Foto:  Javierme Javier Mediavilla Ezquibela  (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons
Foto: Javierme Javier Mediavilla Ezquibela (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Gleich vorweg: Die Diskussion darüber, wie sehr sich die Techniker Krankenkasse mit ihrem Tweet zum Nicht-Nachweis der Unwirksamkeit von Homöopathie blamiert hat, soll auch weiterhin in den Foren bei Joseph Kuhn und Marcus Anhäuser geführt werden, wo sie in den besten Händen ist. Und ganz generell muss noch nicht mal diskutiert werden, ob Homöopathie eine medizinische Wirkung hat: Hat sie nicht, das ist hier in den ScienceBlogs.de nun schon oft genug belegt worden. Trotzdem fände ich es eine Überlegung wert, ob es sinnvoll ist, dass Krankenkassen für homöopathische Präparate bezahlen.

Zum einen muss man wissen, dass diese Kosten – sofern die Zahlen (Stand 2010) stimmen, die in Spiegel Online mit Berufung auf die Pharmazeutische Industrie genannt wurden – eher ein Rundungsfehler im Gesamthaushalt der Krankenversicherer sind: Runde neun Millionen Euro erstatteten die Versicherer damals für homöopathische Leistungen; das sind gerade mal 0,005 Prozent des Gesamterstattungsvolumens von 170 Milliarden Euro. Das ist ziemlich wenig und ziemlich überraschend, angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung angibt, schon mal homöopathische Mittel benutzt zu haben (da berufe ich mich auf diese Studie, die in der PloS ONE erschienen ist und auf die ich gleich noch einmal zurückkommen will) und somit als potenzielle Nachfrager solcher Leistungen in Frage käme.

Und das regt mich zu folgender Überlegung an: Wenn die Mehrheit der deutschen Bevölkerung grundsätzlich nicht abgeneigt ist, homöopathische Mittel zu benutzen, die Krankenkassen am Ende aber nur einen minimalen Betrag dafür erstatten müssen – wie lässt sich das erklären? Vielleicht damit, dass diese potenziellen Homöopathienutzer eben nicht zum Schamanen oder Wunderheiler gehen müssen, um sich dort eine Abrakadabra-Behandlung aufschwätzen zu lassen, sondern zu echten Ärztinnen und Ärzten. Und wer weiß, bestimmt verstehen die wirklich etwas von ihrem Beruf (ich denke es jedenfalls) und sind damit bestens in der Lage, diese Patientinnen und Patienten aufzuklären und ihnen zu erklären, warum ihre Probleme eben doch besser nicht mit Globuli und Hokuspokus, sondern mit Medizin behandelt werden sollten? Doch wenn diese PatientInnen gleich zu einem – von der Krankenkasse nicht bezahlten – Heilbehandler gegangen wären: hätte der/die ihnen das gleiche geraten, oder ihnen erst mal, wie es leider nicht selten genug der Fall zu sein scheint, zu ihrer Entscheidung gratuliert, nicht der zutiefst korrupten Schulmedizin auf den Leim gegangen zu sein? Mir jedenfalls ist ein Szenario, in dem jede(r), der/die sich homöopathisch behandeln lassen will, zu einem Arzt oder einer Ärztin geht (gehen muss), lieber als Letzteres… Und wenn dafür von den rund 1500 Euro, die ich zuletzt (als ich noch Kunde bei einer deutschen Krankenversicherung war) an monatlichen Beiträgen für mich und meine Familie zahlen musste, acht Euro als Zuschuss für auch nur eine(n) Homöopathiegläubigen draufgingen, der/die dann doch in ärztliche Behandlung kam, dann war’s mir das Geld wert.

Doch hatte die bereits verlinkte PLoS ONE-Studie Can Additional Homeopathic Treatment Save Costs? vor etwas mehr als zwei Jahren nicht anhand der Versichertenstatistik der Techniker Krankenkasse (!) nachweisen können, dass durch Homöopathie die Behandlungskosten pro Person um 19 Prozent höher sind als homöopathiefreien Behandlungskosten (7.207.82 statt 5.857,56 Euro)? Nicht wirklich. Denn verglichen wurden nicht etwa Patientinnen und Patienten, die sich mit oder ohne homöopathische Leistungen behandeln ließen, sondern nur jene, die eine Zusatzversicherung (in der unter anderem auch Homöopathie eingeschlossen war) abgeschlossen hatten, mit jenen, die diese Leistungen nicht eingekauft hatten:

For this analysis, patients belonged to the homeopathy group if they subscribed to the integrated care contract in 2011 and if they were continuously insured through the TK for the observational period (12 months before and 18 months after subscription to the integrated care contract), regardless of whether they used homeopathy during the study period.

Das wäre etwa so, als würde man behaupten, dass alle Versicherten in diesen 18 Monaten auch Herzoperationen, Beinbrüche, Krebsbehandlungen etc. in Anspruch genommen hätten – weil diese ja in ihrem Versicherungsplan eingeschlossen waren.

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Kommentare (99)

  1. #1 Joseph Kuhn
    12. März 2017

    Niemand muss für eine homöopathische Behandlung zum Arzt gehen. Er kann auch zum Heilpraktiker oder direkt in die Apotheke. Dementsprechend ist der Gesamtumsatz mit Homöopathika sehr viel höher als das, was die Krankenkassen erstatten (obwohl hier schon ein Teil dessen, was Heilpraktiker verschreiben, dabei ist, die TK bietet z.B. einen solchen Tarif an). Das Informationsnetzwerk Homöopathie spricht von 528 Mio. Euro Apothekenumsatz für Homöopathika im Jahr 2014.

    Was die Ausgaben der Krankenkassen angeht, kommen zu den Ausgaben für homöopathische Arzneimittel noch die Ausgaben für die Behandlung selbst.

    Richtig ist, dass das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben offensichtlich trotzdem positiv ist. Die Erstattung homöopathischer Behandlung ist ein unerwünschter Auswuchs des Kassenwettbewerbs, weil hier um die sog. “guten Risiken” konkurriert wird, darauf soll sich der Kassenwettbewerb aber nicht richten.

  2. #2 Jürgen Schönstein
    13. März 2017

    @Joseph
    Ich glaube, wir reden hier aneinander vorbei. Natürlich muss niemand zum Arzt, um homöopathische Mittel zu erwerben – aber soweit ich das verstanden (und in meiner eignenen Erinnerung) habe, ist eine ärztliche Verschreibung nötig, um die Kosten erstattet zu bekommen. Falls nicht, ließe sich das sicher leicht nachbessern. Die “Ausgaben für die Behandlung” sind, wenn die “Behandlung” in einer ausführlichen Betreuung durch einen Mediziner besteht, Ausgaben für eine medizinische Behandlung.

    Nochmal: Wenn es gelingt, Homöopathieanhänger zum Arzt zu bringen, wenn sie krank sind (und nur darum geht es hier – nicht um Homöopathie im Allgemeinen. Genau das war das Anliegen meiner kurzen Prämbel), weil die Krankenkassen dies durch ihre Versicherungspläne nahelegen, und wenn sie dann medizinisch betreut werden, dann ist das doch wünschenswert. Ganz offensichtlich ist die Nachfrage nach verschriebenen Homöopathika geringer als die Nachfrage, dass Versicherungen dies als Leistung anbieten sollen. Und ja, wenn Homöopathiefans damit die Finanzbasis der KV steigern (was sich allerdings, das gebe ich zu, nicht immer zu Gunsten der Versicherten auswirkt), dann – bitteschön.

  3. #3 cero
    13. März 2017

    Warum sollte das nicht erstattet werden?
    Ganz einfach, weil man damit Homöopathie legitimiert. Je normaler es wird, dass Menschen “Alternativmedizin” in Anspruch nehmen, desto weniger können sie zwischen echter Medizin und Scharlatanerei unterscheiden.

    Bei einer Erkältung ist das nicht weiter tragisch, wenn es dann an ernstzunehmende Krankheiten geht jedoch viel mehr.

    Und das macht nicht bei Krankheiten halt. Wenn man einmal auf der Schiene ist, dann ist es zu Chemtrails etc nicht weit. Kurz, man entwertet dadurch die Wissenschaft.

  4. #4 Jürgen Schönstein
    13. März 2017

    @cero
    So kann man sicher argumentieren. Aber andererseits ist für die Mehrheit der Deutschen Homöopathie offenbar sowieso schon “legitimiert”, wenn ich mir die von Joseph Kuhn präsentierte Zahl von 528 Mio. Euro Apothekenumsatz für Homöopathie anschaue. Wenn wir einen Bruchteil dessen dafür aufwenden können, die Gläubigen zu echten Ärzten zu führen, die sie dann auch mit echtem medizinischem Wissen aufklären können – ware das nicht besser?

  5. #5 DasKleineTeilchen
    terra
    13. März 2017

    ich versteh deinen pragmatismus in der sache durchaus, @jürgen, aber cero hat eben mit dem punkt der legitimation und der dadurch folgenden schleichenden entwertung der wissenschaft absolut recht.

    keine globuli-erstattung durch die kasse, selbst wenns “nur” 9 millionen im jahr sind. da gehts einfach um mehr, *gerade* in diesen zeiten, in denen der anti-wissenschaftliche irrsinn immer mehr um sich greift. wenn dann die leute zum heilpraktiker statt zum arzt rennen, tja, selbst schuld, sorry. wir leben eben auch in zeiten, in denen die menschen (wenigstens in den “westlichen” ländern) das wissen für umme auf dem silbertablett serviert bekommen. wenn *dann* menschen immer noch bezüglich homöopathie von “naturheilmedizin” faseln, dann ist das schlicht selbstgewählte ignoranz und sollte nicht auch noch belohnt werden, echt nicht. hab ich genau null verständnis für.

  6. #6 DasKleineTeilchen
    terra
    13. März 2017

    @jürgen:

    “Wenn wir einen Bruchteil dessen dafür aufwenden können, die Gläubigen zu echten Ärzten zu führen, die sie dann auch mit echtem medizinischem Wissen aufklären können – ware das nicht besser?”

    ich halte das für einen trugschluss; “echte” gläubige gehen erst zum arzt, wenns lebensbedrohlich wird, vorher laufen die zum heilpraktiker.

    ok, ich versteh langsam deinen gedankengang; wenn die kasse globuli zahlt, und zwar *nur*, wenn der patient zu nem “echten” arzt geht, dann könnte man die gläubigen da abholen.

    schwierig.

  7. #7 DasKleineTeilchen
    terra
    13. März 2017

    du kannst sicher sein, daß die heilpraktiker dann aber ein fass aufmachen, das sich gewaschen hat, ala “wir lassen uns von der “schulmedizin” nicht die butter vom brot nehmen”.

    either way, its bad.

  8. #8 Jürgen Schönstein
    13. März 2017

    @DasKleineTeilchen
    Aber das “Fass” müsste dann schon viel mehr drin haben als bisher – bisher hat es nicht mal einen Boden.

    Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin ebenso wie jeder andere Mensch, der auch nur ein bisschen was von Wissenschaft versteht, absolut dagegen, dass Medizin durch “alternative Medizin” ersetzt werden könnte. Aber der Punkt ist halt, wenn wir einen Weg haben, zumindest für einen Teil der Bevölkerung “alternative Mediziner” durch echte Mediziner zu ersetzen – was ist daran falsch? Wie schon gesagt, geht es hier um die Menschen, die grundsätzlich (noch?) kein tiefes Misstrauen gegen die Medizin an sich haben – für alle anderen ist so eine Maßnahme sowieso nicht relevant.

  9. #9 DasKleineTeilchen
    terra
    13. März 2017

    ich muss da noch bischen drüber nachdenken (joseph vermutlich auch); du hast schliesslich schon nen artikel geschrieben 😉

  10. #10 Aaron Giner
    Österreich
    13. März 2017

    Nur weil sie Wissenschaft hier an ihre Grenzen stößt, kommen gleich jede Menge Möchtegerns dahergerannnt um Homöopathie als medizinisch unwirksam abzustempeln. Das einzige, das ich Bezug auf dieses Thema bewiesen ist, ist die Wirkung die homöopathische Behandlungen haben. Mit Globuli ist man nicht in der Lage Krebs zu heilen, dass dürfte jedem klar sein. Aber das ist auch nicht der Sinn der Sache. Ich könnte ausrasten wenn ich leichtgläubige Internetnerds sehe, die über etwas diskutieren, von dem sie keine Ahnung haben.

  11. #11 ajki
    13. März 2017

    Bei der Sache mit den Kassen und ihren Erstattungsleistungen liegt es wohl darin im Argen, dass sich ein beliebiger Aufwand durch den Mittler “Kasse” eben nicht nur durch den Beitrag des beauftragenden Kunden finanziert, sondern mindestens zum Teil querschnittlich. Es ist dabei völlig unerheblich, ob es sich beim Aufwand um “alternative” Behandlungsformen handelt oder nicht – die Frage ist immer dann, wenn “alle” Versichterten (mit)bezahlen, die, ob der Aufwand geeignet ist, das versicherte Problem zu mindern oder abzustellen. Im Allgemeinen können die Mittler “Kassen” gar nicht beurteilen, ob der jeweilige Aufwand “gerechtfertigt” ist oder nicht – bzw. wollen sie das auch nicht beurteilen können. Stattdessen haben sie sich im Lauf der Jahrzehnte einen Voraussetzungskatalog geschaffen wie ein Aufwand dargestellt sein muss, damit er den formalen Bedingungen der Erstattungsfähigkeit genügt. Dieser Katalog läuft unter der Gesamtüberschrift “wirksamer Aufwand”, obwohl im Detail die Wirksamkeitsfrage nie geprüft wird/werden kann. Wenn also ein Kasse in diesen Katalog “Homöopathie”, “Phytotherapie”, “anthroposophische Medizin”, “TCM”, “Neuraltherapie” oder sonstigen “Komplementär”-Kram aufnimmt, dann setzt sie damit sehr wohl “Wirksamkeit”/”Geeignetheit zur Behandlung” voraus und lässt letztlich mindestens teilweise “alle” Versicherten mitzahlen. Es stimmt, dass der Löwenanteil aller in den Sand gesetzten Erstattungsleistungen aus völlig normalen, evidenzbasierten Anwendungsfällen resultiert, die nichts oder nicht genug gebracht haben – aus unterschiedlichsten Gründen (Fehler, Mängel, Unwissenheiten, Unsicherheiten…..). Aber das überprüfen/evaluieren die Kassen im Einzelfall nicht, nur in sehr großem Rahmen oder aufgrund Einzelfall-Klagen kann und wird nachgeflöht. Als Kunde einer Kasse kann ein Versicherter im Grundsatz also nur überlegen, ob die Kasse in ihrem Gesamtkatalog eher an fakten-/evidenzorientierter Wirksamkeit gelegen ist oder ob die Verteilungsleistungen auch Produkte umfaßt, die nach allem besten Wissen keine Wirksamkeit aufweisen. Wenn irgendeine Außenseiterkasse auf Freiwilligkeitsbasis spezialisiert solche Kunden betreut, die mit entsprechenden (hohen) Beiträgen sich auf dieser Basis versichern lassen wollen, dann ist das völlig in Ordnung – bei den “Pflichtkassen”, die mehr oder weniger unterschiedslos aufnehmen, ist es nicht in Ordnung.

  12. #12 roel
    *******
    13. März 2017

    “Gesetzliche Krankenkassen dürfen NIE Leistungen für Heilpraktiker übernehmen – nur für Ärzte mit entsprechender Zusatzausbildung!” https://www.gesetzlichekrankenkassen.de/leistungsvergleich/natur/natur.html

    Aber dafür gibt es dann die Zusatzversicherung: https://www.gesetzlichekrankenkassen.de/leistungsvergleich/leistungstabelle.html?data=zusatzversicherungen

  13. #13 Tim
    13. März 2017

    Erwachsene kann man kaum noch bekehren. Darum gehört wissenschaftliche Methodik prominent in die Lehrpläne der Schulen. Nur so kriegen wir die zunehmende Scharlatanerie in den Griff.

  14. #14 Michael
    13. März 2017

    Zu: #13

    Es stimmt: Erwachsene können nicht mehr “bekehrt” werden. Jede Hilfe für Herrn Schönstein kommt deshalb zu spät.

  15. #15 Kassandra
    13. März 2017

    @Jürgen Schönstein:

    Was ich mich frage: Welches sind eigentlich die meistverordneten homöopathischen Medikamente, die als Kassenleistung bezahlt werden? Geht es dabei vielleicht von vornherein weniger um Heilung als um Symptomlinderung etwa bei Kopfschmerzen oder Erkältungskrankheiten?

    Speziell bei Erkältungen gibt es ohnehin nichts, was so richtig wirkt, man muss sie eben durchstehen, aber das hat noch keinen Arzt daran gehindert, einem symptomlindernde Medikamente zu verschreiben. Ob der damit verbundene Placebo-Effekt nun mit einem “wissenschaftlich einwandfreien” (aber trotzdem größtenteils unwirksamen) oder einem homöopathischen Medikament kombiniert wird, wäre aus meiner Sicht irrelevant, denn in beiden Fällen ist es doch im Grunde nur Abrakadabra. Warum sollte das eine Abrakadabra dann gut und das andere böse sein?

    Doch hatte die bereits verlinkte PLoS ONE-Studie Can Additional Homeopathic Treatment Save Costs? vor etwas mehr als zwei Jahren nicht anhand der Versichertenstatistik der Techniker Krankenkasse (!) nachweisen können, dass durch Homöopathie die Behandlungskosten pro Person um 19 Prozent höher sind als homöopathiefreien Behandlungskosten (7.207.82 statt 5.857,56 Euro)? Nicht wirklich. Denn verglichen wurden nicht etwa Patientinnen und Patienten, die sich mit oder ohne homöopathische Leistungen behandeln ließen, sondern nur jene, die eine Zusatzversicherung (in der unter anderem auch Homöopathie eingeschlossen war) abgeschlossen hatten, mit jenen, die diese Leistungen nicht eingekauft hatten

    Ihre Einwände lesen sich plausibel, und ich bin nicht einmal überrascht darüber, dass die Medienberichterstattung über die Studie einen falschen Eindruck erweckt, dafür habe ich dasselbe schon zu oft in anderen Bereichen erlebt.

    Ich finde es schon seit Jahren hochgradig bedenklich, dass in so vielen Debatten ausgerechnet die Seite, die sich darauf beruft, die wissenschaftlichen Fakten auf ihrer Seite zu haben, der Wiedergabe von Ergebnissen so gerne einen Spin in die von ihr gewünschte Richtung gibt. Bei der Wahrheit sollte man alleine deshalb schon bleiben, weil jede Verdrehung das Vertrauen in die Wissenschaft untergräbt.

  16. #16 schlappohr
    13. März 2017

    “Wenn die Mehrheit der deutschen Bevölkerung grundsätzlich nicht abgeneigt ist, homöopathische Mittel zu benutzen,[…]”

    Das ist sicher wahr, eignet sich aber kaum als Legitimierung für die Erstattung “homöopathischer Leistungen” durch die Krankenkassen. Ich selbst habe auch vor Jahren homöopathische Erkältungsmittel eingenommen und die Erkältung war immer irgendwann weg. Somit bin ich dem gleichen Trugschluss erlegen wie meisten Homöopathieanhänger. Das Problem ist, dass die Leute sich nicht mit Homöopathie beschäftigen und Globuli gleichsetzen mit Pflanzen- oder Naturmedizin, die zwar etwas langsamer wirkt, dafür aber nebenwirkungsfrei. Die Bereitschaft zur Anwendung von Homöopathie basiert auf Unkenntnis und Falschinformation. Genauso gut könnte man die Lehre von der Evolutionstheorie aus dem Schulunterricht streichen, wenn nur genug Deutsche von der biblischen Schöpfungsgeschichte überzeugt sind. Es geht doch gerade darum, diesen Dingen einen Riegel vorzuschieben. Vermutlich gibt es keine Zahlen dazu, aber ich könnte mir vorstellen, dass der durch homöopathische Pseudo-Behandlung entstehende volkswirtschaftliche Schaden enorm ist. Ich schlage daher vor, vor den Risiken der Homöopathie auf die gleiche drastische Weise zu warnen, wie vor den Folgenden des Rauchens, anstatt das ganze durch die Hintertür zu legitimieren. Ansonsten kommen irgendwann die Ohrkerzen-, Schüsslersalz-, und Bachblütenfraktionen um die Ecke und wollen ihr nutzloses Zeug ebenfalls bezahlt haben.

  17. #17 CM
    13. März 2017

    … sowieso schon “legitimiert” …

    Eben! Und manchmal ist das was schon lange so ist und kaum zu ändern scheint doch in Frage zu stellen. Wieso sollten Gläubige deren Arzt Voodoo macht auf einmal fragen: “Wenn das nur Voodoo ist, brauche ich dann überhaupt etwas? Doch gut, dass mal ein Arzt nach geschaut hat und ich nichts Ernstes habe.” Das ist naiv.

    Viele Leute gehen zum Heilpraktiker oder Arzt mit homöopathischer “Fortbildung” spezifisch, weil Sie homöopathische Behandlung erwarten und nicht, um dann im Zweifel medizinisch behandelt zu werden. (Beobachtungseinheit bei mir: Eine Verbandgemeinde mit 10.000 Einwohnern, Stichprobengröße (durch direkte Befragung und Hörensagen) ca. 35 (bzw. ca. 174); irgendwann, wenn ich viel, viel Zeit habe, mache ich das auch mal statistisch sauber …. 😉 )

    Die Verknüpfung, die ich somit beobachte ist häufig folgende: “Wenn kleine Wehwehchen mit Homöopathika behandelt (und erstattet) werden, warum sollte H. dann nicht auch bei X wirken?” Aus meiner Sicht und der vieler Mitkommentatoren stimmen bei diesem (oder ähnlichen) Gedanken die Prämissen nicht. Umso besser, wenn die Legitimation duch Krankenkassen entzögen würde.

    Wir als Gesellschaft haben schon öfter alte Zöpfe abgeschnitten. Diese wildwachsende Strähne sollte auch ab.

  18. #18 libertador
    13. März 2017

    @schlappohr
    Nebeninformation: Pflanzliche Arzneimittel sind nicht Nebenwirkungsfrei. Es können zum Beispiel allergische Raktionen auftreten. Johanniskraut etwa kann die Wirkung anderer Medikamente wie der Pille beeinflussen.

  19. #19 Chris
    13. März 2017

    Einfach die Ärzte so bezahlen dass sie Zeit für den Patienten haben.
    Mein letzter Arztbesuch hat knapp eine Stunde gedauert. Den Arzt habe ich gut 3 Minuten gesehen.

  20. #20 DasKleineTeilchen
    terra
    13. März 2017

    @Aaron Giner

    “Nur weil sie Wissenschaft hier an ihre Grenzen stößt”

    ach? tut sie das?

    “kommen gleich jede Menge Möchtegerns dahergerannnt um Homöopathie als medizinisch unwirksam abzustempeln.”

    öh, ja, jenseits des placebo-effekts ist die H. unwirksam. nachgewiesenermaßen.

    “Ich könnte ausrasten wenn ich leichtgläubige Internetnerds sehe, die über etwas diskutieren, von dem sie keine Ahnung haben.”

    achso? tja, da wird wohl eher noch zu diskutieren sein, wer hier der leichtgläubige ist.

  21. #21 nickel
    13. März 2017

    Ich finde, Homöopathie sollte eine Zusatzleistung bleiben. Ich möchte es nicht mit meinen Beiträgen unterstützen, aber ich denke, es zu verbannen wird nicht klappen und wäre zudem die falsche Richtung. Wenn jemand wirklich daran glauben will, nagut, das ist ja jedem selbst überlassen und wie sturköpfig und unbelehrbar der Mensch ist, sieht man auch an manchen Kommentaren hier. Zudem kann der Placebo-Effekt schon helfen – eben bei “Kleinigkeiten”, bei denen ich das auch mit meinem Gewissen vereinbaren könnte.

    Die Zusatzversicherung würde ich schon an einen Arztbesuch binden, denn nur so können ernsthafte Krankheiten rechtzeitig erkannt werden (können, nicht werden) und somit enorme Folgekosten bei Nicht- oder Spätbehandlung vermieden werden. Zumindest theoretisch. Und wenn ein Globulianer auf seine Zuckerperlen besteht, dann soll er sie eben verschrieben bekommen, solange es medizinisch vertretbar ist. Nur eben über eine Zusatzversicherung abgerechnet, nicht über die Standardversicherung.

    Vor allem hört und liest man aber immer wieder von Fällen, in denen Eltern ihren tatsächlich kranken Kindern eine gescheite medizinische Versorgung verwehren und den Nachwuchs lieber zu Voodooheilern schleppen. Gerade hier sollte man versuchen, die Eltern dazu zu bewegen, die Kinder doch zum Arzt zu bringen, statt deren Gesundheit zu riskieren. Und ich denke, die Bindung an einen Arztbesuch zur Kostenübernahme ist eine Möglichkeit dazu.

  22. #22 Jürgen Schönstein
    13. März 2017

    @DasKleineTeilchen
    Bitte nicht den Troll füttern. Bringt eh’ nichts…

    @Michael
    Wär’ ja auch zu schön gewesen, wenn es mal ohne ad hominem gegangen wäre.

  23. #23 Kassandra
    13. März 2017

    @CM:

    Wir als Gesellschaft haben schon öfter alte Zöpfe abgeschnitten. Diese wildwachsende Strähne sollte auch ab.

    Unsere Gesellschaft befindet sich gerade mitten in einer ausgewachsenen Vertrauenskrise, die keinen Bereich auszulassen scheint und die Fundamente unseres demokratischen Rechtsstaats bedroht. Halten Sie das wirklich für einen passenden Moment für radikale Maßnahmen?

    Bei Wikipedia las ich, dass die damalige ärztliche Behandlung zum Zeitpunkt der Erfindung der Homöopathie so schlecht war, dass alleine die Vermeidung eines herkömmlichen Arztbesuchs vermutlich mehr Folgeschäden verhindern konnte, als das vermutliche Fehlen der Wirksamkeit der Homöopathie als Folge auslöste. Das erklärt jedenfalls, wie sich die Homöopathie so fest etablieren konnte, dass sie sich bis heute gehalten hat. Es erklärt aber nicht, warum die Nachfrage nach ihr in letzter Zeit zuzunehmen scheint.

    Ich habe dazu eine These. Mich interessiert jetzt aber erst einmal, wie sich andere Leute das erklären.

  24. #24 Dr. Edmund Berndt
    Attersee
    13. März 2017

    Jede homöopathische Verschreibung adelt die Homöopathie. Mit jeder Verschreibung wird die Ansicht gestärkt, dass die Homöopathie eine wirksame und alternative Behandlungsmöglichkeit.
    Die Ärzteschaft steht unter einem gewaltigen Druck, Homöopathie zu verschreiben. Es ist wesentlich einfacher diesem Druck auch gegen seine Überzeugung nachzugeben, als die zur Homöopathie verführten Patienten b.G. zu überzeugen, dass eben die Globuli nicht notwendig sind. Außerdem, wenn der Arzt Globuli verschreibt sind es für die Patienten b.G. keine Placebos mehr.
    Auf diese Weise wird der Aberglauben erhalten und die Kollateralschäden sind enorm.

  25. #25 nickel
    13. März 2017

    @Dr. Berndt Das ist tatsächlich ein gutes Argument. Ich glaube jedoch nicht, dass jener Aberglaube durch eine Verbannung von Globuli aus der Arztpraxis verschwindet. Eher schafft man damit zwei Lager: die eine Seite der Schulmediziner, die herkömmliche Medikamente verschreiben und die andere Seite der Globulianer und Homöopathiepraxen, die die ach so bösen Schulmediziner verteufeln und somit die Globuligläubigen langfristiger in ihren Bann ziehen können – was dann eben massivere Kollateralschäden nach sich zieht, weil jene dann gar nicht mehr zum Arzt gehen.

  26. #26 s.s.t.
    13. März 2017

    Warum will man Voodoo-Medizin auf Krankenschein auf HP begrenzen? Es gibt doch so viele schöne ‘Heil’verfahren, die man mit einbeziehen könnte und an die auch zahlreiche Patienten glauben. Z.B. die Neue HP nach Körbler, Kinesiologie, Bach-Blütentherapie u.v.a.m. Und auch die NGM hat ihre Anhänger.
    Nein, die Versichertengemeinschaft sollte eben diesen Unfug nicht mit bezahlen. Ein Unfug, der nichts bringt, aber durchaus Schaden anrichten kann. Ich gehe jedenfalls nicht zu einem Arzt, der (explizit) HP anbietet.

  27. #27 Dr. Edmund Berndt
    13. März 2017

    @nickel #25
    Es gibt keine Schulmedizin . Entweder es wirkt, dann ist es Medzin oder es wirkt nicht, dann ist es keine Medizin.
    Die einzig saubere Lösung, wenn die “Therapiefreiheit” schon nicht angetastet werden kann, ist die strikte Trennung.
    In ein und derselben Praxis gibt es nur entweder Medizin oder Homöopathie. Ein und derselbe Arzt darf nur entweder homöopathisch oder medizinisch arbeiten. Wenn ein medizinisch arbeitender Arzt meint, dass ein Parient homöopathisch zu betreuen wäre, dann soll er überweisen und umgekehrt.
    Auf diese Weise gibt es objektivierende Kontrolle . Einer kann dem anderen auf die Finger schauen. Das Gleiche gilt auch für die Apotheke. Entweder Apotheke oder Homöotheke

  28. #28 Jürgen Schönstein
    13. März 2017

    @Dr. Berndt
    Ich verstehe Ihr Argument sehr gut – aber genau deswegen habe ich auf die tatsächlichen Verschreibungs-Zahlen hingewiesen: Ich sehe hier eine Chance, dass Ärzte ihre PatientInnen echt beraten und sie dabei auch überzeugen können, dass Homöopatie EBEN NICHT WIRKT. Diese Chance haben wir gar nicht, wenn diese PatientInnen gleich zum Schamanen gehen, der/die ihnen garantiert nichts über die echten medizinischen Alternativen sagen wird. Und was den Verschreibungsdruck auf die Ärzte angeht, hätte ich doch eine Frage: Wer übt diesen Druck aus? Und warum lassen sich Aerzte überhaupt unter einen Druck setzten, etwas zu tun, was NICHT ihrer beruflichen Ethik entspräche? (Das ist eine echte Lernfrage, denn Sie sind offensichtlich Arzt und haben daher Erfahrung mit diesem Problem.)

    @s.s.t.
    Die Prämisse ist ja schon jetzt, dass dies über eine Zusatzverscherung gedeckt werden muss, also eben NICHT zu Lasten der “Versicherungsgemeinschaft” geht (unterm Strich machen die Kassen vermutlich sogar einen Profit damit, wenn man sich anschaut, was so eine Zusatzversicherung kostet und im Gegenzug leistet – Links dazu stehen im Text).

  29. #29 DasKleineTeilchen
    terra
    13. März 2017

    @Jürgen:

    sorry.

  30. #30 nickel
    13. März 2017

    @Dr. Berndt #27
    Verzeihung, falls ich den Begriff der Schulmedizin verwandt habe. Ich sehe ihn synonym zur “herkömmlichen/ normalen” Medizin und verwende ihn neutral, lese aber gerade, dass er abwertend benutzt wird. Das war definitiv nicht meine Intention.

    Bei der strikten Trennung bin ich mir unsicher. Ich würde das theoretisch begrüssen, denke jedoch, dass der Vorschlag zu überweisen so nicht klappen wird, da die beiden Lager einfach zu sehr gegeneinander agieren.

  31. #31 Jürgen Schönstein
    13. März 2017

    @Dr. Berndt
    Ich bitte um Verzeihung, aber dieser Vorschlag – dass Ärzte, statt homöopathiewillige PatientInnen zu betreuen, diese an Homöopathen überweisen sollten – ist doch noch viel mehr eine Adelung dieser Schamanen. Denn das würde nach allen mir bekannten Maßstäben bedeuten, dass (allgemein praktizierende) Ärzte eine fachliche Kompetenz dieser “KollegInnen” anerkennen müssten, die ihre eigene (weil “nur” Allgemeinmediziner) übertrifft. Nein, das ergibt für mich wirklich keinen Sinn. Können Sie das etwas besser erklären, vor allem mit Hinblick auf die von Ihnen befürchtete “Adelung”?

  32. #32 Lemmie
    13. März 2017

    Das Argument eines Wissenschaftlers oder Skeptikers oder Sciencebloggers, es sei für den Patienten besser, zu einem richtigen Arzt zu gehen, als zu einem Heilpraktiker, hat für mich den Ruch von: den Patienten für unmündig zu halten, im Sinne von “der arme Mensch hat keine Ahnung von der Unwirksamkeit und den Gefahren der Homöopathie. Wenn er zu einem richtigen studierten Mediziner geht, dann wird dieser die Gefahr hoffentlich etwas verringern, bzw. den armen Menschen etwas wissenschaftlicher verhohnpipeln.”
    Das ist so, als würde ein Atheist, dessen Kind in eine dubiose Sekte abzudriften droht, diesem Kind empfehlen, doch lieber in die katholische Kirche einzutreten, weil dann wenigstens studierte Theologen das Kind beeinflussen können.

  33. #33 Jürgen Schönstein
    13. März 2017

    @CM
    Meine Hoffnung (ich gebe zu, mehr habe ich nicht zu bieten) wäre ja, dass die Auflage, dass ein Arztbesuch (und damit meine ich einen Besuch bei echten Medizinern) erforderlich ist, die Möglichkeit eroeffnet, dass am Ende eben keine Homöopathie verschrieben, sondern nach medizinischen Erkenntnissen behandelt wird. Ich glaube nicht, dass Menschen, die der Homöopathie nicht grundsätzlich abgeneigt sind, schon automatisch überzeugte und unbelehrbare Anhänger dieser Voodoo-Lehre sind. Viele halten das Zeugs tatsächlich einfach nur für “sanfte” “Naturheimittel” (beides ziemlich unhaltbare Begriffe, aber das ist noch einmal ein anderes Problem) und damit für akzeptable Alternativen. Aber noch viel mehr haben ein sehr tiefes Vertrauen zu ihren Ärztinnen oder Ärzten, das man hier zur Auflärung nutzen sollte. Und wenn sie letzteres nicht haben, dann sollten wir uns darüber erst mal mehr Gedanken machen…

  34. #34 inga
    13. März 2017

    Ich kenne eigentlich grob gesagt zwei Klientelgruppen für Homöopathie. Die eine ist felsenfest von ihrer Wirksamkeit überzeugt, die gehen meist zu einem “echten” Homöopathen. Diese grenzen sich meistens aktiv gegen die “Schulmedizin” ab, nicht nur gegen Mittel sondern gegen die ganze Art und Weise (“ganzheitlich” versus “an Symptomen herumdoktern”). Meine Homöopathin damals hat schon die Moorbäder, die mir wegen eines Hexenschusses von einem Physiotherapeuten verschrieben wurden, abgelehnt, weil sie die “ganzheitliche Heilung” störten. Die lassen sich von einem “Schulmediziner”, der auch Homöopathie anbietet, eher nicht in eine echte Arztpraxis locken.

    Die andere Gruppe sind die, die mal Kügelchen ausprobiert haben, glauben, dass sie geholfen, jedenfalls aber nicht geschadet hätten, aber grundsätzlich eher zum Arzt gehen als zu einem Wunderheiler. Bei dieser Gruppe bin ich bei Dr. Berndt: Hier sollte man die Homöopathie nicht unnötig adeln.

    Ich glaube daher nicht, dass es im Sinne der Aufklärung hilfreich ist, Homöopathie zu bezahlen. Die einen erreiche ich eh nicht, bei den anderen könnte der Effekt eher Richtung: “Wenn es sogar die Kasse zahlt, muss doch was dran sein” gehen.

  35. #35 CM
    13. März 2017

    Unsere Gesellschaft befindet sich gerade mitten in einer ausgewachsenen Vertrauenskrise, die keinen Bereich auszulassen scheint und die Fundamente unseres demokratischen Rechtsstaats bedroht. Halten Sie das wirklich für einen passenden Moment für radikale Maßnahmen?

    Ich mag das Argument nicht, aber es ist valide. Leider. Lassen Sie uns zu unseren Europäischen Nachbarn blicken, wo die Erosion des Vetrauens in staatl. Entscheidungen teils noch weiter fortgeschritten ist: Hier wie dort gibt es ein Zögern Privilegien anzutasten und eingefahrene Routen zu verlassen. Die Widerstände sind teils enorm. Das ist kein Argument eine Reform zu unterlassen, doch dafür behutsam auszuwählen, welche Priorität haben müssen. Und ehrlicherweise: Die Zahlungen der Krankenkassen für Scharlatane kommen diesbzgl. unter ferner liefen.

    Was die Frage anbelangt, warum Homöopathie heute Zulauf geniesst: Auch da spielt Vertrauenserosion eine Rolle, zweifellos. Umfassend kann man das nicht in einem Thread beantworten. Doch denke ich, dass zu lange keine Debatte stattgefunden hat. Keine Debatte? Na ja, wir hier oder bei GWUP oder …. führen Diskussionen in einer Filterblase wo bespielsweise diese Leute in meiner Nähe kaum mitlesen und auch im Geburtsvorbereitungskurs kann ich mich nicht an Widerspruch gegenüber den vielen esoterischen Gedanken inkl. zu H. erinnern. Für mich pers. ist das wie mit Kreationisten diskutieren: Unangenehm, es fällt schwer auf den Punkt zu kommen und das Gegenüber mit seiner Unlogik festzunageln – von Überzeugung will ich gar nicht reden. Der wissenschaftliche Standpunkt wird zu selten klar gemacht – da herrscht Nachholbedarf. Und so ist *ein* Faktor: Wird ein Mantra nur oft genug wiederholt, so sitzt es in den Köpfen, egal was entgegengebracht wird – analog zu diesem Link. Und ja, das hier anklingende Element der sprechenden vs. der “kalten” Ärzte spiel ebenfalls eine Rolle. Und … und … und …

    Wer übt diesen Druck aus? Und warum lassen sich Aerzte überhaupt unter einen Druck setzten, etwas zu tun, was NICHT ihrer beruflichen Ethik entspräche?

    Leider habem Homöopathen schon den Fuß in der Uniklinkstür – die Wissenschaft auch, doch machen wir uns nicht vor: Statistik, Chemie und klinische Forschung sind im Medizinstudium nicht dominant vertreten. Während die Homöopathie institutionell Lobbyarbeit betreibt, fehlt das auf der Gegenseite großteils. Und so bezweifle ich das die Wahrnehmung in der Ärzteschaft derart ist, dass die Mehrheit ihre homöopathie- oder eso-affinen Kollegen als Problem betrachtet.

  36. #36 Caracalla
    13. März 2017

    Ich hoffe, die Frage wurde nicht schon gestellt und beantwortet.

    Gibt es Krankenkassen, die keine Homöopathie im Angebot haben, dieses grundsätzlich ablehnen oder einen preiswerteren Tarif anbieten für all diejenigen, die nicht zum Schamanen gehen wollen?

  37. #37 cero
    13. März 2017

    @Caracalla:
    Das wird schwierig. Schon 2014 ist es Psiram nicht gelungen eine Krankenkasse ohne Alternativmedizin im Angebot ausfindig zu machen.
    https://blog.psiram.com/2014/11/die-krankenkassen-und-die-paramedizin-1-wo-kommt-das-her-und-wie-wird-man-das-los/

    Hier noch direkt der Link zu der PDF-Übersicht, ist aber wahrscheinlich nicht mehr ganz aktuell:
    https://blog.psiram.com/wp-content/uploads/2014/11/Lstg_KK_Altmed_14_8.pdf

  38. #38 WolfgangM
    13. März 2017

    Ehrlichkeit gegenüber Patienten ist doch ein sehr hohes Gut. Und da frag ich mich, ob alle ärztlichen Homöopathen ihre Patienten vorher erklären, dass die Wirksamkeit von HP nicht belegt ist. Und die Kosten der HP liegen ja im Gespräch (1-1,5 Std) und nicht bei den Globuli.

    Und Ratio bei der Berufsausübung ist auch wichtig- nur warum sind so viele Homöopathen auch Impfgegner ? Doppelt irrational ist das wirklich besser?

    Na ja das Gesetz ist auch irrational- normale Arzneien müssen Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit im Zulassungsverfahren belegen. Globuli nicht- warum eigentlich?

  39. #39 anderer Michael
    13. März 2017

    Ich lege Wert auf die Feststellung , Kommentator “Michael” ist mit mir nicht identisch. Darum nannte ich mich “anderer Michael”.

    Herr Schönstein:
    Es ist gut , dass Sie darauf hingewiesen haben , wie dieTK-Studie genau ausgesehen hat. So aussagekräftig ist diese Studie also doch nicht.

    Dennoch verstehe ich Ihre Argumentation nicht.
    So wie ich verstanden haben , solle die Erkrankte mit Homöopathieneigung zu einem Homöopathen gehen, in der Hoffnung, dass dieser schon filtern wird , welches Symptom eine harmlose Befindlichkeitsstörung ist und was Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung sein könnte. Ersteres kann dann mit Globuli behandelt( und von der KRANKENKASSE auch bezahlt werden), das zweite nach den den Maßstäben der naturwissenschaftlich begründenen Medizin.

    Dagegen spricht:
    1. Es gibt durchaus Praxen, die hauptsächlich nach Homöopathie behandeln, aus innerer Überzeugung. Das allein kann den Blick verstellen und einschränken.Gewiss wird keiner eine manifeste Tumorerkrankung mit Globuli behandeln. Das wäre bei Vorsatz vermutlich strafbar. Die Vorstellung es könnten ernsthafte Erkrankungen rausgefiltert werden, ist doch nur Spekulation, oder?

    2.Wir wollen die mündige, aufgeklärte, (selbst) kritische Patientin, als Partnerin und selbstverantwortliche Fachkraft für Ihren eigenen Körper, die ihre Gesundheit aktiv unterstützt. Das ist das theoretische Ideal. Selbst bei vielen realistischen Abstrichen daran, wie soll eine seriöse Ärztin einen Kranken als Partner sehen, wenn sie ihm Globuli verschreibt, und er/sie in gutem Glauben es auch wollend als Heilmittel ansieht.

    3. Wo ist die Grenze. Schamanen, Bachblüten , Geistheiler, Reiki?

  40. #40 DasKleineTeilchen
    terra
    13. März 2017

    @Kassandra:

    “Ich habe dazu eine These.”

    Internet/Youtube/facebook?

  41. #41 DasKleineTeilchen
    terra
    13. März 2017

    @Kassandra:

    oder vielmehr; internet/facebook sorgte für die massenverbreitung der angst, mit der verschwörungstheoretiker arbeiten: angst vor nebenwirkungen, die in seltesten fällen eben auftreten können, *weil* eben ein wirksames medikament niemals nebenwirkungsfrei ist, angst vor der verschwindend geringen chance von impfschäden, angst vor “böser” technik, angst vor komplexen zusammenhängen in einer zunehmend komplexen welt, angst vor widersprüchen, you get the point.

  42. #42 Jürgen Schönstein
    13. März 2017

    @anderer Michael

    So wie ich verstanden haben , solle die Erkrankte mit Homöopathieneigung zu einem Homöopathen gehen, in der Hoffnung, dass dieser schon filtern wird , welches Symptom eine harmlose Befindlichkeitsstörung ist und was Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung sein könnte.

    Nein, die Idee ist, dass homöopathische Mittel von einem Arzt oder einer Ärtzin verschrieben werden mussen, damit sie erstattungsfähig sind (das ist, soweit ich es verstanden habe, bisher die Regelung – Heilpraktiker-Besuche sind nicht erstattungsfähig, und jene können auch nichts verschreiben).

    @Caracalla
    Das kommt darauf an, wie man “Versicherung” definiert – wenn man damit das Unternehmen meint, das Versicherungsleistungen anbietet, wird es sicher kaum noch eines geben, das kategorisch solche Erstattungsmöglichlichkeiten ausschließt. Wenn man aber “Versicherung” als das vertragliche Konstrukt bezeichnet, durch das man sich gegen Widrigkeiten absichert (wie es die meisten Menschen umgangssprachlich sowieso tun), dann ist die Antwort, dass man sehr wohl Verträge abschließen kann, die solche Leistungen nicht umfassen. Und wie schon mehrfach gesagt: Allem Anschein nach machen die Versicherungsunternehmen mit solchen Angeboten sogar Gewinne, d.h. es ist nicht so, dass dadurch diejenigen, die solche Erstattungen ablehnen, irgendwelche zusätzlichen Kosten übernehmen müssten.

  43. #43 Kassandra
    13. März 2017

    Ich mag das Argument nicht, aber es ist valide. Leider. Lassen Sie uns zu unseren Europäischen Nachbarn blicken, wo die Erosion des Vetrauens in staatl. Entscheidungen teils noch weiter fortgeschritten ist: Hier wie dort gibt es ein Zögern Privilegien anzutasten und eingefahrene Routen zu verlassen. Die Widerstände sind teils enorm. Das ist kein Argument eine Reform zu unterlassen, doch dafür behutsam auszuwählen, welche Priorität haben müssen. Und ehrlicherweise: Die Zahlungen der Krankenkassen für Scharlatane kommen diesbzgl. unter ferner liefen.

    Was die Frage anbelangt, warum Homöopathie heute Zulauf geniesst: Auch da spielt Vertrauenserosion eine Rolle, zweifellos. Umfassend kann man das nicht in einem Thread beantworten. Doch denke ich, dass zu lange keine Debatte stattgefunden hat. Keine Debatte? Na ja, wir hier oder bei GWUP oder …. führen Diskussionen in einer Filterblase wo bespielsweise diese Leute in meiner Nähe kaum mitlesen und auch im Geburtsvorbereitungskurs kann ich mich nicht an Widerspruch gegenüber den vielen esoterischen Gedanken inkl. zu H. erinnern.

    Danke für diesen reflektierten und ehrlichen Beitrag. Ich bin Ihrer Meinung, dass eine Debatte über das Gesundheitssystem als Ganzes sowie die gesetzliche KV stattfinden müsste, ebenso, dass der Kreis hier dafür eigentlich zu eng ist und zu sehr eine Art Filterblase bildet, als dass das eine Wirkung haben könnte.

    Es besteht mit Sicherheit noch kein Grund zur Erleichterung, nur weil Deutschland beim Populismus dieses Mal nicht zu den Ersten gehört, die ihm mit Haut und Haaren anheimfallen. Umfragen zeigen, dass das Misstrauen der Leute gegenüber dem Staat und seinen Vertretern gewaltig ist. Was passieren kann, wenn man in dieses Pulverfass auch nur ein einziges Streichholz wirft, hat die Reaktion auf Silvester 2015 gezeigt. Jetzt hat sich alles wieder ein bisschen beruhigt, aber das kann jeden Tag kippen, zum Beispiel falls die Türkei das Flüchtlingsabkommen aufkündigt und plötzlich wieder Flüchtlingstrecks durch Europa ziehen.

    Ich möchte mich gerne raushalten, was die Frage betrifft, ob Homöopathie Humbug oder eine verkannte Wissenschaft ist. Ich habe zwar keine Ahnung, wie das dahinterstehende Prinzip funktionieren können sollte, aber mein Vertrauen in die Ehrlichkeit von Experten, drücken wir es mal zurückhaltend aus, ist in den letzten Jahren in seinen Fundamenten beschädigt worden, also bin ich auf meine eigenen – in diesem Fall aber nicht vorhandenen – Fachkenntnisse zurückgeworfen, und dann komme ich um ein “In dubio pro reo” nicht herum.

    Aber dass in unserem Gesundheitssystem etwas Grundsätzliches falsch läuft, das erkenne ich auch als Laie (nicht zuletzt an meinen eigenen Arztbesuchen der letzten Jahre, Sie haben vielleicht vor einiger Zeit die Beiträge gelesen, in denen ich das eine oder andere Erlebnis skizziert habe). Ich gestehe jedem Arzt Fehlbarkeit zu und kann das sogar bei dem einen noch akzeptieren, der mich durch eine ziemlich dämliche Fehldiagnose um ein Haar schon vor 30 Jahren unter den Rasen gebracht hätte, aber es macht mich irre, dass ich nahezu jedes Mal, wenn ich zum Arzt gehe, weil mir etwas ganz Konkretes fehlt, in eine Art Verkaufsveranstaltung gerate, in der mir alles möglich an Leistungen angedreht werden soll, nach denen ich nicht gefragt hatte, während mein Anliegen offenbar nicht interessiert.

    Ich bin der Meinung, die Optimierung des Gesundheitswesens nach betriebswirtschaftlichen Prinzipien, die diese Entwicklung als Folge hatte, hat auch die Vertrauensbasis bei einem Teil der Patienten unterminiert. Viele erleben es zu oft, dass ihr Arzt keine Vertrauensperson ist.

  44. #44 cero
    13. März 2017

    @Kassandra:

    Dabei ist gerade die Widerlegung von Homöopathie das einfachste, was es gibt – dafür reicht schon 8. Klasse – Mathematik/Chemie.
    http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/faq/28-warum-wirkt-homoeopathie-nicht

    Um noch mal darauf zurückzukommen warum Homöopathie so beliebt ist:
    Ich denke das ist eine Folge der Umweltbewegung der 80er/90er. Damals hat sich das Umweltbewusstsein in Deutschland entwickelt und es wurde irgendwann modisch besonders umweltbewusst und nachhaltig zu leben.

    Als die schlimmsten Probleme angeprangert waren wurde daraus eine Lifestyle-Bewegung, inklusive Bio-Essen, Bio-Mode etc.
    Und was liegt da näher als auch nach “natürlicherer” Medizin zu suchen? Die Naturheilkunde wurde größer und darauf aufbauend weil exotischer und mystischer Dinge wie die Homöopathie und die Impfkritik.

    Ein tolles Beispiel, wie aus einer ehemalig guten und wichtigen Idee durch fortschreitende Ideologisierung eine wissenschaftsfeindliche Bewegung wurde.

    (Aus der gleichen Richtung kommt auch ein sofortiger Beißreflex, wenn man es wagt über Vorteile von Gentechnik oder Atomenergie zu reden – wobei ich das zweite übrigens ablehne 😉 )

  45. #45 DasKleineTeilchen
    terra
    13. März 2017

    @Kassandra:

    “Ich bin der Meinung, die Optimierung des Gesundheitswesens nach betriebswirtschaftlichen Prinzipien, die diese Entwicklung als Folge hatte, hat auch die Vertrauensbasis bei einem Teil der Patienten unterminiert.”

    da magst du durchaus recht haben.

  46. #46 anderer Michael
    13. März 2017

    Herr Schönstein
    Da bestand ein Kommunikationsproblem. Unter Homöopathen verstand und meinte ich Ärzte/innen.So hatte ich Sie auch verstanden. Ich habe übersehen, dass auch Heilpraktiker Homöopathie anwenden.
    Man kann Heilpraktikerbesuche ( Behandlungen sind nicht ganz das richtige Wort) über eine Zusatzversicherung bei der TK teilweise abdecken.
    Nichtsdestotrotz teile ich, auch wenn ich Ihren Grundgedanken dahinter verstehe, Ihre Auffassung nicht.

  47. #47 Kassandra
    13. März 2017

    Dabei ist gerade die Widerlegung von Homöopathie das einfachste, was es gibt – dafür reicht schon 8. Klasse – Mathematik/Chemie.

    Betrachten Sie mich in diesem Bereich einfach als geringqualifiziert und nicht lernbereit. Ich denke gar nicht daran, mich in dieser Frage einem der bestehenden Lager anzuschließen. 😉

    An der Homöopathie, mit der ich kaum Erfahrungen habe, hat meine Aufmerksamkeit geweckt, dass sie solchen Fanatismus bei ihren Gegnern hervorruft; das ist der Teil, den ich interessant finde. Ansonsten sind mir andere weiße Flecken auf der Landkarte meines Wissens viel wichtiger.

  48. #48 DasKleineTeilchen
    terra
    13. März 2017

    du bist schon ulkig, @Kassandra; einerseits sowas hier

    “nahezu jedes Mal, wenn ich zum Arzt gehe, weil mir etwas ganz Konkretes fehlt, in eine Art Verkaufsveranstaltung gerate, in der mir alles möglich an Leistungen angedreht werden soll…”

    was erstmal rein anektodisch ist, und dann aber ditte als kontrast raushauen:

    “An der Homöopathie, mit der ich kaum Erfahrungen habe, hat meine Aufmerksamkeit geweckt, dass sie solchen Fanatismus bei ihren Gegnern hervorruft…”

    Homöopathie ist – meiner ansicht nach – die absolute spitze der verkaufsveranstaltung; wasser als medikament zu verkloppen, ist schon jenseits der dreistigkeit.

  49. #49 Jürgen Schönstein
    13. März 2017

    @anderer Michael

    Unter Homöopathen verstand und meinte ich Ärzte/innen

    Da bin ich jetzt ein wenig verwirrt: Wenn Homöopathie keine Medizin ist (da sind wir uns sicher einig), wie kann es dann homöopathische Ärzte/Ärztinnen geben? Es ist eine Sache, wenn jene wissen, was es mit Homöopathie auf sich hat und wenn sie ihre PatientInnen entsprechend aufklären können (und eventuell, mit fachlichem Vorbehalt, dann trotzdem ein solches als Placebopräparat verschreiben), aber eine ganz andere (berufsethische) Sache, wenn sie sich als Mediziner ausgeben, aber dann Nicht-Medizin praktizieren. Doch das ist eine viel grundsätzlichere Frage, die weit jenseits dessen liegt, was in Versicherungsverträgen geregelt wird: Mediziner, die schwere Erkrankungen nicht behandeln, sondern statt dessen Pseudomedizin verordnen, missbrauchen ihre Position und sollten ihre Approbation als Mediziner verlieren. Und das müssen die Standesverbände regeln – und zwar ganz unabhängig davon, was Versicherungen bezahlen oder nicht.

  50. #50 CM
    13. März 2017

    @Jürgen Schönstein, bzgl. #33 – Entschuldigung, den Beitrag habe ich schlicht übersehen. Seltsam.

    Jedenfalls, ja, die Hoffnung habe ich geteilt, bis ich – mehrfach schon – Ärzten gegenüberstand, die bei Kleinigkeiten in einen “Verkaufsrausch” fielen (IGEL wie Eso). Und auch Homöopathika wurden mir und Freunden und Verwandten auch schon “angeboten”.
    Als Patient wird man angehalten prophylaktisch / zur Abklärung einen Arztbesuch anzutreten und dann dies. Solcherlei Erleben untergräbt bei mir die Plausibilität Ihres Arguments.
    Auch meine Erlebnisse in den USA (allerdings West- nicht Ostküste) gehen in eine ähnliche Richtung auch wenn H. dort nicht so hoch im Kurs stand.

    @Kassandra: Man benötigt in der Tat kein Fachwissen, um die Homöopathie einem Plausibilitätscheck zu unterwerfen. Was allerdings den “Fanatismus” der Gegner anbelangt: Nun, die Apologeten der Homöopathie greifen mir Ihren Behauptungen nicht nur das Fundament der Wissenschaft an (wenn Sie funktionieren könnte, würde unser erfahrbarer Alltag anders aussehen, weil schlicht die ges. Thermodynamik über den Haufen geworfen würde) sie greifen mit Lug und Betrug auch in die Taschen aller Mitbürger und vergiften auch das Vertrauen in fachlich gute Wissenschaft.

    Klingt hart? Ist es auch. (Vielleicht zu hart, denn neben den dreisten Lügnern gibt es natürlich auch Gläubige, die nicht wissen, was sie da sagen.) Wenn man so schreibt oder spricht kommt man jedenfalls nicht an. Vielleicht sollten wir alle einen Kurs in gewaltfreier Kommunikation machen. Doch ehrlich: Wissenschaft sozialisiert einfach anders.

    Man sollte jedoch insb. solche Threads in einem Punkt nicht allzu ernst nehmen: Jedenfalls schreibt mancher hier, weniger zurückgenommen, als bei der Vorsicht, die Kommunikation im Alltag abverlangt. Man wähnt sich anonym …