Dass Rauchen nicht sonderlich gesund ist, weiß heute jeder. Vor allem mit Herzkreislaufkrankheiten, Atemwegserkrankungen und Krebs bezahlen Raucher/innen für ihr Vergnügen. Die Vermutung, dass Rauchen Krebs verursacht, wurde übrigens vor genau 100 Jahren von Isaac Adler formuliert, zu einer Zeit, als Lungenkrebs noch zu den medizinischen Raritäten gehörte. Der amerikanische Historiker Robert Proctor weist darauf in einer eben veröffentlichten Abhandlung hin. Etwa 40 Jahre später galt der Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs als gesichert, nur die Tabakindustrie wollte noch einige Jahrzehnte länger offiziell nichts davon wissen. Das ist Geschichte.

Seit Jahren häufen sich nun die Befunde, dass auch das Passivrauchen der Gesundheit schadet, angefangen von einer Schädigung des ungeborenen Lebens über eine Erhöhung des Risikos für den plötzlichen Kindstod und des Risikos für Atemwegserkrankungen bei Kindern bis hin zu vorzeitigen Sterbefällen bei Erwachsenen, die statistisch dem Passivrauchen zugerechnet werden. Das war mit ein Anlass, den Nichtraucherschutz zu verbessern und das Rauchen in öffentlichen Räumen einzuschränken. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Nach der Einführung von Rauchverboten in öffentlichen Räumen wurde eine Serie von Studien veröffentlicht, die diese Rauchverbote mit einem Rückgang von Herzinfarkten in Zusammenhang brachte. Die Raucherlobby hat diesen Zusammenhang als „Herzinfarktwunder” bestritten und ihre Kritik u.a. auf die Behauptung gestützt, dass die Studien selektiv Regionen mit einem Rückgang der Herzinfarkte herausgreifen würden, obwohl es auch Regionen gäbe, in denen sich kein Rückgang der Herzinfarkte zeige. In der Tat war die Studienlage anfangs durch Studien in kleineren Regionen geprägt, mit der Zeit kamen größere Studien hinzu. Eine große Studie dieser Art, die gerade durch alle Medien geht, wurde heute auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt. Sie evaluiert den Nichtraucherschutz in Deutschland. Grundlage sind die Daten der DAK-Versicherten in Deutschland. Die Studie verzeichnet einen Rückgang von stationären Angina Pectoris-Fällen um 13,3 % und einen Rückgang von akuten Herzinfarkten von 8,6 % im Zusammenhang mit der Einführung der Rauchverbote hierzulande. Eine solche Studie war überfällig, über die gesundheitlichen Auswirkungen der Rauchverbote in Deutschland war bisher kaum etwas bekannt. Angesichts der deutlichen positiven Effekte der Rauchverbote, die in dieser und in anderen Studien berichtet werden, fragt man sich, warum es nicht viel früher große Evaluationsstudien zum Nichtraucherschutz in Deutschland gegeben hat – und wann Studien mit den Daten anderer großer Krankenkassen folgen. Das Geld für die Studien wäre gut angelegt, wie die anhaltenden Debatten um den Nichtraucherschutz in einzelnen Bundesländern zeigen. Das Geld für solche Studien wäre jedenfalls gerade da.

Kommentare (61)

  1. #1 Ludger
    13. März 2012

    Die verschiedenen Bundesregierungen mussten doch zum Nichtraucherschutz getragen werden:

    Zitat aus http://www.welt.de/politik/article225986/EU_will_Verbot_der_Tabakwerbung_in_Deutschland_erzwingen.html
    Autor: WELT.de/dpa| 28.06.2006
    EU will Verbot der Tabakwerbung in Deutschland erzwingen
    Die Bundesrepublik muß vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH), weil die Bundesregierung das Werbeverbot für Tabakprodukte noch immer nicht umgesetzt hat. […]

    Der gemeine Raucher zahlt viele Steuern und braucht wenig Rente-was will der Staat mehr?

  2. #2 roel
    13. März 2012

    @Ludger “Der gemeine Raucher zahlt viele Steuern und braucht wenig Rente-was will der Staat mehr?” Ja schon, aber was ist mit Helmut Schmidt?

  3. #3 Joseph Kuhn
    13. März 2012

    Der gemeine Raucher zahlt viele Steuern und braucht wenig Rente-was will der Staat mehr?

    Das hört man oft, aber die volkwirtschaftliche Bilanz ist komplizierter, siehe die ersten Literaturstellen aus dem Literaturverzeichnis des hier verlinkten Textes.

  4. #4 Ludger
    13. März 2012

    roel·13.03.12 · 20:03 Uhr
    Ja schon, aber was ist mit Helmut Schmidt?

    Wegen solcher Leute brauchen wir Statistiken.

  5. #5 Joseph Kuhn
    13. März 2012

    Wegen solcher Leute brauchen wir Statistiken.

    Wegen “roel” und seiner anekdotischen Evidenz, oder wegen Helmut Schmidt und seiner statistisch außergewöhnlichen Tabakfolgenwiderständigkeit? 😉

  6. #6 Stefan
    13. März 2012

    Ich bin mein Leben lang Nichtraucher und ein Befuehrworter des Nichtraucherschutzes.
    Allerdings habe ich mir das aktuelle Paper heute mal im Original runtergeladen und durchgelesen. Mir fallen zwei Dinge auf, die ich als kritisch ansehe:

    1. In meinen Augen zeigt die kurve der allgemeinen Entwicklung (Herzinfarkt, KHK) bereits vor dem Punkt 0 (den haben die Forscher definiert als Einfuehrung des Rauchverbots) eine Tendenz nach unten, die nach dem Punkt null nur fortgesetzt ist.

    2. Ich kann beim besten willen nicht die gesicherte (!) Kausalitaet zwischen diesen Dingen (Rauchverbot und Verbesserung der Situation) herstellen. Zum einen ist die KHK (Koronare Herzkrankheit) von mehreren Faktoren abhaengig und zum anderen ist die Dauer der Exposition gegenueber den Faktoren von grosser Wichtigkeit. Die Datenlage beinhaltet aber nur sehr wenige Jahre.
    Die meisten KHK Patienten sind aber eher Kanidaten, die Jahre oder Jahrzehnte Rauchen, Ueberwicht/Diabetes haben und keinen Sport treiben. Da soll eine Veraenderung in einem Zeitraum von fuenf Jahren solche Auswirkungen haben? Eine Veraenderung, die noch nichtmal den Lebensmittelpunkt (zu Hause) betrifft?

    Auch wenn ich sicher bin, dass Nichtrauchen fuer alle Menschen gut ist, kann ich die Euphorie ueber die Daten nicht teilen.

  7. #7 Pete
    13. März 2012

    Als Jemand, der in seinem ganzen Leben nicht eine Zigarette aktiv geraucht hat, begruesse ich das Rauchverbot schon aus einem Grund: Man kann endlich mal in (halb-)oeffentliche Raeume gehen (Gaststaetten etc.) und ohne, wie ein Aschenbecher zu stinken, wieder herauskommen. Meine schlimmste Zeit war bei der Bundeswehr. Einmal, weil ich Militaer nicht sonderlich mochte, dann, weil ich taeglich gut eingestunken wurde. Keine Ahnung, wieviele Zigaretten ich da passiv mitgeraucht habe…

    Ein anderer Aspekt: Vor Jahren sagte ein Kinderarzt in einer Radiosendung, er halte das Rauchen in Gegenwart von Kindern fuer Kindesmisshandlung.

    Und was den obengenannten Helmut Schmidt angeht, manche Leute haben eben Glueck, sie haben sich schon so gut geteert, dass ihnen nichts mehr anhaben kann. Dagegen steht, statistisch gesehen, der komplette Inhalt eines durchschnittlichen Verkerhsflugzeuges an Menschen, das jeden Monat allein in Deutschland abstuerzt. Gingen die monatlich etwa 300Toten durch Rauchen auf das Konto der Fliegerei, wuerde man schon reagiert haben. “Gluecklicherweise” sterben die Raucher unauffaelliger, da ist der Handlungsbedarf geringer…

    Pete

  8. #8 Dagda
    13. März 2012

    @Stefan
    Ein Rückgang der Herzinfarkte ist ja grundsätzlich erstmal gut ;), aber der beobachtete Rückgang an Herzinfarkten nach dem Rauchverbot deckt sich mit anderen Fällen:
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2951939/?tool=pubmed

  9. #9 Joseph Kuhn
    13. März 2012

    @ Stefan: Die Studie wird man sich sicher genau ansehen müssen. Nur kurz zu Ihren beiden Punkten:
    1. Die Trendaussage erschließt sich nicht aus der Grafik, sondern aus dem statistischen Modell.
    2. Bei koronaren Ereignissen sind, anders als bei Krebs, durchaus kurzfristige Effekte von Veränderungen der Exposition zu erwarten, die Autoren sprechen diesen Punkt explizit an. Ähnliches gibt es auch bei Schadstoffen im Straßenverkehr.

    Kritischer dürfte zu werten sein, dass auch in dieser Studie der Expositionsstatus nur indirekt (über die Einführung der Rauchverbote) und nur populationsbezogen und nicht direkt und individuell berücksichtigt werden konnte. Ich wüsste allerdings auch nicht, wie man das anders machen könnte. Interessant wäre vielleicht eine Analyse speziell mit Gastronomiebeschäftigten, weil hier die Expositionsveränderung besser zu fassen ist.

  10. #10 Joseph Kuhn
    13. März 2012

    Nachtrag: Sehe gerade, dass auf der DAK-Presseseite eine deutschsprachige Version der Studie abrufbar ist. Man muss allerdings erst mal auf die Idee kommen, zunächst den Studientitel und dann rechts den Button “pdf-Download” anzuklicken.

  11. #11 Marcus Anhäuser
    14. März 2012

    Was mich jedesmal bei diesen Studien stutzig macht (ähnlich wie Stefan oben): Kennt man denn den Mechanismus, der diese kurzen Effekte erklären kann. Wie so bekommen Menschen eher keinen Herzinfarkt, wenn sie seltener Rauch ausgesetzt sind.

    Welchen Einfluss hat Rauch und seine Inhaltsstoffe auf das Lösen von Bruchstücken der verkalkten Adern, die dann zu einem Verschluss führen (Herzinfarkt).

    Ich dachte immer Rauchen trägt langfristig mit zu Atheriosklerose bei und das führ dann unter anderen Umständen zu Herzinfarkt u.a. …

  12. #12 Mayl
    14. März 2012

    Rauchen ist sicherlich nicht gesund. Das steht fest!

    Aber ein normalgewichtiger / sportlicher Raucher lebt immernoch gesünder als ein Nichtraucher mit “schwerer” Adipositas. Und das vergessen die Leute gerne!

    Interessant fände ich eine Studie über den Einfluss des Benzinpreises auf die Gesundheit der Bevölkerung. Der hat ja 2005 / 06 nochmal nen ordentliche Knick nach oben gemacht. 😉

  13. #13 Unklar
    14. März 2012

    Gibt es Studien über die Schädlichkeit des Rauchens bei geringem Konsum (stete Frischluftzufuhr eingeschlossen)? Damit meine ich entweder eine einstellige tägliche Dosis von Zigaretten oder 2 Tage rauchen und 2 Tage aussetzen. Das müsste sich doch auch deutlich bemerkbar machen oder irre ich da?

  14. #14 Marcus Anhäuser
    14. März 2012

    @Mayl
    “Aber ein normalgewichtiger / sportlicher Raucher lebt immernoch gesünder als ein Nichtraucher mit “schwerer” Adipositas. Und das vergessen die Leute gerne!”

    Ist das so, Belege?

  15. #15 Physiker
    14. März 2012

    Ich verstehe nicht, wie einige (vorgeblich anscheinend immer Nichtraucher) die Kausalität zwischen Nichtraucherschutz und Rückgang von Atemwegs- und Herzerkrankungen immer nocht zurückweisen können. Eine einzelne Korrelation mag ja noch Zufall sein, aber wenn weltweit zu unterschiedlichen Zeitpunkten Massnahmen zum Nichtraucherschutz getroffen werden und in verschiedensten Ländern immer wieder die gleiche Korrelation gefunden wird, dann existiert erwiesenermassen eine Kausalbeziehung.

  16. #16 Marcus Anhäuser
    14. März 2012

    @Phyiker
    da stimmt schon, das ganze wird schon wahrscheinlicher, je mehr von dieser Studien gibt. Trotzdem würde ich ja gerne verstehen, wie das funktionieren soll. Wenn das alles so stimmt, wunderbar.

  17. #17 Physiker
    14. März 2012

    @Marcus Anhäuser:
    Sorry, mein Beitrag war nicht gegen Dich gerichtet. Ich bin ganz Deiner Meinung. Darüberhinaus sollte man aber die Kenntnis der Kausalität bei gleichzeitiger Unkenntnis des genauen Mechanismus als Stärke und nicht als Schwäche des wissenschaftlichen Vorgehens verkaufen: Insbesondere den Homöopathie-Anhängern, die fälschlicherweise meinen, dass die “Schulmedizin” nur mit Wirkmechanismus auskommt, kann man mit diesem Paradebeispiel begegnen. Denn wieder einmal zeigt sich:
    Science. It works bitches.
    (Übrigens ist grade das Plancksche Strahlungsgesetz ein tolles Beispiel für einen anfangs fast jahrzehnte langen unbekannten Mechanismus – und trotzdem passt die Kurve perfekt.)

  18. #18 Joseph Kuhn
    14. März 2012

    @ Marcus: Ich bin kein Mediziner, aber wenn ich die Diskussion um kurzfristige Effekte des Passivrauchens richtig verstehe, scheint die Wirkung von Feinstaub auf die Arterieninnenwände, deren Flexibilität und die Bluteigenschaften eine wichtige Rolle zu spielen. Das ist auch die Verbindung zu den Effekten des Straßenverkehrs auf Herzinfarkte. Mehr müsste man recherchieren, unter pubmed findet sich mit den Suchbegriffen short term effects air pollution myocardial oder coronary sehr viel Material, auch Metaanalysen und Reviews.

    @ Mayl: Auf jeden Fall lebt der nichtrauchende Sportler ohne Adipositas vergleichsweise gesund, zumindest wenn er daraus keine zwanghafte Gesundheitsreligion macht und seine sonstigen Lebensbedingungen auch gut sind 😉

    @ Unklar: Beim Rauchen gibt es eine Dosis-Wirkungsbeziehung, daher ist weniger Rauchen auch weniger schädlich, aber die eigentlich entscheidende gesundheitliche Schwelle ist Rauchen/Nichtrauchen.

  19. #19 Marcus Anhäuser
    14. März 2012

    @physiker
    hab das gar nicht persönlich genommen 🙂

    @Joseph Kuhn
    danke

  20. #20 roel
    14. März 2012

    @Joseph Kuhn Ich habe mich jetzt mal ein wenig schlauer gemacht und denke, dass der verbesserte Nichtraucherschutz seit 2005 nur einen Teil der Entwicklung erklärt. Laut http://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gastg&p_aid=&p_knoten=FID&p_sprache=D&p_suchstring=10114#m35 sank der Tabakkonsum gem. folgender Aufstellung.

    Hier mal zur Übersicht die Zahlen (zusammengetragen aus verschiedensten Quellen
    (http://www.dhs.de/datenfakten/tabak.html, http://de.wikipedia.org/wiki/Tabakrauchen):
    Jahr pro Kopf Veränderung
    Verbrauch
    2002 1760 +1,7%
    2003 1607 -8,7%
    2004 1355 -15,7%
    2005 1162 -14,2%
    2006 1135 -2,3% (rechnerisch Ermittelt aus Gesamtkonsum und Bevölkerungszahl)
    2007 1112 -2,0%
    2008 1071 -3,7%
    2009 1055 -1,5%
    2010 1021 -3,2%

    Die Studie fängt 2004 an, das Nichtrauchergesetz griff ab 2007. “Alle Bundesländer haben zwischen August 2007 und Juli 2008 Nichtraucherschutzgesetze
    eingesetzt. Wir haben eine Vorher-Nachher-Studie über den Zeitraum vom 1. Januar 2004
    bis einschließlich 31. Dezember 2008 für eine Kohorte von 3.700.384 Personen im Alter von
    30 Jahren und älter durchgeführt.”

    Ich denke, was die Studie zeigt ist die Wirkung des sinkenden Tabakkonsums seit 2003.

  21. #21 Angar
    14. März 2012

    Das ist auch die Verbindung zu den Effekten des Straßenverkehrs auf Herzinfarkte.

    2008 gab es in deutschen Städten signifikant weniger Tage mit erhöhter Feinstaubbelastung als 2007.

    http://www.faz.net/polopoly_fs/1.1600945!/image/1736582560.jpg_gen/derivatives/article_aufmacher_gross/1736582560.jpg
    (hab leider gerade nichts umfassenderes zur Hand)

    Anfang 2008 wurde auch die “Nationale Verzehrsstudie” vorgestellt. In diesem Zuge wurde dann ein halbes Jahr später der “Nationaler Aktionsplan Ernährung und Bewegung” gestartet.
    Also ganz offensichtlich ist der deutliche Rückgang an Herzinfarkten zum Ende des Jahres auf gesündere Ernährung und mehr Bewegung zurückzuführen. 😉
    Aber ernsthaft, von 2009 bis 2011 stieg die Zahl derjenigen, in deren Leben gesunde Ernährung eine mindestens große Rolle spielt, um 9%. In der Gruppe, die sich am wenigsten darum kümmert, sogar um 40%. Es scheint mir nicht unwahrscheinlich, dass dieser Trend auch schon 2008 zu erkennen gewesen wäre.
    http://www.nestle.de/Unternehmen/Nestle-Studie/Nestle-Studie-2011/Documents/Nestle%20Studie%202011_Zusammenfassung.pdf

    Und noch ein Wort zur DAK-Studie. In der RP steht:
    “Den Rückgang maßen die Forscher am vorher erwarteten Auftreten der Krankheiten.”
    Naja…

  22. #22 Wolfgang
    14. März 2012

    ein kurzfristiger Rückgang der Herzinfarkte durch Rauchverbote könnte doch auch dadurch erklärt werden, dass Infarktpatienten ja schon vorher eine suboptimale Durchblutung der Koronargefäße haben. Und durch Rauchen wird diese grenzwertige Sauerstoffversorgung durch Anstieg des Kohlenmonoxid im Blut überkritisch und es folgt ein Infarkt.
    Das wäre eine Hypothese gibt es dazu Studien?

  23. #23 roel
    14. März 2012

    @Angar im zunehmend steigenden Maße wird bei der Ernährung auf schnelle Zubereitung der Mahlzeit geachtet. Erstens im Restaurant, das sieht man in der Nestle-Studie daran das junge Leute wesentlich öfter in Fast-Food-restaurants essen als ältere. Zweitens ist in der Lebensmittelindustrie das neue Zauberwort Convenience. Gemeint ist damit schnelle, einfache Zubereitung, lange Haltbarkeit, alles vorgefertigt etc.. Frische Zubereitung fällt nicht darunter, die gesündeste Ernährung erhält man durch frisch zubereitete Produkte. Zurückkommend zur Nestle-Studie, dieses Verhalten scheint mir dort nicht berücksichtigt zu sein.

  24. #24 Angar
    14. März 2012

    @roel
    Der Trend hin zu kleineren, schnellen Mahlzeiten wird in der Studie ja klar beschrieben. Nur eine schnelle Zubereitung ist für mich erst mal kein Indikator für ungesunde Ernährung. Und frische Zubereitung ist gut, aber daraus kann man auch nicht auf gesunde Ernährung schließen.
    Und Convenience Food, nun ja, das Wort ist neu, aber doch die Sache nicht.

    Glaubst du nicht, dass es in den letzten Jahren eine gewisse Veränderung des Bewusstseins für Lebensmittel und Ernährung gegeben hat?

  25. #25 Joseph Kuhn
    14. März 2012

    @ roel: Der erste Link führt zu versteuerten Zigaretten. Das und die gerauchten Zigaretten sind zweierlei. Dessen ungeachtet: Die DAK-Studie macht explizit keinen Unterschied zwischen den Effekten, die durch den Rückgang des Rauchens und durch den Rückgang der Passivrauchbelastung zustandekommen. Das hängt mit dem schon angesprochenen Problem zusammen, dass der Expositionsstatus bei einem solchen Studiendesign nicht individuell festgestellt werden kann.

    @ Angar: Gibt es überhaupt kurzfristige Effekte der Ernährung auf koronare Ereignisse(vielleicht vom Alkoholkonsum abgesehen)? Und zum Benchmark “vorher erwartetes Auftreten”: Was sonst? Die gemessene Veränderung soll sich ja gerade vom fortgeschriebenen Trend abheben.

    @ Wolfgang: Ob diese Hypothese trägt und ob es dazu Studien gibt, weiß ich nicht, das müsste man recherchieren.

  26. #26 roel
    14. März 2012

    @Angar ich hatte auf Deinen Kommentar geantwortet, aber die Antwort ist im Nirvana verschwunden.

    Kurz zusammengefasst: Es gibt die “Geiz-ist-Geil”-Mentalität, die “Time is Money”-Mentalität, die “Ich will alles und zwar jetzt”-Mentalität und das war früher nicht so ausgeprägt. Wir kommen von der Großfamilie über große Familie über die 2Kinder-Familie zur Patchworkfamilie und Singelhaushalten. Das hat alles Einfluß auf unser Bewusstsein für Lebensmittel und Ernährung.

    Unter Convenience food in Deutschland fallen so Produkte wie Currywurst für die Mikrowelle oder Feinkostsalat. Die lange Haltbarkeit dieser Produkte wird durch Konservierungsmitte, Pasteurisation oder Sterilisation bis 120°C erzielt.

    Wenn immer mehr Personen zu diesen Produkten greifen, nehmen diese Personen immer mehr Konservierungsmittel, Verarbeitungshilfsmittel und kaputt sterilisierte Vitamine zu sich.

    Auf der anderen Seite wächst natürlich auch der Markt für “Produkte aus der Region” und Bioprodukte.

    Ich denke es sind verschiedene Gruppen die das konsumieren. Beide Gruppen wachsen zur Zeit, aber die erstere, denke ich, wächst mit jungen Leuten die 2. Gruppe mit älteren.

  27. #27 rol
    14. März 2012

    @ Marcus Anhäuser
    @ Joseph Kuhn
    Zu den medizinischen Zusammenhängen zwischen Rauchen bzw Rauchstopp
    und Herzinfarkt/Koronare Herzerkrankung ist auch folgender Artikel (free) hilfreich:
    Cardiovascular Effect of Bans on Smoking in Public Places- A Systematic Review and Meta-Analysis
    http://content.onlinejacc.org/cgi/content/full/54/14/1249

    Zitat (Literaturstellen weggelassen)
    “The beneficial effect of smoking bans seems to be rapid, with declines in AMI incidence within 3 months. Among smokers, incident ACS is reduced within days after smoking cessation. In nonsmokers, even brief exposure to SHS has been associated with changes in platelet activation, vascular elasticity, endothelial function, heart rate variability, and lipid metabolism, supporting the biological plausibility of smoking bans’ effect on AMI.”

    Gruß aus Amberg!

  28. #28 roel
    14. März 2012

    @Joseph Kuhn Ah ja, versteuerte Zigaretten. Klar, ich habe den Schwarzmarkt und die Importe aus den Urlaubsreisen nicht berücksichtigt. Danke für den Hinweis. Dann recherchiere ich mal, ob es hierzu Angaben gibt.

    “Die DAK-Studie macht explizit keinen Unterschied zwischen den Effekten, die durch den Rückgang des Rauchens und durch den Rückgang der Passivrauchbelastung zustandekommen.” Ich gehe davon aus, dass je weniger geraucht wird desto weniger wird passiv mitgeraucht. Und natürlich hat man einen Sprung (dann 2007), wenn das passive Mitrauchen durch Rauchverbote innerhalb von Räumlichkeiten begrenz wird.

  29. #29 Joseph Kuhn
    14. März 2012

    @ roel:

    Ich gehe davon aus, dass je weniger geraucht wird desto weniger wird passiv mitgeraucht.

    Was ja naheliegt. Und die Befürchtung, dass Rauchverbote in öffentlichen Räumen dazu führen könnten, dass zuhause mehr geraucht wird (was wegen der betroffenen Kinder höchst bedenklich gewesen wäre), hat sich erfreulicherweise auch nicht bestätigt. Was den vermissten Kommentar angeht: Im Spamfilter hängt er jedenfalls nicht – hat sich vermutlich in Rauch aufgelöst.

    @ rol: Danke für die Verlinkung und Grüße zurück.

  30. #30 Angar
    15. März 2012

    @ Joseph Kuhn

    “Gibt es überhaupt kurzfristige Effekte der Ernährung auf koronare Ereignisse(vielleicht vom Alkoholkonsum abgesehen)?”

    Das weiß ich nicht. Ich komme auch nicht aus der Medizin, hab von KHK also eh kaum einen Schimmer. Ich weiß nur, dass Ernährungsumstellung zur Intervention zumindest unterstützend genutzt wird, wie eben die Einstellung des Zigarettenkonsums auch.

    Und zum Benchmark “vorher erwartetes Auftreten”: Was sonst? Die gemessene Veränderung soll sich ja gerade vom fortgeschriebenen Trend abheben.

    Dann soll man das auch schreiben. Ich mag es nicht, mir Studien anschauen zu müssen, nur um Daten einer Presseerklärung einschätzen zu können.

    @roel

    Wenn immer mehr Personen zu diesen Produkten greifen …

    Machen denn das die Leute?

  31. #31 roel
    15. März 2012

    @Joseph Kuhn Zum Zigaretten-Schwarzmarkt finde ich keine genauen Angaben. Angeblich war dieser Markt Ende 2005 rapide auf 18,5% gewachsen. Genauere Zahlen finde ich leider nicht. Aber, was ich ziemlich interessant finde, die Daten werden teilweise aus Analysen des Hausmülls gezogen. Aus http://www.focus.de/finanzen/steuern/zigaretten_aid_103901.html “Im Ruhrgebiet fanden die Müllauswerter immerhin noch 16,6 Prozent unversteuerte Zigarettenpackungen.”

    @Angar “Machen das die Leute denn”? Den Berichten zu folge ja, Convenience Food wird meistens als wachsender Markt beschrieben, z.B. hier http://www.bve-online.de/markt_und_statistik/marktinformationen/chilled_food/ .

  32. #32 Angar
    15. März 2012

    @roel
    Hmm, das war jetzt nicht das, was ich mir unter Convenience Food vorgestellt hatte. Aber natürlich hast du Recht, es gehört sicherlich dazu.

    Ich zitiere mal kurz:
    “Hinter dem Begriff Chilled Food verbirgt sich eine breite Palette verschiedener Produkte. Kennzeichnend ist, dass es sich dabei vor allem um gekühlte, qualitativ hochwertige Frischeprodukte ohne Konservierungsstoffe handelt. Das Sortiment umfasst u.a. Produkte wie frische Teig- und Kartoffelprodukte, Salate, Soßen, Säfte, Gemüse und Smoothies. Alle Produkte lassen sich innerhalb kürzester Zeit zubereiten oder sind bereits verzehrfertig.”

    Jetzt haben wir das Problem, ohne Konservierungsstoffe. Ist das nun gut, weil keine drin sind, oder schlecht, weil die Ware bei normaler Kühlung natürlich ihren Nährwert verlieren kann?

    Wenn nun die Menschen angeben, sich bewusster zu ernähren, worauf zielt diese Aussage überhaupt ab? Essen sie weniger ‘schnelles Essen’? Spielt die Art der Konservierung eine Rolle? Oder denken sie sich nicht einfach, lieber ‘nen konservierten Smoothie als ‘ne Müllermilch, oder bei McD heute mal lieber einen fertigen Salat nehmen, als einen frisch zubereiteten Burger? Für mich jedenfalls klingt das ok.

  33. #33 roel
    15. März 2012

    @Angar Ja, ich wußte, dass sich das widerspricht. In Deutschland ist viellmals, und in größeren Mengen, Feinkostsalat, Mikrowellengerichte und vorgefertigte Tiefkühlgerichte gemeint. Etwas passender dazu dann jetzt dieser Link http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Verbraucher/Wachstumsmarkt-Convenience-Food-schnelles-Schnitzel-aus-dem-Toaster_article1212920267.html .
    Das Problem ist die passenden Statistiken sind nur auf den kostenpflichtigen Seiten einzusehen und das Material das ich habe, darf ich nicht herausgeben.

    Das größte Wachstumspotential im Convenience-Food in Deutschland wird dem Bereich der frischen Conveniende Produkte zugetraut. Dieser Bereich ist in GB und NL sehr viel größer als in Deutschland. Und dazu finden sich dann auch viele Daten, weil diese frischen Produkte als gesund beworben werden können.

    Der andere Teil ist dann Fertiggerichte, wie z.B. Feinkostsalate und Currywürste. Seitdem ab 2001 in Deutschland die Aufmachung der Feinkostsalate geändert wurde und diese stark beworben wurden, hat sich der Absatz explosionsartig entwickelt. Das gleiche gilt für mikrowellenfertige Gerichte wie Currywurst, Schaschlick, Grünkohleintopf, die ab ca. Ende 2002 auf den Markt kamen. Leider finde ich hier keine freiverfügbaren Daten.

    Also teilt sich der Convenience Markt grob in gesunde und in nicht ganz so gesunde Produkte auf. Bei den Smoothies muss man allerdings näher hingucken, da bevorzuge ich die mit der kürzeren Haltbarkeit.

  34. #34 Angar
    15. März 2012

    Eigentlich hatte ich nach Stoff zur kurzfristigen Intervention bezüglich Nahrung geschaut, allerdings betrachten die Studien alle einen wesentlich längeren Zeitraum.

    Wie dem auch sei, ich hab zufällig etwas hierzu gefunden:
    “Aber ein normalgewichtiger / sportlicher Raucher lebt immernoch gesünder als ein Nichtraucher mit “schwerer” Adipositas. Und das vergessen die Leute gerne!”

    Quote:
    Körperliche Aktivität
    […]
    Menschen, die körperlich fit sind, weisen im Vergleich zu körperlich untrainierten Personen eine reduzierte Gesamt- und kardiale Mortalität auf. Dieser Vorteil zeigt sich unabhängig vom Rauchverhalten, dem Cholesterinspiegel, arterieller Hypertonie oder Komorbidität.
    http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta261_bericht_de.pdf

    @roel
    “Bei den Smoothies muss man allerdings näher hingucken, da bevorzuge ich die mit der kürzeren Haltbarkeit. ”
    Wir haben seit letztem Jahr endlich einen vernünftigen Mixer, seitdem mach ich die nur noch selber 🙂

  35. #35 Dagda
    15. März 2012

    @Angmar

    Wie dem auch sei, ich hab zufällig etwas hierzu gefunden:
    “Aber ein normalgewichtiger / sportlicher Raucher lebt immernoch gesünder als ein Nichtraucher mit “schwerer” Adipositas. Und das vergessen die Leute gerne!”

    Hm naja ihr Link belegt die Aussage die von @Mayl ja nicht wirklich, oder? Den das sportliche Raucher gesünder sein können als nichtsportliche Raucher klingt logisch.
    Was ich an solchen Aussagen wie der von Mayl schwierig finde, ist dass beides a priori nichts miteinander zu tun hat, Rauchen und Adipositas sind beides wichtige und schwerwiegende Risikofaktoren und idealerweise sollte man beide angehen.

  36. #36 BreitSide
    15. März 2012

    xxx

  37. #37 Angar
    15. März 2012

    @Dagda
    Klar, beides ist wesentlich und nur schwer zu vergleichen. Es werden in der Untersuchung auch ‘Ungereimtheiten’ im direkten Vergleich der behandelten Studien aufgezeigt, jedenfalls soweit ich das beim überfliegen feststellen konnte. Aber das spielt hierfür eigentlich keine Rolle.
    Das Dokument ist leider schreibgeschützt, daher kann ich nicht kopieren, und abschreiben mag ich jetzt nicht. Nicht ganz wörtlich wird gesagt:
    “Ein indirekte Vergleich ist aufgrund der relativ geringen Studienzahl nur sehr eingeschränkt möglich. Körperliches Training scheint jedoch die Sterberate effektiver zu senken als die anderen Interventionen. Alle diesbezüglich relevanten Studien zu körperlichen Training zeigen einen Vorteil in dieser Interventionsgruppe.” Auf Rang zwei werden übrigens Psychosoziale Interventionen genannt.
    (Seite 202 PDF , unten)

  38. #38 Joseph Kuhn
    15. März 2012

    Bei Leonardo kann man einen kurzen Beitrag der WDR-Wissenschaftsredaktion mit der Journalistin Ruth Schulz anhören. Dieser Beitrag spricht zum einen richtig das Problem der Expositionsbestimmung an, zum anderen irritiert er etwas. Ruth Schulz hätte sich die Studie “genauer angesehen”, heißt es. Das sollte man in der Tat tun, schwache Stellen wird es auch hier geben und sie sollten identifiziert und diskutiert werden. Aber dann kommen ein paar Dinge, die nicht dafür sprechen, dass sich Ruth Schulz die Studie wirklich genauer angesehen hat. Sie spricht von “3,7 Millionen Krankenhauspatienten”. Wenn ich mich nicht völlig verlesen habe, geht es aber um 3,7 Mio. Versicherte. Dann heißt es, man hätte nicht “genau hingesehen, ob sie vorher Raucher waren oder nicht.” Das war keine Frage des Hinsehens, dieses Merkmal ist in den Routinedaten der gesetzlichen Krankenkassen einfach nicht enthalten, sie machen ja keine Risikoprüfung vor Versicherungsabschluss, anders als die privaten Krankenkassen. Es folgt noch eine Kritik an dem kurzen Nachuntersuchungszeitraum, im Prinzip nicht ganz unberechtigt, wobei das von der Frage der Existenz kurzfristiger Effekte des (Passiv-)Rauchens bzw. des Endes der Rauchbelastung getrennt werden muss. Ein längerer Nachuntersuchungszeitraum würde es erlauben, das Wirksamwerden solcher kurzfristigen Effekte durch die Rauchverbote besser von anderen in dieser Zeit denkbaren Einflussfaktoren zu trennen. Dass es “an sich” kurzfristige Effekte durch die Rauchbelastung gibt, ist dagegen gesichert. Am Ende kommt dann noch ein nicht ganz nachvollziehbarer Hinweis darauf, dass es ja eine Studie einer Krankenkasse sei, “eines Unternehmens, das vielleicht auch Werbung für sich machen will”. Das will die DAK ganz sicher, aber korrumpiert das die Studie, so wie die Finanzierung einer Studie durch die Tabakindustrie angesichts der Wissenschaftspolitik dieser Industrie aus guten Gründen unter Korruptionsverdacht zu stellen ist? Also, ein Glanzlicht des WDR-Wissenschaftsjournalismus war das sicher nicht.

    Nachtrag: Eine Überlegung dazu, was es für die Studie bedeutet, dass die DAK-Versicherten keine repräsentative Stichprobe aus der Gesamtbevölkerung sind und z.B. der Frauenanteil erhöht ist, habe ich wieder gestrichen. Das müsste man sich am empirischen Material ansehen.

  39. #39 Joseph Kuhn
    15. März 2012

    @ Dagda, @ Angar: Um den “Streit” bei diesem OT-Thema etwas zu schlichten: Bewegung ist einer der ganz wichtigen gesundheitsförderlichen Verhaltensfaktoren, umgekehrt Bewegungsmangel ein gravierender Risikofaktor. Das gilt nicht nur unter präventiven Gesichtspunkten, sondern auch in der Kuration. Selbst die Verläufe bei Krebserkrankungen werden durch Bewegung positiv beeinflusst. Die Studienlage ist da inzwischen beeindruckend.

  40. #40 Dagda
    15. März 2012

    @ Angmar @ Joseph Kuhn
    Hm ich wollte eigentlich keinen Streit vom Zaun brechen 😉
    Ich hab mich eigentlich nur am Ausgangszitat von Mayl gestört; Ich finde es immer irritierend wenn Risikofaktoren für ein und die selbe Krankheit gegeneinander abgewogen werden. Und dann ist Adipositas auch noch so ein schlechtes Beispiel, da es ja im Bezug auf die KHK eher ein Risikofaktor für Risikofaktoren (Cholesterin, Lipide und Diabetes etc.) ist als ein eigenständiger Risikofaktor.
    Dagegen sind Sport und Bewegung auch laut Leitlinien ein wichtiger Bestandteil bei jeder (primär sekundär tertiär etc.) Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen.

  41. #41 Maya
    16. März 2012

    Zum Thema Rauchen fällt mir auch etwas ein…
    Wer Kinder davon abhalten will, zum Glimmstängel zu greifen, macht’s einfach wie meine werten Eltern: WETTEN. “Kind, wenn du bis 18 Jahre nicht rauchst, bekommste den Führerschein” – Danke Papa. Opa zog gleich mit: Zum 18. gabs den Führerschein und ein Auto…

    Also: Rauchfrei macht glücklich! Zumindest mich 🙂

    Pharma-Werbe-URL zu Healthexpress in England gelöscht. Wer aufhört zu Rauchen, sollte auch nicht anfangen, in England Medikamente online zu bestellen.

  42. #42 Joseph Kuhn
    17. März 2012

    Vorgestern hatte ich eine Kritik an der DAK-Studie aus der Leonardo-Wissenschaftsredaktion kommentiert. Diese Kritik war ziemlich seicht und hat zur Klärung des Sachverhalts eigentlich nichts beigetragen. Anders sieht es mit einer Kritik an der Studie von Bastian Rottinghaus auf Telepolis aus. Das sind Argumente, die zu diskutieren und hoffentlich auszuräumen sind, sonst ist man gegenüber der mehr oder weniger plausiblen Annahme, dass angesichts unstrittiger gesundheitlicher Schädigungen des Herz-Kreislaufsystems durch Tabakrauch Rauchverbote hier wohl irgendwie nützen, nicht wirklich weiter.

  43. #43 Dagda
    17. März 2012

    Vorweg die DAK Studie ist jetzt für sich genommen nicht so überzeugend, insbesondere die Daten zum Auftreten von Herzinfarkten wirken für mich nicht so überzeugend, allerdings ist sie ja nur eine von einer ganzen Reihe von Studien, die den Zusammenhang von Rückgang von Herzinfarkten und einem Rauchverbot zeigen.
    Der ökologische Fehlschluss scheint mir nicht vorzuliegen, den dass Rauchen und Passivrauchen Einfluss auf Angina Pectoris und AMI haben, ist gut belegt und wichtiger noch der Zusammenhang zwischen Rauchverboten und Abnahme von AMI und AP wird immer wieder beobachtet.

    Hier zeigt sich indes, dass zwar tatsächlich ein verstärkender Effekt des Passivrauchens auf die Wahrscheinlichkeit ausgeht, eine ischämische Herzkrankheit zu erwerben, doch ist dieser Effekt erst nach einer Exposition von täglich mehr als vier Stunden, über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren auch statistisch signifikant. Dass eine solche Expositions-Konstellation vor allem auf den häuslichen Bereich zutrifft, liegt auf der Hand. Und hier kann die Nichtraucherschutzgesetzgebung keine direkte Wirkung entfalten.

    Das ist ziemlich irrelevant. Dies belegt erstmal nur, dass Passivrauchen das AMI-Risiko erhöht, zeigt sich sogar ein Dosis Wirkungseffekt. Solange nicht klar ist ob es einen Schwellenwert gibt, bis zu dem Passivrauch ungefährlich ist, sollte man davon ausgehen dass es diese Schwelle nicht gibt, also Passivrauch Herzinfarkte begünstigt.

  44. #44 Dagda
    17. März 2012

    Im letzten Absatz fehlt ein “es”. Mist

    Etwas anderes ist die Behandlung dieser Studien in den Medien. Ich habe das nicht verfolgt, aber es wäre jetzt nicht ungewöhnlich wenn auch diese Studie in den Medien als die endgültig beweisende ultimative Superstudie dargestellt wurde, statt als das vermutlich eher kleine Puzzleteil das sie ist.

  45. #45 Joseph Kuhn
    17. März 2012

    @ Dagda: Die Frage, die an die Studie zu stellen ist, ist nicht die, ob sie nachweisen kann, dass Passivrauchen das Risiko für koronare Ereignisse erhöht. Das kann sie nicht. Das muss sie auch nicht. Das haben andere Studien mit anderem Studiendesign geleistet, die Autoren weisen darauf hin. Die Studie soll aber die Evidenz dafür erhöhen, dass Rauchverbote das Risiko für koronare Ereignisse verringern (erst einmal unabhängig davon, zu welchem Anteil dies auf Aktiv- oder Passivrauchen zurückgeht). Dazu gibt es, wie schon im Blogbeitrag berichtet, inzwischen eine ganze Reihe von Studien. Die sind von unterschiedlicher Qualität und die Studienlage insgesamt war immer dem Vorwurf eines publication bias dergestalt ausgesetzt, dass Studien aus Regionen mit einem Rückgang von Herzinfarkten publiziert worden seien, dagegen keine Studien aus Regionen ohne Rückgang. Diese Kritik ist erst einmal nicht von vornherein als irrelevant abzutun. Sie hat durch die Zunahme der Zahl von Studien mit immer gleichem Befund, mit den neueren größeren Studien und mit den Metaanalysen zwar an Gewicht verloren, die Möglichkeit, dass ein solcher publication bias vorliegt, ist dennoch nicht vom Tisch. Wie in einem Indizienverfahren, oder wie Sie sagen, bei einem Puzzle, kommt es darauf an, Studien aus mehr Regionen zusammenzutragen und sich auch die Regionen anzusehen, in denen es angeblich oder tatsächlich keinen Rückgang der Herzinfarkte nach einem Rauchverbot gibt. Dabei muss ein negativer Befund noch nicht gegen die Wirkung von Rauchverboten sprechen, diese Wirkung kann ja durch andere Einflüsse überlagert werden, aber das muss plausibel aufgezeigt werden und das Argument gilt natürlich auch anders herum, d.h. dort, wo ein Rückgang von Herzinfarkten festgestellt wird, muss er mit den Rauchverboten in Verbindung zu bringen sein. Die DAK-Studie hat bei diesem Indiziensammeln hohe Bedeutung, weil sie ganz Deutschland abdeckt und eine große Zahl von Versicherten einbezieht. Sie muss vor allem zwei Fragen beantworten: 1. Ist ein Rückgang von Herzinfarkten festzustellen (oder könnte das ein Artefakt der betrachteten Zeiträume sein) und 2. Ist der festgestellte Rückgang mit guten Gründen auf die Rauchverbote in Deutschland zurückzuführen (oder könnten dafür genauso gut andere Einflüsse verantwortlich sein). Beides ist nicht trivial und Herr Rottinghaus stellt das zweimalige “ja” der Studie darauf infrage – das darf er. Ich bin auf die weitere Diskussion gespannt.

  46. #46 Dagda
    17. März 2012

    Hm vielleicht hab ich mich nicht klar genug ausgedrückt;
    Natürlich kann man in Frage stellen inwieweit die DAK Studie die beiden Fragen tatsächlich beantwortet; Nur überzeugt mich seine Argumentation nicht wirklich. Er argumentiert ja im wesentlichen mit 2 Argumenten:
    Zum einen die Scheinkorrelation: Wenn die DAK Studie die einzige wäre, die hier einen Zusammenhang beobachtet, wäre dies in der Tat relevant, aber da es wie sie ja sagen mittlerweile eine ganze Reihe von Studien zu diesem Thema gibt und es zudem einen plausiblen Wirkmechanismus gibt, wird eine Scheinkorrelation doch zusehends unwahrscheinlicher.
    Interessanter ist hier ja die Frage warum es zu diesem Rückgang kommt. Weil durch Rauchverbotsgesetze Nichtraucher geschützt werden oder weil mehr Raucher mit dem Rauchen aufhören?
    Zum anderen die Frage nach der Wirkung des Passivrauchens:
    In der vom Autor zitierten Studie wird eine Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen Passivrauchen und Herzinfarktwahrscheinlichkeit festgestellt; Das wirft die Frage auf ob die fehlende Signifikanz bei geringerer Exposition eine Folge des fehlenden Effektes ist oder nicht einfach Ausdruck der fehlenden statistischen Power und falls das der Fall sein sollte wie groß diese Effekte dann wären.

  47. #47 Martin J. B.
    18. März 2012

    zu: Einführung der Rauchverbote
    Ok, rauchen ist schädlich etc.
    Dennoch finde ich jetzt den Vorschlag “Rauchen in Biergärten” einzuführen etwas übertrieben. Irgendwo gibt es meiner Meinung nach auch Grenzen. Rauchverbot in Lokalen und Gaststätten, aber bei einem Rauchverbot in Biergärten etc., ist bei mir aber die Grenze dann doch überschritten.
    Es kommt dann noch so weit, dass es sogar im heimsichen Garten nicht mehr erlaubt ist.
    Irgendwo ist bei mit da jedenfalls Schluß.

    Werbe-URL entfernt

  48. #48 Kai
    18. März 2012

    Mir stellt sich aber immer wieder die Frage was denn noch alles verboten werden soll ????? Wenn ich Radfahrer bin leide ich unter Autoabgasen mit ………….wirds deshalb verboten ???
    Man soll halt mal die Kirche im Dorf lassen …..

    Viele Grüße

    Werbe-URL entfernt

  49. #49 Dagda
    18. März 2012

    @ Kai
    Hm diese Verbote gibt es doch schon. Es gibt gesetzliche Regelungen zu Katalysatoren (http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrzeugkatalysator#Abgasgesetzgebung) und es gibt in vieleln Städten z.B. Berlin Umweltzonen; Also das Verbot von Autos mit zu schlechten Abgasklassen in Innenstädten (http://de.wikipedia.org/wiki/Umweltzone#Umweltzone).

  50. #50 Joseph Kuhn
    18. März 2012

    @ Martin J.B., @ Kai: Es ist bei diesen Themen immer hilfreich, die verschiedenen Ebenen der Diskussion auseinanderzuhalten:

    1. Die Ebene der Evidenz, was die gesundheitlichen Folgen des (Passiv-)Rauchens angeht.
    2. Die Ebene der praktischen Konsequenzen, die aus dieser Evidenz zu ziehen sind – persönlich und politisch.
    3. Die Ebene der Evidenz, was die gesundheitlichen Folgen bestimmter Regelungen des Nichtraucherschutzes angeht, also die Ebene, um die es bei der DAK-Studie geht. Diese Ebene hat wiederum Rückwirkungen auf die 2. Ebene.

    Zu Ebene 2: Dass man nicht alles verbieten oder abschaffen kann, was gesundheitsgefährdend ist, ist klar. Aber was folgt daraus im Umkehrschluss? Dass man nichts, was gesundheitsgefährdend ist, verbieten oder abschaffen soll? Das kann es sicher auch nicht sein. Es geht also um eine Abwägung, dabei kann die Wissenschaft, wenn sie belastbare Ergebnisse vorzuweisen hat (was bei Ebene 1 der Fall ist, bei Ebene 3 – was Herzinfarkte angeht – eben hier diskutiert wird), Argumente liefern, aber die Wissenschaft kann diese Abwägung nicht ersetzen. Was man sich und Anderen zumutet, muss man mit sich bzw. mit den Anderen aushandeln.

  51. #51 BreitSide
    18. März 2012

    @MartinJB, Kai: was würdet Ihr sagen, wenn mein Pläsir darin bestünde, Asbest in die Luft zu blasen? Würdet Ihr dann auch so tolerant daneben stehen?

    Tabakrauch ist krebserregend. Und bei Krebs hört der Spaß auf. Deswegen ja auch die Umweltzonen gegen krebserregenden Dieselruß, die schon erhebliche Erfolge erzielt haben.

    Das regelmäßige Gejammere “was wird denn noch verboten werden”, wenn mal endlich ein Missstand beseitigt ist, führt doch zu der Frage, ob das Rauchen denn das Einzige sei, das für manche Leute das Leben überhaupt noch lebenswert macht. Das war schon so beim Prügelverbot für Kinder oder auch beim innerehelichen Vergewaltigungsverbot.

  52. #52 Dalek
    19. März 2012

    “[…] Umweltzonen gegen krebserregenden Dieselruß, die schon erhebliche Erfolge erzielt haben.”

    Laut ADAC sind die anderweitig postulierten Veränderungen in der Luftqualität der entsprechenden Zonen seit Einführung Letzterer nicht nachweisbar.

    ADAC ist natürlich keine wissenschaftliche Einrichtung. Deswegen wäre ein Link zu Informationen interessant, der Deine Behauptung wissenschaftlich untermauern.

  53. #53 Stefan W.
    19. März 2012

    Diesen Beitrag auf der TP-Diskussion fand ich interessant:

    “Auf Grund der Umbennenung im ICD-Code von Myocardinfarkt
    in “Akutes Koronarsyndrom” im fraglichen Zeitraum erklärt
    sich das gewünschte Ergebnis recht zwanglos.”

    http://www.heise.de/tp/foren/S-Es-ist-viel-banaler/forum-224387/msg-21584239/read/

  54. #54 Dagda
    19. März 2012

    @ Stefan
    Hm das ist ohne Quelle eher unglaubwürdig; Akutes Koronarsyndrom ist ja nur ein Oberbegriff der den akuten Myokardinfarkt (STEMI und NSTEMI) und stabile sowie instabile Angina Pectoris umfasst. Wenn es so eine Änderung gegeben hätte, wären also eher mehr Fälle aufgetreten. Es sei den die Studienautoren wären mit ihrer Kodierung äußerst schlampig umgegangen.

  55. #55 Dagda
    19. März 2012

    @ Stefan
    So ich habs jetzt noch mal nachgelesen. Das Zitat macht keinen Sinn. Weder in de ICD-10 noch in der Studie taucht das Akute Koronarsyndrom auf; Was auch Sinn macht, da es als Oberbegriff ist der die ICD10 Kodierungen I20.x und I21.x beinhaltet oder als eigenständige Diagnose am ehesten I20.0 entspricht.
    http://www.dimdi.de/static/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2011/block-i20-i25.htm

  56. #56 BreitSide
    20. März 2012

    @Dalek: Jaja, der ADAC, freie Fahrt für freie Raser und billiger Sprit über alles.

    Im entsprechenden Interview vor ein paar Tagen sagte der ADAC-“Experte”, dass die Situation “uneinheitlich” sei, für den ADAC ein anderes Wort für “Weg damit, Autofahren wieder billiger machen!”. Andere Experten, nicht Apologeten des ungehemmten fossilen Verkehrs, betonten, dass das eben die Erklärung sei. Lauter verschiedene Städte, mit lauter verschiedenen Verkehrssituationen mit lauter verschiedenen Wetterbedingungen mit lauter verschiedenen Umsetzungsraten der Vorschriften, wie soll da etwas einheitlich sein?

    Ein Club (vulgo Interessensvertretung), der sinnloses Herumrasen im Kreis fördert, Autos mit über 100 PS “untermotorisiert” und Verbräuche von 8 l/100 km “angemessen” nennt und außerdem zu den Klimaleugnern gehört (oder sollte sich da was getan haben?), ist wohl kaum eine Instanz, etwas über die Schäden durch den motorisierten Individualverkehr zu erklären.

  57. #57 Hammer
    5. April 2012

    Es ist bei dem ganzen Kult, der ums Rauchen gemacht wurde (vom Cowboy über Jean Paul Sartre bis Helmut Schmidt), bei den Umsummen, die von der Industrie gescheffelt werden und via Steuer an den Staat gehen sowie bei der emotionalen Komponente des Themas überhaupt kein Wunder, wenn es da bis jetzt wenige rationale Abwägungen gegeben hat. Auch die Rauchvebotsdebatte wurde so emotionsgeladen geführt, als handle es sich um die Freiheit der Menschen, mal der Raucher, mal der Nichtraucher. Oder wenn man sich jetzt einmal die E-Zigaretten ansieht, Verbot hin, Verbot her, Lifestyle und entgangene Steuern bestimmen die Debatten. Dass die Geräte vielleicht eine sinnvolle Alternative für Diabetiker darstellen? Nischenthema! Letztlich wird alles in den Medien künstlich aufgebauscht, jeder darf mal seine Meinung ablassen und wenn er keine hat wird er von interessierter Seite bezahlt um eine zu haben. Da kann man einfach froh sein, wenn noch irgendwo unabhängige Wissenschaft betrieben wird. Obwohl, dass Rauchen schadet kann man auch so wissen, zum Beispiel indem man die Wirkungen an sich selbst beobachtet.

  58. #58 Jens Kirchner
    18. Juli 2012

    In meiner Jugend habe ich einmal an einer Zugarette gezogen und gedcht meine Lunge löst sich auf. Zum Glück habe ich nie weider daran gedacht Zigaretten zu probieren.

    Um das Rauchverbot in Gaststätten bin ich deshalb sehr dankbar. Zuvor gab es kaum noch eine Gaststätte, in die man gehen konnte ohne sich das (ebenfalls gesundheitsschädliche) Passivrauchen anzutun und ohne eingräuchert zu werden. In den letzten Jahren zuvor hatte ich den Eindruck, daß da immer schimmer wurde. Das Rauchverbot war deshalb eine wesentliche Verbesserung meiner Freizeitqualität und meiner Möglichkeiten meine frezeit zub gestalten ohne mich dem gesundheitsschädlichen Qualm auszusetzen.

  59. #59 gesundheit.de.de
    7. September 2012

    Hallo Ihr, danke für die News zum Thema Gesundheit. Wusste ich noch gar nicht. Danke, Anne.

  60. #60 Philipp Rothe
    Forst 8das gibts echt9
    17. Dezember 2014

    so ein unsinn! ALLES QUATSCH WAS DA STEHT
    ich rauche schon seit 15 jahren und bin grad mal 16 und mir gehts prächtig-das glaubt ihr nicht. habe mich auch super entwickelt. bin ganze 1,12m groß und wiege ganze 34kg! und ich habe nur 20stunden ab tag kopfschmerzen. ausserdem schaff ich in sport manchmal fast 10m zulaufen mit nur 4 pausen dazwischen. meine fress was für ein gejammer hier

  61. #61 Ursula
    19. Februar 2018

    Wenn es nicht so traurig und erschreckend wäre…
    https://derstandard.at/2000074548512/Fuer-FPOe-ist-Dont-Smoke-Begehren-unserioes
    Die Gesundheitssprecherin der FPÖ!