Wenn diese Ankündigung von Elon Musk, wie er sich die Kolonisierung des Mars innerhalb eines Jahrzehnts vorstellt, zu einer anderen (früheren) Zeit gekommen wäre, hätte sie mich vor Begeisterung umgehauen: Es war immer mein Traum, einen anderen Planeten zu betreten, und ich hatte die Gemini– und Apollo-Starts, die ich als Kind im Fernsehen und den Kino-Wochenschauen verfolgen konnte, immer mit dem geheimen Wunsch begleitet, eines Tages selbst mal in einem Raumschiff reisen zu können. Doch offenbar bin ich seit einiger Zeit etwas allergisch gegen die vollmundigen Versprechungen reicher weißer Männer mit pathologisch anmutenden Ego-Hypersomien, die glauben, sie allein könnten die Welt retten – jedenfalls war ich, trotz allem Bemühen, begeistert sein zu wollen, von dieser schönmalerischen (man beachte den Soundtrack!) Perspektive einer Mars-Kolonisierung eher abgetan:

Ein Ticket für 500.000 Dollar auf den ersten Flügen, aber später immer noch runde 200.000? Was nichts anderes heißt, als dass Musk ein Marskolonie für Millionäre und Milliardäre im Sinn hat. Ein Luxus für die 1 Prozent, also… Doch dann ging mir ein satirisches Licht auf: Vielleicht ist das ja Teil eines wirklich brillianten Plans für eine bessere Welt? Inspiriert vom genialen Douglas Adams, der das im Prinzip hier schon mal vorgedacht hatte:

(Falls dieses Video nicht läuft, vielleicht klappt die deutsch synchronisierte Fassung hier.)

Hmm, den Nutzen dieser Raumfahrt könnte ich mir durchaus ausmalen. Gute Reise, ein Prozent!

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Kommentare (31)

  1. #1 DasKleineTeilchen
    terra
    29. September 2016

    herr schönstein, so subversiv heute? lese ich da etwa kapitalismuskritik heraus?

    n paar ingeneure, techniker, köche, steuermann, “echte” astronauten usw ecetera pp, sind da auch noch nötig, um die 1%ter zum mars zu bringen…na, wir werden sehen.

  2. #2 Jürgen Schönstein
    29. September 2016

    n paar ingeneure, techniker, köche, steuermann, “echte” astronauten usw ecetera pp, sind da auch noch nötig, um die 1%ter zum mars zu bringen

    Aber die fliegen auch wieder zurück, will ich hoffen… War der Sarkasmus wirklich so schwer zu finden?

  3. #3 Beobachter
    29. September 2016

    Tja, die 1 %ter, die es sich leisten können, zum Mars zu fliegen bzw. sich fliegen zu lassen –
    schaffen Arbeitsplätze für “n paar ingeneure, techniker, köche, steuermann, “echte” astronauten usw ecetera pp”:
    d. h., sie zeigen durch den Einsatz ihres Privatvermögens geradezu soziales Engagement und tragen außerdem zum wissenschaftlichen Fortschritt für die ganze Menschheit bei.
    Ist doch voll geil !

    Die linken Idioten, die die 1 %ter kritisieren, sind doch bloß neidisch, weil sie selber alle zum Mars fliegen wollen.
    So isses …

  4. #4 Johann
    29. September 2016

    @Beobachter:
    Weitblick ist etwas, was den meisten an politischen Rändern fehlt, deswegen sind sie auch am politischen Rand (rechts oder links) angesiedelt.
    Woher nämlich das Geld sonst käme, das nötig ist, wissen sie auch nicht. Aber vielleicht denken sie einfach daß es Teil von H4 werden sollte.
    Keine Frage, ich hab was gegen z.B. Boni für gescheiterte Bankenmanager etc, aber wenn alles Geld gleichmäßig auf alle verteilt werden würde, würde es sicher keinen Fortschritt geben, da Investitionen weniger würde. Außer Kickstarter und Co würden in dem Bereich funktionieren. Das geht aber nur, wenn eine Gesellschaft sich als Gemeinschaft sieht. Und das will man ja in Deutschland auch nicht.

  5. #5 Christian
    29. September 2016

    Was ist Ihr Problem? Dass Sie zu wenig angespart haben?

  6. #6 Beobachter
    29. September 2016

    @ Johann, # 4:

    Was wollen Sie (mir) mit Ihrem Kommentar sagen?

  7. #7 Andreas
    Blomberg
    29. September 2016

    Bin voll Ihrer Meinung. Lassen wir diesen visionären Unfug und zahlen lieber 70Mio Dollar für ein Ticket zur ISS. Wer ist schon so dumm und riskiert sein Leben und sein Erspaartes, nur um das Weltall zu erforschen? Sollen erstmal den Welthunger bekämpfen, diese Schwärmer. Und denkt überhaupt mal jemand an die Kinder?

  8. #8 Ingo
    29. September 2016

    Nun – verglichen mit anderen “Missionen” kann SpaceX immerhin eine echte Rakete vorweisen mit der man tatsaechlich in den Orbit gelangen kann.

    Mars One:
    Scheint nur aus einer PR-Abteilung zu bestehen die in Talkshows auftreten und dort ihren Plan vom “One-Way-Ticket” zum Mars ethisch zu diskutieren. Weiterhin scheint das Projekt meistens damit beschaeftigt RealityTV-Serien fuer die Finanzierung zu planen.

    Aurora (ESA):
    Lange nichts mehr davon gehoert, man findet auch keine Webseite mehr. (Gab es eine offizielle Absage des Projekts?)

    Orion/Constellation (NASA):
    Scheinbar gibt es bei jeden Praesidentenwechsel der USA eine Aenderung des Planungsziels. Immerhin ist die Orion schonmal aus dem Orbit zur Erde zurueckgefallen um Fallschirme zu testen.

    Mars-500 (Roskosmos/Russland)
    Irgendwie hat man beim ueberfliegen der Nachichten das Gefuehl, dass Hauptzweck der Mission sei es Menschen ueber lange Zeit in einen Container zu sperren um zu schauen ob sie dabei Verrueckt werden.
    Solcherart Missionen scheint es auch bei anderen Agenturen zu geben. Jedenfalls liesst man immer ueber Mars-Missionen die nur daraus bestehen zu schauen ob Leute in Containern nach 2 Jahren verrueckt werden.

    Irgendwie macht mich diese Bestandsaufnahme nicht hoffnungsvoll.
    Habe ich irgendein Projekt vergessen?

  9. #9 ben
    29. September 2016

    Ironie? Angenommen es gelingt zu dem Preis das Umzusetzen kann man Elon ja wohl kaum den Vorwurf machen den Preis um 5 Magnituden im Vergleich zur Mondmission gedrückt zu haben

  10. #10 rolak
    29. September 2016

    Ausnehmend hübsch und leicht gemein zu Ende gedacht, Jürgen, sehr schön :‑)

  11. #11 anderer Michael
    29. September 2016

    Ähem, ich verstehe nichts. Naja und reiche weiße Männer bzw Frauen, ob mit oder ohne Riesenwuchs, sind wir doch im Vergleich zur dritten Welt eigentlich fast alle, oder?

  12. #12 Jürgen Schönstein
    30. September 2016

    @anderer Michael: Vor der Hypersomie stand noch das Schlüsselwort “Ego” – es geht also (Übersetzung) um Personen (i.d.F. konkret Männer) mit übergroßem Ego. Hilft das weiter?

  13. #13 DH
    30. September 2016

    Reiche Egos , die sich von der Erde verdrücken . Wo ist das Problem ? One-way-ticket allerdings vorausgesetzt.

  14. #14 Beobachter
    30. September 2016

    Das Problem könnte man (sarkastischerweise) darin sehen:

    Selbst wenn man die weißen 1 %ler, die reichen Egos der ersten Welt allesamt auf den Mars schießen würde (per One-Way-Ticket) – auf der Erde würden sie immer wieder nachwachsen; sozusagen nach dem “Hydra-Prinzip”.

    Die 1 %ler sind kein personengebundenes Phänomen, sondern eine besitz- und vermögensgebundene Klasse.

    Oder?

  15. #15 Forscher07
    30. September 2016

    Die Nasa sollte erstmal neue moderne Antriebssysteme entwickeln , wer glaubt denn im Ernst das man mit der veralteten Raketentechnik und dessen Rückstossprinzip Flüge zum Mars und anderswo praktisch bewältigen kann?? Warum spielt die Nasa in der Öffentlichkeit den “Rocketprovider” obwohl diese Technik völlig veraltet ist…?? Viele technische Entwicklungen der Nasa und der USA werden auch nicht alle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und werden erst Jahre später bruchstückhaft und teilweise unkenntlich im Freedom Information Act veröffentlicht. Ich denke auch das es ein geheimes Weltraumprogramm gibt und die Sache mit den Spaceshuttles/Raketen mehr oder weniger SHOW ist , die HOT Facs der Öffentlichkiet bezüglich des tatsächlichen technologischen Standes wissentlich verschwiegen wird im interesse der nationalen Sicherheit. Warum landen die Marsroboter immer an völlig uninteressanten Stellen auf dem Mars , warum nicht da wo Eis ist?? Denn wo Eis ist ist auch evtl Wasser und Spuren von Leben.

    https://www.youtube.com/watch?v=P3GDfwJk6YA

    https://www.youtube.com/watch?v=DaXDLnzEfww

    Burkhard heim hat schon in den 50er Jahren die Idee eines Feldantriebes entworfen mit dem man größere Entfernungen mit weniger Treibstoff/Energie überbrücken kann als mit mit Rückstossprinzip:

    http://www.haikolietz.de/docs/heim.pdf

    http://www.physikerboard.de/topic,4232,-ideen-fuer-einen-weltraumantrieb.html

    “Dieser erste Aufatz von Burkhard Heim aus dem Jahre 1959 enthält bereits viele wesentlichen Elemente seiner Quantenfeld-Theorie für den sechsdimensionalen Raum. Eigentliches Thema sind die Gleichungen für beide Komponenten des Gravitationsfeldes, ihre Verknüpfung mit dem elektromagnetischen Feld und Spekulationen zur praktischen Anwendung. Der Artikel gipfelt in einer begeisterten Modellrechnung für einen Raumschiffantrieb zum Mars: “Unter den gemachten Voraussetzungen würde also bei einer gesamten Expeditionsdauer von 14 Tagen eine Überfahrt von der Erde zum Mars … nur 111 Stunden dauern, die Gesamt-Treibladung für Hin- und Rückfahrt sowie für einen hundertstündigen Betrieb auf der Marsoberfläche würde 285 kg betragen.”

    http://archiv.mufon-ces.org/docs/sommerer.pdf

    “Die experimentelle Bestätigung der Heimschen Theorie liegt auch Herrn Sommerer vor der Nase: Er müsste nur die von Heim theoretisch vorhergesagten Massenwerte mit den experimentell ermittelten und von Jahr zu Jahr korrigierten Werten, wie sie bei CERN und DESY anfallen, vergleichen. Beispielsweise hat B. Heim bereits vor 16 Jahren (Heim 1983) die Massen der Neutrinos angegeben, die erst kürzlich experimentell bestätigt wurden.”

    https://idw-online.de/de/news111911

    “Für seine Veröffentlichung zum Thema “Guidelines for a Space Propulsion Device Based on Heim’s Quantum Theory” (Richtlinien für ein Raumtransportsystem basierend auf der Heim’schen Quantentheorie) erhält Prof. Dr. Jochem Häuser vom AIAA Technical Committee for Nuclear and Future Flight Propulsion (technisches Komitee für nukleare und zukünftige Raumfahrtantriebe) den AIAA-Forschungspreis 2004.”

  16. #16 Alderamin
    30. September 2016

    Die Idee war, soweit ich hörte, man verkauft sein Haus und fliegt zum Mars um dort zu bleiben. Dann ist der Preis nicht zu hoch und viele haben ein Haus in diesem Wert. Jedenfalls mehr als 1%.

    Raumfahrt ist halt teuer. Was will man machen?

  17. #17 tomtoo
    30. September 2016

    10 Jahre ? 100 Menschen zum Mars. Ich hab leider nur ein Appel und ein Ei. Aber die Wette ich dagegen. Ich mag Herrn Musk er hat Visionen. Ich finde es immer wieder lustig wie sehr tesla oder spacex auf heise oder spon polarisieren. Manchmal denke ich da kommt so ein Teil gekränkter macho Stolz zum Tragen.Gehts ja um zwei Lieblingsspielzeuge von Männern also Autos und Raketen . Naja wie es auch sei, die Kommentare sind immer. zahlreich. Ehrlich gesagt die Idee mit dem Mars ist mir auch nicht so richtig zugänglich aber ist mir dennoch lieber als die Kohle in Rüstungsgeschäfte zu investieren.

  18. #18 anderer Michael
    30. September 2016

    Ja. Danke.Die Leitung war sehr lang.
    Interessant fand ich ” per Anhalter durch die Galaxie” (1)aber auch der Hinweis auf die 1%, die 38 % Prozent des Vermögens in den USA besitzen. Gehören die Clintons auch dazu?

    Jetzt mal eine Frage, vielleicht auch an Alderamin: Wie realistisch ist dieses Vorhaben überhaupt mit Normalsterblichen eine Marsmission in größerer Anzahl von 100 Personen über mehrere Monate in technisch logistischer Sicht? (2)Ich vermute mal , keineswegs realistisch. Wenn dem so sei,
    Herr Schönstein, ( der verlinkte Artikel hält sich bedeckt), was ist die Motivation des Herrn Musk? Show, verklärte Vision, Märchen verkaufen, Steuersparmodell? Oder meint er es ernst?

    1. Da entstammt also die vogonische Dichtkunst . Omnia mea mecum porto.
    2. Aus medizinischer Sicht möchte ich das ungelöste Problem der Raumkrankheit ansprechen, ich wollte kein Weltraumarzt dort sein

  19. #19 Alderamin
    1. Oktober 2016

    @anderer Michael

    Wie realistisch ist dieses Vorhaben überhaupt mit Normalsterblichen eine Marsmission in größerer Anzahl von 100 Personen über mehrere Monate in technisch logistischer Sicht? (2)Ich vermute mal , keineswegs realistisch.

    Alles, was Musk bisher umgesetzt hat, war trotz aller Kritik und Lästereien realistisch. Ein elektrisch fahrendes Auto mit großer Reichweite, das Käufer findet und auch noch selbst fahren kann. Eine Rakete, die die Konkurrenz in den Kosten um Längen schlägt und deren 1. Stufe zur Erde zurück fliegen und auf einem Schiff landen kann. Ich würde ihm durchaus zutrauen, ein Marsraumschiff für 100 Leute zu bauen und auf dem Mars sicher zu landen. Die Probleme liegen woanders.

    Es gibt keinerlei Erfahrungswerte, wie man auf dem Mars etwas kultivieren soll und diese 100 Leute (oder mehr, er will ja tausende dorthin bringen) ernähren kann. Und wie man sie vor der starken radioaktiven Strahlung des Sonnenwindes schützt (eingraben wäre da wohl das Naheliegendste). Wie man ausreichend Sauerstoff und Wasser gewinnt. Wie man vor Ort alles herstellen kann, was man zum Unterhalt und zur Erweiterung des Habitats braucht. Das sind Probleme, deren Lösung sicher nicht in 10 Jahren gefunden wird, denn man muss das ganze auch mal auf dem Mars testen. Oder man hängt für lange Zeit an einer Nabelschnur zur Erde.

    Das zweite Problem ist, wer soll das alles bezahlen? Herr Musk kann das nicht aus der Privattasche, hier ist die Rede von hunderten Milliarden. Das kann auch seine Firma nicht zahlen. Nicht einmal Apple. Das kann nur ein Staat aufbringen. Arstechnica hat sich dazu schon ein paar Gedanken gemacht. Vielleicht wird Musks Rakete am Ende ein internationales Team von Astronauten auf dem Mars landen. Und wieder zur Erde zurück bringen.

    Herr Schönstein, ( der verlinkte Artikel hält sich bedeckt), was ist die Motivation des Herrn Musk? Show, verklärte Vision, Märchen verkaufen, Steuersparmodell? Oder meint er es ernst?

    Es ist sein Lebenswerk, sagt er. Das, wofür er Paypal, Tesla und Space-X gegründet hat. Nicht mehr und nicht weniger.

  20. #20 DH
    1. Oktober 2016

    @Beobachter

    Schon klar , so bierernst wars auch nicht gemeint.

  21. #21 anderer Michael
    1. Oktober 2016

    Danke Alderamin:
    Herr Musk war mir unbekannt, es lohnt sich wahrscheinlich, wenn ich intensiver nachlese.

  22. #22 Jürgen Schönstein
    1. Oktober 2016

    Mein Beitrag war zwar ironisch gemeint, doch der Sarkasmus ist nicht ganz unbegründet. Da soll also, mit privaten Mitteln finanziert, ein ganzer Planet kolonisiert werden. Doch anstatt die Kolonisten nach ihren Fähigkeiten auszuwählen, ist das entscheidende Auswahlkriterium, dass sie sich die Fahrkarte dorthin leisten können – das kann’s ja wohl nicht sein.

    Aber nehmen wir mal an, diese reichen Kolonisten können es sich leisten, ihr qualifiziertes Personal mitzubringen, das ihnen das (Über-)Leben auf dem Mars ermöglichen soll – welche Gesellschaftsform würde daraus wohl entstehen? (Kleiner Hinweis: die Sklavenwirtschaft in den USA fing genau so an.)

    Allein schon der Grundgedanke, dass die Besiedlung eines anderen Planeten allein das Privileg einer Gesellschaftsschicht (also eines privilegierten Teils der Menschheit – und nicht unbedingt einer, dessen Sinn für gesellschaftliche Verantwortung enorm ausgeprägt ist, auch wenn es da wohltuende Ausnahmen gibt) sein würde, macht mich enorm skeptisch, was diese spezielle Elon-Musk-Idee angeht.

  23. #23 Ludger
    2. Oktober 2016

    Tut mir leid, aber ich kann Deinen Gedankengängen leider überhaupt nicht folgen.

    200.000 Dollar sind 150.000 Euro, also ein halbes Reihenhaus in Stadtnähe.

    Alternativ sind das 20 Jahre lang jeden Monat 300 Euro in einen Fondssparplan einzahlen.

    Oder auch ein halbes Arbeitsleben an Rentenanspruch (wenn man sich den auszahlen lassen konnte) eines Fachangestellten.

    Lieber Jürgen.
    Ganz im Ernst. Ich weiß nicht, was Du verdienst, aber 300 Euro jeden Monat kann in Deutschland jeder Facharbbeiter zur Seite legen – wenn ihm das wichtig ist…

    Tut mir leid, aber deine Polemik finde ich in diesem Fall überzogen: Die Zahl 1% ist von Dir nämlich aus der Luft gegriffen, Du hast Dir nicht mal die Mühe gemacht, die Zahl abzuschätzen.

    Hier geht es erst einmal um eine Vision.

    Visionen sind erst einmal immer nicht “für alle”.
    Wenn man an jede Vision mit dem “ist es denn sozial” rangeht, hätten wir keinen Fortschritt gehabt.

    Unmittelbar nachdem Christoph Kolumbus Amerika (wieder-)entdeckt hatte, waren Reisen in die Neue Welt auch erst ein sehr kostpieliges Unternehmen – vier Jahrhunderte später war die Auswanderung nach Amerika auch Unterschichten zugänglich.

    Die ersten Autos waren 30 Jahre lang nur den oberen 1.000 zugänglich, weitere 30 Jahre brauchte es, um den oberen 100.000 möglich zu sein, bevor das Wirtschaftswunder Autos für alle möglich machte.

    Gleiches bei Telefon, Flügen etc.

    Jede Vision mit “ist nicht sozial” abzukanzeln erscheint mir ziemlich kleingeistig:
    Diese Vision hat das Potential, uns von einer planetengebundenen zu einer interplanetaren Spezies zu machen.
    Wenn die Menschheit langfristig überleben will, müssen wir irgendwann zu einer interstellaren Spezies werden…
    Alternativ könnte die Menschheit natürlich aussterben – das wäre dann in der Tat auch sozial ausgeglichen.

  24. #24 Alderamin
    2. Oktober 2016

    @Ludger

    +1

  25. #25 Beobachter
    2. Oktober 2016

    “Interessant”:

    Wenn wir als Menschheit auf der Erde nicht zurecht kommen, auf dem Mars (ausgewählt) dann aber ganz bestimmt …

    M. E. eine perverse Sichtweise …

  26. #26 Beobachter
    2. Oktober 2016

    ” …. Wenn die Menschheit langfristig überleben will, müssen wir irgendwann zu einer interstellaren Spezies werden…
    … ”

    Man (die Menschheit) nimmt sich immer mit – ein Hoch auf die reichen 1 %ler, die ein neues, interstellares Habitat gründen (mithilfe qualifizierter Hilfskräfte, allein schaffen sie es nicht) lassen wollen.

    Kann man solche Statements überhaupt ernst nehmen?

  27. #27 Jürgen Schönstein
    2. Oktober 2016

    @Ludger
    Ich bin mir nicht sicher, ob bei Deinem Kommentar Poe’s Gesetz zur Anwendung kommen sollte – ich antworte jetzt mal so, als ob er ernst gemeint war:

    – Sicher, wenn jemand seine gesamte Existenz hier auflöst, kann er/sie auch als Nicht-Reicher (wobei Hausbesitz schon nicht mehr unbedingt der Normalfall ist – nur etwas mehr als ein Viertel der deutschen Haushalte lebt, soweit ich das nachvollziehen kann, im Eigenheim) die 500.000 (!) Dollar auftreiben – die Rückfahrkarte kann er/sie sich dann aber sparen, weil’s nichts gibt, zu dem er/sie zurückkommen könnte. Das ist eben nicht vergleichbar mit dem Personenkreis, der sich diese 500.000 ganz locker leisten kann und jederzeit sagen könnte, “mir reicht’s, ich nehm’ den nächsten Flug zurück”. Auch die Idee, mehrere Jahrzehnte anzusparen, macht diese Diskprepanz nicht wirklich kleiner…

    – die “1 Prozent” sind keine statistische Angabe, die man nachrechnen sollte, sondern beschreiben eine wirtschaftlich-soziale Gruppe, die sich selbst als Elite wahrnimmt und durch entsprechend wirtschaftselitäres Verhalten gekennzeichnet ist. Früher sprach man mal von den “Oberen Zehntausend” – und der Begriff war verständlich, auch ohne dass jemand nachzählen musste, ob es sich dabei wirklich um genau Zehntausend handelt…

    – Am meisten knabbere ich aber an der Möglichkeit, dass Du das mit dem Verweis auf die Geschichte des Kolonialismus ernst gemeint haben könntest (daher meine ausgesprochene Hoffnung, dass Poes Gesetz hier anwendbar ist) – denn aus genau den Gründen, die Du beschreibst, wurde der Kolonialismus eines der dunkelsten und tödlichsten Kapitel in der Geschichte der Neuzeit, dessen Folgen – in Form von sozialen Konflikten, aber auch (Bürger-)Kriegen wir noch heute erleben. Und das wollen wir im Ausmaß eines ganzen neuen Planeten wiederholen?

  28. #28 Gelmir
    2. Oktober 2016

    Wer hat denn gesagt, das es diese Mitfahrgelegenheit nur für Passagiere geben soll, die das Ticket komplett aus der eigenen Tasche bezahlen können?
    Sicher wird es irgendwann auch den einen oder anderen Milliardär geben, der vor lauter Langeweile, weil er für sein Geld nichts sinnvolles kaufbares mehr findet, einen Trip zum Mars, vielleicht auch ohne Rückfahrkarte, buchen wird.
    Ich sehe die Pläne von Musk eher als ein Angebot an Regierungen, Organisationen, Forschungsinstitute usw., Personen und Material zu (im Verhältnis zu bisher geplanten/angedachten Marsexpeditionen) extrem niedrigen Preisen zum Mars zu befördern.

  29. #29 anderer Michael
    3. Oktober 2016

    Gesetzt den Fall SpaceX wäre erfolgreich und es könnten tatsächlich hunderttausende von Menschen zum Mars gebracht werden, dann ist es sinnig, sich auch über die möglichen dort entstehenden oder zwingend erforderlichen soziologischen Strukturen Gedanken zu machen. Ein Szenario war beispielsweise , dass sich dort ein kompletter Überwachungsstaat bis ins kleinste Detail etablieren würde. Grund: die Lebenserhaltungssysteme sind sehr verletzlich, Sabotage aufgrund psychischer Probleme oder Weltanschauung oder auch einfach nur wegen Dummheit / Vandalismus könnten selbst bei kleineren Beeinträchtigungen den Untergang der ganzen Kolonie als Konsequenz haben.
    Die Möglichkeit, die Herr Schönstein beschreibt, nämlich dass Entstehen eines Marsfeudalherrschaftssystemes oder einer Marssklaverei klingt in unseren heutigen und aufgeklärten Ohren zunächst unwahrscheinlich. Persönlich kann ich mir nur vorstellen, dass anfangs Fachkräfte auf den Mars geschickt werden, aber wenn das Geld dazu fehlt, wird man eben gezwungen sein, auch Selbstzahler mitzunehmen.
    So wie ich es verstanden habe, will Elon Musk auf dem Mars kein Königreich gründen. Aber, Menschen alleine gelassen und ohne soziale Kontrolle, können allerlei soziale Strukturen aufbauen, bekanntes literarisches Beispiel: Lord of the flies, W. Golding.

  30. #30 Earonn
    4. Oktober 2016

    @Jürgen
    In einem hat Ludger aber Recht: technische Neuerungen sind anfangs immer nur den Reichen zugänglich gewesen. Wer hatte die ersten Autos, Privatflugzeuge, Handys?
    Demgegenüber sind natürlich deine Bedenken berechtigt, dass sich auf dem Mars ein Kolonialzeitalter 2.0 entwickelt – das gehört für mich zu den praktischen Problemen, die es zu lösen gilt. Schließlich kann es genauso passieren, dass die (kräftigen) Jungen die Alten unterdrücken, die Männer die Frauen, die Bewaffneten die Waffenlosen etc.

    Es könnte genausogut dazu führen, dass die 1% – die oft auch über beträchtliche wirtschaftliche und politische Macht verfügen – eine neue Sicht auf die Erde entwickeln, wenn sie sich erst einmal auf dem Mars haben herumschlagen müssen. (Diese Idee stammt aus Sagans “Contact”)

  31. #31 James
    31. Oktober 2016

    Boni für gescheiterte Bankenmanager etc, Snapback Caps aber wenn alles Geld gleichmäßig auf alle verteilt werden würde, würde es sicher keinen Fortschritt geben, da Investitionen weniger würde.