In der letzten Zeit haben mich immer wieder Themen beschäftigt, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: unsere “Werte” bzw. der gesellschaftliche Zusammenhalt, Verschwörungstheorien oder pseudowissenschaftliche Parallelwelten wie die Homöopathie.

Mir scheint inzwischen, die Dinge haben vielleicht doch mehr miteinander zu tun, als man zunächst meint. Dass wir eine intensive Wertediskussion führen, an den „westlichen Werten“ zweifeln, sie als Sonntagsgerede kritisieren, dass viele Menschen den Regierungen und Konzernen nichts mehr glauben, schnell hinter allem Möglichen eine Verschwörung vermuten, Donald Trump mit seinem provokativen Anti-Establishment-Gerede und seiner gezielten Ignoranz gegenüber jedwedem abwägenden Denken mit klammheimlicher Freude begleiten – oder hier in Deutschland seine schrumpfgermanischen Stellvertreter von der PEGIDA: Es geht um Misstrauen einerseits und um ein falsches Vertrauen in scheinbare Alternativen andererseits.

In allen Fällen besteht die Antwort der Wut- und Frustbürger auf das – auch durch viele in der Tat erschreckende Vorgänge gespeiste – Misstrauen gegenüber den gesellschaftlichen Institutionen nicht darin, diese reformieren zu wollen, sondern ihnen ein Phantasma entgegenzusetzen, von dem man sich die Erlösung von der eigenen misslichen Lage durch eine Art Magie verspricht. Die einen glauben, mit Mauern, sicher magischen Mauern, zwischen Amerika und Mexiko oder zwischen Mazedonien und Griechenland die Flüchtlingsproblematik aus der Welt zu schaffen, die anderen reagieren auf die Tatsache, dass in der Politik oft genug nicht die Wahrheit erzählt wird, mit mindestens genauso haltlosen Verschwörungstheorien und laufen falschen Propheten hinterher, und das scheinbar kritisch aufgeklärte Bildungsmilieu flüchtet sich vor den Missständen der normalen Medizin in die der paranormalen Medizin. Der Abschied von der abwägenden Vernunft führt dann in die erleuchtete Gemeinschaft derer, die die Wahrheit sehen, die sich nichts mehr erzählen lassen und sich in abgekapselten Internetforen gegenseitig in ihrem Misstrauen gegenüber dem politischen Establishment, der Pharmaindustrie, der Lügenpresse und dem ganzen „System“ bestärken.

Ob das die Geburtswehen eines sich neu arrangierenden Verhältnisses zwischen den Menschen, einschließlich des selbsterklärten „Volkes“ und den gesellschaftlichen Institutionen, „dem System“ sind? Und wenn ja, was mag dabei wohl herauskommen?

Kommentare (42)

  1. #1 Anderer Michael
    5. März 2016

    Das Denken in der Flüchtlingskrise ist wahrhaft merkwürdig. Man baut Zäune um die Leute nicht ins Land zu lassen,weil man dieses nicht will. Andererseit klettern diese über den Zaun und sind im Land, so lässt man diese zunächst ohne Konsequenzen gewähren. Ich möchte bewusst offen lassen, über es berechtigt ist, hier zu kommen. Denn wenn es berechtigt ist, darf man keine Zäune bauen. Wenn es unberechtigt ist, braucht man auch keine Zäune, man weist diese sofort entschlossen aus.
    Deswegen ist mir die aktuelle Denkweise zur Flüchtlingswelle komplett unverständlich. Desweiteren Flüchtlinge sind zunächst heilige Kühe, egal ob sie aus Rumänien, (einem Nato und EU Partner )kommen oder aus Aleppo.VieleFlüchtlinge sind aus der Türkei, einem faschistoiden Folterstaat ,dessen Vertreter hier uns Rassismus vorwerfen (DitiB), untersteht dem türkischen Religionsministerium, also Erdogan. Jetzt soll die Türkei, die eine wesentliche Ursache des Problems ist, dieses Problem lösen. Wenn Flüchtlinge, die vor Krieg und Unterdrückung geflohen sind, sich hier vollkommen daneben benehmen, ist das komplett folgenlos. Darauf hinzuweisen ist das Schlimme. Offizielle Vernunft lautet, alles dies zu schlucken und hinzunehmen. Gleichzeitig wird der normale Bürger drangsaliert, wo es nur geht ( Beispiel Baurecht, Kommunales Abgabenrecht, Verkehrsrecht, Strafrecht und Strafbefehlsverfahren). Und dass die wahren Wirtschaftsflüchtigen , die steuerpflichtigen Unternehmen, von derRegierung nicht angegangen werden, zeugt auch nicht gerade von Logik. Kriminelles Verhalten wird staatlich mehr oder wenig legitimiert, man denke an die Cumex Geschäfte.
    Und wehe es wird der Faschismus des 21. Jahrhunderts kritisiert, dann ist man gleich im Fadenkreuz des Meinungs-Establishments, welches Mohammed als Feministen feiert (Böllstiftung) und Opfern sexueller Gewalt Vorurteile vorwirft (Mitri Sirin).
    Wo ist das vernünftig? Wenn ich ehrlich bin, zur Zeit verstehe ich so gut wie nichts. Ich bin weder Homöopathieanhänger , noch glaube ich Verschwörungstheorien, Religionen stehe ich kritisch gegenüber, bin weder Pegida oder AfD-Mitglied. Und inzwischen ist mir auch nicht mehr klar, was unsere Werte eigentlich sind.
    Machen Sie es sich nicht zu einfach Herr Kuhn, wenn Sie Kritik oder Unverständnis mit unvernünftigen Wut-und Frustbürgern,die Phantasma und Erlösungsgedanken ausleben wollen, gleichsetzen ?

    • #2 Joseph Kuhn
      5. März 2016

      1. Ich setze Kritik nicht mit unvernünftigen Wut- und Frustbürgern gleich, zumal ich mich selbst darunter subsumieren müsste, der eine oder andere meiner Blogbeiträge ist ja durchaus, ansatzweise, zwischen den Zeilen zumindest, etwas kritisch.
      2. Wenn ich mir Ihren Rant durchlese: War der Kaffee am morgen zu bitter?

  2. #3 Anderer Michael
    5. März 2016

    Ich musste erst mal nachlesen, was Rant sein soll. Im Deutschen unbekannt. Falls aus dem Englischen, der Kaffee war am Morgen nicht zu bitter.
    Ansonsten sagen Sie, ich stoße gehässige, wütende Worte aus. Gehässig bedeutet soviel wie missgünstig; boshaft, gemein.
    Also hätte ich sagen sollen, die Türkei ist kein Folterstaat, Steuerflucht ist in Ordnung, Religionen sind immer im Einklang mit unserem Grundgesetz.
    Wieso ist es gehässig, wenn ich zu Flüchtlingen und Zäunen schreibe:” Denn wenn es berechtigt ist, darf man keine Zäune bauen. Wenn es unberechtigt ist, braucht man auch keine Zäune, man weist diese sofort entschlossen aus.”

    • #4 Joseph Kuhn
      5. März 2016

      “Also hätte ich sagen sollen, die Türkei ist kein Folterstaat, Steuerflucht ist in Ordnung, Religionen sind immer im Einklang mit unserem Grundgesetz.”

      Finden Sie, das wäre die einzige Alternative zu Ihren Rant gewesen? Dazu, dass Flüchtlinge “heilige Kühe” seien, dass ihr Verhalten “komplett folgenlos” bleibe, dass darauf hinzuweisen “das Schlimme” sei (im Original: “das wird man doch noch sagen dürfen”), und es sei “offizielle Vernunft”, “alles dies zu schlucken und hinzunehmen” (im Original: “wir Deutschen haben im eigenen Land nichts mehr zu melden”), gleichzeitig “wird der normale Bürger drangsaliert, wo es nur geht”, und “wehe es wird der Faschismus des 21. Jahrhunderts kritisiert, dann ist man gleich im Fadenkreuz des Meinungs-Establishments, welches Mohammed als Feministen feiert”?

      Wer so was von sich gibt, dessen Kaffee muss zu bitter gewesen sein. Ich empfehle, als Gegengift ein wenig auf der Internetseite von Tatjana Festerling herumzulesen, dann bekommen Sie einen Eindruck davon, woher der “Faschismus des 21. Jahrhunderts” kommen könnte, wenn das Treiben dieser Leute “komplett folgenlos” bleibt.

  3. #5 Anderer Michael
    5. März 2016

    Herr Kuhn,
    um einem Missverständnis entgegenzutreten, werde ich nur noch einmal hierzu etwas schreiben. Ich will nicht den Eindruck erwecken, ich sei ein Troll und wolle Ihren Blog als Rennstrecke missbrauchen.
    Zunächst,Sie haben recht. Die anderen Punkte hätte ich auch ansprechen sollen oder anders formulieren müssen.
    Zur Ihrer Kritik an mir.
    1.Dazu, dass Flüchtlinge “heilige Kühe” seien, dass ihr Verhalten “komplett folgenlos” bleibe,
    Als Beispielnehmen wir Kiel im letzten Jahr, eine Gruppe von illegalen Einwanderen jugendlichen Alters aus Nordafrika konnte monatelang Straftaten bis zu einem bestimmten Grad folgenlos begehen. Nehmen Sie mal einer alten Dame die Handtasche weg, treten anschließend nach den Polizisten und beleidigen diese. Und das bitte mehrfach in der Woche. Welche Konseqenzen hat das für Sie? Für die Genannten keine.

    2 “dass darauf hinzuweisen “das Schlimme” sei

    Ja, das ist manchmal so. Ein Beispiel Artikel aus der Zeit 2014 von Slavoj Žižek

    “In ihren Umrissen stehen uns die entsetzlichen Geschehnisse im englischen Rotherham mittlerweile klar genug vor Augen: Zwischen 1997 und 2013 wurden dort mindestens 1.400 Kinder sexuell brutal ausgebeutet, Kinder von gerade einmal elf Jahren von mehreren Tätern vergewaltigt, entführt, in andere Städte verkauft, geschlagen und eingeschüchtert, “mit Benzin überschüttet und damit bedroht, angezündet zu werden, mit Schusswaffen bedroht, zwangsweise zu Zeugen brutaler Vergewaltigungen gemacht”. So der offizielle Bericht. Drei frühere Untersuchungen waren im Sand verlaufen. Wie die Autorinnen des neuen Berichts feststellten, befürchteten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, als rassistisch abgestempelt zu werden, wenn sie den Vorfällen auf den Grund gingen. Und warum? Weil es sich bei den Tätern (fast ausnahmslos) um Mitglieder pakistanischer Gangs handelte und bei ihren Opfern um weiße Schulmädchen, die sie als “weißen Abschaum” bezeichnete”
    Übrigens ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der seine Aufgaben ernst nahm, wurde versetzt.
    Das ist naturlich ein krasses Beispiel, aber ich habe immer noch die alte Dame aus Hamburg in Erinnerung, politisch links eingestellt, die den Kampf gegen afrikanische Drogendealer aufnahm, diese anzeigte und sich vor laufender Kamera von der Polizei Rassimus vorwerfen lassen musste (Spiegel TV).
    Fragen Sie doch mal bei Ihrer zuständigen Bezirksregierung nach, welche Probleme es mit Flüchtlingen gibt, die Antwort aus Arnsberg z.B.” ein paar Handgreiflichkeiten,aber die braune Soße ist viel schlimmer” so ungefähr sinngemäß. Bei den Handgreiflichkeiten waren bis zu vierzig Polizeiwagen im Einsatz und ein mutmaßlicher Terrorist der IS in möglicher Vorbereitung auf einen Anschlag wurde festgenommen.
    Die Zitate “das wird man doch noch sagen dürfen” und “wir Deutschen haben im eigenen Land nichts mehr zu melden”stammen nicht von mir und wurden auch nicht von mir benutzt.

    3.”wird der normale Bürger drangsaliert, wo es nur geht”,
    Ja, das ist in der Tat so. Und das hat nichts mit Einwanderern, Ausländern, Moslems oder Flüchtlingen zu tun.
    Kleines Beispiel: Sie haben einen Autounfall mit 51 Euro Sachschaden, verlassen die Unfallstelle für 1 Minute, um etwas zum Schreiben zu holen.Sie haben Fahrerflucht begangen, dann haut Ihnen ein nicht vorbestrafter Jugendlicher das Nasenbein aus Lust und Laune ein. So, Sie sind mit Sicherheit vorbestraft, das Verfahren gegen den Jugendlichen wird eingestellt, und Sie auf den Privatklageweg verwiesen. Das ist Realität.
    Sie haben ein Haus gebaut, und die Farbe der Ziegeln entspricht nicht den willkürlichen Bauvorschriften. Sie werden gezwungen bis zum persönlichen Ruin, das Dach neu zu decken . Lesen Sie mal den Verschandelungsparagraphen der Bayerischen Bauverordnung. Wenn gleichzeitig Problemmüll illegal vor Ihrem Haus abgelagert wird, was dann? So gut wie nichts. Schaden in Brandenburg Minimalschätzung in de letzten Jahren 320 Mio Euro. Was fällt der öffentlichen Verwaltung manchmal so ein? Sie als Anwohner, an den Kosten zu beteiligen,wenn es Probleme gibt. Wie bei einem Brand, geschehen in Sachsen-Anhalt. Das ist offizielles Recht in Deutschland, so wie die ganzen Straßenumwidmungen, um neue Anwohner an zu sanierenden Straßen zu bekommmen und diese gnadenlos bis zum Ruin in Form von Erschließungsbeiträgen auszupressen, auch in Bayern.
    Machen wir uns nichts vor, der Staat erweckt den Eindruck, dass er der Kriminalität nicht mehr beherrscht, sei es Wirtschafts-, politische oder Gewaltkriminalität. Der Prellbock ist der wehrlose Normalbürger (das ist keine Propaganda. In Bayern haben Kommunen Handwerkern die Rechnungen nicht bezahlt. Gleichzeitig hat die bayerische Finanzverwaltung die Außenstände aber besteuert, so geht der Staat mit seinen Bürgern um)

    4.”wehe es wird der Faschismus des 21. Jahrhunderts kritisiert, dann ist man gleich im Fadenkreuz des Meinungs-Establishments, welches Mohammed als Feministen feiert”?

    Hierzu könnte ich viel schrieben, aber es ist sowieso viel zu lang und ich verweise nur auf den WikipediaArtikel und das Schicksal des Theo van Gogh.

    Warum das bei uns mit der Vernunft aus dem Ruder läuft, weiß ich nicht. Ich habe keine Erklärung, ebenso wenig warum das scheinbar kritisch aufgeklärte Bildungsmilieu ein Art Vogelstraußpoltik betreibt. Das ich mich in der Bewertung der Vorgänge irren kann, schließe ich nicht aus. Die Vorgänge habe ich mir aber nicht ausgedacht, sie sind Realität. Ihrem Tipp mit Tatjana Festerling werde ich noch nachkommen.

  4. #6 Anderer Michael
    5. März 2016

    Ich wollte nichts mehr in diesem Thread schreiben, aber Tatjana Festerling ( mir bislang unbekannt) ist nach erster Sichtung etwas merkwürdig. Ich hatte angenommen, Sie empfehlen mir eine linke Antifa Bloggerin.

    • #7 Joseph Kuhn
      5. März 2016

      “Tatjana Festerling ( mir bislang unbekannt)”

      Die PEGIDA-Frontfrau an der Seite Lutz Bachmanns “bislang unbekannt”? Ich erspare mit jetzt die billige Polemik mit “auf den rechten Auge blind”, aber wer Frau Festerling nicht kennt, kennt PEGIDA nicht und sollte mit seinen Aussagen über diese Gruppierungen vorsichtig sein.

      “etwas merkwürdig”

      Frau Festerling ist nicht “etwas merkwürdig”. Ihre Hetztiraden sind von einer Art, dass man selbst in Hitlers “Mein Kampf” suchen muss, bis man etwas Vergleichbares findet. Sätze wie “Ein betrügender Fremdvögler, kinderlose Narzissten und Drogenkonsumenten diktieren in Deutschland, was erlaubt ist und was nicht” oder “da fühlen sich die Mohammedaner in ihren muslimischen Communities gleich wie im Paradies – bei bedingungslosem Grundeinkommen und westlich-weiblichem Schlampen-Frischfleisch” haben Sie ja sicher gelesen, wenn Sie heute die “etwas merkwürdige” Internetseite besucht haben.

      Die Werte einer liberalen Zivilgesellschaft gilt es nicht nur gegen religiöse Fanatiker mit Bärten in weißen Frauenkleidern oder schwarz vermummte selbstgerechte Autonome in Kreuzberg zu verteidigen, sondern auch gegen Hetzer mit psychopathischem Einschlag wie Frau Festerling – wie gesagt, der Frontfrau von PEGIDA, keiner beliebigen Spinnerin im Internet. Dass ihre Machenschaften bisher “komplett folgenlos” bleiben, ist ein Skandal der sächsischen Justiz, trotz der diversen laufenden Ermittlungsverfahren. Da geht der Rechtsstaat genauso vor die Hunde wie in Köln. Den Rest mit Rostock Lichtenhagen oder Clausnitz erspare ich mir jetzt mal. Thema des Blogs war schließlich eine Metaebene zu diesen Dingen.

      “Ich hatte angenommen, Sie empfehlen mir eine linke Antifa Bloggerin.”

      Sehr witzig. Das meine ich ernst, auch wenn es wohl unfreiwiliger Humor war.

  5. #8 rolak
    6. März 2016

    “bislang unbekannt”?

    Wahrhaft unverständlich bei Flachmann und Finsterling, dem Duo Infernal der rechtsaußen-Straßenagitation. Dem Trupp fehlt nur noch etwas Uniform-artiges, ansonsten marschiert er mit ruhig festem Schritt stramm auf Kurs.

    die Geburtswehen?

    Das ließe sich nur im Nachhinein sagen, Joseph, es kommt mir allerdings so vor, als würde ziemlich rigide eine (vermeintliche) Chance zu dem Versuch genutzt, das Gewollte in die Welt zu pressen.

    was mag dabei wohl herauskommen?

    Irgendwas im Spektrum von 1000Jahre, 1984 und Theokratie, nichts Angenehmes ermöglichend und daher imho von vorneherein rigide zu bekämpfen – mit zermürbenden Worten bis zivilem Ungehorsam.

  6. #9 gedankenknick
    6. März 2016

    “…die anderen reagieren auf die Tatsache, dass in der Politik oft genug nicht die Wahrheit erzählt wird, mit mindestens genauso haltlosen Verschwörungstheorien…”

    Einfach mal “Das Schleppnetz” lesen. http://www.das-schleppnetz.de/ (Ich bin nicht verwandt, verschwägert oder am Umsatz beteiligt.) Gesundheitspolitik, Korruption und-Lügen-Lügen-Lügen gegenüber den Wählern; und dies via einer Agenda, deren Durchführung über Jahre und Jahrzehnte angelegt ist. Der Begriff “Veschwörung” liegt da schon ziemlich nahe, auch wenn es einfach nur sehr sehr gute Lobbyarbeit zu sein scheint.

    Oder ich erinnere mal an unsere “Gesundheits-Ulla”. Auf die “gleich langen Spieße”, mit denen niedergelassene Apotheken und (ausländische) Versandapotheken natürlich kämpfen werden, warte ich seit ca. 13 Jahren. DocMorris – in der Zwischenzeit Eigentum eines deutsch-schweizerischen Konsortiums – drückt sich seit Jahren folgenlos um millionenschwere Strafzahlungen (und die Zur-Rose-GmbH wird auch nicht in Haftung genommen). Würde ich gegenüber dem FInanzamt eine Steuerschuld von 5.000€ nicht begleichen, ich wäre schneller meines Ladens enthoben als ich “Steuerschulden” sagen könnte…

    Wenn ich da das Vertrauen in unsere Politik verliere (und es auch nicht wiederfinde), wenn mir so Argumente wie “3% Rohertragserhöhung in 10 Jahren müssen doch nun wirklich reichen!” hingeworfen werden, möge man mir dies nicht vorwerfen.

    • #10 Joseph Kuhn
      6. März 2016

      @ gedankenknick:

      Im Blogbetrag sind Missstände in der Politik, der Pharmabranche usw. keineswegs in Abrede gestellt worden, im Gegenteil. Aber das ist nicht der Punkt, sondern es geht darum, wie Teile der Bevölkerung – in den USA wie hier bei uns – darauf reagieren und was das bedeutet. Es scheinen sich ja alte Selbstverständlichkeiten, alte Vertrauensverhältnisse, alte politische Gefolgschaften in größerem Stil aufzulösen. Was wird daraus? Sind das nur vorübergehende Verwirrungen, oder kommt da etwas Neues? Und wenn ja, was? Siehe den ersten Link im Blog zum “Werte-Beitrag” und die Fragen, die Nietzsches Narr mit der Lampe stellt.

  7. #11 Thebasile
    6. März 2016

    …was mag dabei wohl herauskommen?

    Barbarei vielleicht?

    Mich erschreckt am meisten der Wandel von Werten bei den “besseren” Leuten, den kultivierten besitzstandwahrenden Bildungsbürgern, der traditionellen Wählerschaft der christlichen Demokraten also. Der Grundschullehrerin, die AfD wählen wird, weil deutschen Kindern die Verschlechterung der schulischen Bildung durch die “Massen” von fremden Kindern nicht zugemutet werden kann. Der evangelischen Gemeinderatsvorsitzenden, die AfD wählen will, weil der Ertrag des jährlichen Basars einem Flüchtlingsheim zugute kommen soll. Der Bonzengattin und Kleinstadt-Kunstmäzenzicke, die AfD wählen will, weil Kunst und Kultur nur in einem Klima von Recht und Ordnung wirklich gedeihen können. Der biodeutschen Esoterikerin, die AfD wählen will, damit die Fremden ihr Kräutergärtlein nicht zertrampeln.
    Dieses gewählt sprechende, gut gekleidete, materielle Not nicht kennende leise und fast anonym pöbelnde Pack ist genau wie damals vor dem Sieg des Nationalsozialismus in Deutschland wieder mal dabei, den Faschismus ihre geistigen, kulturellen und materiellen Besitzstände retten zu lassen. Sie tun das mit zugehaltener Nase, denn den Gestank, den eine von und zu Storch und Komplizen ausdünsten, nehmen auch sie wahr. Die sollen ja auch nur mal kurz Ordnung schaffen, dann kann man sie ja wieder abschaffen.
    Oder sich wundern, dass das millionen Tote kostet, wie beim letzten Mal.

  8. #12 Statistiker
    6. März 2016

    Der “Andere Michel” (welcher st denn der andere Andere???) und “Gedankenknick” sind ja eindeutig:

    Beide sagen: ICH habe Recht, weil ich Recht habe und Recht zu behalten habe. Ansomsten hat keiner Recht zu haben, weil nur ich Recht habe. SOOOO!!!!! RECHTHAB!!!!!!

    Irgendwie ist dies sehr einfach und einsam, um nicht zu sagen: Blöd…….

    sorry, aber eine differenzierte Debatte erübrigt sich mit solchen Leute……

  9. #13 Anderer Michael
    6. März 2016

    Statistiker.
    Bestimmt gibt es einen , der hat immer Recht. Sind das vielleicht Sie? Nach diesem inhaltsschweren Beitrag, der Ihnen gewiss sehr sehr viel viel Mühe gekostet hat, und bald zum Schatzkästlein abendländischer Geistesgröße gehören wird, dürfte jedem ,aber auch wirklich jedem, das metaphysische Verständnis der Welt klar sein. Und Sie haben noch nicht mal Wittgenstein benötigt, beeindruckend. Wie stehen Sie eigentlich zu Nietzsche und dem Heucheln von Moral ?
    Und Humor haben Sie auch noch, welch köstliches nihilistisches Wortspiel. Wandeln Sie auf den Spuren von Philip Meinhold? Naja für Hölderlin reicht es nicht ,”..Wenn dunkel mir ist der Sinn..,”
    Nicht wahr, Statistiker, Kaffee zu bereiten ist eine Kunst, die beherrscht nicht jeder?

  10. #14 Bernd Knipperdolling
    Berlin
    7. März 2016

    O-Ton Joseph Kuhn: “In allen Fällen besteht die Antwort der Wut- und Frustbürger auf das – auch durch viele in der Tat erschreckende Vorgänge gespeiste – Misstrauen gegenüber den gesellschaftlichen Institutionen nicht darin, diese reformieren zu wollen, sondern ihnen ein Phantasma entgegenzusetzen, von dem man sich die Erlösung von der eigenen misslichen Lage durch eine Art Magie verspricht.”

    Es ist diese Form von selbstgerechter und völlig Empirie-freier Überheblichkeit, die, wie ich vermute, den Anderen Michael angepestet hat. Ich teile nicht alles was er hier erzählt, aber er hat recht, darüber sauer zu sein.

    Thebasiles Kommentar ist ähnlich gelagert. Auch ich finde zwar, dass die AfD eine Bande reaktionärer K…-Ä… (Fluch zensiert) ist. Fluchen ist aber kein Argument. Auch die AfD ist eine demokratische Partei. Und die Tatsache, dass eben auch viele gut-bürgerliche gebildete Leute AfD wählen könnte man als Hinweis darauf sehen, dass diese Knalltüten vielleicht doch nicht die neuen Nazis sind und wir nur etwas zu viel Gutmenschen-Propaganda abbekommen haben.

    • #15 Joseph Kuhn
      7. März 2016

      @ Bernd Knipperdolling:

      Die Formulierung “in allen Fällen” bezieht sich auf die drei in meinem Eingangsstatement eingeführten, scheinbar unzusammenhängenden Themen, insofern ist das vermutlich ein Missverständnis. Dass die AfD eine demokratische Partei sei, dürfte zumindest in manchen Landesverbänden allerdings auch ein Missverständnis sein.

  11. #16 gedankenknick
    7. März 2016

    @Statistiker
    Nanu? Ich habe irgendwo “Ich habe Recht!” gesagt? Kommt mir selbst beim mehrmaligen Lesen meines Beitrags einfach nicht so vor, aber das mag an meinem begrenzten geistigen Horizont liegen, den man als Blödmann so hat.

    Spannender wäre es vielleicht zu fragen, ob ich befangen bin. Natürlich bin ich befangen! Also Apotheker habe ich täglich mit den Auswüchsen der aktuellen Gesundheitspolitik inclusive Protegierung der gKV zu kämpfen, und verliere jeden Tag. Auch für und mit den Patienten, die ich so betreue. Macht ja aber nix, ich merke es ja nicht ob meiner Blödheit.

    Bleibt die Frage nach Alternativen. Im meinem speziellen Fall und für mein spezielles Beispiel fallen zur inhabergeführten Apotheke 2 Alternativen ins Auge.
    A) Die verstaatlichte Apotheke. Das hatten wir im Sozialismus. Das hatte Schweden. Hatte Vor- und Nachteile. Nachteil im aktuellen Gesundheitssystem ist natürlich, dass die Null-Retax-Praxis dem Staat selber auf die Füße fallen würde. Ich bezweifel schwer, dass Herr Schäuble da begeistert wäre…
    B) Die Großkonzern-Apothekenketten, oder wie der deutsche Gesetzgeber das nennt: “Fremdbesitz”. Herr Max Müller und auch Herr Pessina arbeiten da schon sehr lange dran – letzterer aktuell in Australien. Auch hier lohnt sich ein Blick nack Schweden – die sind nach Einführung der segensbringenden Ketten nun ein paar Jahre später irgendwie scheinbar nicht mehr so zufrieden. Bloß die Zeit zurückdrehen können die Schweden jetzt nicht mehr.

    Ich zeige mich einer differenzierten Debatte übrigens sehr aufgeschlossen – nur vermisse ich auch nur irgendein stichhaltiges Argument, von meiner Blödheit mal abgesehen. Zahlt DocMorris seine aktuellen Schulden – ja oder nein? Setzt sich der deutsche Staat gegen den Inhaber von DocMorris durch – ja oder nein? Macht DocMorris seit über einem Jahrzehnt immer wieder Rechtsbrüche und Rechtsübertretungen – ja oder nein? Und was sagt unsere Politik dazu? (Ich nenne hier mal Lobeshyhmnen bei der Neueröffnung des Vertriebszentrums 1m hinter der deutsch-niederländischen Grenze; sowie die aktuelle Protegierung eines Verkaufsautomatens, der jeglichem deutschen Apothekenrecht widerspricht.)

    Und nun her mit statistisch untermauerten, differenzierten Argumenten zu genau diesem Thema (und von mir aus auch zu meiner Blödheit), über die ich gerne diskutiere.

    @Joseph Kuhn
    Die Bevölkerung RESIGNIERT. Ich erinnere mich an eine Unterschriftenaktion gegen die Einführung des Versandhandels mit Arzneimittel, es kamen 7Millionen Unterschriften zusammen – also ca. 8,6% der damaligen deutschen Gesamtbevölkerung. Frau Ulla Schmidt hat diese Bevölkerungsäußerung einfach IGNORIERT (sie hat die Unterschriftenliste aktiv nicht zur Kenntnis genommen). Fragen Sie mal ein paar alte Menschen zur Versorgung mit Inkontinenzprodukten (oder anderen Hilfsmitteln) durch die gKV. Oder zu Diskussionen zu Rabattarzneimitteln. Mit der Apotheke vor Ort wird geschimpft, wenn ich aber antworte “Sehr gut, sagen Sie bitte genau dies alles Ihrer Krankenkasse!” wird nur abgewunken und nach Hause gegangen. Eine einzelne große KK hat mir die Belieferung eines Onkologie-Patienten mit Zusatzernährung untersagt, obwohl diese eigentlich dem Arzneimittelliefervertrag unterliegt und damit gar nicht genehmigungspflichtig ist. Nach dem ich 3x im Namen des Patienten Einspruch erhoben habe (mit Angabe aller wesentlichen §§ sowohl des SGV V als auch des AmLV) hat mich die Kasse dann darauf hingewiesen, dass ich gar nicht berechtigt bin, im Namen des Patienten Einspruch zu erheben, und damit hätte sich das Problem erledigt. Hatte es sich dann auch für mich – ich resigniere nämlich auch immer mehr. Und wenn ich dann wieder einem Klinik-Arzt die 16te Änderung der Packungsgrößenverordnung zu erklären versuche, und die Unvereinbarkeit von 2 Packungen “Lyrica 75mg 56St.” auf einem Rezept, hält auch der mich – genau wie der Statstiker – einfach nur für blöd. Und dann kommt die Kasse, hält mich auch für blöd, und retaxiert mich um 191,20€, weil ich so blöd war, und tatsächlich wie verordnet 2x 56St beliefert habe… Oder im Falle einer Schachtel “Revlimid 25mg 21 St.” bin ich halt um 7.912,12€ erleichtert – von denen ich dummer Weise schon 6.447,00€ an den Hersteller bezahlt und 1.263,29 an Herrn Schäuble überwiesen habe. Ja, der Herr Statistiker hat wohl doch recht…

  12. #17 Tebasile
    7. März 2016

    @B.Knipperdolling
    Die “Knalltüten” von der NSDAP waren auch Mitglieder einer demokratischen Partei.

  13. #18 Claudia
    http//www.deutsces-kochbuch.de
    7. März 2016

    Also was da in der USA momentan los ist, ist nicht normal. Das in der USA wirklich jedermann Präsident werden kann ist ja angekommen, aber dieser Mann ist doch gefährlich. Wenn der an die Macht kommt will er am Ende noch die ganz Welt Amerikanisieren. Ich habe wirklich Angst das der Typ gewählt wird und hoffe an die Vernunft der Amerikaner diesen Menschen nicht in das Weiße Haus zu wählen.

  14. #19 Anderer Michael
    7. März 2016

    Tebasile
    “Die “Knalltüten” von der NSDAP waren auch Mitglieder einer demokratischen Partei.”
    Vom einem Unwissenden (1) zum anderen Unwissenden.
    Mal wirklich ganz ehrlich, man kann es auch übertreiben, sich als ….. darzustellen. Sie wollen mir doch nicht den Rang streitig machen? Ach ja, die 68 sind vorbei, nur wegen der Bonzengattin. Aber eines bedauere ich, das Prinzip der Herrschaftkritik(2) ist leider auch in Vergessenheit geraten, schade!

    1. Ich wusste nicht, wer Tatjana Festerling ist, ich bin nun auch kein Pegidamitglied
    2. Führt noch ein folkloristisches Schattendasein im Umfeld von Projektwerkstatt usw.

  15. #20 Claudia
    http//www.deutsches-kochbuch.de
    7. März 2016

    Trump mit der NSDAP , PEGIDA und AfD zu vergleichen finde ich nicht in Ordnung

  16. #21 Bernd Knipperdolling
    7. März 2016

    Nach dieser Logik wäre ich auch ein Nazi. Ich mag nämlich die 4. von Bruckner. Hitler mochte auch die 4. von Bruckner. Also bin ich ein Nazi wie Hitler.

    Oder gibt es inhaltliche Gründe, die AfD als ähnlich gefährlich wie die NSDAP einzuschätzen?

  17. #22 Bernd Knipperdolling
    7. März 2016

    … mein letzter Beitrag war @tebasile (sorry hab’s beim posten vermurkst)

  18. #23 Earonn
    7. März 2016

    Ich versuche mal zart, auf das Thema zurückzukommen…

    Den Gedanken, dass PEGIDA die Homöopathie der Politik ist (salopp ausgedrückt), finde ich ebenso faszinierend wie einleuchtend.

    Also kann uns vielleicht der Gang der Homöopathie auch einen Hinweis geben, wie es politisch weitergeht? Das wäre ja eine optimistische Sicht: denn wenn es auch genug Leute gibt, die sich oder sogar anderen mit Zuckerkügelchen schaden, hat es sich auf breiter Front nicht durchgesetzt: beim gebrochenen Bein gehen die Menschen in der Regel dann doch ins Krankenhaus.
    Entsprechend könnte man das Schielen nach rechts mit einem “man kann’s ja mal probieren” vergleichen, das aufgegeben wird, wenn die Krankheit zu ernst wird.
    Hoffen wir’s. Denn ziemlich ernst finde ich den Zustand Deutschlands bereits jetzt.

    @Anderer Michael
    Wenn Sie “rant” nachgeschaut haben, wieso ist Ihnen dann nicht klar, ob das Wort aus dem Englischen stammt?
    Im Übrigen sind viele Worte unserer Alltagssprache im “Deutschen” nicht bekannt.
    Und wenn Rotherham beweist, wie schlimm Flüchtlinge sind, weil Behördenmitarbeiter untätig blieben, beweist die Tatenlosigkeit der insb. sächsischen Behörden bei Terror von Rechts auf dem selben logischen Wege die Gefährlichkeit aller Deutschen.

  19. #24 klauszwingenberger
    7. März 2016

    Was mag wohl dabei herauskommen?

    Erst einmal ganz einfach: eine Umorganisierung des Parteiensystems. Ich mag AfD und Pegida samt ihrer Klone noch – noch! – nicht gleichsetzen, aber die Richtung der Reise ist doch klar. Erst hat die Clique um Petry den Gründer der Partei rechtsüberholt und herausgemobbt, jetzt droht sie selbst von den Störchen und anderen Vögeln rechtsüberholt zu werden. Was bleibt ihr als Ausdruck der Selbsterhaltung anderes übrig, als auf der rechten Flanke selbst dichtzumachen? Irgendwann ist das die Sammlungsbewegung der beliebig-undogmatischen Rechten.

    Und dann haben wir das, was die anderen auch haben – unsere Variante von FN, FPÖ, Vlaams Belang und wie sie alle heißen: eine rechtsnationale politische Bewegung in einer autonomen Organisationsform; eine Sammlung solcher Kräfte, die früher unter der Decke eines abgesteckten Volksparteiensystems verborgen blieben und dort bei fast allen quasi unter falscher Flagge segelten. Die sind nur jetzt offen dort angekommen, wo sie sich früher nicht hin trauten. Der Unterschied liegt in der politischen Reichweite: früher gingen ihre Gesinnungen in den Parteiprogrammen unter, jetzt machen sie ihr eigenes.

    Mittelfristig wird man sich mit einem Wählerpotential von 12 bis etwa 20 v.H. einrichten müssen, je nach politischer Wetterlage. Geht’s uns gut, dann etwas am unteren Rand, droht Krise, dann etwas am oberen. Das ist das stabile Potential, dem es zu widerstehen gilt. Wie bei den anderen ringsum auch. Immerhin gibt es jetzt keinen Grund mehr, schadenfroh auf Frankreich zu deuten, die dieses Reservoir einigermaßen stabil seit gut zwanzig Jahren mit sich herumschleppen.

    Die alten etablierten Parteien könnten, wenn sie wollten, auf diese Weise einen purgatorischen Efekt erfahren. Die verdeckten Rechten, die sie in ihren Gefolgschaften mitschleppten und über deren Vorhandensein im Stillen sich eigentlich alle im Klaren waren, sind damit offengelegt. Man kann sie an den Wählerwanderungen präzise ablesen, und die Lebenslügen haben ein Ende.

  20. #25 Anderer Michael
    7. März 2016

    Guten Morgen Earonn,
    Danke, dass Sie mich daran erinnern, dass wir uns in der Postmoderne befinden.
    Sagen Sie, gab es Erbsensuppe zu Mittag? Kann unangenehm sein, nicht wahr, so unter uns gesprochen. Meine kurdischen Nachbarn empfehlen, ein Glas kaltes Wasser zu trinken.
    Ach ja, Ihre Analogien und Ihr Kräutergärtlein und Ihr Leseverständnis . Über die Stöckchen springe ich nicht (1). Da trinke ich lieber guten wohlschmeckenden Kaffee.

    1. Vielleicht schon ein klein wenig, um nicht als unkooperativ zu gelten. Meraner Mundart Rant =Jux, Spaß – Saarland = Stoß- im Nordfriesischen, Westfälischen, Rheinischen usw
    Sie wissen, was ein Oachkatzlschwoaf ist ?. Richtig, nichts schlimmes.

  21. […] gefälschte Frisur von Donald Trump und die homöopathische Vernunft, Gesundheits-Check am 5. März […]

  22. #27 lindita
    7. März 2016

    “In allen Fällen besteht die Antwort der Wut- und Frustbürger auf das – auch durch viele in der Tat erschreckende Vorgänge gespeiste – Misstrauen gegenüber den gesellschaftlichen Institutionen nicht darin, diese reformieren zu wollen, sondern ihnen ein Phantasma entgegenzusetzen, von dem man sich die Erlösung von der eigenen misslichen Lage durch eine Art Magie verspricht.”

    Tja, beim Arabischen Frühling oder MAidan-Revolution hat man sich diese Fragen nicht gestellt. Die realen Alternativen gab es auch nicht. Es sollte anscheinend auch auf eine magische Art und Weise alles besser werden. Da sind die Russen schlauer. Seriöse Putinkritiker sehen keine richtige Alternative zu Putin und versuchen das Volk nicht mit “alles wird besser, wenn erst mal Putin weg ist” zu provozieren.

    Bitte, Deutschland soll es auf dem eigenen Leib erfahren – die Magie, die Es selbst überall verspricht und anfeuert.

    Der Westen ist seit langem in Stagnation. Die Anderen Länder haben wenigsten die westlichen Verhältnisse als Ziel, der Westen hat keine eigenen Träume und Ideen, deshalb versucht “er” ständig sich in die Angelegenheiten der Anderen einzumischen.

    Wir im Westen sind wie lebende Leichen. Trump und PEGIDA ist wie eine psychische Krankheit, bei der man durch Selbstzerstückelung mal wieder was spüren will.

    Was jetzt mit der EU passieret, ist abstossend ( da hat man sich aufeinander homöopatisch eingelassen, höchstens eine Placebo-EU). Wer noch nach diesem “Vorbild” strebt, hat nicht mehr alle Schranken in der Tasse.

    Es müssen neue Ideen her. Und warum muss erst zerstört werden, um Neues zu schaffen? Weil in unserer Weltordung keinen selbstverständlichen, kontrolierten Platz für Dynamik/Chaos gibt. Warum kann ein Trump nicht ausprobiert werden? Gab es eine andere Möglichkeit für PEGIDA, mit der sich die Menschen rational auseinander setzen könnten? Ausprobieren?

    Feuer verbrennt. Wasser ertrinkt.

    Ich denke, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Fehler gemacht, alles verboten, was Rechts bzw Links ( ich sehe schon Vieles ziemlich Links) ist, anstatt zu lernen damit umgehen zu können, sich zu immunisieren. Und endlich mal neue Weltgeschichten schreiben und nicht ständig im Kreis rumlaufen.

  23. #28 Anderer Michael
    7. März 2016

    Herr Kuhn, ich bin etwas ratlos.
    Was sind unsere Werte. Ich nahm an, die Menschenrechte und so wie ich es glaube, zu verstehen, sind Sie der gleichen Auffassung. Inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher nach den Diskussionen hier im Blog. Sind unsere Werte nicht doch beliebig, dem Zeitgeist unterworfen? Zufällig leben wir zum Glück in einer Zeit, in der die Menschenrechte aus der Erfahrung von zwei Weltkriegen im Westen eine bedeutende Rolle spielen und wir profitieren mit einer persönlichen Freiheit, die vor wenigen Generationen bei uns undenkbar gewesen ist. Und heute in theokratischen /totalitären Gesellschaften immer noch undenkbar erscheint.

    Jetzt schreiben Sie, in der Gesellschaft läuft was falsch. Wer nun nicht Ihren Weg geht, das Problem zu lösen, der ist verkehrt. Etwas einfach gesagt. Selbst was verkehrt läuft, darf nur im postmodernen Neusprech formuliert werden,neuerdings mit Umkehrung der Opfer (grundsätzlich tatsächliche oder selbsternannte Minderheiten) und Täterrolle. Josse Joffe sagte zu Neusprech:”Postmodern (PM), ganz grob, ist die Verneinung objektiver Wahrheiten und die Verweigerung von Werturteilen”. Sie klagen, es gebe zu wenig abwägende Vernunft. Sicherlich richtig.
    Aber wägen wir doch mal vernünftig ab und fragen uns, ist es vernünftig sozial Unterpriviligierte aus Südosteuropa bei uns den Status von Asylbewerbern zu geben? Wenn ja, warum?
    Ist es Zeichen von abwägender Vernunft ,wenn Kriminelle im jugendlichen Alter aus Nordafrika oder Drogendealer aus Afrika machen können,was sie wollen?
    Ist es ein Zeichen abwägender Vernunft, wenn der Dialog mit dem Islam darin besteht, vor seinem islamistischen Strömungen zurückzuweichen?
    Ist es ein Zeichen abwägender Vernunft, wenn Kamel Daoud in der Le Monde schreibt: “Cologne, lieu de fantasmes …Le rapport à la femme est le nœud gordien, le second dans le monde d’Allah. La femme est niée, refusée, tuée, voilée, enfermée ou possédée….. Retour à la question de fond : Cologne est-il le signe qu’il faut fermer les portes ou fermer les yeux ? Ni l’une ni l’autre solution.”
    Ist es ein Zeichen abwägender Vernunft,wenn die Antwort folgt dergestalt wie in dem Artikel der Le Monde:Nuit de Cologne : « Kamel Daoud recycle les clichés orientalistes les plus éculés » Zusammengefasst der Überbringer der Nachricht ist der Böse. Seine Antwort darauf kann man im Le Quotidien D`Oran nachlesen .

    Wer ist der Narr? Nietzsche´s Troll, Sie Herr Kuhn oder ich? Meine Person, der ich diese Fragen stelle, aber nicht gleichzeitig in das Neusprechgeheul verfalle. Der Narr, der Tatjana Festerling nicht kennt. Der Narr, der nicht versteht, warum die Wahrheit eines Philip Meinhold die unumstößliche Wahrheit sein muss.
    Sie sind bestimmt nicht der Narr, Herr Kuhn, denn Sie wissen die Wahrheit und kennen die abwägende Vernunft und deswegen sind Sie in der erleuchteten Gemeinschaft derer, die die Wahrheit sehen, die sich nichts mehr erzählen lassen und sich in Internetforen gegenseitig in ihrem Misstrauen gegenüber politisch Andersdenkenden bestärken, mit so aufgeklärten Argumenten wie Blöd,Knalltüten usw.
    Sie fragen, was wird aus der neuen Situation? Bestimmt kein Zeitalter abwägender Vernunft und deshalb üben wir schon alle fleißig.

    • #29 Joseph Kuhn
      7. März 2016

      @ Anderer Michael:

      “Was sind unsere Werte … Menschenrechte … sind Sie der gleichen Auffassung”

      Ja, ich denke, die Menschenrechte kann man mit guten Gründen verteidigen und und insbesondere gegen die Menschenwürde fällt mir kein (gutes) Argument ein.

      “Sind unsere Werte nicht doch beliebig, dem Zeitgeist unterworfen?”

      Unsere Sitten und Gebräuche sind es sicher, daher müssen sie von Zeit zu Zeit (oder da und dort) hinterfragt werden. Dass die Frau dem Mann untertan sein soll, wird man z.B. in aufgeklärten Kreisen heute nicht mehr als Wert vertreten wollen, sondern sieht es als früher einmal für eine patriarchal geprägte Wirtschaftsordnung funktionale Norm, die aber nicht zur Gleichheit von Mann und Frau als einer Konkretisierung der Menschenwürde passt. Sobald man in einer solchen Weise die historische Relativität bestimmter Werte erkennen kann, werden sie fraglich, werden sie aufgegeben, variiert, oder brauchen neue, erst einmal wieder zeitlos erscheinende (oder weniger historisch gebundene) tragfähigere Begründungen. Die Menschenwürde steht von Pico della Mirandola bis heute auf dem Boden guter (auch immer wieder erneuerter) Gründe, das Untertansein der Frau hat den Boden guter Gründe unter den Füßen verloren.

      “Wer nun nicht Ihren Weg geht, das Problem zu lösen, der ist verkehrt.”

      Wo habe ich a) einen Weg vorgegeben? b) wenn Leute diesen Weg nicht gehen, dies als “verkehrt” bezeichnet?

      “ist es vernünftig sozial Unterpriviligierte aus Südosteuropa bei uns den Status von Asylbewerbern zu geben?”

      Der Asylstatus ist nicht an den Sozialstatus gebunden, sondern zuerst daran, ob jemand verfolgt ist und dann daran, ob, wie bei jeder Hilfe, die Hilfe geleistet werden kann. Liechtenstein könnte sicher keine Million Flüchtlinge aufnehmen, auch wenn sie alle nachweisbar verfolgt wären.

      “Wer ist der Narr?”

      Der Narr mit der Lampe ist jedenfalls kein Troll. Er stellt eine Frage, die uns zurzeit auf den Nägeln brennt. Aber man versteht ihn nicht, das sagt Nietzsche ja.

      “Sie wissen die Wahrheit … Blöd,Knalltüten”

      Sonntag morgens gewiss. Ihre Polemik war schon besser. Mir ist auch nicht erinnerlich, dass ich Sie irgendwo als “blöd” oder “Knalltüte” bezeichnet hätte.

  24. #30 Withold Ch.
    8. März 2016

    Auf SPON ein lesenswerter Artikel von J. Augstein:


    Erfolg der AfD: Die verwundete Demokratie

    Dieser Text öffnet zumindest den Blick, finde ich.

  25. #31 Bernd Knipperdolling
    Berlin
    8. März 2016

    @ Joseph Kuhn (Kommentar #15):

    Einverstanden. Aber auch wenn wir uns auf Ihre drei Themen beschränken: Werte-Relativierer haben im Zweifel einfach andere Werte als Sie und ich. Polit-Paranoiker mögen zwar einer Phantasmagorie hinsichtlich ihrer Einschätzung der Realität aufsitzen, ob das auch für ihre Lösungsvorschläge gilt ist damit aber nicht gesagt. Homöopathie-Anhänger unterschätzen im Zweifel nur den Placebo-Effekt, weil sie nicht genug von Statistik verstehen. Und dafür Trump cool zu finden gibt es viele Gründe, manche gut und viele sicher nicht so gut. Dass er offen sagt, dass er den Islam scheiße findet, finde ich völlig ok, sofern er damit die gesellschaftliche Ideologie des Islam meint. Sachlich, abwägend und ohne Flüche würde ich fundamentale Islamkritik gerne viel öfter hören. Deshalb alle Muslime ausweisen zu wollen, ist natürlich völlig indiskutabel, die einzelnen Menschen können ja nix dafür, in diese Kultur hineingeboren zu werden. Es kommt also sehr darauf an, um welches Statement von Trump es gerade geht, wenn man die Leute bewerten will, die ihm zustimmen. Den Beweis, dass die genannten Leute alle verblendet sind, den bleiben Sie noch schuldig.

    Und was die AfD angeht, damit die den demokratischen Konsens verlassen muss schon mehr passieren als zum Beispiel das rassistische Gebrabbel von Björn Höcke. Ob das Fortpflanzungsverhalten von Afrikanern was mit den Genen zu tun hat lässt sich sowieso weder be- noch widerlegen. Eine rote Linie wäre überschritten, wenn sie deshalb etwa Zwangs-Sterilisationen fordern würden. Machen sie aber nicht.

  26. #32 rolak
    8. März 2016

    Um mal wieder auf den ersten Teil des Titels zurückzukommen: Donalds PerückenPlantage.

  27. #33 Thebasile
    9. März 2016

    @ Anderer Michael (19) und B.Knipperdolling (21)
    Ich finde die NSDAP vor dem demokratischen Wahlsieg und die AfD in ihrem heutigen Zustand sind sich ähnlich. Und ich traue der AfD nach einem demokratischen Wahlsieg zu, sich genauso zu entfalten, wie damals die NSDAP.
    Wenn Sie da wesentliche Unterschiede sehen, sagen Sie mir doch welche das Eurer Meinung nach sind.

  28. #34 Rheinblick
    Koblenz
    9. März 2016

    @ Thebasile
    Sie stellen eine Behauptung auf ” ich finde die NSDAP vor dem demokratischen Wahlsieg und die AFD in ihrem heutigen Zustand sind sich ähnlich”
    Wenn Sie eine solche Behauptung aufstellen, haben Sie doch sicher auch empirische Belege dafür. Welche?

  29. #35 Rolf Wagels
    Neustadt
    9. März 2016

    Lieber Herr Kuhn,
    genau da sehe ich seit Jahren das Problem: Wir kündigen den gesellschaftlichen Konsens darüber auf, wie wir Wissen erwerben, wie wir Fakten rausfinden und was Fakt ist. “Früher” haben wir auf der Basis des Wissens und der Fakten darüber gestritten was daraus folgt. Das geschah im demokratischen Konsens, trotz allen erbitterten Streits zwischen Politikern. Heute streiten wir darüber, was Fakten sind, wie Wissen erworben wird. Es gibt immer mehr Menschen, die an Chemtrails, Verschörungen etc. glauben, da ist mit Fakten und Wissen nichts mehr zu holen. Und das eint die Homöopathiefreunde, Verschörungstheoretiker, Kopp Verlag Leser und AfDler. Kein beruhigender Gedanke!

  30. #36 Bernd Knipperdolling
    Berlin
    9. März 2016

    @Thebasile (#33)

    Davon abgesehen, dass Sie eine Umkehrung der Beweislast fordern, ist das wirklich nötig?? Also gut, das Parteiprogramm der NSDAP, seit 1920 unverändert, findet sich hier: Programm.

    Nur ein paar Beispiele: Punkt 1 fordert die Wiederherstellung eines Großdeutschland, soweit ich weiß sollte das auch Österreich beinhalten. Punkt 3 fordert Kolonien zur Ansiedlung Deutscher und zur Ernährung des Volkes. Punkt 4 legt fest, dass Juden keine Deutschen Staatsbürger sein dürfen und (Punkt 5) nicht die gleichen Rechte haben sollen wie Staatsbürger Deutschen Blutes. Alle nach 1914 eingewanderten Juden sollen ausgewiesen werden.

    Hier das Programm der AfD. Punkt 4 fordert die Reform des Asylrechts so dass der Staat Art und Ausmaß der Zuwanderung kontrollieren kann. Ausgewiesen werden sollen Ausländer, wenn sie schwere Straftaten begehen. Ich zumindest habe damit kein Problem.

    Bei der NSDAP konnte man rechtzeitig wissen, dass deren Programm grob verharmlosend war, siehe Hetzreden (das heißt nicht nur allgemeines völkisches Gebrabbel wie von Höcke, sondern Worte wie “vernichten”, “Abschaum”, etc), SA-Schlägertrupps und Hitlers “mein Kampf”. Nichts dergleichen bei der AfD. Und bevor jetzt jemand mit SA=Pegida um die Ecke kommt, die SA war eine der NSDAP direkt unterstellte paramilitärische Kampfgruppe, während es keinerlei organisatorische Verbindungen zwischen AfD und Pegida gibt.

    Man muss wirklich nicht mit der komplett realitätsfremden Nazikeule kommen, um jede Menge Gründe zu finden, die AfD nicht zu wählen: Keine Schwulenehe, Leugnung des Klimawandels, reaktionäres Familienbild, Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht, Beschränkung der Politik auf nationale Interessen und und und. Wenn man unbedingt vergleichen will, dann ist das eher CSU von vor 15 Jahren. Hätte ich auch nie gewählt.

    Der Vergleich von AfD und NSDAP beinhaltet dagegen vor allem eine gigantische Verharmlosung der Leute, die ein finsterstes Repressionsregime geführt, einen Krieg mit 50 Millionen Toten angefangen, den halben Kontinent in Schutt und Asche gelegt und nebenbei noch den ersten bürokratisch und industriell organisierten Genozid in der Geschichte der Menschheit hingelegt haben.

  31. #37 Anderer Michael
    9. März 2016

    Herr Kuhn
    “Die Menschenwürde steht von Pico della Mirandola bis heute auf dem Boden guter (auch immer wieder erneuerter) Gründe, ”
    Pico della Mirandola habe ich gelesen, sofern nicht überlesen, geht er nicht auf die Menschenwürde speziell ein, sondern lässt Gott eine fiktive Rede an Adam halten, in der er die Einzigartigkeit und Selbstbestimmung des Menschen betont, was so gesehen schon neu für diese Zeit war, angesichts von Erbsünde, Unvollkommenheit des Menschen usw.
    “Dir, Adam habe ich
    keinen bestimmten Ort, kein eigenes Aussehen und
    keinen besonderen Vorzug verliehen, damit du den
    Ort, das Aussehen und die Vorzüge, die du dir
    wünschest, nach eigenem Beschluss und Ratschlag
    dir erwirbst. Die begrenzte Natur der anderen ist in
    Gesetzen enthalten, die ich vorgeschrieben habe.
    Von keinen Schranken eingeengt sollst du deine
    eigene Natur selbst bestimmen nach deinem Willen,
    dessen Macht ich dir überlassen habe. Ich stellte dich
    in die Mitte der Welt, damit du von dort aus alles,
    was ringsum ist, besser überschaust. Ich erschuf dich
    weder himmlisch noch irdisch, weder sterblich noch
    unsterblich, damit du als dein eigener, gleichsam
    freier, unumschränkter Baumeister dich selbst in der
    von dir gewählten Form aufbaust und gestaltest. Du
    kannst nach unten in den Tierwesen entarten; du
    kannst nach oben, deinem eigenen Willen folgend, im
    Göttlichen neu erstehen.”
    Es ist mir bekannt, dass die Menschenwürde religiös begründet wird, aber eigentlich nicht haltbar. Und keck gefragt: Von welchem Gott?
    Der Beitrag von Stöcker “Herausforderungen für Menschenbild und Menschenwürde durch neuere Entwicklungen der Medizintechnik“ lässt viele Fragen offen. Juristisch sei Menschenwürde nicht beschreibbar, viele Konzepte seien nicht schlüssig genug, er spricht von einem “Recht auf prinzipielle Würdigkeit” und verweist auf Niklas Luhmann.
    Zitat: “In seinem Buch Grundrechte als Institution versucht Luhmann, die Grundrechte, zu denen er auch die Menschenwürde zählt, aus ihrer Funktion für die moderne Gesellschaft zu erklären. Entgegen der verbreiteten Ansicht, dass diese Rechte dem Schutz des Einzelnen vor dem Staat dienten, sind sie Luhmann zufolge gerade ein wesentlicher Bestandteil dieser staatlichen Gesellschaftsorganisation. Moderne Gesellschaften sind dadurch charakterisiert, dass jeder Mensch in eine ganze Vielfalt wechselnder sozialer Rollen eingespannt ist. Damit dieses System aber funktionieren könne, müsse der Einzelne über diese Rollen hinaus eine Identität als Individuum aufbauen, eine eigene Persönlichkeit, die er durch die verschiedenen Rollen hindurch beibehält und die seinen individuellen Kern, sein Selbst ausmacht.”
    Am Ende gibt es eine längere Literaturliste.
    Ich verstehe das so, dass in der Philosophie Menschenwürde auch nicht eindeutig fassbar ist.

    Im Prinzip einfach und nachvollziehbar ist eine Möglichkeit, die Stöcker erwähnt ohne diese zu vertreten:” …Das ist der Ausgangspunkt vieler Vorschläge, die Menschenwürde entweder selbst als ein Recht zu konzipieren, zum Beispiel als das Recht auf Menschenrechte, oder als eine Art Oberbegriff für die Menschenrechte…” Aber dann gibt es schon wieder ein Definitionproblem. Da denke ich an den Kommentar von Alisier 16 bei Sonntagswerten, der (die?)dazu bemerkte, es gäbe sehr viele Definitionen von Gerechtigkeit und Freiheit.
    Ich sehe es nicht als falsch an ,was Sie geschrieben haben. Im Gegenteil, zum Verständnis hat es mir sehr geholfen. Nur Definitionsprobleme gibt es, in anderen Teilen der Welt sieht man es anders. Mit welchen Argumenten wollen wir diesen entgegentreten?
    Bleibt als einziges Argument nur: Wir haben recht und ihr nicht!?

  32. #38 Schmidts Katze
    9. März 2016

    Nur Definitionsprobleme gibt es, in anderen Teilen der Welt sieht man es anders. Mit welchen Argumenten wollen wir diesen entgegentreten?
    Bleibt als einziges Argument nur: Wir haben recht und ihr nicht!?

    Warum willst du denn jemanden entgegentreten, Anderer Michael?

    Du hast es oben doch selbst zitiert:
    “Von keinen Schranken eingeengt sollst du deine
    eigene Natur selbst bestimmen nach deinem Willen, dessen Macht ich dir überlassen habe.”
    Das kannst du für dich umsetzen, und du kannst anderen nicht im Wege stehen, das selbe zu tun.
    Aber wer das will, der kann eben auch “nach unten in den Tierwesen entarten”, das ist auch eine Möglichkeit, die eigene Natur selbst zu bestimmen.
    Das kannst du falsch finden, aber das wirst du nicht ändern können.

  33. #39 Joseph Kuhn
    9. März 2016

    @ Anderer Michael:

    “sofern nicht überlesen, geht er nicht auf die Menschenwürde speziell ein, sondern lässt Gott eine fiktive Rede an Adam halten, in der er die Einzigartigkeit und Selbstbestimmung des Menschen betont”

    Dieses Argument verstehe ich nicht. Sie zitieren aus einem Werk mit dem Titel “De hominis dignitate – Über die Würde des Menschen”, und zitieren daraus eine Passage, die eben jene Würde anspricht, indem der Mensch als dem Wesen nach frei bestimmt wird. Von da bis zu Kants Selbstzweckformel als dem bis heute und bis ins Grundgesetz wirkenden Verständnis der Menschenwürde ist es ein geistiger Katzensprung.

    Und wenn Sie meinen, mit alldem sei man auch nicht weiter als dass die einen eben sagen, Kant hat recht und die anderen, Frau Festerling hat recht, oder dass die antikantische Formel “du bist nichts, dein Volk ist alles” genauso viele gute Gründe auf ihrer Seite hat wie Kant (oder Pico), dann sollten Sie sich die Zeit sparen, Pico zu lesen und mir die Zeit, solche Antworten schreiben zu müssen.

  34. #40 Anderer Michael
    10. März 2016

    Schmidts Katze
    Zu Ihrer Frage
    “Warum willst du denn jemanden entgegentreten, Anderer Michael?”
    Antwort, Zitat Herr Kuhn bei 7
    “Die Werte einer liberalen Zivilgesellschaft gilt es nicht nur gegen religiöse Fanatiker mit Bärten in weißen Frauenkleidern oder schwarz vermummte selbstgerechte Autonome in Kreuzberg zu verteidigen, sondern auch gegen Hetzer mit psychopathischem Einschlag wie Frau Festerling – wie gesagt, der Frontfrau von PEGIDA, keiner beliebigen Spinnerin im Internet. ”
    Dem gibt es meinerseits nichts hinzufügen.

  35. #41 Anderer Michael
    16. März 2016

    Herr Kuhn
    Das Thema Menschenwürde und Werte interessiert mich wohl. Es wurde mehrfach bereits thematisiert.Ausgehend von einem Kommentar Dr.
    Webbaer´s zur Menschenwürde, begann ich nachzulesen und war überrascht, welche Definitionsprobleme und Herleitungs/Begründungsschwierigkeiten es gibt (ohne es hier umfangreich darzulegen, Sie haben dort eh die höhere Kompetenz).
    Das gleiche zu Pico della Mirandola. Bei allem Respekt, die von Ihnen angeführte Interpretation ist keineswegs allgemeingültig.
    Das fängt mit seiner Person an, die Einordnung geht vom Katholiken bis zum Agnostiker.
    Dann zu dem besagten Werk.
    Ein Zitat: “….
    Die unter dem Titel Über die Würde des Menschen
    später berühmt gewordene Rede hat ihr
    Verfasser, Giovanni Pico della Mirandola, weder gehalten noch in Schriftform veröffentlicht.
    Für ihre Drucklegung innerhalb der von ihm vorbereiteten Gesamtausgabe der Werke Giovanni
    Picos sorgte zehn Jahre nach der Niederschrift durch den Autor dessen Neffe Gian Francesco
    Pico, der sie im Nachlass seines Onkels gefunden hatte.
    …….
    Einen eigenen Titel hatte die Rede ursprünglich nicht.
    In der Editio princeps (Bologna:
    Benedictus Hector, 1496) wird sie schlicht mit
    Oratio überschrieben, in der Inhaltsübersicht zu
    Beginn des Sammelbandes der Opera
    , der sie enthält, wird sie als „Oratio quedam
    elegantissima“ bezeichnet, ebenso als „oratio elegantissima” in dem Vorwort, welches Gian
    Francesco Pico der Rede im Druck unmittelbar voranstellte.
    In einem nicht datierten, etwa vier
    Jahre nach ihrer Veröffentlichung verfassten Brief an Lilio Giraldi spricht er von ihr als einer
    „unica oratio“. Und doch lässt sich der Titel
    De hominis dignitate , unter dem sie bekannt
    geworden ist, bereits auf die Editio princeps zurückführen. In einer gedruckten Marginalie zu
    Beginn des Textes’ findet sich das Stichwort „Hominis dignitas“, eine Wortverbindung, die im
    Text selbst nicht enthalten ist.”

    Ich finde es, erstaunlich ohne das dieses Wort dort so vorkommt, wird das Werk als solches bezeichnet und sogar Dissertationen darüber geschrieben.

    Und ob Pico auch wirklich, das gemeint hat, was wir herauslesen, darüber ist ebenfalls erhebliche Unstimmigkeit.
    Nur ein Zitat: “…Das Alltagsbewußtsein scheint daraus ein Verständnis abgeleitet zu haben, dem etwas Elitäres anhaftet. Es versteht unter Würde gleichsam den Charakter von Persönlichkeitswerten eines Menschen, die ihm etwa durch ein Amt oder als Würdenträger zukommen. Nur Wenige haben demnach Würde in sich verwirklicht. Die Masse der Alltagsbewußten habe es nicht. Solch exklusives Verständnis von Würde verträgt sich nicht mit unseren modernen Prinzipien, wonach jedem Menschen unabhängig seiner sozialen, ethnischen oder religiösen Herkunft gleichermaßen Würde zukommt, die laut unserem Grundgesetz, Artikel eins unantastbar ist. ..”
    Quelle: http://www.sopos.org/aufsaetze/47f04ae978b3b/1.phtml

    ZUm eigentlichen Thema:
    Eine Verknüpfung der von Ihnen aufgeführten Aspekte halte ich für nicht nachvollziehbar. Auch wenn, was Zaunbau und Homoöpathie betrifft, diese kaum Ausdruck abwägender Vernunft sind. Trump lasse ich außen vor. Ich nehme nur den Aspekt des Zaunbaus. Meine Meinung dazu habe ich fixiert. Nicht Deutschland baut Zäune, sondern Südosteuropa. Polen und Slowakei wollen Militär zur Unterstützung bereitstellen. Schuld in den Augen dieser Länder ist Deutschland, der ” moralische Imperialismus” von dem Orban sprach. Diese Wertung ist dort unumstritten. Und war es wirklich abwägend vernünftig, erst zu blockieren (was Flüchtlinge betrifft), dann vollkommen unreflektiert die Grenzen zu öffnen und jeden kritiklos hineinzulassen. Und mal ehrlich, Kritik daran wurde dämonisiert, willkommene Unterstützung für die AfD. Der letzte Schritt den faschistoiden Folterstaat unter Erdogan als Lösung (real wesentliche Ursache des Problems) zu sehen, darüber gibt es in Europa sehr unterschiedliche Auffassungen, zu dem was unsere Kanzlerin sagt.
    Also erst war die Unvernunft Deutschlands und dann sahen sich durch diese andauernde Unvernunft die anderen Ländern zu ihren Schritten genötigt.
    Und wie vernünftig ist denn dieses. Zu sagen, die Zahl der Flüchtlinge müsse verringert werden, und wenn es die europäischen Partner machen, auch nicht einverstanden sein. Was will die Regierung eigentlich ?
    Und haben Sie sich schon mal überlegt, wie gut zur Zeit auch in Deutschland an Flüchtlingen verdient wird ?
    Wer hat das thematisiert?. Der Finanzminister Söder in Bayern. Als die Kirchen in Bayern wegen der Flüchtlinge mehr Geld wollten, rechnete er ihnen den bisherigen Verdienst vor. War sehr schnell aus der medialen Öffentlichkeit verschwunden, warum?

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