Die Homöopathie ist ein interessantes Phänomen. Sie postuliert Heilkräfte, die man nirgendwo sonst beobachten kann und die leider auch nicht bei anderen Problemen helfen. Homöopathische Prinzipien helfen nicht bei der Autoreparatur und – zumindest den meisten Leuten – auch nicht bei der Steuererklärung. Trotzdem sind viele Menschen davon überzeugt, dass die Homöopathie hilft, dass sie das persönlich schon erfahren haben und daher zumindest „irgendetwas“ dran sein muss oder dran sein kann. Wie das zu erklären ist, darüber wurde schon viel geschrieben, 10 wichtige Punkte sind hier noch einmal zusammengefasst:

Die Kunst des Zuhörens
Die moderne Medizin hat etwas verlernt, was auch Hausärzte früher gut konnten, manche können es noch heute: Zuhören. Es tut allen Menschen gut, wenn man ihre Nöte und Sorgen ernst nimmt, ihnen das Gefühl gibt, damit nicht allein zu sein. Das hilft bei der Bewältigung von Krankheiten, nicht nur bei psychosomatischen Beschwerden, die einen nicht geringen Anteil der hausärztlichen Fälle ausmachen. In der Homöopathie hat man diese Kunst bewahrt – bei angemessener Honorierung. Davon kann die Medizin nur lernen. Vom Zuhören und von der Honorierung.

Die Macht des Schamanismus
So rational und aufgeklärt wir sind: In uns lebt wohl ein archaisches Erbe fort, wir neigen zum Glauben an höhere Mächte, die man beschwören und günstig stimmen kann. Das Mittel dazu sind Rituale. Die Religionen führen das seit Jahrtausenden vor. Auch Ärzte, die Nachfahren der alten Schamanen, profitieren davon. Der weiße Kittel, das Stethoskop, das Wartezimmer – vieles davon hat etwas Rituelles. In der Homöopathie erfüllen das Verdünnen, das Schütteln, das Aufschlagen usw. diese Funktion. Seit 200 Jahren Homöopathie gibt es die gleichen Herstellungsvorschriften, es sind rituelle Handlungen, die die höheren Kräfte in die Kügelchen bannen. Ein Talisman zum Schlucken.

Die Kraft des Unerklärlichen
Zwar ist die Homöopathie im strengen Wortsinn keine esoterische Lehre, sie ist keine Geheimlehre. Aber das Unerklärliche ist Teil ihrer Wirkmacht. Wenn Skeptiker kritisieren, man könne sich doch gar nicht vorstellen, was die geistartigen Kräfte Hahnemanns sein sollen und wie sie den Weg von der Ursubstanz durch die Verdünnung auf den Zucker und dann in den Körper oder wohin auch immer überstehen sollen und woher das Wasser wissen soll, welche Kräfte es potenzieren muss und welche nicht, dann sprechen sie mit dem Ominösen eigentlich das Noumenon der Homöopathie an: Dass man es nicht verstehen kann, erhöht die Kraft der Kügelchen. Sie bergen ein Geheimnis. Moderne Geister rufen daher auch gerne die Quantenphysik zu Hilfe – weil man die als normaler Mensch auch nicht so richtig versteht. Und gerät man damit zufälligerweise einmal an einen Quantenphysiker, kann immer noch darauf hingewiesen werden, dass auch die moderne Wissenschaft nicht alles erklären kann und es daher auch möglich ist, dass es Hahnemans Geister gibt. Klingt doch logisch, oder?

Salutogenese
Von Aaron Antonovsky, einem israelisch-kanadischen Stressforscher, stammt der Begriff der „Salutogenese“. Er hat damit das Phänomen bezeichnet, dass Menschen eher gesund bleiben, wenn sie ihre Situation in einen größeren Sinnzusammenhang einbetten können und sich als handlungsfähig wahrnehmen. Die Homöopathie bedient dieses Gefühl erstklassig. Oft weiß man nicht so recht, warum man krank ist oder sich unwohl fühlt, da ist es gut, wenn man immerhin etwas tun kann: Kügelchen einnehmen. Zu wissen, dass man nicht hilflos ist, hilft. Hier liegt vermutlich auch eine der Wurzeln des „Placeboeffekts“, der als Begriff ja mehr verdeckt als erhellt, weil er so tut, als gäbe es eine Wirkung von Nichts. Normale Medikamente profitieren übrigens genauso von diesen Erwartungs- und Handlungsfähigkeitseffekten. Auch Aspirin hilft nicht nur, indem es die Bildung von Prostaglandinen hemmt, wir sind eben biopsychosoziale Wesen.

Nicht wissen, was wäre wenn
Die Homöopathie lebt davon, dass Menschen davon berichten, wie die Kügelchen ihnen geholfen haben. Sie hatten Beschwerden, haben die Kügelchen genommen und es ging ihnen wirklich oder ihrem Empfinden nach besser. Post hoc ergo propter hoc – weil die Linderung auf die Einnahme der Kügelchen folgte, muss sie dadurch verursacht worden sein. Ein klassischer Fehlschluss. Dieser Fehlschluss wird im subjektiven Erleben dadurch begünstigt, dass man als Erfahrung nur das hat, was nach den Kügelchen geschehen ist, nicht das, was ohne sie geschehen wäre. Die eigene Erfahrung ist ungeheuer überzeugend. Aber leider nicht immer der Weg zur Wahrheit. Der randomisierte kontrollierte Versuch, das RCT, ist der subjektiven Erfahrung überlegen.

Glauben, was man für richtig hält
Klingt tautologisch. Erklärt aber viel. Es gibt inzwischen viele sozial- und experimentalpsychologische Studien dazu, dass wir Informationen lieber aufnehmen, wenn sie zu unserem Weltbild passen. Ob es um Politik, Fußball oder die Homöopathie geht: Wir sind im Alltag keine Popperianer, die danach streben, ihre Überzeugungen zu falsifizieren, sondern Pragmatiker, die ihre Überzeugungen so lange beibehalten wollen, wie es geht. Von gut gepflegten Überzeugungen wird man selten enttäuscht. Das ist auch bei der Homöopathie so. Daraus resultiert eine selektive Wahrnehmung, was Erfolge und Misserfolge der weißen Kügelchen und ihrer Konkurrenten aus den „Schulmedizin“ angeht. Wird es nach den Kügelchen erst mal schlechter: Erstverschlimmerung. Wurde es gleich besser: Wenn das nicht überzeugt! Wo man doch gar nicht so recht an die Kügelchen geglaubt hat. Nur ein bisschen mehr als an die Schulmedizin vielleicht. Wenn es danach nicht gleich besser wurde: klar, die „Chemie“ hilft eben nichts. Die haben die Pharmafirmen nur gemacht, um Geld zu verdienen. Homöopathische Mittel haben dagegen nichts mit der Pharmaindustrie zu tun. Sie kommen aus dem Nichts. Der confirmation bias beherrscht unser Leben. Das ist auch nicht zu ändern, dahinter steht lebenspraktische Klugheit. Man kann nicht ständig alles auf den Prüfstand stellen. In der Wissenschaft ist das oft gar nicht so viel anders, aber wenn dort etwas auf den Prüfstand kommt, hat sie immerhin gute Möglichkeiten, mit dem confirmation bias fertig zu werden.

Die Dialektik der Aufklärung
So haben Horkheimer und Adorno einmal ein Buch betitelt, mit dem sie auf die dunkle Seite der Macht der Moderne aufmerksam gemacht haben. Und sind wir nicht alle längst ein wenig unsicher geworden, was die Segnungen der Moderne angeht? Dinge infrage stellen zu können, gehört zur guten Bildung. Nicht alles natürlich. Bevorzugt das, woran man eh zweifelt, siehe oben. Die Anhänger der alternativmedizinischen Skepsis sind oft aus dem Bildungsbürgertum. Sie wissen, dass der Fortschritt nicht nur Gutes mit sich bringt. Gibt es nicht viele Beispiele dafür, wie die Pharmaindustrie gefährliche Nebenwirkungen verschwiegen hat, Studien unterdrückt und gefälscht hat, Medikamente zu spät vom Markt genommen hat, weil ihr Geld über Gesundheit geht? Passt da nicht die Homöopathie viel besser in den Gegenentwurf eines naturverbunden Lebens, zur Ganzheitlichkeit unseres Daseins, zur Selbstbestimmung über die eigene Gesundheit? Der confirmation bias hilft auch dabei, richtig mit den vielen Informationen über Nebenwirkungen auf Beipackzetteln umzugehen: Das verunsichert doch sehr, man greift dann lieber zu den sanften Alternativen. Die schaden zumindest nicht, oder?

Befindlichkeitslotterie
Bislang dürften Homöopathika vor allem bei leichteren Beschwerden und bei Befindlichkeitsstörungen eingesetzt werden. Dass man auch Krebs homöopathisch heilen könne, daran glauben gottseidank doch nicht sehr viele – glaube ich. Mit den leichteren Beschwerden und den Befindlichkeitsstörungen ist es aber so eine Sache. Man hat ständig welche und die Symptomwahrnehmung hängt manchmal sehr davon ab, ob wir das Gefühl haben, etwas dagegen tun zu können oder nicht, wie gesagt. Ging der Schnupfen mit den Kügelchen nicht schneller vorbei als ohne? War nicht das Hautjucken ein oder zwei Tage später deutlich besser? Hat man nicht mit dem homöopathischen Mittel viel ruhiger geschlafen? Die Art der Symptome bei solchen Beschwerden, ihr Auswahlreichtum und ihre Wahrnehmungsplastizität ermöglichen immer wieder erfolgreiche Kombinationen von „Mittel“ und „hat geholfen“. Man muss nur richtig auswählen.

Der statistische Tellerrand
Ohne Zweifel gibt es erstaunliche Erfahrungen mit der Homöopathie, bei denen es um echte Heilungen geht und die zunächst auch nicht in das Muster der Spontanheilungen zu passen scheinen, wie sie natürlich auch bei chronischen und bei ernsten Erkrankungen vorkommen. Es gibt Menschen, die überzeugt sind, dass ihnen die Homöopathie wiederholt bei allen möglichen Beschwerden geholfen hat. Jeder weiß, wie unwahrscheinlich es ist, einen Sechser im Lotto zu tippen. Trotzdem geschieht es jede Woche, weil so viele Leute Lotto spielen. Der Zufall will es so. Natürlich würde man dann, wenn jemand 5 mal im Lotto gewinnt, nicht mehr an Zufall glauben. Und wenn homöopathische Mittel immer wieder geholfen haben, kann das Zufall sein? Nun denn, wenn die Homöopathie den gleichen Menschen 5 mal von einer unheilbaren Krankheit geheilt hätte, müsste man wohl nachdenklich werden. Aber die langjährigen Erfolge gibt es ja meist bei Infektionen oder anderen, vielleicht hartnäckigen, aber prognostisch nicht so schweren Erkrankungen. Da muss man nicht nachdenklich werden, sondern nachdenken und ein altbekanntes Selektionsphänomen auf die Homöopathie übertragen: Nehmen wir an, es gibt eine Krankheit, die wiederholt auftreten kann und die mit 50 % Wahrscheinlichkeit nach ein paar Tagen von alleine vergeht und mit 50 % Wahrscheinlichkeit nicht. Gibt man 10.000 Menschen ein Homöopathikum dagegen, werden 5.000 damit „geheilt“. Nehmen die „Geheilten“ beim nächsten Mal wieder Homöopathika, werden 2.500 erneut „geheilt“. Bei dritten Mal 1.250, dann 625 – danach kommen halbe Sachen raus, bleiben wir also bei den 625. Denen hat die Homöopathie viermal hintereinander „geholfen“. Gegen diese Erfahrung kommt kein Argument mehr an. Und wenn die 625 „Geheilten“, bei denen das doch kein Zufall mehr sein kann, das oft genug erzählen, werden vielleicht auch Skeptiker nachdenklich – wenn sie nicht nachdenken.

Soziale Glaubwürdigkeit
Damit bin ich bei meinem letzten Punkt: Je mehr Menschen glauben, dass an der Homöopathie „irgendetwas dran“ ist, desto glaubwürdiger wird sie. Es können sich doch nicht alle täuschen. Sogar Tante Erna hat es geholfen, immer wieder, und Tante Erna kennt man selber. Die Geschichte von Tante Erna ist gelebte Alltagsstatistik: sie ist der exemplarische Fall, der Fall, der für das Prinzip steht. Geschichten zeigen das Exemplarische überzeugender als Mittelwerte und Standardabweichungen. Die Bibel kennt nur „Gleichnisse“, um etwas Prinzipielles zu verdeutlichen. Von der Volkszählung abgesehen, sind die Beiträge der Bibel zur Statistik eher gering. Und wenn dann noch richtige Professoren sagen, dass Homöopathie helfen kann, der Staat der Homöopathie als einer der „besonderen Therapierichtungen“ unter Verweis auf einen Wissenschaftspluralismus in der Arzneimitteltherapie besondere Fürsorglichkeit zukommen lässt und die Krankenkassen die Kosten homöopathischer Behandlungen erstatten – dann muss was dran sein. Das würden die doch nie machen, wenn es nicht helfen würde. So etabliert sich Glaubwürdigkeit durch soziale Prozesse. Der Glaube an die Homöopathie ist ansteckend.

Die Liste ist sicher nicht vollständig, Sie finden bestimmt schnell noch andere Erklärungsmuster, z.B. im Zusammenhang mit der Regression zur Mitte (nachdem man so lange mit der Schulmedizin nicht weiterkam, hat man es mal mit der Homöopathie probiert – und es hat geholfen) usw. – aber ich will es dabei belassen. Sicher wird sich die geplante Hochschule für Homöopathie in Traunstein intensiv mit solchen Themen beschäftigen, sie soll sich ja wissenschaftlich mit der Homöopathie auseinandersetzen. Ein Lehrauftrag für Norbert Aust oder Christian Weymayr könnte da helfen.

Kommentare (92)

  1. #1 TSK
    22. März 2014

    Schöne Zusammenfassung, kleines Lob von mir.

  2. #2 A_Steroid
    22. März 2014

    Lob und Zuzstimmung. Live zum miterleben, wie das in echt geht: Die Gruppe der Homöopathie bei Facebook… https://www.facebook.com/groups/14286763742/?fref=ts

    @Mod: man ist da recht empfindlich, was Kritik anbelangt…

  3. #3 Dr. Webbaer
    22. März 2014

    Auch Aspirin hilft nicht nur, indem es die Bildung von Prostaglandinen hemmt, wir sind eben biopsychosoziale Wesen.

    Aja, das regt zur Frage an: Ist Aspirin eigentlich wirksam?

    MFG
    Dr. W (der sich u.a. auch über den Absatz zur sogenannten Dialektik der Aufklärung amüsiert hat)

  4. #4 odet
    23. März 2014

    Ich hab mich in letzter Zeit ziemlich oft und intensiv mit Esoterikern, Homöopathen, Steinern und Verschwörungstheoretikern befassen müssen (please don’t ask).
    Nach einer Weile möchte man nur den ganzen Tag den Kopf gegen die Tischkante schlagen, weil man das wirre, sinnfreie und völlig beliebige Geschwurbel einfach nicht mehr ertragen kann. Die Motivation dieser Menschen ist mir mittlerweile eigentlich völlig egal. Lediglich der Sache mit dem Bildungsbürgertum möchte ich widersprechen, es sei denn, diese Herrschaften haben ihre komplette Bildung im Zustand des Wachkomas verabreicht bekommen.

    Dafür habe ich mir jetzt meine eigene Theorie zurecht gelegt:
    Diese ganze Esoterik ist einfach ein “Trick” der Evolution. Während früher der mit den langsamen Reflexen und den langsamen Beinen vom Löwen gefressen wurde und seine Gene nicht weitergeben konnte sind es heute eben die Esos und Homöos die hinten runter fallen. Ist ja auch ganz klar: wer zum Geistheiler geht hat eine geringere Lebenserwartung und deshalb weniger Chancen seine Gene weiterzugeben bzw. für seinen Nachwuchs zu sorgen. Wer dem Homöopathen das Geld hinterherwirft hat weniger Geld um fruchtbare Weibchen anzulocken, usw.
    Deshalb Freunde, verzagt nicht, die Dummheit wird aussterben.

    Selbstverständlich habe ich für meine These garantiert keine Belege, ich kann noch nicht einmal seriöse Quellen angeben. Was aber wiederum beweist, daß ich Recht haben muß, da in einschlägigen Kreisen die Nichtbeweißbarkeit ein Qualitätsmerkmal ist und deshalb geradezu als Beweis gilt. Zirkelschluß ? Ach wer wird sich denn daran stören.

    Sorry, das mußte ich mal loswerden.

    Ein schönes Wochenende noch

  5. #5 Trottelreiner
    23. März 2014

    @odet:
    Du mußt das unterscheiden, Bildung als technologische Fähigkeit und Bildung als Statussymbol.

    Ursprünglich hatte die Dummschwaffelbildung des sogenannten Bildungsbürgertums, ähnlich wie die britischen “grammar schools” oder die chinesische Beamtenprüfung durchaus einen Sinn, sie bewies, daß man sich zuverlässig und schnell absolut sinnlose Fakten merken konnte. Nachdem die Position der eigenen Klasse dann erst einmal gesichert war, wurde die Aneignung der für den täglichen Gang der Dinge notwendigen Bildung dann überflüssig, genau genommen ist praktisches Wissen sogar negativ besetzt, da sie, ähnlich wie wirkliche arbeit bei den alten Griechen, nahelegt, daß man einen niedrigeren sozialen Status innehat.

    Daher, Genossen, laßt uns die Abschaffung dieser absterbenden Klasse beschleunigen! Volker hör…

    Eh, just got carried away. 😉

  6. #6 rolak
    23. März 2014

    Volker hör…

    Volker hat’n Hörgerät, Trottelreiner. Schon sein Ururahn aus dem NiegesungenNibelungen-Lied klampfte sich zu einem Hörschaden, ist ein Familienerbe.

    Schönen Dank für die Zusammenstellung der Erklärungsansätze, Joseph, eine solide Basis für einen Analyse-Werkzeugkasten, analog zu Shermers Baloney Detection Kit. Denn es ist imho nicht nur wichtig, Blödsinn zu erkennen, sondern insbesondere offenzulegen, welche Lockmittel zum Verlassen der objektiven Realität genutzt werden.
    Unverschämterweise ja auch an sich förderliche Dinge wie das intensive, ernstnehmende Gespräch – da sollte ein Gegenargumentieren fein ausgewogen sein.

  7. #7 ajki
    23. März 2014

    Außerordentlich gut gelungene Listung. Herzlichen Dank und Kompliment.

  8. #8 Toni
    23. März 2014

    @ Odet

    “Während früher der mit den langsamen Reflexen und den langsamen Beinen vom Löwen gefressen wurde und seine Gene nicht weitergeben konnte sind es heute eben die Esos und Homöos die hinten runter fallen.”

    Bitte mal das “evolutionäre, wahnhafte Geblubber” einstellen und die Fakten zur Kenntnis nehmen!

    […]

    Der Rest des Kommentars wurde zur Schonung der Leser/innen gestrichen. Bitte entweder zum Thema oder gar nicht. Danke. JK

  9. #9 Toni
    23. März 2014

    @ JK

    Wenn hier nur das “evolutionäre Geblubber” erlaubt ist, egal wie unsinnig es im Einzelfall ist, dann verzichte ich dankend.

    […]

    Bitte, gerne. Den Rest des Kommentars habe ich konsequenterweise ebenfalls gestrichen – in christlicher Nächstenliebe, weil der Verzicht doch schwer zu fallen scheint. JK

  10. #10 Dr. Webbaer
    23. März 2014

    @ Toni :

    Das wars, habe für heute wiedermal genug von der weltanschaulichen Einseitigkeit dieser Seite….

    Hängt mit dem Anspruch der modernen Wissenschaftlichkeit zusammen, die eine Methode ist. Theoretisch.

    MFG
    Dr. W (der Zensur auch nicht gut findet, aber Missionierung hier doch “etwas” fehl am Platze sieht, selbst am Tag des Herrn)

    • #11 Joseph Kuhn
      23. März 2014

      … sorry, hatte zwischenzeitlich Tonis Satz, an den Sie anknüpfen, schon gelöscht. Auch missionarische Kommentäre würde ich nicht streichen, wenn sie etwas mit dem Thema des Blogbeitrags zu tun hätten. Das war bei Tonis Kommentaren aber nicht einmal in homöopathischer Dosis der Fall, das Weihwassergedächtnis hat vollständig versagt. Und das am Tag des Herrn.

  11. #12 CM
    23. März 2014

    Sehr schöne Zusammenfassung! Danke.

  12. #13 Dr. Webbaer
    23. März 2014

    Herr Dr. Kuhn, Toni ist eigentlich ganz OK, er missioniert halt: womöglich wäre es ein sinnvoller Kompromiss einerseits einen minimalen Artikelbezug mit ihm zu verabreden und andererseits seine Missionierung als quantitativ begrenzt zu vereinbaren.
    Toni könnte hier sicherlich mitgehen, zudem missioniert ja jeder irgendwie…

  13. #14 Adent
    23. März 2014

    @Dr.Webbaer
    Toni missioniert egrn, das ist richtig und in gewissem Rahemn auch noch aktzeptabel, aber was der Toni wirklich treibt ist Kreationismus reinsten Wassers und eine für meinen Geschmack sehr militante Art der Missionierung die hier nun wirklich nicht sein muß, es sei denn es ginge um das Thema Bibel, aber selbst von der hat Toni ja wie man in anderen Threads sehen konnte, eine sehr eigenwillige Auslegung mit zahlreichen Fehlern im Kopf.
    Für mich ist das tatsächlich ein und dasselbe, Religion sowie Esoterik sind absolute Privatsache und haben auch im privaten zu bleiben.

  14. #15 CM
    23. März 2014

    bzgl. #13: Na ja, Benimm ist auch vorauszusetzen. Und irgendwie gelingt mir kaum den Themenbezug in seinem biblischen Wirrwarr immer zu erkennen. Und das liegt nicht am Hang zu Überspitzung, die so ein Beitrag manchmal verlangt um sich prägant auszudrücken. Vielmehr wird Zusammenhang unterstellt wo keiner ist – und dies jedes Mal zu diskutieren ist schlicht langweilig.

    Zum noch Etwas zum Thema: Ich – und ich unterstelle, die meisten hier – lesen stets von einem Widerstreit zwischen Esos und Medizinern/Wissenschaftlern. Aber in der Tat, das medizinische System hierzulande ist größtenteils kalt und abweisend (ultrakurze Anamnesen und Neonlicht statt schöner Lampen sind nur wenige Facetten) gegenüber den Beitragszahlern. Das aber wird medial weniger, weit weniger thematisiert, als der oben illustrierte Streit. Und hier liegt meiner Auffassung nach das Fundament für Tante Erna und den “inneren Anti-Popper”. Denn würde sich die Situation bei Kassenärtzen und Kliniken ändern – ja, würde diese Änderung hin zu mehr Zeit regelmäßiger und mit Nachdruck angemahnt – es fiele schon einige Kredibilität bei den Schamanen weg.

    Just my 0.02 €.

  15. #16 Norbert Aust
    23. März 2014

    Vielleicht gibt es noch einen Punkt zur obigen Liste:

    Das selektive Vergessen.

    Was macht man, wenn sich ein Kind weh getan hat? Ich meine so richtig heftig? Richtig, man macht wahrscheinlich alles, was einem so in den Sinn kommt, damit das Schreien aufhört. Darunter dann sehr wahrscheinlich auch Globuli. Irgendwann ist das Ereignis überwunden. Was hat geholfen? Mit Sicherheit das, wofür man sich in seinem Bekanntenkreis am wenigsten der Kritik aussetzt. Heile Gänschen singen? Pusten? Das Beruhigen? Oder gar die Gott behüte Fettsalbe von der Pharmaindustrie oder das Verreiben derselben?

    Das glaubt doch heute kein Mensch mehr. Aber die Globuli. Mit dem Glauben hat man im Kreis junger Mütter heute Bestand. Singen? Seit wann das denn? Damit setzt sich dieser Glaube erst mal fest, man bekommt es ja auch bestätigt, dass es anderen auch schon genau so gegangen ist.

    Was kann man sich merken? Verknüpfte Tatsachen = Kind war hingefallen, mords Geschrei, Globuli gegeben, Geschrei fertig.

    Was vergisst man? Einzeltatsachen, die nicht verknüpft sind, insbesondere, wenn man damit auf Kritik stoßen könnte. Das man auch gesalbt hat. Das man auch gepustet hat…

    Und wieder ein Homöopathiebefürworter mehr, denn nach 6 Monaten war es ja NUR die Homöopathie, die angewendet wurde, wobei auch noch die involvierten Zeitskalen angepasst werden. Und man wird mit voller Überzeugung der nächsten Mutter beipflichten, die davon überzeugt ist, dass es ja nur die H. gewesen sein kann, die sofort, kaum dass sie gegeben waren …

  16. #17 Joseph Kuhn
    23. März 2014

    Ein Kollege hat mir einen Link zu einem Zeichentrickfilm geschickt, der in aller Kürze und sehr verständlich zusammenfasst, worauf es bei der Wirksamkeitsprüfung eines Medikaments (oder eines Behandlungsverfahrens) ankommt – wäre dringend auch für Traunstein als Unterrichtsmaterial zu empfehlen:
    http://ecranproject.eu/de/content/ein-zeichentrickfilm-deutscher-sprache-der-klinische-studien-verstaendlich-erklaert

  17. #18 Trottelreiner
    23. März 2014

    @Norbert Aust:
    Heile Gänschen singen hat ja durchaus auch eine therapeutische Komponente…

    Ein guter Teil des Placebo-Effektes bei Schmerzen beruht auf der Lenkung der Aufmerksamkeit, inwiefern die Analgetika mit Monoaminwiederaufnahmehemmerwirkung wie Tramadol darüber wirken, wäre ebenfalls zu fragen. Entsprechend ist eine eingängliche Melodie durchaus eine Möglichkeit, vom schmerz abzulenken…

  18. #19 rolak
    23. März 2014

    Lenkung der Aufmerksamkeit

    Deswegen funktioniert ja auch ein konzentriertes Atmen, diese Minimalvariante einer kontemplativen Übung, Trottelreiner. Wer kennt ihn nicht, den fast instantan dämpfenden Effekt des langsamen, bewußten Einatmens, typischerweise gegen Widerstand durch die Zähne gepfiffen…

    Andersrum (und mit (zugrundeliegendem) physikalischem Wirkprinzip) ist diese Technik bei leichten astmathischen Anmutungen als Lippenbremse bekannt, insofern spiele ich beides. Country und Western 😉

  19. #20 G.K.
    24. März 2014

    Prägnant formulierter “basis survival kit”, um künftig das Zusammentreffen (Repulsion) mit homöopathisch gepolten Individuen wenigstens auf der argumentativen Ebene unversehrt zu gestalten.

    Erwähnenswert in diesem (Un-) Heilfeld wäre noch die gute alte Kraft der Autosuggestion
    (oft im Verbund mit ruhigem oder hektischem Atmen, Trommeln oder Tanzen – je nachdem was man erreichen möchte. Freiwillige Deprivation und/oder dosierte Stressinduktion in wohliger Umgebung).

    Dh untersuchen, ob und wie es möglich ist (wäre), durch Einbildung und Konzentration auf bestimmte Gedanken wirklich Einfluss zu nehmen, zB auf das autonome Nervensystem und endokrinologische Vorgänge.

    Homöopathie ist eines der mächtigen Mantren unserer Zeit.

  20. #21 Trottelreiner
    25. März 2014

    @G.K.:
    Niemand stirbt solange die Trommel spricht…

  21. #22 G.K.
    25. März 2014

    @ Trottelreiner

    Willst Du mir Angst machen? Da dreh ich doch lieber hoch in den Lüften eine Runde auf dem Grossen Adler …

  22. #23 Alexander
    25. März 2014

    Die Homöopathen haben einfach eine Marktlücke gefunden. Sie nutzen die Naivität bewusst oder unbewusst aus, um Geld zu verdienen. Und weil sie ihren Lebensunterhalt damit verdienen, wollen sie, dass der Glaube erhalten bleibt und versuchen weitere Menschen zu missionieren. Das ist ganz normaler Kapitalismus. Unternehmen arbeitet auf die gleiche Weise, wenn z.B. psychologische Erkenntnisse dazu benutzt werden, um Menschen zum Kauf von Produkten zu bewegen oder sie damit Kunden binden wollen. Wenn im Fernsehen irgendwelche Zuckerbomben als gesund beworben werden oder jeden Sonntag der Priester eine Märchengeschichte im Fernsehen erzählt, ist es doch nichts anderes. Denkt man darüber nach, dann ist Kritik an der Homöopathie eigentlich Kapitalismuskritik, denn die bestehenden Verhältnisse sind nicht nur den “Dummen” anzulasten, sondern auch den Verteidigern des Status Quo, die von der Dummheit profitieren und diese gezielt ausnutzen. Wer Homöopathie kritisiert sollte sich lieber überlegen, wie das Bildungsystem so gestaltet werden kann, dass Menschen das grundlegene naturwissenschaftliche Wissen bereits in der Schulzeit und auch nachträglich verständlich und einprägsam vermittelt werden kann – und wie man die Regierenden dazu bringt, dies zuzulassen. Einfach nur Homöopathen sagen zu wollen, warum sie falsch liegen oder Homöopathiegläubige umstimmen zu wollen, löst das Problem nicht und ist im Grunde nur ein lustiger Zeitvertreib für Bildungsprivilegierte.

  23. #24 Dr. Webbaer
    25. März 2014

    Die Homöopathen haben einfach eine Marktlücke gefunden. Sie nutzen die Naivität bewusst oder unbewusst aus, um Geld zu verdienen. Und weil sie ihren Lebensunterhalt damit verdienen, wollen sie, dass der Glaube erhalten bleibt und versuchen weitere Menschen zu missionieren. Das ist ganz normaler Kapitalismus.
    (…)
    Einfach nur Homöopathen sagen zu wollen, warum sie falsch liegen oder Homöopathiegläubige umstimmen zu wollen, löst das Problem nicht und ist im Grunde nur ein lustiger Zeitvertreib für Bildungsprivilegierte.

    Soll wohl heißen, dass das Problem im System liegt, in der Marktwirtschaft, die aufklärerisch implementiert habende Gesellschaftssysteme für erforderlich halten.

    Dieser “Bildungspriveligierte” erkennt aber, unter den oben beschriebenen Voraussetzungen, die Notwendigkeit derartigen Hokuspokus, den es auch in vielen anderen Facetten gibt, nicht nur als Homöopathie.
    Wie auch die Notwendigkeit der Aufklärung des Volks oder der Bevölkerung eben durch diese “Privilegierte”.
    Als Leistungsmerkmal und Merkmalsausprägung der modernen gesellschaftlichen Systeme.
    HTH
    Dr. W

  24. #25 noch'n Flo
    Schoggiland
    25. März 2014

    Ich habe ja schon mal überlegt, mir von einem Apotheker meine ganz eigenen Kügelchen herstellen zu lassen: Organon C200. Dazu wird ein Exemplar von Sammy Hahnemanns Grundlagenwerk fein geschreddert und pulverisiert, dann verdünnt und geschüttelt. Müsste doch logischerweise gegen diesen dämlichen Aberglauben hilfreich sein.

  25. #26 Joseph Kuhn
    25. März 2014

    @ Noch’n Flo:

    Das sollte man einmal ausprobieren. Öffentlich, wie bei der 10:23-Aktion. Ich bin sicher, die meisten, die mitmachen, glauben danach nicht an die Homöopathie. Solche Ereignisfolgen gelten in der Homöopathie ja als Erfolgsnachweis.

    @ Alexander:

    “Die Homöopathen haben einfach eine Marktlücke gefunden.”

    Es gibt dort auch Leute, die nur Geld machen wollen, aber die meisten glauben sicher daran.

    “dann ist Kritik an der Homöopathie eigentlich Kapitalismuskritik”

    Irgendwie vermutlich schon. Aber gerade unter dieser Prämisse sollte man es sich nicht zu leicht machen und die Welt einfach in gut und böse aufteilen, also davon ausgehen, dass auf der einen Seite die kapitalistischen Geldmacher und auf der anderen Seite die gutgläubigen Schafe sind. So funktioniert weder die Homöopathie noch der Kapitalismus.

    “Wer Homöopathie kritisiert sollte sich lieber überlegen, wie das Bildungsystem so gestaltet werden kann, dass Menschen das grundlegene naturwissenschaftliche Wissen bereits in der Schulzeit und auch nachträglich verständlich und einprägsam vermittelt werden kann”

    Nein. Zum einen muss niemand, der die Homöopathie kritisiert, vorher das Schulsystem reformieren oder den Hunger in Afrika beseitigen. Zum anderen ist die Homöopathiegläubigkeit gerade kein Bildungsproblem. Es sind Leute mit guten Bildungsabschlüssen, die nicht mehr glauben, “was der Doktor sagt”, die aufmerksam beobachtet haben, was die Pharmaindustrie so alles anstellt, die unzufrieden damit sind, wie der Medizinbetrieb funktioniert. Das ist eine echte Herausforderung für das Konzept “Health Literacy”, der man nicht nach dem Modell des Nürnberger Trichters begegnen kann, also etwas mehr oder etwas interessanteren Chemie- und Biologieunterricht und fertig.

    “und wie man die Regierenden dazu bringt, dies zuzulassen”

    “Die Regierenden” sind ja nicht gegen guten Unterricht in den MINT-Fächern und “den Regierenden” ist vermutlich auch die Homöopathie im Prinzip egal, so viele homöopathieaffine Leute gibt es unter “den Regierenden” auch wieder nicht.

    “nur ein lustiger Zeitvertreib für Bildungsprivilegierte”

    Es geht darum, die guten und die weniger guten Gründe der Homöopathiefreunde zu verstehen. Die Überzeugung, dass man es selbst besser weiß, hilft nur, wenn man die Macht hat, anderen die eigene Überzeugung aufzuzwingen – und das wäre keine gute Macht.

  26. #27 Dr. Webbaer
    25. März 2014
    dann ist Kritik an der Homöopathie eigentlich Kapitalismuskritik (Alexander)

    Irgendwie vermutlich schon. Aber gerade unter dieser Prämisse sollte man es sich nicht zu leicht machen und die Welt einfach in gut und böse aufteilen, also davon ausgehen, dass auf der einen Seite die kapitalistischen Geldmacher und auf der anderen Seite die gutgläubigen Schafe sind. So funktioniert weder die Homöopathie noch der Kapitalismus.

    Vor allem gibt es den
    Kapitalismus’ nur als marxistische Sicht, die -wie hier ausgeführt werden konnte seitens des werten Inhaltegebers- als Marktwirtschaft mit oder ohne Atribut nicht den Hokuspokus befürwortet, sondern ihn Präferenzen folgend sozusagen vermarktwirtschaftet.

    Der Sozialist, der SPDler bis Grüne bis Linksparteiler hat idR heutzutage ein gewisses Niveau, das die Homöopathie nicht für befürtwortbar hält, bedauerliche Ausnahmen gibt es:
    -> http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=dFIeRm_8TBE (immerhin: Gesundheitsminister NRW)

    MFG
    Dr. W

  27. #28 Dr. Webbaer
    25. März 2014

    * Vor allem gibt es den ‘Kapitalismus’ nur als …

    KA, was hier das System wieder verhunzt hat, das hiesige Publikationssystem (“WordPress”) sollte unter ständiger Beobachtung stehen.

  28. #29 Joseph Kuhn
    25. März 2014

    Ach Webbär. Was soll man zu Sätzen sagen wie dem, dass es den Kapitalismus nur als marxistische Sicht gibt? Dass das eine Gedankenlosigkeit ist? Homöopathisches Denken sozusagen? Oder, mal die innere Paradoxie des Satzes beiseite gelassen, dass dann die Päpste Marxisten sind? Kennen Sie das Buch “Bullshit” von Harry Frankfurt? Lesen Sie’s mal.

    Frau Steffens auf Youtube: Sie wirbt für alternativmedizinische Studiengänge in NRW. Die Lösung für Traunstein! In Düsseldorf könnte man auch eine Kooperation mit der ehemaligen West-LB eingehen, die haben noch erfolgreicher Milliarden potenziert als die Bayerische LB. Der Link zu Youtube ist jedenfalls interessant, rechts vom Steffens-Video sind jede Menge “So heilt man Krebs”-Videos im Angebot, mit den Herren Wurster, Rath, Hamer etc. – eine illustre Nachbarschaft.

    WordPress unter ständiger Beobachtung: Wartungsvertrag mit der NSA?

  29. #30 Dr. Webbaer
    26. März 2014

    Der sogenannte Kapitalismus ist die marxistische Sicht auf die Marktwirtschaft derjenigen Systeme, die im Sinne der Werte und Ideen der Aufklärung implementiert haben.

    Das ist doch Allgemeinwissen.

    Sloterdijk hat mal trocken festgestellt, dass der Kapitalismus die Sicht der Verlierer auf die Marktwirtschaft ist; wobei ihr Kommentatorenfreund sich zwar beömmelt, aber nicht so formulieren würde.

    MFG
    Dr. W (der sich ebenfalls beömmelt, wenn welche die Ursache der Hokuspokus-Akzeptanz ausgerechnet in der Aufklärung suchen)

  30. #31 Alexander
    26. März 2014

    Die Marktwirtschaft interessiert sich im Grunde gar nicht für Aufklärung, denn man kann genauso mit Esoterik Geld verdienen.

  31. #32 Alexander
    26. März 2014

    Die Behauptung, Kapitalismus wäre die Sicht der Verlierer auf die Marktwirtschaft ist argumentum ad hominem. Das funktioniert auch andersherum: Sie möchten als “Gewinner” die Probleme des Systems, das sie befördert hat, unter den Teppich kehren. Wenn vor allem sog. Bildungsbürger an Homöopathie glauben, dann ist das doch eine Bestätigung dafür, dass einen höheren Bildungsabschluss nicht nur aufgeklärte Menschen bekommen und das wiederum ist ein Zeichen dafür, dass ihr “nach aufklärerischen Werten implementierte System” nicht so funktioniert, wie es soll.

  32. #33 Batterie
    26. März 2014

    Ein sehr guter Text!!!

    Speziell zu Abschnitt “Die Kunst des Zuhörens”:
    Leider entspricht Das der Wahrheit, wie ich vor Kurzem erfahren durfte.
    Ja; Psychologischer Stress kann Asthma verursachen. Einer Bekannten von Mir hat der Arzt jedoch das Gegenteil gesagt.
    Und ja: Sie hatte schweren psychologischen Stress…

  33. #34 Dr. Webbaer
    26. März 2014

    @ Alexander :
    Ihre These war ja, dass die in “westlichen” Systemen übliche Marktwirtschaft mit oder ohne Attribut für die Existenz der Homöopathie in Haftung genommen werden könnte.
    Was richtich ist, denn unter Erich, Kim Jon-il oder Adolf wäre sowas nicht passiert (bzw. derartiges Auftreten selten(er))!
    Dafür kommen die Kollektivisten mit anderer Esoterik, die nicht so harmlos ist wie die Homöopathie.


    Witzig natürlich die H.-Abnehmerschaft, die einerseits nicht gänzlich ungebildet sein darf, aber auch nach oben hin bildungsmäßig sozusagen natürliche Grenzen hat.

  34. #35 Joseph Kuhn
    26. März 2014

    @ Alexander: Ob der Webbär wirklich zu den “Gewinnern” des Systems gehört? Ich glaube nicht. Er kommt mir eher vor wie jemand, der mal unter die Räder des Systems geraten ist und nun unter einer Art Stockholm-Syndrom leidet. Aber vielleicht wird er es uns ja eines Tages verraten, wenn er etwas lockerer damit umgehen kann.

    Der Zusammenhang zwischen dem Interesse an der Homöopathie und der Dialektik der Aufklärung, den der Webbär vermutlich einfach nicht verstanden hat, ist eine vertrackte Geschichte. Patientenautonomie und die “informierte Entscheidung” sind wichtige Aspekte in einem Gesundheitswesen, das seine paternalistische Tradition hinter sich lässt. Damit einher geht aber eben auch, dass die Leute machen, was sie wollen. Eine einfache Programmierung anderer Menschen durch das, was die Wissenschaft für richtig hält, gibt es – zum Glück – nicht. Das ist bei der Impfentscheidung nicht anders. So zieht heute eben jeder seine eigenen Schlussfolgerungen aus den Informationen (oder dem, was man dafür hält), die verfügbar sind. Bis man an eine Grenze stößt, an der aus welchen Gründen auch immer die eigene Entscheidungsfreiheit gesetzlich eingeschränkt wird.

  35. #36 miesepeter3
    26. März 2014

    @Joseph Kuhn

    Die HP verstößt derart gegen den naturwissenschaftlichen Grundsatz “Keine Wirkung ohne Ursache”, dass für die Anhänger dieser Art der Wissenschaft nur die totale Ablehnung übrig bleiben kann. Denn wenn nichts mehr da ist, was die Wirkung erzielen könnte, nämlich die Ursache, dann kann die Wirkung günstigstenfalls eingebildet, schlimmstenfalls in Betrugsabsicht behauptet werden.
    Einfach, gut verständlich und “logisch”gedacht?
    Nun hat schon der alte Otto aus Magdeburg vor fast genau 360 Jahren auch eine wissenschatliche Erkenntnis “geliefert” : Man braucht viel Kraft, um das Nichts zu überwinden”.
    Offensichtlich ist für die meisten Wissenschaftler die Menge an geistiger Kraft zu groß, um hier dieses “Nichts” zu überwinden.
    Wenn denn die HP doch wirken sollte, dann wird es wohl auch eine Ursache geben. Womöglich eine, auf die noch keiner gekommen ist oder kommen wollte.

  36. #37 Hermann Schachner
    Wien
    26. März 2014

    Danke für diese Zusammenfassung.
    Liefert mir eine gute Basis, wenn ich mal wieder erklären muss, warum ich nicht an Homöopathie glaube.

  37. #38 Adent
    26. März 2014

    @miesepeter3

    Wenn denn die HP doch wirken sollte, dann wird es wohl auch eine Ursache geben.

    Da die HP nicht wirkt, muß man auch keine Ursache annehmen, haben sie ein Problem mit der Logik darin? Wenn ja, dann zeigen sie bitte erstmal, dass die HP tatsächlich wirkt (nicht das sie manchmal hilft wohlgemerkt) und nicht der Placeboeffekt oder die Falschinterpretation zugunsten einer nicht existierenden Kausalkette stattdessen gewirkt hat.

  38. #39 CM
    26. März 2014

    @miesepeter3

    Unabhängig von dem was Adent schrieb – HP-Anhänger haben schon X Postulate zur Wirkweise aufgestellt (Gedächnis des Wassers – vorhanden, aber leider mit Femtosekundenlänge reichlich kurz; Quantenwelt – hübsch, doch leider nicht mit bisherigen Beobachtungen übereinstimmend; etc.). Natürlich werden irgendwann phantasievolle weitere Erklärungen geliefert und überprüft werden.
    Es geht nicht darum “irgendeine” Erklärung zu finden – sie sollte auch plausibel sein und mit den Beobachtungen zu dieser Welt übereinstimmen. Wunschdenken ist natürlich zulässig – aber darauf wird in der Wissenschaft genausoviel Wert gelegt wie im Alltag: wenig. Das Spiel bringt uns nicht weiter. Erst einmal müßte Wirkung nachgewiesen sein. Auch hier ist Wunschdenken im Spiel – und das ist Gegenstand des Blogbeitrags.

    Schade das Ihnen das nicht gefällt.

  39. #40 noch'n Flo
    Schoggiland
    26. März 2014

    @ Batterie:

    Es ist eben auch schwierig, als Arzt dem Patienten gut und aufmerksam zuzuhören, wenn man für jeden nur ein paar Minuten Zeit hat. Und bei 50-60 Patienten pro Tag leidet irgendwann zwangsläufig auch die Konzentration.

  40. #41 peer
    26. März 2014

    Ich habe gerade einen interessanten Link gefunden, der passt: Eine Pharmafirma muss Homeoathie zurücknehmen, weil Medizin drin ist:
    http://www.popsci.com/article/science/homepathy-company-recalls-products-because-they-might-contain-antibiotics?src=SOC&dom=tw

  41. #42 Sweeper
    26. März 2014

    Jetzt gibt es schon einen Pharma-gesponserten Forschungspreis für homöopathische ADHS-Therapie:

    http://www.ikom.unibe.ch/unibe/medizin/kikom/content/e361435/linkliste361436/SFD2013Abstract_ADHD_ger.pdf

    Preis für homöopathische ADHS-Forschung

    26.03.2014

    Klassische Homöopathie ist bei hyperaktiven Kindern wirksam und kostengünstig. Zu diesem Ergebnis kam ein Schweizer Forscherteam. Sie wurden dafür mit dem vom Institut für Hausarztmedizin der Universität Basel vergebenen Forschungspreis 2013 der Sandoz AG ausgezeichnet. ..

    Wenn das kein ultimativer Wirksamkeitsbeweißß ist …

  42. #43 Dr. Webbaer
    26. März 2014

    @ Herr Dr. Kuhn :

    Ob der Webbär wirklich zu den “Gewinnern” des Systems gehört? Ich glaube nicht. Er kommt mir eher vor wie jemand, der mal unter die Räder des Systems geraten ist und nun unter einer Art Stockholm-Syndrom leidet. Aber vielleicht wird er es uns ja eines Tages verraten, wenn er etwas lockerer damit umgehen kann.

    Ihr Kommentatorenfreund gehört, wie wohl jeder andere auch hier, zu den Nutzniessern des gegebenen modernen Gesellschaftssystems. Klar werden könnte diese Aussage im Vergleich: Wollen Sie heute in unaufgeklärtem Gebiete leben? Das Internet und die Freunde und Nachrichten des Internets missen? Vor 100 Jahren in D gelebt haben? (Mit derartigen Fragestellungen wird ein Salonsozialist oft doch erreichbar, wie sich herausgestellt hat in der netzwerkbasierten Kommunikation; früher genügte ein “Geh doch rüber!”)

  43. #44 G.K.
    26. März 2014

    @ CM # 15

    Denn würde sich die Situation bei Kassenärtzen und Kliniken ändern – ja, würde diese Änderung hin zu mehr Zeit regelmäßiger und mit Nachdruck angemahnt – es fiele schon einige Kredibilität bei den Schamanen weg.

    Das ist genau der Punkt.

    Als ich vor paar Monaten mit einer Lungenentzündung darniederlag, hatte ich das Glück, von einem Arzt behandelt zu werden, der sich genug Zeit nahm, so dass auch sowas wie eine angenehme Arzt-Patienten-Beziehung und gegenseitige Achtung im allgemeinen Sinne entstehen und für beide Seiten eine “win-win-Situation” resultieren konnte.

    Dass da auch andere, nicht-medizinische Faktoren eine Rolle spielen können, scheint mir klar.

    @ noch’n Flo

    Dieser Fehler der mangelnden Zeit bei einer Konsultation kann vielleicht dadurch kompensiert werden, dass man sich durch all die Jahre vom persönlichen Hausarzt begleiten lässt, zu dem man Vertrauen hat und der einen in- und auswendig kennt …

  44. #45 noch'n Flo
    Schoggiland
    26. März 2014

    @ Joseph Kuhn:

    Ich bin sicher, die meisten, die mitmachen, glauben danach nicht an die Homöopathie. Solche Ereignisfolgen gelten in der Homöopathie ja als Erfolgsnachweis.

    Aber wäre das dann nicht ein Paradoxon?

  45. #46 Sweeper
    26. März 2014

    @noch´n Flo:

    Kannst du vielleicht etwas zu den Hintergründen dieses Baseler Institutes sagen oder herausfinden:
    https://ihamb.unibas.ch/ueber-das-IHAMB.html

    Es ist für die Preisverleihung an eine homöopathische ADHS-Studie verantwortlich – siehe mein Beitrag #42

    Ist die Homöopathie inzwischen schon so angeschlagen, dass man ihr Image mit dem Namen der Firma Sandoz boostern muss?

    • #47 Joseph Kuhn
      26. März 2014

      Sorry, Dein erster Kommentar blieb im Spam-Filter hängen. Den Hinweis auf Aust habe ich “gerettet”, siehe unten.

  46. #48 Joseph Kuhn
    26. März 2014

    @ Noch’n Flo:

    Hm. Da muss ich erst meinen Geistheiler fragen.

    @ Sweeper: Norbert Aust hatte sich diese preisgekrönte ADHS-Studie auf seinem Blog ja näher angesehen, sie kam nicht gut dabei weg. Vielleicht ist das ja ein Trostpreis?

    @ Webbär: Wer die Zustände bei uns nicht insgesamt kritiklos bejaht, spricht sich damit nicht für Zustände wie vor 100 Jahren, wie in Afrika oder wie in der DDR aus. Denken in Alles-oder-Nichts-Kategorien ist oft ein Denkfehler. Sie führen das sehr anschaulich vor. Dafür danke.

  47. #49 Dr. Webbaer
    26. März 2014

    Eine Frage die Sie nicht beantworten können, Herr Dr. Kuhn:

    Wer die Zustände bei uns nicht insgesamt kritiklos bejaht, spricht sich damit nicht für Zustände wie vor 100 Jahren, wie in Afrika oder wie in der DDR aus.

    Für welche denn? [1]

    Ansonsten soll die Stimmung, die Sommerzeit steht bevor, nicht unnötig verhunzt werden; selbstverständlich bleibt Ihre Expertise im Epidemiologischen geschätzt.
    Und Püschologen waren wir ja alle mal.

    MFG
    Dr. W

    [1] jedenfalls nicht für Zustände, die die Homöopathie begrüßen und den Rotwein vergellen vermutlich; hier stimmt Dr. W auch gerne zu, der aber seit bald zwei Jahrzehnten nur noch Leichtbier konsumiert, 8 bis 10 Grad Stammwürze, Cognac und Whisk(e)y Besseren überlässt, obwohl auch gut…

  48. #50 Joseph Kuhn
    26. März 2014

    “Ansonsten soll die Stimmung, die Sommerzeit steht bevor, nicht unnötig verhunzt werden”

    Das wäre doch schon mal ein weltverbessernder Anfang.

  49. #51 Sweeper
    26. März 2014

    @Joseph:

    Scheint tatsächlich ein Trostpreis zu sein, noch dazu ein recht angestaubter aus dem vergangenen Jahr:

    http://www.primary-care.ch/docs/primarycare/2013/17/de/pc-d-00466.pdf

    Das hat Berd Harder schon damals kommentiert:

    http://blog.gwup.net/2013/10/01/homoopathie-wirkt-auch-dann-nicht-wenn-man-ihr-einen-preis-verleiht/

    Musste aktuell wohl tatsächlich zwecks Imagepflege exhumiert werden… :-)

  50. #52 noch'n Flo
    Schoggiland
    27. März 2014

    @ Sweeper:

    Komisch, ich arbeite an sich eng mit dem IHAMB zusammen, die meisten Kollegen dort sind eigentlich recht vernünftig. Wie die so einer Studie einen Preis geben konnten, ist mir ein Rätsel.

  51. #53 miesepeter3
    27. März 2014

    @CM

    Die Rede ist hier natürlich von “richtigen” Ursachen, nicht von Wunschdenken. Ob da je welche gefunden werden, kann ich nicht beurteilen. Ob HP eine Wirkung hat, die zu irgendeiner Ursache passt?
    Nun, viele sagen es gibt keine Wirkung. Ein schweizer Forschungsteam hat vor kurzen in einer bis jetzt nicht widerlegten Studie nachgewiesen, dass HP zumindestens bei Entengrütze gegen Vergiftung hilft, und zwar enorm.
    Nun wollen die herausfinden, warum es hilft. Bis dahin bitte Vorsicht bei der Beurteilung des Geisteszustandes von Kritikern an der Kritik von HP.

  52. #54 Dr. E. Berndt
    27. März 2014

    Danke für diesen Beitrag! Wirklich gut!
    Ich sehe diesen Beitrag als weitere Bemühung aufzuhellen, welche Mechanismen den Glauben an die Wirksamkeit der Homöopathie ermöglichen und auslösen.

  53. #55 CM
    27. März 2014

    Ob HP eine Wirkung hat, die zu irgendeiner Ursache passt?
    Wenn es beide nicht gibt, hat die Frage wenig Bedeutung.

    Mit Verlaub:
    Ein schweizer Forschungsteam hat vor kurzen in einer bis jetzt nicht widerlegten Studie nachgewiesen, dass HP zumindestens bei Entengrütze gegen Vergiftung hilft, und zwar enorm.
    Es gibt eine Studie X (nicht zitiert), die besagt, dass HP wirkt – ist eine Aussage, die man ständig und immer wieder hört. Bislang ist mir keine gut gemachte Studie untergekommen (bzw. gute unterliegen dem Gesetz der kleinen Zahl). Also: Wenn Sie einen Beleg bringen wollen, dann bitte mit Quelle.

    Und Nun wollen die herausfinden, warum es hilft. … na ja, als Wissenschaftler fehlt mir der Respekt vor Autoritätsgeheische. Es liegt mir aber fern den Geisteszustand von Leuten zu beurteilen, von denen ich gar nichts weiß. Darum geht es eben auch nicht hier im Blogbeitrag, sondern um psychologische Motivationen, die in uns allen stecken. Und das hat nichts damit zu tun, das HP-Gläubige einen besonders unschönen Geisteszustand aufweisen, der einzig HP-Gläubige auszeichnet.

  54. #56 Joseph Kuhn
    27. März 2014

    @ miesepeter3:

    “Ein schweizer Forschungsteam hat vor kurzen in einer bis jetzt nicht widerlegten Studie nachgewiesen, dass HP zumindestens bei Entengrütze gegen Vergiftung hilft, und zwar enorm.”

    Hier ist die Widerlegung: http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=280

    Was die Sache mit den “richtigen” Ursachen versus Wunschdenken angeht: Der Placeboeffekt ist eine “richtige” Wirkung, kein Wunschdenken. Die Kügelchen wirken und sie wirken durch das geheimnisvolle Drumrum (siehe oben im Blogbeitrag) vielleicht sogar besonders gut. So ähnlich wie rote Placebopillen anders wirken als blaue. Dazu könnte man schön forschen. Trotzdem sind die Kügelchen an sich nicht das Agens dieser Wirkung.

  55. […] Homöo-Akademie Traunstein: BR Kontrovers klärt auf! Homöo-Akademie in der SZ Kategorie: Homöo-Akademie Kategorie: Homöopathie Nur nicht aufregen. Homöopathie gibt es ja gar nicht. 10 Gründe, an die Homöopathie zu glauben, oder es sein zu lassen […]

  56. #58 Sweeper
    27. März 2014

    Dieses Paper eines überzeugten Homöopathen stell ich mal hier zur Kenntnisnahme ein – eine mir völlig fremde Denkweise (mutet beinahe schamanistisch an), die jedoch erfreulich wenig von Lagerdenken geprägt ist und die ich deshalb respektiere, auch wenn ich sie nicht teilen kann:

    http://verlag-medizinischesforum.de/artikel-neu/Placebo_Homoeopathie_und_mehr_Hans_Juergen_Achtzehn.pdf

  57. #59 Joseph Kuhn
    27. März 2014

    @ Sweeper:

    Danke für den Link. Ein interessanter Text, stellenweise recht problembewusst, stellenweise im Kontrast zu vorher formulierten Einsichten aber auch von einer bestürzenden Naivität:

    “Als Therapeut weiß ich, dass die Homöopathie heilend wirkt. Dementsprechend sind diese Studien (…) fast ausschließlich für die theoretische Wissenschaft von Interesse und vielleicht noch für das Geltungsbedürfnis einzelner.”

    Das wirkt auf mich weniger “schamanistisch”, eher wie Kierkegaards Position, dass der Glaube eine Entscheidung gegen alle Vernunft sei, eine bewusste Auslieferung des Menschen an den Glauben.

  58. #60 Sweeper
    27. März 2014

    @Joseph:

    eher wie Kierkegaards Position

    Das Beunruhigende an Kierkegaards Position ist nicht zuletzt, dass man ihm nicht gerade Unreflektiertheit zum Vorwurf machen kann… 😉

    Übrigens täuscht dich deine Intuition nicht:
    Herr Achtzehn hat eine evangelische Privatschule besucht und als Wohnsitz und Tagungsstätte ein geschichtsträchtiges Haus der Inneren Mission übernommen – wusste ich aber auch nicht … ebenso wie ich über das pdf nur gestolpert bin auf der Suche nach – ich weiß nicht mehr 😉

    Mir gefällt diese Reflektiertheit im Bewusstsein der System-Brüche. Ein guter Kliniker kennt eben auch die Grenzen der “Evidenzbasiertheit” – nicht weil diese nichts taugt (sie ist die Basis!), sondern weil zu Gunsten der Aussagefähigkeit einer Studie eine Reduktion (Parameter, Zusammensetzung der Kohorten etc) nötig ist, die wiederum der komplexen Realität des einzelnen Patienten nicht gerecht wird.

  59. #61 G.K.
    27. März 2014

    @ Sweeper

    Danke für den Link zu diesem interessanten Text.

    Der Autor ist wenigstens so ehrlich, dass er zugibt, dass er (noch) nicht weiss, wie die Homöopathie eigentlich wirkt, sondern auf einer ganzen Reihe von postulierten “Wirklichkeiten” beruht, dh auf irgendwelchen geistigen, energetischen oder schwingungsmässigen Gegebenheiten, die vielleicht in naher Zukunft erst verstanden werden können.

    Das macht nur Sinn, wenn weiterhin als Grundlage an das alte Geist-Seele-Körper-Modell geglaubt und entsprechend gelebt wird, in gesunden und kranken Tagen.

    (Dementsprechend bestände der Mensch neben dem grobstofflichen, materiellen Körper auch noch aus einem oder mehreren Geist-Körpern, – sonst funktioniert es nicht.)

    Der homöopathische Therapeut als Empfänger für die Schwingungen des kranken Menschen, der sich zusammen mit dem Simile (Arznei) als Resonator wieder dem Kranken zuwendet und ihn heilt.

    So ungefähr könnte ich mir das vorstellen … :)

    Nein, sehr erhellend finde ich schon den oben von CM eingeführten Begriff des “Wunschdenkens”. Dieser Bewusstseinsmodus mag uns in der volltechnisierten Welt vielleicht ein wenig obsolet vorkommen, ist aber nach wie vor Teil unserer Kultur – und Natur.

  60. #62 Joseph Kuhn
    28. März 2014

    @ Sweeper:

    Kierkegaard: Unreflektiertheit kann man ihm gewiss nicht zum Vorwurf machen. Ähnliche bewusst paradoxe Positionen gab es in der Theologie immer wieder, z.B. bei Augustinus. Witzigerweise hatte gerade Papst Benedikt in seiner umstrittenen Regensburger Rede das Verhältnis von Glaube und Vernunft anders gefasst. Aber ich bin kein Theologe und das ist ja auch etwas OT.

    Jedenfalls ist anzunehmen, dass Homöopathen, die so über die Sache nachdenken, lohnende Gesprächspartner sind.

    Statistik und der Einzelne: Darüber gab es in der Testpsychologie schon früh Diskussionen, die Frage, mit welcher Wahrscheinlichkeit statistisch gewonnene Testnormen für Einzelne gelten hat ja, z.B. bei Berufseignungstests, ähnlich ernste Folgen wie die Frage, für wen welche Medikamente wirken. Die Antwort ist einfach: Der Einzelfall ist immer ein Problem, wenn man ihn nicht z.B. aus theoretischen Gründen irgendwo (halbwegs) sicher zuordnen kann, was bei Menschen oft nicht geht. Dagegen braucht man die Frage, ob ein VW Golf (normalerweise) vier Räder hat, nicht unbedingt durch eine Stichprobe statistisch zu testen, hier weiß man es auch so, weil der VW so konstruiert ist.

    Mit der Rede von der “komplexen Realität des einzelnen Patienten” wäre ich trotzdem vorsichtig, siehe die Diskussion um die Evaluierbarkeit komplexer Interventionen und die Diskussion mit “frafri” drüben bei den Scilogs.

  61. #63 Bloody Mary
    28. März 2014

    Trotzdem sind die Kügelchen an sich nicht das Agens dieser Wirkung.

    Doch – steht so in der Zeitung :-)
    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/homoeopathie-hilfe-ein-wirkstoff-im-kuegelchen-1.1923027

  62. #65 CM
    28. März 2014

    @Joseph Kuhn, #56:

    Hier ist die Widerlegung … wieder Arbeit gespart ;-). Vielen Dank, das war mir nicht bekannt – “Entengrützenhomöopathie” war bislang nicht untergekommen, aber man kann auch nicht alles zum Thema lesen. Herrn Austs Blog jedenfalls sollte ich häufiger aufsuchen.

    Die übrigen Worte zur Wirkung sind natürlich absolut korrekt. Ich sollte demnächst präzisieren und von “Wirkung über den Placeboeffekt hinaus” sprechen.

  63. #66 miesepeter3
    31. März 2014

    @Joseph Kuhn

    “Hier ist die Widerlegung:”

    Das ist eine Wiederlegung?
    N´bißchen ich weiß nicht, ich glaube nicht und gefällt mir nicht?
    Naja, da kann ich nicht mehr mithalten.

  64. #67 Joseph Kuhn
    31. März 2014

    @ Miesepeter3: War in Herrn Austs Kritik gar kein Argument dabei, das Sie bedenkenswert fanden? Und umgekehrt: Was an der Wasserlinsenstudie hat sie denn besonders überzeugt?

  65. #68 miesepeter3
    1. April 2014

    @Joseph Kuhn

    Doch, Da gab es schon Aussagen, die mich stutzig machten.
    Und ich hatte geglaubt, dass tatsächlich es den Wasserlinsen nach Gabe der Globuli besser ging.
    Aber wie schon gesagt, auf diesem hohen Niveau der Spitzfindigkeiten kann ich nicht mehr mithalten und weiß nicht so auf Anhieb, wem ich mehr Wahrheit zutraue. Habe da dann doch Schwierigkeiten, für mich nicht mehr nachprüfbares Fremdwissen richtig einzuteilen.

  66. #69 Joseph Kuhn
    1. April 2014

    @ miesepeter3: Diese Kluft zwischen fachlichen und öffentlichen Debatten und den damit verbundenen Glaubwürdigkeitsfragen gibt es auch in anderen Bereichen, z.B. beim Passivrauchen. Eine richtig gute Lösung habe ich leider auch nicht anzubieten. Hinzu kommt, dass unser Umgang mit Expertenwissen insgesamt anders geworden ist, misstrauischer, taktischer, oder neutraler formuliert: “reflexiver”. Der Münchner Soziologe Ulrich Beck hat das schon Mitte der 1980er Jahre in seinem berühmten Buch “Risikogesellschaft” beschrieben.

  67. #70 miesepeter3
    1. April 2014

    @Joseph Kuhn

    Da kann ich mal vorbehaltlos zustimmen; Das Leben ist ein Risiko!
    Aber es lohnt sich.

  68. #71 Joseph Kuhn
    1. April 2014

    Das war hier ja eigentlich ein “Homöopathie-Versteher-Blogbeitrag”.

    Manches verstehe ich allerdings rein “handwerklich” nicht. Zum Beispiel gibt es ein Homöopathikum namens “Sol”. Das soll verdünnte Sonnenstrahlung sein und gegen Hautkrebs helfen. Hier braucht man also kein Wassergedächtnis, um eine Information zu übertragen. Hat das aus Sicht der Homöopathie Folgen für die Plausibilität, dass hier etwas wirkt? Ähnlich beim Mittel “Vacuum”. Ich nehme an, das ist nicht das Mittel gegen Homöopathiegläubigkeit. Dass sich Vakuum selbst verdünnen lässt, glauben vermutlich auch die Homöopathen nicht. Aber woher kommt hier die Information und wie wird sie übertragen?

    Dann habe ich ein Mittel namens Plutonium nitricum gefunden, es soll u.a. gegen die Folgen von Missbrauch und Krieg helfen. Darüber will ich jetzt nicht nachdenken, aber woher bekommt man eigentlich Plutonium zum Verdünnen?

    Und noch eine Frage. Das Homöopathikum Adamas scheint, wenn ich es richtig verstanden habe, aus Diamanten hergestellt zu werden. Ich bin kein Materialwissenschaftler, daher würde mich interessieren, wie man Diamanten verdünnt.

  69. #72 illuminati
    2. April 2014

    Ich bin kein Materialwissenschaftler, daher würde mich interessieren, wie man Diamanten verdünnt.

    Stichwort: Diamantenstaub!

  70. #73 Joseph Kuhn
    3. April 2014

    “Stichwort: Diamantenstaub!”

    Staub hat eine bestimmte Körnung. Da wird es mit dem Verdünnen schnell schwierig. Oder wird der Diamant nur einmal ins Wasser gegeben und danach nur noch die “Information” verdünnt? Wäre zumindest billiger.

  71. #74 Adent
    3. April 2014

    @Joseph
    Da das Licht an sich ja sowohl Welle als auch Teilchen ist, kann man beim Sonnenlicht doch die Welle darin verdünnen, oder habe ich da was falsch verstanden, hüstel…
    Im Ernst, seit wann interessiert einen HP gläubigen eine rationale Erklärung/Begründung?

  72. #75 illuminati
    3. April 2014

    Oder wird der Diamant nur einmal ins Wasser gegeben und danach nur noch die “Information” verdünnt? Wäre zumindest billiger.

    Die Frage müsste sein, ob Information potenziert werden kann. Und wenn, was würde dabei herauskommen?
    Vielleicht hilft @Adent hier weiter.

  73. #76 Nadine
    Hamburg
    5. April 2014

    Mir fehlt immer noch ein gutes Argument gegen das “Tier” Argument: Mein von den Tierärzten aufgegeben Pferd ist wieder geheilt und meiner Katze hilft es auch immer..
    und mein Hund sollte laut Tierarzt nur noch ca. ein Jahr haben jetzt lebt er schon 5 mit dem Tumor und natürlich durch Homöopathie )….

  74. #77 rolak
    5. April 2014

    fehlt immer noch

    Eigentlich nicht, Nadine, denn Menschen sind auch Tiere, so gleich und ungleich untereinander und zu den anderen wie alle anderen auch. Und hey, Menschenärzte werden alle naslang wegen irgendeiner Fehlleistung vor den Kadi gezerrt – warum sollte es keine krassen Fehldiagnosen vom Tierarzt geben?

    natürlich durch

    Selbstverständlich 😉

  75. #78 Theres
    5. April 2014

    @Nadine
    Die verabreichten Kügelchen haben dich beruhigt, weil du den Eindruck hast/hattest etwas zu tun und damit natürlich auch deine Tiere. Pferde wie Hunde sind soziale Wesen, die auf dich reagieren, nicht?

    Es ist übrigens ziemlich normal, dass alte Hunde Jahre mit einer Krebserkrankung leben, also mit einem sichtbaren Tumor … Und es gibt viele Arten Krebs, einige eben bösartiger als andere. Dein Hund hat einen nicht so schnell tödlichen erwischt, überaus salopp gesagt. An den verabreichten Globuli lag das aber nicht.

    Ohne die Unterlagen und ohne Tierarzt zu sein, kann man zu deinem aufgegebenen Pferd auch nicht mehr sagen als rolak schon hat. Mit alternden Hunden habe ich wenigstens Erfahrung, mal die und mal die andere.

  76. #79 Joseph Kuhn
    5. April 2014

    @ Nadine:

    Placeboeffekte bei Tieren sind nichts Besonderes, googeln reicht:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Placebo

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/streit-um-homoeopathie-tierischer-placeboeffekt-a-743592.html

    http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=1072

    Usw. usw.

    Sehr beeindruckend, was das Zusammenspiel von Mensch und Tier angeht, ist die alte Geschichte vom “klugen Hans”, einem scheinbar rechnenden Pferd: http://de.wikipedia.org/wiki/Kluger_Hans

    @ rolak:

    “Menschen sind auch Tiere”

    Oder, um es von der anderen Seite her zu formulieren: Menschen sind im Hinblick auf ihr Menschsein nicht vom Tier abzugrenzen, sondern vom Unmenschlichen.

  77. #80 Nadine
    Hamburg
    6. April 2014

    Ich möchte betonen, dass ich nicht an diese Zuckerkugeln glaube…. aber es halt immer als letztes Argument dafür kommt wenn man versucht mit “Gläubigen” zu reden.. das mit dem DU beruhigst dein Tier weil du dich kümmerst unterstellt ja, das sie sich VOR den Zuckerkugeln nicht gekümmert haben… also schwieriges Argument….

    Natürlich sind Menschen auch Tiere, für mich kein Problem . ich brauche auch keine Göttliche Wesen oder Höhere Macht um glücklich zu sein… aber manchmal möchte man denen, die all das Brauchen einfach nur sagen: “Warum möchtest du so Dumm bleiben und gibst dein hart verdientes Geld für Blödsinn aus?” und man hat den Eindruck das es immer mehr werden (und eben die aufgeklärten immer weniger)

    Gruß
    Nadine

  78. #81 Theres
    6. April 2014

    @Nadine

    das mit dem DU beruhigst dein Tier weil du dich kümmerst unterstellt ja, das sie sich VOR den Zuckerkugeln nicht gekümmert haben… also schwieriges Argument….

    Nein, nein, ich meinte, machtlos vor der Krankheit stehen gegen das beruhigende Gefühl, etwas zu tun. Mensch ruhig, Tier auch ruhig. Von kümmern war so gesehen nicht die Rede, vorausgesetzt, du beziehst dich auf meine Antwort.

    Tiere reagieren auf die Stimmung ihres Besitzers schließlich auch, wenn sie krank sind, oder dann ganz besonders.
    Und im Übrigen hat Joseph Kuhn mit seinen Links doch noch mehr Argumente geboten.

  79. #82 klauszwingenberger
    7. April 2014

    An die Tierhomöopathie glaube ich erst, wenn Fische und Lurche auf Kügeli abfahren.

  80. #84 Joseph Kuhn
    9. April 2014

    @ Ludger: Danke, das kannte ich noch nicht.

  81. […] Beitrag bei den Scienceblogs […]

  82. […] Warum Menschen glauben, dass an Homöopathie etwas “dran sein” müsse, ist hier im GWUP-Blog und andernorts bereits erschöpfend behandelt worden, neulich erst im Telegraph oder bei Gesundheits-Check. […]

  83. […] auch nicht mehr die möglichen Einflüsse von Hexen und Naturgeistern in Rechnung. Gut, manche glauben an die Homöopathie, also daran, dass Nichts wirkt, und meinen, das sei ein Unterschied dazu, dass nichts wirkt. Die […]

  84. […] durchgeführt.“ Ob sich wohl die Studierenden in der homöopathischen Famulatur mit den Gründen für den Glauben an die Homöopathie beschäftigen oder mit den Schwächen der Studien zur Wirksamkeit der […]

  85. #89 Nina
    27. Juli 2015

    … und ich kann dann doch nicht andauernd schweigend über sowas hinweglesen.

    Hallo. Schön, euch kennenzulernen.
    Ich selbst nutze Homöopathie selbst nicht mehr so häufig, was aber auch mehr daran liegt, dass ich länger nicht mehr ernsthaft krank war.
    Dennoch kann ich mich noch gut an einen früheren Vorfall erinnern:
    Es ging mir überhaupt nicht gut, ich benutzte keine anderen Medikamente, nur Homöopathie. Die halbe Stunde darauf ging es mir noch viel schlechter. Danach schlagartig besser.
    Als ich nachschlug, laß ich, dass genau das passieren kann. Eine andere Nebenwirkung war nicht verzeichnet.
    Soll das Zufall sein oder ein komisches Symptom einer Grippe?

    Ich kann die Kritik, die hier geäußert wird, sehr gut verstehen. Leider bin ich quasi damit “aufgewachsen” und hab es schon mehrmals am eigenenen Körper erlebt.
    Natürlich kann ich jetzt auch irgendein dahergelaufener Scharlatan sein, der seine Globuli verticken will.
    Würde trotzdem gerne eine Meinung dazu hören.

    • #90 Joseph Kuhn
      27. Juli 2015

      “Würde trotzdem gerne eine Meinung dazu hören.”

      Dann fangen Sie am besten noch mal oben an zu lesen. Da stehen 10 Gründe, wie man solche “früheren Vorfälle” erklären kann. Die eigene Erfahrung, auch die wiederholte, ist ein täuschungsanfälliges Ding. Wenn Sie das nicht glauben, empfehle ich Ihnen einen Besuch bei einem guten Zauberkünstler, er wird es Ihnen zeigen. Oder bleiben Sie bei Ihren Homöopathika, bis Sie gegenteilige Erfahrungen machen. Niemand kann Sie zwingen, Ihre eigenen Erfahrungen selbst kritisch zu hinterfragen.

      Und ob Sie ein “irgendein dahergelaufener Scharlatan” sind? Sie wissen, ob Sie einer sind und mich interessiert es ehrlich gesagt nicht.

  86. […] Homöopathie steht fest auf zwei Beinen: Ihre Anhänger haben ihre ganz eigenen Gründe, an die Wirksamkeit der Kügelchen zu glauben, und die Homöopathie hat starke politische Unterstützung. Ein aktuelles Beispiel ist die von der […]

  87. #92 awmrkl
    26. Januar 2016

    @Joseph Kuhn #17

    Der Link dieses Videos hat sich geändert:
    http://www.ecranproject.eu/de/node/227
    oder gleich

    Und ja, es ist gut gemacht (für jemand, der noch keine Ahnung von der Materie hat)

    Ansonsten: Guter Artikel!