Meldung der Ärztezeitung:

Die Masern sind wieder in Berlin ausgebrochen. “Derzeit wird circa ein Fall pro Tag gemeldet”, sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Infektionsschutz beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), Dirk Werber. Bisher infizierten sich demnach in diesem Jahr 48 Menschen, davon mehr als 40 seit April. Zum Großteil sind Erwachsene ohne Impfschutz betroffen; einige mussten in einer Klinik behandelt werden. In Berlin gab es bereits in den Vorjahren mehrere größere Masernausbrüche. Zuletzt erkrankten von Ende 2014 bis Mitte 2015 rund 1360 Menschen, ein Kleinkind starb. (dpa)

Die Masern haben nur den Menschen als Reservoir, man kann sie im Prinzip wie die Pocken ausrotten. Ursprünglich sollten die Masern bis 2010 ausgerottet sein, dann bis 2015, jetzt ist 2020 das Ziel.

Kommentare (14)

  1. #1 rolak
    2. Juni 2016

    bis 2010 ausgerottet

    Das war ja auch deutlich zu optimistisch, genau wie die anderen Daten.

    Denn offensichtlich muß zuvor die Dummheit bis auf vernachlässigbare Reste ausgerottet werden – und an der Aufgabe wird schon derart vielen Jahren gearbeitet…

    Oder die Bewertung des Risikos muß sich ändern – denn ebenso offensichtlich reicht sie bisher anscheinend nicht, um wie dunnemals bei den Pocken zur Brachial-Lösung zu greifen.

  2. #2 sepp bradl
    2. Juni 2016

    So lange Leute wie Stefan Lanka und Konsorten wegen irgendwelcher Formalfehler vor Gericht Recht bekommen oder Esoterikkritiker wegen Nebensächlichkeiten in Grund und Boden geklagt werden (http://www.nichtmundtot.org/) und die Aluhutträger diese Urteile dann in ihrem Sinne uminterpretieren dürfen, wird sich daran leider wenig ändern.

  3. #3 Alisier
    2. Juni 2016

    Wie wärs mit einem in Globuli verstecktem Impfstoff?
    Damit wäre die Problemgruppe blitzschnell durchgeimpft, wetten?
    Oder man könnte wenigstens das Gerücht streuen, homöopathische Globuli seien Impfstoffverseucht, um den Glauben ins Wanken zu bringen.
    Hier hilft meiner Meinung nach wirklich nur noch eine List, um das Ziel 2020 zu erreichen.

  4. #4 Anderer Michael
    2. Juni 2016

    “Wie wärs mit einem in Globuli verstecktem Impfstoff?”

    Keine schlechte Idee. In der H. gibt es so was ähnliches wie Impfung, Nosoden. Allerdings ohne Wirksamkeitsnachweis.

    Interessante Quellen:
    1.Leider muss man bezahlen. Für umsonst die Info, dass 10 % der Erwachsenen nicht daran glauben, dass Impfung gegen Masern schützen würde.

    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/411135/umfrage/gruende-fuer-die-ablehnung-einer-masernimpfung-von-erwachsenen/

    2. Ich dachte immer, es sei ein deutsches Phänomen. Irrtum.
    .http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/masern-impfung-mythen-misswirtschaft-misstrauen-1.2365909

    Deswegen kann ich mir schlecht vorstellen, dass die Masern bis 2020 ausgerottet werden ,im Gegensatz zu Pocken. Es mutet einem wie ein Treppenwitz vor, dass es gelungen ist ,die Pocken erfolgreich zu bekämpfen. Die Impfung war aufwendiger, komplizierter und mit erheblichen unerwünschten Wirkungen verbunden, also keineswegs risikoarm. In der westlichen Welt ist fehlender Impfschutz gegen Masern statistisch ein Wohlstands- und Bildungsproblem (indirekt proportional) und in der dritten Welt wahrscheinlich umgekehrt.

    Herr Kuhn
    Frage bitte. Mehrfach wurde berichtet, dass durch die Flüchtlinge Masernepidemien verursacht worden wären. Dies kann ich mir bei schlechterem Impfstatus, bei dem engen Zusammenleben in Massenquartieren zwar vorstellen . Ich habe aber in den letzten Jahren immer wieder Masernausbrüche unabhängig von Flüchtlingen/Asylbewerbern in Erinnerung. Leider habe ich nichts konkretes dazu gefunden, haben Sie Quellen dazu?

  5. #5 griesl
    3. Juni 2016

    @alisier
    “Wie wärs mit einem in Globuli verstecktem Impfstoff?
    Damit wäre die Problemgruppe blitzschnell durchgeimpft, wetten?”
    Wie wärs mit einem Impfstoff in Duschwasser ?

    ps. Ich weiss, dass die Intention eine andere war.

  6. #6 Joseph Kuhn
    3. Juni 2016

    @ Anderer Michael:

    “Ich habe aber in den letzten Jahren immer wieder Masernausbrüche unabhängig von Flüchtlingen/Asylbewerbern in Erinnerung.”

    Der Masernausbruch in Berlin letztes Jahr nahm seinen Ausgang zwar von einer Flüchtlingseinrichtung, aber das ging nur, weil er auf genügend Ungeimpfte in der Allgemeinbevölkerung stieß.

    Bei Ausbrüchen in Bayen haben oft bestimmte weltanschaulich orienierte Erziehungseinrichtungen eine unrühmliche Rolle gespielt, auch beim “berühmten” Masernausbruch in Coburg 2001. Ähnliche Fälle gibt es auch in Deutschland immer wieder, siehe z.B. den Bericht des RKI im Epidemiologischen Bulletin 33/2014 über einen Ausbruch in NRW. Wenn dann regional die Impfraten zu niedrig sind, wird die Infektionskette eben erst mal nicht mehr unterbrochen. Derzeit bestehen Impflücken bei den ganz Kleinen (es sind zu wenig Kinder entsprechend der STIKO-Empfehlung zwei mal bis zum Alter von 24 Monaten geimpft) und bei den nach 1970 geborenen Erwachsenen.

    @ Alisier:

    “Wie wärs mit einem in Globuli verstecktem Impfstoff?”

    Auch wenn’s witzig gemeint war: An der Stelle sollte man vorsichtig sein, damit nicht noch mehr irrationale Ängste geschürt werden. Schon jetzt glauben die Leute in manchen Kreisen, beim Impfen gehe es um heimliche Bevölkerungsregulation oder allein um Pharmainteressen. Wenn in der Allgemeinbevölkerung die Herdenimmunität erreicht wäre, könnte man vermutlich die unbelehrbaren Impfgegner als Trittbrettfahrer des damit erreichten Impfschutzes durchgehen lassen. Die Allgemeinbevölkerung erreicht man aber nur durch eine gute, industrieunabhängige Impfaufklärung und niedrigschwellige Impfangebote. Was Gerüchte (und tatsächlicher Missbrauch von Impfaktionen wie bei der Jagd nach Bin Laden) anrichten können, sieht man an den Widerständen gegen die Polioimpfung in Asien und Afrika.

  7. #7 Alisier
    3. Juni 2016

    Ich hatte das durchaus im Hinterkopf, und ich stimme dir ja auch zu, Joseph.
    Zweifel und Verunsicherung könnten aber manchmal im Bereich “purer Glauben” durchaus gebraucht werden.
    Der Königsweg könnte in derart verfahrenen Situationen vielleicht schon manchmal Subversion heißen.

    • #8 Joseph Kuhn
      3. Juni 2016

      “in derart verfahrenen Situationen”

      Die Situation ist eigentlich nicht “verfahren” und Untergangsrhetorik nicht angebracht. Ich habe auch Probleme mit einem zu sehr moralisierenden und sanktionsfordernden Blick auf die Impfskeptiker und Impfignoranten. Man muss die “Hausaufgaben”, von den Jan Leidel, der STIKO-Vorsitzende, im letzten Jahr sprach, erledigen, und was die Situation in Deutschland angeht, bringt uns hoffentlich die neu etablierte Nationale Lenkungsgruppe Impfen wieder ein Stück weiter. Den Rückbau des ÖGD umzukehren, damit es wieder mehr aufsuchende Informations- und Impfangebote gibt, wäre ein weiterer wichtiger Schritt.

  8. #9 Alisier
    3. Juni 2016

    Da sind und bleiben wir wahrscheinlich unterschiedlicher Meinung.
    Und ich sah und sehe viele Fortschritte. Untergehen sehe ich nichts.
    Es ist auch eine Stilfrage, und ich bin und bleibe Monty Python fan :-)

  9. #10 Alisier
    3. Juni 2016

    Oder sagen wir es noch anders:
    Wenn verschiedene Menschen das Problem sehen und darauf verschieden reagieren, verschiedene Argumentationswege beschreiten, sollte das die Chancen erhöhen ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

  10. #11 Hans
    3. Juni 2016

    @alisier, Joseph Kuhn

    Dazu hat auch Brynja Adam-Radmanic (“Wissensküche”) vor einiger Zeit gebloggt, unter dem Titel: “Wie wär’s, wenn wir erst mal damit anfangen, die Impflücken der Impf-Befürworter zu schließen?”

    http://wissenskueche.de/2015/02/masern-wie-waers-wenn-wir-erstmal-damit-anfangen-die-impfluecken-der-impf-befuerworter-zu-schliessen/

    Dem kann ich mich aus eigener Erfahrung anschließen. Ich halte sehr viel vom Impfen, war aber bis vor kurzem auch nicht gegen Masern geimpft.

    Zuerst, weil ich lange Zeit von der Masern-Impfempfehlung für die nach-70er-Jahrgänge gar nicht gehört hatte, plus die übliche Bummelei (“Das mache ich, wenn ich eh’ mal beim Arzt bin”).

    In der Arztpraxis war ich dann offenbar der erste mit diesem Anliegen, ich musste in der Praxis (keine Impfskeptiker!) erst mal Aufklärungsarbeit über die Empfehlung der STIKO leisten.

  11. #12 gedankenknick
    4. Juni 2016

    @Joseph Kuhn
    …sieht man an den Widerständen gegen die Polioimpfung in Asien und Afrika.
    Das erzählen Sie bitte mal den Betriebsarzt des örtlichen Krankenhauses. Ich zitiere den mal: “Eine Polio(auffrisch)impfung für Fachpersonal auf der Kinderstation ist NICHT notwendig, da Polio in Deutschland NICHT MEHR VORKOMMT.” Selbst ein Ausdruck des Epidemiologischen Bulletins, in dem ich den Absatz zur Impfempfehlung für Fachpersonal warngelb markiert hatte, änderte nichts an der Meinung. Ich habe meinen Familienangehörigen dann die Polio-Auffrischung nach Rücksprache über deren Hausarzt und der regulären TD-Auffrischimpfung als Vierfach-Impfstoff zukommen lassen.

    Wenn selbst Betriebsärzte, die ja (auch) im Auftrag der Berufsgenossenschaften arbeiten, dermaßen unbelehrbar sind, was will man dann von der normalen Bevölkerung erwarten? Ich habe da wenig Hoffnung, dass Masern und Polio in den nächsten 50 Jahren ausgerottet sind.

    Es sei denn, es gibt zwischendurch einen gewaltigen politischen und gesellschaftlichen Knall, und wir bekommen ein diktatorisches System. Ich halte ja nicht viel von der DDR (als gelernter DDR-Bürger), aber die Durchimpfraten waren erstaunlich. Und der Kommentar des (ex-West)-Truppenarztes wenige Jahre nach der Wende bei meiner Einberufung zur Bundeswehr war auch erstaunlich: Also einen so vollständigen Impfausweis habe ich ja noch nie gesehen..! 😉

  12. #13 griesl
    5. Juni 2016

    @Allisier #10
    Willkommen im Traumland. Hast du dich schon mal gefragt was Krankheit ist, abseits von Infektionen ?

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