Die Ärztezeitung meldet heute, dass es beim aktuellen Masernausbruch in Berlin inzwischen mehr als 400 Erkrankungsfälle gibt und ein Drittel davon stationär behandelt werden musste. Der Ausbruch betraf anfangs vor allem Asylbewerber. Die Mehrzahl der Erkrankten sind jetzt Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden, die also zu jung sind, um eine Immunität über eine durchgemachte Erkrankung erworben zu haben, und zu alt, um zu den Geburtskohorten mit hohen Impfraten zu gehören.

Was soll man zu alldem noch sagen? Dass das mit der WHO vereinbarte Ziel, die Masern 2015 aus Europa zu verbannen, wieder einmal nicht erreicht wird, nachdem schon das ursprüngliche Ziel 2010 verfehlt wurde? Dass Masern keine harmlose „Kinderkrankheit“ sind? Dass man einen öffentlichen Gesundheitsdienst mit ausreichend Personal braucht, um aufzuklären und Impflücken zu schließen, dies rechtzeitig auch bei den Asylbewerbern im Rahmen der Erstuntersuchung? Dass Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden, sich doch bitte impfen lassen sollen? Dass man bei dem Thema ein Endlosband mit den immer gleichen Sätzen laufen lassen könnte? Mir fällt nichts Neues mehr dazu ein.*

* Oder höchstens noch etwas Sarkastisches: In Chemnitz findet seit Jahren ein sog. „Impfsymposium“ statt, am 23.3. das neunte seiner Art. Dort treffen sich allerdings nicht gerade die Leute, die sich Sorgen um den Berliner Masernausbruch machen, zumindest wird man dort nicht darüber klagen, in Berlin sei zu wenig geimpft worden. Die Titelfrage dieser Veranstaltung ist dennoch von höchster Aktualität: „Impfschutz: Traum oder Wirklichkeit“? Dass die Veranstaltung ausgerechnet an der TU Chemnitz stattfindet – was soll man zu alldem noch sagen?

Kommentare (26)

  1. #2 michael
    13. Februar 2015

    > Dass die Veranstaltung ausgerechnet an der TU Chemnitz ….

    Was hat die denn Böses verbrochen ?

  2. #3 Joseph Kuhn
    13. Februar 2015

    @ Michael: Sollte eine Technische Universität nicht Hort des naturwissenschaftlich rationalen Denkens sein, statt Gastgeber für Vertreter pseudowissenschaftlicher Heilslehren?

  3. #4 Ludger
    13. Februar 2015

    Da gibt es Leute, die gegen Impfungen agitieren. Das können z.B. Antroposophen sein oder auch Hebammen. Den Hebammen spielen zur Zeit durch die Politik gefördert eine immer wichtigere Rolle: sie werden z.B. Familienhebammen und kümmern sich um Familien in Schwierigkeiten. Das finde ich richtig gut!
    Aber:viele Hebammen haben in den letzten Jahren einen Hang zur Außenseitermedizin. Sie behandeln mit Homöopathie, obwohl das nicht zu ihrer “Weiterbildungsordnung” gehört. Und dabei genießen sie das absolute Vertrauen der von ihnen betreuten Frauen. Wer betreibt die Fortbildung der Hebammen? Auf jeden fall auch solche Firmen wie Wala ( http://de.wikipedia.org/wiki/Wala_Heilmittel ), die in den Hebammen dankbare Abnehmer für Therapieempfehlungen finden und so ihre antroposophischen Produkte vermarkten. Und so kommen die antroposophischen Gedanken mitten in die Familien, auch die Impfgegnerschaft. Leider passt niemand auf die Hebammen auf.

  4. #5 Ludger
    13. Februar 2015

    bei Bedarf:
    von der Seite:
    Startseite » Fachbereich Hebammenbedarf » Medikamente » Wala Heilmittel GmbH
    Seminare Homöopathie 2015
    http://ka-web2.m-eshop.de/shops/0023502-K/admin/dokumente/artikel/PDF/Seminarflyer%20Hom%C3%B6opathie%20f%C3%BCr%20Shop_klein.pdf

  5. #6 Alisier
    13. Februar 2015

    Die Hebammen scheinen in der Tat der Knackpunkt zu sein.
    Sämtliche Gespräche mit Jungeltern bezüglich Impfung kommen irgendwann an den “meine Hebamme hat aber gesagt”-Punkt.
    Die Ausbildung ist homöopathieverseucht, und darüber müsste dann auch mal ernsthaft geredet werden.

  6. #7 DasKleineTeilchen
    13. Februar 2015

    @ludger: “die” hebammen haben nicht erst seit den letzten jahren einen hang zur “alternativmedizin”; es werden nur immer mehr mit dieser ausrichtung. langsam los ging das im westen bereits in den ’80gern.

  7. #8 PDP10
    13. Februar 2015

    @Joseph Kuhn:

    Folgenden Satz aus der Einleitung verstehe ich nicht:

    “Die Mehrzahl der Erkrankten sind jetzt Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden, die also zu jung sind, um eine Immunität über eine durchgemachte Erkrankung erworben zu haben, und zu alt, um zu den Geburtskohorten mit hohen Impfraten zu gehören.”

    Der Satz liest sich so, als ob es vor 1970 mehr Masernepedemien gegeben hätte als danach, aber noch weniger (naturgemäss) seit es die hohen Impfraten gibt …

    Stimmt das? Und wenn ja, warum?

  8. #9 Joseph Kuhn
    13. Februar 2015

    @ PDP10: In Westdeutschland wurde die Masernimpfung 1973 eingeführt, in Ostdeutschland 1970. Damals hat praktisch noch jeder die Erkrankung, meist im Kindesalter, durchgemacht und so eine lebenslange Immunität erworben. Mit dem Anstieg der Impfraten, im Westen vor allem in den 1990er Jahren, sind die Masern dann immer seltener geworden. Die nach 1970 Geborenen haben einerseits nicht sicher die Masern durchgemacht, andererseits oft noch keinen Impfschutz, sie gehören daher zu den Risikogruppen für eine Maserninfektion, wenn es zu Ausbrüchen kommt. War das die Frage?

    P.S.: Daher sollen sich natürlich auch die nach 1970 Geborenen impfen lassen, der verwirrende Druckfehler im zweiten Absatz ist korrigiert.

  9. #10 PDP10
    14. Februar 2015

    @Joseph Kuhn:

    “War das die Frage?”

    Yep. Das war die Information die mir fehlte.

    Danke für die Info.

  10. #11 NiLaterne
    14. Februar 2015

    Das Impfen ist leider nicht für alle Erwachsenen kostenlos, es sei denn es ist beruflich notwendig. Das wäre aber wichtig.Außerdem sollte es für strafbar sein, Kinder an Maserpartys teil nehmen zu lassen. Wäre das so,hätte ich schon viele Eltern angezeigt. Es fällt mir zu nehmend schwer Ruhe zu bewahren, wenn ich davon erfahre.
    Auch Windpocken sind so ungefährlich nicht,denn sie erzeugt später mal “eben” Gürtelrose. Mein Sohn war davon betroffen und bekam kein Schulverbot, obwohl er so ansteckend für andere Lehrer und Schüler in der Klasse war!

  11. […] in Berlin: Nichts Neues, leider, Gesundheits-Check am 12. Februar […]

  12. #13 Ludger
    14. Februar 2015

    Die Kostenübernahme wird durch die Schutzimpfungs-Richtlinie/SI-RL geregelt:

    § 11
    Leistungsanspruch
    (1)
    Versicherte haben Anspruch auf Leistungen für Schutzimpfungen, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss auf der Grundlage der Empfehlungen der STIKO in Anlage 1 zu dieser Richtlinie aufgenommen wurden.
    (2)
    Der Anspruch umfasst auch die Nachholung von Impfungen und die Vervollständigung des Impfschutzes, bei Jugendlichen spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.
    (3)
    Von der Leistungspflicht ausgeschlossen sind Schutzimpfungen, die wegen eines durch einen nicht beruflichen Auslandsaufenthalt erhöhten Gesundheitsrisikos indiziert (sog. Reiseschutzimpfungen) sind, es sei denn, dass nach Anlage 1 zum Schutz der öffentlichen
    Gesundheit ein besonderes Interesse daran besteht, der Einschleppung einer übertragbaren Krankheit in die Bundesrepublik Deutschland vorzubeugen (§ 20d Abs. 1 Satz 2 SGB V).

    § 12
    Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses
    1 Der Gemeinsame Bundesausschuss kann von den Empfehlungen der STIKO mit besonderer Begründung abweichen.
    2 Abweichungen von den Empfehlungen der STIKO werden in
    Anlage 1 zu dieser Richtlinie aufgeführt.

    Zum Thema MMR steht in dem Anhang:

    Standardimpfung:
    Einmalige Impfung vorzugsweise mit
    einem MMR – Impfstoff für nach 1970 geborene Personen ≥ 18 Jahre, die
    – ungeimpft sind
    – in der Kindheit nur einmal geimpft wurden
    – einen unklaren Impfstatus haben

    Seit einigen Jahren ist also die Masernimpfung für nicht sicher geschützte Personen eine Kassenleitung, auch wenn sie über 18 Jahre alt sind.
    https://www.g-ba.de/downloads/62-492-847/SI-RL_2013-12-05.pdf

  13. #14 Trottelreiner
    15. Februar 2015

    Bei den Asylsuchenden soll angeblich der Konflikt in Jugoslawien mit hineingespielt haben, die meisten erkrankten Asylsuchenden stammten aus Bosnien und wurden wegen des Konfliktes 1992 nicht geimpft, zumindest nach:

    http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2015/Ausgaben/05_15.pdf?__blob=publicationFile

  14. #15 peer
    15. Februar 2015

    @Nillaterne aus Wikipedia:
    “Nach deutschem Recht erfüllt das vorsätzliche Beibringen von Krankheitserregern – also auch von Masernviren – den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung (§ 224 Abs. 1 Nr. 1 2. Alt. StGB) oder der versuchten gefährlichen Körperverletzung;[10] treten durch Komplikationen bleibende Schäden ein, handelt es sich um schwere Körperverletzung. Zur Frage, ob sich die Erziehungsberechtigten eines Kindes strafbar machen, wenn sie ihr Kind absichtlich mit Masern infizieren, um es zu immunisieren, existieren bisher keine veröffentlichten Gerichtsentscheidungen. In einem Beitrag der juristischen Ausbildungsliteratur wurde die Strafbarkeit eines solchen Verhaltens erörtert und mangels hinreichender Rechtfertigungsgründe bejaht,[11] möglicherweise erfüllt es den Tatbestand der Misshandlung von Schutzbefohlenen (§ 225 StGB). Ob es in einzelnen Fällen gerechtfertigt sein kann, diese Form der Immunisierung einer Impfung vorzuziehen (zum Beispiel wegen Unverträglichkeit des Impfstoffs), bedarf der Beurteilung des jeweiligen Einzelfalls.”

    Also: Im Zweifelsfall anzeigen. Kann nur helfen!

  15. #16 Ludger
    15. Februar 2015

    zu #12
    beim verlinkten GWUP-Artikel und bei dem dort erwähnten Zeitungsartikel wird ein nicht geimpftes Kind einer Impfgegnerin und Veganerin mit dem Namen “Ludger Baptist” erwähnt, offenbar als Steigerung von Namen wie “Thorben-Rüdiger”. Mein Statement, warum ich das für einen Fake halte, ist dort im Spam-Filter hängengeblieben. Hoffentlich trifft das Statement hier auf Verständnis obwohl etwas OT:

    @nota.bene:
    Der Name “Ludger Baptiste” soll offenbar für Berliner extrem strange klingen, um damit die Mentalität der beispielhaft zitierten Mutter zu verdeutlichen. Strange ist der Name für Berliner wirklich, weil er aus dem katholischen Milieu kommt und in sich unsinnig zusammengesetzt ist. “Baptist” (Täufer) ist ein Zusatz zum Namen Johannes, um ihn von anderen Namensgebern (z.B. Jünger Jesu, Evanglist oder Papst) abzugrenzen. Der Abt Ludgerus aus Essen-Werden und erster Bischof von Münster hatte nie diesen Beinamen. Daher dürfte der Name “Ludger Baptist” ein Fake sein.

  16. #17 Trottelreiner
    16. Februar 2015

    @Ludger:
    Um das off-topic etwa weiterzuführen, die Namensgebung wäre eventuell fridge brilliance, da sie die oberflächliche Appropiation von Namenstraditionen ohne Beschäftigung mit der dahinterstehenden Kultur karikiert. 😉

    Ansonsten gibt es im frankophonen Bereich den Vornamen Baptiste, der ursprünglich eine Abkürzung von “Jean Baptiste” war. Und Doppelnamen sind im katholischen Millieu nicht so unüblich. Vielleich haben sich die Eltern ja bei einem deutsch-französichen Schüleraustausch kennengelernt.

    Um das Ganze noch weiter ins Off-Topich zu bringen, “Maria Fatima” hätte für diverse selbsternannte “Verteidiger des Abendlandes” wohl einen muslimischen Beigeschmack, ist aber in Spanien und Portugal ein durchaus geläufiger Vorname, der Ort Fatima selbst ist so etwas wie das traditionalistisch-katholische Lourdes. Aber ich wundere mich ja eh, das die bei PEGIDA das Kreuz richtig herum gehalten haben. Nicht das an einem umgekehrten Kreuz von katholischer Seite unbedingt etwas auszusetzen wäre

    Sorry für das noch tiefergehende OT…

  17. #18 Ludger
    16. Februar 2015

    immer noch OT:

    […] oberflächliche Appropiation von Namenstraditionen ohne Beschäftigung mit der dahinterstehenden Kultur […]

    Jau! Der Name gehört zum Münsterland oder zum östlichen Ruhrgebiet und passt zu Mettbrötchen mit Bier – nix mit vegan.

  18. #19 Ulli
    16. Februar 2015

    Zur Hebammen-Problematik hat auch die Süddeutsche schon 2011 diesen (erschreckenden) Artikel veröffentlicht:
    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/alternativmedizin-die-globulisierung-des-kreisssaals-1.1197133

    • #20 Joseph Kuhn
      17. Februar 2015

      Wobei man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten sollte (ein Bild, das hier mal gut passt): In der von der Süddeutschen Zeitung ja auch zitierten RKI-Studie heißt es: “Die erhobenen Daten zeigen (…) dass die Mehrzahl der befragten Hebammen Impfungen für eine effektive Maßnahme gegen Infektionskrankheiten hält”. Der Hebammenverband beteiligt sich auch an den Fortbildungen zum Thema Impfen für Hebammen.

  19. #21 Ludger
    17. Februar 2015

    Danke für die Links. Dort kann man weiterverlinkt folgendes lesen:

    Zitat aus dem Epidemiologischen Bulletin
    23. Mai 2008 / Nr. 21 (Seite 6)::
    “Bezogen auf die Übersicht in Abbildung 3 (S. 166) kann festgestellt werden, dass die Maserninfektion weiterhin als klassische Kinderkrankheit bewertet wird; zudem lehnen etwa ein Viertel der Hebammen eine Impfung gegen Masern ab (s. Abb. 2, S. 165).
    Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Schwere der Masernerkrankung – insbesondere das Risiko von Spätfolgen bei Maserninfektion im Säuglingsalter – von Hebammen unterschätzt wird.”

    Ich stelle mir nur vor, dass 1/4 aller Familienhebammen dafür sorgt, dass die Masernimpfung unterbleibt. Die sind bezahlt von der Öffentlichen Hand im Auftrag der öffentlichen Gesundheitsvorsorge unterwegs und müssen m.E. auch entsprechend vergattert werden, dass sie die Vorstellungen des Öffentlichen Gesundheitswesens unterstützen. Die Fortbildungsziele der Fa. WALA gehören nicht dazu.

  20. #22 Albert Wilfert
    25. Februar 2015

    Masern ist eine Krankheit die ein gesundes Immunsystem ohne weiteres übersteht und den Organismus in Folge
    in aller Regel immunisiert. Eine Impfung dagegen ist einfach nur Unsinn. Verschwendung von Zeit und Geld mit manchmal nicht unerheblichen Gefahren. Das ist so gut wie sicher.
    Das ist das Resumee von Menschen die damit lange Erfahrung haben. Was soll also dieses intellektuelle Gegacker von Wissenschaftsideologen?

    • #23 Joseph Kuhn
      26. Februar 2015

      @ Wilfert:

      Bitte besprechen Sie Ihre Gedankenobstipation mit Ihrem Therapeuten. Wer derart demonstrativ das Nachdenken verweigert wie Sie, der verdient es nicht, dass andere sich Gedanken dazu machen.

  21. […] Nicht nur in Berlin, sondern auch in Los Angeles grassieren derzeit die Masern – und ursächlich sind auch dort erhebliche Impflücken, insbesondere unter dem Nachwuchs “impfkritischer” Eltern. Der amerikanische Late Night-Moderator Jimmy Kimmel hat die Masernwelle am Freitag in seiner Sendung kommentiert – gefolgt von einem wirklich sehenswerten Public Service Announcement zur Impfkritik, die ich hier nachfolgend einfach mal ohne weiteren Kommentar einbinde. […]

  22. #25 klauszwingenberger
    2. März 2015

    Danke, Herr Wilfert, dass wir das mal so deutlich zu lesen bekommen: wer kein “gesundes Immunsystem” hat, der soll halt draufgehen, was kümmert’s uns… So haben wir uns “Naturheilkunde” immer vorgestellt – eine Gesundheitslehre für Gesunde!

  23. #26 Adent
    2. März 2015

    @Wilfert
    Ah ein weiterer NGM Wich…. ich schreibs mal nicht ganz aus. Sie sind einfach nur widerlich, zynisch und menschenverachtend.