschlachtung der Verschwörungstheoretiker wegen der Absetzung.

  3. #3 anonymus coward
    27. März 2016

    Puh. Nochmal Glück gehabt.
    Ich weiß noch, wie der Herr Rösler sich seinerzeit gegen die Schweinegrippe hat impfen lassen und später die Stiko ordentlich aufgemischt hat (was hatte ein Gerd Antes vom Cochrane-Institut da zu suchen?); da wurde mir klar, daß man es den anerkannten Fachleuten aus Industrie und unabhängiger Wissenschaft überlassen sollte, wann und gegen was man sich impfen lassen sollte. Denn Glaubwürdigkeit spielt hier die entscheidende Rolle, weil man die Studien ja nicht alle selbst überprüfen oder durchführen kann. Einen solchen “Film” zu zeigen, hätte sicher einen Schaden anrichten können, der nicht zu beziffern wäre.

  4. #4 Alisier
    27. März 2016

    @ Beobachter
    Du drehst inzwischen nur noch ab. Ich würde mir wünschen, du wolltest wenigstens versuchen, zu verstehen was andere so gemeint haben könnten.
    Ja, coward, seeeehr witzisch, sehr satirisch….
    Ok, nochmal: es gibt die Impfpaniker, es gibt die Fremdenpaniker und andere angsterfüllte Ahnungslose. Es ist nicht unwichtig, sich zu überlegen, wie man mit ihnen umgeht, damit ihre Brandstiftungen keine irreparablen Schäden anrichten.
    “Impfgegner verbieten!” ist als Vorschlag auch nicht sinnvoller als “Klimawandel verbieten!”.

  5. #5 WolfgangM
    3. April 2016

    Es gibt ja nicht nur Filme, wo sich Impfgegner breit machen. hier zb auf einem Internationalem Kongress über Autoimmunität in Leipzig ab 6.April 2016- ein subsymposium.

    http://autoimmunity.kenes.com/scientific-information/4th-international-symposium-on-vaccines#.VwE4uHppayE

    Hoch gesponsert von der wissenschaftsfeindlichen Dwoskin-Family Foundation.-die haben sogar ein eigenes “Forschungsinstitut gegründet

    http://www.cmsri.org/

    Da kommt der Impfgegner c Exley (Aluminium Guru der Impfgegner) die anderen Teilnehmer kann man googlen und kommt dann gleich auf diverse Seiten zum Thema “Impfen macht Autismus”.

    Und die veranstalten auch eine Diskussion zum Thema:

    Why do you think that the authorities are trying to hide the truth?
    What is the objective evidence that HPV vaccination is not justified?
    What do you think, are the mechanisms by which vaccine can induce autoimmunity?

    Klar warum nur verschweigen alle Behörden die Wahrheit? Na ja ohne Verschwörungstheorie gehts bei Impfgegners nicht. Claire Dwoskin und Chris Exley haben einen chair beim event.

    Mark Geier ist natürlich auch dabei- komisch Wakefield fehlt- aber der kommt am 9.4.2016 als Ehrengast tum Milchwirt Tolzin
    http://www.impf-report.de/symposium2016.html