In Deutschland wird eine Vielzahl von Statistiken geführt. Wir kennen den Schuldenstand gemessen am Bruttoinlandsprodukt (2013: 76,9 %), wie viele Erwerbstätige es gibt (2014: 42,5 Mio.) und auch die Zahl der Legehennen (2013: 38.437.939, davon 3.264.629 in ökologischer Erzeugung). Na gut, ob da wirklich jede Henne in einer Hennenvolkszählung einzeln gezählt und der Schwund im Suppentopf erfasst wurde, sei einmal dahingestellt. Die Größenordnung wird schon stimmen.

Bei manchen statistischen Sachverhalten ist aber selbst die Größenordnung zweifelhaft. Vor kurzem gab es auf der Internetseite der Skeptikerbewegung eine Diskussion darüber, ob Heilpraktiker noch zeitgemäß seien und in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung war ein Beitrag über Heilpraktiker mit dem Titel “Weißbrot gegen Krebs“, dessen haaarsträubende Geschichten wahrlich nicht dazu angetan sind, die Frage der Skeptiker im Sinne der Heilpraktiker zu beantworten. Manche Scienceblogsleser wissen es sicher: Das Heilpraktikergesetz aus dem Jahr 1939, das den Heilpraktikern die Grundlage zur selbständigen Ausübung der Heilkunde ohne Approbation gab, hatte die Frage nach der Zeitgemäßheit negativ beantwortet. Das Gesetz war darauf ausgerichtet, dass die Heilpraktiker im Laufe der Zeit verschwinden. Geschichtlich vordringlich für das Wohl der Menschheit war allerdings, dass der Nationalsozialismus verschwindet, das Gesetz und die Heilpraktikererlaubnis haben überlebt – in Deutschland, in Österreich gibt es keine Heilpraktiker/innen.

Sowohl die Süddeutsche Zeitung als auch der Wikipedia-Eintrag zu den Heilpraktikern sprechen von 35.000 Heilpraktiker/innen in Deutschland. Die Zahl stammt aus der Gesundheitspersonalrechnung des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2011 und ist eine Schätzung auf der Basis verschiedener Datenquellen. Würde die Zahl stimmen, müsste man davon ausgehen, dass mehr als die Hälfte der Heilpraktiker/innen in Bayern tätig ist. Zum Stichtag 31.12.2013 haben die bayerischen Gesundheitsämter 19.735 Heilpraktiker/innen gezählt, darunter 5.459 mit einer auf Psychotherapie beschränkten Erlaubnis.

Geht man von den 35.000 Heilpraktiker/innen, die das Statistische Bundesamt ausweist, aus und berechnet anhand des Bevölkerungsanteils Bayern einen Erwartungswert für Bayern, so dürfte es in Bayern eigentlich nur 5.500 Heilpraktiker/innen geben. Würde man das Verhältnis zwischen dieser Zahl und den tatsächlich für Bayern erfassten Heilpraktiker/innen wiederum auf Deutschland übertragen, so ergäbe sich eine Zahl von mehr als 120.000 Heilpraktiker/innen in Deutschland. Das ist vermutlich etwas zu viel, weil es in der DDR praktisch keine Heilpraktiker/innen mehr gab und ihre Zahl seit 1990 in den neuen Ländern vermutlich nicht westdeutsches Niveau erreicht hat. Vielleicht gibt es auch in Bayern überdurchschnittlich viele Heilpraktiker, oder viele Karteileichen, so dass auch an dieser Stellschraube der Hochrechnung etwas zu drehen wäre.

Leider wird in vielen Bundesländern die Zahl der Heilpraktiker entweder nicht erfasst oder nicht veröffentlicht. Anhand der bayerischen Daten muss man jedenfalls annehmen, dass das Statistische Bundesamt diese Zahl entweder erheblich unterschätzt oder die bayerischen Daten für eine Hochrechnung nicht geeignet sind.

Heilpraktiker

Interessant ist vielleicht noch der zeitliche Trend. Für das Jahr 1946 weist die Statistik in Bayern 344 Heilpraktiker/innen aus. Heute sind es demnach 43 mal so viel. Die Zahlen sind vor allem seit Mitte der 1970er Jahre kräftig angestiegen. Zum Vergleich: Die Zahl der Ärzt/innen in Bayern ist seit 1946 „nur“ auf den 8-fachen Wert gestiegen. Und nimmt man das Jahr 1980 als Basis, so liegt die Zahl der Heilpraktiker/innen heute fast auf dem 14-fachen des Jahres 1980, die der Ärzt/innen beim 2 ½-fachen. In beiden Berufen waren früher die Männer deutlich in der Überzahl, heute sind es die Frauen. Nach dem Krieg waren zwei Drittel der Heilpraktiker/innen Männer, heute sind fast drei Viertel Frauen.

Die Untergruppe der Heilpraktiker/innen, die nur Psychotherapie ausüben darf, hat ebenfalls kräftig zugenommen, auch und gerade nach dem Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes 1999, das die Psychotherapie berufsrechtlich als eigenständigen Heilberuf mit Approbation geregelt hat. Seit 2009 gibt es übrigens auch eine beschränkte Heilpraktiker-Erlaubnis für Physiotherapie; wer sie hat, kann physiotherapeutisch ohne ärztliche Verordnung tätig werden. Regional gibt es zudem noch beschränkte Erlaubnisse für Podologie-Heilpraktiker. Man wird die Frage der Skeptiker, ob Heilpraktiker noch zeitgemäß sind, für die jeweiligen Untergruppen wohl getrennt beantworten müssen, weil es um unterschiedliche Problemlagen geht. Angesichts von Überlegungen, weitere sektorale Heilpraktiker-Erlaubnisse zu schaffen, ist aber die Diskussion darüber auf jedem Fall zeitgemäß.

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Kommentare (26)

  1. […] viele Heilpraktiker/innen gibt es eigentlich in Deutschland? Gesundheits-Check am 16. Februar […]

  2. #2 Ludger
    16. Februar 2015

    Die reine Anzahl an Heilpraktikern (m/w) ist nur ein Teil der Information. Man kann nämlich auch Geld verdienen, indem man Heilpraktiker “ausbildet”, z.B. für die Heilpraktikerüberprüfung. Die dürfen dann nach bestandener Überprüfung zwar den Heilpraktikerberuf ausüben, haben aber nicht gelernt wie. Für jeden Kurs für eine Zusatz”qualifikation” muss dann nochmal extra bezahlt werden. Pendeln und Irisdiagnostik wollen halt gelernt sein. Und für Quacksalberei braucht man auch eine Begabung, da hapert es dann. Ich gehe davon aus, dass es einen nennenswerten Prozentsatz von Heilpraktikern gib, die in dem Beruf nicht oder nur teilzeit arbeiten.

    • #3 Joseph Kuhn
      16. Februar 2015

      @ Ludger:

      “Ich gehe davon aus, dass es einen nennenswerten Prozentsatz von Heilpraktikern gib, die in dem Beruf nicht oder nur teilzeit arbeiten.”

      Wer in Teilzeit selbständig als Heilpraktiker arbeitet, hat nach Art. 12 GDVG wie jeder Heilpraktiker in Bayern Beginn und Ende dieser Tätigkeit anzuzeigen. Wer nicht selbständig als Heilpraktiker arbeitet, nicht. Wie viele Personen eine Heilpraktikererlaubnis haben, aber nicht selbständig arbeiten, weiß vermutlich niemand.

      Nachtrag 17.2.2015: Doch, die Bundesagentur für Arbeit weiß es. In der Statistik der sozialversicherten Beschäftigten sind die angestellten Heilpraktiker in der Berufsgruppe 85 (“Übrige Gesundheitsberufe”), Berufsordnung 851 (“Heilpraktiker”) erfasst. Im Jahr 2011 waren es bundesweit 4.622, 39 % mehr als 1999. Eine kleine Gruppe also, die auch nicht sonderlich stark zunimmt.

  3. #4 drmichaelbauer
    Traunstein
    16. Februar 2015

    Der Artikel in der SZ beschreibt die Problemik des Heilpraktikerunwesens in Deutschland sehr gut.
    Leider sind diesbezüglich auch viele gebildete Menschen in Deutschland unwissend und unkritisch.
    Zumindest macht es Hoffnung, dass man in der Presse auch Kritisches liest.
    Notwendig wäre es, dass sich in diesem Land Menschen aktiv gegen diese Gefährdung der Volksgesundheit wenden.
    Die ärztliche Standesvertretung in Deutschland kommt derzeit ihrer diesbezüglichen Verplichtung nicht nach und ist hierzu nicht motivierbar, zumal es auch leider viele Ärzte gibt, die von pseudomedizinischen und unwissenschaftjichen Therapien leben. Seriös arbeitende Schulmediziner werden nicht selten in der öffentlichen Meinung im Vergleich zu Naturheilkundigen herabgewürdigt.

    • #5 Joseph Kuhn
      16. Februar 2015

      … und dabei bräuchten wir doch viel mehr “Schulmediziner” – also Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst, die in Schulen gehen, aufklären, Impflücken schließen usw. 😉

      Zu Ihrer eigentlich gemeinten Aussage: Bisher zeigen praktisch alle Studien, dass Ärzte in der Bevölkerung sehr hohes Ansehen genießen, sogar bei Themen, bei denen man ihnen durchaus etwas kritischer gegenüber stehen könnte, z.B. im präventiven Bereich.

  4. #6 Florian Walter
    17. Februar 2015

    Guten Morgen,

    Ich bin ehrlich gesagt nicht überrascht. Allein im engeren sozialen Umkreis meinerseits gibt es sagen wir mal zwei-drei Personen, die entweder von Heilpraktikern überzeugt oder/ und selbst in “Behandlung” sind. Ich frage mich demnach ernsthaft, warum es scheinbar so viele Leute gibt, die sich so manipulieren lassen, dass sie den ganzen Quatsch für bare Münze nehmen. Da ich mir selbst einmal ganz unbefangen eine Meinung bilden wollte, habe ich mal genau nachgefragt, was ein solcher Praktiker alles während seiner Behandlung tut (und vorallem was er dafür verlangt). Selbst als ich während des Gesprächs mit meinen Bekannten auf konkrete Logikfehler oder wissenschaftlich-nachgewiesenen Unsinn hindeutete, wurde ich häufig mit Misstrauen und “Du glaubst halt nicht daran” oder Ähnlichem abgespeist. Spricht hier einfach die Verzweiflung und Unzufriedenheit gegenüber der Schulmedizin zu einem? Ich weiß es nicht…

    Wenn man bei dem Thema Heilpraktiker pauschalisiert, dann sehe allerdings ich diejenigen Naturheilkundler in Gefahr, die eine solide Kenntnis von Pflanzen, Pilzen usw. mit nachgewiesener Wirkung haben und diese selbstverständlich auch erfolgreich anzuwenden wissen. Hier wird meines Erachtens nach noch viel zu wenig getrennt…

  5. #7 Norbert Aust
    17. Februar 2015

    Danke für die Darstellung. Es erschien mir schon immer so zu sein, dass die Zahl der Heilpraktiker zu niedrig angegeben wird. Hier bei uns im Südwesten sieht es so aus, als gäbe es mehr Praxisschilder für Heilpraktiker als für niedergelassene Ärzte. Von letzteren ist die Zahl bekannt – rund 146.000 gibt es zum Stand 2013, die in rund 124.000 Praxen arbeiten. (Quelle: http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.3.12002.12003). Gefühlt ist die Größenordnung von 100.000 Heilpraktikern sicher nicht falsch.

    Ist es ein Zufall, dass die Zahl der HPs zumindest in Bayern, dann aber sicher auch im Rest der BRD, ab Anfang der 1980er Jahre stark ansteigt? Ab einem Zeitpunkt also, als die ersten Maßnahmen zur Kostendaämpfung im Gesundheitswesen eingeführt wurden und die Ärzte als ‘Halbgötter in Weiß’ angeprangert wurden?

  6. #8 Joseph Kuhn
    17. Februar 2015

    @ Norbert Aust:

    “Es erschien mir schon immer so zu sein, dass die Zahl der Heilpraktiker zu niedrig angegeben wird.”

    Es gibt auch schon lange dieses merkwürdige Missverhältnis zwischen den Daten in Bayern und den für Deutschland geschätzten Zahlen. In der RKI-Broschüre “Inanspruchnahme alternativer Methoden in der Medizin”, Ende 2002 erschienen, heißt es auf Seite 8: “Die Zahl der Heilpraktiker in Deutschland wird auf etwa 12.000 bis 15.000 geschätzt.” Auch damals hatten wir in Bayern mehr als die Hälfte dieser Zahl. Vielleicht kann man daraus einen “Bayernkoeffizienten zur Korrektur von bundesweiten Heilpraktikerzahlen” ableiten, den BkoeffKorrbuweiHeipraZ: Werden in Bayern etwa halb so viele Heilpraktiker gezählt wie für Deutschland geschätzt, verdreifache die Schätzzahl, um die Schätzqualität zu verdoppeln (oder zu halbieren, falls die bayerischen Daten in die Irre führen), oder so was in der Art. Beim Zitieren des Koeffizienten bitte beachten: Heute ist Faschingsdienstag.

    “Ist es ein Zufall, dass die Zahl der HPs (…) ab Anfang der 1980er Jahre stark ansteigt?”

    Die von Dir angesprochene Auflösung der paternalistischen Autorität der Ärzte im Gefolge der (ja durchaus berechtigten) Medizinkritik von Illich, McKweon & Co. halte ich für einen plausiblen Einflussfaktor, ebenso wie den Zerfall der politischen 68er-Bewegung, die teilweise in esoterischen und alternativmedizinischen Strömungen aufging (schön nachzulesen u.a. in Bach/Molter “Der Psychoboom”). Man müsste mal schauen, vielleicht gibt es sogar Literatur zur Entwicklung der Heilpraktikerzahlen. Beim (nicht sehr gründlichen) Googeln habe ich allerdings erst mal nichts gefunden.

  7. #9 Karl
    17. Februar 2015

    Wenn man sich die Lebensläufe von Heilpraktikern (meistens -innen) ansieht, stellt man fest, dass da einige schreiben, sie haben die Ausbildung gemacht, nachdem sie längere Zeit in Indien verbracht haben und dort eingeweiht wurden. Das hört sich für mich so an, als wären sie als jugendliche Aussteiger mit dem Geld von Papi der damals (in den 70ern) üblichen Mode gefolgt, Befreiung und ihr Seelenheil in Fernost zu finden. Irgendwann war halt das Geld alle und der Guru doch nicht so dolle wie erhofft, dann musste man schauen, wie man Geld verdient. Und wenn man dann nichts anständiges gelernt hat, und sich zu fein ist, sich beim Aldi an die Kasse zu setzen, dann bleibt nur noch eine Ausbildung zum/r Heiler/in/Schaman/in/Energethiker/in usw.

  8. #10 Ulrike
    www.tta-personalmedizin.ch
    17. Februar 2015

    toller Artikel, ich freu mich auf den nächsten!

  9. #11 Trottelreiner
    17. Februar 2015

    @Florian Walter:
    Naja, für wirksame Naturstoffe gibt es doch schon eine andere Ausbildung die sich da Pharmazeut nennt. Oder zumindest sollte es so sein, in der Realität soll es da gewisse Schwnakungen geben.

    Im Vergleich zur Frage, ob man die richtige Pflanze erwischt hat oder der Händler einen beschissen hat, welche Wirkstoffkonzentration vorliegt und wie sich die einzelnen Wirk- und sonstigen Inhaltsstoffe mit eventuell eingenommenen anderen Substanzen vertragen sind “richtige” als synthetisierte Reinstoffe vorliegende Arzneimittel fast schon Kinderkram. Alleine schon der Spaß den man mit einfachem Grapefruitsaft haben kann ist da legendär.

    Anderes Beispiel: PG-Protein
    Ist ein Transporter, der u.a. gewisse Substanzen aus dem zentralen Nervensystem entfernt und kann durch diverse Moleküle gehemmt werden. Und prompt werden diverse eigentlich nur peripher wirksame Medikamente zentral wirksam. Mag für den modernen Nachfahren des klassischen Morphinisten ja ganz angenehm sein, ist aber bei der Frage, ob man sich bei Durchfall und Langzeitmedikation mit ein bißchen Imodium transportfähig machen möchte eher unangenehm.

    Kurz und knapp, nur weil etwas natürlich ist, ist es nicht unbedingt harmlos, eher im Gegenteil, zumal die meisten “chemischen” Medikamente ja verfeinerte Abkömmlinge von Naturstoffen sind.

  10. #12 Beobachter
    18. Februar 2015

    @ Joseph Kuhn:

    Vielen Dank für den interessanten, informativen Artikel und dass Sie sich des Themas annehmen.
    Dass es überhaupt mal konkret und ausführlich getan wird, war schon lange überfällig …

    @ Karl:

    Einen ähnlichen Endruck habe ich auch.
    Erfolgreicher Heilpraktiker werden kann eigentlich jeder,
    der die Prüfung besteht;
    zu bequem war, eine ordentliche Ausbildung zu machen;
    sich selbst gut verkaufen/darstellen kann;
    anderen Leuten gut etwas glauben machen kann
    und das Startkapital für eine eigene Praxis hat.

    Ein ideales Betätigungsfeld für alle, die mit möglichst minimalem Eigeneinsatz das möglichst Maximale an Eigeneinkünften herausholen wollen.

    Und ganz ohne HP-Erlaubnis-Schein, Ausbildung, Praxis geht`s auch – dann gründe man einen (Selbsthilfe-) Verein e. V. …

  11. #13 Dr. Webbaer
    18. Februar 2015

    Wenn die evidenzbasierte medizinische Versorgung halbwegs steht, kommen irgendwann die “Heiler”, eigentlich logisch.

  12. #14 Toni Leinauer
    21. Februar 2015

    Herr Kuhn mal eine Frage eines Laien,

    sind den in ihren Augen alle Heilpraktiker Scharlatane, die am besten im “Isis-Käfig” verbrannt werden müssen (Späßchen)?

    Mir fällt nämlich gerade ein, daß ich ja jeden Mittwoch mit einem Heilpraktiker (ehemals Kieswerkbesitzer – dort hat er sich ausgeklinkt) “Mittagesse” – Käse heißt der (natürlich nur im Spitznamen).

    Er widerum zählt einen (spießigen) Allgemeinarzt zu seinen besten Freunden, mit dem er erst vor kurzem auf “Geschäftsreise” in China war – schlechte/kritische Worte über das “Heilpraktikerunwesen” habe ich von diesem Dr., den ich auch kenne, noch nie gehört.

    “Mein Käse” macht glaube ich viel am Rücken rum (Einrenken und so). Mir selber hat er bis dato nur einmal “geholfen”. Bei der letzten Abfahrt in Ischgl hatte ich nicht aufgepaßt und meinen Sturz mit dem Handballen / Daumen abgefangen. Der bedankte sich mit einer massiven Schwellung und die wiederum wurde vom “Käse” noch am selben Abend mit einer kurzen “Magnet-Wellen-Behandlung” (kann auch ganz anders geheißen haben…). Ich habe mir nichts davon erhofft und mich sogar noch drüber lustig gemacht, mußte am nächsten Morgen aber zu meiner Verblüffung feststellen, daß von der großen Schwellung nebst Unbeweglichkeit des Daumens, nichts mehr vorhanden war. Obs von selber abgeklungen ist oder aber die Behandlung ursächlich war, wer weiß es…. Geschadet hat es auf jedenfall nicht und darum geht es ja wohl in erster Linie bei der Naturheilpraktikerei…

    Ansonsten habe ich die Story ja schon mal erzählt, daß ich in meinen Kindheitstagen eine Genesung aus wochenlangem Krankenhausaufenthalt einem Naturheilpraktiker zu verdanken habe, der aufs “Abbeten” spezialisiert ist.

    Seitdem halte ich viele in der Zunft zwar weiterhin für Scharlatane, aber eben nicht alle….

    Gruß!

    • #15 Joseph Kuhn
      22. Februar 2015

      Ich halte nicht alle Heilpraktiker für Scharlatane. Aber der Anteil der Scharlatane unter den Heilpraktikern ist sicher nicht gering, davon kann man sich im Internet schnell bei ihren Angeboten überzeugen. Die Gesundheitsämter prüfen nicht, ob das, was die Heilpraktiker tun, dem Stand der Wissenschaft entspricht, sondern nur, ob sie so viel schulmedizinisches Basiswissen haben, dass sie hoffentlich keine allzu große Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung darstellen. Heilpraktiker kann praktisch jeder werden (die wichtigsten Voraussetzungen: 25 Jahre alt muss man sein und mindestens eine abgeschlossene Volksschulbildung haben). Eine den normalen Ausbildungsberufen entsprechende geregelte Ausbildung mit verbindlichen Ausbildungsinhalten gibt es nicht. Man muss nicht einmal eine der vielen Heilpraktikerschulen durchlaufen. Aber alldas ist nicht Thema meines Beitrags, hier geht es nur um die Zahlen: wie viele gibt es eigentlich?

  13. #16 Hans-Werner Bertelsen
    24. Februar 2015

    Bravo!

    Sehr guter Artikel, der sich mit meiner bayrischen Grundstücks-Hypothese deckt. In Bayern wird jedem Mediziner/Zahnmediziner bei Neugründung vermittelt, dass ohne Esoterik im Angebot keine Praxis wirtschaftlich zu führen sei. Im Artikel “Bohren ohne Reue” ist diese Verknüpfung beschrieben. Als These: Es liegt an den hohen Grundstückspreisen in Bayern. Die Konsequenz dieser staatlich geförderten Patientenverschaukelung ist alles andere als lustig. Nicht umsonst gibt es in Bayern 300 Sekten (!) – mit all ihren verhängnisvollen Begleiterscheinungen.

    In Bayern bietet die Zahnärztekammer höchstpersönlich Kurse zum Heilpraktiker an. Kosten – 5500.- Euro:

    http://scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2013/08/21/quacksalberei-fur-zahnarzte-eine-entscheidungsfindung/

    Ich kritisiere diese unethische und verhängnisvolle, als Liberalität getarnte Haltung der Kammern, offen:

    http://www.dr-bertelsen.de/documents/Der_Freie_Zahnarzt_9-12-Von_ethischen_Prinzipien.pdf

    http://www.dr-bertelsen.de/documents/DZW_39-13_05-06.pdf

  14. #17 Hans-Werner Bertelsen
    26. Februar 2015
  15. […] viele Heilpraktiker/innen gibt es eigentlich in Deutschland? Gesundheits-Check am 16. Februar […]

  16. #19 Buerger
    Rostock
    16. Januar 2016

    Es gibt zwischen Himmel und Erde noch viel Unerforschtes!
    Das Problem ist, dass die Schulmediziener auf Grund ökonomischer Zwänge immer weniger Zeit haben, sich einem Patinten zu widmen.
    In diese Lücke stossen meiner Meinung nach die Heilpraktiker. Dabei gibt es natürlich Ehrliche und Gewinnorientierte. Dieses Problem zu klären ist meiner Meinung nach Aufgabe unseres Staates, indem Regeln aufgestellt werden.
    Ich selbst habe es erlebt, dass mein Heuschnupfen durch Akkupunktur erträglicher wurde und durch eine andere Akkupunktur Zahnschmerzen erträglicher wurden. Ob das nun durch meine Einbildung oder wissentschaftlich erfolgte, ist für mich erst mal nicht interesant.
    Ich habe im Garten erlebt wie ein Kind halbnackt in Brennessel gefallen ist und die Paufen nur durch zureden (ich sage “Hokus-Pokus) verschwunden sind.
    Vom Hören und Sagen, habe ich gehört, dass schmerzhafte Zahnbehandlungen in China nicht mit einer mit Nebenwirkung behafteten chemischen Betäubung, sondern mit Akkupunktur die Schmerzen erträglich gemacht werden. Das ist doch im Sinne der humanen Medizin, oder nicht?
    Dieses Feld müsste unbeeinflusst von Lobbyisten mal weiter erforscht werden!
    Natürlich gefärdet das Arbeitsplätze in der Pharmaindustrie!

  17. #20 Philipp
    Berlin
    11. April 2016

    Klar ersetzt ein Heilpraktiker nicht einen vollständig studierten Mediziner. Ich denke mir jedoch, sobald er Menschen wirklich hilft, dann ist das meiner Meinung nach unbedeutend ob derjenige jetzt studiert hat oder nicht.

    [Edit: Werbe-URL gelöscht. JK]

  18. #21 Buerger
    Rostock
    11. April 2016

    Wie in meinem ersten Kommentar schon angeklungen, denke ich, dass durch die Glaubhaftmachung der Handlung des Heilpraktikers durch den Heilpraktiker, die Selbstheilungskräfte des Patienten aktiviert werden.
    Dabei ist es unerheblich mit welchem Hokus Pokus er diese Überzeugung im Patienten hervor ruft!
    Entscheidend ist, dass der Patient dran glaubt und es eine biologische Möglichkeit gibt sich selbst zu heilen.
    Sonst muss der Heilpraktiker auf die Schulmedizin verweisen!

  19. #22 Joseph Kuhn
    11. April 2016

    @ Buerger:

    Nein, es ist nicht egal, mit welchem “Hokus Pokus” gearbeitet wird. Patienten müssen über den Nutzen und die Risiken von Behandlungsverfahren aufgeklärt werden, damit sie mitentscheiden können und wissen, welche Risiken sie eingehen. Googeln Sie am besten einmal nach “Aufklärungspflicht, Heilpraktiker”.

    • #23 Buerger
      Rostock
      13. April 2016

      Wenn ich zu einer Hexe oder einen Hexer gehe, weis ich, dass nicht 20 Pharmaunternehmen mit Ihrem geballtem Wissen oder nicht Wissen über Selbstheilungskräfte aber dafür über Wissen zum Geldverdienen hinter der Hexe bzw. Hexer stehen. der Heilpraktiker muss nur seine Grenzen kennen und Diese einhalten und dazu muss das Gesetz Ihn zwingen. Eine offensichtliche Fehlfunktion wie zum Beispiel Knochenbruch oder akute Krankheiten gehören in die Hände der Schulmedizin. Dort sind die Warscheinlichkeiten des Heilungserfolges trotz Nebenwirkungen größer. Der Heilpraktiker kann aber die Schulmedizin unterstützen.
      Wie immer, es gibt nicht Schwarz oder Weiß, sondern immer Zwischentöne.

  20. […] Jahre nach dem Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes noch zeitgemäß ist und warum ihre Zahl ausgerechnet seitdem so zunimmt – Psychotherapie auf zwei Qualitätsebenen war schließlich nicht Sinn der […]

  21. […] haben hier eine riesige Rechtslücke. Die über 40 000 Heilpraktiker in Deutschland dürfen alles einsetzen, was nicht nachgewiesenermaßen schädlich ist. Wir wissen nichts über das […]

  22. #26 Chrissi
    www.seminarzentrum-hertz.de
    14. Oktober 2016

    Ein sehr toller Artikel. Gut geschrieben.
    Finde es schade, dass die Meinungen so auseinander gehen. Jeder sollte für sich selbst entscheiden, was er gut findet und was nicht, deshalb kann man Heilpraktiker nicht alle über einen Kamm scheren.