Die Bürokratie war für Max Weber noch die „rationale Form der Herrschaft“, in Abgrenzung zum vormodernen, feudalen, durch persönliche Launen der Fürsten oder religiöse Traditionen geprägten Herrschaftstypus. Für unser marktwirtschaftliches Gegenwartsdenken ist Bürokratie dagegen geradezu der Inbegriff des Irrationalen, eine Parallelwelt, in der alles unflexibel und ineffizient zugeht, verkrustet, bewohnt von grauhosigen Ärmelschoner-Existenzen, die vorzugsweise Kaffee trinken und mitgebrachtes Butterbrot aus der Plastikdose verzehren, bevor sie den Bürgern das Leben schwer machen. Und das alles im Schutz der Unkündbarkeit. Beamte halt.

Dieses Gegenbild erfüllt vermutlich eine wichtige Funktion für die Ideologie der Überlegenheit der freien Wirtschaft, in der tatkräftige Unternehmer energisch zupacken, hochmotivierte Beschäftigte nächtelange an Lösungen für den Kunden tüfteln und ständig wachsenden Wohlstand schaffen. Egal, was die Medien über Dieselskandale, dubiose Bankengeschäfte oder irrwitzige Erfahrungen mit Telefonfirmen oder Autowerkstätten berichten – heute ist der Markt die rationale Form der Herrschaft. Dem steht die Bürokratie gegenüber, eine einzige Last für die ehrlich arbeitende Bevölkerung, und damit sind Politik, Staat und Verwaltung immer gleichermaßen gemeint – alles eins, Max Weber würde sich im Grabe umdrehen.

Natürlich gibt es immer wieder kuriose Geschichten aus der Bürokratie, hier einmal verstanden als öffentliche Verwaltung. Jeder kennt unverständliche Behördenschreiben, nicht nachvollziehbare Gebührenbescheide und, klar, auch Beamte, die jedes gängige Vorurteil bestätigen. So manche Stammtischparole ist aber auch Bürokratie-Mythologie. Zwei Meinungen, die ich immer wieder mal höre, seien hier kurz kommentiert.

Gerade klassisch ist die Behauptung, in der Verwaltung ginge es locker zu, weil sich niemand Gedanken um seinen Arbeitsplatz machen müsse. Schaut man sich aber einmal an, wie hoch heute der Anteil befristeter Arbeitsverträge in der öffentlichen Verwaltung ist, so liegt er mit 10,7 % über dem Durchschnitt aller Wirtschaftszweige (9,3 %). Auch andere Datenquellen, z.B. das IAB-Betriebspanel, kommen zum gleichen Befund. In manchen Bereichen der öffentlichen Verwaltung werden Neueinstellungen fast nur noch befristet vorgenommen. Der Vergleich ist nicht ganz fair, weil unbefristete Arbeitsverträge in der freien Wirtschaft nicht selten trotzdem recht unsicher sind, das ist in der öffentlichen Verwaltung in der Tat anders. Wer dort keine goldenen Löffel klaut, für den bedeutet „unbefristet“ wirklich unbefristet – wenn er denn so weit kommt.

Befristete Verträge_1

Als zweites Beispiel sei der Krankenstand in der öffentlichen Verwaltung angesprochen. Wenn ich in Vorträgen Grafiken zum Krankenstand nach Wirtschaftszweigen zeige und frage, warum die öffentliche Verwaltung einen vergleichsweise hohen Krankenstand hat, höre ich oft als erstes: wegen der Beamten. Aber die Beamten sind in solchen Krankenkassen-Statistiken gar nicht enthalten. Dort geht es um die Angestellten und Arbeiter. Der Wirtschaftszweig „Öffentliche Verwaltung, Sozialversicherung“ umfasst dabei nach der zugrunde liegenden „Klassifikation der Wirtschaftszweige“ ein breites Spektrum von Dienststellen, von Finanzämtern über Autobahnmeistereien bis zu den Feuerwehren, eine bunte Mischung also mit teilweise hohen Belastungen und keinesfalls nur „öffentlich finanzierte Schonarbeitsplätze“.

Krankenstand_Wirtschaftszweige_1

Dass sich hier auch die – für die unbefristet Beschäftigten – größere Arbeitsplatzsicherheit auswirkt, wird wohl zutreffen. Ein weiterer Grund ist das höhere Durchschnittalter der Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Ältere Beschäftigte haben in allen Branchen einen höheren Krankenstand als jüngere.

Aber trotzdem, die Beamten, die haben es doch gut, hört man oft. Das stimmt auch. Es ist ein Privileg – gegenüber anderen abhängig Beschäftigten, nicht gegenüber den wirklich Privilegierten dieser Gesellschaft -, wenn man praktisch unkündbar ist und die Pensionen deutlich höher sind als die gesetzlichen Renten. Die Fehlzeiten der Beamten, um beim Thema zu bleiben, unterscheiden sich allerdings kaum von denen der Tarifbeschäftigten. In Bayern beispielsweise liegen sie bei den unteren Gehaltsgruppen etwas darunter, in den höheren etwas darüber, wobei wiederum zu bedenken ist, dass die höhergruppierten Beamten im Schnitt etwas älter sind. Es wäre interessant, das einmal altersstandardisiert zu vergleichen.

Krankenstand_ÖD

Wie gesagt: Nicht, dass es an der öffentlichen Verwaltung und ihren Insassen nichts zu kritisieren gäbe, aber man sollte darauf achten, wo man es zu Recht tut und wo nicht.

Kommentare (38)

  1. #1 Alisier
    8. Oktober 2016

    Meine Erfahrung ist, dass sich insbesondere unter den jüngeren Beamten sehr viele finden lassen, die sich wohltuend von einigen wirklich Fehlbesetzten der alten Garde unterscheiden. Es wurde und wird immer besser.
    Wenn mir dann allerdings bei einer Dienststelle , die nur Ausländer in Anspruch nehmen, eine offene Fremdenfeindin gegenübersitzt, frage ich mich dann schon, wer sich das ausgedacht hat, respektive wer die Frau dort hinschob.
    Da blieb mir nur die Dienstaufsichtsbeschwerde, was sich andere Ausländer vermutlich meist nicht trauen.
    Wenn ich aber die Situation in Deutschland mit der in anderen mir sehr gut bekannten EU-Staaten vergleiche, dann läuft das hier erstaunlich gut.
    Max Weber wäre tatsächlich recht zufrieden, denke ich.

  2. #2 anderer Michael
    8. Oktober 2016

    Alisier
    Du bist zu bedauern. Als Ausländer mit solchen profunden Sprachkenntnissen, die weit über dem Durchschnitt der hiesigen Ureinwohner liegen, umgeben von Ausländerfeinden, so dass du zu dem typisch deutschen Instrument der Dienstaufsichtsbeschwerde greifen musstest. Der Weg zur Beschwer ist nicht mehr weit. Der Assimilierung hast du dich nicht verweigert. Gratulation, willkommen im deutschen Volk.

    Herr Kuhn
    Es gibt durchaus Beamte mit überdurchschnittlichen Privilegien. Richter als Beispiel. Die können reihenweise Fehler machen. Solange es keine böse Absicht ist, sondern Unfähigkeit oder Bequemlichkeit, hat es keine Konsequenzen. Der aktuelle Bundesjustizminister, den ich als Sportskameraden aufrichtig schätze und bewundere (1), möchte daran auch nichts ändern, so wie in vielen Bereichen seines Resorts, wenn es um Bürgerrechte gegenüber dem Staat geht. Scheinbar hängt er dem preußischen Untertanenstaat an, anders kann ich es mir nicht erklären. Für die offensichtlichen Missstände im aktuellen Betreuungsrecht sieht er auch keinen Anlass zur Reform.
    Ansonsten habe ich den Eindruck, geschenkt bekommt man im öffentlichen Dienst in vielen Bereichen auch nichts, es gibt dort einige Knochenjobs. An der Verwaltung kann man als Durchschnittsbürger manchmal verzweifeln, dort gebärdet man sich zuweilen als sei der Bürger ein Staatsfeind, dessen Geld unrechtmäßig sei und dem Staat oder auserwählten Partnern zustehe, desweiteren habe der Bürger grundsätzlich unrecht und zu parieren. Denken Sie an das Baurecht (2) oder die kommunalen Verordnungen (schönes Beispiel : Kanaltüv).

    1. Er hat immerhin den Fahrradpart bei einem Ironmann in Roth in einer Promimannschft übernommen. Das muss man erstmal nachmachen, die Strecke ist nicht leicht, stellenweise richtig selektiv.

    2. Im bayerischen Recht gibt es einen Verschandelungsparagraphen, so sinngemäß ” …das Empfinden eines durchschnittlich gebildeten Bürgers zugrundgelegt..”. Genauer Wortlaut gerade nicht erinnerlich.

  3. #3 ingolf
    9. Oktober 2016

    Ich habe immer meinen Schulfreund beneidet, der im öffentlichen Dienst arbeitet und freitags immer pünktlich ab 13 Uhr in das Wochenende gehen konnte.

    Das gibt es bei uns leider nicht, wenn ein Projekt in Verzug ist dann wird weitergearbeitet, egal ob krank oder nicht.

    Ja es gibt das Arbeitszeitgesetz wo u. a. festgelegt ist, dass man maximal 10 Stunden am Tag arbeiten darf, aber leider funktioniert das nur in öffentlichen Betrieben und sehr großen privaten Betrieben.

  4. #4 Karl Mistelberger
    9. Oktober 2016

    Bürokratie im weiteren Sinn gibt es natürlich auch in der Privatwirtschaft und sogar eine ganze Menge davon. Eine profunde Einführung in das Thema liefert Horst Wildemann, der sich vor langer Zeit mit der Frage beschäftigte, warum Ford in Köln 40% teurer produzierte als Toyota in Japan:

    http://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/ausstrahlung-733880.html

    In der Automobilindustrie ist das Problem durch den internationalen Wettbewerb längst gelöst. Der deutsche Beamte ist keinem solchen Wettbewerb ausgesetzt. Das Problem wird also fortbestehen, eventuell bis in alle Ewigkeit. Amen.

  5. #5 ingolf
    9. Oktober 2016

    Und wenn jetzt jemand meint, ich wäre ein Einzelfall:

    [quote]
    In Deutschland arbeiten abhängig Vollzeitbeschäftigte durchschnittlich 43,5 Stunden pro Woche, das sind knapp fünf Stunden mehr als vertraglich vereinbart. Das geht aus dem ersten „Arbeitszeitreport“ des Bundesamts für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hervor
    [/quote]

  6. #6 lindita
    9. Oktober 2016

    Meine jüngere Schwester arbeitet seit einigen Jahren in der Hartz 4 Verwaltung (in Deutschland). Sie ist keine Beamtin. Fängt um 7:30 an bis 18:00. Meist aber um 19 Uhr ist sie immer noch in Büro. Je mehr sie schafft, desto mehr Akten kriegt sie dazu. Wobei die älteren Beamten erlauben sich sehr viel (kein Stress, mehr Pausen (meist Raucherpausen) und gleichzeitig mehr Abwesenheit durch Krankheit).

    Ich finde, es ist überall so. Bei uns im Handel (Belgien) sind die alten Verträge unantastbar (solange der Angestellte keine gravierenden Verstosse macht). Ich habe schon weniger Privilegien, als die Alten, und neuen Verträge sind ja noch schlimmer.

    Ansonsten habe ich nichts gegen Bürokratie. Sie schützt die Rechte und verlangt nach Pflichten. Ich persönlich bin froh, wenn jemand anders im Büro sitzt und Papierkram macht. Privat habe ich meine Bürokratie auf Minimum beschränkt. Ausserdem soll die USA eine grössere Bürokratie haben als Deutschland (habe ich gelesen). Was für mich bedeutet, dass es in Deutschland mehr Rechtslücken geben muss (z.B was Verbraucherentschädigung angeht).

  7. #7 Tim
    9. Oktober 2016

    Ein ähnlicher und leider wesentlich wirkungsmächtigerer Mythos ist übrigens die “freie Wirtschaft”.

    Daß Protagonisten auf Märkten nach Lust und Laune machen können, was sie wollen, ist eine ebenso alberne wie mehrheitsfähige Meinung.

    Lustigerweise gelten gerade die Wirtschaftsbereiche als fiese neoliberale Schurkenmärkte, die mit Abstand am unfreiesten sind: Bankwesen, Energie, Pharma.

  8. #8 Joseph Kuhn
    9. Oktober 2016

    @ ingolf, @ Karl Mistelberger:

    Ich sehe schon, mein Wunsch im letzten Satz des Blogbeitrags geht nicht so leicht in Erfüllung, sondern der Beitrag provoziert eher Beobachtungen, dass es eben doch stimmt, was man über die Beamten, die Verwaltung, den öffentlichen Dienst so glaubt.

    “der im öffentlichen Dienst arbeitet und freitags immer pünktlich ab 13 Uhr in das Wochenende gehen konnte”

    An Projekten im Verzug wird natürlich nur in der freien Wirtschaft über die Regelarbeitszeit hinaus gearbeitet, im öffentlichen Dienst gehen alle freitags um 13 Uhr nach Hause, nach dem alten Spruch, Freitag um eins, ist alles meins.

    Mal nur auf die Beamten bezogen: In der schon oben zitierten Erhebung des Statistischen Bundesamtes liegt der Anteil der Beamten, die 40 Stunden und mehr arbeiten, bei 58 %, in der Gesamtwirtschaft bei 45 %. Gut, Statistiken sind immer mit Vorsicht zu genießen (Teilzeitquoten?), aber Bürokratie-Mythen eben auch. Denken Sie bei den Beamten z.B. daran, dass es nicht nur das Freitags um 13.00 Uhr schließende Bürgerbüro gibt, sondern z.B. auch die Polizei, die macht in der Regel Freitags um 13.00 Uhr nicht zu und schiebt bekanntlich Überstunden ohne Ende. In meinem Kollegenkreis gehen übrigens auch meist nur die Teilzeitbeschäftigten Freitags um 13.00 Uhr aus dem Büro.

    “wenn ein Projekt in Verzug ist dann wird weitergearbeitet, egal ob krank oder nicht.”

    Ja, der sog. Präsentismus ist ein Problem. Ich hoffe, Sie sind nicht stolz darauf. Auch das ist, wie verschiedene Studien immer wieder zeigen, in der öffentlichen Verwaltung nicht viel anders als im Rest der Wirtschaft. Etwa die Hälfte der Beschäftigten gibt an, in den letzten 12 Monaten schon einmal krank zur Arbeit gegangen zu sein, quer durch die Wirtschaftszweige.

    “In Deutschland arbeiten abhängig Vollzeitbeschäftigte durchschnittlich 43,5 Stunden pro Woche”

    Bei den abhängig Beschäftigten sind die Angestellten, Arbeiter und Beamten des öffentlichen Dienstes dabei. Insofern sagt das hier wenig aus.

    “Der deutsche Beamte ist keinem solchen Wettbewerb ausgesetzt.”

    Und deswegen gibt da grundsätzlich keinen Leistungsdruck? Weil es so schön anschaulich ist, hierzu nochmal der Verweis auf die Polizei. Ein lockerer Job, nur weil sie keinem Wettbewerb ausgesetzt sind?

    Dass es im öffentlichen Dienst und darunter auch im Beamtentum Inseln der glückseligen Ruhe gibt, will ich ja nicht bestreiten, egal, wie es damit in der freien Wirtschaft aussieht, aber ich würde eben gerne dazu anregen, die üblichen Bürokratie-Mythen auch mal kritisch zu hinterfragen. Es bleibt ja noch genug, was man zurecht bemängeln kann.

  9. #9 Euglena
    9. Oktober 2016

    Zum Verhältnis Befristet-Unbefristet: Wenigstens an den Unis sind die Zahlen offenbar doch viel mauer als die oben zitierten für Wirtschaft und Öffentliche Verwaltung. Nur ein gutes Drittel des wissenschaftlichen Personals ist unbefristet angestellt, dagegen über drei Viertel des nicht-wissenschaftlichen Verwaltungspersonals.
    Zitat dazu aus einem 2012er-Artikel der FAZ: “„In Deutschland kann offenbar eine international konkurrenzfähige Wissenschaft mit all ihrem Spezialwissen von lediglich 60.438 Menschen auf Dauer gesichert werden. Und für diese Wissenschaftler muss anscheinend mehr als die doppelte Zahl (nämlich 135.897) von Verwaltern auf Dauer angestellt werden.”
    (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/verbesserung-der-arbeitsbedingungen-an-unis-13354907.html)
    (Siehe auch http://www.laborjournal.de/editorials/1091.lasso)
    Hier scheint die “graue Parallelwelt der Verwaltung” folglich kein Mythos, sondern krasse Realität.

    • #10 Joseph Kuhn
      9. Oktober 2016

      @ Euglena:

      Ja, die prekäre Beschäftigungssituation im Hochschulbereich wäre noch mal ein eigenes Thema. In der Klassifikation der Wirtschaftszweige gehören Hochschulen übrigens nicht zur öffentlichen Verwaltung, sondern zum Bereich “Erziehung und Unterricht”.

  10. #11 Julia
    9. Oktober 2016

    Um nur mal kurz anzumerken. In Baden-Württemberg haben Beamte eine Wochenarbeitszeit von 41 Stunden und Angestellte 38,5 Stunden.

  11. #12 s.s.t.
    9. Oktober 2016

    @ingolf

    Ich habe immer meinen Schulfreund beneidet, der im öffentlichen Dienst arbeitet und freitags immer pünktlich ab 13 Uhr in das Wochenende gehen konnte.

    Na ja, ganz so einfach ist das auch nicht. Die Arbeitszeit im ÖD beträgt üblicherweise (von Bundesland zu Bundesland verschieden) 40h für Beamte und 38,5h für Angestellte. D.h. will man am Fr. um 13 Uhr ‘abhauen’, muss man an anderen Tagen mehr als 8h arbeiten. Abgesehen davon, dass einige Dienststellen bis zu rund-um-die-Uhr besetzt sein müssen, wäre 13 Uhr i.d.R. eine Verletzung der Kernarbeitszeit, was i.d.R. nur sehr begrenzt erlaubt ist.

  12. #13 Karl Mistelberger
    9. Oktober 2016

    Lieber Joseph Kuhn,

    als Migrant kann ich auf ein halbes Jahrhundert teils intensiver Kontakte mit der deutschen Bürokratie im besonderen zurückblicken, habe aber nicht vor, diese vollständig hier darzustellen.

    Ein Schmankerl möchte ich dennoch präsentieren. Auf einer Reise durch Bolivien und Chile hatte ich vier Wochen Kontakt mit einer kleinen, grünen Beamtin aus dem Nordrhein-Westfälischen Umweltministerium. Höhepunkte waren (sinngemäß, nicht wortwörtlich):

    – Ich komme um sieben ins Büro und trinke bis neun Uhr Kaffee. Die beiden Stunden gehen auf das Gleitzeitkonto und summieren sich sich über das Jahr auf vier Wochen Zusatzurlaub.

    – Wann und was ich mit meinem Chef rede, das bestimme ich.

    Vermutlich gab es in der ganzen Abteilung nichts Wichtiges zu tun, so dass mir letztere Aussage durchaus zutreffend erscheint und Angeberei mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann.

    Auch über die Tätigkeit der Polizei nach Freitag 13 Uhr gibt es Aktuelles zu vermelden: Ich knipse gerne. Pro Jahr kommen so fünf- bis zehntausend Schnappschüsse zusammen und keinen interessiert es. Griaß Di und Servus sind die häufigsten der ganz seltenen Kommentare. Am 19. August um 17:01:38 Uhr waren drei Migrantlinge auf dem Foto und es hieß plötzlich in bisher nicht gehörtem Ton: Sie haben uns fotografiert. Löschen Sie sofort das Foto oder wir holen die Polizei.

    Mein Hinweis, dass wir uns ins Deutschland befänden und in diesem Lande jeder jeden fotografieren dürfe, wurde ignoriert und die Polizei mehrfach angerufen. Nachdem ich in ganz gemächlichem Tempo eine Maß Weißbier ausgetrunken hatte kam tatsächlich ein Streifenwagen. Die Besatzung hatte nichts Wichtigeres zu tun als nach meinem Ausweis zu fragen und da ich keinen einstecken hatte, mich durch die Stadt zu meiner Wohnung zu kutschieren.

    Die beiden Geschichte sind durchaus repräsentativ für einige hundert andere. Der angebliche Stress im Beamtentum ist ungefähr so real wie die plötzliche Häufung von Krankheitsfällen bei TUIfly.

    Im übrigen scheinen Sie mich gründlich missverstanden zu haben. Ich plädiere nicht dafür, bei dieser faktisch schon im Paradies lebenden Bevölkerungsgruppe den Druck zu erhöhen. Die sollen im Sinne von Horst Wildemann ihre Aufgaben durchforsten und alles unterlassen, was Arbeit macht und nichts bringt, damit sie ein stressfreies Leben haben. Vielleicht kommen sie dann auch auf die Idee dass ich eigentlich Kunde bin und dass sie dafür da sind, mir das Leben leichter zu machen.

    • #14 Joseph Kuhn
      9. Oktober 2016

      @ Karl Mistelberger:

      “Die beiden Geschichte sind durchaus repräsentativ für einige hundert andere”

      Wer einen faulen Beamten kennt, hat recht. Da kann ich mit meinen Statistiken einpacken, gegen Ihre Erfahrungen komme ich damit nicht an und meine zählen hier sicher nicht.*

      Werde versuchen, wenn ich morgen wieder ins “Paradies” komme, so weit wie möglich Ihren Erwartungen nachzukommen.

      * Aber ein “Schmankerl”, wie Sie’s nennen, habe ich auch: Der (typisch Beamter: kürzlich in Pension gegangene!) Garmisch-Partenkirchener Amtsarzt Volker Juds erzählt aus seinem Arbeitsleben: “Der Büroschlaf”.

  13. #15 0xFFFFFFF
    9. Oktober 2016

    @Karl Mistelberger

    Hat ein bisschen was von Sartire, dass sich ein so von Vorurteilen durchsetztes Individuum auf Scienceblogs rumtreibt.

  14. #16 RPGNo1
    10. Oktober 2016

    @Karl Mistelberger
    Jetzt fehlt nur noch ein Rant über die faulen verbeamteten Lehrer, die ja auch nur von 8-13 h arbeiten und sich den Rest des Tages einen faulen Lenz machen. Ach, und bitte nicht die 12 Wochen Urlaub vergessen. Sowie die ganzen Feiertage und die dazugehörigen Brückentage, die man selbstverständlich krank nimmt. Und zuletzt die unsäglichen Lehrerkonferenzen und -fortbildungen, die sowieso nur dazu dienen, um “Big Party” zu feiern.
    (Wer Spuren von Ironie entdeckt, mag sie für sich behalten.)

  15. #17 Earonn
    10. Oktober 2016

    Pöhser Alisier, macht einfach von seinem Recht und dem vorgesehenen Prozess Gebrauch, wenn etwas nicht korrekt läuft.
    Aber wir wissen ja: wer Fehlverhalten anzeigt ist eine blöde Petze. Lieber lässt man Schikane bis hin zu Verbrechen durchgehen, denn wer das nicht tut, ist praktisch schon Blockwart.
    *kopfschüttel*
    Ich frage mich, was Alisier hätte tun sollen? Brav wegducken? Rumgrölen a’la Trump?

    @topic
    “Die Beamten” sind genauso homogen wie “die Frauen”, “die Männer”, und dass “die Kfz-Mechaniker” allesamt betrügen, wissen “wir” ja auch…
    Beamte sind für manche halt ein bequemer Sündenbock, so wie alle anderen heruntergemachten Gruppen auch. Dass es faule Beamte genauso geben könnte wie faule Angestellte (die dann ihre eigenen Tricks entwickeln) oder eben fleißige Leute in beiden Gruppen ist doch egal, Hauptsache man hat die da (TM).

    Übrigens: wer in meinem Büro mit etwas Ansteckendem krank zur Arbeit eerschien, und sich gar noch als Held der Arbeit präsentieren wollte, bekam heftigen Gegenwind. Erstaunlicherweise wollen wir anderen nämlich nicht angesteckt werden…
    (Ausnahmeregelung gilt natürlich für alle, die wirklch vom Chef unter Druck gesetzt werden und noch auf der Suche nach einem neuen Job sind)

  16. #18 ralph
    10. Oktober 2016

    Das Problem mit der Bürokratie sind natürlich nicht die Beamten, sondern die unflexible und sich selbst verfestigende Struktur. Dem steht eine sich rasch ändernde Welt entgegen.
    Die sogenannte Flüchtlingskriese macht einiges davon sichtbar – Stichworte: Baurecht, Arbeitsrecht usw.

    Eines von unzähligen Beispielen:
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article158645046/Wie-der-Staat-Fluechtlinge-an-der-Integration-hindert.html

  17. #19 anderer Michael
    10. Oktober 2016

    Warum so kritisch, Earonn? Alisier hat doch alles richtig gemacht, gelungene vorbildliche Assimilation ins deutsche Volk, er macht von einem Recht Gebrauch, dass es in diesem so häufig als ausländerfeindlich oder -freundlich bezeichneten Land, je nach Gusto, gibt. Aber in vielen so hoch gelobten oder sich selber als überlegen betitulierenden Ländern nicht vorhanden ist. Wo ist das Problem? Im übrigen kennen wir die Details nicht ( und sie gehen uns eigentlich auch nichts an) und wissen auch nichts über die Rechtslage des Herkunftslandes des werten Mitkommentators.
    Und leider hast du recht ,wer Fehlverhalten anzeigt oder öffentlich macht, kann sehr schnell selber in die Schusslinie kommen, vor allem dann, wenn Schweigen über Fehlverhalten öffentliche Maßgabe ist. Was nicht sein darf, nicht sein kann. Gibt es nicht in deinem aktuellen Aufenthaltsland ein schönes Beispiel: der jahrelange Missbrauch an minderjährigen Mädchen in Rotherham. Beamte, die darauf hinwiesen, hatten tatsächlich Probleme.

    Zum Thema: Deine kritische Einschätzung zur Verallgemeinerung des Beamtentums teile ich.Ich würde das Beamtentum sowieso abschaffen, das würde kaum eines der genannten Problem lösen, aber es würde Gleichheit bei Renten- und Krankenversicherung bringen.
    Ganz unabhängig einzelne Gruppen von Beamten haben unglaubliche Priviligien: höhere Ministerialbeamte, Richter, verbeamtete Uniprofessoren.

  18. #20 RPGNo1
    10. Oktober 2016

    Ich würde das Beamtentum sowieso abschaffen, das würde kaum eines der genannten Problem lösen, aber es würde Gleichheit bei Renten- und Krankenversicherung bringen.

    Das ist sehr schlicht gedacht. Willst du die Polizei privatisieren? Oder Polizisten zu Angestellten machen? Wie steht es mit Zoll, Inspektoren, Justizvollzug?
    Es muss sicher nicht jeder Staatsbedienstete ein Beamter (z.B. Lehrer oder früher auch Post) sein, aber Kernkompetenzen sollten doch weiterhin in den Händen von Beamten bestehen bleiben. Diese unterliegen nämlich der sogenannten Dienst- oder Treuepflicht.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Dienstpflicht

    Ganz unabhängig einzelne Gruppen von Beamten haben unglaubliche Priviligien: höhere Ministerialbeamte, Richter, verbeamtete Uniprofessoren.

    Richter sind keine Beamte.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Beamter_(Deutschland)

    Beamter zu sein, hat nicht nur Vorteile, sondern die Verpflichtungen bringen auch Einschränkungen mit sich, der ein normaler Angestellter in der Wirtschaft nicht unterliegt. Und das Gehalt ist auch meistens niedriger.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Beamter_(Deutschland)#Pflichten_der_Beamten

    Summa summarum, den Vorteilen stehen halt auch entsprechende Nachteile gegenüber.

  19. #21 anderer Michael
    10. Oktober 2016

    Richter sind keine Beamte. Hätte ich nie gedacht und nie vermutet. An sich aber logisch, denn sie sollen unabhängig sein und demzufolge, vermute ich,keiner Treuepflicht dem Dienstherrn unterliegen und nach geltendem Recht richten. Allerdings haben Richter ein riesiges Privileg, Fehler ,sofern nicht vorsätzlich, bleiben faktisch ohne Konsequenzen , gleich was für Folgen sich ergeben haben. Aber das liegt wohl eher am Sonderstatus der Richter und hat mit dem Thema nichts zu tun.

    Ja, ich würde das Beamtentum abschaffen. Und Polizisten zu Angestellten .Auch eine Verkäuferin beim Lidl hat gegenüber ihrem Arbeitgeber Pflichten und darf nicht gegen dessen berechtigte Interessen arbeiten.
    Ich glaube gerne, dass Beamte auch Nachteile haben. Mir wäre ein gleiches Arbeitsrecht für alle lieber ,ohne Vor- und Nachteile.
    Das ist sicherlich eine nicht konsensfähige Vorstellung. Aber wir hängen viel zu sehr an alten Zöpfen, zu meiner Überraschung auch viele junge Leute.

  20. #22 Dr. Webbaer
    10. Oktober 2016

    Nichts gegen Beamte als notwendiges Übel oder nett formuliert: als Garanten der (angemessenen) Staatlichkeit.
    Ansonsten darf mit der Verbeamtung sparsam umgegangen werden, Lehrer bspw. müssen keine Beamten sein.

    Manchmal fehlen auch Beamte, bspw. wenn die Kriminalität Oberhand gewinnt; gerade dann wollen viele Beamte und keine “Externen”.

    Ansonsten gilt auch dieser Satz:

    The only thing that saves us from the bureaucracy is inefficiency. [Eugene McCarthy, “Leftist”]

    MFG
    Dr. Webbaer

  21. #23 Dr. Webbaer
    10. Oktober 2016

    Vielleicht noch etwas Nettes über Beamte:
    Beamte tun ziemlich genau das, was von ihnen -allgemein- erwartet wird, so auch die allgemeine Erfahrung.
    Was keine Selbstverständlichkeit ist.

    Interessant ist, wenn Staatsbedienstete ein wenig aus sich heraus gehen, publizistisch werden, auch dies muss nicht schlecht sein.
    Vgl. bspw. auch mit diesem Burschen:
    -> http://www.zeit.de/serie/fischer-im-recht

    MFG
    Dr. Webbaer

  22. #24 Joseph Kuhn
    10. Oktober 2016

    @ RPGNo1

    “Und das Gehalt ist auch meistens niedriger”

    Nicht innerhalb des öffentlichen Dienstes, da haben Beamte netto mehr als Angestellte in der gleichen Eingruppierung.

    “Polizisten zu Angestellten”

    Auch bei der Polizei sind nicht alle Bediensteten Beamte.

    @ anderer Michael:

    “einzelne Gruppen von Beamten haben unglaubliche Priviligien: höhere Ministerialbeamte, Richter, verbeamtete Uniprofessoren.”

    Einzelne Gruppen von Beschäftigten in der freien Wirtschaft haben unglaubliche Privilegien: Bankmanager, Rechtsanwälte, Ärzte.

    “Mir wäre ein gleiches Arbeitsrecht für alle lieber”

    Wenn es für alle gleich gute Arbeitsbedingungen gäbe, warum nicht. Aber Polizisten, bei denen man nicht sicher sein kann, welche Nebenjobs sie haben sind mir fast so unheimlich wie Ärzte, bei denen man nicht weiß, welche Pharmafirma ihre Verordnungen “fördert”.

  23. #25 anderer Michael
    10. Oktober 2016

    Herr Kuhn,
    Interessant der letzte Link. Ich wusste zwar von früher, dass “Meinungsbildner” durchaus auch mal Zuwendungen in Form eines Mercedes bekämen, und sich beschwerten, es wären keine Winterreifen vorhanden, die darauf flugs besorgt worden wären (1). Dass heute immer noch so hohe Summen bezahlt werden, wundert mich sehr. Speziell Beratungs – und Vortragshonorare in 5stelliger Summe machen mich skeptisch, ob Leistung und Gegenleistung in nachvollziehbarer Dimension gegenüberstehen. Allerdings vergleichsweise spartanisch mit Honoraren von Politikern aller Altparteien. (2 )
    Aber welche Privilegien haben den Ärzte?
    1.Sie sind Zwangsmitglied einer Kammer ( Symbol eines repressiven Staates, der für wichtig erachtete Berufsgruppen beeinflussen möchte. Einrichtung von Kammern sind zur Zeit eine Lieblingsidee der Linken).
    2.Niedergelassene Ärzte sind als freie Berufe nicht gewerbesteuerpflichtig. Diese Steuer sollte sowieso abgeschafft werden.
    3. Ärzte sind Zwangsmitglieder einer berufsständischen Rentenversicherung.Ich weiß nicht, ob das ein Vorteil ist. Die staatlich verordneten Zwangsabgaben für die Rente werden nicht als Umlage sondern als Rücklage verwendet.Im Prinzip nicht verkehrt, in der letzten FinanzKrise sank die Rücklage da und dort, theoretisch kann sie auch mal ganz weg sein.
    4.Ärzte bekommen Zuwendungen von der pharmazeutischen Industrie. Im Prinzip kann die jeder bekommen, was , wie bekannt, gelegentlich auch passiert.
    5. Fehler in der Behandlung werden, jedenfalls theoretisch, juristisch sanktioniert, im Gegensatz zu Richtern.
    Weitere Vorteile fallen mir nicht ein, auch nicht bei Rechtsanwälten . Nun gut,die Bankmanager haben in der Tat ein besonderes Privileg, bei Fehlern bleiben sie nicht nur nicht straffrei, sie werden fürstlich belohnt ( in unserem westlichen Nachbarland Frankreich sagt man dazu: goldener Fallschirm). Sie machen halt gute Lobbyarbeit bei allen Regierungen.

    Nebenjobs von Polizisten gibt es meines Wissens durchaus, müssen, wie üblich ,genehmigt werden. Ob der BGH-Richter Fischer seine Nebenjobs auch genehmigen lassen musste , ist mir nicht bekannt. Von mir hätte er sie nicht bekommen, angesichts des Verfahrenstaus.

    Es hat sich einiges getan in der Medizin. Interessenskonflikte müssen dargelegt werden, eine Klinikkette hat generell persönliche Zuwendungen verboten, sogar Werbekugelschreiber. Aber wie Ihr Link zeigt noch zu wenig .

    1 .vor über 30 Jahren in einer geselligen Gesprächsrunde , an der auch ein leitender Pharmareferent teilnahm, zu vorgerückter Stunde und nach entsprechendem zungelösenden Flüssigkeitskonsum gehört. Ob das für meine Ohren bestimmt war, zweifele ich sehr.
    2. Ich denke, die AfD wird in einigen Jahren auch keine Ausnahme mehr sein.

  24. #26 RPGNo1
    10. Oktober 2016

    @Joseph Kuhn

    “Und das Gehalt ist auch meistens niedriger”

    Nicht innerhalb des öffentlichen Dienstes, da haben Beamte netto mehr als Angestellte in der gleichen Eingruppierung.

    Ich hatte in meinem Satz vorher von Wirtschaft gesprochen und bezog mich mit meinem Gehaltsvergleich darauf. Eventuell hätte ich das nochmal klarer herausstellen sollen.

    “Polizisten zu Angestellten”

    Auch bei der Polizei sind nicht alle Bediensteten Beamte.

    Jetzt bin ich neugierig geworden. Das höre ich zum ersten Mal. Wo kann ich weitere Info zum Thema finden?

  25. #27 Joseph Kuhn
    10. Oktober 2016

    @ RPGNo1:

    “Wo kann ich weitere Info zum Thema finden?”

    Am einfachsten wie so oft heutzutage im Internet. Das Hamburger Abendblatt schreibt z.B.: “Zur Hamburger Polizei gehören rund 8000 Beamte, hinzu kommen etwa 2000 Angestellte im Polizeidienst.”

    In welchen Bereichen Angestellte im Polizeidienst konkret tätig sind, ob z.B. auch im Polizeivollzugsdienst, weiß ich nicht.

    @ anderer Michael

    “Weitere Vorteile fallen mir nicht ein”

    Manche meinen z.B., die meisten Ärzte würde auch ohne die diversen Pharmazuwendungen ganz gut verdienen. Es sei ihnen gegönnt, ich möchte nicht von einem Arzt operiert werden, der gerade darüber nachdenkt, dass morgen sein Haus gepfändet wird. Aber ich denke, ein Chefarzt muss sich gegenüber einem höheren Ministerialbeamten, Richter oder verbeamteten Uniprofessor – ihre Liste – nicht allzusehr benachteiligt fühlen.

  26. #28 s.s.t.
    11. Oktober 2016

    @Joseph Kuhn

    In welchen Bereichen Angestellte im Polizeidienst konkret tätig sind, ob z.B. auch im Polizeivollzugsdienst, weiß ich nicht.

    Die Aufgaben findet man z.B. hier: http://www.hamburg.de/polizei/navigation-angestellte-im-polizeidienst/

    Aber es wäre wirklich ‘lustig’, wenn Polizei und Feuerwehr mal streiken würden, so sie denn alle Angestellte wären und gleiches Arbeitsrecht für alle gälte.

  27. #29 anderer Michael
    11. Oktober 2016

    Ärzte brauchen sich wegen ihres Bruttogehaltes im Regelfall nicht zu beschweren. Chefärzte an deutschen Unis sind Beamte und hatten speziell in Bayern faktisch die Lizenz zum Gelddrucken. Der Durchschnittsarzt hat nicht die Privilegien , wie sie genannte Beamtengruppen oder Richter besitzen. Höheres Einkommen ist ein Ansichtssache, ob es verdient sei.

  28. #30 s.s.t.
    11. Oktober 2016

    Was die Richter angeht, so ist zumindest Thomas Fischer anderer Ansicht, z.B. hier:
    http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-08/rechtsbeugung-instanzen-und-hierarchien-fischer-im-recht/komplettansicht

  29. #31 Earonn
    11. Oktober 2016

    Hätte ich wirklich dazuschreiben müssen, dass mein erster Absatz bzg. Alisier sarkastisch gemeint war?
    Okay:
    /sarcasm off

    Ein gleiches Arbeitsrecht für alle halte ich für unmöglich. Das Streikrecht wurde ja schon als möglicher Gegengrund genannt.

    Und für Beamte gilt für mich wie für alle anderen Gruppen: das Fehlverhalten einiger sollte nicht der gesamten Gruppe angelastet werden.

  30. #32 anderer Michael
    11. Oktober 2016

    s.s.t.
    Ganz ehrlich. Zu BGH-Richter Fischer bin ich hin und hergerissen zwischen Bewunderung und Ablehnung aus ganzem Herzen. Fachlich und sprachlich und argumentativ ist er eine besondere Nummer, aber ich vermute mal auch ein Showtalent und sein Ego möchte gerne ebenfalls sich im Lichte der untertänigen Anerkennung sonnen.
    Letztendlich bei kritischer Durchsicht seiner sehr originellen und durchaus informativen Kolumnen umgeht er geschickt und éloquent ein Hauptproblem: der Normalbürger ist Spielball der Justiz auf Gedeih und Verderb, und das Recht ist wie in einer Lotteriekugel gefangen, unabsehbar, unberechenbar und scheinbar willkürlich. Richterliche Entscheidungen können Menschenleben zerstören, wenn diese trotz aller Bemühungen und Aufrichtigkeit fehlerhaft zustande kommen ist es eine Sache, die andere Sache ist es, wenn Wurschtigkeit, Ignoranz, banales Unwissen, fehlende Kritikfähigkeit oder mangelnde Kompetenz zur Selbstreflexion ursächlich sind.Dann sind Richter zunächst mal sakrosankt, solange keine böse Absicht vorhanden war.
    Es wundert mich immer wieder, wie wir dies alles schlucken. Als eigentlich sehr Konservativer finde ich mich manchmal inhaltlich in den Reihen der autonomen Herrschaftsverweigerer wieder, die ich an sich ablehne. Es ist schon komisch.(1)

    Earonn
    Vollkommen richtig.Fehlverhalten einiger darf nicht allen zugerechnet werden. Man ist gelegentlich dazu geneigt, sich diesem Vorgehen zuzuneigen, da will ich mich nicht ausnehmen.
    Wie gesagt, wir hängen sehr an alten Zöpfen. Ich täte das Beamtentum abschaffen. Streikrecht bei Polizei und Feuerwehr ist bestimmt ein Problem. Aber damit lassen sich auch bequem schlechte Arbeitsbedingungen aufrechterhalten, wenn kein StreikRecht vorhanden ist.

    1.Um es nochmal klar zu sagen. Ich war nie vor Gericht als Angeklagter oder Beschuldigter noch als Zeuge. Ich habe ein paar Verfahren mitbekommen und mich dann dafür interessiert.Ich bin also nicht auf einem Rachefeldzug gegen die Justiz.

  31. #33 Laie
    12. Oktober 2016

    Bei Beamten gibt es halt schon die extremen Ausprägungen auch, wie jene, die wegen des gesunden Büroschlafs und damit verbundener Untätigkeit bei Abwesenheit gar nicht auffallen. Es gab sogar da einen Extremfall in Spanien, da ging einer jahrelang nicht in die Arbeit (haha), und niemandem fiel das auf. Stressfreier Büroschlaf soll auch sehr gesund sein, und die Anzahl der Krankenstandstage minimieren, soferne die Abwesenheit überhaupt auffällt.

    Selbstverständlich darf von den schlafenden und Freizeit verbringenden Ausnahmefällen, von denen es genug? gibt, nicht auf die brav ihre Pflicht erfüllenden geschlossen werden, das wäre primitiv.

    Der Neid der in Realberufen nicht verfügbare Büroschlaf ist wohl nur über eine starke Interessensvertretung durchsetzbar! 🙂

  32. #34 Laie
    12. Oktober 2016

    Bei Beamten gibt es halt schon die extremen Ausprägungen auch, wie jene, die wegen des gesunden Büroschlafs und damit verbundener Untätigkeit bei Abwesenheit gar nicht auffallen. Es gab sogar da einen Extremfall in Spanien, da ging einer jahrelang nicht in die Arbeit (haha), und niemandem fiel das auf. Stressfreier Büroschlaf soll auch sehr gesund sein, und die Anzahl der Krankenstandstage minimieren, soferne die Abwesenheit überhaupt auffällt.

    Selbstverständlich darf von den schlafenden und Freizeit verbringenden Ausnahmefällen, von denen es genug? gibt, nicht auf die brav ihre Pflicht erfüllenden geschlossen werden, das wäre primitiv.

    Korrigiere:
    Das Fehlen des in Realberufen nicht verfügbaren Büroschlafs ist wohl nur über eine starke Interessensvertretung durchsetzbar, um etwaigen Neid auf Büroschlaf zu entschärfen! 🙂

  33. #35 Dr. Webbaer
    12. Oktober 2016

    Vielleicht könnte sich darauf geeinigt werden, dass es gut ist, dass es Beamte gibt? Dass sie vielleicht sogar zwingend erforderlich sind in den hier gemeinten aufklärerischen Gesellschaftssystemen, eine Hüterfunktion haben könnten?

    Nichts natürlich gegen die dbzgl. hier womöglich und gelegentlich erfolgende Klischee-Bildung, Büroschlaf [1] und so, der Beamte muss kein Superman sein.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1]
    Mini-Anekdote aus einer mittelgroßen, aber durchaus wichtigen bundesdeutschen Stadt und dessen Finanzamt meinend:
    In einem schlecht ausgestatteten, großen, hässlichen und (von Beamten) überbesetzten Büro kommt (vor ca. 15 Jahren) um die Mittagszeit Dr. Webbaer an; er sieht tatsächlich die Belegschaft größtenteils dösend in ihren Sitzen oder Sesseln. eine Siesta (das Fachwort) haltend.

  34. #36 Laie
    13. Oktober 2016

    Ich denke, manche Beamte sind einfach ihrer Zeit voraus, indem sie den gesunden Büroschlaf zwecks Leistungssteigerung einführten. Ich seh das durchwegs auch positiv! 🙂

    Ich hörte mal eine kritische Stimme die meinte, ein bestimmer Beamte sei dermaßen unproduktiv, sodass das wiederum gut ist, denn sobald er “arbeitete” richte er immer Schaden an, den andere zu beheben hätten, was sie aber nicht taten, weil es nicht ihre Aufgabe gewesen sein. Das sind sicherlich die Ausnahmen!

  35. #37 Robert
    22. November 2016

    Laie und andere

    Beamte und Büroschlaf, dieser Witz war schon vor 40 doof.
    Ein guter Beitrag war der von Ralph 18 und RpgNo1 20.
    Wer keine Ahnung von der Thematik hat, sollte hier seine Klappe halten.

  36. #38 Robert
    22. November 2016

    Nachtrag : vor 40 Jahren