Dass sich Schelfeis von den Eisschilden der Kontinente löst, ist an sich nichts Neues – das passiert ganz natürlich. Doch es ist eine Sache, ob sich dabei Eisberge bilden, oder ob Eisfelder so groß wie ganze Landstriche abbrechen. Letzteres passiert gerade mit dem Larsen-Eisfeld in der Antarktis, das in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon massiv an Substanz eingebüßt hatte. Doch ein Riss, der erstmals im Jahr 2010 bemerkt wurde, verlängert sich mit zunehmend dramatischer Geschwindigkeit (fast 35 Kilimeter in den vergangenen zwei Monaten) und ist inzwischen gute 160 Kilometer lang; allem Anschein nach kann der Riss in wenigen Monaten dazu führen, dass ein etwa 5000 Quadratkilometer großer Teil des Larsen-C-Eisschelfs abbricht – der resultierende Eisberg wäre fast doppelt so groß wie das Saarland.

Das Problem dabei ist nicht etwa, dass das Abschmelzen dieses Eisbergs irgend eine Folge für den Meeresspiegel haben könnte; da dieses Eis zurzeit schon im Wasser schwimmt (das ist die Natur eines Eisschelfs) und damit schon genau die gleiche Wassermenge verdrängt, die der geschmolzene Eisberg einnehmen würde, ist diese Folge direkt nicht zu erwarten. Aber das Schelfeis ist ja nur das Ende eines langen, massiven Eisstroms, der vom vom Nährgebiet – sozusagen der “Quelle” – eines Gletschers bis zu seine Mündung ins Meer reicht, würde dieser Strom aus seinem relativ stabilen Gleichgewicht gebracht und damit der Abfluss des Eises aus den höheren Lagen drastisch beschleunigt. Das kann man sich etwa so vorstellen wie einen Verkehrsstau, der auf der Autobahn kriecht. Wenn plötzlich der “Stöpsel” am Anfang des Staus beseitigt wird (was man ja manchmal nach dem Räumen einer Unfallstelle erlebt, die den Stau ausgelöst hatte) und die Bahn für eine größere Strecke frei ist, treten alle aufs Gas. Und dieses nacheilende Gletschereis würde dann in der Tat Auswirkungen auf den Meeresspiegel haben und generell den Schwund des Eises der Antarktis dramatisch beschleunigen.

Wer mehr zu diesem Eis-Drama erfahren will, dem empfehle ich diesen Artikel aus den New York Times: A Crack in an Antarctic Ice Shelf Grew 17 Miles in the Last Two Months.

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Kommentare (1)

  1. #1 Rolf L.
    25. März 2017

    Sehr interessierter Laie, aber mit dem Thema dieses Blogs weder verwandt noch verschwägert :-)
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    Ich finde das Thema sehr interessant, habe natürlich auch schon einiges dazu in den Medien gesehen / gelesen.
    Eine Frage stellt sich mir jetzt:
    … das Schelfeis ist ja nur das Ende eines langen, massiven Eisstroms…
    Wenn ich mir die Bilder oben, in der NYT (siehe Link) und Google Earth ansehe, liegt das Larsen C Schelfeis vor einer sehr langgestreckten, sehr schmalen Halbinsel, die weder auf der Landseite des Schelfeises, noch Richtung Basis der Halbinsel etwas von einem großen Gletscher erkennen lässt. Die gesamte Landseite scheint ein gebirgiges Profil zu haben und zumindest bei Google Earth ist an keiner Stelle ein “langer massiver Eisstrom” zu erkennen der das Schelf speisen könnte. (Ich habe noch nicht herausgefunden wie ich hier einen Anhang einfügen könnte, sonst würde ein Screenshot aus Google Earth hier zu finden sein :-( ).
    Meine Frage ist jetzt: Ist die Aussage oben zur Quelle des Schelfes, zumindest von Larsen C falsch, oder gibt es da etwas das ich übersehen habe (oder nicht erkennen konnte weil ich kein Fachman bin) ?

    Grüße aus dem schönen Rheinland