Dass es in einem reichen Land wie den USA überhaupt ein Problem mit Hunger und Mangelernährung gibt, ist an sich schon eine Schande. Aber es trifft mich ganz persönlich und ganz hart, wenn ich in der Washington Post lese, dass mehr als ein Drittel aller Studentinnen und Studenten in den USA nicht genug zu essen haben: The hidden crisis on college campuses: 36 percent of students don’t have enough to eat. Warum mich das besonders betrifft? Weil ich erstens einen Sohn habe, der im Herbst dieses Jahres sein College-Studium beginnen wird – vor allem aber, weil ich als Dozent am MIT jeden Tag mit so vielen Studentinnen und Studenten zu tun habe, dass ich allein schon rein statistisch tagein und tagaus diesem Problem begegne. Leider nur allzu oft, ohne es zu wissen. In jedem Fall habe ich schon mal ein paar Snacks eingekauft, damit ich wenigstens in dem kleinen Abend-Seminar (neun Studentinnen und Studenten), das gleich anfängt, dafür sorgen kann, dass niemand hungrig sein muss…

Der Artikel beruht übrigens auf einer Studie des Wisconsin Hope Lab, das der Fakultät für Erziehungswissenschaften der University of Wisconsin angegliedert ist. Den Bericht kann man sich hier herunterladen.

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Kommentare (11)

  1. #1 rolak
    4. April 2018

    Hmm, der intensive Kontakt zur Szene ist schon länger vorbei, doch wenn mich die Erinnerung nicht trügt, war es um ’80 herum zumindest ähnlich (inklusive nicht gerade seltenem couch surfing). Allerdings führte das damals™ verstärkt zu WG-Bildungen und (Lern- und) Kochgrüppchen, was das Sparen am Essen etwas abfederte. Mal suchen, ob für diese Ära auch irgendwelche Daten zu finden sind…

    dafür sorgen

    MagenGrummeln-gesteuerter Zielwurf? Im Wortsinne sehr entgegenkommend…

  2. #2 Bullet
    5. April 2018

    @Jürgen: Link am Textende kaputt. Man kann die Information erkennen, aber scheen is nich. :)

  3. #3 Jürgen Schönstein
    5. April 2018

    @Bullet
    Ist korrigiert. Manchmal genügt schon ein klitzekleiner Fehler im HTML-Code…

  4. #4 Bullet
    10. April 2018

    @Jürgen. Ich weiß. Speziell wenn man dann beim “fast fertigen” Artikel nochmal nur kurz was hinzufügen will…
    Aber zum Topic: ich habe wirklich ernthafte Schwierigkeiten, mir vorzustellen, daß solche wie hier von dir geschilderten Verhältnisse in Deutschland möglich sind. Klar, es kann vorkommen, daß die (wirklich nicht gerade bilige) Literatur, die zum Studium benötigt wird, aus Geldmangelgründen dann doch nicht angeschafft wird und man dann bei Freunden in die Bücher spicken muß. Aber daß selbst in der ohnehin schon recht privilegierten Gruppe der Studenten so elementare Bedürfnisse nur mangelhaft befriedigt werden können, ist so beschämend wie schockierend – und natürlich skandalös.

    Oder hab ich was mißverstanden und es gibt generell keine so harten Zugangsbeschränkungen an amerikanischen Universitäten? Hierzulande ist ja in den allermeisten Fällen ein Abitur vonnöten.

  5. #5 Jürgen Schönstein
    10. April 2018

    @Bullet
    Ein Studium in den USA ist ja etwas anders als in Deutschland – denn der Highschool-Abschluss, auch wenn man darauf wie in Deutschland 12 Jahre zuarbeitet, entspricht nicht der “allgemeinen Hochschulreife” eines Baccalaureats (um mal einen internationalen Sammelbegriff für Abschlüsse nach der Art des deutschen Abiturs zu nehmen). Das College-Stuium enthält, vor allem in den ersten vier Semester, eine “general education”-Komponente, die typischer Weise sogar Pflicht-Leistungen in Sport enthält.

    Das bedeutet aber auch, dass sich ein Studienplatz nicht einfach “ausrechnen” lässt (wie es zumindest zu meiner Zeit möglich war, als ein bestimmter Abitur-Notendurchschnitt den Zugang zu bestimmten Studienfächern und eventuell sogar zu bestimmten Studenorten für diese Fächer praktisch garantierte). Colleges und Universitäten wählen ihre Neuzugänge individuell aus; wer irgendwo studieren will, muss sich in einem vergleichsweise aufwändigen Verfahren (das oft auch individuelle Interviews einschließt) um einen Studienplatz bewerben. Das gilt übrigens für öffentliche und private Unis (von denen es hier in den USA natürlich wesentlich mehr gibt als in Deutschland) in gleicher Weise.

    Teil dieses Aufnahmeprozesses ist auch die Festlegung der Studiengebühren – genauer gesagt: der Zuschüsse zu den Studiengebühren, die diese Colleges gewähren. Da hat jede Institution ihre eigenen Regeln; typischer Weise spielt dabei die finanzielle Leistungsfähigkeit der Studierenden bzw. ihrer Familien eine Rolle, aber auch die schulischen Leistungen, oder irgendwelche besonderen Talente (im Sport oder der Kunst – worauf das jeweilige College halt besonden Wert legt).

    Doch der Haken ist, dass selbst ein volles Stipendium nicht alle Kosten abdeckt; Unterkunft und Verpflegung wird dabei nicht als förderungswürdig erachtet. Und das kostet bei den meisten Colleges (zumindest bei denen, die ich aus eigener Anschauung kenne) trotzdem noch gute 2000 bis 3000 Dollar im Monat…

    Der Haken ist halt, dass sich die Unis, ob staatlich oder privat, weitgehend selbst finanzieren müssen (und manche privaten sogar Profit abwerfen müssen). Und darum sind die Studienkosten seit Jahren überdurchschnittlich gestiegen. Und unterm Strich müssen die Studentinnen und Studenten die Zeche zahlen – was manchmal im wörtlichen Sinn bedeutet, dass sie sich ihr Studium vom Mund absparen, weil eben alle finanziellen Reserven schon ausgereizt sind.

  6. #6 Bullet
    19. April 2018

    Okay, DAS ist etwas, was ich in der Deutlichkeit noch nicht gehört hatte. Klar, es gibt da immer wieder Hinweise – auch hierzulande aufschnappbar – , aber daß man sich entweder alle zwei Monate ein nicht wirklich altes Auto kaufen oder “ein bissl studieren” kann, ist wirklich hart. Da ist es natürlich kein Wunder, wenn Bildung dieser Klasse ein in einer unangenehmen Ecke positioniertes Privileg ist. Ich selber habe mir mein Studium quasi vom Taschengeld finanziert. Für einen US-Amerikaner muß allein dieser Satz übelst arrogant klingen…

  7. #7 Stephan
    24. April 2018

    #6
    Komisch, ich habe ein Stipendium bekommen und alle alle, die ich kenne auch.

  8. #8 Bullet
    24. April 2018

    BAFöG?

  9. #9 Stephan
    26. April 2018

    Nein, Stipendium, so wie alle anderen auch.

  10. #10 anderer Michael
    30. April 2018

    2000-3000 Dollar pro Monat Kosten für Verpflegung und Unterkunft, trotz eines möglichen Stipendiums. Es ergibt sich ein Schuldenberg von um die 100.000 bis 144.000$ nach einen vierjährigen Studium( sofern keine familiäre Unterstützung). Klingt hier in Deutschland noch unvorstellbar. ( denke ich an die Mieten, 700 Euro für ein Zimmer in einer Kölner WG, droht uns das bald auch).

  11. #11 anderer Michael
    30. April 2018

    “Immer wieder muss die Studentin entscheiden, ob sie zur Uni fährt oder fürs Abendessen einkauft. “Bevor es die Suppenküche gab, war ich tagsüber oft hungrig und unkonzentriert”, erzählt sie. Jetzt ist sie sicher, dass sie durchhält.”

    Ein Zitat aus diesem Zeitungsbericht über das Studium in den USA .
    https://www.zeit.de/2016/03/studiengebuehren-usa-wahlkampf-schulden-uni-absolventen/seite-2

    Irgendwie unfassbar. Die Studierenden Ihres Abendseminars werden Ihnen die Snacks garantiert wegfuttern.