Wer aus aktuellem Anlass fragt, warum Menschen sinnlos auf Menschen schießen – eine Antwort ist: weil sie können. Das Beispiel USA zeigt den Zusammenhang zwischen Schusswaffen-Verfügbarkeit und Schusswaffen-Opfern* so deutlich, dass man es eigentlich nicht mehr übersehen kann:
NYTimes-Schusswaffengrafik
(Die Grafik aus der heutigen New York Times ist auf die Einwohnerzahlen normiert, d.h. sie zeigt, wie viele Schusswaffentote es in den jeweiligen Ländern gäbe, wenn sie die gleiche Einwohnerzahl wie die USA hätten.)

* In den USA sind fast viermal so viele Waffen pro Person um Umlauf wie beispielsweise in Deutschland.

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Kommentare (72)

  1. #1 Stefan
    14. Juni 2016

    Ob es allerdings die Lösung ist, selbst Schreckschusswaffen registrierungsflichtig zu machen, wie nun in der EU überlegt wird http://www.zeit.de/politik/2016-06/eu-waffenrecht-luxemburg-innenminister-registrierung-waffenbesitz-innere-sicherheit, wage ich zu bezweifeln.

    Ich frage mich auch immer öfter, ob das nicht die Vorbereitung der “demokratischen” Regierungen auf den unausweichlichen Währungs- und Wirtschaftszusammenbruch ist. Ein Volk, das nur mit Knüppeln und Mistgabeln bewaffnet ist, lässt sich mit bewaffneten Drohnen recht leicht disziplinieren und damit kontrollieren.

    Und dass echte Terroristen sich ihre (Kriegs)-Waffen auch bei noch so rigiden Waffengesetzen besorgen können, ist ja wohl eh klar. So dumm (oder auch nicht dumm, sondern nur lobbygesteuert) die meisten sind, die in den US of A den Spruch absondern, aber er hat einen wahren Kern: “When guns are outlawed only outlaws will have guns.”

    Festzuhalten bleibt:

    Bei uns werden die Polizeikräfte, die für die “innere Sicherheit” zuständig sind, zunehmend mit eher militärischen und geheimdienstlichen Mitteln aufgerüstet. Der Bürger wird systematisch abgerüstet, was so weit geht, dass man ein im Laden gekauftes Küchenmesser besser erst zuhause aus dem Blister schneidet. Denn sonst hätte man unerlaubt eine Waffe mitgeführt, auf dem Weg vom Supermarkt nach hause.

    Einen Reim kann sich jeder selbst drauf machen.

  2. #2 Jokep
    14. Juni 2016

    Sehr interessante Grafik, danke – auch der NYT-Artikel war ziemlich gut.

    Aber ist es nicht so, dass man zumindest in Kanada mindestens ebenso leicht Waffen kaufen kann wie in USA? Warum sind die Schusswaffentoten dort nicht ebenfalls erhöht? Es könnte sehr spannend sein, die Grafik nochmals zu normieren und zwar nach der Verfügbarkeit der Schusswaffen.

    Ich habe ja den Eindruck, dass die Waffengesetze nur sekundär einen Einfluss auf Waffengewalt haben – viel wichtiger scheint mir die Kultur oder gesellschaftliche Einstellungen der verschiedenen Länder. Würde mich interessieren, ob man diesen Eindruck bestätigen oder widerlegen könnte…

    Viele Grüße
    Jokep

  3. #3 Stephan
    14. Juni 2016

    @Jokep
    wirklich interessante Frage. Ich hab auf die Schnelle mal in der engl. Wiki nachgeschaut und in Kanada scheint der Waffenbesitz strenger geregelt zu sein (außer Jagdwaffen). Besonders ‘zivile Versionen’ von Kriegswaffen, wie eine halbautomatische M-16, scheint nicht so frei verfügbar zu sein. Auch wird eine Lizenz und ‘backgroundchecks’ benötigt.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Gun_politics_in_Canada

    Interessant wäre auch ein Vergleich mit der Schweiz, die glaube ich auch ein recht liberales Waffenrecht hat, in Grafik und Artikel aber nicht erwähnt wird.

  4. #4 Stephan
    14. Juni 2016

    @ Jokep nochmal

    …deine Frage stellt sich als prima Ablenkung von meiner eigentlichen Arbeit heraus.

    Hab ne recht aktuelle Metastudie dazu gefunden.

    http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S004723521400107X

  5. #5 Joseph Kuhn
    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/
    14. Juni 2016

    Hier ein Link zu einem interessanten Artikel in der WELT, in der am Beispiel der Schweiz und des dort ebenfalls allgegenwärtigen Waffenbesitzes auf kulturelle Faktoren eingegangen wird, außerdem auf das Zusammenspiel von Waffenzugang und (mangelnder) psychiatrischer Versorgung in der USA:

    http://www.welt.de/debatte/article112064984/Warum-nur-immer-wieder-Amerika.html

  6. #6 Spritkopf
    14. Juni 2016

    @Stefan

    Ich frage mich auch immer öfter, ob das nicht die Vorbereitung der “demokratischen” Regierungen auf den unausweichlichen Währungs- und Wirtschaftszusammenbruch ist.

    Ja, das ist das Standardargument der Prepper, Verschwörungstheoretiker und generell des dumpfrechten Randes:
    “Der Zusammenbruch ist unausweichlich, es kommt das Chaos und dann brauche ich natürlich eine Knarre, um die blonden Frauen meines Volkes vor den farbigen Horden zu verteidigen, die uns überrennen wollen.”
    Fragen Sie das gelackte Arschloch von der Thüringer AfD (wer gemeint ist, muss hoffentlich nicht erklärt werden); das ist exakt das, was der Ihnen erzählen wird. Warum der Zusammenbruch angeblich unausweichlich sein soll, wird er Ihnen zwar nicht erklären können, aber das ist ja auch nicht der Sinn dieses Gefasels.

    aber er hat einen wahren Kern: “When guns are outlawed only outlaws will have guns.”

    Im Kern die Argumentation der NRA: Bewaffnet die Schulhöfe, dann wird alles gut und sowas wie Columbine wird nicht mehr vorkommen.

    Der Bürger wird systematisch abgerüstet, was so weit geht, dass man ein im Laden gekauftes Küchenmesser besser erst zuhause aus dem Blister schneidet.

    Dummes Zeug. Im nächsten Kaufhaus liegen die großen und knackscharfen Fleischmesser zur Begutachtung offen herum.

    Einen Reim kann sich jeder selbst drauf machen.

    Den mache ich mir in der Tat auf Ihr Geschwätz.

  7. #7 Stephan
    14. Juni 2016

    @Joseph Kuhn
    Danke für den Artikel. Sehr interessanter Aspekt.

    @ Spritkopf
    Jetzt hab ich mich schon so daran, dass mein Name ständig falsch geschrieben wird, dass ich dachte Sie meinen mich mit ‘dumpfrechter Verschwölrungstheoretiker’…

  8. #8 Jürgen Schönstein
    14. Juni 2016

    @jokep

    Ich habe ja den Eindruck, dass die Waffengesetze nur sekundär einen Einfluss auf Waffengewalt haben – viel wichtiger scheint mir die Kultur oder gesellschaftliche Einstellungen der verschiedenen Länder.

    Deswegen taucht ja auch das Wort “Kultur” in meiner Überschrift auf. Wie schon mehrfach betont: Das Problem liegt gewiss nicht nur in der reinen Zahl der Waffen, sondern vor allem auch, welche Art von Waffen das sind. Jagd- oder Sportgewehre sind auch “Waffen” (und können auch potenziell für Menschen tödlich sein), doch wer sich so eine Knarre in den Schrank stellt, der denkt weder an Sport noch ans Jagen:

  9. #9 herbert
    14. Juni 2016

    In den USA sind fast viermal so viele Waffen pro Person um Umlauf wie beispielsweise in Deutschland.

    ..ja, aber 6x mehr Schusswaffentote laut Grafik.

    Also, an den Schusswaffen allein scheints ja nicht zu liegen… da scheint ja mindestens ein (sozio-kulturelles) “killing-gene” dahinter zu stecken…

    Wer (was) ist dazumal so aus Europa weggewandert 🙂 Unterschicht, Asoziale, Kriminelle?
    Ach ne, das mit der Kolonie war ein anderer Kontinent…lo siento!

  10. #10 Orci
    14. Juni 2016

    Ich glaube, es hat auch was mit diesem Frontier-Gedanken zu tun – immer und überall bereit zu Verteidigung zu sein, immer und überall Aggression zu erwarten. Überspitzt ausgedrückt. Mir scheint das ein Alleinstellungsmerkmal US-amerikanischer Schusswaffenkultur zu sein – mir wäre zumindest nicht bewusst, dass es in Kanada oder der Schweiz ähnlich wäre. Mehr noch – die Bereitschaft zur Verteidigung ihrer Neutralität und ihrer Freiheit scheint mir tief im Bewusstsein der Schweizer verwurzelt, aber es ist eben diese Verteidigung der Gemeinschaft und nicht der eigenen Haut, die sie darin von den Amerikanern unterscheidet.

  11. #11 rolak
    14. Juni 2016

    (mangelnder) psychiatrischer Versorgung

    Klingt ziemlich plausibel, Joseph, mehr als die inkonsistenten Vergleiche über Zugang und Präsenz. Schöner Querverweis.

    so eine Knarre in den Schrank

    ua wie dort erwähnt, Jürgen, in ziemlich vielen Wandschränken steht jene zum Verwechseln Ähnliche.

  12. #12 Jürgen Schönstein
    14. Juni 2016

    @herbert
    Ich nehme mal an, dass das mit den Aus- respektive Einwanderern irgendwie witzig sein sollte und betrachte es gleichzeitig als ernsthaften Hinweis darauf, dass Australien (ja, das war der Kontinent, der von sozial Unerwünschten zwangsbesiedelt wurde) durch Änderung seiner Waffengesetze als Folge eines Blutbads im Jahr 1996 auch ein Ende dieser Massenschießereien bewirkt hat. Und ansonsten hatte ich ja im Prinzip schon hier alles Weitere beantwortet: Es kommt auch darauf an, welche Waffe man benutzt. Mit einer Schrotflinte hätte der Killer von Orlando sicher auch eine Anzahl von Menschen ermorden können – aber um mehr als Hundert Menschen zu erschießen oder zu verwunden braucht man vermutlich mehr als eine Waffe (er hatte zwei), vor allem Waffen, die nicht nur einen oder zwei Schuss (wie beispielsweise eine Schrotflinte) ohne Nachladen abfeuern können.

  13. #13 Jürgen Schönstein
    14. Juni 2016

    @rolak

    in ziemlich vielen Wandschränken steht jene zum Verwechseln Ähnliche.

    Das war mir schon klar – aber auch der Schweizer Reservist hat sie nicht zum Sport oder zum Jagen im Schrank stehen. Der Unterschied ist, dass er (soweit ich weiß, sind in der Schweiz immer noch nur die Männer wehrpflichtig) vorher im Umgang mit der Waffe ausgebildet wurde und sich, wie ich doch hoffe, auch entsprechend verantwortlich fühlt. Vor allem aber hat er sich das Ding zum Ausleben irgendwelcher Machtphantasien besorgt – die, wenn ich mir (was ich gaaanz selten tue) die Auslagen eines amerikanischen Waffengeschäfts anschaue, in den USA offenbar der maßgebliche Antrieb bei Waffenkäufen sind.

  14. #14 MoreInput
    14. Juni 2016

    Im Artikel der Süddeutschen war eine Seite verlinkt, auf die ich auch regelmäßig schaue: http://www.gunviolencearchive.org/
    Hier wird mitgezählt, wieviele Personen durch Schußwaffen verletzt/getötet werden, dieses Jahr bereits 6045.

    Das Deprimierende: Seit Orlando mit 50 Toten vor ein paar Tagen sind schon mehr als 50 weitere Personen getötet worden

  15. #15 Aufgeklärter Mensch
    Innsbruck
    14. Juni 2016

    Wenn hier einer noch vom bewaffneten “guten” Bürgern träumt, dann hat jener im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst. Von Freiwilligen und Bürgerwehren um Gewalt zu “verhindern” ist es nur ein kleiner Schritt zu braunem ähh heute ja eher blauem AFD-Terror a la SA.
    Wer zur Waffe greift wird durch selbige umkommen. Das sieht man beispiellos im Nahen Osten, wo alle bestürzt sind, dass die vom Westen gelieferten Waffen gegen selbigen gerichtet werden.
    Egal, ob im Inland als auch im Ausland. Mord und Totschlag hat noch nie Frieden gebracht sondern nur weiteren Massenmord nach sich gezogen. Entwaffnet endlich die Menschheit und wehret den Anfängen.

  16. #16 Martin
    14. Juni 2016

    Haha, AFD-Terror…

    Welche Presse lesen Sie denn nicht?

  17. #17 tomtoo
    14. Juni 2016

    gibts ne studie die die anzahl der toten pro stunde im main stream tv mit in relation setzt ? mein ja nur ?? also ich meine es könnte ja sein, also so , hollywood und unterbewusstsein und so.
    ( schulterzuck )

  18. #18 Joseph Kuhn
    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/
    14. Juni 2016

    Auch wenn der Kommentar des “aufgeklärten Menschen” ziemlicher Gedankenmurks ist: Richtig ist, dass Kriegswaffen nicht in die Hände der Bevölkerung gehören. Egal welche Einflussfaktoren beim Waffengebrauch mitspielen, die Waffenverfügbarkeit ist an sich ein Problem. Der breitgestreute Waffenbesitz in der Schweiz ist aufgrund günstiger sozialer Prägungen bisher gut gegangen, morgen kann er zu den Voraussetzungen eines blutigen Progroms gehören. Es gibt keine guten Gründe für Kriegswaffen in jedermanns Besitz.

  19. #19 Anderer Michael
    14. Juni 2016

    “Aufgeklärter Mensch.”
    Welche Aufklärung meinen Sie?
    Bei allem Verständnis für AfD-Gegnerschaft, aber ” blauer AfD-Terror a la SA”, ist das schlechte Satire ? Das Thema ist viel zu ernst.Die vom Westen gelieferten AK47 und Semtex?

  20. #20 Joseph Kuhn
    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/
    14. Juni 2016

    Noch eine Überlegung: Die USA spielen im Grunde Russisch Roulette. Rein statistisch ist zu erwarten, dass bei vielen Waffen in der Bevölkerung auch gewaltbereite bzw. psychisch labile Menschen Waffen haben. Die anderen Einflussfaktoren modulieren dann die Einsatzwahrscheinlichkeit, in den USA z.B. der Kult, dass ein freier Mann seinen Besitz und seine Ehre verteidigen muss, ein verklemmter Moralismus, die schlechtere psychiatrische Versorgung usw.

  21. #21 Basilios
    Nekomonogatari
    14. Juni 2016

    Die Schweizer Armee ist überigens dazu übergegangen ihren Reservisten zwar immer noch zu erlauben ihre persönliche Waffe zwischen den Dienstzeiten einfach mit nach Hause zu nehmen, aber seit 2007 kriegt man die für den verwendunggemäßen Gebrauch eines Sturmgewehrs doch recht nützliche Taschenmunition nicht mehr einfach so dazu gelegt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_Armee#Pers.C3.B6nliche_Schusswaffe

    Ich finde es bemerkenswert, daß man die Munition den Schweizer Reservisten somit quasi wieder weggenommen hat und das anscheinend gar kein so großes Problem war.

  22. #22 Omnivor
    Am Nordpol von NRW
    15. Juni 2016

    Im Vergleich zu anderen westlichen Ländern ist die Häufigkeit von Familiendramen in der Schweiz erhöht. Die Forscher vermuten, dass dies mit der leichten Verfügbarkeit von Schusswaffen in der Schweiz zusammenhängt.
    http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/taeter-sind-oft-maennlich-geschieden-nicht-religioes/story/17752651

  23. #23 DH
    15. Juni 2016

    Ob da nicht auch der Gedanke eine Rolle spielt , daß es irgendwie in Ordnung ist , wenn Leute umkommen? So ein Hauch von sozialdarwinistischem Aussieben , wer draufgeht , ist halt selber schuld und hats vielleicht auch ein wenig so verdient .
    Auch der soziale Druck dürfte nicht zu unterschätzen sein ,das , was wir auch hier kennen, scheint in den USA nochmal deutlich stärker sein , ingroup-outgroup , mobbing und alles Artverwandte. Das Land der Freiheit scheint nicht selten eher ein Land des Konformismus zu sein…

  24. #24 rolak
    15. Juni 2016

    auch der Schweizer Reservist hat sie nicht zum..

    Eindeutig, Jürgen, sollte auch kein Argument für die präventive PrivatEinlagerung von Kriegsmaterial sein, sondern nur andeuten, daß dieser Aspekt alleine nicht viel erklärt.

    in der Schweiz immer noch nur die Männer wehrpflichtig

    Ja, doch immerhin gelten die Frauen mittlerweile gleichfalls als wehrtauglich und dürfen freiwillig.
    Die mittlerweile auch schon angesprochene Taschenmunition hat ja eine recht bewegte Geschichte

    der maßgebliche Antrieb

    Och, das ist hierzuland nicht anders, evtl sogar etwas gesteigert, getreu dem Motto ‘Verbotene Früchte schmecken noch süßer’ – unter der Hand gibt es viel zu sehen, auch Kriegswaffen. Sobald irgendetwas irgendwie Interessantes erlaubt und akzeptiert ist, dürfte das sich-öffentlich-Machen wesentlich leichter fallen.

  25. #25 RPGNo1
    15. Juni 2016

    Michael Moore hat sich in seinem Film “Bowling for Columbine” schon 2002 an dem gleichen Thema versucht (https://de.wikipedia.org/wiki/Bowling_for_Columbine).
    Eine finale Antwort fand er nicht, aber wichtiges Fazit war, (Zitat Wikipedia) “dass eine “Kultur der Angst” in den USA die Ursache für die ungewöhnlich hohe Rate an Gewaltverbrechen sei”.

  26. #26 Cornelius Courts
    15. Juni 2016

    es ist inzwischen auch immer häufiger in den biomedizinischen Journals, die ich lese, darunter auch das NEJM, die Rede von der Epidemie der Schußwaffenverletzungen in den USA. Das ist da inzwischen so häufig, daß das epidemiologische Relevanz hat.
    Inzwischen gibt es auch Evidenz dafür, daß alleine die Tatsache, daß man eine Waffe besitzt und zu Hause aufbewahrt, signifikant die Wahrscheinlichkeit erhöht, ange- oder erschossen zu werden.
    Das macht einen schon ratlos, vor allem, wenn nach JEDEM EINZELNEN Massaker, das mit viel zu leicht zugänglichen Schußwaffen angerichtet wurde, von vielen Amerikanern für noch mehr Waffen plädiert wird.

  27. #27 Jokep
    15. Juni 2016

    Stephan
    Coole Studie, danke! Immer wieder bestürztend, wie viele Diskussionen nur von Ideologie befeuert werden und nicht von ordentliche gemachten wissenschaftlichen Studien…
    Joseph Kuhn
    Ebenfalls ein interessanter Artikel in der Welt!

    Kriegswaffen [gehören] nicht in die Hände der Bevölkerung […].

    Bevor ich Ihnen hier zustimmen kann: Was genau sind denn “Kriegswaffen”?
    * Vollautomatische Waffen?
    * Waffen, die so aussehen wie Waffen, die militärisch eingesetzt werden?
    * Halbautomatische Waffen?
    * Waffen in einem Kaliber, das auch militärisch eingesetzt wird?
    * Waffen, die nach 1900 entworfen wurden?
    * Jeder Gegenstand, der mit dem Ziel entwickelt wurde, in einem Krieg eingesetzt zu werden?

    Rein statistisch ist zu erwarten, dass bei vielen Waffen in der Bevölkerung auch gewaltbereite bzw. psychisch labile Menschen Waffen haben.

    Verstehe ich richtig? – Wenn für den Waffenbesitz eine Lizenz und damit verbunden eine psychologische Untersuchung notwendig sind (wie in Europa), wäre Waffenbesitz durch Zivilisten für Sie in Ordung?

    Jürgen Schönstein:

    Vor allem aber hat er sich das Ding zum Ausleben irgendwelcher Machtphantasien besorgt

    Wir ist bei so Aussagen wie dieser immer ein wenig unwohl – da wird wildfremden Leuten, mit denen man nie Kontakt hatte, eine ganz genaue Motivation unterstellt, ohne sich mit dem Thema konkret näher zu beschäftigen (wobei ich jetzt derjenige bin, der Unterstellungen macht – vielleicht sind Sie ja begeisterter Sportschütze und sprechen hier wirklich nur über die amerikanische Mentalität).

    Gerade bei weiter verbreiteten Waffen wie dem AR15 (= zivile halbautomatische Variante des M16) zieht dieses Argument meiner Meinung nicht. Es gibt genug Sportarten, wo ein halbautomatisches Gewehr notwendig ist (z.B. IPSC) und durch die weite Verbreitung des AR15 ist es leichter, Ersatzteile und Zubehör zu finden. Das dürfte die Hauptmotivation für den Kauf sein.

    Ich muss aber gestehen, dass ich das Thema hauptsächlich aus der europäischen Perspektive betrachte – und der Unterschied zu Gesetzen und Mentalität in den USA ist schon ziemlich groß. Mein Problem mit solchen Diskussionen, dass die Überlegungen aus den USA dann oft generalisiert werden, ohne zu bedenken, dass es in Europa
    1. kein solches Amok-Problem gibt wie dort und
    2. die Waffengesetze wesentlich weniger lax sind.

    Viele Grüße
    Jokep

  28. #28 Robert aus Wien
    15. Juni 2016

    @Jürgen Schönstein:

    wer sich so eine Knarre in den Schrank stellt, der denkt weder an Sport noch ans Jagen

    Tatsächlich gibt es allerdings schon sportliche Bewerbe, in denen solche Waffen verwendet werden: http://www.zeit.de/2013/18/sportschuetzen-sturmgewehre-waffen

  29. #29 Krabbenhueter
    15. Juni 2016

    Was denkt ein Sportler, wenn er sich mit dieser Waffe bewegt und sie benutzt? Was stellt er sich als Ziel vor, wenn er schießt? Ist da manchmal der Sport nicht nur ein Vorwand um seine Phantasie auszuleben? Ist das von außen zu erkennen?
    Es gibt viele Möglichkeiten sich sportlich zu betätigen.
    Und sollte ich ein Loch in meinem Körper haben, wegen sowas, ist es für mich auch keine Erleichterung, dass es sich dabei nur um eine Sportwaffe handelte…

  30. #30 Jokep
    15. Juni 2016

    Was denkt ein Sportler, wenn er sich mit dieser Waffe bewegt und sie benutzt? Was stellt er sich als Ziel vor, wenn er schießt?

    “Hoffentlich muss ich diesmal nicht wieder nachschießen, das kostet immer so viel Zeit”

    “Verdammt, die Scheibe ist so weit weg, dass ich wahrscheinlich nicht sehe, ob ich getroffen habe – besser ein zusätzlicher Schuss zur Sicherheit”

    “An der Stelle muss ich aufpassen, dass ich die Waffe richtig halte, damit ich nicht disqualifiziert werde”

    “Konzentration, sobald ich das Stahlziel getroffen habe, wird dort drüben die Pendelscheibe aktiviert”

    “Der letzte Schütze hat den Kurs anders gelöst, ist seine Lösung besser als mein Plan?”

    “Hier jetzt Zeit nehmen zum Zielen, sonst erwische ich das no shoot und bekomme saftige Minuspunkte”

    usw.

    Komische Frage 🙂 Was denkt ein Speerwerfer? Was denkt ein Hindernisläufer? Was denkt jemand beim Biathlon?

  31. #31 Alderamin
    15. Juni 2016

    So was wie der erste Post kann doch hoffentlich nicht wirklich die ehrliche Meinung eines wahlberechtigten Bürgers unseres Landes sein. Ich bin entsetzt. “demokratische Regierungen”. In Anführungszeichen. Jawohl, die sind demokratisch gewählt, man darf hier sogar Idioten und Radikale wählen, und es gibt erschreckend viele Blöde, die das auch tun. Solange die keine Mehrheit (wie in Polen oder der Türkei) erhalten, kann man die auch wieder abwählen.

    unausweichliche[r] Währungs- und Wirtschaftszusammenbruch“: Sagt jemand heute, wo es uns selten gut geht und besser als dem weitaus größten Teil der Menschheit. Der Egoismusreflex sitzt bei manchen tief. Wenn dann mal ein paar Flüchtlinge Schutz suchen, nehmen liegen die uns wahlweise auf der Tasche oder nehmen uns unsere Jobs, je nachdem, was gerade besser passt. *Kopfschüttel*.

    Ein Volk, das nur mit Knüppeln und Mistgabeln bewaffnet ist,

    ist mir allemal lieber, als wenn mein Nachbar eine scharfe Flinte in der Wohnung hat.

    Und dass echte Terroristen sich ihre (Kriegs)-Waffen auch bei noch so rigiden Waffengesetzen besorgen können, ist ja wohl eh klar.

    Ja, das ist klar. Nur kommen die meisten durch Waffen getöteten Menschen in den USA nicht durch Terroristen um, sondern durch Überfälle und Familiendramen, und Mini-Terroristen wie dieser Spinner in Orlando hätte sich so leicht keine Waffe beschaffen können, wenn die Gesetze in den USA so streng wären wie bei uns. Die Zahl oben in der Grafik gibt etwa 27 Tote täglich an, das sind fast 10000 im Jahr. Wieviele Amerikaner kamen in den USA durch Terroristen um? Ungefähr 3000 starben am 11. September 2001 (und dafür wurden nicht einmal Schusswaffen verwendet). In dieser Liste, die die gesamte Geschichte der USA umfasst, sind es insgesamt weit unter 4000, den 11. September mitgerechnet. Also so viele, wie anderweitig in den USA innerhalb von 5 Monaten durch Schusswaffen zu Tode kommen.

    When guns are outlawed only outlaws will have guns.

    Und das ist gut so, weil deren Finger am Abzug dann auch nicht so nervös ist, wenn sie die Opfer unbewaffnet wissen. Gilt übrigens auch für die Polizei. Erhöht definitiv die Chance, einen Überfall (oder eine Verkehrskontrolle) zu überleben.

    Bei uns werden die Polizeikräfte, die für die “innere Sicherheit” zuständig sind, zunehmend mit eher militärischen und geheimdienstlichen Mitteln aufgerüstet. Der Bürger wird systematisch abgerüstet, was so weit geht, dass man ein im Laden gekauftes Küchenmesser besser erst zuhause aus dem Blister schneidet. Denn sonst hätte man unerlaubt eine Waffe mitgeführt, auf dem Weg vom Supermarkt nach hause.

    So ein B l ö d s i n n .

    Einen Reim kann sich jeder selbst drauf machen.

    Ja, das Gesagte stinkt meilenweit gegen den Wind nach AfD. Da wird mir echt schlecht. Liebe AfD-Wähler, geht doch b i t t e in Euer gelobtes Land von Väterchen Putin, dem lupenreinen Demokraten, wo die Wirtschaft blüht und die Zeitungen nur die Wahrheit schreiben. Und verschont uns hier mit Eurem Quark und Euren Wählerstimmen.

  32. #32 gedankenknick
    15. Juni 2016

    @Jokep “Was genau sind denn “Kriegswaffen”?”

    Wie wär es mit dem Kriegswaffenkontrollgesetz: http://www.gesetze-im-internet.de/krwaffkontrg/anlage.html Besonders spannend dann (in diesem Zusammenhang) Absatz V “Rohrwaffen” Satz 29 a-d, Satz 34 und 35; Absatz VIII “sonstige Munition” Satz 50; sowie Absatz XI “Laserwaffen” Satz 62.

    Gerade bei letzterem kann man jeden besseren, mit einer Visiereinrichtung ausgesattenen China-Laserpointer unterbringen.

    Was m.E. vom Gesetz (noch) nicht erfasst ist sind:
    – gelenkte Munition für Rohrwaffen, sie Satz 29 entsprechen (gibt es schon).
    – Submunition für Rohrwaffen, die Satz 29 entsprechen (habe ich zumindest schon von gehört).

    Vieles, was nicht (explizit) im Kriegswaffenkontrollgesetz steht, wird aber in D durchs Waffengesetz ergänzt. So z.B. unterkalibrige Munition mit Treibspiegel für kleinerkalibrige Rohrwaffen. Oder auch Anscheinwaffen, die wie eine existierende Kriegswaffe aussehen. (So ist das SL8 als “Zivilvariante” des G36 optisch stark abweichend, weil ansonsten durchs deutsche Waffengesetz verboten.)

    @Krabbenhueter “Was denkt ein Sportler, wenn er sich mit dieser Waffe bewegt und sie benutzt?”
    Was denkt sich ein Sportler, wenn er einen Bogen benutzt? Auch Bögen – die in Deutschland derzeit noch nicht unter das Waffengesetz fallen (im Gegensatz zu einigen Armbrüsten z.B.) können tödlich über größere Entfernungen eingesetzt werden. Inbesondere Rollenbögen (mit teilweise in D verbotenen Jagdspitzen) haben da ein enormes Potential. Lieber alles schnell verbieten?

  33. #33 Earonn
    15. Juni 2016

    @Stefan

    “When guns are outlawed only outlaws will have guns.”

    Wenn “pfiffige” Sprüche echte Argumente ersetzen sollen.
    Schon mal umgeschaut? In Deutschland (oder auch in GB) herrschen die von Ihnen so gefürchteten strengeren Waffengesetze.
    Wie viele Tote haben wir denn dadurch mehr als die USA? Darf gerne per-capita-bereinigt sein.
    Und trauen Sie sich nachts nicht mehr auf die Straße, weil ja alle Unholde Waffen haben, nur Sie nicht? Kommt komischerweise in keinem Bericht vor, nicht mal PI kann solche Bilder zeigen.

    Also, Sie stellen eine Behauptung auf (die Sie noch dazu per copy + paste von amerikanischen Seiten geklaut haben *gähn*)
    Die Realität widerspricht Ihrer Behauptung.
    Wer muss sich jetzt anpassen – Sie oder die Realität?
    Ich empfehle einen netten Earl Grey Tee zum Nachdenken darüber…

    P.S.: Die Zahlen aus Deutschland sind mir nicht bekannt, aber GB hatte den letzten Massenmord 1996 in Dunblane. Die USA, so las ich gestern in einem Kommentar, hätten dieses Jahr bereits 50 gehabt – bei ca. 6 mal so vielen Einwohnern.

  34. #34 RPGNo1
    15. Juni 2016

    @Alderamin: Ich würde, der Poster Stefan meint es ernst. Er verwendet die gleiche Argumentation, die in den USA von der NRA und den Befürwortern eines uneingeschränkten Waffenbesitzes verwendet wird und die auch in Deutschland bei Anhängern rechtspopulistischer Parteien (AfD irgendwer?) immer mehr Anklang findet.

  35. #35 Robert aus Wien
    15. Juni 2016

    @gedankenknick:
    Die heißen Compoundbögen und nicht Rollenbögen.

    Es gibt übrigens auch noch Kampfsportarten wie Judo oder Karate – gut, die kann man für die Selbstverteidigung einsetzen – das gilt für Schußwaffen aber auch (für den Bogen schon weniger).
    Es soll auch Leute geben, die Schwertkampf lernen (Iaido, Kendo, Sportfechten, mittelalterlichen Schwertkampf inkl. Schaukampf) – was denkt sich so einer?

    Das heißt jetzt aber noch lange nicht, daß ich den allzufreien Zugang zu Schußwaffen, wie er in den USA besteht, gutheiße, oder den im Artikel geschilderten Zusammenhang leugnen will. Aber man darf nicht alle Leute über einen Kamm scheren. Wenn der Autor meint, so eine Waffe, wie sie auf dem von ihm geposteten Bild gezeigt wird, wird nur von Menschen gekauft, die damit auch mal auf andere Menschen schießen wollen, dann kann ich das nur als Vorurteil bezeichnen.

  36. #36 Ishmael
    15. Juni 2016

    Ich habe mich schon oft gefragt, warum sich so viele Deutsche an der amerikanischen Waffengesetzgebung abarbeiten.
    Das verstehe ich nicht.

  37. #37 gedankenknick
    15. Juni 2016

    @Robert aus Wien:
    Jo, stimmt. Die “Fachkreise der Selbstbaubogenliebhaber” (oder “Selfbower”) im “Fletchers-Corner”-Forum sprechen auch gern mal von “Radlerbögen” oder “Fahrradbögen”… 😉 Aber ich denke, es ist klar, was ich meinte. Bei unterkalibrigen Geschossen mit Treibspiegel hätte ich auch von “Fletchets” sprechen können (was allerdings im Zusammenhang mit “Flinten” [glatter Lauf] schon wieder einen ganz anderen Zusammenhang ergibt als bei “Büchsen” [gezogener Lauf; mein Zusammenhang]). Und die Schwertkampfkunst der Samurai ist Kenjutsu. Kendo ist eine moderne & abgewandelte – ich wage gar zu sagen stilisierte – Art des ursprünglichen japanischen Schwertkampfs… usw.

    Ich denke, es ist wichtig, dass alle Mitdiskutanten wissen, was man meint (und nicht, dass man es fachintern korrekt bezeichnet und jeder erst gockeln muss, um mitreden zu können), was bei den “laxeren Bezeichnungen” meiner Erfahrung nach einfach besser funktioniert… Aber nix für ungut. 😉

    Ach ja. Kampfsportarten wie Ninjutzu oder KungFu umfassen auch Waffen, die in Deutschland unter das Waffengesetz (Besitzverbot) fallen, wie z.B. Shurikan (Wurfklingen bzw. eher falsch Wurfsterne) oder Nunchaku (lustiger Weise übersetzt mit “Würgeholz”). Schon dass ernsthafte Kampfsportler eher weniger aktiv an bewaffneten Konflikten teilnehmen werden, wird eher weniger thematisiert in der Öffentlichkeit. Dass Bögen – auch Compounds – in Deutschland (derzeit noch) als Sportgeräte definiert sind, auch weil der Einsatz als Jagdwaffe durch das Tierschutzgesetz schlicht untersagt ist, könnte sich ratzfatz (dann zum Leidweisen vieler Bogensportler) mit nur einem Missbrauch und einer daraus resultierenden Gesetzesänderung drehen…

  38. #38 gedankenknick
    15. Juni 2016

    @Ishmael
    Vielleicht liegt das daran, dass – auch historisch sowie juristisch bedingt – das USA-Waffenrecht so radikal anders ist als als das deutsche. An Dingen, die einem eher unverständlich sind, arbeitet man sich doch viel lieber ab als an Dingen, die nur wenig vom eigenen Meinungs- bzw. Erfahrungsbild abweichen.

    Ich habe mal ne Reportage gesehen, wo der deutsche Reporter sich kopfschüttelnd in Texas mit dem “waffenstarrenden Volk” auseinandersetzte… Er wurde dann eingeladen zu einem Tag “Training” auf einer großen kommerzielle Schießanlage, wo er alles an Waffen ausprobieren “musste”, was nicht niet- und nagelfest war, auch vollautomatisches (wofür der Betreiber eine Lizenz hatte) – und musste (zu seiner eigenen Verwunderung) am Ende eingestehen, dass ihm das großen Spaß gemacht hat.

  39. #39 Joseph Kuhn
    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/
    15. Juni 2016

    @ Jokep

    Was genau sind denn “Kriegswaffen”?

    Ist das wichtig? Ihre Aufzählung zeigt doch, dass Sie verstehen, um was es geht.

    Verstehe ich richtig?

    Gute Frage. Viele Waffen = viele Möglichkeiten ist ja nicht schwer zu verstehen. Von Lizenzen und psychologischen Untersuchungen habe ich allerdings kein Wort gesagt. Da haben Sie also etwas Ungesagtes verstanden.

  40. #40 Stephan
    15. Juni 2016

    @Jokeb
    Die Verallgemeinerungen und das Urteilen über fremde Leute vom 6.000km entfernten Schreibtisch stört mich auch sehr. Ich habe in den USA mal 2 ‘gun-nuts’ kennengelernt und hatte nicht den Eindruck, dass es denen um Macht- oder sonstige Phantasien ging (oberflächlicher Eindruch zugegebenermaßen)

    @Joseph Kuhn
    Als Europäer teile ich dieses Befremden besonders Kriegswaffen gegenüber. Sturmgewehre (auch ‘zivile’ Versionen ) sind Waffen, die dazu entwickelt wurden, effizient Menschen zu töten. Und selbst halbautomatisch ist ein 30-Schuß-Magazin schnell leergeschossen.
    Aber bezogen auf die USA scheint mir das nicht der Kern des Problems zu sein. Nach allem, was ich jetzt hier und anderswo jetzt gelesen habe, sollten mMn zwei Dinge unterschieden werden.
    -Hohe Kriminalität mit Schusswaffengebrauch
    -Die Amokläufe (wozu ich auch das Massaker in Orlando zähle)

    In beiden Fällen sterben in den USA deutlich mehr Menschen als in Kanada, der Schweiz und Israel, wo Erwerb und Verbreitung von Waffen (inkl. Sturmgewehre) ähnlich ist.

    Im Fall der Kriminalität könnte das tatsächlich an der Verbreitung unregistrierter Waffen liegen. Die Kausalität ‘viele unregistrierte Waffen –> viele Gelegenheiten unerkannt zu morgen’ scheint mir erstmal einleuchtender, als das generelle Waffen –> Gewalt.

    Die Amokläufe sind davon freilich unberührt, weil das den Täter denke ich nicht interessiert. Aber Waffengesetze wie in Kanada könnten die (soweit ich es überblicke) auch nicht verhindern. Der Welt-Artikel ist daher ein sehr interessanter Aspekt.

    ps: Gibt es hier eine Seite, auf der Erklärt wird, die das mit Zitaten, Linkeinbindung und Formatierung von Kommentaren funktioniert?

    pps: Sorry für den langen Post

  41. #41 Jürgen Schönstein
    16. Juni 2016

    @Jokep @Stephan
    Was die “Verallgemeinerungen … vom 6.000 Kilometer entfernten Schreibtisch” angeht: Mein Schreibtisch (also der in meinem Büro) steht weniger als 500 Meter Luftlinie von der Stelle entfernt, wo vor etwas mehr als drei Jahren der Campus-Polizist Sean Collier ermordet wurde; die Mörder (die vorher auch schon mit selbstgebastelten Bomben ein Blutbad beim Boston-Marathon angerichtet hatten), waren unter anderem mit diesem Schussgerät bewaffnet. Warnungen vor Schießereien gehören zwar nicht unbedingt zu meinem Alltag – sind aber, leider, auch nicht völlig ungewöhnlich. Was sonst noch so in meiner weiteren Umgegend los ist, könnt Ihr gerne hier mitverfolgen. Ich lebe in und mit dieser Waffenkultur. Könnt Ihr das Gleiche über Euch sagen?

  42. #42 Stephan
    16. Juni 2016

    @Jürgen Schönstein

    legitime Zurechtweisung. Danke dafür. Dass Sie in den USA leben, habe ich vollkommen übersehen. Entschuldigung für den oberflächlichen Kommentar meinerseits (der sich allerdings nicht nur auf Sie bezog).
    Ich kann nur aus zweiter Hand berichten, durch familäre Beziehungen in die USA.

    Bei den Links, die Sie angegeben haben würde mich dann aber rein aus Neugier ihre Einschätzung zu den Thesen im zweiten Teil meines Kommentars interessieren.

    Können Sie einschätzen, wie häufig Sturmgewehre (oder ‘zivile’ Versionen davon) eine Rolle spielen bei den links ?

    Mich würde auch sehr interessieren, wie der Vergleich mit Kanada ist. Beim oberflächlichen Lesen hab ich den Eindruck, dass (halbautomatische) Sturmgewehre dort ähnlich einfach zu erwerben sind, aber deren Erwerb mit Registrierung einhergeht. Können Sie den Eindruck bestätigen und oder Sie Quellen, wie verbreitet diese Waffen dort sind?

    Herzliche Grüße vom ca. 5.700 km entfernten Schreibtisch.
    Stephan

  43. #43 Jürgen Schönstein
    16. Juni 2016

    @Stephan @alle
    Um die Waffenmentalität in der AmerikanerInnen zu verstehen, muss man bei der Geschichte anfangen: Die Existenz der USA begründet sich auf einen bewaffneten Kampf, den Unabhängigkeitskrieg (der in den USA übrigens weithin nicht etwa als “War of Independence” bezeichnet wird, wie wir es in der Schule gelernt haben, sondern als “Revolutionary War”, also Revolutionskrieg). Unmittelbar aus diesem Revolutionskrieg resultiert der hohe Verfassungsrang des Rechts auf Bewaffnung – das, wenn man sich den Text des 2. Zusatzartikels zur US-Verfassung anschaut, ganz klar als Recht auf (manche denken sogar: als patriotische Pflicht zum) bewaffneten Widerstand gemünzt wurde. In seiner Entscheidung zur Klage Heller gegen den District of Columbia hat das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten dieses Recht auch auf das individuelle Recht auf Selbstverteidigung (also nicht nur das kollektive Recht, eine “gut geordnete Bürgermiliz” zu bilden, wie es im Text eigentlich steht) ausgeweitet. Von Sport oder Jagd ist da erstmal gar nicht die Rede. Diese verfassungsrechtlich geschützen Waffen sind ausdrücklich zum Töten von Menschen (sei es aus Notwehr oder aus empfundenem Widerstandsrecht gegen die Autorität, wie es dereinst die aufständischen Kolonisten empfunden haben) gedacht.

    Streng genommen könnte man sogar argumentieren, dass die hochspezialisierten Sportwaffen, wie wir sie aus olympischen Schieß-Wettkämpfen kennen, gar nicht unter den Schutz der Verfassung fallen, weil sie eben gar nicht zur Selbstverteidigung oder zum bewaffneten Kampf geeignet sind. Und wer in ein amerikanisches Waffengeschäft geht, wird nach solchen Spezialwaffen lange und vermutlich vergeblich suchen. Auch auf Waffenmessen (die ich selbst schon als Reporter besucht habe) sind allenfalls ein paar Jagdwaffen oder ein paar historische Schießeisen zu finden – aber das Hauptangebot besteht aus letaler Feuerkraft, und das Hauptargument für US-Waffenkäufe ist und bleibt der Selbstschutz. Ich bleibe also weiterhin bei meiner Feststellung, dass Käufer von dieser Art von Sturmgewehren nicht an Jagd oder Sportschießen denken.

    Was den Vergleich mit Kanada angeht: Äpfel und Birnen. Nicht nur, weil die Kanadier eben nicht dieses historische Selbstbewusstsein haben, dass sie ihre Existenz als Nation dem bewaffneten Widerstand verdanken (was der Kern der US-Waffenkultur ist und auch von der Waffenlobby genau so propagiert wird), sondern vor allem, weil sie ein viel differenzierteres Waffenrecht haben, in dem solche Sturmgewehre nur mit strengen Auflagen verkauft werden dürfen. Es ist nicht einmal annähernd so einfach wie in den USA, wo eine Reporterin gerade mal sieben Minuten brauchte, um völlig legal ein AR-15-Sturmgewehr zu erwerbennach dem Massaker von Orlando, wohlgemerkt! Oder wo ein Obdachloser eine geladene Waffe auf der Straße findet und sich nichts dabei denkt, sie ins nächste Café mitzunehmen, wo er dann versehentlich einen Schuss abgibt – zum Glück nur ins eigene Bein

    Und warum uns das als Deutsche interessieren sollte, wie @Ishmael hier gefragt hat? Wie wär’s damit, dass jährlich rund zwei Millionen Deutsche als Touristen in die USA reisen? Viele davon beispielsweise nach Florida und speziell Orlando (schon mal von Disney World gehört, oder vom Kennedy Space Center, oder den Universal Studios? Alles beliebte Reiseziele). Aber auch, weil wir Anteil am Schicksal anderer Menschen nehmen. Oder weil es Leute gibt, die sich so ein Waffenrecht auch für Deutschland wünschen, wie ich aus vielen Diskussionen zu diesem Thema leider lernen musste, und dabei stets auf die Vorbildfunktion der USA verweisen. Es gibt viele Gründe…

  44. #44 Jürgen Schönstein
    16. Juni 2016

    @Stephan

    …wie das mit Zitaten, Linkeinbindung und Formatierung von Kommentaren funktioniert?

    Seiten gibt’s reichlich – einfach mal HTML-Formatierung googeln…

    Aber konkret:
    Zitate werden durch den “Blockquote”-Befehl hervorgehoben – dazu wird vor den betreffenden Text das Wort <blockquote> (die spitzen Klammen sind für alle HTML-Kommandos notwendig) gesetzt, beendet wird das Zitat mit dem Befehl </blockquote> (der Schrägstrich / ist charakteristisch für alle so genannten “end tags”, also das Ende von solchen Befehlen).
    Hervorhebungen durch Fettung oder Kursivschrift macht man mit dem Tag (sprich: “täg” – so nennt man die Befehlsetiketten in HTML) <b>Text</b> bzw. <i>Text</i>, wobei “b” für bold (=fett) und “i” für italics (=kursiv) steht.
    Links setzt man mit dem Kommando <a href=”komplette URL, einschließlich http://www.etc“>, wobei “komplette URL” wirklich meint, die komplette URL, also Linkadresse hier einzukopieren – Anführungszeichen sind dabei unverzichtbar; dieser Befehl steht direkt vor dem Text, der mit dem Link unterlegt werden soll. Beendet wird der Link nach dem Text mit </a>.

  45. #45 Horst
    16. Juni 2016

    wie immer bei solchen Diskussionen werden wild unterschiedliche Dinge falsch zusammengewürfelt. Der kranke Mensch aus Orlando war offensichtlich Sicherheitsbeamter/Angestellter, d.h. es hat rein gar nichts mit Waffengesetzen für Privatpersonen zutun. Wenn es danach ginge müsste die Forderung also eher lauten Polizisten, Sicherheitsleuten und Personenschützern die Waffen wegzunehmen, ziemlich sinnfrei.

    Auch ein Fehler: Vollautomaten sind auch in den USA in fast sämtlichen Staaten für Privatleute verboten.

    Sturmgewehre sind Vollautomaten und solche gibt es auch in Deutschland für keinen Jäger oder Sportschützen, sie sind schlicht zurecht verboten. Zudem ist die Magazinkapazität bei Langwaffen auf 10 Patronen mechanisch begrenzt, für Jäger auf 2. Ein äußeres Erscheinungsbild stellt keine Gefahr dar. Das deutsche Waffengesetz ist eines der restriktivsten der Welt, auch wenn ich einige wenige Teile der Vorschriften für ziemlich sinnfrei und überarbeitungsnotwendig halte, finde ich es auch als Sportschütze völlig richtig das es existiert. Ich will keine Munition oder Waffen im Supermarkt kaufen können.

  46. #46 RPGNo1
    16. Juni 2016

    @Jürgen
    Vielen Dank für die Zusammenfassung über die Geschichte der US-Amerikanischen Waffenkultur. Einiges war mir schon bekannt, aber eine Auffrischung tut immer gut. Ich finde auch deinen Hinweis zum 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten interessant und die intensiven Diskussionen, die darüber in den USA erfolgen.

    Ist es, wie der oberste Gerichtshof 2008 festgestellt hat, eine Erlaubnis/ein Recht, immer eine Waffe zur Selbstverteidigung bei sich zu tragen?
    Oder entspricht doch eher eine “wohlgeordnete Miliz” ähnlichen dem schweizer Milizsystem der ursprünglichen Intention der Gesetzgeber?
    Das politische und gesellschaftliche Klima in den USA tendiert momentan sehr stark zur ersten Interpretation trotz der jährlichen extrem hohen Opferzahlen durch Schussverletzungen.

  47. #47 Jokep
    16. Juni 2016

    @Joseph Kuhn:

    Von Lizenzen und psychologischen Untersuchungen habe ich allerdings kein Wort gesagt. Da haben Sie also etwas Ungesagtes verstanden.

    Naja, ich habe eigentlich eine Schlussfolgerung gezogen. In Ihrem früheren Kommentar haben Sie ja das Argument gebracht, dass durch die leichte Verfügbarkeit auch psychisch Kranke leichter an Waffen kommen würden:

    Rein statistisch ist zu erwarten, dass bei vielen Waffen in der Bevölkerung auch gewaltbereite bzw. psychisch labile Menschen Waffen haben.

    Wenn das also durch Lizenzen und Tests explizit verhindert wird, sollte dieses Argument ja nicht mehr gelten, meinte ich. Zugegeben, war vielleicht etwas kompliziert für eine implizite Schlussfolgerung, sorry 🙂

    ———————————————————————————————–

    @Jürgen Schönstein:

    Ich lebe in und mit dieser Waffenkultur.

    Ich weiß, dass Sie in USA leben und Sie haben auch tatsächlich nur über das Waffenrecht in den USA gesprochen. Vielen Dank dafür!

    ———————————————————————————————–

    @all:

    Wie gesagt (ich habs extra fett gemacht) betrachte ich persönlich die Diskussionen um das Waffenrecht aus einer europäischen Perspektive und beklage, dass amerikanische Tragödien dazu führen, dass in Europa eine Verschärfung des Waffenrechts gefordert wird. Gutes Beispiel dafür ist mal wieder ein Artikel im österreichischen Standard: http://derstandard.at/2000038950089

    Außerdem stoße ich mich auch an Unterstellungen bezüglich der Motive für den Erwerb von Waffen. Über die Jagd kann ich nichts sagen – im Schießsport gibt es allerdings sehr spannende und herausfordernde Sportarten, die nicht nur viel Spaß machen, sondern auch eine ordentliche Herausforderung an einen selbst darstellen und einen dazu bringen, stetig an seinen Fertigkeiten zu feilen. Ich fände es sehr schade, wenn solchen Sportschützen das legitime Interesse an der sportlichen Herausforderung abgesprochen würde und ihnen dafür unlautere Motive unterstellt würden.

  48. #48 UMa
    16. Juni 2016

    @Jürgen Schönstein
    Auf dieser Seite ist eine Tabelle zum Schusswaffengebrauch in Lateinamerika.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Waffenmissbrauch
    Dort ist die Zahl der Tötungsdelikte mit Schusswaffen meist höher als in den USA, obwohl dort meist weniger Waffen pro Einwohner vorhanden sind. Dafür ist die Zahl der Delikte pro 100000 Waffen wesentlich höher.
    Wie ist das zu erklären?

  49. #49 Jürgen Schönstein
    16. Juni 2016

    @Horst

    Der kranke Mensch aus Orlando war offensichtlich Sicherheitsbeamter/Angestellter, d.h. es hat rein gar nichts mit Waffengesetzen für Privatpersonen zutun.

    Das ist nachweislich falsch. Mateen wäre vielleicht gerne Polizist geworden, ist aber an seinen eigenen Vorstrafen gescheitert.

    Vollautomaten sind auch in den USA in fast sämtlichen Staaten für Privatleute verboten.

    Auch das ist nachweislich falsch. Ein amerikaweites Gesetz zur Einschränkung solcher “Assault Weapons” gab es mal, für zehn Jahre – aber es ist seit 2004 außer Kraft.

  50. #50 Jürgen Schönstein
    16. Juni 2016

    @UMa

    Wie ist das zu erklären?

    Mit sozialen Konflikten, Bandenkriegen und Drogenkartellen, beispielsweise. Nichts, womit sich die USA gerne vergleichen lassen wollten, jedenfalls…