In diesem Blog wurde in den letzten zwei Jahren mehrfach das exotische Treiben am Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften (INTRAG) an der Viadrina in Frankfurt/Oder diskutiert. Auslöser war eine etwas eigenartige Masterarbeit, die von Prof. Walach unter anderem mit dem Argument verteidigt wurde, eine Masterarbeit sei eine Qualifizierungsarbeit und noch keine richtige wissenschaftliche Arbeit.

Jetzt darf man eine Dissertation aus Frankfurt zur Kenntnis nehmen, also ganz sicher eine richtige wissenschaftliche Arbeit, betreut von Prof. Schmidt und Prof. Walach: Manuela Pietza (2014) “Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit der Quantenheilung”.

Als Anreiz zum Selberlesen hier ein paar Geschmacksproben:

Seite 14: „Obwohl der Quanten-Ansatz derzeitig bei Alternativmedizinern (König, 2012), Gesundheitsberatern (Model, 2012) und Seminaranbietern verstärkt in den Blickpunkt rückt, entspricht die Quantenheilung nicht der offiziellen schulmedizinischen Lehre.“

Seite 21: „Der Begriff Quantenheilung entlehnt sich aus dem Wort der Quantenphysik.“

Seite 22: “Im Rahmen dieser Dissertation bestand das Bestreben, auf die Spur dieser Erkenntnisse zu kommen, um einen eventuellen Bezug zur Wortschöpfung der Quantenheilung aufzudecken. Nachdem ich die fachspezifische physikalische Literatur gesichtet hatte, wurde aufgrund der wissenschaftlichen Komplexität von mir entschieden davon abzusehen.“

Seite 26: „In der Unermesslichkeit der quantenphysikalischen Erkenntnisse und der terminologischen Anlehnung der Quantenheilungsvertreter erscheint zum Abschluss dieses Kapitels folgende Textstelle aus dem Lied ‚All things change‘ passend (…)“

In diesem Stil geht es die ganze Zeit weiter. Es gibt auch einen medizinhistorischen Rückblick mit hohem Unterhaltungswert und eine Einbettung des Themas in die aktuelle Diskussion um Wartezeiten auf einen Therapieplatz. Quantenheilung als Option für die, die sonst keinen Therapieplatz bekommen? Das könnte man für untergründigen Humor halten, aber ich fürchte, es ist ernst gemeint.

Der empirische Teil der Dissertation ist „eine prospektive, randomisierte, kontrollierte Interventionsstudie mit freiwilliger Teilnahme der Patienten“ (Seite 42). Verglichen wurde eine Interventionsgruppe mit einer Wartegruppe, dabei gab es eine Vorstudie und eine Hauptstudie, den Grund dafür habe ich nicht verstanden, auch nicht, warum es eine zusätzliche Interventionsgruppe ohne Kontrollgruppe gab, vielleicht einfach, weil sie da war. Die Behandlung war, falls ich das richtig verstanden habe, eine 20-minütige Sitzung mit Berührung und der Aufforderung, sich die Heilung bereits als erfolgt vorzustellen. Das erinnert an hypnotherapeutische Verfahren, so etwas kann in der Tat helfen. Herausgekommen ist, so die Autorin, dass die Behandlung erfolgreich sei, dazu gibt es allerhand Statistik, und eine Diskussion, in der für die Wirkung immerhin nicht die Quantenphysik, sondern Placeboeffekt, therapeutische Zuwendung und Ähnliches bemüht werden. Sogar unser Bloggerkollege Florian Aigner wird mit seiner Kritik an der Quantenschwurbelei in der Heilerszene zustimmend zitiert. Das muss man der Arbeit wohl zugute halten. Ob sonst noch etwas, mag jeder selbst beurteilen.

Ich frage mich, was man am Frankfurter Institut aus der Kritik an der Masterarbeit gelernt hat. Und welche medizinische Fakultät demnächst mit dieser Speerspitze der Aufklärung zusammenarbeiten soll, eine solche Kooperation war ja das Versprechen der Viadrina damals, um der von der Brandenburgischen Hochschulstrukturkommission empfohlenen Auflösung des Instituts aus dem Weg zu gehen. Da wäre wohl zum Abschluss das Lied „Nothing changed“ passend.

Kommentare (56)

  1. #2 Mr. MIR
    FSMK
    23. August 2014

    Sehr geehrter Herr Prof. Walach! Darf ich Sie als Spezialisten darum bitten, zu erforschen, ob die FSMoPathie (http://fsmosophica.wordpress.com/2014/06/04/die-fsmopathie) der Homöopathie ebenbürtig ist?

    Vielen Dank & Ramen,

    Mr. MIR

  2. #3 rolak
    23. August 2014

    Vorstudie und eine Hauptstudie, den Grund dafür habe ich nicht verstanden

    Stell Dir mal vor, nach der eigentlichen Studie kommt heraus, daß nichts da ist – da lohnt sich doch eine kleine Exploration, ob mittels der gewählten Methodik überhaupt etwas Positives herauszukitzeln ist.

    Sitzung mit Berührung

    Das klingt ja nach Ringelpiez mit Anfassen¹ – allerdings ist gerade bei den die Probandenauswahl bestimmenden, höchst diffusen Krankheitsbildern, die zusammenfassend imho mit ‘mir isset nich so’² beschrieben werden können der Suggestion bestens vorgearbeitet, ergibt doch die Ablenkung vom gefühlten Problem typischerweise eine kurz- bis mittelfristig wahrgenommene Besserung. Falls übrigens jemand sich nicht so recht vorstellen kann, mit welch unscheinbaren Techniken, insbesondere kleinen, enorm vertrauenssteigernden Berührungen schon erstaunliche Effekte erzielt werden können, dem sei die bei Youtube weitgehend einsehbare Sammlung der Derren Brown-Shows zum Thema anempfohlen.

    .. zugute halten. Ob sonst noch etwas

    Ja, erstaunlich wenig Fehler in Syntax und Semantik – meist wohl flüchtigkeitsbedingt wie bei “Rhein-Kreis-Neuss“. Kann selbstverständlich auch ein Kollateralschaden der systemimmanenten Realitäts-Flüchtigkeit sein… Ausgleichend sind markige Sätze wie zB “Durch die Veränderung auf der Bewusstseinsebene könne ein Neuaufbau der Zellenstruktur des Patienten induziert werden.” wahre Kracher, Garanten instantan induzierter Heiterkeit bis Verzweiflung (je nach Stimmungslage).

    Irgendjemand eine Idee, was das “n.d.” hinter Einsteins Namen, beim Motte der Seite 21 bedeutet? Nomen dubium wirds ja wohl nicht sein.

    _____
    ¹ oder, lokal bekannt, Saalkarneval mit Schunkeln 😉
    ² das bezieht sich klarerweise nicht auf echte Depressionen und krasse Schmerzbilder

  3. #4 Ludger
    23. August 2014

    Zitat aus der Zusammenfassung der Dissertation von Dipl.-Psych. Manuela Pietza:

    Zur Diskussion der Wirkfaktoren für die ermittelten Ergebnisse werden innerhalb der Studie diverse psychotherapeutische Erklärungsmodelle betrachtet. Als mögliche Wirkmechanismen bieten sich vor allem der Placeboeffekt, kognitive Prozesse, der antiinflammatorische Reflex und das Vier-Faktoren-Modell von Frank und Frank (1991), welches als Therapieschulen überschneidend zusammengefasst wurde, an. Die Rolle des Bewusstseins, mit einer positiven Ausrichtung auf individuelle Selbstheilungskräfte, wird innerhalb des Gesundheitswesens als kulturell zeitgemäß hervorgehoben. Insgesamt lässt sich ein Zusammenhang zwischen quantentheoretischen Modellen und der Quantenheilung zum jetzigen Zeitpunkt nicht belegen.[Hervorhebungen durch mich] […]

    Da kann man den Einfluss von Scienceblogs erkennen: Es gibt in der Arbeit einen Hinweis auf Bäker und in der Literaturliste folgende Literaturangabe:

    Bäker, M. (2012). Ich bin jetzt Quantenheilungs-Skeptiker! Zugriff am 02.06.2013. Verfügbar unter http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2012/02/05/ich-bin-jetztquantenheilungsskeptiker/

  4. #6 David Klemperer
    23. August 2014

    .. und ich dachte immer, Quantenheilung sei das, was Podologen betreiben
    http://www.duden.de/suchen/dudenonline/Quanten%20%5Bgro%C3%9Fe%20F%C3%BC%C3%9Fe%20Schuhe%5D

  5. #7 Dr. Webbaer
    23. August 2014

    Vielleicht dürfen an dieser Stelle und im Kontext ‘Speerspitze der Aufklärung‘ folgende Webverweise beigebracht werden:
    -> http://www.europa-uni.de/de/ueber_uns/portrait/viadrina/index.html (‘eine multikulturelle Versuchung’)
    -> http://www.europa-uni.de/en/forschung/institut/institut_intrag/Selbstverstaendnis.html (‘Beijing Declaration’)
    -> http://www.who.int/medicines/areas/traditional/congress/beijing_declaration/en/

    MFG
    Dr. W

  6. #8 Volker Birk
    http://blog.fdik.org
    23. August 2014

    Nanu, wie wird hier denn über weisse Magie berichtet? Wurde dieser Bericht überhaupt vom Zaubereiministerium genehmigt? 😉

    Wenn das in diesem Blog noch so weitergeht, kommen die Dementoren und entführen den Autor nach Askaban!

    Die Frage jedoch, was man am Frankfurter Institut aus der Kritik an der Masterarbeit gelernt hat, möchte ich Dir gerne hiermit abschliessend beantworten:

  7. #9 Joseph Kuhn
    24. August 2014

    @ rolak, @ Volker Birg:

    Dass in der Arbeit die Wirkung der “Quantenheilung” untersucht werden soll, ist völlig legitim, warum nicht. Es geht mir nicht um die vielleicht etwas unkonventionelle Fragestellung, sondern darum, wie diese Fragestellung bearbeitet wurde, z.B. dass die Arbeit sprachlich an vielen Stellen wirkt, als käme sie aus dem Google Translater, dass der medizinhistorische Teil das Niveau eines Schüleraufsatzes hat, ebenso die Bezüge auf die Physik, dass der gesundheitspolitische Abschnitt mit der Aussicht, dem Therapieplatzmangel durch Verfahren der Quantenheilung zu begegnen, abstrus ist, dass unklar bleibt, inwiefern die Arbeit die therapeutischen Spezifika der “Quantenheilung” und nicht einfach Elemente imaginativer/hypnotherapeutischer Verfahren untersucht (die Behandlungsinhalte werden ja insgesamt nicht gut beschrieben), dass der Stand der Psychotherapieforschung bestenfalls kursorisch vorkommt, dass sich die Arbeit schwer tut, eine vernünftige Position gegenüber den physikalischen Erklärungsbemühungen der Quantenheiler einzunehmen (man hat den Eindruck, dass ursprünglich eine konfirmative Linie verfolgt wurde, die dann vorsichtshalber zurückgenommen wurde) usw. usw.

    Bei alldem hätten die Betreuer die Promovendin mehr fördern und fordern müssen, so wird auch das noch verschenkt, was man mit Blick auf die Effekte imaginativer/hypnotherapeutischer Interventionen aus der Sache hätte machen können.

  8. #10 RAJ
    24. August 2014

    @Joseph Kuhn

    Noch eine Ergänzung zu den „physikalischen Grundlagen“ der Quantenheilung. Die Promovendin „nahm davon Abstand“, diese näher zu explorieren. Daran tat sie gut.

    Erstens bedürfte es sehr solider Kenntnisse der Quantenmechanik und Quantenfeldtheorie sowie der Biophysik, Biochemie und Physiologie, um überhaupt eine auch nur ansatzweise ernstzunehmende Hypothese formulieren zu können. Eine „Verallgemeinerte Quantenmechanik“, die aus beliebig anpassbaren Worten besteht, reicht nicht. Alleine sich die entsprechenden Kenntnisse und das Geschick im Umgang mit dem mathematischen Formalismus anzueignen, erfordert eine jahrelange Vertiefung auf dem (upper) graduate level, einführende Lehrbücher oder gar populärwissenschaftliche Texte genügen nicht.

    Zweitens hätte die Promovendin dann entdeckt, dass das derzeit akzeptierte Wissen der Rede von der Quantenheilung feindlich gegenübersteht. Quantenheilung wird üblicherweise auf quantenmechanische Verschränkungen zurückgeführt. Seit mehr als 30 Jahren wird aber auf dem Gebiet der quantenmechanischen Dekohärenz gearbeitet. Diese reich ausgebaute und experimentell überprüfte Theorie ist keine Zutat zur Quantentheorie, sondern ihre logische Konsequenz. Sie erklärt, warum wir gerade keine makroskopischen Superpositionen in der Welt beobachten, außer in sehr speziellen Fällen, die herzustellen eines erheblichen experimentellen Aufwandes bedarf. Erklärungsbedürftig ist nämlich aus der Perspektive der Quantenmechanik nicht, dass „alles mit allem zusammenhängt“, sondern im Gegenteil, dass es separate, praktisch unabhängige Objekte gibt.

    Die Interaktion eines Systems mit seiner Umwelt führt dazu, dass seine (hypothetisch) wenigen internen Zustände mit den unzähligen der Umgebung verschränkt werden. Dadurch geht die Information über die Zustände nicht verloren, aber sie wird im Effekt auf unzählige Freiheitsgrade des Komposits System+Umwelt verteilt. Sie aus diesem zurückzugewinnen erscheint ähnlich aussichtslos, wie dass sich ein in unzählige Splitter zersprungenes Glas wieder von selbst zusammensetzt; dies wurde noch nie beobachtet, obgleich es nicht unmöglich wäre, sofern man die mikroskopische Zeitreversibilität in Rechnung stellt. Analog schiene es im Prinzip nicht unmöglich, aus einer Gesamtwellenfunktion (des Universums) die Information wieder zu extrahieren. Es ist aber in beiden Fällen extrem unwahrscheinlich, und es gibt keine relevanten Beispiele, wo es funktionieren würde. Da helfen auch keine Verweise auf Nichtlokalität etc. Man müsste schon eine Art prästabilierter Harmonie, in der Ereignisse in Monaden mit denen in anderen Monaden (womöglich von vornherein) verschränkt sind, annehmen und befände sich damit komplett im Gebiet der spekulativen Metaphysik.

    Speziell für das Gehirn gibt es m.W. keine soliden Hinweise auf eine quantenmechanische Kohärenz, nicht einmal auf der mikroskopischen bzw. ultrastrukturellen Ebene, etwa für die von Penrose angeführten Mikrotubuli. Solche Zustände mit einer minimalen räumlichen Ausdehnung und minimalen zeitlichen Dauer müsste es aber geben, wenn eine Ankopplung an konventionelle biochemische und zelluläre Prozesse geschehen soll. Die Alternative einer Unabhängigkeit von physischen Bedingungen führt direkt in den Supranaturalismus und damit außerhalb der Wissenschaft. Dass es umgekehrt physische Korrelate von Bewusstseinszuständen gibt, zeigen alle neueren Forschungsergebnisse einschließlich der fMRI-Bilder; das erfordert eine physische Ankopplung irgendeiner Art (die üblichen Fragen nach „Qualia“, „Parallelismus“, „Supervenienz“ etc. sind in diesem Zusammenhang irrelevant, entscheidend ist, dass Korrelate sichtbar sind).

    Man müsste bei der Quantenheilung annehmen, dass beispielsweise zwischen Gehirnen eine quantenmechanische Verschränkung existiert ungeachtet des thermischen Rauschens sowohl im Gewebe als auch im umgebenden Material inklusive der Luft, der Telefonleitung etc. Das anzunehmen heißt nach dem Gesagten Magie anzunehmen. Auch der Verweis auf die weder experimentell noch theoretisch handhabbare Wellenfunktion des Universums, die per definitionem alles umfasst, hilft nicht. Dieser Verweis würde nicht mehr besagen als beispielsweise „Gott hat irgendwie überall und immer seine Hand drin, Genaues aber lässt sich nicht sagen“; überhaupt ist die enge Verwandtschaft zwischen Esoterik und religiösen Systemen augenfällig, von den theoretischen Grundannahmen über die argumentativen Immunisierungen bis zu den vielfältigen Ritualen.

    Es hat seinen Grund, wenn Quantenheiler im allerallerallgemeinsten Gerede verweilen und es beispielsweise vermeiden, das Wort „Dekohärenz“ in den Mund zu nehmen. Sie müssten dann eingestehen, dass sie nicht nur keine prüfbare, konsistente Theorie formulieren können, sondern das derzeitige Wissen geradezu im Widerspruch zu den Basisannahmen steht, die eine Quantenheiltheorie vermutlich machen müsste. Es sei denn, einer der Quantenheiler und Redner im Gefolge hat eine geniale Idee, die ein Abonnement auf den Nobelpreis einbringt. Diese müsste allerdings wissenschaftlich kompatibel sein – schließlich haben wir ja in den vergangenen Jahrhunderten ein klein wenig gelernt, was wir berücksichtigen müssen. So gesehen ist die Situation für die Quantenheilung nicht besser als für die der Wissenschaft bislang unbekannten Raum-Zeit-Löcher.

  9. #11 CM
    24. August 2014

    bzgl. #9 und #10 möchte ich noch hinzufügen, dass sich die Arbeit liesst als sei sie im vorauseilendem Gehorsam geschrieben – na klar, es gehört schon Mumm dazu seinem PI zu widersprechen. Vor allem aber klingt das typisch nicht-naturwissenschaftliche “ich-kann-das-nicht-verstehen-also-kann-es-keine-Wissenschaft-sein” heraus. (Die Annahme also, dass die Wissenschaftssprache der Anderen nur Fake ist: Es werden Bonmots zitiert und als gültige Prämisse anerkannt.) So eine Arbeit hätte ich noch nicht mal als Praktikumsprotokoll anerkannt (von den seltsamen Abbildungen mal abgesehen). Und die zitierte Literatur ist – #9 bestätigend – diesbezgl. größtenteils veraltet, völlig unwissenschaftlich (nichts gegen den Blog von Martin Bäker oder das Interview von Florian Aigner 😉 , schlicht zu dünn.

    Als ehem. Biophysiker traue ich mich durchaus auch zu sagen: Großer Käse! Wie kann eine Fakultät/Uni so etwas zur Dissertation durchgehen lassen?

  10. #12 rolak
    24. August 2014

    huch, fiel erst jetzt auf:

    @ rolak..
    Dass in der Arbeit die Wirkung der “Quantenheilung” untersucht werden soll, ist völlig legitim

    Klar. Hatte ich etwas Gegenteiliges verlautbaren lassen, Joseph?

  11. #13 Joseph Kuhn
    24. August 2014

    @ RAJ:

    Nicht näher darauf einzugehen, ob die Quantenheilung physikalisch mehr mit der Quantentheorie zu tun hat als jede beliebige andere Methode, war sicher eine der vernünftigen Entscheidungen dieser Dissertation. Einerseits. Andererseits bleibt die Position der Autorin hier ja eigenartig diffus; changierend zwischen “wird diskutiert/noch nichts nachgewiesen/Quanten sind Werbemasche”. Warum distanziert sie sich nicht klar von quantentheoretischen Erklärungen? Unter der Rubrik “noch nichts nachgewiesen” hätte man auch die Stringtheorie ins Spiel bringen können, die dunkle Materie oder die Spiegelneuronen. Oder das fürsorgliche Wirken von Engeln.

    @ CM

    “Wie kann eine Fakultät/Uni so etwas zur Dissertation durchgehen lassen?”

    Das frage ich mich auch. Eigentlich sollte man annehmen, dass das INTRAG nach der Kritik der Brandenburgischen Hochschulstrukturkommission die besondere Aufmerksamkeit der Universitätsgremien genießt. Da müsste doch jemand aufpassen, dass gerade Arbeiten, die sich mit solchen Themen beschäftigen, formal und qualitativ keinen Anlass mehr zum Kopfschütteln bieten. Daher auch die Frage, was die Herren aus der Kritik an die Masterarbeit gelernt haben. Nur verbal vorsichtiger mit dem Thema Physik umzugehen?

    @ rolak:

    “Hatte ich etwas Gegenteiliges verlautbaren lassen”

    Nein. Ich hatte Deinen Hinweis auf die rheinische Therapie mit dem Schunkeln vor Augen. Ich weiß allerdings nicht, ob es dazu Wirksamkeitsstudien gibt. Mein alternativmedizinisches Forschungsinteresse gilt mehr dem Einfluss der Würzburger Bratwurst auf die (unterdurchschnittliche) Sterberate in Unterfranken.

  12. #14 rolak
    25. August 2014

    Hinweis auf die rheinische Therapie

    Ach so, Joseph, das war allerdings kein Versuch eines wertenden Therapie-Vergleiches, nur eine aufgrund Deiner Bezeichnung auftauchende Assoziation.

  13. #15 RAJ
    25. August 2014

    @Joseph Kuhn

    Man mag der Autorin zugute halten, dass sie mangels naturwissenschaftlicher (und vermutlich auch philosophischer) Bildung gar nicht in der Lage war, sich auf der Basis sachhaltiger Argumente eindeutig von der Quantenheilung zu distanzieren. So bezweifle ich, dass ihr auch nur das wenige, das ich kurz beschrieben habe, präsent war, geschweige denn mehr. Andererseits gehört die Unbestimmtheit, gerne als „Offenheit für Alles“, zum Lebenselixier pseudowissenschaftlicher Milieus. Es geht schließlich darum die Kundschaft flexibel bei Laune zu halten, nicht darum Wissenschaftler mittels Stringenz zu überzeugen.

    Das erinnert unter anderem an „Intelligent Design (ID)“ als wissenschaftlich verpackte Form des Kreationismus. Die Sache muss nur „sciency“ klingen, denn die Gefolgschaft kann nicht fachlich urteilen. So werden die „Analysen“ seitens der ID-Vertreter von den Wissenschaftlern, die es überhaupt für wert erachten, darauf Zeit zu verwenden, regelhaft argumentativ zerlegt. Ebenso ihre irreführenden Interpretationen der Forschungsliteratur. Ihre Bücher werden, wenn sie ausnahmsweise in wissenschaftlichen Zeitschriften besprochen werden, vernichtend bewertet. Darauf kommt es aber gar nicht an. Es genügt diesem Milieu sich und anderen zu erklären, dass die Sache wissenschaftlich „in der Diskussion“, „folglich“ diskutabel, „folglich“ honorig sei.

    Nach meiner Beobachtung sind Esoteriker in der Regel Dualisten auf philosophisch unterem Niveau. Wie die Wechselwirkung zwischen Geist und Materie erfolgen soll, dazu gibt es nur Gerede. Die Quantentheorie wurde entwickelt, um qualitativ und quantitativ das Verhalten materieller Systeme in prüfbarer Weise zu beschreiben. Dies zeigt sich nicht nur in den Anwendungen, sondern auch in grundsätzlichen Fragen (siehe beispielsweise die Bellsche Ungleichung). Da sie in ihrer üblichen Form nichts Substanzielles für das Heilen etc. hergibt, muss man ausweichen. Die Übertragung auf das Walten des Geistes und dessen Konsequenzen für die Gesundheit ist jedoch willkürlich und unbestimmt.

    Entsprechend erschöpft man sich in der Rhetorik einer „Komplementarität“ oder „Verschränkung“ zwischen Worten. Ebenso entbehrt der Begründung, was die Quantentheorie unter den vielen Dingen der Welt so besonders mit menschlicher Gesundheit oder ihrer Wiederherstellung zu tun haben soll. Außer dass Menschen daran ein spezielles Interesse haben und gerne anthropozentrisch oder gar nur auf das eigene Ego bezogen denken. Man würde doch erwarten, dass die behauptete Quantenkommunikation das gesamte menschliche Leben, ja die gesamte Welt, zumindest die belebte, beherrscht. Sie sollte also nicht nur für die Gesundheit, sondern überall als Grundlage und Geschäftsmodell dienen.

    Hat man sich erst einmal entschieden, nach Lust und Laune Analogien zu akzeptieren und für anwendungsrelevant zu erklären, so kann man selbst klassische, im Vergleich zur Quantentheorie „altmodische“ Theorien ohne Problem zu Geist und Gesundheit in Beziehung setzen. Man braucht nicht einmal die von Ihnen erwähnte schwer verständliche Stringtheorie oder die geheimnisvollen WIMPs der Dunklen Materie.

    Beispielsweise die Theorie der Plattentektonik: schließlich gleichen Bewusstseinsinhalte und Daseinsformen Schollen, die sich auf der Basis tiefer konvektiver Seinsströme gegeneinander und untereinander schieben, worauf dann das aufgeschmolzene und rezyklierte Material andernorts wieder zum Vorschein kommt, Schollen bleiben nur zeitweise heil, einige dominieren über andere, dann gibt es einen ring of fire, in dem das Verdrängte sich eruptiv an die Oberfläche drängt, oder lange bestehende hot spots etc. Alternativ die meteorologische Theorie der Wolkenbildung und Wolkendynamik: Bewusstseinsinhalte und Daseinsformen kondensieren in diverse Formen und bedürfen dazu der Kondensationskeime, können in verschiedenen Etagen übereinander existieren, regnen oder hageln oder schneien als Worte und Handlungen aus, immer wieder entstehen Gewitter, die allerdings auch reinigende Wirkung haben können, Wirbelstürme hingegen agieren primär zerstörerisch, Stimmungen können bekanntlich wie das Wetter wechseln, auch bewirkt die moderne Zivilisation eine Art mentalen Klimawandels, und so fort. Zwar klingen „Plattenheilung“ oder „Wolkenheilung“ nicht so attraktiv wie „Quantenheilung“, doch lesen sich „tectoplatonic healing“ und „dynamic mind condensation healing“ schon besser. Man könnte sich diese Termini schützen lassen, falls man versuchen möchte, damit Zeitgenossen Geld aus der Tasche zu ziehen. Gehen würde es sicher.

  14. #16 Joseph Kuhn
    25. August 2014

    @ RAJ:

    Ich kann Ihnen nur zustimmen. Die Verbindung zwischen Quantentheorie und Quantenheilung ist in der Tat genauso gehaltvoll wie die zwischen Plattentektonik und Quantenheilung. Die Quantentheorie ist nur wegen ihrer Aura des Seltsamen, Geheimnisvollen und Unverständlichen im Vorteil. An dem Punkt verhält sich die Autorin, wie gesagt, taktisch klug.

    Wobei, ein weiteres Argument für die Quantentheorie gäbe es: Walachs “Generalisierte Quantentheorie”, die ja beansprucht, einen Formalismus zur Übertragung quantentheoretischen Denkens auf therapeutische Situationen zu liefern – um Verschränkung, Komplementarität etc. auch überall dort am Werk sehen zu können, wo man sie gerade braucht. Eigenartig, dass die Autorin ausgerechnet das nicht zitiert.

    Das Label “Dynamic Mind Condensation Healing” hat übrigens was. DMC-H. Das klingt glaubwürdig. Nachfragen bei Behörden würden bestimmt zeigen, dass da etwas verheimlicht wird, auf Druck der Pharmaindustrie. Vielleicht sollten wir das mal im Internet anbieten. Wenn man mit Verschränkung arbeitet, sollte es als Fernheilungsmethode funktionieren, so dass wir alles online abwickeln könnten. Entwicklungsperspektiven wären dann, Sie haben es ja angedeutet, z.B. “Dynamic Mind Condensation Management (DMC-M)”, “Dynamic Mind Condensation Science (DMC-S)” …

  15. #17 RAJ
    25. August 2014

    @Joseph Kuhn

    Sobald man die Generalisierte Quantentheorie nicht im allgemeinen Redeschwall belässt, sondern konkret anwendet, tritt ihre völlige Beliebigkeit und somit Gehaltlosigkeit zutage, da liegt das Problem.

  16. #18 Ludger
    26. August 2014

    Eigentlich sind alle Ärzte Quantenheiler: Jedes Medikament wirkt aufgrund seiner quantenchemisch verursachten Molekülform, der Ladungsverteilung im Molekül im Zusammenhang mit den Orbitalen der äußeren Elektronen und aufgrund anderer quantenchemischer Eigenschaften. Nur durch die richtigen quantenchemischen Wechselwirkungen des Medikamentenmoleküls an Membranen und Rezeptoren kommt es zur Arzneimittelwirkung. Also: Quantenheilung wirkt ohne jeden Zweifel. So, und jetzt gönne ich mir hier im Urlaub in einem heute verregneten Tal in Südtirol erst mal ein gutes Quantenfrühstück.

  17. #19 MPH
    26. August 2014

    Die Quantenforscher aus FF/O ruinieren den Ruf der Gesundheitswissenschaften. Solche Promotionen, das geht nicht.

  18. #20 schlappohr
    26. August 2014

    Vielleicht hat das nichts zu bedeuten, aber ich dachte immer, dass man für eine Promotion ein paar Jahre an der Uni forscht und die Ergebnisse auf Konferenzen vorstellt und in Journals veröffentlicht. So war es zumindest bei mir damals, aber vielleicht habe ich etwas falsch gemacht und es ist alles viel einfacher. Beim ersten drübergoogeln habe ich keine Hinweise auf irgendwelche Publikationen der Autorin gefunden, außer der besagten Promotionsschrift darselbst. Aber wie gesagt, vielleicht hat das nichts zu bedeuten, oder ich habe einfach nicht richtig gesucht.

  19. #21 Jaringa
    26. August 2014

    Also da bleibt einem die Spucke weg. Es sieht so aus, als hätte man an der Viadrina nichts dazu gelernt. Der Walach tritt selbst den Beweis an, dass er völlig zurecht das goldene Brett vor dem Kopf bekommen hat.

  20. #22 Psychologe
    27. August 2014

    Frankfurt als neue Doktorschmiede mit einer Karrikatur von Psychotherapieforschung. Schlaeft die Uni? Schlaeft das Wissenschaftsministerium in Brandenburg?

  21. #23 CM
    27. August 2014

    Wen interessiert Wissenschaft? Wer nimmt diesen “Skandal” (der ja keiner ist, weil wo wird er diskutiert?) überhaupt war? Welcher Wissenschaftpolitiker hat Ahnung von Wissenschaft (auch nur ein bißchen außerhalb der Geisteswissenschaft)? (Ja, da gibt es ein paar …)

    Könnte die Antwort dieser Fragen, die Antwort auf die Fragen der letzten Posts beantworten?

  22. #24 Orci
    28. August 2014

    Vielleicht sind wir hier gerade Zuschauer eines Lehrstückes darüber, wie stark die Position der Professoren bezüglich der Freiheit von Forschung und Lehre gegenüber den Landesbehörden wirklich ist. Interessant scheint zumindest, dass in allen Adressen von Seiten des Ministeriums an die Uni zwar ein deutlich abwertender Ton mitschwingt, aber keinerlei Konsequenzen angedroht werden. Vielleicht im Wissen, dass dem Ministerium die Hände de facto gebunden sind, so lange Wallach wenigstens ein Quäntchen (Hehe!) Wissenschaft in seinem Zauberkessel hat?

  23. #25 Thilo
    28. August 2014

    Nicht direkt zum Thema Quantenheilung, hilft aber vielleicht zu verstehen, warum die Nebelkerzen immer wieder erfolgreich sind: http://vimeo.com/68904518

  24. #26 Dr. Webbaer
    29. August 2014

    @ Herr Dr. Küssner :
    Könnten Sie vielleicht noch erläutern, wo Sie genau beim Vid die Problematik (“Nebelkerzen”, vermutlich den Komplex Alzheimer betreffend) sehen?

    MFG + insbesondere freundliche Grüße nach Korea,
    Dr. W

  25. #27 Thilo
    30. August 2014

    Die Nebelkerzen bestehen darin, dass über irgendwelche anderen, relativ unstrittigen Themen geredet wird und nicht über die eigentlich an der Viadrina betriebenen Forschungen zu Schwacher Quantentheorie u.ä. Wer das Video anschaut und vorher nichts vom Intrag gehört hatte, der wird denken, dass dort ein bißchen über sanftere Medizin oder gesundere Ernährung nachgedacht wird.

  26. #28 Dr. Webbaer
    30. August 2014

    @ Thilo :
    K [1], verstanden, das Viadrina-Vid bemüht sich zur eher unsicheren Forschung, den Alzheimer-Komplex betreffend, was zustimmungsfähig zu sein scheint, Menschen erreicht sozusagen, und erwähnt ganz en passant Esoterisches ohne konkret zu werden, stattdessen also: ausklammernd.

    MFG
    Dr. W

    [1] kurz für: ‘OK’ (‘oll korrect’)

  27. #29 A_Steroid
    1. September 2014

    übrigens war ich vor Hogwarts a.O. der blöden Meinung, das eine Hochschule / Uni / FH / BA ein Hort der Wissenschaft ist und dort Leute unterrichten, die “Ahnung” haben. Denn unser Sohn studiert auch (Historiker). Mittlerweile habe ich gelernt, das das tatsächlich blöd war und die genannten Einrichtungen nicht mal in der Lage sind (oder willens) einen Professor (also Angestellten) in seine Schranken zu weisen. Anders formuliert: scheinbar kann der den grössten Bockm* lehren – und keinen juckt das… Gut das ich in einem Alter bin, wo ich das Ergebnis derartiger “Forschung” nicht mehr erleben muss….

  28. #30 klauszwingenberger
    2. September 2014

    Solche “Leistungen” sind das unvermeidliche Ergebnis eines infamen Mummenschanzes, den das INTRAG treibt. Angetreten war man mit der Versprechung, etwas kulturvergleichendes zu treiben. Demgemäß war die sachliche Ausstattung des Instituts (von der personellen sag ich lieber nichts). Beabsichtigt hatten die Initiatoren aber etwas ganz anderes: das Einschleusen von paramedizinischen Inhalten in den akademischen Betrieb. Und so kommt es eben, dass mit lächerlichen alchemistischen Versuchen und schwurbeligen Thesen auf einem Gebiet gewildert wird, für das man etwa so gut ausgerüstet ist wie der Sandalentourist auf dem Mont Blanc. So kommt es, dass eine Promotion über “Quantenheilung” lanciert wird, in der die Autorin sogleich anmerkt, dass sie weder Lust noch Fähigkeit hat, sich mit dem Quant und seinen Implikationen in irgend einem Punkt auch nur zu befassen. So kommen “Interventionsstudien” heraus, denen keine durchdachte Methode zu Grunde liegt. Würde das INTRAG so ehrlich sein, nur da zu forschen, wo man erklärtermaßen angetreten war, könnte man – kulturwissenschaftlich – wenigstens eine Debatte darüber führen, ob das gute oder schlechte Wissenschaft ist und was von den Erträgen der Forschung zu halten ist. So verhält es sich aber nicht. Das INTRAG hat die Öffentlichkeit und die öffentlichen Hände schlicht behumst, und die Ergebnisse dieses Täuschungsmanövers taugen nur zur Abschreckung. Vielleicht ist es ja dazu ganz gut.

  29. #31 Joseph Kuhn
    2. September 2014

    @ A_Steroid:

    Man sollte die Sache nicht pars pro toto nehmen. Ich glaube nicht, dass das Wissenschaftssystem insgesamt schlechter ist als früher und selbst am INTRAG gibt es auch normalen Betrieb. Allerdings sind dort die Qualitätsfilter bei manchen Themen sehr “durchlässig”.

  30. #32 nouse
    4. September 2014

    Es ist ein Unding, mit was für einer Scheisse Leute promoviert werden. Ich (Biologe) eigne mir gerade ein komplettes Geostatistikstudium an, damit aus meiner Thesis was wird (neben der Laborarbeit wohlgemerkt), und Wallach und seine Flitzpiepen kommen mit so einem Quatsch durch. Unfassbar.

  31. #33 Dr. Webbaer
    4. September 2014

    @ nouse :
    Dr. Walach, der u.a. auch Wissenschaftstheoretiker ist, wird schon einstmals seriös gearbeitet haben, durchgehend anzunehmenderweise, es liegt eine neue Entwicklung vor, beachten Sie vielleicht auch diesen Kommentar</a< weiter oben.
    MFG, Dr. W

  32. #34 Dr. Webbaer
    4. September 2014

    * diesen Kommentar

  33. #35 CM
    5. September 2014

    @Ursus retis gloriaris
    Das (artikuliertes) Selbstverständnis und tatsächliches Handeln nicht unbedingt konkordant sind, ist offenkundig – insofern kann man die Webseite des IntraG auch so bewerten:
    Politischer Willen orientiert sich nicht unbedingt an wissenschaftlicher Faktenlage (trivialer Befund), insofern ist die Bejing Deklaration auch Ausdruck der Zurückhaltung gegenüber nationalen Befindlichkeiten – und sich darauf berufen und andere wohlfeile Phrasen offeriert Schutz durch apparente Kredibilität. Genau Letztere aber ist längst in den Augen der wohl allermeisten Leser der SB wohlbegründet verspielt. Insofern ist es allenfalls traurig, das bei den Protagonisten, insb. Walach, vielleicht verlorene Kompetenz zu vermuten ist.

  34. #36 Dr. Webbaer
    5. September 2014

    Werter ‘CM’, Dr. Walach ist bzw. könnte ‘kompetent’ geblieben sein, er folgt aber womöglich doch bestimmter angeleiteter politischer Lage, die sich auch auf die eigene finanzielle auswirkt.
    Nichts Schlechtes daran, Ihr Kommentatorenfreund hat sich demzufolge darum bemüht das Symptom Dr. Walach allgemein einzuordnen zu helfen.
    Kleine Korrrektur vielleicht noch hierzu:

    (…) insofern ist die Bejing Deklaration auch Ausdruck der Zurückhaltung gegenüber nationalen Befindlichkeiten (…)

    Ersetzen Sie bitte ‘national’ durch ‘kulturell’ und die Sache wird klarer.

    MFG + ein schönes Wochenende,
    Dr. W (der u.a. auch die Anrede goutiert hat, Stil ist nicht etwas, das auf der Straße zu finden ist, sondern muss aus der Seele kommen)

  35. #37 Hans-Werner Bertelsen
    8. September 2014

    Erratum: “Quantenheilung” bezieht sich nicht auf globalgalaktische Phänomene, sondern auf wunde Füße. Wenn diese, z.B. nach einer langen Wanderung Blasen o.ä. aufweisen, so müssen die Füße (nordd. auch: “Quanten”) einem Heilungsprozess zugeführt werden.

    Mit Elementarteilchen-Physik hat das also nichts zu tun, sondern mit Podologie (Fußpflege).

    Schön´ Gruß aus Norddeutschland.

    • #38 Joseph Kuhn
      10. September 2014

      @ Bertelsen:

      globalgalaktische Phänomene

      … globulaktische?

  36. #39 Hans-Werner Bertelsen
    11. September 2014

    …globulaktische Phänome. Nein – gleichsam globalglobulaktische Phänomene. Und zwar auf beiden Ebenen. Sowohl epiphänomenal als auch metaphänomenal. Um es einmal korrekt zu sagen: globalglobulaktische Epi- und Metaphänomene. Ich werde demnächst eine Fortbildung zu dem Thema anbieten. Das wird mit 4 Punkten von der Ärztekammer belohnt.

  37. #40 Joseph Kuhn
    11. September 2014

    @ Bertelsen

    ” Ich werde demnächst eine Fortbildung zu dem Thema anbieten.”

    Bitte erst am 1. April.

  38. #41 Thilo
    7. Oktober 2014

    Walach will mit Quantenheilung nichts zu tun haben: http://intrag.info/aktuell/2014/09/20/quantenheilung-%e2%80%93-superplacebo-selbstheilung-oder-was/ (Mit schwacher Quantentheorie aber wohl immer noch?)

  39. #42 Dr. Webbaer
    7. Oktober 2014

    http://intrag.info/aktuell/2014/09/20/quantenheilung-%E2%80%93-superplacebo-selbstheilung-oder-was/

    Liest sich grausam, unabhängig davon, ob jetzt seitens Dr. Walach beigesprungen worden ist oder womöglich auch nicht.

    MFG
    Dr. W

  40. #43 rolak
    7. Oktober 2014

    Zu Walachs Text siehe unter der anderen Inkarnation von Thilos Kommentar.

    Einer Speerspitze der Aufklärung bedarf es bald bei der Suche nach einem nicht schamanisch tätigen Hausarzt. Von dem guten Dutzend lokaler Praxen fallen alle bis auf zwei diesem Magie-Verdikt zum Opfer, einer fehlt der passende Hausarztvertrag, bleibt vorerst mal eine zur Besichtigung. Der gesammelte Rest fällt unter ferner liefen wesentlich weiter laufen…

  41. #44 Hans Wurst
    23. Oktober 2014

    n.d. = nicht dokumentiert

    P.

  42. #45 rfw
    Hannover
    27. Oktober 2014

    Walachs Originalarbeiten zur “Schwachen QT” sind bereits purer Schwachsinn. Wer beruft so jemanden? Sein Lob des Placebos findet sich dann brav in der Diss der Frau Pietza und natürlich kann sie sich gar nicht angemessen von Walachs Quanten-Schwachsinn distanzieren. Er ist auch noch stolz darauf, dass sie ihren Probanden ihre QHeilung persönlich bezahlt hat.
    Ein Problem wird sein, dass die Arbeit (wenn überhaupt) ohnehin nur die Wirksamkeit des Handauflegens anschaut, und rein gar nichts mit der drübergegossenen Quantensosse zu tun hat. Der Titel ist also ohnehin verfehlt und wird die Diskussion höchstens weiter verwirren.

  43. #46 Joseph Kuhn
    2. November 2014

    @ rfw: Ob der Ansatz der “Schwachen Quantentheorie” purer Schwachsinn ist oder ob man daraus etwas machen könnte, kann ich nicht beurteilen. Ich habe die Kritiken an diesem Ansatz, etwa aus dem GWUP-Umfeld, so verstanden, dass es sich um einen reinen Formalismus handelt, der keinen vernünftigen Bezug zu beobachtbaren Sachverhalten hat. Aber da kann ich nicht wirklich mitreden, ich bin kein Physiker.

    Klar ist jedenfalls, dass die Übertragung von quantentheoretischen Begriffen per Analogie auf soziale Sachverhalte der Alltagswelt purer Schwachsinn ist. Dazu bräuchte es mehr als einen Formalismus auf der einen Seite und ein “klingt so ähnlich” auf der anderen.

    Was mich wundert, dass dabei ein renommierter Physiker wie Hartmann Römer mitgemacht hat. Aber auch Physiker machen wohl manchmal seltsame Sachen.

    Ansonsten, was die Quantensoße und das Handauflegen angeht: Völlig d’accord.

    • #47 rfw
      2. November 2014

      Ich bin Physiker, seit je her mit Grundlageninteressen, und leite eine Arbeitsgruppe zur Quanteninformationstheorie. Ich habe auch Römer kennengelernt und früher geschätzt, kann aber auch nicht verstehen was ihn da geritten hat. Ich kann also bei Bedarf die Kritik auch detaillierter liefern.

      Ich stimme aber zu, dass die Hauptlinie der Kritik die lächerliche Übertragung auf alles und jedes sein sollte. Das ist eben durch keinerlei Argument (oder gar Beobachtung) gedeckt, selbst wenn es in der Physik einen Sinn hätte.

      Man könnte in dieser Verallgemeinerten QT ein weitere Verschlimmerung von Äußerungen von Niels Bohr sehen, der sich auch mit solchen Analogien gefiel. Einen aufschlußreichen Artikel dazu hat Mara Beller über den Sokal-Hoax geschrieben. Motto: über wen lachen wir denn eigentlich, wenn selbst renommierteste Physiker solchen Schleim abzusondern sich nicht entblödet haben.

  44. #48 rolak
    2. November 2014

    Einen aufschlußreichen Artikel

    ..gibt es da zu lesen.

  45. #49 Joseph Kuhn
    2. November 2014

    @ rfw:

    Danke für den Hinweis auf den Text von Mara Beller, sehr interessant (und danke an rolak für den Link dazu). Wie gesagt, auch Physiker machen wohl manchmal seltsame Sachen, ob sie nun Born, Pauli oder Bohr heißen, die Beispiele, die Frau Beller anführt, oder Bert Römer.

    Um nicht missverstanden zu werden: Ich habe nichts gegen Analogien. Mit Formulierungen nach dem Muster “Das ist so ähnlich wie” versuchen wir uns ja oft genug verständlich zu machen. Nur sollte man eine Analogie, die als Veranschaulichung, als beschreibendes Tasten auf der Suche nach einer Erklärung ihren Sinn haben kann, nicht mit der Erklärung selbst gleichsetzen.

    Das macht Walach aber gerne, gerade auch in Darstellungen seiner “schwachen Quantentheorie” für eine breitere Öffentlichkeit. Der Welle-Teilchen-Dualismus wird dann bei ihm ein Anwendungsfall eines allgemeinen Prinzips, unter das genauso soziale und emotionale Verhältnisse fallen: “Liebe und Hass, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Bindung und Freiheit”. Diese Begriffspaare sind aber nicht quantentheoretisch, auch nicht “schwach quantentheoretisch” verankert, sondern psychologisch, ethisch oder politisch. Auf diesen Ebenen sind auch die Erklärungen zu suchen, wie es sich mit den Phänomenen verhält, die damit beschrieben werden (es sei denn, man findet eine belastbare reduktionistische Erklärung, was bei diesen Beispielen Walachs aber ausgeschlossen sein dürfte).

    Ich vermute, Walach ist auch klug genug, um das zu sehen. Aber es klingt halt so gut, von der Quantentheorie zu reden. Das veredelt eben auch eine Studie zum Handauflegen.

  46. #50 Dr. Webbaer
    3. November 2014

    Grausamste Texte, gerade, wenn es kulminiert:
    ‘Eine Immunisierungsstrategie sieht zwar ähnlich aus, wie unsere Argumentation, ist aber sowohl formal als auch sachlich etwas anderes. Formal würde es sich dabei um Phänomene oder Kategorien handeln, die auf der gleichen kategorial-theoretischen Ebene stünden, also vom Prinzip her einem experimentellen Test unterzogen werden können. Das sind diese Phänomene aber per definitionem eben genau nicht.’ (drittletzter Absatz)

    MFG
    Dr. W

  47. #51 Joseph Kuhn
    5. November 2014

    Sehe gerade: Die Ergebnisse der Dissertation von Frau Pietza hat Harald Walach zwischenzeitlich im Newsletter auf der Internetseite seines Instituts auf eine ganz diskussionswürdige Weise kommentiert. Mal wirklich etwas Neues von der Speerspitze der Aufklärung.

    • #52 rolak
      6. November 2014

      Reihe von Wirksamkeitsstudien .. zeig[t]: irgendwas funktioniert hier anscheinend.

      Es mag der frühmorgendliche Schnelldurchlauf die Analyse beeinträchtigen, doch dieser imho Kernsatz des Textes steht schon ganz am Anfang und wird in der Folge nur noch bombastisch, wort- und (eigen)ablenkungs-reich zu einer längeren Arbeit aufgeblasen. Drei zentrale Punkte werden offenbar:
       ”Wirksamkeitsstudien” Zirkuläres Design. Die nichtssagende Studienspezifizierung ‘Wirksamkeits-‘ statt einer methodischen wie zB ‘Längsschnitt-‘ offenbart den im Vergleich zum Erprobten (Hypothese → Test Nullhypothese → Ergebnis) *äh* erstaunlich oft positiven Gegenablauf ‘Feststellung Beobachtung → Mehr Beobachtung →Feststellung Beobachtung’.
       ”irgendwas” Was es ist, interessiert nicht weiter, insbesondere nicht, ob Kollisionen mit anderweitig massiv belegten Mechanismen-Modellen auftreten.
       ”anscheinend” Es geht nur um den Anschein, nicht um das Sein.

      esoterics 101 – Externes ist banal, es zählt ausschließlich die persönliche Erleuchtung Wahrnehmung.

  48. #53 Joseph Kuhn
    6. November 2014

    @ rolak: Immerhin, dass “irgendetwas” wirken soll, darüber kann man doch reden – falls etwas wirkt: Ob die Dissertation von Frau Pietza als methodisch gute Therapiestudie durchgehen kann, wie er sagt, ist noch mal eine andere Frage. Über den Rest darf man ohnehin schweigen, siehe Blogbeitrag.

    • #54 rolak
      15. November 2014

      falls etwas wirkt

      Zu einschränkend, Joseph, da im Einzelfall nicht zweifelsfrei nachgewiesen kann, ob das Nichtspassieren nicht doch vielleicht durch die Maßnahme bewirkt wurde, es also ohne ganz anders ausgesehen hätte: Über ‘irgendwas wirkt’ kann immer geredet werden. Auch ohne grefbaren Sinngehalt.

      von Frau Pietza

      Hat nichts mit der Person, nur mit dem Klang ihres Namens zu tun: Bei fast jedem Vorbeikommen in diesem seit längeren auf dies Getippsel wartenden offenen Tab kam Appetit auf, so auch heute. Dürüm gibts ersma Abendbrot.

      • #55 Joseph Kuhn
        15. November 2014

        @ rolak:

        “da im Einzelfall nicht zweifelsfrei nachgewiesen kann”

        Am Einzelfall lässt sich, wie Du ja weißt, über die Wirkung einer therapeutischen Intervention meist nicht viel ablesen und der Einzelfall ist auch nicht der Untersuchungsgegenstand der Epidemiologie. Wünsche ansonsten einen guten Appetit.

        Die Speerspitze der Aufklärung hat übrigens gerade in einem Interview einmal mehr kundgetan, dass Kritik an seiner Sicht der Dinge ein “komplettes Missverständnis” sei. In dem Interview geht es darum, dass er Werte in der “inneren Erfahrung” suchen will. Das ist ein Ansatz, der an sich durchaus diskutabel ist, zwar nicht neu, wie er meint, eher ein austretener Pfad. Dabei muss man allerdings Wege finden, nicht bei dem stehen zu bleiben, was man in sich vorfindet und es anderen Menschen als “Wert” überzustülpen. Das Problem spricht er nicht an, im Gegenteil: “Das hat vielleicht etwas Elitäres, aber das war ja bei der konventionellen Vermittlung von Werten nicht anders. Auch hier gibt es nur wenige, die verstehen, warum bestimmte Werte wichtig sind. Es wird auferlegt, und die Mehrheit hält sich daran.” Witzig auch seine Antwort auf die letzte Frage des Interviews, ob er sein Herangehen an die Dinge als ergebnisoffen ansehe: “Ja, ich lasse mich von meiner Erfahrung und meiner Forschung belehren.” Ein gewisser Narzissmus ist ihm wohl eigen.

        Nachzulesen unter: http://ethik-heute.org/werte-kommen-aus-innerer-erfahrung/

  49. #56 Dr. Webbaer
    6. November 2014

    -> http://intrag.info/aktuell/2014/09/20/quantenheilung-%E2%80%93-superplacebo-selbstheilung-oder-was/

    Der letzte Absatz ist wieder vom Feinsten,
    MFG
    Dr. W (der Ihnen für Ihre Beschäftigung mit diesem interessanten Thema dankt)